Wohlmuth – erstklassige Weine aus der etwas ruhigeren Stei(l)ermark.

In Kitzeck im Sausal, einem von den grossen Touristenströmen noch etwas weniger berührten Teil der Südsteiermark, kreiert die Familie Wohlmuth hervorragende Weine in teils enormen Steillagen, die mehr als eine Entdeckung wert sind!

90 % Gefälle? Haben Sie schon einmal versucht, einen solchen Hang raufzukraxeln? So steil sind die extremsten Weinlagen des Weingutes Wohlmuth in der Steiermark. Wer das Gebiet schon einmal bereist hat, kann zumindest bezeugen, dass die meisten Reblagen hier sehr steil sind. Und er kann auch berichten, dass das Gebiet landschaftlich zu den schönsten in der ganzen Steiermark gehört – vielleicht gerade, weil die Reben hier keine Monokultur darstellen. Das Sausal liegt etwa 15 Kilometer nördlich der Grenze zu Slowenien, der entlang sich die meisten der grossen Namen des steirischen Weinbaus befinden und dementsprechend grosse Touristenströme auf den engen Strassen anziehen.

Wer das Sausal nicht bereist, verpasst etwas. Und er verpasst vor allem auch den Weinbaubetrieb Wohlmuth. Ich hatte die Gelegenheit, im Rahmen einer durch „Österreich Wein“ organisierten Online-Degustation, vgl. hier:
Die perfekte Online-Degustation? „Österreich Wein“ weiss wie! – Victor’s Weinblog (victorswein.blog)

6 Weine des Gutes zu verkosten und mich bei der Degustation online von Gerhard Wohlmuth begleiten zu lassen. Und die Weine haben mich allesamt sehr überzeugt; die beiden aus dem Ried „Edelschuh“ sogar als aussergewöhnlich begeistert.

Typische Landschaft im Sausal, aufgenommen auf dem Weg zum Aussichtspunkt Demmerkogel, der mit 671 m höchsten Erhebung der Region (wo aber leider der Turm abgebrannt und somit keine Aussicht zu geniessen war, aber die ganze Landschaft wirkt auch so wunderschön)

Auf dem Gut Wohlmuth werden schon seit dem Jahr 1803 Weine hergestellt. Heute stehen 55 Hektar ausschliesslich eigene Reben im Ertrag. Die Schieferböden der Region bilden eine ideale Grundlage, und die akribische und händische Winzerarbeit vom Rebschnitt bis zur selektiven Handlese mit bis zu 1’200 Arbeitsstunden pro Hektar liefern bestes Traubengut, zumal keine Herbizide und Insektizide zum Einsatz kommen. Im Keller werden alle Weine spontan und ohne Schwefelzusatz vergoren und geniessen eine lange (teils bis zu 18 Monaten) Hefestandzeit.

Noch ein Beispiel für die schöne Landschaft und die steilen Lagen. Die Aufnahme entstand in Kitzeck, unweit der Ried „Dr. Wunsch“.

Im Rahmen unserer Reise durch das Sausal sind wir damals auch direkt am Weingut Wohlmuth vorbeigefahren, haben aber leider nicht angehalten. Diesen Fehler werde ich bei einer nächsten Reise nicht mehr machen!

Degustationsnotizen:

Sauvignon Blanc, Südsteiermark DAC, 2020
Typisch „steirische Sauvignon-Nase“ (vulkanisch, Stachelbeere); im Mund trocken, säurebetont, geradlinig, fruchtig. Schöner Einstiegswein. 15,5 Punkte

Riesling Ried Dr. Wunsch, Südsteiermark DAC, 2019
Zurückhaltend in der Nase, etwas Zitrus; im Mund frisch, mineralisch, ganz leicht, aber nicht störend bitter, langer Abgang. Klar und „spielerisch“, schöner Riesling, 16,5 Punkte.

Umwerfend gut sind beide Weine aus dem Ried Edelschuh, einer Lage, in der schon seit dem 12. Jahrhundert Weinbau dokumentiert ist. (Die Verkostungsnotiz des SB betrifft den Jahrgang 2019, nicht wie hier abgeblidet 2018)

Sauvignon Blanc Ried Hochsteinriegl, Südsteiermark DAC, 2019
Duft nach frischem Gras, Andenbeeren, etwas Caramel; im Mund dicht gewoben, prägnante Säure, wirkt fast etwas tanninhaltig, langer Abgang. 17 Punkte.

Gelber Muskateller Ried Steinriegl, Südsteiermark DAC, 2020
Feine, filigrane Nase mit Duft nach Muskat und Zitrus; im Mund extreme Eleganz, trocken, schöne Säure gepaart mit enormer Frische, zurückhaltender Muskatton. Grossartiger Muskateller. 17 Punkte.

