Noch nichts vor an Auffahrt? Dann ab ins Wallis!

An Auffahrt, 30.5.2019, und meist auch noch am Freitag und Samstag danach, öffnen die Walliser Weinkeller ihre Türen. Das ist eine ganz tolle Gelegenheit, die hohe Qualität der Walliser Weine zu entdecken! Wer sich etwas inspirieren lassen will, kann hier meinen Beitrag aus dem letzten Jahr nachlesen. Die erwähnten Weingüter sind alle uneingeschränkt einen Besuch wert.
https://victorswein.blog/2018/05/13/walliser-weine-spitzenklasse/

Aber entdecken Sie auch einfach Neues! Es lohnt sich wirklich, einen oder auch mehrere Tage bei den Winzern im Rhonetal zu verbringen!
Alles Weitere erfahren Sie hier:
https://www.lesvinsduvalais.ch/de/offeneweinkeller/

Schweizer Winzer besuchen – wann, wenn nicht jetzt!

Der 1. Mai ist seit vielen Jahren ein Fixdatum für Weinfreunde. In der ganzen Deutschschweiz öffnen an diesem Datum (und oft auch an den Wochenenden davor oder danach) die Winzer ihre Weinkeller. Es gibt keine bessere Gelegenheit, das hochstehende Niveau unserer lokalen Weine kennenzulernen!

Viel schreiben muss ich dazu nicht, das haben meine Freunde von der „Swiss Wine Connection“ schon alles perfekt vorbereitet. Hier finden Sie alles rund um die offenen Weinkeller:
https://www.offeneweinkeller.ch/home/

Lassen Sie sich inspirieren und nutzen Sie diese Tage für neue, spannende Entdeckungen, es lohnt sich!

Ich ganz persönlich werde in diesem Jahr zwar nicht so oft unterwegs sein wie auch schon, aber es gibt einige jahrzehntealte Traditionen, die ich beibehalten werde. So sieht man mich ganz sicher bei einem meiner Lieblingswinzer, Michael Broger, am Ottoberg (der übrigens schon am Samstag, 27.4. von 16.00 bis 20.00 und am Sonntag, 28.4. von 11.00 bis 17.00 geöffnet hat.
https://www.broger-weinbau.ch/

Ganz generell werde ich selbst in diesem Jahr vor allem Winzer (wie Broger) besuchen, die auf nachhaltigen Rebbau achten. Das sind natürlich Betriebe, die biologisch oder bio-dynamisch arbeiten, das können aber auch Winzer sein, die mit Piwi-Sorten versuchen, einen ökologischeren Fussabdruck zu produzieren. In für mich vernünftiger Distanz sind das sicher die Betriebe von Nadine und Cédric Besson-Strasser in Uhwiesen, Karin und Roland Lenz in Iselisberg sowie Markus Ruch in Hallau. Und wer näher wohnt als ich, muss unbedingt Marco Casanova in Walenstadt besuchen!
https://wein.ch/ (Besson-Strasser – die hatten schon bei der Registrierung der Domaine viel Weitsicht!)
https://www.weingut-lenz.ch/
http://www.weinbauruch.ch/
https://www.casanova-weinpur.ch/

Aber lassen Sie sich nicht von meiner kleinen Auswahl zu sehr beeinflussen: Besuchen Sie einfach einige Winzer, probieren Sie, diskutieren Sie, versuchen Sie auch einige der zumeist angebotenen kleineren und grösseren Speisen – und geniessen Sie einfach den Tag oder die Tage bei unseren hervorragenden Winzern! Es lohnt sich!

Napa vs. Bordeaux Vol. 6: wieder gewinnt Napa!

Die Degustation im Jahr 1976 in Paris war eine Sensation, welche die Weinhierarchie neu aufmischte: Sowohl bei den Weissweinen (Chardonnay) als auch den Rotweinen (Cabernet) obsiegten in einer Blindprobe die Gewächse aus Kalifornien über die Franzosen! Die Resultate sind hier nachzulesen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Weinjury_von_Paris

Das Resultat wurde damals in Frankreich für schlicht unseriös und nicht zutreffend beurteilt oder dann totgeschwiegen, aber inzwischen wurden solche Proben mehrfach wiederholt, und jedes Mal schlugen sich die Weine aus Napa hervorragend. Zu einer Neuauflage lud vor einer Woche die NapaWine AG in Zürich. Zwar waren die ganz grossen Gewächse nicht dabei, Bordeaux stellte 6 klassierte Crus aus Pauillac und Napa war hauptsächlich mit Zweitweinen vertreten. Letzteres vor allem aus Gründen der Fairness, wurden doch preislich vergleichbare Weine gegenübergestellt. (Das allein spricht schon Bände, die Preise der USA-Weine sind ebenfalls sehr in die Höhe geschossen, so dass heute finanziell ein Zweitwein aus Napa einem Pontet Canet gleichgestellt ist).


