Eine absolute Rarität von hervorragender Qualität. Und keiner merkt es!

Lafnetscha. Vielleicht liegt es ja daran, dass die Sortenbezeichnung ein Zungenbrecher ist? Vielleicht auch, dass sie nur im Wallis angebaut wird – einem Weinbaubebiet, das meiner Meinung nach zu den am meisten unterschätzten von ganz Europa zählt?

Ein Gedankenspiel für einen Titel dieses Beitrages war auch ganz kurz „Weltdegustation Lafnetscha mit vierfachem Schweizer Sieg“. Das wäre dann freilich etwas zu viel Boulevard gewesen, denn es gibt diesen Wein nur in der Schweiz (genauer, in der „Üsserschweiz“, also dem Wallis), und es gibt nur vier Produzenten dieser Rebsorte, welche eine ganz spannende Verwandtschaft hat.

Completer? In Graubünden als extrem gesuchte, qualitativ hochstehende Spezialität und gerade dabei, wieder so richtig abzuheben. Humagne Blanche? Der Wein, den man im Wallis traditionell den Wöchnerinnen reichte, damit sie schnell wieder zu Kraft kamen. Und ein Wein, der als qualitativ hoch stehende Spezialität wieder Beachtung findet.

Dann muss ja Lafnetscha auch grosse Qualitäten haben! Aber der Reihe nach: Humagne blanche ist eine der ältesten Rebsorten der Schweiz, sie wurde schon im 14. Jahrhundert erwähnt. Auch die ersten Spuren des Completer gehen auf die gleiche Zeit zurück. Während letztere als „Waisenkind“ gilt – seine Eltern können nicht eruiert werden und sind vermutlich ausgestorben -, geht die Humagne Blanche (nicht zu verwechseln mit der Humagne Rouge, zu der keine Verbindung besteht) elterlicherseits auf die Colombaud aus Südfrankreich zurück. Die Lafnetscha wiederum ist nachweislich eine natürliche Kreuzung zwischen der Humagne Blanche und der Completer 1. Ideale Voraussetzungen also, um einen wunderbaren Wein zu erzeugen!

Allerdings: Die Sorte wird nur im Oberwallis auf, je nach Quelle, 1,0 bis 1,5 Hektar angepflanzt. Es handelt sich also um eine absolute Rarität. Aber ich bin überzeugt, dass die Rebsorte das Potential hätte, in grösserem Stil sehr erfolgreich zu werden. Es gibt auch nur vier Produzenten von Wein dieser Rebsorte, aber alle stellen wirklich guten Wein her, drei davon sogar hervorragenden. Ich habe die Weine blind degustiert, hier die Notizen, zum ersten (aber nicht letzten) Mal in meinem Blog mit Noten. Zur meiner Notenskala werde ich demnächst etwas mehr schreiben, hier nur so viel: 16 Punkte sind wirklich gut, 17 und 17,5 Punkte sehr gut bis ausgezeichnet.

Spektakuläre Weinbau-Szenerie im Wallis (Eingang zum Val d’Hérens, ohne direkten Bezug zu Lafnetscha)

Zwei der Lafnetschas bewertete ich mit je 17,5 Punkten, und ich kann mich beim besten Willen nicht entscheiden, welchen der beiden ich nun auf den ersten Platz setzen soll. Somit gibt es zwei Sieger (Auflistung in alphabetischer Reihenfolge).

  1. Platz (ex aequo)

Chanton Weine, Visp, 2018:
Mittleres Gelb, wirkt optisch wie leicht CO2-haltig, was sich aber im Mund nicht bestätigt; zurückhaltende Nase, etwas Lindenblüte, weisser Pfirsich; im Mund sehr ausgewogen, rund und fliessend, spürbarer (aber nicht störender) Alkohol, mittlere Säure, leichter, schöner Bitterton im mittlerer Abgang. Sehr schöner, „stoffiger“ und runder Wein.
17,5 Punkte

Gregor Kuonen, Salgesch, 2018:
Mittleres bis helles Strohgelb; zurückhaltend, etwas Mirabelle und Zitrusfrucht; im Mund ausgeprägter „Süsskomplex“ (aber knochentrocken), mittlere Säure, leichter Bittertouch, schlank aber nicht dünn, sehr gut eingebundener Alkohol, mittlerer Abgang. Sehr schöner, eleganter und ausdrucksstarker Wein.
17,5 Punkte

3. Platz (Und damit eigentlich viel zu schlecht bedient, denn es ist ein sehr schöner Lafnetscha)

Cave Papillon, Salgesch, 2018
Helles Gelb mit grünen Reflexen; fruchtige Nase mit Bergamotte, Quitte, grünem Apfel; im Mund spürbarer (schöner) Bitterton, schöne Säure, ein ganz leichter Touch von Süssigkeit (? – gemäss Charly Wenger ist er trocken) , schlank, aber auf seine Art rund und ausgewogen, mittlerer Abgang.
Sehr schöner Wein, gegenüber den beiden vorstehenden fehlt es einzig ein wenig an Dichte, aber gerade das macht diesen Lafnetscha auch sehr interessant und kulinarisch gut einsetzbar.
17,0 Punkte

4. Platz

Raoul und Simone Stupf, 2016
Mittleres Gelb; intensive Nase, Aprikose, Mirabelle, leicht milchig; im Mund ein Touch von Kohlensäure, spürbare Säure, eher filigran, langer, alkoholgeprägter Abgang. Der rustikalste Wein von allen, aber vielleicht etwas unter Wert geschlagen, da er um zwei Jahre älter ist als die anderen.
16,0 Punkte

Fazit: Lafnetscha kann man blind kaufen, er ist immer gut!

Von links nach rechts: Cave Papillon (17,0), Gregor Kuonen (17,5), Chanton (17.5) und Stupf (16)

Lafnetscha – viva la Diva!

Charly Wenger von der Cave Papillon, der diesen wunderschön filigranen Typ der Lafnetscha keltert, charakterisiert die Sorte folgendermassen: „Sie ist sehr arbeitsintensiv, allein die immerwährende Läubelarbeiten und das Entfernen der grossen Geiztriebe braucht viel Aufwand. Es braucht viele Jahre Erfahrung, um diese Rebe ( eine wahre Diva!) richtig zu verstehen und eine optimale Qualität zu erreichen. Wenn aber reifes, schönes Traubengut geerntet werden kann, wird man belohnt mit einem langlebigen, feinfruchtigen Weisswein der wirklich Freude macht“.
Dabei müsste man diese Rebsorte in seinem Betrieb schon fast als Hobby bezeichnen, er bewirtschaftet in Raron rund 0,1 Hektar einer alten Parzelle, die er 1995 bereits bestockt übernehmen konnte.
Auch wenn der Wein von Charly Wenger „nur“ den dritten Platz erreicht hat, ist er absolut empfehlenswert – er ist auch der am wenigsten nach „Wallis“ schmeckende aller vier Lanfnetschas – und zeigt damit vielleicht auch an, wie die Sorte durchaus auch international Furore machen könnte.

Gregor Kuonen, ein renommierter Familienbetrieb, verfügt über keine eigenen Lafnetscha-Reben, sondern bezieht sie seit langer Zeit von verlässlichen Zulieferanten.

