Utiel-Requena, Alpujarras – Reisen bildet auch weinmässig

Endlich Ferien! Vorsommer mit Sonne und Wärme in Südostspanien. Und solche Ferien sind immer auch eine Möglichkeit, Weine kennenzulernen, die man sonst nie im Glas gehabt hätte!

Fast wie im Wallis: Reben in den Alpujarras (almeriense) am Südfuss der Sierra Nevada.

Wann immer wir in Ländern mit Weinbau reisen, ist für mich klar, dass ich örtliche Weine probiere. Und fast immer mache ich gute Erfahrungen damit, den Kellner nach einem Tipp zu fragen. Wir waren soeben zwischen Valencia und Almeria unterwegs (und hätten uns, angesichts der unendlichen Plastik-Plantagen mit all dem Abfall am Strassenand im Einzugsgebiet von Almeria fast abgewöhnt, Gemüse zu essen).

Die Frage im Restaurant nach einem empfehlenswerten Wein aus der Region führte immer zu einem tollen Erlebnis – nebenbei zu einem immer sehr anständigen Preis. Nicht einer der empfohlenen Weine enttäuschte, es waren allesamt spannende, (wein-)horizonterweiternde Tipps. So etwa der überaus fruchtige, sehr sortentypische Monastrell „Tarima Hill“ der Bodegas Volver aus dem Hinterland von Alicante – aber eben nicht aus Jumilla oder Yecla, den Monastrell-Hochburgen, sondern aus dem benachbarten Pinoso (mit der DO Alicante).
https://bodegasvolver.com/

Oder der zwar kräftige, aber auch erstaunlich frische Sauvignon blanc der Bodegas Garcia Gil aus dem bereits in Andalusien, und eigentlich in einer Halbwüste, gelegenen Oria im Hinterland von Almeria.
http://www.bodegasgarciagil.es/

Utiel-Requena und Bobal – alles klar?

Eigenständiger Wein, ebensolche Etikette: Bobal der (sozusagen schweizerischen) Bodegas Murviedro aus Requena.

Absolut spannend war auch die (Wieder-)Entdeckung der Rebsorte Bobal. Haben Sie schon einmal von Utiel-Requena gehört? Dieses mit rund 40’000 ha recht grosse Weinbaugebiet liegt im Hinterland von Valencia auf einer Meereshöhe von rund 700 Metern, und ist lagemässig sehr vergleichbar mit den 100 km südlicher, auf gleicher Höhe und gleich weit vom Meer entfernt gelegenen Gebieten von Jumilla und Yecla. Hier aber kommt der Sorte Bobal eine wichtige Rolle zu. Bobal? Nie gehört? Aber fast sicher schon mal getrunken. Diese Rebsorte nimmt in Spanien nämlich die zweitgrösste Anbaufläche aller Sorten ein, wird aber oft nur als Färber- und Verschnittwein eingesetzt. Seit einigen Jahren wird nun auch das Potential der Bobal wieder erkannt, eigenständige Spitzenweine hervorzubringen.

Der empfohlene Bobal „Sercis 2015“ der Bodegas Murviedro erwies sich als so etwas wie eine wunderbare Mischung aus einem Beaujolais (herrliche Frucht) und einem Gigondas (Kraft, Farbe, Tannine, Wucht), dem auch der leise Holztouch sehr gut anstand. Im ersten Moment fast etwas frustrierend war dann freilich die Recherche zu diesem Wein und dieser Bodega: Da ist nichts von Entdeckung oder kleinem Familienbetrieb oder dergleichen; vielmehr gehört die Firma Murviedra zum Schweizer Schenk-Konzern. Dass gross (Schenk ist die grösste Weinfirma der Schweiz) aber durchaus auch gut bedeuten kann, zeigt nicht nur der beschriebene Bobal, sondern wurde in diesem Blog auch schon anhand eines Walliser Weines aufgezeigt:
https://victorswein.blog/2018/08/05/amigne-walliser-raritaet-mit-enormem-potential/
Für mich persönlich sehr speziell war dann auch, dass ich bei der Suche nach Bezugsquellen in der Schweiz nebst anderen auf die Weinhandlung Danieli in Wallisellen stiess: Mit Ottavio Danieli – nebenbei gesagt 1975 Skip des ersten Schweizer Curling-Weltmeisterteams – verbindet mich, in völlig anderem Zusammenhang, eine hochachtungsvolle, freundschaftliche Bekanntschaft. Man verzeihe mir deshalb, dass ich nur diese Quelle angebe:
http://shop.danieliweine.ch/pi/Cepas-Viejas-Bobal.html

„Bergwein“ vom Schönsten

Das eigentliche önologische Highlight dieser Reise waren aber zwei Weine aus dem Alpujarras. Dabei handelt es sich um eine landschaftlich extrem reizvolle Bergregion, die sich auf rund 100 Kilometern südlich der Sierra Nevada entlang erstreckt. Der bekanntere, westlich gelegene Teil, die Alpujarras granadina (von Granada abgeleitet – obwohl sich die Stadt auf der nördlichen Seite der Sierra befindet), liegt direkt unter den höchsten Gipfeln des über 3000 m hohen Gebirgszuges. Nicht weniger reizvoll sind aber auch die östlich und tiefer gelegenen Alpujarras almeriense (genannt nach Almeria), in denen auch in etwas grösserem Stil Wein angebaut wird.

Wunderschöne Berglandschaft in den Alpujarras almeriense. Im Hintergrund die noch leicht schneebedeckten Ausläufer der Sierra Nevada.

Am einen Abend genossen wir den Syrah „Cepa Bosquet“ 2017 der Bodegas y Vinedos Laujar, aus einem Gebiet, dass keine DO besitzt, sondern die Weine „nur“ unter dem Titel „Indication Geografico Protegida“ vermarkten darf. Der Wein stand für 18 Euro auf der Karte eines „Paradores“, wäre aber dank seiner sehr sortentypischen Art, seiner feinen Tannine, seiner Frucht und Eleganz ohne Weiteres als sehr guter St.-Joseph durchgegangen.

Fast noch spannender war am Abend danach ein Weisser der gleichen Bodega, ein Macabeo 2017. Diese Rebsorte spielt in Spanien eine sehr wichtige Rolle und ist im Norden, etwa in der Rioja und Rueda, aber auch im Penedes für die Herstellung von Schaumwein, unter dem Namen Viura die wichtigste weisse Sorte.
Während die Weine des Nordens immer sehr süffig, fruchbetont, aber oft auch etwas „schmalbrüstig“ ausfallen, zeigt dieser Macabeo nebst einer ebenfalls erstaunlichen Frische auch Kräuternoten und eine schöne Dichte – und vor allem eine wunderbar mineralische Note, welche den Macabeo zu einem wirklich aussergewöhnlichen Erlebnis werden liess: kein grosser Wein, aber einer, der das Herz erwärmt!
https://cepabosquet.es/

Klar, ich hätte während einer Ferienwoche in Spanien auch die grossen Weine des Landes trinken können – ein Valbuena etwa stand einmal auf einer Karte eines Restaurantes günstiger, als man ihn in der Schweiz kaufen kann. Aber ich möchte diese wunderbaren Entdeckungen nicht missen – es sind letztlich solche Erlebnisse, die den Weinhorizont wirklich erweitern und die eine Reise enorm bereichern!

Napa vs. Bordeaux Vol. 6: wieder gewinnt Napa!