2 x 6 Weine aus Pauillac und Napa: spannend und lehrreich.

Das Resultat war mehr als spannend. Massgebend waren die Bewertungen aller der rund 100 Teilnehmer – es handelte sich also um eine Publikumsbewertung.
Vorab: Die Napa-Weine belegen nicht nur das „Podest“, sie schwingen auch gesamthaft obenauf. Allerdings muss das Resultat auch gleich sehr relativiert werden, denn alle Weine liegen in der Bewertung zwischen 93 und 96 Punkten! Klar wird damit aber auf jeden Fall, das die Cabernets aus Kalifornien jenen aus Frankreich auf diesem Niveau ebenbürtig sind – und es sich bestimmt lohnt, sich näher damit zu befassen!

Hier das Resultat der Gesamtbewertungen (bei gleicher Durschnittspunktzahl ergaben die Gesamtpunkte aller Teilnehmer die Rangliste):

WeinPunkteRang
2015 Bulgheroni Lithology Cabernet Sauvignon 961
2015 Brand Napa Valley Brio 962
2015 Sinegal Estate Winery Estate 963
2015 Barbour St. Helena Cabernet Sauvignon 964
2015 Château Pichon-Baron-Longueville, Pauillac 965
2015 Arkenstone Wines Estate Red Wine 956
2015 Kelly Fleming Estate Cabernet Sauvignon 957
2015 Château Pichon-Comtesse-de-Lalande 958
2015 Château Pontet-Canet, Pauillac 959
2015 Château Lynch-Bages, Pauillac 9410
2015 Château Grand-Puy-Lacoste, Pauillac 9411
2015 Château Clerc-Milon, Pauillac 9312

Meine persönliche Rangliste sah völlig anders aus. Gesamthaft hatte Bordeaux, wenn auch nur mit einem einzigen Punkt, die Nase vorne. Doch auch bei mir steht ein Napa-Wein zuoberst. Bloss der Sieger beim Gesamtpublikum liegt bei mir erst an neunter Stelle, dafür kommt der „Verlierer“ schon auf Rang 3.

1) Barbour St. Helena Cabernet Sauvignon
2) Château Pichon-Baron-Longueville, Pauillac
3) Château Clerc-Milon, Pauillac
4) Sinegal Estate Winery Estate
5) Château Lynch-Bages, Pauillac
6) Brand Napa Valley Brio
7) Château Pontet-Canet, Pauillac
8) Château Grand-Puy-Lacoste, Pauillac
9) Bulgheroni Lithology Cabernet Sauvignon
10) Kelly Fleming Estate Cabernet Sauvignon
11) Château Pichon-Comtesse-de-Lalande
12) Arkenstone Wines Estate Red Wine

So spannend dieser Anlass war, so sehr hat er mir auch die eigene Unzulänglichkeit aufgezeigt. Zwar war ich beim Ratespiel „was ist Bordeaux, was ist Napa“ mit 10 Treffern bei 12 Weinen nicht so schlecht. (Ein rundes Dutzend der Teilnehmer lag immer richtig – châpeau!). Aber ich hätte schon erwartet, dass ich wenigstens die doch so eigenständigen Pontet Canet, Pichon-Comtesse und Grandy-Puy-Lacoste blind erkennen würde – leider Fehlanzeige. Allerdings zeigten sich auch alle drei in totaler Unterform. Bei der Arrivage vor einem Jahr waren sie noch offen und fruchtig,
Vgl. hier: https://victorswein.blog/2018/04/26/bordeaux-2015-trau-schau-wem-vor-allem-dir-selbst/
jetzt unzugänglich und teils gar spröd und fast dünn wirkend. Trotzdem hätte es durchaus Hinweise gegeben, sie zu erkennen, und im Nachhinein ist man ja immer klüger. So notierte ich beim GPL, den ich für einen Napawein hielt, u.a. „sehr verhalten, adstingierende Tannine; bin etwas ratlos, aber vielleicht wird er gross“ und beim Pichon-Comtesse schrieb ich gar „total zurückhaltend, spröde; enttäuschend – aber vielleicht ist es ein Langstreckenläufer“. Und definitv erkennbar wäre Pontet-Canet gewesen: „dunkle Töne, würzig, mit etwas Boskoop-Apfel fast etwas oxydativ wirkend, hat Potential“.

