Ungerberg 2012 von Paul Achs: Blaufränkisch vom Feinsten!

Eigentlich ist es erstaunlich, dass die wunderbare Sorte Blaufränkisch nicht viel weiter verbreitet ist. Der Vergleich mag gewagt sein, aber diese Rebsorte vereint die Eleganz eines Pinot noir mit der Tiefe eines Cabernet Sauvignon. Und wenn der Wein vom Ungerberg kommt und vom bio-dynamisch arbeitenden Winzer Paul Achs stammt, dann wird er fast unwiderstehlich!

Der Ungerberg, wobei „Berg“ eigentlich masslos übertrieben ist. Aber aufgrund der Bodenbeschaffenheit ist es eine der besten Lagen am Neusiedlersee (im Hintergrund). Foto: Download ab Homepage von Paul Achs.

Paul Achs leitet sein Weingut seit fast 30 Jahren, und er hat es in dieser Zeit geschafft, den Familienbetrieb zu einem der besten in ganz Oesterreich zu wandeln. Zweifellos spielt dabei eine wichtige Rolle, dass er seit 2006 (zertifiziert) nach bio-dynamischen Grundsätzen arbeitet. „Leben und leben lassen“ steht dazu auf seiner Homepage, und besser kann man das Prinzip in ein paar wenigen Worten wohl kaum ausdrücken.

Auf rund 25 Hektar Land rund um Gols im Burgenland produziert Paul Achs eine Vielzahl von Weinen – auch einfache Alltagsweine, wobei ich noch nie einen im Glas hatte, der nicht auf seine Art fasziniert hätte. Die allerbesten Weine für mich sind aber seine Lagen-Blaufränkisch, und hier als „primus inter pares“ der Ungerberg. Wie auf der Foto ersichtlich, handelt es sich eher um eine leicht nach Süd-Südwest geneigte, perfekte Lage mit sanfter Steigung, die mit Kalk und im Untergrund einer Eisenschicht den idealen Boden bietet.

Eigentlich kann man diesen Wein schon in der Jugend genussvoll trinken, aber er ist dann noch recht ungehobelt tanninbetont und auch ein bisschen unausgewogen stürmisch. Nun habe ich einen 8-jährigen Wein (2012) aus dem Keller geholt. Dieser befindet sich in der ersten wirklich genussvollen Trinkreife, dürfte aber in 3-4 Jahren sogar noch ausgewogener sein:

Dunkles Rubin mit violetten Tönen, noch sehr jugendlich wirkend. In der Nase dunkle Beerenfrucht, Pflaumen, Sultaninen, Thymian. Im Mund saftig, enorm viele, äusserst feine Tannine, spürbare, aber gut integrierte Säure, Alkohol trotz 13,5 % kaum spürbar, enorme Finesse und Eleganz, langer Abgang, wirkt noch jugendlich und hat Potential für die nächsten Jahre. Klassewein!

Ich habe Paul Achs nun schon an mehreren Anlässen persönlich angetroffen. Was auffällt: Er ist eher zurückhaltend, bescheiden, aber wenn man mit ihm spricht ist er enorm präsent und überzeugend. Und fast immer hat er dieses sympathische, positive Lachen auf dem Gesicht. Es gibt auf seiner Homepage diverse Bilder von ihm zum Herunterladen, aber dieses hier scheint mir Paul Achs am besten zu zeigen:

Paul Achs: Dieses ansteckende, fröhliche und offene Lachen! (Foto Roland Unger, Download ab Homepage von Paul Achs.

http://www.paul-achs.com

Bezugsquellen jüngerer Weine:
http://www.gerstl.ch
http://www.ritter-weine.li
Weitere Bezugsquellen, insbesondere auch in Deutschland, siehe auf der Homepage von Paul Achs


Faszination pur: Guter Wein aus der ältesten benannten Rebsorte der Welt!

Chardonnay, Riesling, Blaufränkisch, Gamay. Alle diese und über hundert weitere Sorten gäbe es nicht ohne die Ursorte Gwäss bzw. Heunisch, die auch heute noch einen erstaunlichen Wein hervorbringt.

Würden Sie einen Wein „von geringer Qualität, wässrig und sauer“ trinken wollen? Genau das wird dieser „Ursorte“ nämlich nachgesagt, aber sie hat diese Eigenschaften weder ihren Kindern und Kindeskindern vererbt, noch passt das Urteil auf einen heutigen Wein aus der Sorte, den ich hier beschreibe!

Woher die Heunisch oder Gwäss (was man fast gleich ausspricht wie das französische Gouais [blanc]), wirklich stammt, wird wohl nie erforscht werden können. Als sicher gilt, dass sie aus dem Osten kommt und vor vielen Jahrhunderten nach Mitteleuropa gelangte. Nach einer von mehreren Theorien wurde sie schon unter dem Hunnenkönig Attila nach dem Jahr 400 herum eingeführt.

