Die Mitte zwischen der Loire und dem Libournais liegt … in Österreich!

Auch an Feiertagen muss man nicht zwingend sündhaft teure Weine trinken, um so richtig geniessen zu können: Aus dem Weinbaugebiet Leithaberg im Burgenland kommt ein grossartiger reinsortiger Cabernet Franc von Stefan Zehetbauer, der wie ein Symbiose zwischen einem Wein von der Loire und einem aus dem nördlichen Bordelais auftritt!

Das burgenländische Weinbaugebiet Leithaberg liegt auf der östlichen Seite des Leithagebirges und westlich des Neusiedlersees. Wenn Ihnen dieses „Gebirge“ nicht geläufig ist, so mag das daran liegen, dass der höchste Punkt nur auf 484 m.ü.M. liegt. Trotzdem spielt dieser Hügelzug für den Wein eine grosse Rolle, bringen doch die kühlen Winde aus den bewaldeten Höhen nachts einen willkommen Ausgleich zum warmen pannonischen Klima rund um den Neusiedlersee. Das Weinbaugebiet weist rund 3000 ha Anbaufläche auf und trägt seit 2010 die DAC. Im Spätherbst 2019 gastierten 15 führende Winzer mit ihren Weinen in Zürich und legten Zeugnis vom grossen Potential dieses Gebietes ab (mehr dazu folgt später).

Die Weingärten von Zehetbauer im Gebiet Leithaberg (Bild Christoph Wagner, ab Presseservice Zehetbauer)

Das Gebiet steht beim Rotwein überwiegend für Blaufränkisch. Deshalb ist es schon fast etwas frevelhaft, wenn ich zuerst über einen Wein aus einer nicht ortstypischen Sorte schreibe, der deshalb auch die DAC nicht tragen darf. Aber der Cabernet Franc 2016 vom Ried Steinberg hat mich sehr überzeugt und ist deshalb eine Notiz mehr als wert.

Dunkles, fast violettes Rubin; Duft nach Brombeeren, dunklen Kirschen, auch etwas Weichselkirschen, würzig, dezent spürbarer Holzton; im Mund saftig, sehr ausgewogene, elegante Balance zwischen Alkohol, Säure und sehr feinen Tanninen; mineralische Frische, dicht und lang im Abgang.

Der Steinberg zeigt sich sehr sortentyisch. Für Sefan Zehetbauer stellt er stilistisch so etwas wie die Mitte zwischen einem Loire-CF und einem CF-lastigen Wein aus dem Libournais dar. Da kann man ihm nur zustimmen, seine österreichische Variante weist die fruchtige Frische eines grossen Loire-Weines auf, bringt aber auch die Wärme und Rundheit eines Bordeaux mit. Und nebenbei gesagt: das Ganze für 18.50 Euro!

Toller Cabernet Franc (Bild Herbert Lehmann ab Presseservice Zehentbauer)

Stefan Zehetbauer führt mit dem Cabernet Franc fort, was schon unter seinem Vater begonnen und heute im Betrieb bereits Tradition hat. Inzwischen sind 2,5 ha Reben mit Cabernet Franc bestockt! Aber auch sonst scheint der Generationenwechsel auf diesem Weingut harmonisch abgelaufen zu sein. 2005 stieg Stefan jun. (der Vater heisst auch Stefan) in den Betrieb ein und übernahm ihn 2009. Doch auch heute noch arbeitet Stefan sen. auf dem Betrieb mit und gibt vor allem im Rebberg sein wertvolles Wissen weiter.

Stefan Zehetbauer vor seinem Keller (Bild Christoph Wagner, ab Presseservice Zehetbauer)

Stefan Zehetbauer wirkt auch im persönlichen Gespräch sehr sympathisch und auf eine ansteckend enthusiastische Art fokussiert auf seine Weine und seine Philosophie, Weinbau zu betreiben und Wein gedeihen zu lassen. Der Ausdruck ist bewusst gewählt, denn Zehetbauer betont immer wieder, dass er so wenig Eingriffe wie nur möglich vornimmt – der Wein soll eben gedeihen können und nicht in eine Schablone gepasst werden. Bei seinem ganzen Sortiment ist das hervorragend gelungen, nicht nur beim Cabernet Franc. Aber hier sprengt er sozusagen geografische Grenzen dazu!

https://zehetbauerwein.at/de/home/

Beugsquelle CH (Teilsortiment mit einem älteren CF):
https://www.avinum.ch/

Felix Austria – Gold, Silber und Bronce für …. Ungerberg!

Eigentlich war heute ja gar kein Blogbeitrag geplant, schliesslich hatte ich das Wochenende mit dem Schneiden unserer Reben verbracht. Es war so sonnig und warm, dass es zum ersten Mal in drei Jahrzehnten möglich, resp. notwendig war, im T-Shirt zu arbeiten! Wenn das kein gutes Omen ist!