Das generelle Niveau der Weine ist, nicht nur, wenn man das Potential der drei beschriebenen Bordeaux „hochrechnet“, indessen grossartig – beidseits des Ozeans. Persönlich eher weniger gefallen hat mir der Arkenstone. Mit seinen Noten von grünen Peperoni und Schokolade und seiner eher tiefen Säure wirkte er für mich etwas „bluffig“, aber das ist natürlich Geschmacksache. Umgekehrt fand ich den von den Profis eher tiefer eingeschätzten Barbour St. Helena dank seiner Eleganz und Länge, verbunden mit einem spürbaren, aber nicht übertriebenen Süsskomplex, einfach grossartig. Und schliesslich breche ich gerne auch eine Lanze für den beim Gesamtpublikum letztplatzierten Clerc-Milon: Mir hat er mit seiner eleganten, filigranen Art und seinen feinen Tanninen mit guter Säure sehr behagt, auch wenn ich ihn – da noch in einer „fruchtigen Phase“ – vielleicht etwas zu generös beuteilt habe. Das Fazit ist aber: Auch der „Verlierer“ (ich hüte mich, „der schlechteste Wein“ zu schreiben), war noch ausseroderdentlich gut

Die Weine für die Degustation wurden von zwei ausgewiesenen „Profis“ ausgewählt, René Gabriel, der „Bordeaux-Papst“ war für die Europäer verantwortlich, während Baschi Schwander die USA-Fraktion bestimmte. Die Auswahl war hervorragend; schade nur, dass die beiden – in Tat und Wahrheit befreundet – in ihren Kommentaren vor allem kompetitiv auftraten, denn beide hätten fachlich viel mehr Interessantes zu sagen gehabt.

Zwei Koryphäen unter sich: René Gabriel, links (bxtotal.com) und Baschi Schwander (mybestwine.ch)

Anlässe dieser Art sind, selbst wenn sie etwas am eigenen Ego kratzen, extrem spannend. Ich würde mir wünschen, und mich heute gegen Vorzahlung schon anmelden, dass die gleiche Degustation in 10 Jahren wiederholt würde. Und ich werde mich jetzt hüten zu behaupten, dass dann Bordeaux die Nase vorne hätte. Selbst dann, wenn man das heute nicht ausgeschöpfte Potetial der Spitzen-Pauillacs berücksichtigt: Die Napa-Weine waren so gut, und scheinen so langlebig, dass ich keine Wetten über das Resultat in 10 Jahren abgeben würde.

Mindestens ebenso spannend, und hier würde ich schon fast auf einen Boredaux-Sieg wetten, wäre ein Vergleich von Weinen im Bereich von 15 – 25 Franken. Wenn ich da an Bordeaux wie Moulin Haut-Laroque oder Cambon-La-Pelouse denke …
Aber vielleicht irre ich mich auch da, vielleicht würde Napa auch in diesem Preissegment mithalten? Affaire à suivre!

Und wenn Sie jetzt Lust bekommen haben, die Berichte des Bordeaux- resp. Napa-Profis zu lesen, voilà:
Sebastion Schwander:
http://mybestwine.ch/napa-vs-pauillac-2015-blind-tasting-battle/
Und René Gabriel:
https://www.napawine.ch/wp-content/uploads/2019/04/Napa-Versus-Pauillac-.pdf

Und wenn Sie – wie ich – Lust auf Napa erhalten haben (die Bordeaux gibt’s ja „überall“):
https://www.napawine.ch/


Swiss Wine Tasting – auf keinen Fall verpassen!

Das grosse Stelldichein der Schweizer Topwinzer – 26./27. August 2018 in Zürich!

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Zehn Jahre nach der – noch etwas anders organisierten – Erstausgabe, findet Ende August sozusagen das Jubiläums-Swiss Wine Tasting statt. Es handelt sich um die jeweils absolut einmalige Chance im Jahr, die Weine der „crème de la crème“ der Schweizer Winzer an einem einzigen Ort probieren zu können. Es gibt nur wenige Spitzenwinzer, die hier fehlen.

Diesen Anlass dürfen Sie sich einfach nicht entgehen lassen, wenn Sie Schweizer Wein kennen und mögen. Und wenn sie ihn bisher nicht kennen oder noch immer glauben, er sei nur dünn und sauer, dann müssen Sie erst recht an diesem Anlass teilnehmen!

Details und Tickets siehe hier:
http://www.swiss-wine-tasting.ch/ausstellung/

Man kann ihnen nicht genug danken: Andreas Keller und Susanne Scholl, „Vater“ und „Mutter“ dieser Veranstaltung.

