Für die sächsische Weinwelt sieht man rosa. Und ganz besonders Schwarz!

Sachsen als Weinbaugebiet? Klein aber fein, und lagemässig aus meiner Sicht mit grosser Zukunft. Höchste Zeit, sich mit diesen unbekannten Weinen zu beschäftigen. Ich mache das vorerst anhand eines Spitzenbetriebs, der Weinmanufaktur am Mariaberg von Martin Schwarz.

Hand auf’s Herz: Wussten Sie, dass in Sachsen Wein wächst? Ich jedenfalls nur der Spur nach. Schon Saale-Unstrut in Sachsen-Anhalt erschien mir reichlich exotisch, aber da es das nördlichste Weinbaugebiet Deutschland’s ist, las man hin und wieder davon, und es wirkte entdeckenswert (ist es auch, ich werde berichten). Vom östlichsten Rebbau in Deutschland an der Elbe habe ich hingegen praktisch nie gelesen, und ich glaubte höchstens an eine Nischenproduktion.

Klein, fein – und Weiss vor Rot.

Wobei, das stimmt ja eigentlich auch. Auf rund 522 Hektar werden gerade mal 0,2 % des deutschen Weins produziert. Dabei hat das Elbland eine sehr lange Weinbautradition. Schon 1162 wurde Rebbau urkundlich erstmals erwähnt, und im 17. Jahrhundert waren rund 5’000 Hektar bepflanzt. Das nördliche Kontinentalklima mit starken Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht, die eher knappen Niederschläge und erstaunlicherweise auch genügend Sonne dürften mit zunehmender Klimaveränderung gar zu einem der Trümpfe des Gebietes werden. Aktuell sind rund 80 % der Rebfläche mit weissen Sorten angepflanzt (am häufigsten Riesling, Müller Thurgau und Weissburgunder). Bei den roten Sorten ist der Spätburgunder klar die am meisten verbreitete Varietät.

Steillagen über der Elbe, hier bei Dresden (Symbolbild)

Spannend sind auch die Reblagen, fast überall handelt es sich um steile Hänge an der Elbe, die häufig durch Trockenmauern gestützt werden. Das Hauptanbaugebiet liegt zwischen Meissen und Dresden. Es gibt eine ganze Reihe von guten Betrieben, die sich vor den Kollegen aus dem Westen überhaupt nicht verstecken müssen. Einer der besten, wenn nicht der beste, ist Martin Schwarz. Und auch diesen Betrieb kannte ich nicht, obwohl er VDP-Mitglied ist.

Ein feiner, gar nicht so kleiner Wein, genossen hoch über der Elbe in der Sächsischen Schweiz.

Der kleine, günstige Schwarz – welch ein Einstieg!

Es brauchte den Tipp eines Kellners in der Sächsichen Schweiz. Dieser fand, meine getroffene Weinwahl sei zwar okay, aber eigentlich würde er mir ja „der kleine Schwarz“ empfehlen. Da man mit Vorschlägen von Sommeliers oder guten Kellnern fast nie falsch liegen kann, bestellte ich diesen Wein – und wir fanden den preiswerten Tropfen vorzüglich. Bezüglich Traubensorten musste ich aber zuerst nachforschen. Es handelt sich um eine Cuvée aus Scheurebe, Riesling, Weissburgunder und Müller Thurgau. Ich habe mir keine Degustationsnotiz gemacht, aus der Erinnerung war er überaus fruchtig, mit Zitrus, aber auch neckisch-dezenten exotischen Noten; im Mund sehr frisch und erstaunlich dicht und rund. Was für ein Einstieg in die Weinwelt des Martin Schwarz!

Meissen, Blick von der Albrechtsburg über die Elbe an die Rebhänge (Symbolbild). Der Blick geht in Richtung von Schloss Proschwitz, einem weiteren empfehlenswerten Gut und der ersten Wirkungsstätte von Martin Schwarz. Sein Weingut liegt etwas weiter die Elbe aufwärts (rechts).

Lieber Margaux als Latein – das gibt grosse Winzer!

„Martin 17-jährig. Eigentlich Lateinstunde. Lieber auf einer Parkbank in Kassel mit dem 1975er Château Margaux. Das Aha Erlebnis! Fachhochschule für Weinbau in Geisenheim? Klingt spannend. Vorbereitendes Praktikum beim Weingut Dr. Heger in Baden am Kaiserstuhl. Intensiv und Lernen fürs Leben. 1996 Abschluss des Studiums Weinbau und Önologie in Geisenheim als Weinbauingenieur. Ein Weingut in Sachsen sucht einen Weinbauingeneur? Das klingt nach einer Herausforderung! 16 Jahre im Weingut Schloss Proschwitz Prinz zur Lippe als Verantwortlicher des Kellereibetriebs. Viele Möglichkeiten zum Experimentieren: der erste, im Holz ausgebaute sächsische Wein, der erste Portwein, Eiswein …

2002. Erste eigene Rebflächen in Radebeul und Meissen. Weinbau Martin Schwarz mit eigener Kollektion geht an den Start, im Nebenerwerb Jetzt eine eigene Kellerei! Der Ausbau der Weine erfolgt seit dem Jahr 2013 im eigenen Weingut, der Weinmanufaktur in Meissen. Schonender Ausbau in neuen und gebrauchten Holzfässern mit dem Ziel, individuelle Weine entstehen zu lassen, die durch Komplexität und Finesse überzeugen. Weine, die reifen und sich verändern können.