Mit DNA-Analysen bewiesen ist hingegen, dass die Gwäss sozusagen die Mutter/Grossmutter/Urgrossmutter von mehr als hundert heute gängigen Weinsorten ist. Aus unbekannten Kreuzungen hervorgegangen sind zum Beispiel so weltbekannte Rebsorten wie Blaufränkisch und Riesling, aber auch regionale Spezialitäten wie der Räuschling, während Kreuzungen mit Pinot (vermutlich Pinot noir) zu Chardonnay, Alioté, Gamay und Muscadet geführt haben. Auf jeden Fall scheint die Gewäss/Heunisch die älteste namentlich bekannte Rebsorte der Welt zu sein1!

Alpine Reblandschaft im Oberwallis, wo die Gwäss noch angepflanzt wird (Symbolbild, es zeigt nicht den Rebberg von Chanton).

Die Sorte reift spät und ist deshalb auf Frühlingsfrost kaum anfällig. Dazu bringt sie ohne Eingriffe enorme Erträge. Es ist deshalb verständlich, dass sie einst weit verbreitet war. Aber schon im 18. Jahrhundert wurde sie als minderwertig nicht mehr empfohlen. Das Prädikat „dünn“ wurde der Sorte freilich schon im 12. Jahrhundert durch Hildegard von Bingen „verliehen“. Von ihr soll der Ausspruch stammen: „Der fränkische Wein sei ein starker Wein, der mit Wasser vermischt werden müsse, hingegen sei der hunnische (also der von den Hunnen gebrachte Heunisch/Gwäss) von Natur aus wässrig und müsse nicht verdünnt werden“.2

Den Gegenbeweis zu These der Hildegard von Bingen erbringt ein Betrieb im Oberwallis, Chanton Weine in Visp, der sich schon in dritter Generation um die Pflege alter Rebsorten verdient macht. Schon der Grossvater des heutigen Betriebsinhabers Mario Chanton pflanzte die Lafnetscha wieder an, und der Vater zog mit der Himbertscha und eben der Gwäss in den 1980er-Jahren nach. Bemerkenswert ist dabei, dass die Gwäss damals ohne das Wissen um ihre ampelographische Wichtigkeit wieder angebaut wurde. Die ersten Weine aus dieser Sorte waren längst wieder auf dem Markt, als die Forscher den Nachweis der Verwandtschaft erbringen konnten! Gutes Gespür, könnte man dem wohl sagen!

So völlig falsch sind die erwähnten Eigenschaften der Sorte – dünn und sauer – natürlich nicht. Aber Chanton zeigt mit seinem Gwäss, dass mit strikter Ertragsregulierung auch ein völlig anderer Wein entstehen kann:


Gwäss 2017, Chanton Weine
Helles Gelb mit orangen Reflexen; dezente Nase mit floralen Tönen, Anflug von Williams-Birne und -Schnaps, etwas Kiwi; erstaunlich rund, ausgeprägter „Süsskomplex“ (nicht süss!), spürbare, aber gezügelte Säure, mittlerer Abgang mit merkbarem Alkohol.

Wohlverstanden, ein wirklich grosses Gewächs ist auch dieser Gwäss nicht. Aber es ist ein schöner Wein, der Spass macht und der auch kulinarisch sehr breit eingesetzt werden kann (Apéro, zu Fisch, hellem Käse und auch zu nicht sehr scharfen exotischen Gerichten. Und nach drei Tagen habe ich einen kleinen Rest noch zu Spargel genossen – selbst das geht).

Aber zu einem richtig erhabenen Gefühl und fast ein wenig Gänsehaut beim Genuss führt natürlich das Wissen, sozusagen einen Schluck Weingeschichte zu trinken und daran zu denken, was uns ohne die Gwäss/Heunisch – oder meinetwegen den Hunnenkönig, wenn diese Geschichte denn stimmt – an Weingenüssen alles verwehrt geblieben wäre! Wer Riesling, Chardonnay und Blaufränkisch und Co. liebt, müsste eigentlich zumindest einmal einen Gwäss genossen haben!

http://www.chanton.ch/

1 Siehe u.a.:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2880041/
https://edoc.sub.uni-hamburg.de/haw/volltexte/2011/1438/pdf/ern_y_569.pdf (Seite 46)

sowie Arbeiten von Dr. José Vouillamoz (unveröffentlicht, beim Weingut Chanton eingesehen).
2 Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Heunisch_(Rebsorte
)

Mathias Jalits, Eisenberg: Blaufränkisch vom Feinsten!