Bei dieser Gelegenheit noch eine Art „vinologische Liebeserklärung“ an Andreas Keller und Susanne Scholl von „Weininformation“. Den beiden – er erster Vinum-Chefredaktor, sie in dieser Zeit „die gute Seele“ der Redaktion – ist es zu verdanken, dass dieser Anlass ins Leben gerufen wurde. Mit dem Glauben daran, dass der Schweizer Wein eine solche Kulisse und positive Presse verdient hat, haben sie den ersten Anlass unter vollem eigenem finanziellen Risiko organisiert und zu einem Erfolg gemacht.
Eigentlich müsste die Schweizer Weinszene den beiden ein Denkmal errichten!

http://www.weininfo.ch/
http://www.swiss-wine-connection.ch/connection/

Flash aus der Wachau II: Hier gibt es auch tolle Rotweine!

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Herrliche Aussicht auf die Donau (und die Wachauer Reblandschaft)

Hand auf’s Herz: Grüner Veltliner und Riesling aus der Wachau kennen Sie. Aber ein Rotwein? Also, mir ist das in der Schweiz noch nie begegnet.

Deshalb ist auch auch in Sachen Wein das Reisen so spannend! Tatächlich wird auch in der Wachau roter Wein produziert, in erster Linie, wie könnte es anders sein, Zweigelt. Ich habe aber auf der Weinkarte einen Pinot noir entdeckt und kurzerhand ausprobiert:

pinotwachauEin toller Wein, voller Kraft und mit „burgundischem Feuer“. Vielleicht etwas weniger elegant, dafür kraftvoll. Und sehr typisch Pinot!

Der Winzer selbst beschreibt den Wein eher zurückhaltend und bescheiden: Klare helle Kirschfrucht, auch etwas Himbeere tritt hinzu, viel Würze, angenehmer Säurebogen.

Ich würde hinzufügen: Der 2011 ist zwar schön trinkreif, hat aber noch viele Jahre vor sich; extrem subtil eingebundenes Holz, dicht und lang, toller Wein und unverkennbar Pinot! Und Preis-/Leistung muss im internationalen Vergleich hervorragend sein, im Restaurant kostete der Wein 42 Euro.

Die Wachau, jenseits von sehr wenigen Starwinzern mit fragwürdigen „Weintempeln“ mitten in den Reben (im Flachen): Eine sympathische Entdeckung, auch in Rot!

http://www.stierschneider.at/konzept.htm

 

 

Walliser Weine: Spitzenklasse!

Nach zwei Tagen in den offenen Weinkellern im Wallis lässt sich nur ein Fazit ziehen: Spitzenklasse! Chapeau!

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Atemberaubende Schönheit: Steillagen bei Chamoson

Besonders sympathisch an diesen Tagen vom 10. – 12. Mai war, dass – im Gegensatz zum Pendant in der Deutschschweiz – im Wallis auch praktisch alle Top-Winzer mitmachten. Solidarität ist hier offenbar kein Fremdwort. So waren sich auch Parker-geadelte Betriebe wie die Domaine des Muses, Gewinner des Grand Prix du Vins Suisse wie Diego Mathier und Cave du Rhodan oder Legenden wie Marie-Thérèse Chappaz nicht zu schade, ihre Top-Produkte zu zeigen.

Ich werde später in diesem Blog auf verschiedene Winzer zurückkommen, das ist qualitätsmässig fast ein Muss. Für heute nur ein kleiner „Flash“ und damit verbunden ein Aufruf an alle Weinfreunde, sich vermehrt mit den Walliser Weinen zu beschäftigen. Denn hier ist nicht nur die Qualität sehr hoch, sondern, gemessen am Aufwand in den teils steilen Terrassen und der Güte der Weine, auch die Preise meist noch vernünftig. Und die Vielfalt der Sortimente ist fast unschlagbar!