Die Degustation im Jahr 1976 in Paris war eine Sensation, welche die Weinhierarchie neu aufmischte: Sowohl bei den Weissweinen (Chardonnay) als auch den Rotweinen (Cabernet) obsiegten in einer Blindprobe die Gewächse aus Kalifornien über die Franzosen! Die Resultate sind hier nachzulesen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Weinjury_von_Paris

Das Resultat wurde damals in Frankreich für schlicht unseriös und nicht zutreffend beurteilt oder dann totgeschwiegen, aber inzwischen wurden solche Proben mehrfach wiederholt, und jedes Mal schlugen sich die Weine aus Napa hervorragend. Zu einer Neuauflage lud vor einer Woche die NapaWine AG in Zürich. Zwar waren die ganz grossen Gewächse nicht dabei, Bordeaux stellte 6 klassierte Crus aus Pauillac und Napa war hauptsächlich mit Zweitweinen vertreten. Letzteres vor allem aus Gründen der Fairness, wurden doch preislich vergleichbare Weine gegenübergestellt. (Das allein spricht schon Bände, die Preise der USA-Weine sind ebenfalls sehr in die Höhe geschossen, so dass heute finanziell ein Zweitwein aus Napa einem Pontet Canet gleichgestellt ist).


2 x 6 Weine aus Pauillac und Napa: spannend und lehrreich.

Das Resultat war mehr als spannend. Massgebend waren die Bewertungen aller der rund 100 Teilnehmer – es handelte sich also um eine Publikumsbewertung.
Vorab: Die Napa-Weine belegen nicht nur das „Podest“, sie schwingen auch gesamthaft obenauf. Allerdings muss das Resultat auch gleich sehr relativiert werden, denn alle Weine liegen in der Bewertung zwischen 93 und 96 Punkten! Klar wird damit aber auf jeden Fall, das die Cabernets aus Kalifornien jenen aus Frankreich auf diesem Niveau ebenbürtig sind – und es sich bestimmt lohnt, sich näher damit zu befassen!

Hier das Resultat der Gesamtbewertungen (bei gleicher Durschnittspunktzahl ergaben die Gesamtpunkte aller Teilnehmer die Rangliste):

WeinPunkteRang
2015 Bulgheroni Lithology Cabernet Sauvignon 961
2015 Brand Napa Valley Brio 962
2015 Sinegal Estate Winery Estate 963
2015 Barbour St. Helena Cabernet Sauvignon 964
2015 Château Pichon-Baron-Longueville, Pauillac 965
2015 Arkenstone Wines Estate Red Wine 956
2015 Kelly Fleming Estate Cabernet Sauvignon 957
2015 Château Pichon-Comtesse-de-Lalande 958
2015 Château Pontet-Canet, Pauillac 959
2015 Château Lynch-Bages, Pauillac 9410
2015 Château Grand-Puy-Lacoste, Pauillac 9411
2015 Château Clerc-Milon, Pauillac 9312

Meine persönliche Rangliste sah völlig anders aus. Gesamthaft hatte Bordeaux, wenn auch nur mit einem einzigen Punkt, die Nase vorne. Doch auch bei mir steht ein Napa-Wein zuoberst. Bloss der Sieger beim Gesamtpublikum liegt bei mir erst an neunter Stelle, dafür kommt der „Verlierer“ schon auf Rang 3.

1) Barbour St. Helena Cabernet Sauvignon
2) Château Pichon-Baron-Longueville, Pauillac
3) Château Clerc-Milon, Pauillac
4) Sinegal Estate Winery Estate
5) Château Lynch-Bages, Pauillac
6) Brand Napa Valley Brio
7) Château Pontet-Canet, Pauillac
8) Château Grand-Puy-Lacoste, Pauillac
9) Bulgheroni Lithology Cabernet Sauvignon
10) Kelly Fleming Estate Cabernet Sauvignon
11) Château Pichon-Comtesse-de-Lalande
12) Arkenstone Wines Estate Red Wine

So spannend dieser Anlass war, so sehr hat er mir auch die eigene Unzulänglichkeit aufgezeigt. Zwar war ich beim Ratespiel „was ist Bordeaux, was ist Napa“ mit 10 Treffern bei 12 Weinen nicht so schlecht. (Ein rundes Dutzend der Teilnehmer lag immer richtig – châpeau!). Aber ich hätte schon erwartet, dass ich wenigstens die doch so eigenständigen Pontet Canet, Pichon-Comtesse und Grandy-Puy-Lacoste blind erkennen würde – leider Fehlanzeige. Allerdings zeigten sich auch alle drei in totaler Unterform. Bei der Arrivage vor einem Jahr waren sie noch offen und fruchtig,
Vgl. hier: https://victorswein.blog/2018/04/26/bordeaux-2015-trau-schau-wem-vor-allem-dir-selbst/
jetzt unzugänglich und teils gar spröd und fast dünn wirkend. Trotzdem hätte es durchaus Hinweise gegeben, sie zu erkennen, und im Nachhinein ist man ja immer klüger. So notierte ich beim GPL, den ich für einen Napawein hielt, u.a. „sehr verhalten, adstingierende Tannine; bin etwas ratlos, aber vielleicht wird er gross“ und beim Pichon-Comtesse schrieb ich gar „total zurückhaltend, spröde; enttäuschend – aber vielleicht ist es ein Langstreckenläufer“. Und definitv erkennbar wäre Pontet-Canet gewesen: „dunkle Töne, würzig, mit etwas Boskoop-Apfel fast etwas oxydativ wirkend, hat Potential“.

Das generelle Niveau der Weine ist, nicht nur, wenn man das Potential der drei beschriebenen Bordeaux „hochrechnet“, indessen grossartig – beidseits des Ozeans. Persönlich eher weniger gefallen hat mir der Arkenstone. Mit seinen Noten von grünen Peperoni und Schokolade und seiner eher tiefen Säure wirkte er für mich etwas „bluffig“, aber das ist natürlich Geschmacksache. Umgekehrt fand ich den von den Profis eher tiefer eingeschätzten Barbour St. Helena dank seiner Eleganz und Länge, verbunden mit einem spürbaren, aber nicht übertriebenen Süsskomplex, einfach grossartig. Und schliesslich breche ich gerne auch eine Lanze für den beim Gesamtpublikum letztplatzierten Clerc-Milon: Mir hat er mit seiner eleganten, filigranen Art und seinen feinen Tanninen mit guter Säure sehr behagt, auch wenn ich ihn – da noch in einer „fruchtigen Phase“ – vielleicht etwas zu generös beuteilt habe. Das Fazit ist aber: Auch der „Verlierer“ (ich hüte mich, „der schlechteste Wein“ zu schreiben), war noch ausseroderdentlich gut

Die Weine für die Degustation wurden von zwei ausgewiesenen „Profis“ ausgewählt, René Gabriel, der „Bordeaux-Papst“ war für die Europäer verantwortlich, während Baschi Schwander die USA-Fraktion bestimmte. Die Auswahl war hervorragend; schade nur, dass die beiden – in Tat und Wahrheit befreundet – in ihren Kommentaren vor allem kompetitiv auftraten, denn beide hätten fachlich viel mehr Interessantes zu sagen gehabt.