Ein Teil der Reben wächst unter einer speziellen Erziehungsart. Lafnetscha, bereit zur Ernte (Bild zfg: Gregor Kuonen)

Chanton Weine in Visp ist es vermutlich zu verdanken, dass die Sorte heute überhaupt noch angebaut wird. Anfangs der 1980er Jahren war es Josy Chanton, der die Lafnetscha in leicht grösserem Stil als Erster wieder anbaute. Joseph-Marie („Josy“) Chanton, der Vater des heutigen Inhabers Mario Chanton, hat überhaupt enorme Verdienste mit dem Wieder-Anbau von fast vergessenen Sorten. Chanton galt und gilt zu recht als eigentlicher Reb-Archäologe. Er war führend beteiligt, dass die Heida im Wallis wieder angebaut wird, und das Sortiment von Chanton beinhaltet heute auch Sorten wie Himbertscha (eine Halbschwester zur Lafnetscha, die ich persönlich sehr mag), Eyholzer Roter (ein fast rosé-artiger, feingliedriger, schlanker, aber charaktervoller Rotwein) oder Gwäss (vgl. hier: https://victorswein.blog/2020/04/28/faszination-pur-guter-wein-aus-der-altesten-benannten-rebsorte-der-welt/
Mit Lafnetscha bestockt ist bei Chanton rund eine halbe Hektare, im Vispertal und in Varen.

Eine völlige Unbekannte bleibt leider die Domaine Stupf in Niouc: Zwar hat sie sich ziemlich unbescheiden (vor allem, wenn man an die Verdienste von Chanton denkt) die Site lafnetscha.ch gesichert, aber sie kommt der damit eigentlich verbundenen Verpflichtung leider nicht nach. So wurden mehrere, über ein Jahr verteilte E-Mail-Anfragen, nicht beantwortet und auch ein Schreiben blieb ohne Reaktion. Schade – und eines Besitzers einer solchen „generellen“ Domaine unwürdig! Es wäre wohl besser, alle Lafnetscha-Produzenten würden die Site gemeinsam betreiben.
Somit kann ich leider über diesen Produzenten nichts aussagen. Ich bin auch nur durch reinen Zufall überhaupt darauf gestossen – im Dorfladen von Zinal (im Val d’Anniviers, zu dem auch Niouc gehört). Laut José Vouillamoz’s Buch 1 aus dem Jahr 2018 gäbe es als vierte Produzenten nebst Chanton, Kuonen und Cave Papillon nämlich nur Horst und Silvia Schärer aus Grindelwald. Ein Kontakt mit dem Sohn brachte indessen die Nachricht, dass Horst leider verstorben ist und die Lafnetschas in Eggerberg bei Visp deshalb nicht mehr von der Familie gepflegt werden. Es liegt somit nahe, muss aber trotzdem Vermutung bleiben, dass die Familie Stupf nun diese Reben übernommen hat. Etwas mehr Kommunikationsverständnis stünde den Inhabern der Homepage aber auf jeden Fall gut an!

Lange Geschichte – grosse Zukunft?
Im Kirchenarchiv von Niedergesteln (kleines Dorf bei Visp) wurde eine Notiz von 1627 gefunden in welcher steht, dass zwei Brüder der Kirche Trauben schuldig waren. Sie lieferten von den besten: Lafnetscha. Zumindest so lange ist die Sorte also dokumentiert.

Sie ist zwar offenbar eine Diva im Anbau, aber aufgrund ihrer Qualität und der komplexen Art der Weine wäre ihr sicher Besseres vergönnt als ein Mauerblümchendasein auf keinster Fläche im Oberwallis. Dies um so mehr, als sie spätreifend und säurebetont ist, was in Zeiten des Klimawandels entscheidend sein kann. Zudem können die Weine sehr gut altern, der Name soll von der mundartlichen Wendung „laff es nit scho“ (trinke ihn nicht schon) herkommen.

Eine Rarität die noch ganz ohne Raritätenzuschlag erhältlich ist
Das Erstaunlichste aber ist, dass noch kaum jemand entdeckt zu haben scheint, welches Potential hier schlummert. Während der Completer im Bündnerland immer häufiger angebaut wird, und trotzdem für Normalsterbliche kaum erhältlich und teuer ist, kann man bei den drei Erstplatzierten der Degustation bisher problemlos Lafnetscha’s erwerben, und das erst noch zu vernünftigen Preisen. So gesehen ist es vielleicht sogar falsch, hier darüber zu schreiben – aber die Weine von Chanton, Kuonen und Cave Papillon sind einfach zu faszinierend, um sie nicht etwas bekannter zu machen!

Infos zur Traubensorte:

1 Quellen:

Nationale Datenbank Schweiz zu Erhaltung der pflanzengenetischen Ressourcen: https://www.bdn.ch/media/files/pdf/Variety-22901-0.pdf

José Vouillamoz, Schweizer Rebsorten, Haupt Verlag, ISBN 978-3-258-08087-1  http://www.haupt.ch

Zu den beschriebenen Weinen:

http://www.chanton.ch/unsere-weine/raritaeten/lafnetscha.php
https://shop.gregor-kuonen.ch
https://www.cave-papillon.ch/default.asp
http://lafnetscha.ch/ (Raoul & Simone Stupf)

Und noch eine Art Würdigung von Josy Chanton, der weiterhin Gutes tut:
https://www.hotellerie-gastronomie.ch/de/artikel/josef-marie-chanton-hat-immer-heida-im-gepaeck/

Broger’s „alte Rebe“ – wunderbarer Pinot als Sinnbild für höchste Weinqualität aus „Mostindien“!

Regelmässigen Lesern meines Blogs ist bekannt, dass ich Michael Broger zu den absoluten Ausnahmewinzern der Schweiz zähle. Der neuste Beweis ist eine private Gegenüberstellung von zwei Jahrgängen seiner „alten Rebe“. Und die Gelegenheit ist gut, auch ein wenig über die enorme Qualitätsdichte am Ottenberg im Kanton Thurgau zu schreiben!

Der Weingeschmack meiner Frau entspricht nicht immer dem meinen, aber in einem sind wir uns einig: Die Weine von Michael Broger sind einfach immer grossartig und ausdrucksstark. Inzwischen ist insbesondere sein Spitzenwein, die „alte Rebe“, bei uns schon fast so etwas wie der „Hauswein“. Natürlich nicht im Sinne eines Alltagsweines, dafür ist er mit inzwischen gegen CHF 40.00 dann doch zu teuer. Aber wenn ein spezieller Moment ansteht, wie kürzlich der Geburtstag meiner Frau, und wenn zum Essen ein Pinot passt, dann muss es einfach eine „alte Rebe“ sein.

Dem Geschmack meiner Frau entsprechend, welche die jugendliche Frucht eines Pinots am meisten mag, holte ich zuerst eine Flasche des Jahres 2016 aus dem Keller. Nach dem Probieren war mir schnell klar, dass ihr im Falle von Broger ein gereifterer Wein besser gefallen würde. Deshalb öffnete ich auch einen 2012-er, und so wurde der Geburtstag auch zu einer kleinen, privaten Degustation.

Zwei tolle Jahrgänge – wie immer bei Broger!

Michael Broger, „alte Rebe“, 2012
Mittleres Rubin mit hellen Rändern; in der Nase noch sehr fruchtig, Brombeer, rote Kirschen, Anflug von Waldpilzen, dezenter, feiner Holzton. Im Mund „lebendig und fibrierend“, feine, spürbare Tannine, schön eingebundene Säure, elegant und eher der filigrane Typ, gleichzeitig aber auch druckvoll und „saftig“, leichter Bittertouch im sehr langen Abgang. Toller, frischer und noch immer jugendlich wirkender Wein! Erst jetzt so richtig in der ersten Trinkreife.