Nachstehend ein paar erste Highlights, genannt jeweils der beste Wein pro Rebsorte, den wir verkosteten – und im Wissen, dass eine solche Selektion vielen anderen, hervorragenden Weinen, wohl unrecht tut:

Fendant: David Rossier, Leytron (Grand Cru Leytron).
https://www.david-rossier-vins.ch/de
Johannisberg (Im ganzen Wallis fast immer nur gut; das Wallis als Sylvaner-Hochburg!):
Cave Corbassière, Saillon
http://www.corbassiere.ch
Humagne blanche: Cave la Romaine, Flanthey
http://www.cavelaromaine.com
Petit Arvine (hat generell ein extrem hohes Niveau): Domaine des Muses, Sierre/Granges
http://www.domainedesmuses.ch/
Paien/Heida (auch hier, welch grandioses Niveau, Wallis als Savagnin-Hochburg!): Cave du Vieux-Moulin, Vétroz
http://www.papilloud.com
Viognier: Thierry Constantin, Pont-de-la-Morge. Diese Qualität muss man auch weiter unten an der Rhone zuerst finden!
http://www.thierryconstantin.ch
Marsanne: Marie-Thérèse Chappaz (Grain Ermitage), ein fast übersinnlicher Wein!
http://www.chappaz.ch
Pinot noir: Cave du Rhodan, Salgesch (Grand Cru). Vielleicht nicht das, was man ausserhalb des Wallis von einem Pinot erwartet, aber grossartig!
http://www.rhodan.ch
Humagne rouge: Cave la Romaine, Flanthey (der „kann“ Humagne, weiss und rot!)
http://www.cavelaromaine.com
Cornalin: Cave du Rhodan (der Cornalin von der Bio-Domaine „Trong“). Eigentlich war auch der Cornalin fast überall gut, aber dieser hier ist ein „elegantes Monument“!
Syrah: Thierry Constantin, Pont-de-la-Morge.
http://www.thierryconstantin.ch

Und vielleicht etwas „ausser Konkurrenz“, aber nicht in Sachen Qualität:
Lafnetscha: autochthone Sorte, ein bisschen der Completer des Wallis. grossartig!
Chanton Weine, Visp (ebenso bemerkenswert, aber speziell der „Eyholzer Rote“, trotz Rotwein-Vinifikation wie ein Rosé, mit Erdbeeraromen).
http://www.chanton.ch

Bestes Weingut:
Und schliesslich, das für mich beste Weingut der ganzen Reise. Sicher ist es etwas unfair, denn von 15 besuchten Betrieben hätten wohl acht diesen Titel verdient. Trotzdem lege ich mich auf Thierry Constantin in Pont-de-la-Morge fest: Bei ihm ist einfach das ganze Sortiment durchgehend sehr gut bis ausgezeichnet, und es zieht sich zudem ein Stil durch alle Weine – das könnte man alles blind kaufen!
http://www.thierryconstantin.ch

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Für mich, wenn auch nur um Nuancen vor vielen anderen, der beste aller besuchter Winzer: Thierry Constantin

Wallis: à suivre, bald auch in diesem Weinblog!

 

 

„Man muss ja gar nicht ausländischen Wein kaufen, wenn man guten Wein will!“

Nachlese zu den Tagen der offenen Weinkeller

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Weinbau am Bielersee: nicht nur schön, sondern auch sehr gut!

„Das ist ein unglaubliches Erlebnis: Man muss ja gar nicht ins Ausland reisen, um guten Wein zu erhalten“. Diese Aussage ist nicht erfunden, sondern stammt von einem etwa 60-jährigen Herrn, der mit zwei Kollegen eben bei Steiner in Schernelz an den Tagen der offenen Weinkeller Wein probiert hatte.

Besser kann man gar nicht beschreiben, warum eben genau diese Tage der offenen Weinkeller so wichtig sind! Denn ganz offenbar braucht es sehr lange, um bestehende Vorurteile zu korrigieren. Um so schöner, wenn es, wie im beschriebenen Beispiel, gelingt!

Selbstverständlich würde ich persönlich nicht auf ausländische Weine verzichten wollen. Um beim Beispiel Steiner Schernelz zu bleiben: Das ist ein total hochstehendes, rundum überzeugendes Sortiment (ich werde noch genauer berichten), aber ausgerechnet die „fremden“ roten Rebsorten Syrah und Malbec sind zwar sehr gut gemacht, aber gerade da bevorzuge ich dann doch das Original aus der nördlichen Rhone oder Cahors. Dafür kann man unserem erwähnten Weinfreund nur zustimmen, wenn es um Pinot noir, Sauvignon blanc oder Chardonnay geht. Und dass aus Chasselas Spitzenweine hergestellt werden können, die zwar ein Schweizer Original, aber trotzdem im Quervergleich hochklassig sind, zeigt sich bei Steiner auch!

Für mich persönlich eine Wieder-Entdeckung war tatsächlich auch die Weinregion Bielersee. Da gibt es eine ganze Reihe von äusserst hochklassigen Betrieben. Wenn ich mit dem Besuch am 1. Mai in der Bündner Herrschaft vergleiche, müssen sich die Bielerseewinzer im Durschschnitt überhaupt nicht verstecken!