Zwei Koryphäen unter sich: René Gabriel, links (bxtotal.com) und Baschi Schwander (mybestwine.ch)

Anlässe dieser Art sind, selbst wenn sie etwas am eigenen Ego kratzen, extrem spannend. Ich würde mir wünschen, und mich heute gegen Vorzahlung schon anmelden, dass die gleiche Degustation in 10 Jahren wiederholt würde. Und ich werde mich jetzt hüten zu behaupten, dass dann Bordeaux die Nase vorne hätte. Selbst dann, wenn man das heute nicht ausgeschöpfte Potetial der Spitzen-Pauillacs berücksichtigt: Die Napa-Weine waren so gut, und scheinen so langlebig, dass ich keine Wetten über das Resultat in 10 Jahren abgeben würde.

Mindestens ebenso spannend, und hier würde ich schon fast auf einen Boredaux-Sieg wetten, wäre ein Vergleich von Weinen im Bereich von 15 – 25 Franken. Wenn ich da an Bordeaux wie Moulin Haut-Laroque oder Cambon-La-Pelouse denke …
Aber vielleicht irre ich mich auch da, vielleicht würde Napa auch in diesem Preissegment mithalten? Affaire à suivre!

Und wenn Sie jetzt Lust bekommen haben, die Berichte des Bordeaux- resp. Napa-Profis zu lesen, voilà:
Sebastion Schwander:
http://mybestwine.ch/napa-vs-pauillac-2015-blind-tasting-battle/
Und René Gabriel:
https://www.napawine.ch/wp-content/uploads/2019/04/Napa-Versus-Pauillac-.pdf

Und wenn Sie – wie ich – Lust auf Napa erhalten haben (die Bordeaux gibt’s ja „überall“):
https://www.napawine.ch/


Radio Lazarus verstummt

Traurig, aber wahr: Einer der besten Chenin blanc – wenn nicht gar der beste – den ich je trinken durfte, wird es nie mehr geben!

Erst seit 2012 produziert, ist 2017 leider schon der letzte Jahrgang: Eine Jahrhunderttrockenheit am Kap hat die alten Reben zuerstört.

Es ist schon sehr speziell, was Suzaan und Chris Alheit erreicht haben. Erst seit 2010 führen sie ihr Weingut in der kühlen Region Hermanus in Südafrika, und in wenigen Jahren haben sie sich an der absoluten Wein-Spitze des Landes etabliert. Der „Cartologie“ beispielsweise hat innert kürzester Zeit Kultstatus erlangt. Das selbst deklarierte „Rezept“ der Alheit’s: 99 % der Qualität eines Weines wird im Rebberg erarbeitet; 1 % im Keller!

Radio Lazarus – einzigartig
Tatsächlich überzeugt das ganze (zumindest das von mir probierte) Sortiment sehr. Absolut begeistert war ich aber vom „Radio Lazarus 2017“, der mich – auch wenn kein direkter Vergleich möglich war – so sehr berührte, dass ich ihn einem Coulée de Serrant oder einem Wein von Huet wohl noch vorziehe würde, weil er nicht nur viel Fülle und Kraft, sondern vor allem eine unglaubliche, unnachahmliche Finesse aufweist.

Radio Lazarus wird, oder vielmehr wurde, aus zwei verschiedenen (2012 war es erst eine) Einzellagen in für Südafrika mit 450 m sehr grosser Höhe liegenden Parzellen mit wurzelechten Chenin blanc produziert. Es gehört zu Alheit’s Absicht, herausragende Lagen zu gewinnen, um ebensolchen Wein produzieren zu können. Mit den etwas verwilderten Lagen Ribbokop (1978 gepflanzt) und Bottelaryberg (1971) konnten sie zwei unübertreffliche Parzellen, beide je knapp 20 Km vom warmen Indischen Ozean und vom kalten Altantik entfernt, übernehmen. Der Legende (resp. meiner Internet-Recherche) nach erhielt der Wein aufgrund eines Radio-Sendemasts überhalb der Ribbokop, und der Tatsache, dass die Reben zur Rodung vorgesehen waren, sich die Alheit’s aber ihrer erbarmten, den Namen „Radio Lazarus“. Ganz speziell war auch seine Herstellung, wurde doch ein Teil des Weines in Tongefässen ausgebaut.

Der Trockenheit und den Wildtieren zum Opfer gefallen
2018 war ein extremes Trockenjahr am Kap. Vielleicht erinnern Sie sich ja an die Nachrichten aus dem letzten Jahr, wonach in Kapstadt kaum mehr Wasser verfügbar war. Die Reben in den beiden Parzellen litten auch an fehlendem Wasser, aber den Todesstoss versetzten ihnen Wildtiere wie Antilopen, welche aufgrund der Trockenheit hungerten und deshalb die Triebe der Reben abfrassen. 2018 gab es so gut wie keinen Ertrag – und noch viel schlimmer, die Rebstöcke überlebten diesen Stress nicht.

So habe ich also einen der allerbesten Chenin blanc, und damit einen der besten Weine dieser Welt entdeckt – nur um feststellen zu müssen, dass es diesen Wein nie mehr geben wird! Das ist berührend.
Tröstlich daran ist einzig, dass die übrigen Weine der Alheit’s ebenfalls hervorragend sind und man hoffen darf, dass das Winzerpaar dank Pionier- und Entdeckergeist weitere herausragende Lagen finden wird.

Degustationsnotiz Jahrgang 2017:

Blasses Gelb; verhaltene Nase mit Anflug von Lindenblüten und Zitrusfrüchten, schon in der Nase mineralisch. Im Mund zuerst filigran und tänzersich, dann nach ein paar Sekunden auch kraftvoll, trotzdem voller Finesse, Harmonie und Eleganz, intensiv mineralisch; unendlich langer Abgang. Ein Gedicht von einem Wein! Jetzt schon wundervoll trinkbar, aber wohl jahrzentelang haltbar.

Viel mehr, als ich hier geschrieben habe, können Sie auf der Homepage der Alheit’s selbst zusätzlich lesen:

http://www.alheitvineyards.co.za/bottlings/radio-lazarus/

Kaufen kann man den Wein (vielleicht) noch an folgenden Orten:
https://www.gute-weine.de/produkt/35673h-radio-lazarus/
https://shop.weinamlimit.de/

https://shop.kapweine.ch/alheit-chenin-blanc-radio-lazarus-2015 (anderer Jahrgang)

Amarone zum Dritten: ein Gastbeitrag, feinfühlig und fachkundig

Zuweilen muss man sich eingestehen, dass andere etwas einfach besser können! Nach meinem letzten Artikel über den Amarone „Capitel Monte Olmi“ von Tedeschi hat Michael Holzinger einen wunderschönen und tiefsinnigen Kommentar hinterlassen, der einem eigenständigen Artikel entspricht und den ich selbst so nie hingekriegt hätte.

Daraus spricht so viel Feinfühligkeit und Fachwissen – für Amarone im Speziellen, aber eigentlich für den Umgang mit Wein ganz generell – dass ich diesen Text hier, in Absprache mit Michael, als Gastbeitrag veröffentliche, weil der Beitrag „nur“ als Kommentar ein Mauerblümchendasein fristete – und das hat er nicht verdient. Nachfolgend also eine Kopie des Kommentars von Michael Holzinger:

„Zuerst mit einem Schmunzeln angedacht, wie altert denn ein Wein, hier Amarone, „farblich nicht ganz so gut“? Umgekehrt, wie müsste ein Wein aussehen, der „farblich schlecht altert“?