Dieser Text ist, leicht gekürzt, der Homepage von Martin Schwarz entnommen, welcher das Gut zusammen mit Grit Geißler führt. Cool, wenn das Erlebnis einer Flasche Margaux dazu führt, zum besten Weingut in Sachsen heranzuwachsen, denn nur rund 10 Jahre nach dem Start mit dem eigenen Betrieb zählt er bei Vinum (zusammen mit Zimmerling in Dresden) zu den beiden besten Gütern in Sachsen! Château Margaux sei Dank.

Inzwischen beträgt die Rebfläche rund 6 Hektar in Steillagen, bereits seit 2022 ist Schwarz auch Mitglied beim VDP. Neben den VDP-Weinen gibt es auch die Weinhauslinie, die teilweise auch aus zugekauften Trauben besteht. Mein „Einstiegswein“ der kleine Schwarz stammt aus dieser Linie, und von den nachstehend degustierten Weinen ebenfalls deren zwei.

Billig aus Steillagen ist nicht möglich!

Zu diesen zwei Linien hatte ich eine schöne Erklärung eines Weinhändlers gelesen, die ich zur Quellenangabe leider nicht mehr gefunden habe. Jedenfalls soll es so gewesen sein, dass besagter Händler die Weine aus den Steillagen herausragend fand, aber auch teuer (logisch, angesichts der notwendigen Handarbeit!). Er vermisste einen preiswerteren Einstiegswein des Gutes. Gesagt, getan – mit dem „kleinen Schwarz“ und dem „Rot von Schwarz“ gibt es diese heute – und wie!

Degustationsnotizen

Chardonnay 2022, VDP-Ortswein Radebeul, Sachsen, Martin Schwarz, Weinmanufaktur am Mariaberg
Eher helles Gelb; sehr schöne Frucht mit Schwerpunkt Steinobst (Mirabelle, Aprikose, weisser Pfirsich), auch ein paar exotische Noten, deutlich spürbares neues Holz; im Mund rund und sehr ausgewogen, gut integrierte Säure, schöne Frucht“süsse“, ganz leichte Adstringenz, die gut tut, spürbares Holz, das aber gut eingebunden ist, mittlerer Abgang mit minimaler Bitterkeit im Ausklang. Schöner, typischer Chardonnay, der mir persönlich mit einer Spur weniger Holz noch besser gefallen würde. 17 Punkte.

Riesling Meissner Kapitelberg 2021, Sachsen, Martin Schwarz, Weinmanufaktur am Mariaberg
Helles Gelb; in der Nase nur in Anflügen Riesling-typisch, etwas Frucht (weisse Johannisbeeren, dezent exotische Noten), auch floral, leicht spürbares Holz; im Mund sehr dicht, schöne, eher tiefe Säure, leichte Adstringenz, Holz (er war im grossen Fass) nur dezent spürbar, d.h. gut eingebunden, im langen Abgang Anflug von Fruchtsüsse. Spannende, gut gemachte Riesling-Variante, 16,5 Punkte.

Riesling Kapitelberg Meissen GG, VDP.Grosse Lage, 2022, Martin Schwarz, Weinmanufaktur am Mariaberg
Helles Gelb; viel frische, vielschichtige, sehr ausgewogene Frucht (Papaya, Ananas, weisser Pfirsich), minimaler Petrolton (aber ohne nach Garage zu riechen); im Mund mineralisch, frisch, sehr dicht aber dabei auch äusserst elegant, dezenter, schöner Bittertouch, langer Abgang. Eigenständiger, toller Riesling, der aktuell wohl noch zu jung ist, d.h. sich noch schöner entwickeln wird. 17,5 Punkte.

Rot von Schwarz, ohne Jahrgang (gemäss Homepage 2022), Sachsen, Qualitätswein trocken (70 % Blaufränkisch/30 % Spätburgunder), Martin Schwarz, Weinmanufaktur am Mariaberg
Mittleres Purpur; intensive Frucht, von hell wie Himbeer bis zu dunkel wie Dörrpflaume; dazu etwas Veilchenduft, leichter Anflug von Leder; im Mund mit ebenfalls sehr fruchtigem Auftakt, sehr ausgewogen mit feinen Tanninen und schöner Säure, kraftvoll-„feurig“, aber auf die elegante, feine Art, äusserst langer Abgang; sehr gelungene Cuvée! Auch wenn es nur der Einstiegswein in die rote Weinwelt von Schwarz sein soll, ich finde ihn grossartig und für unter 20 Euro mehr als nur eine Kaufempfehlung! 17 Punkte.

Spätburgunder 2019, Sachsen, Qualitätswein trocken, Martin Schwarz, Weinmanufaktur am Mariaberg
Mittleres bis helles Rubin; überaus typische Pinot-Nase, Himbeere, Walderdbeere, Weichselkirsche, sehr dezenter Rauchton; im Mund zuerst filigran wirkend, entwickelt dann aber auch Power, auch im Mund noch viel Frucht, eher dezente, feine Tannine, angepasste Säure, mineralisch, langer Abgang. Wunderbarer, feingliedriger Pinot. Cooler cool-climat! 17 Punkte.

Martin-Schwarz – Weingut Martin Schwarz Meißen/Sachsen


Interessennachweis:
Die Weine wurden in einem Restaurant bzw. im Weinhandel gekauft. Ein besonderer Hinweis hier auf die Weinhandlung Edelrausch in Dresden: Ich habe dort an einem späten Donnerstagabend 12 sächsische Weine als Einzelflaschen bestellt. Am Samstagmorgen trafen sie bereits an meiner Adresse in Deutschland ein. Das ist Service! Deshalb hier der Link auf Edelrausch:

Weingut Martin Schwarz

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