Affaire à suivre, auch demnächst in diesem Blog!

http://www.schernelzvillage.ch/de/startseite.html

 

Auf zu den Deutschschweizer Winzern – second (and last) call!

Tage der offenen Weinkeller – noch am 5. und 6. Mai 2018

Wer den Tag der offenen Weinkeller am 1. Mai verpasst hat (und der hat etwas verpasst!), hat vielenorts noch eine zweite Chance! Am 5. und/oder 6. Mai öffnen viele Winzer ihre Keller nochmals. Nichts wie auf zu einer Entdeckungsreise!

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Ein ganz persönlicher Tipp: CasaNova in Walenstadt. Rundum fantastisch! Und ja – ein Bio-Betrieb mit Demeter-Zertifizierung. Hat am Samstag, 5.5. noch offen. Und wird bald hier im Blog noch genauer vorgestellt. (Bild vl)

Die Entwicklung des Schweizer, und namentlich des Deutschschweizer Weinbaus in den letzten zwei Jahrzehnten ist qualitativ eine einzige Erfolgsstory! Wer noch nicht gemerkt hat, welch tolle Weine heutzutage produziert werden, der muss am kommenden Wochenende unbedingt einige Winzer besuchen! Und wer es schon gemerkt hat, erst recht, denn es gibt von Jahr zu Jahr tolle Entwicklungen.

Vor drei Jahren beispielsweise besuchte ich das Weingut Möhr-Niggli in Maienfeld, damals nicht sehr bekannt – heute hochgejubelter „Shooting-Star“. Wer weiss, vielleicht macht ein Betrieb gleich um die Ecke, Ralf Komminoth, bald auch einen Bekanntheitssprung (die Pinots haben jedenfalls Potential).

Ganz generell: Von neun besuchten Betrieben haben drei mit dem gesamten Sortiment geglänzt, fünf waren sehr gut und zeigten einzelne Perlen im Sortiment – nur einer fiel wirklich ab und ist keine Empfehlung wert. Und dabei besuchten wir bewusst sieben uns noch nicht bekannte Winzer! Mehr Datails folgen auch hier – aber machen Sie sich doch irgendwo in der Deutschschweiz vor allem ein eigenes – mit Sicherheit gutes – Bild!

https://www.offeneweinkeller.ch/home/

http://www.casanova-weinpur.ch/
http://www.moehr-niggli.ch/
https://www.ralfkomminoth.ch/

 

 

 

1. Mai – auf zu den Winzern!

Ein absolutes Muss für jeden Weinfreund: Tag der offenen Weinkeller!  Und meine Vorpremière bei Broger und Haug

Wenn es diesen Anlass nicht gäbe, man müsste ihn erfinden! Am 1. Mai (und in diesem Jahr oft auch am 5. und/oder 6. Mai) öffnen selbstkelternde Winzer der Deutschschweiz ihre Weinkeller:

https://www.offeneweinkeller.ch/home/

Verpassen Sie diese Anlässe nicht, besser können Sie nie Einblick in die qualitativ meist hochstehende Weinschweiz erhalten!

Ich selbst habe heute schon begonnen; es gab einige wenige Betriebe, die schon an diesem Sonntag geöffnet hatten. So war ich bei meinem persönlichen Favoriten, Michael Broger am Ottenberg im Thurgau (siehe weiter unten). Davor besuchte ich aber auch ein mir bisher unbekanntes Weingut in Weiningen (Nomen est Omen), und dieser Besuch gab sozusagen die Richtung vor – der 1. Mai dient dazu, Neues, und oft Tolles, zu entdecken!

Wein und Kultur – und herausragende Weisse

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Robin Haug im Keller des Weingutes in Weinigen, das im Moment auch eine Kunstausstellung ist. (Bild vl)

Der Besuch im Weingut Haug zeigte exemplarisch, was an Entdeckungen am Tag der offen Weinkeller in positivem Sinne möglich ist. Eine mir bis anhin (abgesehen vom „Gubrist-Stau“) völlig ungekannte Weinortschaft, ein unbekannter Winzer – eigentlich nur gewählt, weil er schon heute offen hatte. Und dann: Ein wunderschönes Weissweinsortiment und zumindest gute Rotweine! Also eine Entdeckung und ein Ort, an dem man mich wieder sehen wird!