Riesling Ried Edelschuh, Südsteiermark DAC, 2019
Zurückhaltend in der Nase, etwas Zitrus und Mirabelle; im Mund ungemein frisch, gute Säure, „saftig“ wirkend mit viel Fruchtsüsse, wirkt trotz 3,9 g RZ trocken, dichte Struktur, sehr langer Abgang. Ein Bilderbuch-Riesling! 18 Punkte.

Sauvignon Blanc Ried Edelschuh, Südsteiermark DAC, 2019
Duft nach Mango und Mirabelle; mineralisch-frisch, rassige Säure, „stoffig“ und fruchtig, fast nicht endend wollender Abgang. Ganz toller SB! 18 Punkte.

Weingut Wohlmuth – Herkunftsweine in Handarbeit seit 1803.

Bezugsquellen:
CH: Landolt Weine (landolt-weine.ch)
D: Diverse, siehe hier: Bezugsquellen – Weingut Wohlmuth


Interessennachweis: Die degustierten Weine wurden im Rahmen einer grösseren Online-Degustation im Herbst 2021 von Österreich Wein in Kleinstflaschen zur Verfügung gestellt.


Marc Kreydenweiss: Elsässer Weine der anderen Art. Gross-Artig!

Die Weine des Marc Kreydenweiss verfolge ich jetzt schon seit 30 Jahren. Während sie damals schon hervorragend waren, habe sie mit den Jahren noch eine Dimension dazu gewonnen: sie sind heute einzigartig! Nicht für jedermann, aber wer diese Art von Weinen (von Riesling) mag, wird im siebten Himmel schweben!

Völlig zu Unrecht sind die Weine des Elsass – auch bei mir – etwas aus dem Fokus geraten. Dabei gibt es immer mehr zu entdecken. Und dazu gibt es die Evergreens, wobei sich diese ebenfalls weiterentwickeln. So wie Marc Kredenweiss aus Andlau.

Als er 1989 auf biodynamischen Weinbau umstellte, war er einer der Pioniere. Und er wurde von der Weinwelt und seinen Winzerkollegen schlichtweg für verrückt erklärt. Dabei schaffte er es von Anfang an, wundervolle Weine herzustellen. Allerdings waren das anfangs der 1990-er Jahre noch Weine, die sich stylistisch kaum von anderen Rieslingen unterschieden. Ich war damals bei Divo tätig, und wir nahmen Kredenweiss ins Sortiment auf, weil er einfach hervorragende Weine herstellte, weit über dem damaligen Standard im Elsass.

Kreydenweiss hat sich aber über die Jahre weiter entwickelt. Und inzwischen ist sein Sohn Antoine für die Domaine verantwortlich, und auch er hat nochmals einen Schub in das Weingut gebracht. Angesichts der beiden nachfolgend beschriebenen Weinen scheint mir sein Statement auf der Website des Gutes geradezu Programm:

„Ma vision est de produire des vins d’expression singulière, des vins de lieux et de terroirs sans concession et artifice, sans dogme et sans limite. Je laisse fermenter les vins naturellement, ils sont élevés sur lies, (parfois jusqu’à 3 ans) avec un minimum de sulfites. J’aime les vins vibrants avec des bouches texturées, des vins qui ne rendent pas indifférents mais qui ne plaisent pas à tout le monde, des vins qui me ressemblent„.

Die beiden Weine, di3 ich hier beschreibe, legen Zeugnis davon ab. Wer sich mit der üblichen „Riesling-Erwartung“ diesen Weinen nähert, wird wohl enttäuscht sein. Da ist nichts von frisch-fruchtigen Noten, vielmehr wirken die Weine in der Nase fast etwas exotisch. Natürlich nicht typisch Riesling, aber mitreissend, spannend, einzigartig. Wer hatte denn schon einen Wein im Glas, der in der Nase wie ein Sauternes (oder eine Riesling-TBA) duftet, dabei aber knochentrocken ist? Und dann im Mund: Auch da nicht das Gewohnte, aber dennoch schon viel mehr der klassische Riesling: kraftvoll und dennoch elegant, enorm frisch, mit sehr langem Abgang.

Zwei Andlauer Grand Crus: Klare Handschrift, deutliche Unterschiede. Gemeinsamkeit? Beide grossartig?