Aber Spaß beiseite. Was ich aus eigener Erfahrung mit Amarone hinzufügen kann, ist folgendes:

Seit 1985 kaufte, trinke und lagere ich Amarone-Weine. Noch heute habe ich, inzwischen wohl recht rare Flaschen, aus den Jahren 80, 81, 83, 85, 86, 88, sowie letzte Einzelflaschen aus den 60er und 70er Jahren. Auch wenn ich in verschiedenen Wein-Zirkeln, sicher so wie Sie und viele andere Wein-Liebhaber, nichts gegen reine Degustationen habe, wo es um lebhaftes Verkosten und Diskutieren geht, und jeder dann einige besondere Weine für die Runde beisteuert, so sind diese nun älteren und alten Amarone allein dem sehr bewussten Genuss, mit wenigen Freunden und einem guten Essen, vorbehalten.

Diese Weine kommen aus einer Zeit, als der Amarone noch seine „Export-Identität“ suchte, sich die Absatz-Märkte langsam und schrittweise aufbauen mussten. Die Tropfen waren großenteils noch sprichwörtlich „traditionell“ erzeugt. Ich kenne einige der heute berühmten Namen noch vor den großen Umbauten und Investitionen, bevor moderne Anbauten und architektonische Prachtbauten und repräsentative Keller neu entstanden. Und mit den neuen Kellern und auch neuen Trocknungs-Räumen mit Top Klima-Technik, für die weitere Dehydratisierung der Trauben für Amarone, hielt eine ganze Welle der Technik-Innovationen Einzug in die Betriebe. So wie zugleich auch in den anderen Regionen Italiens, ganz vorneweg die nördlichen Gebiete des Stiefels: Veneto, Lombardei, Piemont, Friaul zum Beispiel.

Heute gibt es eine weitaus größere Anzahl an Amarone-Erzeugern im Programm, die Mengen-Zuwächse an Fläche, Ertrag und abgefüllten Flaschen der letzten 20 Jahre können fast schon Angst machen. Und die stilistische Palette modern gemachter Amarone ist so breit wie nie. Manches hat nur noch entfernt mit den wunderbaren Weinen aus den 80er und 90er Jahren zu tun. Leider!

Wenn ich heutzutage ein bis zwei Flaschen Amarone, im Herbst bis Winter eines Jahres aufmache, dekantiere, und dann genieße, habe ich einen Geschmack und einen Duft fast vergessener Zeiten im Glas. Die Weine zeigen sich in einem seltenen, tiefdunklen rubinrot von außergewöhnlicher Leuchtkraft. Ich bin sonst eher ein Kritiker zu blumiger Verkostungs-Beschreibungen, Aber so ein Wein-Erlebnis bieten mir heute nur noch wenige Amarone-Erzeuger, im ultra-modernen Stil bislang oft gar nicht.

Dass übrigens gereifte Amarone oft Bewertungen, auch international und renommiert, zwischen 88 bis 91, 92, manchmal noch 94 und selten 95 Punkte erzielen, liegt meiner Meinung nach an dem fehlenden Bezug der Verkoster zur Geschichte und zum Sinn eines solchen Weines.. Dieser Wein war immer ein besonderer, für besondere Anlässe. Und auch deswegen ist jeder Versuch zum Scheitern verurteilt, sich mit der Präzision und dem Schliff anderer großer Rotweine zu vergleichen, wie z. B. in der Toskana, Bordeaux oder anderen Gebieten.

Das war nie der Sinn eines Amarone. Hier geht es um Tiefe, um eine gewisse Opulenz, zu einem reichhaltigen, prallen und besonderen, ja vollen Moment des Lebens. Was mit diesen Weinen in den Export-Märkten geschieht, und wie und wann die Einheimischen solch einen Wein selber dann genießen, sind zwei ganz verschieden Dinge.

Den Monte Olmi, wie Sie ihn beschrieben haben, geschätzter Victor, kann ich gut nachvollziehen. Es ist nur wenige Jahre her, als ich erst einen von 1974 und ein Jahr später einen 1988 hatte – beide waren intakt und wunderbar.

Abschließend kann ich sagen, dass ich mit den Klassikern wie Bertani, Zenato, Tedeschi, Masi, Tommasi, in die Welt der Amarone damals eingedrungen bin. Und all diese Weine aus den 80ern und 90ern sind bis heute noch, mit großer Typizität und viel Charakter, in der Regel mit Freude zu genießen.

Das einzige, was ich zugeben muss, ist, dass die Lagerung eine sehr wichtige Rolle gespielt hat. Das ist natürlich immer so, aber Amarone macht das sehr energisch deutlich. Wir haben wiederholt die gleichen Weine, aus einem Einkauf damals, aus meinem Klimaschrank und aus einem normalen Wohn-Keller, nebeneinander verkostet. Das konnte man nach über 25 Jahren dann nicht mehr ignorieren. Die nötige Frische und den nötigen Glanz hatten nur die konstant Klima-gelagerten Weine aufzuweisen. Also Augen auf beim Nachkauf, würde ich sagen. Und die Mehrzahl der Weine erinnern nach so vielen Jahren oft zuerst kurz an Kuhstall, sozusagen. Dekantieren ist dann sicher meist Pflicht.

Diese Weine sollten in keiner bunt gemischten Probe sich sinnlos messen müssen. Sie sollten ein schönes, großzügiges Essen mit besten Freunden krönen.

Michael Holzinger

Monte Olmi zum Zweiten: ein Gesamtkunstwerk

Mein letzter Artikel beschrieb den Amarone „Capitel Monte Olmi“ 2004 von Tedeschi.
https://victorswein.blog/2019/03/03/tedeschi-monte-olmi-2004-ueberzeugend-gereifter-amarone/

Gleich zwei der drei den Betrieb führenden Geschwister Tedeschi kommentierten darauf per Mail den Beitrag, und Riccardo, verantwortlich für die Weinherstellung schrieb: „es stimmt, Amarone altert farblich nicht so gut, aber in den Aromen sehr wohl“. Und zum beschriebenen Jahrgang: „Das Problem des 2004ers (von mir vor zwei Wochen degustiert) ist, dass er im Mund immer noch jung ist“. Dem kann ich mehr als zustimmen (ich hatte geschrieben, dass der Wein auch in 10 Jahren noch gefallen werde), aber das Wort „Problem“ würde ich nicht verwenden – da ist keines, der Wein ist einfach nur toll und wird es noch lange bleiben!

Riccardo Tedeschi hat mir auch zwei Fotos des Rebberges zugestellt. So kommen Sie hier also in den Genuss des richtigen Monte Olmi – und nicht nur eines Stimmungsbildes aus der Gegend, wie ich es aus eigenem Bestand verwendet hatte.

Ist das Titelfoto nicht einfach fabelhaft? Diese gepflegte Anlage wirkt auf mich wie feine Architektur, wie Kunst – herrliche Kulturlandschaft . Dieses Foto und die Qualität des Weines – ein Gesamtkunstwerk. Das unbeschnittene Foto hier:

Das nachfolgende zweite Bild zeigt den Rebhang von Monte Olmi im Kontext mit der traumhaften Landschaft des Valpolicella. Im letzten Beitrag hatte ich geschrieben, die Gegend sei einen Abstecher wert. Ich korrigiere mich: sie ist eine Reise wert. Und die Weine eine hohe Beachtung!