Michael Broger, „alte Rebe“, 2016
Dunkles Rubin; in der Nase etwas Pflaumen, florale und würzige Noten, dezenter Anflug von Caramel; im Mund noch wild, adstringierend (aber feine Tannine), prägnante Säure, extrem „saftig“ und sehr fruchtig, mittlerer Abgang. Wunderbarer, aber noch zu junger Wein (es sei denn, man mag – wie ich – diese wilde Ungezähmtheit. Mir hat er jetzt schon sehr gemundet!, aber der hat noch viel Reserve)

Beide Weine sind ganz weit weg vom heutigen Mainstream, aber sie sind gleichzeitig absolut unverkennbare Pinots, einfach mit einer eigenen „Sprache“ und mit Persönlichkeit. Und je älter sie werden, desto mehr erinnern die dann eben doch ans Burgund! Gerade der 2012-er zeigt, wie lange ein „Broger“ braucht, bis er sich öffnet – dafür dann um so schöner und sortentypischer!

Mein allererster Blogbeitrag vor fast drei Jahren handelte übrigens von Michael Broger, wer ihn nachlesen möchte:
https://victorswein.blog/2018/01/01/michael-broger-der-pinot-magier/

Der Ottenberg als Qualitäts-Hotspot: Bachtobel, Wolfer, Burkhart!

Gestern lag passend noch die neuste Ausgabe des „Falstaff“ im Briefkasten. Dort gibt es einen Artikel über Thurgauer Weine und auch diverse Verkostungsnotizen. Der am besten benotete Wein ist – Sie ahnen es – die „alte Rebe“ 2017 mit 94 Punkten! Aber auch Broger’s Müller Thurgau wurde mit 92 Punkten (!) benotet. Der lesenwerte Artikel zeigt aber auch auf, wie enorm die Qualitätsdichte im Thurgau, und vor allem am Ottenberg ob Weinfelden, inzwischen ist. Hier zeigte zwar schon vor 30 Jahren Hans Ulrich Kesselring auf dem nur ein paar hundert Meter von Broger’s Anwesen entfernten Schlossgut Bachtobel, dass im Thurgau Spitzenweine angebaut werden können – seine Weine waren damals schon eine Referenz, und die heutigen seines Neffen Johannes Meier sind es noch immer (Broger hat übrigens einige Zeit bei Kesselring gearbeitet). Inzwischen sind aber mit Martin Wolfer und Michael Burkhart auch weitere Produzenten hinzugekommen, welche den Ottenberg zu einem eigentlichen „Hotspot“ der Schweizer Weinszene werden lassen. Ich habe im letzten Jahr beide Sortimente degustiert und war gesamthaft begeistert. Wolfer überzeugte kürzlich auch mit seinem Sauvignon blanc und 94 Punkten in der internationalen „Sauvignon blanc-Trophy“, ebenfalls im Falstaff. Und Burkhart wiederum konnte für den „Duett“ (Pinot vom Ottenberg und Diolinoir aus Salgesch) eine Zusammenarbeit mit der Familie Mounir vom Walliser Spitzenbetrieb Cave du Rhodan eingehen, was letztere sicher nicht ohne ein hohes Qualitätsbewusstein beim Partner tun würden. Vgl. hier:
https://victorswein.blog/2020/03/07/domaine-trong-der-cave-du-rhodan-bio-dynamisch-an-die-spitze/

Der langgestreckte Hügelzug des Ottenberg im Thurtal bei Weinfelden. Qualität wird von den meisten Winzern gross geschrieben.

Der Ottenberg steht damit als Sinnbild und „Hotspot“ im Zentrum des Mostkantons Thurgau in der Ostschweiz (deshalb im Volksmund auch „Mostindien“ genannt) für einen enormen Qualitätsschub im Weinbau!

https://www.broger-weinbau.ch/
https://www.bachtobel.ch/de/
https://www.wolferwein.ch/de/
https://weingut-burkhart.ch/

Faszination pur: Guter Wein aus der ältesten benannten Rebsorte der Welt!

Chardonnay, Riesling, Blaufränkisch, Gamay. Alle diese und über hundert weitere Sorten gäbe es nicht ohne die Ursorte Gwäss bzw. Heunisch, die auch heute noch einen erstaunlichen Wein hervorbringt.

Würden Sie einen Wein „von geringer Qualität, wässrig und sauer“ trinken wollen? Genau das wird dieser „Ursorte“ nämlich nachgesagt, aber sie hat diese Eigenschaften weder ihren Kindern und Kindeskindern vererbt, noch passt das Urteil auf einen heutigen Wein aus der Sorte, den ich hier beschreibe!

Woher die Heunisch oder Gwäss (was man fast gleich ausspricht wie das französische Gouais [blanc]), wirklich stammt, wird wohl nie erforscht werden können. Als sicher gilt, dass sie aus dem Osten kommt und vor vielen Jahrhunderten nach Mitteleuropa gelangte. Nach einer von mehreren Theorien wurde sie schon unter dem Hunnenkönig Attila nach dem Jahr 400 herum eingeführt.

Mit DNA-Analysen bewiesen ist hingegen, dass die Gwäss sozusagen die Mutter/Grossmutter/Urgrossmutter von mehr als hundert heute gängigen Weinsorten ist. Aus unbekannten Kreuzungen hervorgegangen sind zum Beispiel so weltbekannte Rebsorten wie Blaufränkisch und Riesling, aber auch regionale Spezialitäten wie der Räuschling, während Kreuzungen mit Pinot (vermutlich Pinot noir) zu Chardonnay, Alioté, Gamay und Muscadet geführt haben. Auf jeden Fall scheint die Gewäss/Heunisch die älteste namentlich bekannte Rebsorte der Welt zu sein1!

Alpine Reblandschaft im Oberwallis, wo die Gwäss noch angepflanzt wird (Symbolbild, es zeigt nicht den Rebberg von Chanton).

Die Sorte reift spät und ist deshalb auf Frühlingsfrost kaum anfällig. Dazu bringt sie ohne Eingriffe enorme Erträge. Es ist deshalb verständlich, dass sie einst weit verbreitet war. Aber schon im 18. Jahrhundert wurde sie als minderwertig nicht mehr empfohlen. Das Prädikat „dünn“ wurde der Sorte freilich schon im 12. Jahrhundert durch Hildegard von Bingen „verliehen“. Von ihr soll der Ausspruch stammen: „Der fränkische Wein sei ein starker Wein, der mit Wasser vermischt werden müsse, hingegen sei der hunnische (also der von den Hunnen gebrachte Heunisch/Gwäss) von Natur aus wässrig und müsse nicht verdünnt werden“.2

Den Gegenbeweis zu These der Hildegard von Bingen erbringt ein Betrieb im Oberwallis, Chanton Weine in Visp, der sich schon in dritter Generation um die Pflege alter Rebsorten verdient macht. Schon der Grossvater des heutigen Betriebsinhabers Mario Chanton pflanzte die Lafnetscha wieder an, und der Vater zog mit der Himbertscha und eben der Gwäss in den 1980er-Jahren nach. Bemerkenswert ist dabei, dass die Gwäss damals ohne das Wissen um ihre ampelographische Wichtigkeit wieder angebaut wurde. Die ersten Weine aus dieser Sorte waren längst wieder auf dem Markt, als die Forscher den Nachweis der Verwandtschaft erbringen konnten! Gutes Gespür, könnte man dem wohl sagen!

