Weingut Gesellmann: Grandiose Weine für Gänsehautmomente!

Das Bio-Weingut Gesellmann in Deutschkreutz im Burgenland überzeugt mit seinen Weinen auf der ganzen Linie! Beim Blaufränkisch «hochberc» und der Spitzen-Cuvée «G» fehlen fast die Worte, um diese eindrücklichen Weine zu beschreiben. Aber auch die weniger hochpreisigen Weine, ob rot oder weiss, sind grossartig.

Wenn ein Produzent durch das ganze Sortiment hindurch so grandiose Weine abliefert wie das Weingut Gesellmann, dann sucht man unweigerlich nach den Gründen für diese Qualität. Tatsächlich sind die Weine, die ich probieren konnte, in jeder Kategorie umwerfend gut. Vor allem aber zeigen Sie auch eine klare Handschrift: Alle weisen eine schöne, feine Frucht und im Mund eine enorme Frische auf, bestechen dadurch, dass sie Eleganz mit Kraft perfekt paaren, dass eine prägnante, aber immer sehr gut eingebundene Säure präsent ist, und dass die Roten zwar tanninreich, aber immer mit sehr feinen Gerbstoffen und niemals austrocknend daherkommen. Obwohl sie vor Kraft strotzen, wirken sie auch irgendwie leichtfüssig, ja fast tänzerisch. Und alle sind emotional berührend und sorgen beim Genuss für wohlige Gänsehaut.

Albert Gesellmann: toller, spannender Gesprächspartner, man möchte die Unterhaltung gar nie abbrechen.

Im Gespräch mit dem sympathischen, selbstsicheren, aber niemals überheblichen Albert Gesellmann zeigt sich, dass diese «Grandezza» die Folge einer klaren Strategie ist, welche keine Kompromisse kennt und mit der er sich auch nicht scheut, neue Wege zu beschreiten.

Lange Tradition – auf deren Basis in jüngerer Zeit Innovation entstand.

Das Weingut verfügt über eine lange Tradition es besteht als Familienbetrieb seit 1719. Seit bald 50 Jahren nimmt es im Burgendland in vielerlei Hinsicht eine Vorreiterrolle ein. Engelbert Gesellmann pflanzte schon damals auch internationale Rebsorten an und baute diese in französischen Barriques aus. Allerdings ging dieser Schritt nie zu Lasten der ortsüblichen Sorten, insbesondere des Blaufränkisch. Bezeichnenderweise bestand die «Opus Eximium», eine der ersten Cuvées Österreichs überhaupt, anfangs aus Blaufränkisch, St. Laurent, Pinot Noir und Cabernet Sauvignon – heute «nur» noch aus Blaufränkisch, St. Laurent und Zweigelt.

Seit dem Jahr 2000 führt der Sohn Albert zusammen mit seiner Frau Silvia den Betrieb. Auf der Basis, die Vater Engelbert gelegt hatte, haben die beiden das Gut meines Erachtens in die Top-10 Österreichs geführt. Mit ein Grund dafür ist sicher die Umstellung auf Bio-Rebbau im Jahr 2011 (zertifiziert seit 2015).

Und das Schönste am Ganzen: Die nächste Generation steht bereit, ist ausgebildet und arbeitet schon im Betrieb mit: (von links) Konstantin und Francesca mit ihren Eltern Silvia und Albert. (Bild: zvg Weingut Gesellmann)

Gegen «verbrannte Erde»!

Manchmal braucht auch ein so empathischer Mensch wie Albert Gesellmann einen Anstoss von aussen. Er lud zur Erntezeit immer die Schulklassen seiner Kinder in die Reben ein, dabei durften sie von den süssen Trauben essen, so viel sie mochten. Ein Knirps aus einer Kindergartenklasse wollte das aber nicht, mit dem Hinweis: «die muss man doch waschen, die sind gespritzt». Nebst diesem Denkanstoss war für Albert alarmierend, dass sein Vater beim Prüfen der Reife der Trauben im Mund allergisch zu reagieren begann. «So, wie wir alle hier wirtschaften, kann es doch nicht weitergehen», war schliesslich das Fazit. Und wer will schon seinen Kindern Grundstücke mit «verbrannter Erde» hinterlassen. So wurde der Entschluss gefasst, auf bio-organischen Rebbau umzustellen.