Eisenberg, dieses kleine und unbekannte Weinbaugebiet im südlichen Burgenland, hält noch manche Entdeckung bereit. Die Sorte Blaufränkisch fühlt sich hier besonders wohl und bringt Spitzenweine.

Der Eisenberg, schöne Landschaft, tolle Weine! (Bild: EisenbergDAC ┬® Manfred Klimek)

Viele meiner Blog-Beiträge trage ich jeweils schon jahre- oder monatelang im Kopf mit herum, etwa weil ich einen Wein oder Winzer schon lange schätze oder endlich genauer kennenlernen wollte. Weil ich in Sachen Wein sehr neugierig bin, versuche ich aber auch immer, Neues zu entdecken, am liebsten aus unbekannten Gebieten und Sorten – oder von aufstrebenden Winzerinnen und Winzern. Wahrscheinlich seufzen einige Weinhändler zuweilen über mich, weil ich oft einfach Einzelflaschen bestelle. Der einfachste Weg zu Entdeckungen sind aber natürlich Degustationen, und auf eine solche geht mein heutiger Beitrag zurück. Ich hatte kürzlich schon darüber, bzw. über die DAC Eisenberg geschrieben:
https://victorswein.blog/2020/01/18/blaufrankisch-aus-eisenberg-zur-entdeckung-warmstens-empfohlen/
Von einem Schweizer Importeur, Daniel Ruoss von „Weinzeit“, erhielt ich einen Dank per Mail, mit der augenzwinkernen Bemerkung, ich hätte aber in meiner Aufzählung empfehlenswerter Güter jenes von Mathias Jalits vergessen. Diese Reaktion veranlasste mich, einen Querschnitt durch das Sortiment von Jalits zu kaufen und zu probieren. Denn vergessen hatte ich das Gut nicht, in der „Masterclass-Degustation“ des Anlasses hatte ich dem Blaufränkisch von Jalits 2017 vom Ried Szapary nämlich sogar die höchste Note aller sechs degustierten Weine vergeben. Leider aber waren die Österreicher beim Ende der Veranstaltung so schweizerisch pünktlich, dass ich es nicht mehr schaffte, die Weine aller Aussteller degustieren zu können, unter anderem auch jene von Jalits. Und nur aufgrund eines einzigen Beispiels mochte ich keine Empfehlung für ein ganzes Gut abgeben.

Das hole ich aber hiermit sehr gerne und mit Überzeugung nach. Während die beiden Basisweine, ein Welschriesling 2018 und der Blaufränkisch Eisenberg DAC 2017 zwar einfache Weine, aber solche mit hohem Spassfaktor sind, glänzt bereits die Rarität, ein Pinot noir aus dem Jahr 2016, mit einer eigenständigen Auslegung dieser Traubensorte: sehr filigran und „puristisch“, aber doch sortentypisch und vor allem bis zum letzten Schluck spannend und anregend – das absolute Gegenteil eines „Bluffers“. Definitiv grossartig wird das Sortiment aber mit den drei degustierten Lagen-Blaufränkisch, alle Eisenberg DAC Reserve, jene aus den Rieden (= Lagen) Fasching und Szapary sowie der „Diabas“, das Flaggschiff des Gutes mit Trauben aus drei verschiedenen Lagen.

Szapary? Das tönt so ungarisch, und tatsächlich liegt dieser steilste Teil des Eisenbergs nur einige hundert Meter von der ungarischen Grenze entfernt (die direkt an Szapary anschliessende Lage Saybritz erstreckt sich bis zur Grenze).

Begnadeter Winzer und Weinmacher: Mathias Jalits in seinem Weinkeller (Bild: Homepage Jalits)

Zurück zu den drei Weinen. Das ist Blaufränkisch in Vollendung! So unterschiedlich sie ausfallen, so sehr zeigen sie eine verbindende Handschrift: unglaublich kraftvoll, aber trotzdem von tänzerischer Eleganz und enormer mineralischer Frische. Ganz einfach drei tolle Spitzenweine – jetzt trinkbar, aber mit viel Alterungspotential!

Ried Fasching 2016:
Dunkles Rubin; Cassis, Brombeeren, dunkle Kirschen, leichter Holzton. Kräftig, spürbare, feine Tannine, gut eingebundene Säure, langer Abgang.

Ried Szapary 2016:
Mittleres Rot; noch sehr primäre Aromen, fast, als hätte er eben erst die „Malo“ hinter sich, daneben Kaffee und helle Beeren; im Mund druckvoll, im Antrunk zwar eher filigran wirkend, dann aber dicht und wuchtig, schöne Säure, fast nicht endender Abgang. Trotz viel Kraft ein feingliedriger, eleganter Wein.