So völlig falsch sind die erwähnten Eigenschaften der Sorte – dünn und sauer – natürlich nicht. Aber Chanton zeigt mit seinem Gwäss, dass mit strikter Ertragsregulierung auch ein völlig anderer Wein entstehen kann:


Gwäss 2017, Chanton Weine
Helles Gelb mit orangen Reflexen; dezente Nase mit floralen Tönen, Anflug von Williams-Birne und -Schnaps, etwas Kiwi; erstaunlich rund, ausgeprägter „Süsskomplex“ (nicht süss!), spürbare, aber gezügelte Säure, mittlerer Abgang mit merkbarem Alkohol.

Wohlverstanden, ein wirklich grosses Gewächs ist auch dieser Gwäss nicht. Aber es ist ein schöner Wein, der Spass macht und der auch kulinarisch sehr breit eingesetzt werden kann (Apéro, zu Fisch, hellem Käse und auch zu nicht sehr scharfen exotischen Gerichten. Und nach drei Tagen habe ich einen kleinen Rest noch zu Spargel genossen – selbst das geht).

Aber zu einem richtig erhabenen Gefühl und fast ein wenig Gänsehaut beim Genuss führt natürlich das Wissen, sozusagen einen Schluck Weingeschichte zu trinken und daran zu denken, was uns ohne die Gwäss/Heunisch – oder meinetwegen den Hunnenkönig, wenn diese Geschichte denn stimmt – an Weingenüssen alles verwehrt geblieben wäre! Wer Riesling, Chardonnay und Blaufränkisch und Co. liebt, müsste eigentlich zumindest einmal einen Gwäss genossen haben!

http://www.chanton.ch/

1 Siehe u.a.:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2880041/
https://edoc.sub.uni-hamburg.de/haw/volltexte/2011/1438/pdf/ern_y_569.pdf (Seite 46)

sowie Arbeiten von Dr. José Vouillamoz (unveröffentlicht, beim Weingut Chanton eingesehen).
2 Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Heunisch_(Rebsorte
)

Verrückte Zeiten – tolle Ideen. Und ein wenig (leider restsüsse) Normalität.

Es ist bewundernswert, mit wie viel Kreativität einige Winzer und Weinhändler plötzlich auftrumpfen. Aber trotzdem muss man ja nicht jeden Wein dann einfach gut finden. Für heute deshalb mehr eine Plauderei als eine Weinbeschreibung.

Aktuell überbieten sich Winzer und Lieferanten mit mehr oder weniger kreativen Angeboten. Zwei coole Online-Degustationen habe ich schon in meinem letzten Beitrag beschrieben:
https://victorswein.blog/2020/03/23/corona-macht-erfinderisch-spannende-online-degustationen-zum-mitmachen/

Viele Angebote sehen indessen einfach „nur“ eine Gratislieferung vor – damit glauben die Güter und Unternehmen jetzt gerade zu punkten. Bloss: Wie bringen die das nach der Krise nur wieder weg? Wer macht den ersten Schritt und verlangt – betriebswirtschaftlich logisch – wieder Transportkosten? Ich wage die Prognose, dass viele Winzer am Schluss als Verlierer dastehen, weil sie mit der Gratislieferung einfach nicht mehr aufhören können. Da ist die Aktion des von mir hoch geschätzten Winzers Michael Broger geradezu besonnen: Er liefert temporär in der näheren Umgebung, sprich, in seinem Kanton – den ich mit meinem Wohnort um gerade einen Kilometer verpasse, was mir aber aufgrund des Autokennzeichens (TG) ganz recht ist 🙂 – gratis, behält aber sonst seine üblichen Versandkosten zu recht bei.

MIr gefällt unter Vielen indessen die Idee von sechs Winzerinnen und Winzern aus Nierstein. Hier kann man zwei verschiedene Probierpakete mit je einer Flasche der sechs Güter bestellen. Gemeinsam geht es besser! Und für mich wäre das ein Zukunftsmodell – nicht jeder mag die gleiche Art von Wein, und unter sechs finden sicher fast alle einen Lieblingswein. Am Schluss gewinnen alle! Es gibt zwei Pakete, eines „nur Riesling“, das andere „alles ausser Riesling“, die Kosten betragen 44 Euro, inkl. 2 Euro Spende an eine soziale Institution. Kritisieren muss man aber immerhin, dass die Aktion technisch nicht ausgereift ist, Bestellungen sind nur per E-Mail möglich (siehe Bildlegende), und wie hoch die Transportkosten sind, bleibt offen. Dennoch: Solche Aktionen wollen wir künftig regelmässig sehen, dann hätte Corona sogar etwas (Wein-)Gutes.

Für Bestellungen: sina@weingut-eimermann.de

Zu einem der sechs Güter, die sich hier gemeinsam organisiert haben, gibt es übrigens in einem anderen Weinblog einen sehr schönen Beitrag: Nicole Korzonnek hat in ihrem Blog bottled grapes (ich „beneide“ sie um diesen genialen Namen) das Weingut Schneider-Müller sehr schön portraitiert:
https://bottled-grapes.de/weingueter-schneider-mueller-rheinhessen/

Themenwechsel: scheussliche Restsüsse

Ich mag nun mal Weine nicht, die zu viel Restsüsse aufweisen. Selbst, wenn ich sie rein rational oft sehr gut beurteile, gefallen können sie mir fast nie – und schon gar nicht zum Essen, es sei denn, es handle sich um ein asiatisches Gericht und beim Wein um einen Riesling oder einen Chenin blanc mit viel Säure zur Süsse.

Heute habe ich eine „blind“ eingekaufte Petite Arvine 2018 probiert. Schon in der Nase war klar, dass ich diesen Wein nicht mögen werde, und im Mund erst recht: Es gibt so viele hervorragende Weine aus dieser Sorte, die trocken oder mit wenig Restsüsse ausgebaut sind – warum braucht es da Süsse? Das ist einfach ein Beweis mehr dafür, dass man Weine nur einkaufen sollte, wenn man sie selbst probiert und für dem eigenen Geschmack entsprechend befunden hat. Da ich aber das fragliche Weingut (Les Fils de Charles Favre) seit bald 40 Jahren kenne und hoch schätze, habe ich es wieder einmal gewagt. Eben: Das Unternehmen ist hoch empfehlenswert, und auch den Wein werden viele vermutlich gut finden – bei mir enden die restlichen 5 Flaschen indessen als Kochwein in Gerichten, die nach einen leicht süssen Touch verlangen.

Aber gerade deshalb finde ich die beschriebene Aktion der sechs Niersteiner Winzerinnen und Winzer so gut: Man kann probieren und allenfalls nachbestellen, was gefällt!

Süsser Wein? Ich bin selbst nicht besser!

Ich pflege einen eigenen, kleinen Rebberg:
https://victorswein.blog/virtuelles-rebjahr/

Ich habe kürzlich meinen Wein, ein Pinot noir aus einer zum zweiten Mal genutzten Barrique, aus dem Jahr 2016 einem Weinfreund zum Probieren gebeben. (Adrian van Velsen, der einen Weinblog betreibt, der viel älter und viel professioneller ist als meiner – sehr empfehlenswert:
https://vvwine.ch/

Er lieferte mir nicht nur eine hochprofessionelle Degustationsnotiz, sondern auch den Hinweis, dass er eine Restsüsse von mindestens 2-3 Gramm vermute. Mir war immer klar, dass der Wein nicht ganz trocken ist, aber gerade so? Ich liess ihn deshalb analysieren und das Resultat war ein Schock: 5,2 Gramm Restzucker!

Fazit: Kritisieren ist einfach, selber besser machen, weniger.