Kastelberg Grand Cru, Riesling, 2015
Mittleres Strohgelb mit orangen Reflexen; „süssliche“ Düfte nach Aprikosen, Mango, Lederapfel (ich weiss, das kennt kaum mehr jemand – eine wundervolle alte Sorte), Waldhonig, dazu Lindenblüten. Erinnert fast ein wenig an einen Sauternes (wobei Botrytis fehlt). Im Mund enorm dicht, extrem frisch, schöne Säure, elegant, fast unendlich langer Abgang, in welchem das einzige Mal der hohe Alkoholgehalt (nicht negativ) spürbar wird. Ein Wahnsinn von einem Wein, wirkt optisch und in der Nase schon sehr gereift, ist aber erst am Anfang seiner Entwicklung. Atypischer Riesling, der nicht allen gefallen wird. Ich finde ihn schlicht grossartig! 18,5 Punkte (= herausragend).
NB: Ich verteilte erst seit einigen Monaten in meinem Blog Noten. So hoch habe ich bisher noch nie bewertet.

Moenchberg Grand Cru, Pinot gris 2016
Helles bis mittleres Strohgelb; exotische Düfte, ohne exotisch zu wirken: Papaya, Passionsfrucht, Honig, Stachelbeere, Holunderblüte; im Mund frisch, druckvoll und gleichzeitig ungemein „tänzerisch“, langer Abgang. Weniger ausladend als der Kastelberg, dafür filigraner und feingliedriger. Toller Wein! 18 Punkte (= ausgezeichnet).

Wie es Antoine Kreydenweiss beschrieb: Die Weine werden nicht jedermann gefallen (es wird ausdrücklich vor grösseren Blindkäufen gewarnt!). Aber wem sich diese Weine erschlossen haben, der wird sich in sie verlieben und eine neue Dimension von Wein – und von Riesling – erleben!

Der Clou zum Schluss: Wo habe ich diese Weine wohl gekauft? Bei einem spezialierten Händler? Bei einem Anbieter, der biodynamische Weine führt? Weit gefehlt: bei Coop! Das lässt ja darauf hoffen, dass solche Weine dereinst mehrheitsfähig werden. (Aktuell ist „nur“ der einfache Riesling 2017 im Angebot).

The Domain (kreydenweiss.com)

Faszination pur: Guter Wein aus der ältesten benannten Rebsorte der Welt!

Chardonnay, Riesling, Blaufränkisch, Gamay. Alle diese und über hundert weitere Sorten gäbe es nicht ohne die Ursorte Gwäss bzw. Heunisch, die auch heute noch einen erstaunlichen Wein hervorbringt.

Würden Sie einen Wein „von geringer Qualität, wässrig und sauer“ trinken wollen? Genau das wird dieser „Ursorte“ nämlich nachgesagt, aber sie hat diese Eigenschaften weder ihren Kindern und Kindeskindern vererbt, noch passt das Urteil auf einen heutigen Wein aus der Sorte, den ich hier beschreibe!

Woher die Heunisch oder Gwäss (was man fast gleich ausspricht wie das französische Gouais [blanc]), wirklich stammt, wird wohl nie erforscht werden können. Als sicher gilt, dass sie aus dem Osten kommt und vor vielen Jahrhunderten nach Mitteleuropa gelangte. Nach einer von mehreren Theorien wurde sie schon unter dem Hunnenkönig Attila nach dem Jahr 400 herum eingeführt.

Mit DNA-Analysen bewiesen ist hingegen, dass die Gwäss sozusagen die Mutter/Grossmutter/Urgrossmutter von mehr als hundert heute gängigen Weinsorten ist. Aus unbekannten Kreuzungen hervorgegangen sind zum Beispiel so weltbekannte Rebsorten wie Blaufränkisch und Riesling, aber auch regionale Spezialitäten wie der Räuschling, während Kreuzungen mit Pinot (vermutlich Pinot noir) zu Chardonnay, Alioté, Gamay und Muscadet geführt haben. Auf jeden Fall scheint die Gewäss/Heunisch die älteste namentlich bekannte Rebsorte der Welt zu sein1!

Alpine Reblandschaft im Oberwallis, wo die Gwäss noch angepflanzt wird (Symbolbild, es zeigt nicht den Rebberg von Chanton).