Während die Roten – vielleicht mit Ausnahme des Pinot Barrique, der Liebhbaber finden wird, mir aber zu untypisch, zu üppig und zu holzbetont vorkam – einfach gut waren, verdienen die Weissen allesamt das Prädikat sehr gut. In einem tollen Sortiment besonders aufgefallen sind ein Räuschling, der sortentypisch ist, aber gleichzeitig viel mehr Körper hat, als allgemein üblich (Zürichseewinzer: aufgepasst vor dem Limmattal!), ein dichter Pinot gris und ganz speziell ein Gewürztraminer des Jahres 2013, der auch fast ohne Restsüsse ganz wundervoll diese Rebsorte ausdrückt. Ganz generell gefiel mir, dass keiner der Weine eine übertriebene Restsäure aufwies und trotzdem alle auch für den Durschnittskonsumenten süffig erschienen. Solche Winzer sollte es mehr geben.

Also, am 1. Mai ausfahren und solche oder ähnliche Erlebnisse und Entdeckungen mit Schweizer Winzern machen! Es lohnt sich.

Der Pinot-Magier kann auch weiss

Dass ich ein bekennender Fan von Michael Broger am Ottenberg bei Weinfelden bin, ist Lesern meines Blogs bekannt.
https://victorswein.blog/2018/01/01/michael-broger-der-pinot-magier/

Auch die Roten des Jahrgangs 2016 zeigten einmal mehr das aussergewöhnliche Niveau dieser Weine: Die „alte Rebe“, das „Flaggschiff“ von Broger, ist umwerfend, von unglaublicher Klarheit, Finesse und Kraft – einzigartig! (Zur Feier des Tages habe ich am Abend eine „alte Rebe“ 2011 geöffnet: erste Trinkreife, feinste Pinot-Frucht, die erst jetzt richtig zum Vorschein kommt, kräftig und trotzdem eleganz und unendlich lang. Klasse!). Kaum weniger interessant der „Schnellberg“, der „nur“ in einjährigem Holz ausgebaut ist und deshalb schon etwas nahbarer und eigentlich schon genussvoll trinkbar ist; auch dieser Wein berührt die Seele!

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Frühling am Ottenberg: rechts das Schlossgut Bachtobel (das leider am Tag der offenen Weinkeller nicht teilnimmt), links, etwas verdeckt, das Weingut von Michael Broger.

Broger kann aber auch tolle Weisseine machen: Der 2017 Müller Thurgau ist für einmal fast ohne Restsüsse ausgebaut und steht für mich als Prototyp für den Wein, mit dem die Winzer uns Kosumenten wieder für diese Rebsorte gewinnen könnten: fruchtig, muskatbetont, mit frischer Säure, kombiniert mit einer nur marginalen Süsse, süffig, aber auch mit einer gewissen Dichte, einfach toll.
(Und, das passt jetzt so gut zum Tag der offenen Weinkeller: praktisch allen in der Schweiz angebotenen ausländischen Weinen in diesem Preissegment ganz einfach überlegen!).

Und schliesslich: Broger produziert seit Kurzem auch einen reinsortigen Riesling! Ich habe ihn toll gefunden, sehr sortentypisch (ich wäre blind nie auf einen Schweizer Wein gekommen), mit knackiger Säure, kombiniert mit einer kaum spürbaren, aber schön ergänzenden Restsüsse. Vielleicht mangelt es noch etwas an Körper, aber es sind ja auch noch junge Reben. Diesen Wein würde ich gerne einmal einem guten deutschen Riesling gegenüberstellen, eigentlich bin ich sicher, dass er nicht abfallen würde.

Ein Grund mehr, am 1. Mai die Vielfalt der Schweizer Weinlandschaft zu entdecken!

 

 

 

 

 

 

Bordeaux 2015 – trau, schau, wem. (Vor allem dir selbst!)

Diese Woche hatte ich Gelegenheit, an der spannenden Arrivage-Degustation der Bordeaux des Jahrgangs 2015 bei Gerstl (www. gerstl.ch) teilzunehmen. Was zuerst auffiel: Es hatte viel mehr Teilnehmer als ein Jahr zuvor bei der Ankunft des Jahrgangs 2014. Auch Weinfreunde sind offenbar Herdentiere; wenn einige rufen, „Jahrhundertjahrgang“, dann, und nur dann, rennen sie. Schade, denn es gab sogar einige Güter, bei denen mir der unterschätzte 14er besser gefallen hatte!

Obwohl die ganz „Grossen“ nicht vertreten waren (keine Premiers und fast keine Super-Seconds) gab die Degustation einen sehr guten Überblick. Ganz generell halte ich den Hype um das Jahr 2015 für übertrieben. Zwar ist es sicher ein grosser Jahrgang, aber bekanntlich sind ja immer die noch nicht verkauften Jahre die allerbesten!