Und in diesem Sinn: Hut ab vor allen, die in der heutigen schwierigen Zeit selbst etwas besser machen!

https://www.weingut-gehring.com/
https://www.weingut-huff.de/
https://www.weingut-seebrich.de/de/home/articles/home.html
https://www.weingut-huff.com/
http://schneider-mueller.com/
https://weingut-eimermann.de/

Und – nehmen Sie meine Kritik an der Süsse der Petite Arvine nicht zu ernst, das Weingut ist hervorragend:
http://www.favre-vins.ch/

Corona macht erfinderisch: spannende Online-Degustationen zum Mitmachen!

Die einen stecken den Kopf in den Sand, die anderen handeln. Hier zwei Beispiele innovativer Winzerinnen und Winzer, welche das Beste aus der Situation machen. Und wer weiss, vielleicht ist das bis in ein paar Jahren gar die Normalität?

Als Weinblogger fragt man sich natürlich in diesen Zeiten, ob man überhaupt noch Beiträge schreiben soll, darf, kann oder gar muss. Es gibt in diesen Tagen wahrlich Wichtigeres als Wein – und ist es nicht schon fast peinlich, Texte über die wichtigste Nebensache der Welt zu schreiben (die bisher wichtigste liegt ja inzwischen ganz auf Eis)? Ich für mich habe vorerst entschieden, weiter zu bloggen, behalte mir aber vor, in ein paar Wochen je nach Entwicklung anders zu denken. Der Hauptgedanke: Etwas Schönes muss der Mensch ja auch noch haben!

Der heutige Beitrag fällt mir da um so leichter, als er lediglich einen Hinweis auf Leistungen anderer darstellt. Wenn Degustationen vor Ort verboten sind (ausgerechnet im Frühling, wenn die neuen Weine auf den Markt kommen und üblicherweise die höchsten Umsätze erzielt werden), haben sich zwei Winzer unabhängig voneinander zu einer speziellen Aktion entschlossen: online degustieren!

Schwarz Wein aus Freienstein: Wine goes online!

SchwarzWein in Freienstein (ZH) schreibt dazu: „So was haben wir noch nie gemacht. Jetzt ist ja die Zeit um etwas Neues auszuprobieren.“
Und die Cave du Rhodan (VS), über die ich eben erst hier berichtet habe,
https://victorswein.blog/2020/03/07/domaine-trong-der-cave-du-rhodan-bio-dynamisch-an-die-spitze/
notiert: Bleiben Sie Zuhause, bleiben Sie gesund – wir kommen zu Ihnen. Das Projekt #WalliserSonnenschein geht in die nächste Runde und bietet Ihnen die Möglichkeit interaktiv und Live online Weine zu degustieren.

Und die gleiche Idee der Cave du Rhodan. Die Daten passen sogar, man kann am 2.4. Weine aus dem Wallis und am 3.4. (sowie weiteren Daten) aus dem Zürcher Unterland degustieren!

Soll man in diesen Zeiten noch bloggen? Wenn man so innovativen Winzern damit vielleicht ein wenig zusätzlich helfen kann, dann ist die Antwort ohnehin ja. Aber wie ausgeführt, es werden auch weitere, „normale“ Beiträge folgen!

Anzumerken ist noch dies: Beide Weingüter haben sich schon länger durch eine ausgeprägt moderne Art und Weise auch Online und in den sozialen Medien präsentiert. Und sicher nur deshalb waren beide auch in der Lage, sofort zu reagieren und die Weindegustation online anzubieten. Erfolg kommt also nur sehr selten zufällig, sondern ist erarbeitet – damit es auch in Krisenzeiten noch läuft!

Zu Priska und Andreas Schwarz wollte ich übrigens schon lange auch schreiben, nicht nur, weil ich deren Weine toll (und Teile davon manchmal auch „genial-verrückt“ modern) finde, sondern auch, weil sie selbst einen „Video-Weinblog“ betreiben, in dem mit gut gemachten Filmen auf wunderbare Art und Weise vermittelt wird, was auf dem Gut gerade abgeht). http://winzerblog.ch/.

https://rhodan.ch/blogs/news/live-weindegustation-so-funktionierts
https://weingutschwarz.ch/eventsver/live-weindegustation/

Sandrine Caloz von Parker geadelt – ein Beispiel mehr für Schweizer Spitzenweine!

Für einmal etwas Eigenlob: Sandrine Caloz, die Bio-Winzerin aus Miège, wird von Parker in höchsten Tönen gelobt – gleich sieben ihrer Weine erhielten über 90 Punkte! Auch in meinem Blog war sie mit zwei dieser Gewächse bereits sehr lobend erwähnt.

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Die Eingangstafel zur Cave Caloz (2017, damals noch in Umstellung)

Seit Stephan Reinhardt für unsere Region die Verantwortung übernommen hat, geht es mit Parker aufwärts 🙂 – sorry, gemeint ist natürlich mit den Schweizer Produzenten. Eigentlich müsste man ihm schon heute in einem schönen Rebberg ein Denkmal setzen! Tatsächlich ist Stephan für den Schweizer Weinbau ganz einfach ein professioneller Glücksfall – er kennt und schätzt offensichtlich unsere Weine und er hat wohl dank seiner Benotungen mehr zur internationalen Bekanntheit des Schweizer Spitzenweinbaus beigetragen als alle Branchenverbände mit ihren Werbeversuchen in Jahrzehnten zuvor! (Was bei allem verdientem Respekt für Reinhardt allerdings eher gegen unsere Verbände spricht!).

Neu aufgenommen im Parker’schen Olymp wurde Sandrine Caloz. Vor drei Jahren (die Bilder entstand damals) habe ich ihren Betrieb erstmals besucht, und ich hielt die Weine für extrem spannend, wenn auch teils etwas gewöhnungsbedürftig. Gerade „blogwürdig“ fand ich sie aber damals noch nicht. Anfangs Dezember des letzten Jahres konnte ich in Zürich zwei ihrer Weine neu probieren – und war definitiv begeistert (wie von fast allen Weinen, welche die Vereinigung der jungen Winzer der Schweiz zeigten):
https://victorswein.blog/2020/01/05/die-jungen-wilden-nur-halb-so-wild-dafur-total-gut/

Ganz offensichtlich hat die junge Winzerin nochmals massiv zugelegt, und das ist auch Stephan Reinhardt nicht verborgen geblieben. Er wird mit den Worten zitiert (Quelle: Alexandre Truffer auf Facebook):
„Sandrine has an artisanal approach and say she ist producing her wines like her grandfather did more than 50 years ago. Her wines are subtle, finessed and full of energy and personality. It’s hard to like conventional wines after having tasted those“.

Herzliche Gratulation, Sandrine, unsere neue Botschafterin für Schweizer Spitzenweine! Trotzdem zeigt das Beispiel auch eine andere Seite der Weinbewertung und -benotung. Denn tatsächlich bewegen sich nur schon die meisten der oben erwähnten Mitglieder der Vereinigung der jungen Winzer auf ähnlichem Niveau, ohne bei Parker Eingang gefunden zu haben. Wer schafft es in den Olymp und wer nicht? Da entscheiden wohl oft auch Nuancen. Aber das soll unsere Freude an Sandrine Caloz Erfolg natürlich nicht schmälern! Und wie hervorragende Winzerinnen und Winzer dem Glück manchmal auch mit eigener Initiative etwas nachhelfen können, lesen Sie (französisch) hier: https://www.swiss-wine-tasting.ch/fileadmin/UserFiles/2020/07_Pressbook/MF_03-09-2020.pdf

http://www.cavecaloz.ch

https://www.lenouvelliste.ch/articles/valais/canton/vins-deux-nouveaux-talents-valaisans-remarques-par-le-parker-915166

https://www.robertparker.com/ (Artikel nur für Abonnenten zugänglich)

https://www.jsnw.ch/home/

Domaine Trong der Cave du Rhodan: (bio-)dynamisch an die Spitze!