Gold, Silber und Bronce an Österreich.
Hier allerdings eher 3 x Gold: Blaufränkisch Ungerberg von Paul Achs. Einfach goldig-genial

Nach dem dreifachen Sieg unseres Nachbarlandes an der Ski-WM (wir gönnen es Ihnen ehrlich!), stand mein Sinn heute Abend nach einem entsprechenden Wein. Ein „Schwarz“ als Dritter war da aber nicht genug 🙂 – es musste der Goldwein sein. Und der heisst bei mir halt nicht Hirscher, ist aber ähnlich genial und trägt den Namen Achs. Genauer: Blaufränkisch Ungerberg 2012 von Paul Achs.

Der 2012er hat eben seine erste Trinkreife erreicht (kann aber noch lange weiter reifen und wird dabei sicher noch ausdrucksvoller) und überzeugt total:
„Mittleres Purpur mit leichten Reifeanzeichen; dunkle Kirschen, Lorbeer, Thymian (kann aber auch sein, dass ich das nur noch vom Kochen an meinen Händen hatte…); noch sehr präsente, feine Tannine, gut stützende, aber dezent eingebundene Säure, wirkt elegant und gleichzeitig wuchtig, enorm harmonisch mit langem Abgang und einem „Vanille-Finish“. Vibrierender, mitreissender Wein!

Paul Achs, dieser zurückhaltende, eher introvertierte, aber überaus sympathische Winzer aus dem Burgenland, hat das gewisse Etwas, um Weine herzustellen, die nicht nur gut, sondern eben genial sind. Vielleicht ist der Einstieg zu diesem Beitrag mit den drei erfolgreichen Skifahrern ja doof – und vielleicht steht Paul Achs solchem Gewinn-Streben ja sogar skeptisch gegenüber. Aber eine gewisse Verwandtschaft sehe ich doch: Man schafft es nur an die Spitze, wenn man von einer Mission überzeugt ist, und wenn man seinen Weg beharrlich verfolgt. Bei Paul Achs tönt das dann – als Empfang auf seiner Homepage – so:

Als Winzer gebe ich das wieder, was geschehen ist. Ich erfinde nichts dazu. Meine Berufung ist mit gegebenen Mitteln das Wesen des Weines zu strukturieren und eher auf manches zu verzichten, als alles aufzunehmen. Nachhaltigkeit im Denken und Handeln.
Der Wein muss schmecken, wie er ist und nicht wie er s e i n k ö n n t e.
Darum auch die Hinwendung zur Biodynamie als logische Konsequenz.
Paul Achs

Ungerberg – das ist eine der wohl allerbesten Lagen, schon fast, aber eben noch nicht ganz, in der Ebene zum Neusiedlersee hin (wobei es hier überhaupt keine „Rebberge“ gibt, sondern sanfte Anstiege):

Der Unger“berg“, eher ein ganz sanfter Anstieg (Bild ab Homepage von Paul Achs)

Es handelt sich um einen sandigen, aber auch stark kalkhaltigen Lehmboden, der offensichtlich dem Blaufränkisch besonders behagt.

Der Ungerberg wird in Barriques ausgebaut – und trotzdem ist der Holzeinsatz, sogar als ganz junger Wein, kaum spürbar. Von Jahr zu Jahr (resp. in jedem Jahr, in dem er überhaupt produziert wird) einer der ganz grossen Blaufränkisch dieser Welt.

Wobei die Blaufränkisch-Welt zugegebermassen relativ klein ist. Vielleicht zum Glück, aber irgendwie auch schade. Für mich ist es inzwischen eine der interessantesten Traubensorten überhaupt. Feine Blaufränkisch sind so etwas wie die Quintessenz eines Burgunders und eines Bordeaux! Das tönt jetzt ketzerisch, ich weiss – aber ich bin sicher, dass Blaufränkisch (oder Lemberger in Deutschland, v.a. in Baden-Württemberg) eine ganz grosse Zukunft vor sich hat.

Und der Ungerberg von Achs ist ja nun schon mit Gold geadelt ….

Und schliesslich, ich komme mir schon fast ein wenig missionarisch vor: Auch dieser Wein, wie so viele, die ich hier schon beschrieben habe, kommt von einem Winzer, der nach bio-dynamischen Prinzipien arbeitet. Ich habe – ehrlich gesagt – nur wenig Wissen darüber, was das eigentlich alles bedeutet (eines der anstehenden Projekte ist, das zu erlernen, nur schon für meinen eigenen Rebberg!). Aber es ist mehr als auffällig, dass ich immer wieder – auch, wenn ich es gar nicht weiss – bio-dynamisch produzierte Wein besonders intensiv, lebendig und eindrücklich und die Seele berührend empfinde!

http://www.paul-achs.at