Felix Austria – Gold, Silber und Bronce für …. Ungerberg!

Eigentlich war heute ja gar kein Blogbeitrag geplant, schliesslich hatte ich das Wochenende mit dem Schneiden unserer Reben verbracht. Es war so sonnig und warm, dass es zum ersten Mal in drei Jahrzehnten möglich, resp. notwendig war, im T-Shirt zu arbeiten! Wenn das kein gutes Omen ist!

Gold, Silber und Bronce an Österreich.
Hier allerdings eher 3 x Gold: Blaufränkisch Ungerberg von Paul Achs. Einfach goldig-genial

Nach dem dreifachen Sieg unseres Nachbarlandes an der Ski-WM (wir gönnen es Ihnen ehrlich!), stand mein Sinn heute Abend nach einem entsprechenden Wein. Ein „Schwarz“ als Dritter war da aber nicht genug 🙂 – es musste der Goldwein sein. Und der heisst bei mir halt nicht Hirscher, ist aber ähnlich genial und trägt den Namen Achs. Genauer: Blaufränkisch Ungerberg 2012 von Paul Achs.

Der 2012er hat eben seine erste Trinkreife erreicht (kann aber noch lange weiter reifen und wird dabei sicher noch ausdrucksvoller) und überzeugt total:
„Mittleres Purpur mit leichten Reifeanzeichen; dunkle Kirschen, Lorbeer, Thymian (kann aber auch sein, dass ich das nur noch vom Kochen an meinen Händen hatte…); noch sehr präsente, feine Tannine, gut stützende, aber dezent eingebundene Säure, wirkt elegant und gleichzeitig wuchtig, enorm harmonisch mit langem Abgang und einem „Vanille-Finish“. Vibrierender, mitreissender Wein!

Paul Achs, dieser zurückhaltende, eher introvertierte, aber überaus sympathische Winzer aus dem Burgenland, hat das gewisse Etwas, um Weine herzustellen, die nicht nur gut, sondern eben genial sind. Vielleicht ist der Einstieg zu diesem Beitrag mit den drei erfolgreichen Skifahrern ja doof – und vielleicht steht Paul Achs solchem Gewinn-Streben ja sogar skeptisch gegenüber. Aber eine gewisse Verwandtschaft sehe ich doch: Man schafft es nur an die Spitze, wenn man von einer Mission überzeugt ist, und wenn man seinen Weg beharrlich verfolgt. Bei Paul Achs tönt das dann – als Empfang auf seiner Homepage – so:

Als Winzer gebe ich das wieder, was geschehen ist. Ich erfinde nichts dazu. Meine Berufung ist mit gegebenen Mitteln das Wesen des Weines zu strukturieren und eher auf manches zu verzichten, als alles aufzunehmen. Nachhaltigkeit im Denken und Handeln.
Der Wein muss schmecken, wie er ist und nicht wie er s e i n k ö n n t e.
Darum auch die Hinwendung zur Biodynamie als logische Konsequenz.
Paul Achs

Ungerberg – das ist eine der wohl allerbesten Lagen, schon fast, aber eben noch nicht ganz, in der Ebene zum Neusiedlersee hin (wobei es hier überhaupt keine „Rebberge“ gibt, sondern sanfte Anstiege):

Der Unger“berg“, eher ein ganz sanfter Anstieg (Bild ab Homepage von Paul Achs)

Es handelt sich um einen sandigen, aber auch stark kalkhaltigen Lehmboden, der offensichtlich dem Blaufränkisch besonders behagt.

Der Ungerberg wird in Barriques ausgebaut – und trotzdem ist der Holzeinsatz, sogar als ganz junger Wein, kaum spürbar. Von Jahr zu Jahr (resp. in jedem Jahr, in dem er überhaupt produziert wird) einer der ganz grossen Blaufränkisch dieser Welt.

Wobei die Blaufränkisch-Welt zugegebermassen relativ klein ist. Vielleicht zum Glück, aber irgendwie auch schade. Für mich ist es inzwischen eine der interessantesten Traubensorten überhaupt. Feine Blaufränkisch sind so etwas wie die Quintessenz eines Burgunders und eines Bordeaux! Das tönt jetzt ketzerisch, ich weiss – aber ich bin sicher, dass Blaufränkisch (oder Lemberger in Deutschland, v.a. in Baden-Württemberg) eine ganz grosse Zukunft vor sich hat.

Und der Ungerberg von Achs ist ja nun schon mit Gold geadelt ….

Und schliesslich, ich komme mir schon fast ein wenig missionarisch vor: Auch dieser Wein, wie so viele, die ich hier schon beschrieben habe, kommt von einem Winzer, der nach bio-dynamischen Prinzipien arbeitet. Ich habe – ehrlich gesagt – nur wenig Wissen darüber, was das eigentlich alles bedeutet (eines der anstehenden Projekte ist, das zu erlernen, nur schon für meinen eigenen Rebberg!). Aber es ist mehr als auffällig, dass ich immer wieder – auch, wenn ich es gar nicht weiss – bio-dynamisch produzierte Wein besonders intensiv, lebendig und eindrücklich und die Seele berührend empfinde!

http://www.paul-achs.at


100 Jahre – und kein bisschen müde

Vermutlich der Schweizer Wein schlechthin: 100 Jahre „Aigle les Murailles“.

Gerade noch rechtzeitig publiziert: 2018 feiert der „Schweizer Nationalwein“ seinen 100-jährigen Geburtstag

Eigentlich bin ich sicher: Es gibt keinen bekannteren Schweizer Wein als den „Aigle des Murailles“. Und der Wein, ein Chasselas, ist ein Phänomen – marketingmässig war er es schon in einer Zeit, als der Ausdruck hierzulande noch gar nicht bekannt war, und qualitativ haben es die Produzenten immer wieder geschafft, den Wein an der Spitze und am Puls der Zeit zu halten. Es ist zu hoffen, dass sie das auch im zweiten Jahrhundert weiterhin tun und sich auch nicht verzetteln.

1908 wurde die Firma Badoux Vins in Aigle gegründet, und 10 Jahre später – eben vor 100 Jahren – kam erstmals der Wein mit dem Namen „Clos les Murailles“ auf den Markt. Dieser Clos ist eine terrassierte, steile Südlage in Aigle. Schon der zweite Jahrgang, 1919, trug dann das von einem ortsansässigen Künstler geschaffene „Eidechsly“ auf der Etikette, und das ist bis heute so geblieben. Der Legende nach soll der Maler im Rebberg auf eine Eidechse gestossen sein, und so soll die Idee mit dieser Etikette entstanden sein. Aus dem Rebberg sind diese Tiere leider verschwunden, aber das soll sich wieder ändern:
https://www.coopzeitung.ch/themen/essen-trinken/wein/2018/wanted-gruenes-reptil-im-rebberg-99062/

Geändert hat mit der Zeit allerdings der Name des Weines, aus dem „Clos les Murailles“ wurde der „Aigle les Murailles“. Diese Anpassung dürfte dem Erfolg des Weines geschuldet, und damit juristisch zwingend gewesen sein, denn der eigentliche Clos ergibt nur rund 30’000 Flaschen pro Jahr – der heutige Absatz liegt aber bei rund einer Million Flaschen; die Trauben kommen also längst nicht mehr zur Hauptsache aus dem Clos! Quelle:
http://www.leregional.ch/N117217/100-ans-et-des-millions-de-bouteilles.html

Aber genau diese Anpassung machte es möglich, dass der „Eidechslywein“, so nannten ihn Generationen von Schweizerinnen und Schweizern, so erfolgreich wurde. Es gibt wohl keinen Weintrinker in einem gewissen Alter, der nicht die eine oder andere Anekdote erzählen könnte, welche mit diesem Wein verbunden ist. Ich selbst denke immer wieder daran, wie wir während des Militärdienstes in Genf jeweils im Ausgang im „St. Pauli“ gleich hinter dem Hauptbahnhof „Eidechslywy“ tranken und versuchten, mit Deutschweizer Mädchen anzubandeln (ich war da freilich erfolgloser als im Weintrinken…).