Seit 2006 wird die Domaine Trong in Salgesch biodynamisch bewirtschaftet. Das Resultat ist mehr als bemerkenswert. Olivier und Sandra Mounir von der Cave du Rhodan setzen damit Massstäbe!

Die Cave du Rhodan ist natürlich keine Unbekannte. 2017 etwa gewann ihr Petite Arvine 2015 den Grand Prix des Vins Suisse von Vinum in der Kategorie sortenreine Weissweine. Persönlich verfolge ich das Gut seit einiger Zeit, und definitiv fasziniert hat mich ein Besuch auf der Domaine vor zwei Jahren. Das ganze Sortiment ist auf einem enorm hohen Niveau. Vollkommen „outstanding“ fand ich damals den bio-dynamisch produzierten Cornalin von der Domaine Trong, die sich im Besitz der Cave du Rhodan befindet.
Vgl. hier: https://victorswein.blog/2018/05/13/walliser-weine-spitzenklasse/

Sandra und Olivier Mounir von der Cave du Rhodan: „in search of excellence!“

Kürzlich habe ich mir einen Spezialkarton des Gutes („Parkweine“) mit je zwei Flaschen Marsanne, Cornalin und Pinot noir bestellt. Letzerer, Jahrgang 2018, wird hier nicht weiter beschrieben, ist aber von enormer Dichte sowie Finesse, und ohne die sonst so oft gespürte „Brandigkeit“ von Walliser Pinots. Man muss weit suchen, bis man einen besseren „holzlosen“ Pinot aus der Schweiz findet! Persönlich finde ich es freilich fast schade, dass es keine Barrique-Version gibt, das wäre noch eine Dimension mehr!

Die beiden anderen Weine des Paketes, die Marsanne blanche und der Cornalin aus der Domaine Trong, sind nicht nur sehr gut, sondern ganz einfach genial. Den Cornalin habe ich soeben neben einem Maître de Chais von Provins probiert. Dieser ist wahrlich ein toller und sehr empfehlenswerter Wein, aber der Cornalin von der Domaine Trong hat einfach noch eine Dimension mehr – mehr Finesse, mehr Ausdruck, mehr Eigenständigkeit. Es gibt nach wie vor auch eher mässige, rustikale Weine aus dieser Sorte, die dann schon eher an ihren früheren Namen „alter Landroter“ erinnern. Aber Beispiele wie die beiden genannten würden dafür sprechen, den Cornalin zu forcieren – er hätte bestimmt auch im Export grosse Chancen!

Die Marsanne blanche habe ich ohne direkten „Konkurrenten“ probiert, aber natürlich drängt sich ein Vergleich mit einem Wein von der französischen Rhone auf. Und da punktet die Marsanne der Domaine Trong mit Typizität, aber vor allem mit Frisch und Finesse. Dieser Wein spielt definitiv an der Weltspitze mit!

Marsanne blanche 2016, Domaine Trong, Cave du Rhodan
Mittleres Strohgelb; Dörraprikosen, Lindenblüten, frisches Gras, Salbei, Honig; unglaubliche Finesse, dicht, mineralisch, alles in grosser Harmonie, enorme Frische, fast nicht endender Abgang. Genialer Wein, an einen Hermitage erinnernd, aber viel frischer und weniger „fett“.

Cornalin 2015, Domaine Trong, Cave du Rhodan
Mittleres Rot, glänzend; Heidelbeeren, Brombeeren, Kirschen, Boskoop-Apfel, würzig; sehr ausgewogen, mittlere Säure, die feinen Tannine und der kaum spürbare Alkohol bringen das Ganze in ein wunderbares Gleichgewicht. Sehr langer Abgang. In der Nase typisch, im Mund eher untypisch für Cornalin, aber finessenreich und elegant!

Betriebswirte werden zu enthusiastischen Winzern!

Sandra und Olvier Mounir übernahmen das Gut 2007, nach einer kurzen Zeit, in der ein familienfremder Gerant die Cave führte. Beide sind ausgebildete Betriebswirte und entschieden sich zur Aufgabe des ursprünglichen Berufes, weil sie überzeugt waren, dass es mit der Cave du Rhodan besser geht, wenn sie mit familiärem Herzblut geführt wird. Und es geht besser, und wie! Wie Mounir’s „ticken“, geht sehr schön aus einer Beschreibung hervor, welche Olivier in einem lesenwerten Bericht über die Entwicklung des bio-dynamischen Rebbaus auf der Domaine Trong geschrieben hat:
„Bei vielen Spitzenweingütern kommt irgendeinmal die Frage, was man noch verbessern kann. Gerne vergleiche ich das mit Spitzensport. Es kommt der Punkt, da es nicht mehr um Sekunden geht, sondern um Bruchteile. Wie sehen diese im Wein aus? Welche Schritte machen den Bruchteil aus? Es ist das vielzitierte Terroir, das man sucht. Die Seele im Weine, unvergessliche Momente in der Degustation. Aber auch Hardfacts wie das Zusammenbringen der phenolischen Reife und Zuckerreife, ein gesunder Boden – eine enkeltaugliche Landwirtschaft. Und vielleicht den Reiz, sich auch im Weinbau weiter zu entwickeln. Nicht zuletzt auch die Frage, wie man sich abheben kann in der Flut von guten Winzern.“

Herrliche Steillage in Salgesch: Domaine Trong

Das Quäntchen mehr Qualität (wobei man im Fall der Domaine Trong nicht nur von einem Quäntchen sprechen sollte!), das sich Mounir’s vom bio-dynamischen Rebbau erhofften, hat auch sehr viel Einsatz benötigt und blieb nicht ganz ohne Rückschläge. Heute aber zählen die Weine von der Domaine Trong zum Allerbesten, was die Walliser Weinberge zu bieten haben! Und die wirklich guten Weine aus dem Wallis wie diese, gehören für mich zur absoluten Weltklasse!

Einer der kleinen Rückschläge: In den ersten Jahren wurde die Domaine Trong mit einem Pferd bewirtschaftet – und es ersetzte auch gleich den Mäher 🙂 . Aktuell ist dies leider nicht mehr der Fall, es findet sich im Wallis kein Unternehmer, der diesen Service anbietet.

Die Cave du Rhodan hat übrigens im Jahr 2014 für diesen Einsatz auch den Sonderpreis der Zürcher Kantonalbank ZKB für Nachhaltigkeit erhalten. Wenn Zürcher einen Preis ins Wallis vergeben, dann will das etwas heissen!

Den erwähnten Bericht von Olivier Mounir können Sie mit freundlicher Genehmigung der Cave du Rhodan hier einsehen. Es handelt sich nicht um einen wissenschaftlichen Abriss über Biodynamie (soweit das nach heutigem Stand der Wissenschaft überhaupt möglich wäre), sondern um einen höchstpersönlichen Erfahrungsbericht, der gerade deshalb so sehr lesenswert ist!

erfahrung_biodynamik_cave_du_rhodan (1)

Und der Link zum Weingut:
https://rhodan.ch/

Diolle: Die Auferstehung…

… einer Rebsorte!
Diolle? Nie gehört? Kein Wunder, denn sie galt seit 1903 als verschwunden. Hier die wunderbare Geschichte einer Auferstehung!