Es gibt sie aber durchaus, die Weine aus dem Jahr 2015, die bewegen und die das Zeug haben, zu Legenden zu werden. Das trifft durchwegs auf Güter zu, die trotz der Kraft des Jahrgangs auf Eleganz und Finesse Wert legten. Ein Musterbeispiel für solche herausragende Gewächse ist Pichon-Lalande: das ist ganz grosses Kino, was hier in die Flasche gebracht wurde (wobei gerade hier anzumerken ist, dass ich den 14er fast ebenso hoch einstufe).

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Schon immer gut und speziell, in den letzten Jahren ganz an der Spitze: Pichon-Lalande (Pichon-Longueville Comtesse de Lalande).

Weitere tolle Beispiele sind Grand Puy Lacoste (zum Ausflippen schön, filigran und kraftvoll zugleich, und ich bin nicht sicher, ob er nicht sogar auf der gleichen Stufe wie Pichon-Lalande steht), Malartic-Lagravière, Clos Dubreuil, Beauregard, Léoville-Poyferré, du Tertre, Lagrange, Calon-Ségur, oder auch, etwas üppiger, Giscours. Auch bei den etwas günstigeren Gewächsen gibt es sehr positive Erwähnungen; Monbrison (wobei: sind 36 Franken noch günstig?), Moulin Haut-Laroque, Léandre-Chevalier, Meney, Le Bosque, Gaillard und Cambon La Pelouse, letzterer in Sachen Preis-/Leistung wohl der Allerbeste (wunderbar, wie sich dieses früher unbekannte, schon fast in den Vororten von Bordeaux gelegene Gut entwickelt hat)!

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Pontet-Canet: Mit Bio-Dynamie zum grossen Erfolg!

„Outstandig“ in jeder Hinsicht ist Pontet-Canet. Die Entwicklung dieses Gutes ist unglaublich. Ich habe in meinen Notizen von der Primeurverkostung des Jahrgangs 1989 in Bordeaux nachgesehen. Damals lag das Gut bei mir von allen verkosteten Weinen am Schluss, Freude machte der Wein keine, ich notierte „peinlich, dass ein klassiertes Gut so schlechten Wein machen kann“. Und heute (wie schon seit einigen Jahren), unter anderen Besitzern und nach der Umstellung auf bio-dynamischen Weinbau im Jahr 2004: Was für ein Wein! Welche Wucht, welche Üppigkeit – und, auch wenn es paradox tönt – gleichzeitig welche Weichheit, Eleganz und Finesse! Pontet-Canet hat seinen ganz eigenen Bordeaux-Stil gefunden und ist zwar teuer geworden, in Relation gesetzt, aber noch preiswert geblieben!

Negativ aufgefallen ist hingegen, dass zu viele Weine auf „Fruchtbombe“ gemacht sind. Da stellt sich ernsthaft die Frage, ob man nicht besser gleich das (meist billigere) „Original“ aus Australien, Spanien, Süditalien oder den USA kaufen soll. Und bei einigen dieser für mich untypischen Bordeaux kommt noch dazu, dass die Säure tief liegt. Auffällig ist, dass dieser Weintyp im Libournais häufiger vorkommt als im Médoc. Vollreifer Merlot war 2015 vielleicht kein Vorteil. Es wird spannend sein, die Entwicklung dieser Weine zu beobachten und in 10 oder 20 Jahren abschliessend zu urteilen.

Vertreter dieser Fruchtbomben-Weine, die mir persönlich nicht gefallen haben sind u.a. Pape-Clément (für mich auch sonst  enttäuschend), Troplong-Mondot, Faugères und Lascombes.

Auf allerdings sehr hohem Niveau eher enttäuschend fand ich zudem Cos, dem es an Säure mangelt, Haut-Bailly, der vielleicht gross wird, mich aber im Moment ratlos lässt, de Chevalier, und auf tieferem Niveau Sociando-Mallet, der ein Schatten frühere Jahre ist.

Trau, schau – dir

Es gilt also auch im „Jahrhundertjahrgang“ 2015, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Ich komme ohnehin je länger je mehr dazu, dass ich nur noch kaufe, was ich selbst probiert und für gut befunden habe. Denn letztlich zählt nur der eigene Geschmack, und dass der unterschiedlich sein kann, wurde mir beim Lesen eines Facebook-Eintrags eines anderen Teilnehmers an der Degustation bewusst: Dieser lobte nämlich ausgerechnet Cos und Troplong-Mondot. Immerhin: Pichon-Lalande war auch auf seiner Favoritenliste!