Perfekt muss auch über all die Jahre das Marketing gewesen sein – bis heute: Wie anders wäre zu erklären, dass der „Aigle les Murailles“ den Spagat schafft, sowohl in renommierten Weinhandlungen als auch im Supermarkt präsent zu sein. Und wie, dass die Marke offenbar keinen Schaden daran nimmt, dass der Wein immer wieder zu Aktionspreisen zu haben ist. Und ganz am Rand gelang es den Verkaufsstrategen von Badoux auch, den Eidechsliwy exportieren zu können – auch da könnten andere lernen. Umgekehrt hat die Firma erst in jüngerer Zeit begonnen, die Marke als Basis für andere Weine zu nutzen, erst seit wenigen Jahren gibt es auch einen Rotwein, einen Rosé und neuerdings gar einen Schaumwein namens „les Murailles“. Ob das gut geht, wird die Zukunft zeigen – angesichts des immer „guten Händchens“ im vergangenen Jahrhundert würde es niemanden wundern.

Der „Aigle les Murailles“ hat auch in qualitativer Hinsicht immer wieder gut abgeschnitten, so war er mit dem Jahrgang 2013 in einer Vinum-Probe mit 16.5 Punkten nur einen halben Punkt hinter dem Siegerwein (ein Calamin von Louis Bovard; vgl. später) ganz weit vorne platziert.
http://www.chandrakurt.com/fileadmin/user_upload/News/VINUM_1506_Chasselas.pdf
Ganz offensichtlich müssen sich, wenn gut gearbeitet wird, Quantität und Qualität nicht zwingend widersprechen!

Allerdings hätte dieser Beitrag auch ganz anders ausfallen können. Ich hatte ihn scnon im Sommer aufgrund des runden Geburtstages des Weines geplant und vorbereitet. Ich hatte den Wein auch in jüngerer Zeit immer gut und reell empfunden, war freilich beim 2015er etwas enttäuscht, da der Wein sehr breit und caramel-süsslich daher kam. Ich hatte das dem speziellen Jahrgang zugeschrieben, war dann aber wirklich vor den Kopf gestossen, dass der 2017er wieder ähnlich war – fast oxidiert erschien er mir. Ich hatte damals einen preislich ähnlich gelagerten Wein von Louis Bovard, einer wirklichen Referenz in der Westschweiz (siehe oben), als Vergleich gekauft, einen Epesses Chatally, und die Degustation war für den Aigle geradezu ernüchternd. Und in meinem Kopf hiess die Überschrift dieses Beitrages schon “ 100 Jahre und ziemlich müde“.

Weil ich nur selten über Enttäuschungen berichte und lieber über tolle Weinerlebnisse schreibe,
Ausnahme siehe hier: https://victorswein.blog/2018/02/03/wein-oder-sugus/
liess ich es sein, einen Beitrag zum Millenium zu schreiben, und darüber bin ich heute sehr froh. Denn offensichtlich handelte es sich im Sommer um eine schlechte Flasche. Weil das Thema aber weiter, und nur noch kurz, aktuell war, habe ich vorgestern nochmals zwei Flaschen gekauft – und welch‘ Unterschied: Der Aigle „Les Murailles“ 2017 war überhaupt nicht caramellastig oder mit oxydativen Anflügen versehen, sondern frisch und süffig:

„helles Gelb, glänzend; intensiv in der Nase, Bergamotte, Lindenblüte, Kamille; im Mund erfrischend und süffig, eher tiefe Säure, schlank, mittlerer Abgang. Alles in allem ein schöner, typischer und süffiger Chasselas“.

Auch dieses Mal schwang der „Epesses Chatally“ von Bovard für mich persönlich zwar knapp obenauf („verhaltene Nase, Quitten, Veilchen; sehr mineralisch, gute Säure, schlank, recht langer Abgang), aber mit Punkten bewertet wären beide wohl nahe beisammen.

So endet also auch meine ganz persönliche Geschichte im hundersten Jahr „Aigle les Murailles“ positiv. Es wäre auch zu schade gewesen, wenn ein Flaggschiff des Schweizer Weins plötzlich Schlagseite erhalten hätte! So aber freuen wir uns auf die nächsten 100 Jahre „Eidechsly“ – vielleicht gar wieder mich echten Tieren im ursprünglichen Clos!

https://www.badoux-vins.ch/de/
http://www.domainebovard.com/de/home.php


Weine von der „bösen Frau“ – eindrückliche Chablis!

Das Weinbaugebiet von Chablis – so toll wie die Weine von hier!


Wenig erfreuliche persönliche Begegnung – aber geniale Weine!

Kürzlich sagte ein Kollege zu mir: „Der einzige Chardonnay, den ich trinke ist der, bei dem Chablis darauf steht“. Das mag, angesichts wundervoller Chardonnays aus dem südöstlicheren Burgund und teils auch aus anderen Weltgegenden, etwas gar puritisch sein – so ganz falsch liegt er nicht!

Nirgends auf der Welt ist Chardonnay so frisch, so tänzerisch finessenreich, so elegant, so mineralisch wie in Chablis. Und nirgends wird das Holz, wenn überhaupt, so dezent eingesetzt wie hier. Mir scheint fast, als wäre Chardonnay aus Chablis etwas anderes als von überall sonst!

Natürlich waren mir Namen wie Raveneau, Moreau-Nodet, William Fèvre oder Alain Geoffroy geläufig, und gerade Fèvre ist auch in der Schweiz gut und zu bezahlbaren Preisen erhältlich. Aber wenn ich schon mal in der Gegend bin, dass möchte ich lieber Neues kennen lernen.

Ich habe deshalb auch eine Entdeckung gemacht – und damit eine mehr oder weniger lustige Geschichte erlebt. Im Herbst 2012 war ich zum ersten Mal überhaupt in Chablis, und natürlich wollte ich auch einige Weingüter kennen lernen und Wein kaufen. „Bewaffnet“ war ich damals mit dem „Guide Hachette 2011“, einem, sofern man die Beschreibungen und nicht nur die Bewertungen liest, sehr verlässlichen Führer, der mir auch andernorts in Frankreich immer wieder gute Dienste geleistet hat und leistet. Ein „coup de coeur“ war in diesem Buch einer der Weine der Gebrüder Jean-Paul et Benoît Droin. Also stattete ich diesem Gut einen Besuch ab, und ich wurde von einem der Brüder sehr herzlich empfangen, freilich mit den Worten „il n’y a plus grand chose“. Plus grand chose hiess aber immerhin, dass zwei Grands Crus (Vaudésir und Valmur), zwei Prèmiers Crus (Fourchaume und Montmains) sowie ein Chablis verfügbar waren. Es war eine wunderbare Degustation, in der mich alle Weine, jeder auf seine Art, überzeugten. Entsprechend beladen war dann auch mein Auto, und in meinem Keller glänzten plötzlich ganz viele der chatakteristischen orange-gelbe Flaschenhälse von Droin.