Auferstanden (hier aus weisser Gruft): die Rebsorte Diolle!

Diolle, das war eine Traubensorte aus dem Wallis, die 1654 erstmals unter dem Dialektnamen „Jiolaz“ in der Region Sion erwähnt wurde. Sie galt als sehr säurebetont, mit eher neutralem Charakter und fäulnisanfällig. Wohl deshalb verschwand diese Sorte – 1903 gilt als ihr Sterbedatum. Eigentlich.

Bloss: 2005 meldete sich der inzwischen verstorbene Winzer Germain Héritier aus Granois beim „Weinsortenprofessor“ José Vouillamoz: Er hatte zwei unbekannte Rebstöcke in seinem Rebberg entdeckt und wollte wissen, um welche Sorte es sich handeln könnte. Das DNA-Profil passte zu keiner bekannten Rebsorte. Ein „Vaterschaftstest“ hat dann ergeben, dass es sich um ein Kind der „Rèze“ handelt. Weitere Forschungen von José Vouillamoz haben dann zweifelsfrei ergeben, dass diese beiden Reben die ausgestorben geglaubte Sorte „Diolle“ darstellen. Mehr dazu siehe im Standardwerk von José Vouillamoz über Schweizer Rebsorten, vgl. hier: https://victorswein.blog/2018/09/04/schweizer-weinbuch-des-jahres-schweizer-rebsorten-von-jose-vouillamoz/

So richtig spannend wird die Geschichte aber erst jetzt. José Vouillamoz war vom Potential der wiederentdeckten Sorte überzeugt und konnte mit Didier Joris eine Referenz im Walliser Weinbau für eine Zusammenarbeit gewinnen. 2013 wurde in Chamoson auf 3 Aren eine Anlage mit Diolle neu angelegt. Allein – die erste Auferstehung der Diolle misslang: Die Wahl der Unterlage erwies sich als schlecht, und alle Pflanzen verendeten.


(Zur Unterlage: Seit dem Einschleppen der Reblaus in Europa im vorletzten Jahrhundert können europäische Reben nur noch gedeihen, indem sie auf amerikanische Unterlagen (Wurzelstock) aufgepfropft werden, weil diese gegen die Reblaus resistent sind. Die Wahl der richtigen Unterlage ist eine inzwischen ziemlich bekannte Wissenschaft; es geht darum, die für eine bestimmte Rebsorte ideale Unterlage in Verbindung mit dem jeweiligen Boden zu finden. Bei der Diolle fehlte aber natürlich diese Erfahrung.)


Im zweiten Anlauf, einer Neupflanzung 2015, wurde die Auferstehung aber Tatsache. 2017 konnten 8 Kg Trauben geerntet werden, welche 6 Flaschen Wein ergaben. Und 2018 folgte die erste richtige Ernte – 144 Flaschen der auferstandenen Rebsorte wurden produziert.

Ich hatte das Glück, eine dieser Flaschen erwerben zu können. Und rechtzeitig zu Pfingsten habe ich diesen „Auferstehungswein“ nun degustiert:

Helles Gelb mit leichten Orangereflexen; in der Nase verhalten, leichte Aromen von Stachelbeeren, Lychees und Südfrüchten; im Mund mit prägnanter Säure, feingliedrig bei gleichzeitig erstaunlicher Dichte, mineralisch, mit einem überaus langen Abgang. Ein erfrischender, noch zu junger Wein mit – vermutlich – sehr viel Alterungspotential.

Vom Glück, eine von 144 Flaschen des ersten Jahrgangs probieren zu dürfen!

Dieser Wein hat mich begeistert. Und es war auch richtig berührend. Wer hat schon die Chance, den ersten „richtigen“ Jahrgang eines eigentlich verschollenen Weines probieren zu können! Wir haben ihn anschliessend fast ehrfürchtig zu Fisch und Spargel genossen. Ein grossartiges Erlebnis! Ich weiss nicht, ob ich blind wirklich darauf gekommen wäre. Aber im Wissen darum, was ich im Glas habe, erinnerte mich die Diolle an andere Walliser Spezialitäten, Rèze (logisch!), Himbertscha, Gwäss, Petite Arvine.

Wie soll man diese Diolle denn nun einordnen? Persönlich glaube ich, dass diese auferstandene Rebsorte von sich reden machen wird. Gerade ihre Säure wird sie in Zeiten der Klimaerwärmung spannend machen, und ihre zurückhaltende, aber doch klare Aromatik lässt sie ein Terroir genial ausdrücken. Meine Prognose: Diolle wird mit den Jahren zu einer Walliser Spezialität, die geschätzt und gesucht sein wird!

Den drei hauptsächlich an dieser Auferstehung beteiligten Personen, Germain Héritier (der die Sorte entdeckt hat), José Vouillamoz (der sie analysiert und bestimmt hat) und Didier Joris ( der sie an- und ausgebaut hat) gilt jedenfalls meine Hochachtung.

Zwei der drei Protagnonisten der Diolle im Comic: Didier Joris, Winzer (links) und José Vouillamoz, „Rebsortenprofessor“ (rechts)

Die Lancierung des „neuen“ Weins wurde auch marketingmässig begleitet. Die Diolle wurde in einer weiss gestrichenen Holzbox geliefert (den Duft nach Farbe habe ich nicht so geschätzt, und zudem wäre schwarz, als Symbol für die Gruft, aus der die Diolle entstiegen ist, wohl naheliegender gewesen), und es wurden gar zwei gut gemachte Comics mitgeliefert, welche die Entstehung dieses Weins illustrieren. Man mag von diesen Marketinggags und vom Preis des Weines in dreistelliger Höhe halten was man will – die neue Diolle ist jedenfalls grossartig gelungen und ein Versprechen für die Zukunft!

http://www.didierjoris.ch/website/nos-vins/diolle/
http://www.josevouillamoz.com/

Sollten wir uns merken: die auferstandene Diolle!

Les Domaines – Provins überzeugt mit Marketing und Qualität.

Als ich als junger Mann in der Weinbranche arbeitete, galt die Provins als die beste Weingenossenschaft der Welt. Wo immer ich eine Genossenschaft besuchte, wann immer ich einen Cooperative-Wein im Glas hatte – immer war die Provins so etwas wie der „innere Massstab“. Vermutlich ist dieser Anspruch noch immer richtig, und falls nicht, dann nur, weil sich das Niveau der meisten „Genossenschaftsweine“ in der Zwischenzeit extrem verbessert hat und nicht, weil bei Provins die Qualität schlechter geworden wäre (ganz im Gegenteil).

Die Walliser Weinlandschaft als Inbegriff einer ergreifenden Kulturlandschaft: Hier ein Steilhang im Norden von Sion und der „Tourbillon“.

Die Provins wurde 1930 als „Bund der Walliser Genossenschaftskellereien“ gegründet, um die Winzer aus der damaligen Abhängigkeit von den Weinhändlern zu lösen. Seit 1934 heisst sie, auch wenn damals noch niemand von Marketing sprach, sehr eingänglich Provins, und sie hat sich innerhalb dieser Zeit zu einer der wichtigsten Institutionen im Schweizer Weinmarkt entwickelt. Provins verarbeitet heute aus etwas über 1’000 ha Rebfläche rund einen Fünftel aller Walliser Weintrauben, was wiederum knapp einem Zehntel der gesamten Schweizer Traubenproduktion entspricht! Sehr früh haben die Verantwortlichen bei Provins erkannt, dass nur Qualitätsproduktion zum Erfolg führen kann – und deshalb hatte und hat die Genossenschaft auch einen ausgezeichneten Ruf. Ganz offensichtlich hat bis heute immer auch das Zusammenspiel zwischen den Oenologen und der Marketingabteilung funktioniert. Schon 1945 wurde mit der „Capsule Dorée“ eine Art „Marke“ eingeführt, welche von den Traubenlieferanten gewisse Standards verlangte und die deshalb auf dem Markt bald für vorzügliche Weinqualität stand.