„Diabas“ 2015 (aus den Lagen Saybritz, Fasching und Reihburg)
Dichtes, glänzendes Purpur; Duft nach Cassis, Leder, Tabak und Thymian; enorm viele, aber sehr feine Tannine, schöne Säure, gut eingebundener Alkohol, wirkt aber trotzdem auf positive Art „feurig“, mittlerer Abgang.

Der „Diabas“ ist sicher der grösste der drei Weine und dürfte sehr lange altern können. Trotzdem, jetzt und wohl auch bis auf Weiteres, macht der „Szapary“ am meisten Spass: So viel hochklassigen Trinkgenuss zu einem solchen Preis (Fr. 20.00) muss man weit suchen!

http://www.jalits.at
http://www.weinzeit.ch
Weitere Bezugsquellen auch für andere Länder sind auf der Homepage von Jalits ersichtlich.

Blaufränkisch aus Eisenberg – zur Entdeckung wärmstens empfohlen!

Eisenberg DAC – der Name ist sozusagen Programm, denn in dieser „Appellation“ gibt es nicht nur rekordverdächtige Eisengehalte in den Böden, es ist auch nur eine Rebsorte zugelassen, die Blaufränkisch. Und das unbekannte Gebiet lohnt eine Entdeckung!

Hoher Eisenanteil: die meisten Böden im Gebiet Eisenberg (Foto EisenbergDAC/ Steve Haider)

Wo liegt dieses Eisenberg? Genauer Eisenberg an der Pinka? Oder noch besser Deutsch-Schützen-Eisenberg, wie die knapp 1’200 Einwohner zählende Gemeinde nach einer Fusion heisst? Der Ort befindet sich im südöstlichsten Zipfel Österreichs im südlichen Burgenland, direkt an der ungarischen Grenze. Charakteristisch ist aber weniger der Ortsname als der gleichnamige „Berg“, der sich zwar nur 420 m über Meer erhebt, damit aber den Ort um rund 200 m überragt und an dessen steilen Hängen die besten Lagen des Gebietes liegen.

Blick vom Eisenberg (Foto EisenbergDAC/ Steve Haider)

Eisenberg? Wenn das Gebiet wenig bekannt ist, dann liegt das sicher an der peripheren Lage, aber vor allem auch daran, dass es mit knapp 200 ha die kleinste Appellation von ganz Österreich ist (seit dem Jahrgang 2008 als DAC). Nur rund 500 ha Reben stehen im ganzen Südburgendland, davon sind eben diese 200 ha mit Blaufränkisch bestockt – und nur reine Blaufränkisch können die DAC tragen. Zudem darf der Wein erst seit 2008 wieder Eisenberg heissen, zuvor wurde er während einem Vierteljahrhundert unter dem Namen „Südburgenland“ vermarktet.

Idyllische Reb- und Waldlandschaft (Foto EisenbergDAC/ Steve Haider)

Dabei ist nicht nur die Landschaft wunderschön, auch die Weine von hier sind äusserst bemerkenswert. Schon die Tatsache, dass nur Blaufränkisch die DAC tragen darf sagt aus, dass diese Traube hier den Ton angibt. Und wie!

Im letzten Herbst gastierten 13 Weinbaubetriebe mit ihren Blaufränkisch in Zürich zu einer faszinierenden Degustation. Aus diesem Gebiet kommen Weine, die zum Besten (und Langlebigsten) zählen, was diese edle Traubensorte hergibt. Nebst den aussergewöhnlichen Böden trägt auch das Klima dazu bei: Es ist hier generell kühler als im restlichen Burgenland. Zwar ist auch hier der Einfluss warmer Luftströme aus der ungarischen Tiefebene spürbar, aber die Hänge sorgen dafür, dass die Luft abkühlt und dadurch wieder absinkt – eine ständige Luftbewegung, warm am Tag, kühl in der Nacht, sorgt für ein ausgeprägte Aromenbildung.

Die Highlights: Thom Wachter, Wachter-Wiesler, Kopfensteiner, Krutzler, StephanO
Keiner der ausstellenden Betriebe fiel ab, man könnte schon fast blind kaufen (die 13 Betriebe repräsentieren immerhin rund einen Viertel aller Winzer des Gebietes, und einer der besten, Uwe Schiefer, war nicht einmal dabei). Trotzdem fielen einige Betriebe speziell auf:
Thom Wachter, Burg: Ausdrucksvolle, frische und dichte Weine. Genial der Ried Königsberg 2017 mit Frische und Eleganz.
Wachter-Wiesler, Deutsch-Schützen: Weine auf der fruchtigen Seite, speziell der Ried Weinberg 2017, ein Ausbund an Frische und Frucht.
Kopfensteiner, Deutsch-Schützen: Runde, geschliffene aber nicht langweilige Weine, mit dem Ried Saybritz 2017 als Quintessenz.
Krutzler, Deutsch-Schützen: Der wohl bekannteste Betrieb aus Eisenberg bestätigt sein Renommee: Faszinierend, wie sich der (tolle, frische) Stil des Hauses in sämtlichen Weinen spiegelt. Sehr gut der Ried Weinberg 2017 und umwerfend fruchtig und dicht der (allerdings vergleichsweise sehr teure) Perwolff 2017.
StephanO, Deutsch-Schützen: Mineralische, frische und vermutlich sehr langlebige Weine mit dem Flaggschiff Ried Fasching 2016.