Diesen Entscheid haben die Gesellmanns nie bereut. Im Gegenteil, Albert Gesellmann ist überzeugt, damit nicht nur eine enkeltaugliche Weinwirtschaft zu betreiben, sondern auch seine Weine noch besser gemacht zu haben. Die Begrünung durch speziell ausgewählte Einsaaten, die man im ersten Jahr nur niederwalzt und erst im zweiten Jahr mäht, führte bereits dazu, dass die Böden humusreicher wurden. Verbunden mit dem Ausbringen von Kompost aus Kuhmist ist der Boden vielfältiger und natürlicher geworden – eben, das Gegenteil von verbrannter Erde.

Bewässern ist tabu – das würde den Terroircharakter verändern.

Entgegen früherer Theorien führt die Begrünung auch nicht zu einem Wassermangel der Reben. Das könnte im Burgenland durchaus ein Thema sein, denn 2023 fielen nur 580 Liter Wasser pro Jahr, 2022 gar nur 380. Damit kommt eigentlich selbst die Überlebenskünstlerin Rebe an ihre Grenzen. In dieser Hinsicht profitiert das Burgendland davon, dass viele Böden nebst Sand auch Lehm aufweisen – und dieser wirkt als Wasserspeicher. Beim Hochberg (Gesellmanns Wein von da heisst aber «hochberc») kommt noch ein kalkreicher Untergrund dazu, was die umwerfende Qualität des Weins mit begünstigt. Gesellmann zieht nicht einmal in Betracht, die Pflanzen zu bewässern. Seiner Meinung nach würde das dem Terroir-Gedanken total widersprechen, denn die klimatischen Verhältnisse gehören nun einmal dazu – also auch, dass ein Jahrgang durchaus zeigen darf, dass die Reben leiden mussten.

Da geht buchstäblich die Sonne auf! Impression von der Ernte, die immer erst bei vollreifem Traubengut erfolgt (Bild: zvg Weingut Gesellmann).

«Kontrollierte» Spontangärung

Biologischer Rebbau ist das Eine – die Spontangärung das Andere. Auch damit wird natürlich der Terroircharakter eines Weins perfekt herausgearbeitet. Albert Gesellmann, der ansonsten überhaupt nicht als Zyniker auftritt, hat dazu genüsslich die aktuellen Aussagen eines Lehrers an einer Weinfachschule zitiert, wonach «Weine mit Spontangärung gut sein können (selten!!!!)». Nun, bei Gesellmann sind die Weine immer gut – extrem gut, sogar.

Der grösste Kritiker der Spontangärung (und des Bio-Rebbaus) war anfangs übrigens Albert’s Vater. «Bio schmeckt nicht», war die Devise. Albert hält dazu aber fest, dass er den Weinstil seines Vaters eigentlich nicht geändert hat, bloss verfeinert und dank der Spontangärung terroir-typischer gemacht. Aber auch die Spontangärung braucht wissenschaftliches Vorgehen, und vor allem auch Hygiene. Die Trauben der ganzen 50 Hektar Rebfläche des Gutes werden sorgfältig von Hand gelesen und erlesen. Danach erfolgt in einer High-Tech-Maschine noch eine optische Selektion, bei der faule, unreife oder anderweitig schlechte Beeren entfernt werden.

Und sind die Trauben einmal selektioniert im Keller, werden die Moste genau analysiert. Gerade aufgrund der langen Maischegärung und dem vollreifen Traubenmaterial ist die Analyse von organischem und nichtorganischem Stickstoff sowie bei Bedarf einer präzisen Stickstoffsteuerung im Most sehr wichtig. Spontangärung heisst also nicht einfach «den Wein machen lassen», sondern die Vorteile der trauben- und hauseigenen Hefen zu nutzen.