Oft wohl zu jung getrunken, überzeugten mich die Weine auch daheim, und so besuchte ich das Gut zwei Jahre später wieder. Aber welche Enttäuschung: Ich wurde von einer Frau empfangen, wobei dieser Ausdruck falsch ist, willkommen war ich nämlich nicht. „Avez vous reçu notre courrier?“, wurde ich gefragt; und auf die Antwort „non“, wurde mir barsch beschieden „on ne prends pas de nouveaux clients“! „Mais Madame“, versuchte ich zu erklären; und ich erzählte ihr von meinem erst zwei Jahre zurückliegenden Besuch, dem herzlichen Empfang und den vielen gelb-orangen Kapseln in meinem Keller. Es nützte nichts, „on ne prends pas de nouveaux clients“!

Mais Madame, versuchte ich es erneut, „j’ai achêté une quarantaine de bouteilles chez vous il n’y a que deux ans“. „On ne prends pas de nouveaux clients!“ war die einzige, gebetsmühlenartige Antwort, die ich auf alle Argumente erhielt!

Alle vernünftigen Begründungen wie „wir sind leider ausverkauft“ oder „wir verkaufen aufgrund grosser Nachfrage nur noch an langjährige Kunden“ hätte ich verstanden und akzeptiert. Aber, „wir nehmen keine neuen Kunden mehr“, nachdem ich sehr ausführlich von meinem letzten Besuch und Kauf erzählt hatte und sogar ein Foto aus meinem Weinkeller mit den orange-gelben Kapseln hätte zeigen wollen, das war schon etwas schwer verständlich. Nun gut, ich zog leicht frustriert von dannen, und jedes Mal, wenn wir danach einen Droin-Wein aus dem Keller holten sagten wir spassig und nicht ganz ernst gemeint: „Das ist jetzt der Wein von der bösen Frau“.

Verrückt ist nur, dass die „Weine von der bösen Frau“ so unglaublich gut sind! Wir haben kürzlich die letzte Flasche 2009 des Grand Crus Valmur getrunken – ein schlichtweg umwerfender, genialer Wein:
„Immer noch helles Gelb; feine, zitrusbetonte Nase, Mandeln und Mirabellen; im Mund mit einer präsenten, erfrischenden, tollen Säure, körperreich und mineralisch, mit einem „salzigen“ Anflug; klar wirkend wie Quellwasser, unendlich langer Abgang. Einfach ein fantastischer Wein!

Grand Cru-Lage Valmur mit Blick auf Chablis

Jean-Marc Brocard – viel mehr als ein Lückenbüsser

Einen guten Effekt hatte das Erlebnis bei der „bösen Frau“ immerhin auch: Ich zitierte den – immer noch gleichen 2011er  – Guide Hachette und entschied mich für einen alternativen Besuch auf der Domaine Brocard in Préhy, ein paar Kilometer ausserhalb von Chablis. Dieses Gut ist deutlich grösser als Droin  – und war deshalb auch bereit, einem „Neukunden“ Wein zu verkaufen 🙂 – es stellt aber Weine von ähnliche Güte her. Das einzige, was man kritisieren könnte ist, dass der Stil noch etwas uneinheitlich ausfällt, degustieren lohnt sich also. Auch hier sind die Grands Crus – gekauft Le Clos und Valmur – grossartig, und die Prémiers nur wenig nachstehend (gekauft Fourchaume und Montée de Tonnerre). Absolut empfehlenswert und in Sachen Preis-/Leistung unschlagbar ist aber der „Vielles Vignes“, ein hochkonzentrierter und trotzdem eleganter, erfrischender Wein – in allem auf der Höhe eines Prèmiers ausser dem Preis! Und das Schönste an Brocard: er arbeitet bereits auf einem grossen Teil der Domaine nach biologischen Grundsätzen!

Wer braucht da noch die Weine einer „bösen Frau“? Ernsthaft, es lohnt sich allemal, und ich habe deshalb auch Bezugsquellen für Droin in der Schweiz und in Deutschland recherchiert. Hoffentlich nehmen die noch neue Kunden …

Links zu Droin:
https://www.jeanpaulbenoit-droin.fr/fr/
https://ruli-vins.com/weine/?filter_produzent=domaine-jean-paul-droin
https://shop.weinhandlung-drexler.de/

Und Links zu Brocard:
http://brocard.fr/
https://de.millesima.ch/produzent-jean-marc-brocard.html
https://www.belvini.de/jean-marc-brocard

Analysewerte oder Gefühle? Am besten beides!

Nachlese und Replik zu meinem Artikel zur vorbildlichen Weinpreisliste von Knipser

In meinem letzten Beitrag habe ich dafür plädiert, dass Winzer und Weinhändler uns die messbaren Werte eines Weines offen legen:
https://victorswein.blog/2018/11/25/vorbildlich-klare-information-auf-wein-preisliste/
Dass es nebst den messbaren auch „innere, nur erfühlbare Werte“ eines Weines gibt, zeigt die Reaktion, die ich von Dirk Rosinski vom Weingut Knipser selbst erhalten habe. Seine Zeilen sind total lesens- und bedenkenswert, so dass ich sie hier gerne wiedergebe (mit seinem Einverständnis):

Wir veröffentlichen die Analysedaten eigentlich schon seit über 30 Jahren in unseren Preislisten. Es kann aber immer nur eine technische Zusatzinformation sein und niemals die Probe ersetzen.
Gestatten Sie mir einige Gedanken zu diesem Thema – nicht als Vertreter des Weinguts Knipser, sondern als Weinliebhaber:
Meine vier Jahrzehnte währende Beschäftigung mit Wein hat mich gelehrt den Analyswerten zu mißtrauen. Oft empfand ich Weine, die ich den Analysewerten nach nie probiert hätte, als verblüffend ausgewogen und harmonisch.
Beim in Ihrem Beitrag beschriebenen Riesling Kapellenberg ist die Süße kaum schmeckbar und für mich ist er ein großartiger Essensbegleiter. Hier führt die Analyse ein wenig in die Irre.
Oder ein anderes Beispiel: Vor einigen Jahren verweigerte ein Weißburgunder, der eigentlich durchgären sollte, den Dienst und beendete eigenmächtig die Gärung im halbtrockenen Bereich. Werner Knipser mit seinergroßen Erfahrung entschied, diesen Wein aber genau so, also halbtrocken, abzufüllen. Dieser Wein stand etwa ein Jahr auf unserer Preisliste und niemand wollte ihn haben – auch in unserer Vinothek verlangte keiner danach.
Dann entdeckte ihn der Sommelier eines mit drei Michelinsternen dekorierten Restaurants und setzte ihn zur Weinbegleitung im Menü ein. Innerhalb weniger Monate wurde der gesamte Bestand an begeisterte Gäste dieses Restaurants verkauft, die ihn auch privat gerne trinken wollten. Der Wein hat eine unglaubliche Harmonie und Strahlkraft entwickelt, die keiner für möglich gehalten hatte. Der Kommentar von Werner Knipser: „Oft sind die Einzeller klüger als der beste Kellermeister.“ Gemeint waren die Hefen, die einfach den Dienst verweigerten und uns so diesen „kuriosen“ halbtrockenen Weißburgunder bescherten.
Das ist ein extremes Beispiel, aber gerade beim Riesling sind ein paar Gramm Restzucker, die durch natürlichen Gärstop entstanden sind, meistens sehr stimmig und attraktiv. Deshalb belassen wir diesen stets ihren „natürlichen“ Restsüßegehalt und versuchen nicht die Weine durch die Gärung zu quälen. Dadurch ginge viel an Finesse und Charakter verloren.
Grundsätzlich bevorzuge ich persönlich aber bei Silvaner und den weißen Burgundersorten möglichst weit durchgegorene Weine.