Es geht auch weiss! Rainer Stubits als Welschriesling-Künstler!
Wahrscheinlich weist Eisenberg das qualitativ homogenste und mit höchste Niveau beim Blaufränkisch auf. Dennoch lohnt sich auch ein Blick auf die Weissen, selbst wenn diese weiterhin unter dem Etikett „Südburgendland“ firmieren müssen. Rainer Stubits aus Harmisch etwa zeigte mit den zwei Weissen Selection Ried Csaterberg und Weisser Opal, welch grosses Potential in der Sorte Welschriesling steckt. Ersterer wurde mit Spontangärung 4 Tage an der Maische vergoren und gefällt durch seine dichte Struktur und Frische. Letzterer zeigt sich mineralisch, frisch und mit einem fast unendlichen Abgang.
Und schliesslich, aber damit verlassen wir das Gebiet Eisenberg und reden von Leithaberg, einem ebenfalls eher unbekannten und bemerkenswerten Gebiet etwas weiter nördlich: Der oben schon erwähnte StephanO lässt einen auf weissem Schiefer gewachsenen Grünen Veltliner spontan vergären und baut ihn in einem Betonei aus – ohne schweflige Säure bis zur Abfüllung. Eine Wucht von einem Weisswein, unglaublich dicht, mit sortentypischer Frucht und einem sehr langen Abgang!

http://www.eisenberg-dac.at
https://www.oesterreichwein.at/unser-wein/weinbaugebiete/burgenland/eisenberg

http://www.thomwachter.at
http://www.wachter-wiesler.at
http://www.kopfensteiner.at
http://www.krutzler.at
http://www.stephano.at
http://www.stubits.at

Bezugsquellen CH (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
Thom Wachter: https://www.divo.ch/de/thom-wachter-einer-der-spuren-hinterlaesst
Wachter-Wiesler: https://www.smithandsmith.ch/de/wachter-wiesler/prod!537/
Kopfensteiner: https://www.weinheld.ch/d/wein/3577/blaufraenkisch-saybritz-eisenberg-dac-reserve-2017.htm
Krutzler: https://www.vinothek-brancaia.ch/manufacturer/krutzler.html
StephanO: https://www.avinum.ch/
Rainer Stubits: http://weinzeit.ch/

Ein Bild gewordener Slogan des Gebietes: 100 % Heimat, 100 % Charakter, 100 % Blaufränkisch (Foto EisenbergDAC/ Steve Haider)

Die Mitte zwischen der Loire und dem Libournais liegt … in Österreich!

Auch an Feiertagen muss man nicht zwingend sündhaft teure Weine trinken, um so richtig geniessen zu können: Aus dem Weinbaugebiet Leithaberg im Burgenland kommt ein grossartiger reinsortiger Cabernet Franc von Stefan Zehetbauer, der wie ein Symbiose zwischen einem Wein von der Loire und einem aus dem nördlichen Bordelais auftritt!

Das burgenländische Weinbaugebiet Leithaberg liegt auf der östlichen Seite des Leithagebirges und westlich des Neusiedlersees. Wenn Ihnen dieses „Gebirge“ nicht geläufig ist, so mag das daran liegen, dass der höchste Punkt nur auf 484 m.ü.M. liegt. Trotzdem spielt dieser Hügelzug für den Wein eine grosse Rolle, bringen doch die kühlen Winde aus den bewaldeten Höhen nachts einen willkommen Ausgleich zum warmen pannonischen Klima rund um den Neusiedlersee. Das Weinbaugebiet weist rund 3000 ha Anbaufläche auf und trägt seit 2010 die DAC. Im Spätherbst 2019 gastierten 15 führende Winzer mit ihren Weinen in Zürich und legten Zeugnis vom grossen Potential dieses Gebietes ab (mehr dazu folgt später).

Die Weingärten von Zehetbauer im Gebiet Leithaberg (Bild Christoph Wagner, ab Presseservice Zehetbauer)

Das Gebiet steht beim Rotwein überwiegend für Blaufränkisch. Deshalb ist es schon fast etwas frevelhaft, wenn ich zuerst über einen Wein aus einer nicht ortstypischen Sorte schreibe, der deshalb auch die DAC nicht tragen darf. Aber der Cabernet Franc 2016 vom Ried Steinberg hat mich sehr überzeugt und ist deshalb eine Notiz mehr als wert.