Die Sorte reift spät und ist deshalb auf Frühlingsfrost kaum anfällig. Dazu bringt sie ohne Eingriffe enorme Erträge. Es ist deshalb verständlich, dass sie einst weit verbreitet war. Aber schon im 18. Jahrhundert wurde sie als minderwertig nicht mehr empfohlen. Das Prädikat „dünn“ wurde der Sorte freilich schon im 12. Jahrhundert durch Hildegard von Bingen „verliehen“. Von ihr soll der Ausspruch stammen: „Der fränkische Wein sei ein starker Wein, der mit Wasser vermischt werden müsse, hingegen sei der hunnische (also der von den Hunnen gebrachte Heunisch/Gwäss) von Natur aus wässrig und müsse nicht verdünnt werden“.2

Den Gegenbeweis zu These der Hildegard von Bingen erbringt ein Betrieb im Oberwallis, Chanton Weine in Visp, der sich schon in dritter Generation um die Pflege alter Rebsorten verdient macht. Schon der Grossvater des heutigen Betriebsinhabers Mario Chanton pflanzte die Lafnetscha wieder an, und der Vater zog mit der Himbertscha und eben der Gwäss in den 1980er-Jahren nach. Bemerkenswert ist dabei, dass die Gwäss damals ohne das Wissen um ihre ampelographische Wichtigkeit wieder angebaut wurde. Die ersten Weine aus dieser Sorte waren längst wieder auf dem Markt, als die Forscher den Nachweis der Verwandtschaft erbringen konnten! Gutes Gespür, könnte man dem wohl sagen!

So völlig falsch sind die erwähnten Eigenschaften der Sorte – dünn und sauer – natürlich nicht. Aber Chanton zeigt mit seinem Gwäss, dass mit strikter Ertragsregulierung auch ein völlig anderer Wein entstehen kann:


Gwäss 2017, Chanton Weine
Helles Gelb mit orangen Reflexen; dezente Nase mit floralen Tönen, Anflug von Williams-Birne und -Schnaps, etwas Kiwi; erstaunlich rund, ausgeprägter „Süsskomplex“ (nicht süss!), spürbare, aber gezügelte Säure, mittlerer Abgang mit merkbarem Alkohol.

Wohlverstanden, ein wirklich grosses Gewächs ist auch dieser Gwäss nicht. Aber es ist ein schöner Wein, der Spass macht und der auch kulinarisch sehr breit eingesetzt werden kann (Apéro, zu Fisch, hellem Käse und auch zu nicht sehr scharfen exotischen Gerichten. Und nach drei Tagen habe ich einen kleinen Rest noch zu Spargel genossen – selbst das geht).

Aber zu einem richtig erhabenen Gefühl und fast ein wenig Gänsehaut beim Genuss führt natürlich das Wissen, sozusagen einen Schluck Weingeschichte zu trinken und daran zu denken, was uns ohne die Gwäss/Heunisch – oder meinetwegen den Hunnenkönig, wenn diese Geschichte denn stimmt – an Weingenüssen alles verwehrt geblieben wäre! Wer Riesling, Chardonnay und Blaufränkisch und Co. liebt, müsste eigentlich zumindest einmal einen Gwäss genossen haben!

http://www.chanton.ch/

1 Siehe u.a.:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2880041/
https://edoc.sub.uni-hamburg.de/haw/volltexte/2011/1438/pdf/ern_y_569.pdf (Seite 46)

sowie Arbeiten von Dr. José Vouillamoz (unveröffentlicht, beim Weingut Chanton eingesehen).
2 Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Heunisch_(Rebsorte
)

Verrückte Zeiten – tolle Ideen. Und ein wenig (leider restsüsse) Normalität.

Es ist bewundernswert, mit wie viel Kreativität einige Winzer und Weinhändler plötzlich auftrumpfen. Aber trotzdem muss man ja nicht jeden Wein dann einfach gut finden. Für heute deshalb mehr eine Plauderei als eine Weinbeschreibung.

Aktuell überbieten sich Winzer und Lieferanten mit mehr oder weniger kreativen Angeboten. Zwei coole Online-Degustationen habe ich schon in meinem letzten Beitrag beschrieben:
https://victorswein.blog/2020/03/23/corona-macht-erfinderisch-spannende-online-degustationen-zum-mitmachen/

Viele Angebote sehen indessen einfach „nur“ eine Gratislieferung vor – damit glauben die Güter und Unternehmen jetzt gerade zu punkten. Bloss: Wie bringen die das nach der Krise nur wieder weg? Wer macht den ersten Schritt und verlangt – betriebswirtschaftlich logisch – wieder Transportkosten? Ich wage die Prognose, dass viele Winzer am Schluss als Verlierer dastehen, weil sie mit der Gratislieferung einfach nicht mehr aufhören können. Da ist die Aktion des von mir hoch geschätzten Winzers Michael Broger geradezu besonnen: Er liefert temporär in der näheren Umgebung, sprich, in seinem Kanton – den ich mit meinem Wohnort um gerade einen Kilometer verpasse, was mir aber aufgrund des Autokennzeichens (TG) ganz recht ist 🙂 – gratis, behält aber sonst seine üblichen Versandkosten zu recht bei.