1973 wiederum wurde die Linie „Maître de Chais“ ins Leben gerufen, welche neu die Spitze der Provins-Qualitätshierarchie darstellte. Diese Weine stammen aus dem besten Parzellen der Traubenlieferanten und gehören auch heute noch mit zur Spitzenklasse der Walliser Weine.

Die neuen Flaggschiffe von Provins: „Les Domaines“

Im letzten Jahr nun setzte die Provins mit der Lancierung der Produktelinie „Les Domaines“ die Qualitätslatte noch höher – ein auch marketingmässig logischer Schritt. Unter diesem Etikett werden Weine aus absoluten Spitzenlagen hergestellt und vermarktet, welche sich teils in Besitz von Provins selbst befinden oder für die schon langjährige Zusammenarbeiten bestehen.

Der Heida Chapitre 2017 beispielsweise stammt vom Lentine-Hang nördlich von Sion, so genannt nach der Lentine-Suone, einer der vielen berühmten Walliser Bewässerungsleitungen, vgl. hier:
https://suone.ch/

Dieses Rebland – im Besitz der Chorherren der Kathedrale von Sion – ist eine sehr steile Südlage mit Terrassen und hohen Trockensteinmauern und wird schon sehr lange von Provins vinifiziert. Den ersten als Les Domaines hergestellten Jahrgang 2017 habe ich wie folgt degustiert:

Helles, strahlendes Gelb mit Grünreflexen; Duft nach Quitten, Mirabellen und Aprikosen; im Mund ausgeprägt mineralisch, sehr ausgewogen, mit gut eingebundenem Alkohol und erfrischender Säure bei gleichzeitig spürbarem „Süsskomplex“. Langer Abgang. Ein noch sehr junger, eleganter und finessereicher Wein von internationaler Klasse.

Ich habe diesen Heida (im Wallis auch Païen genannt, im französischen Jura Savagnin blanc) neben einem „Maître de Chais“ probiert. Letzterer ist ebenfalls sehr gut, der „Chapitre“ steht aber mit seiner Eleganz und Mineralität noch um eine ganze Klasse höher. Der Wein ist begeisternd, und man könnte ihm – mit viel bösem Willen – höchstens vorwerfen, mit seiner Finesse schon fast nicht mehr sortentypisch daherzukommen, sondern eher als hochklassiger Wein von internationalem Zuschnitt.

Blick von Pont-de-la-Morge in Richtung „Mont d’Orge“, einem kleinen Berg mit knapp 800 Höhenmetern mitten im Rhonetal, an dessen Südseite sich die Lage „Corbassières“ befindet.

Ebenfalls begeisternd ist der „Corbassières“ 2015. Dieser Wein wächst ebenfalls nahe der Stadt Sion. Wenn man von Pont-de-la-Morge nach Sion fährt, fallen an einem steilen Südhang auf der linken Seite die vielen gelb gestrichenen Häuschen auf. Diese sind sozusagen Werbeträger der Domaine Mont d’Or, welche ihre Weine – absolut bemerkenswert sind die Süssen – vor allem an diesem Hang anbaut. Es gibt aber in der Lage „Corbassières“ auch ein Stück von rund einer Hektar, welches der Provins gehört. Diese herausragende Südlage war sozusagen die „Spielwiese“ der grossen, inzwischen pensionierten Oenologin der Provins, Madeleine Gay. Ein sehr schönes Portrait über sie, mit einer Foto in „Corbassières“, gibt es hier:
https://www.letemps.ch/lifestyle/une-vie-apres-vin

Deshalb gibt es in Corbassières auch eine Vielzahl von Rebsorten, und daraus entsteht nun ein bemerkenswerter Wein:

Dunkles, sattes Rot; Holunderbeeren gepaart mit heller Frucht (v.a. Aprikose), würzig. Im Mund druckvoll mit viel sehr feinem Tannin, gute Säure, dicht aber gleichzeitig elegant, langer Abgang. Macht zwar schon viel Freude, ist aber eigentlich noch deutlich zu jung. Hervorragender Wein jenseits des „Mainstreams“.

Dieser Wein ist schon fast die Antithese zum Heida: Es handelt sich um eine Assemblage von Walliser Grössen (Humagne rouge, Cornalin) mit international bekannten Rebsorten (Syrah, Cabernet Sauvignon und -Franc, Merlot). In einem gewissen Sinn ist der Wein gewöhnungsbedüftig: Wer hatte denn schon einmal eine solche Assemblage im Glas resp. in der Nase? Wie soll man sich theoretisch eine Mischung aus Humagne und Cabernet vorstellen? Vor allem im Duft fällt dieses aussergewöhnliche Spannungsfeld von frischen Fruchtdüften und dunklen Tönen auf.

Wenn ich geschrieben habe, der Wein sei gewöhnungsbedürftig, dann kann ich gleich anfügen, dass man sich schnell und gerne an ihn gewöhnt! Die Assemblage ist wohl ziemlich einzigartig und wirkt deshalb beim ersten Kontakt sowohl in der Nase als auch im Mund etwas ungewohnt – nicht Syrah, nicht Humagne, aber irgend etwas Tolles dazwischen. Aber das ist einer jener Weine, die mit jedem Schluck noch mehr gefallen und bei denen man bedauert, dass die Flasche schon leer ist.

Auch den Corbassières finde ich deshalb begeisternd. Ich freue mich jedenfalls schon darauf, die übrigen Weine von „les Domaines“ zu entdecken! Es gibt aktuell noch einen Dilinoir (!), einen Pinot noir und einen Petite Arvine.

Bleibt noch die Frage des Preises: Der Heida kostet 34 und der Corbassières 50 Franken. Zuviel? Die Antwort darauf muss man natürlich für sich selbst finden. Auch wenn für mich persönlich Weine in dieser Preisklasse eher für Sonn- und Feiertage vorgesehen sind, so denke ich doch, dass beide Tropfen – verglichen mit qualitativ gleich guten Weinen aus anderen Ländern – diesen Preis fast mehr als „wert“ sind. Wer weiss, vielleicht ist die Provins für das Wallis einmal mehr die Lokomotive?

https://www.provins.ch/de/nos-vins/les-domaines-443

Noch nichts vor an Auffahrt? Dann ab ins Wallis!

An Auffahrt, 30.5.2019, und meist auch noch am Freitag und Samstag danach, öffnen die Walliser Weinkeller ihre Türen. Das ist eine ganz tolle Gelegenheit, die hohe Qualität der Walliser Weine zu entdecken! Wer sich etwas inspirieren lassen will, kann hier meinen Beitrag aus dem letzten Jahr nachlesen. Die erwähnten Weingüter sind alle uneingeschränkt einen Besuch wert.
https://victorswein.blog/2018/05/13/walliser-weine-spitzenklasse/

Aber entdecken Sie auch einfach Neues! Es lohnt sich wirklich, einen oder auch mehrere Tage bei den Winzern im Rhonetal zu verbringen!
Alles Weitere erfahren Sie hier:
https://www.lesvinsduvalais.ch/de/offeneweinkeller/