Dunkles, fast violettes Rubin; Duft nach Brombeeren, dunklen Kirschen, auch etwas Weichselkirschen, würzig, dezent spürbarer Holzton; im Mund saftig, sehr ausgewogene, elegante Balance zwischen Alkohol, Säure und sehr feinen Tanninen; mineralische Frische, dicht und lang im Abgang.

Der Steinberg zeigt sich sehr sortentyisch. Für Sefan Zehetbauer stellt er stilistisch so etwas wie die Mitte zwischen einem Loire-CF und einem CF-lastigen Wein aus dem Libournais dar. Da kann man ihm nur zustimmen, seine österreichische Variante weist die fruchtige Frische eines grossen Loire-Weines auf, bringt aber auch die Wärme und Rundheit eines Bordeaux mit. Und nebenbei gesagt: das Ganze für 18.50 Euro!

Toller Cabernet Franc (Bild Herbert Lehmann ab Presseservice Zehentbauer)

Stefan Zehetbauer führt mit dem Cabernet Franc fort, was schon unter seinem Vater begonnen und heute im Betrieb bereits Tradition hat. Inzwischen sind 2,5 ha Reben mit Cabernet Franc bestockt! Aber auch sonst scheint der Generationenwechsel auf diesem Weingut harmonisch abgelaufen zu sein. 2005 stieg Stefan jun. (der Vater heisst auch Stefan) in den Betrieb ein und übernahm ihn 2009. Doch auch heute noch arbeitet Stefan sen. auf dem Betrieb mit und gibt vor allem im Rebberg sein wertvolles Wissen weiter.

Stefan Zehetbauer vor seinem Keller (Bild Christoph Wagner, ab Presseservice Zehetbauer)

Stefan Zehetbauer wirkt auch im persönlichen Gespräch sehr sympathisch und auf eine ansteckend enthusiastische Art fokussiert auf seine Weine und seine Philosophie, Weinbau zu betreiben und Wein gedeihen zu lassen. Der Ausdruck ist bewusst gewählt, denn Zehetbauer betont immer wieder, dass er so wenig Eingriffe wie nur möglich vornimmt – der Wein soll eben gedeihen können und nicht in eine Schablone gepasst werden. Bei seinem ganzen Sortiment ist das hervorragend gelungen, nicht nur beim Cabernet Franc. Aber hier sprengt er sozusagen geografische Grenzen dazu!

https://zehetbauerwein.at/de/home/

Beugsquelle CH (Teilsortiment mit einem älteren CF):
https://www.avinum.ch/

Le vin suisse existe – même après dix ans!

Vielleicht wäre der Titel ja treffender mit „le vin suisse n’existe pas“ – zumindest in den Köpfen immer noch vieler Schweizer „Weinfreunde“. Und ganz sicher mit einem Blick von ausserhalb der Schweiz. Aber das ist falsch! Der Schweizer Wein existiert – auf sehr hohem Niveau. Und er kann altern – und wie!

Das grosse Swiss Wine Tasting der besten Schweizer Weine von anfangs Dezember war mehr als einen Besuch wert (und auch mehr als nur einen Artikel hier – Fortsetzung folgt). Angesichts der unglaublichen Vielfalt an Spitzenweinen war der Eintritt von Fr. 20.00 schon fast läppisch tief. Dies vor allem auch, weil zusätzlich zur „normalen“ Ausstellung auch Weine des „Swiss Wine Vintage Award“ aus dem Jahrgang 2009 degustiert werden konnten.

Wer möchte sich da nicht einschenken lassen? Schweizer Spitzenweine aus dem Jahrgang 2009 in Reih und Glied!

In einer Sonderschau waren 57 Schweizer Weine aus dem Jahr 2009 vertreten, davon 19 weisse (inkl. 2 Süssweine) und 38 rote. Das Resultat mit einem Wort vorweg: beeindruckend! Nicht einer der präsentierten Weine war schon zu alt, kaum einer war unangenehm gereift und einige waren gar erst so richtig in Hochform!

Am meisten überraschten die Weissweine. Selbst die Chasselas machten noch alle Spass, einzelne wie der Dézaley Médinette von Bovard, der Clos de Mangold der Domaine Cornulus oder der Le Brez der Domaine de Colombe präsentierten sich sogar noch richtig jugendlich. Am meisten beeindruckt haben mich bei den Weissen aber der Completer von Donatsch (trotz leichter Restsüsse), der Petit Arvive Château Lichten von Rouvinez und – ganz besonders – die beiden senstationellen Räuschlinge vom Zürichsee von Lüthi (dicht und jugendlich) und noch mehr von Schwarzenbach (unglaubliche Frische).