MIr gefällt unter Vielen indessen die Idee von sechs Winzerinnen und Winzern aus Nierstein. Hier kann man zwei verschiedene Probierpakete mit je einer Flasche der sechs Güter bestellen. Gemeinsam geht es besser! Und für mich wäre das ein Zukunftsmodell – nicht jeder mag die gleiche Art von Wein, und unter sechs finden sicher fast alle einen Lieblingswein. Am Schluss gewinnen alle! Es gibt zwei Pakete, eines „nur Riesling“, das andere „alles ausser Riesling“, die Kosten betragen 44 Euro, inkl. 2 Euro Spende an eine soziale Institution. Kritisieren muss man aber immerhin, dass die Aktion technisch nicht ausgereift ist, Bestellungen sind nur per E-Mail möglich (siehe Bildlegende), und wie hoch die Transportkosten sind, bleibt offen. Dennoch: Solche Aktionen wollen wir künftig regelmässig sehen, dann hätte Corona sogar etwas (Wein-)Gutes.

Für Bestellungen: sina@weingut-eimermann.de

Zu einem der sechs Güter, die sich hier gemeinsam organisiert haben, gibt es übrigens in einem anderen Weinblog einen sehr schönen Beitrag: Nicole Korzonnek hat in ihrem Blog bottled grapes (ich „beneide“ sie um diesen genialen Namen) das Weingut Schneider-Müller sehr schön portraitiert:
https://bottled-grapes.de/weingueter-schneider-mueller-rheinhessen/

Themenwechsel: scheussliche Restsüsse

Ich mag nun mal Weine nicht, die zu viel Restsüsse aufweisen. Selbst, wenn ich sie rein rational oft sehr gut beurteile, gefallen können sie mir fast nie – und schon gar nicht zum Essen, es sei denn, es handle sich um ein asiatisches Gericht und beim Wein um einen Riesling oder einen Chenin blanc mit viel Säure zur Süsse.

Heute habe ich eine „blind“ eingekaufte Petite Arvine 2018 probiert. Schon in der Nase war klar, dass ich diesen Wein nicht mögen werde, und im Mund erst recht: Es gibt so viele hervorragende Weine aus dieser Sorte, die trocken oder mit wenig Restsüsse ausgebaut sind – warum braucht es da Süsse? Das ist einfach ein Beweis mehr dafür, dass man Weine nur einkaufen sollte, wenn man sie selbst probiert und für dem eigenen Geschmack entsprechend befunden hat. Da ich aber das fragliche Weingut (Les Fils de Charles Favre) seit bald 40 Jahren kenne und hoch schätze, habe ich es wieder einmal gewagt. Eben: Das Unternehmen ist hoch empfehlenswert, und auch den Wein werden viele vermutlich gut finden – bei mir enden die restlichen 5 Flaschen indessen als Kochwein in Gerichten, die nach einen leicht süssen Touch verlangen.

Aber gerade deshalb finde ich die beschriebene Aktion der sechs Niersteiner Winzerinnen und Winzer so gut: Man kann probieren und allenfalls nachbestellen, was gefällt!

Süsser Wein? Ich bin selbst nicht besser!

Ich pflege einen eigenen, kleinen Rebberg:
https://victorswein.blog/virtuelles-rebjahr/

Ich habe kürzlich meinen Wein, ein Pinot noir aus einer zum zweiten Mal genutzten Barrique, aus dem Jahr 2016 einem Weinfreund zum Probieren gebeben. (Adrian van Velsen, der einen Weinblog betreibt, der viel älter und viel professioneller ist als meiner – sehr empfehlenswert:
https://vvwine.ch/

Er lieferte mir nicht nur eine hochprofessionelle Degustationsnotiz, sondern auch den Hinweis, dass er eine Restsüsse von mindestens 2-3 Gramm vermute. Mir war immer klar, dass der Wein nicht ganz trocken ist, aber gerade so? Ich liess ihn deshalb analysieren und das Resultat war ein Schock: 5,2 Gramm Restzucker!

Fazit: Kritisieren ist einfach, selber besser machen, weniger.

Und in diesem Sinn: Hut ab vor allen, die in der heutigen schwierigen Zeit selbst etwas besser machen!

https://www.weingut-gehring.com/
https://www.weingut-huff.de/
https://www.weingut-seebrich.de/de/home/articles/home.html
https://www.weingut-huff.com/
http://schneider-mueller.com/
https://weingut-eimermann.de/

Und – nehmen Sie meine Kritik an der Süsse der Petite Arvine nicht zu ernst, das Weingut ist hervorragend:
http://www.favre-vins.ch/