Warten bringt Spitzenweine – vollreifes Traubengut als «Geheimnis»

Auch Geduld ist Teil der Philosophie der Gesellmanns. Es kann schon mal vorkommen, dass die Trauben drei Wochen nach jenen seiner Nachbarn geerntet werden. Denn das Credo heisst: Aus vollreifen Trauben gibt es Spitzenweine. Die Reife wird eben nicht nach dem Zuckergehalt beurteilt, sondern daran, ob die Beeren und insbesondere die Kerne wirklich reif, also nicht mehr «grün» sind. Tatsächlich haben die Gesellmann-Weine jeweils einen vergleichsweise hohen (wenn auch nicht übertriebenen) Alkoholgehalt. In keinem einzigen der Weine spürt man das aber, was gemäss Albert Gesellmann auch damit zusammenhängt, dass die Säure trotz langer Reifezeit ebenfalls recht hoch liegt, was wiederum auf den Bio-Rebbau und die Begrünung der Rebzeilen zurückzuführen ist. Die lange Reife der Trauben führt auch dazu, dass die Tannine immer sehr fein und nie «austrocknend» ausfallen. Im Übrigen ist Geduld auch im Keller ein Thema: Die Beeren werden nicht gequetscht, wodurch eine interzelluläre Gärung stattfindet. Danach liegen die Spitzenweine bis zu 60 Tage auf der Maische, wobei täglich drei «Pigeagen» erfolgen.

Erfolgreich und zuversichtlich

Albert und Silvia Gesellmann haben sich zweifellos den Platz in der österreichischen Weinelite mehr als verdient. Und sie können auf dem Markt auch angemessene Preise erzielen. Der Gesellmann «G» kostet fast 100 Euro/Franken, was sehr hoch erscheinen mag, verglichen mit qualitativ ähnlich grossen Gewächsen aus aller Welt ist er allerdings trotzdem noch in einem vernünftigen Rahmen. Und der hochberc, für mich einer der absoluten Spitzen-Blaufränkisch, liegt mit rund 50 Euro/Franken zwar auch hoch, aber immer noch deutlich tiefer als einige von anderen Anbietern. Beide erwähnten Weine sind Gewächse zum Träumen, besser geht fast nicht mehr.

Die gute Nachricht für alle, die nicht so viel Geld für einen Wein ausgeben wollen ist, dass es auch preislich tiefere Weine von Gesellmann gibt, die ebenfalls äusserst toll sind. So finde ich den OP Eximium mit rund 30 Euro/Franken angesichts seiner genialen Qualität echt «preiswert», und der Blaufränkisch Creitzer, der bei anderen Weingütern schon die Spitze darstellen würde, mit etwa 25 Euro/Franken schon fast ein Schnäppchen (im Vergleich zur Güte des Weins natürlich). Und der Basis-Chardonnay, um auch noch kurz auf die ebenfalls bemerkenswerten Weissen einzugehen, ist mit seiner Güte zu rund 15 Euro/Franken schon fast «billig».

Kunstvoll sind nicht nur die Weine, sondern ist auch diese Aufnahme der Rebgärten der Gesellmanns. (Bild zvg Weingut Gesellmann).

Hat der Weinbau Zukunft? Klar!

Auf die Lage auf dem Weinmarkt angesprochen wirkt Albert Gesellmann relativ entspannt. Natürlich zeigen gewisse Indikatoren im Weinmarkt in die falsche Richtung, aber er ist überzeugt, dass hochklassiger Wein immer Abnehmer finden wird. Und es kommen auch wieder andere Zeiten. Wein hat vor allem mit Genuss und Geselligkeit zu tun – und wer hat in der aktuellen Weltlage gerade besonders Lust, Feste zu feiern? Ganz abgesehen davon sieht er auch Chancen in Ländern, in welchen seine (und überhaupt österreichische) Weine noch kaum verbreitet sind. Interessanterweise befindet sich auf der «to-do-Liste» nebst Indien auch Australien, wo Blaufränkisch eine gute Chance habe.

Degustationsnotizen

Die breite, überzeugende Palette der Gesellmann-Weine. (Bild zvg Weingut Gesellmann)

Chardonnay 2024
Eher helles Gelb; sehr fruchtig nach Zitrus, Mirabelle und weissem Pfirsich, dazu dezent exotische Noten; im Mund mit präsenter, saftiger Säure, mineralischer Touch, recht dichter Körper, fruchtbetont, schöner Trinkfluss. Richtig schöner Chardonnay, verblüffend gut auf diesem Preisniveau! 17 Punkte.

Chardonnay Ried Steingriegel, 2023
Helles Zitronengelb; fruchtbetonte Nase (von Stachelbeere über weisse Johannisbeere über Aprikose bis zu sehr dezent exotischen Nuancen von Papaya und Ananas, unterlegt mit etwas neuem Holz und ganz leicht kräutrigem Touch; im Mund sehr frisch, schöne, saftige Säure, fruchtbetont, ganz wenig Tannin spürbar, aktuell noch etwas viel neues Holz, ungemein fruchtiger, sehr langer Abgang. 18 Punkte.