Umwerfend war der mit Restsüsse gekelterte Petit Arvine Grain Noble Domaine des Claives von Marie-Thérèse Chappaz – diese Frische, diese Ausgewogenheit, diese Finesse, nichts Klebriges – das ist ganz einfach ein Wein zum Träumen!

Bei den Roten gefielen fast alle Tessiner Merlots, für mich persönlich allen voran der sanfte, würdevoll gereifte Orizzonte von Zündel und der Balin von Kopp von der Crone Visini sowie der mit Cabernet Franc gemischte Insieme von Weingartner.

Spannend bei den Spezialitäten, wenn auch schon spürbar gealtert, der Lemberger (=Blaufränkisch) von Schwarzenbach, der trotz Alterstönen noch sehr saftige Syrah L’Odalisque von Thierry Constantin, der enorm frische Cornalin der Domaine Cornulus und der noble, saftige Grand’Cour Cabernet Franc + Sauvignon von Pellegrin.

Und die Pinots, von denen gleich 15 Weine gezeigt wurden? Wenn es gesamthaft gesehen eine leise Enttäuschung – wenn auch auf hohem Niveau – gab, dann hier. Es scheint, dass die Vorschusslorbeeren dieses „Jahrhundertjahrgangs“ nicht immer gerechtfertigt waren. Die Pinot noir-Traube ist wenig überraschend wohl einfach nicht für so heisse Jahre gemacht und es brauchte viel Fingerspitzengefühl des Winzers (und kühle Lagen), um auch in solchen Jahren typische Pinots herzustellen. Weine wie der Aagne von Gysel, der mir schon in der Jugend mit seiner üppig-„süsslich“ Art nicht gefiel, wirken heute uninteressant, wenn auch durchaus noch trinkbar. Auch untypisch, aber interessant zeigte sich der „Hommage“ der Cave du Rhodan, der zweifellos mit mehr Säure heute noch spannender wäre, der aber dank einer ausgeprägten, jetzt ausgewogenen Tanninstruktur Freude macht. Trotz dieser Ausnahme, Pinots, bei denen Eleganz und Frische vorherrscht, können heute am meisten überzeugen, allen voran aus dem Kanton Baselland (!) der für mich beste Pinot der Serie, Clos Martha von Möhr-Niggli, aber auch Kloster Sion vom Weingut Sternen, Stadtberg von Pircher, Pinot noir Nr. 3 vom Schlossgut Bachtobel und der Churer Gian-Battista des Weingutes von Tscharner.

Alles in allem: Eine hervorragende Leistungschau der Schweizer Spitzenwinzer, die mit ihrer Arbeit schon vor 10 Jahren bewiesen haben, welch hervorragendes Potential die Schweizer Weine aufweisen! Le vin suisse existe – und sollte endlich auch auf der Weltbühne seinen berechtigten Platz finden!

https://www.swiss-wine-tasting.ch/?L=0
http://www.mdvs.ch/de/home.html

Swiss Wine Connection: Schon Mitglied?
Und übrigens: Wenn Sie für Fr. 50.00 pro Jahr Mitglied bei der „Swiss Wine Connection“ meiner Freunde Susi Scholl und Andreas Keller werden, geniessen Sie beim nächsten Event Gratiseintritt:
http://www.swiss-wine-connection.ch/friends/

Und hier die Links auf die erwähnten Weingüter:
http://www.domainebovard.com/de/home.php
https://cornulus.ch/de/
https://www.lacolombe.ch/de/
https://www.donatsch.info/
https://famillerouvinez.com/de/
https://www.luethiweinbau.ch/
https://www.schwarzenbach-weinbau.ch/
https://www.chappaz.ch/
http://www.zuendel.ch/ (nur Titelbild, offenbar sonst noch „off“)
http://www.cantinabarbengo.ch/ (Kopp von der Crone Visini)
https://www.weingartner.ch/
http://www.thierryconstantin.ch/2011/?page_id=14&lang=de
https://www.geneveterroir.ch/de/domaine-grandcour/4457 (Pellegrin, offenbar noch ohne eigene Homepage – hat er gar nicht nötig!)
https://aagne.ch/
https://rhodan.ch/
http://www.moehr-niggli.ch/
https://www.weingut-sternen.ch/
http://www.weingut-pircher.ch/data/index.php/de/
https://www.bachtobel.ch/de
https://www.reichenau.ch/weinbau/



Felix Austria – Gold, Silber und Bronce für …. Ungerberg!

Eigentlich war heute ja gar kein Blogbeitrag geplant, schliesslich hatte ich das Wochenende mit dem Schneiden unserer Reben verbracht. Es war so sonnig und warm, dass es zum ersten Mal in drei Jahrzehnten möglich, resp. notwendig war, im T-Shirt zu arbeiten! Wenn das kein gutes Omen ist!