Wunderbar, diese Zeilen! Schöner kann man wohl kaum ausdrücken, um welch‘ wunderbares Kultur- und gleichzeitig Naturgut es sich beim Wein handelt. Und wie sehr das menschliche Gefühl – beim Vinifizieren und später beim Probieren – entscheidend ist. Oder eben, wie sehr die „Einzeller“ besser als der gescheiteste Mensch zu wissen scheinen, was gerade richtig ist!

Vielleicht, so zeigen die Ausführungen von Rosinksi, muss man auch eine Unterscheidung zwischen natürlich restsüssen Weinen und solchen, denen die Süsse aufgezwungen wurde, machen? Ein spannender Gedanke zum Weiterverfolgen.

Mein ursprünglicher Artikel und die schöne Replik von Rosinski widersprechen sich aber auch nicht! Es gilt, das eine tun und das andere nicht lassen! Tatsächlich würde auch ich nie einen Wein nur aufgrund seiner Analysewerte kaufen (umgekehrt, also nicht kaufen, aber schon, auch wenn ich Rosinski in diesem Einzelfall glaube, dass der „Kappellenberg“ mit 6,6 g Restsüsse kaum süss wirkt. Ich persönlich habe einfach zu oft schon die Erfahrung gemacht, dass mir Weine mit über 4 g auf die Länge eines Essens einfach nicht gefallen.)
Bei einem Winzer wie Knipser, dessen Weine und vor allem dessen Stil ich doch einigermassen kenne, geben mir die Analysewerte aber trotzdem entscheidende Hinweise, um auch blind kaufen zu können – selbst den HPB, den man allein aufgrund der Analysewerte ja als „Säurebombe“ kaum kaufen würde.

Fazit:
Liebe Winzer und Weinhändler: Gebt uns die rationalen Informationen zu einem Wein, das ist ein wichtiges Hilfsmittel zu einer ersten Einschätzung.
Liebe Weinfreunde: Lasst uns einen Wein trotzdem unvereingenommen probieren – erlaubt ist, was gefällt!

PS:
Zur Feier der spannenden Unterhaltung habe ich diese Woche einen 2012er HPB aus dem Keller geholt: Rational kann ich verstehen, dass ein Grossteil der Weinfreunde ihn als viel zu säurebetont und entsprechend zu trocken empfindet. Ich persönlich war einmal mehr hell begeistert – vor allem auch davon, dass er auch nach 6 Jahren noch eine unglaubliche Frische und Jugendlichkeit ausstrahlt. Keine Ahnung, wie lange dieser Wein haltbar ist. Anfangs dachte ich, so bis 2022 – heute habe ich das Gefühl, er halte ewig!

Und wenn ich es mir jetzt gerade so überlege, dann ist dieser HPB ein Klassebeispiel für Rosinski’s Ausführungen: Welcher normale Mensch würde einen Wein mit 10,3 g Säure und 0,3 g Restsüsse blind kaufen? Dabei ist der Wein einfach genial!

http://www.weingut-knipser.de/
Und beim Recherchieren bin ich noch auf eine andere Aussage von Dirk Rosinksi gestossen, die sehr gut zu diesem Artikel passt:
http://einfachwein.eu/2017/02/09/grosses-gewaechs-ein-erlebnis/






Vorbildlich: klare Information auf Wein-Preisliste

Liebe Winzer und Weinhändler: gebt uns rationale Beschreibungen, wie es bei Knipser der Fall ist!

Wein ist Geschmackssache, dieser Allgemeinplatz stimmt selbstverständlich. Aber wie oft ist es möglich, einen Wein vor dem Kauf zu probieren? (Kleiner Einschub: ich selbst kaufe oft Einzelflaschen blind, aber kaum je eine grössere Menge; es sei denn, ich kenne den Produzenten seit längerer Zeit als verlässlich – zu oft wurde ich enttäuscht!)

Händler und Winzer geben sich ja alle Mühe, ihre Produkte verbal zu beschreiben. Aber was fangen wir Weinfreunde beispielsweise an mit dieser Beschreibung auf einer Preisliste, wie ich sie eben von einem von mir sehr geschätzten Produzenten erhalten habe:
„komplexer, rassiger, trockener, lang anhaltender Weisswein von über 40-jährigen Reben“.

Was bedeutet das nun im Klartext? Rassig: Viel Säure? Oder gar Kohlensäure? Trocken: Heisst das, keine Restsüsse merkbar oder doch mit etwa 4 g Süssse befrachtet, was sehr wohl spürbar ist?

Praktisch gleichzeitig mit dem erwähnten Aussand habe ich die Preisliste von Knipser erhalten. Und die ist so vorbildlich, dass ich daraus einen Beitrag mache:

Natürlich, allein die verbale Beschreibung beim HPB, „durchgegoren und knochentrocken“ lässt mich wissen, was ich hier erwarten kann. Aber erst die technischen Daten, 0,3 g Restsüsse und 10.3 g Säure, zeigen unmissverständlich an, dass es sich hier um einen trockenen und säurebetonten Riesling handelt. (Damit der Leser meine Bewertungen einstufen kann: das ist beim Riesling einer meiner Lieblinge, zumindest als Essensbegleiter).

Wenn ich umgekehrt beim Laumersheimer Kapellenberg die Information erhalte, dass er 6,6 g Restsüsse aufweist und gleichzeitig 8,6 g Säure, dann ist mit klar, dass es sich hier um einen immer noch mit schöner Säure unterlegten, aber mit sehr spürbarer Restüsse versehenen Wein handelt. Und in meiner Vorstellung spüre ich einen wunderbar fruchtigen Wein, der mir persönlich in der Nase gefällt, und den ich rational auch gut bewerten würde, der mir aber aufgrund der „hohen“ Restsüsse sicher nicht wirklich schmecken wird – oder höchstens zum Apéro, aber sicher nicht als Essensbegleiter (asiatische Gerichte aufgenommen).

Und wenn ich umgekehrt den 2007-er Riesling Alte Reben mit 12,6 % Alkohol, 1,2 g Restüsse und vergleichsweise bescheidenen 6,8 g Säure sehe, – und  gleichzeitig die Qualität des Herstellers einbeziehe – dann bin ich schon fast sicher, dass dieser Wein mir ungemein schmecken würde und ich ihn auch blind kaufen könnte!

Also, liebe Winzer und Weinhändler – sagt uns, was Sache ist! Gerne dürft Ihr eure blumigen Beschreibungen beibehalten, die sind manchmal richtig schön und zuweilen gar ergreifend zu lesen, – aber bitte gebt uns auch die technischen Informationen, die uns eine rationale Vorstellung eines Weines vermitteln!

Nehmt euch ein Vorbild an:

Knipser, Laumersheim in der Pfalz.

http://www.weingut-knipser.de/