Blaufränkisch vom Lehm, 2023
Dunkles Purpur; intensive dunkle Frucht (Cassis, Zwetschge, Dörrpflaume), auch würzige und leicht pfeffrige Noten, ganz leicht grünliche Töne (Brennessel); im Mund kraftvoll und sehr dicht, intensive dunkle Frucht, kräftige, „mundfüllende“ Tannine, die sich aber gut einfügen, schöne Säure. Ein ganz anderer Stil als die anderen Weine, mehr Kraft als Eleganz, aber gleichzeitig auch sehr klar und reintönig. 16,5 Punkte.

Blaufränkisch Creitzer 2023
Mittleres Purpur; dunkle Frucht wie Cassis und Brombeere, vielschichtig würzige Noten, sehr dezent Vanille; im Mund mit grosser Frische und „Klarheit“, schön saftige Säure, eher dezente Tannine, die erst im Abgang klar spürbar sind, sehr fruchtbetont, äusserst elegant. süffiger Blaufränkisch für höhere Ansprüche! 17,5 Punkte.

OP Eximium No. 35 2022
Mitteldunkles Purpur; dunkle Schokolade, Cassis, Brombeere, auch würzige Töne, sehr dezent schönes, neues Holz; sehr viel, aber sehr feines, „geschliffenes“ Tannin, saftige Säure, viel Frische, enorm kraftvoll, dabei aber gleichzeitig von unglaublicher Eleganz, fast nicht endender, fruchtbetonter und „üppiger“ Abgang. Ich weiss, dass Wein-Koryphäen den Wein etwas tiefer bewerten, für mich ist es ein Meisterwerk. 18,5 Punkte.

hochberc Blaufränkisch 2021
Mittleres Rubin; sowohl rote als auch dunkle Beerenfrucht, etwas Leder, dezent feines, neues Holz; sehr viel Frische, viel, sehr feines Tannin, gut angepasste, saftige Säure, einerseits sehr feingliedrig, gleichzeitig mit enormer Kraft, „feurig“ (was bei mir nie alkoholisch heisst), enorm langer Abgang. Etwas vom Besten, was Blaufränkisch bieten kann. Grossartig! 19 Punkte, vielleicht auch 19,5.

hochberc Blaufränkisch 2022
Mittleres Rubin; intensiver Duft nach dunklen Beeren wie Brombeere, Jostabeere, Zwetschge, schwarzer Kirsche, aber auch Anflüge von Tabak und Pinien, etwas neues Holz; im Mund enorme Dichte, schöne, saftige Säure, viel sehr feines Tannin, frisch, kraftvoll und mundfüllend, dabei aber auch viel Eleganz, fast unendlich langer, fruchtiger Abgang. Ebenfalls wunderbar!19 Punkte.

Gesellmann G, 2021 (Blaufränkisch und etwas St. Laurent)
Mittleres bis dunkles Purpur; enorm vielschichtige, feinfruchtige Nase mit dem vollen Bogen von roter und dunkler Frucht bis hin zu etwas Dörraprikose und Tabak; sehr viel, aktuell noch recht adstringierendes aber feines Tannin, recht hohe, aber nicht aggressive und deshalb sehr gut eingebundene Säure, frisch, sehr saftiger Gesamteindruck, füllig und doch mit grosser Eleganz. Umwerfend schöner Wein, den ich in ein paar Jahren gerne in eine Degustation allerbester Bordeaux reinschmuggeln würde. 19 bis 19,5 Punkte!

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Interessennachweis:
Die Weine wurden – ausgenommen der Chardonnay 2024 und der hochberc 2022, welche ich käuflich erworben habe – vom Weingut zu Degustationszwecken zur Verfügung gestellt. Und nebenbei: Vom hochberc 2021, dem OP Eximium 2022 sowie dem Chardonnay Steinriegel 2023 habe ich mir Flaschen für den privaten Weinkeller gekauft. Der «G» war leider schon ausverkauft, sein Preis liegt aber eigentlich ohnehin über meiner üblichen «Schmerzgrenze»

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