Gold, Silber und Bronce an Österreich.
Hier allerdings eher 3 x Gold: Blaufränkisch Ungerberg von Paul Achs. Einfach goldig-genial

Nach dem dreifachen Sieg unseres Nachbarlandes an der Ski-WM (wir gönnen es Ihnen ehrlich!), stand mein Sinn heute Abend nach einem entsprechenden Wein. Ein „Schwarz“ als Dritter war da aber nicht genug 🙂 – es musste der Goldwein sein. Und der heisst bei mir halt nicht Hirscher, ist aber ähnlich genial und trägt den Namen Achs. Genauer: Blaufränkisch Ungerberg 2012 von Paul Achs.

Der 2012er hat eben seine erste Trinkreife erreicht (kann aber noch lange weiter reifen und wird dabei sicher noch ausdrucksvoller) und überzeugt total:
„Mittleres Purpur mit leichten Reifeanzeichen; dunkle Kirschen, Lorbeer, Thymian (kann aber auch sein, dass ich das nur noch vom Kochen an meinen Händen hatte…); noch sehr präsente, feine Tannine, gut stützende, aber dezent eingebundene Säure, wirkt elegant und gleichzeitig wuchtig, enorm harmonisch mit langem Abgang und einem „Vanille-Finish“. Vibrierender, mitreissender Wein!

Paul Achs, dieser zurückhaltende, eher introvertierte, aber überaus sympathische Winzer aus dem Burgenland, hat das gewisse Etwas, um Weine herzustellen, die nicht nur gut, sondern eben genial sind. Vielleicht ist der Einstieg zu diesem Beitrag mit den drei erfolgreichen Skifahrern ja doof – und vielleicht steht Paul Achs solchem Gewinn-Streben ja sogar skeptisch gegenüber. Aber eine gewisse Verwandtschaft sehe ich doch: Man schafft es nur an die Spitze, wenn man von einer Mission überzeugt ist, und wenn man seinen Weg beharrlich verfolgt. Bei Paul Achs tönt das dann – als Empfang auf seiner Homepage – so:

Als Winzer gebe ich das wieder, was geschehen ist. Ich erfinde nichts dazu. Meine Berufung ist mit gegebenen Mitteln das Wesen des Weines zu strukturieren und eher auf manches zu verzichten, als alles aufzunehmen. Nachhaltigkeit im Denken und Handeln.
Der Wein muss schmecken, wie er ist und nicht wie er s e i n k ö n n t e.
Darum auch die Hinwendung zur Biodynamie als logische Konsequenz.
Paul Achs

Ungerberg – das ist eine der wohl allerbesten Lagen, schon fast, aber eben noch nicht ganz, in der Ebene zum Neusiedlersee hin (wobei es hier überhaupt keine „Rebberge“ gibt, sondern sanfte Anstiege):

Der Unger“berg“, eher ein ganz sanfter Anstieg (Bild ab Homepage von Paul Achs)

Es handelt sich um einen sandigen, aber auch stark kalkhaltigen Lehmboden, der offensichtlich dem Blaufränkisch besonders behagt.

Der Ungerberg wird in Barriques ausgebaut – und trotzdem ist der Holzeinsatz, sogar als ganz junger Wein, kaum spürbar. Von Jahr zu Jahr (resp. in jedem Jahr, in dem er überhaupt produziert wird) einer der ganz grossen Blaufränkisch dieser Welt.

Wobei die Blaufränkisch-Welt zugegebermassen relativ klein ist. Vielleicht zum Glück, aber irgendwie auch schade. Für mich ist es inzwischen eine der interessantesten Traubensorten überhaupt. Feine Blaufränkisch sind so etwas wie die Quintessenz eines Burgunders und eines Bordeaux! Das tönt jetzt ketzerisch, ich weiss – aber ich bin sicher, dass Blaufränkisch (oder Lemberger in Deutschland, v.a. in Baden-Württemberg) eine ganz grosse Zukunft vor sich hat.

Und der Ungerberg von Achs ist ja nun schon mit Gold geadelt ….

Und schliesslich, ich komme mir schon fast ein wenig missionarisch vor: Auch dieser Wein, wie so viele, die ich hier schon beschrieben habe, kommt von einem Winzer, der nach bio-dynamischen Prinzipien arbeitet. Ich habe – ehrlich gesagt – nur wenig Wissen darüber, was das eigentlich alles bedeutet (eines der anstehenden Projekte ist, das zu erlernen, nur schon für meinen eigenen Rebberg!). Aber es ist mehr als auffällig, dass ich immer wieder – auch, wenn ich es gar nicht weiss – bio-dynamisch produzierte Wein besonders intensiv, lebendig und eindrücklich und die Seele berührend empfinde!

http://www.paul-achs.at