Völlig unterschätzt im Bordelais: Moulin Haut-Laroque und Fronsac!

Gewisse Erlebnisse vergisst man nie: Auf der Bordeaux-Primeur-Degustationsreise für den Jahrgang 1990 nahm mich Rolf Bichsel, der damals eben erst bei Vinum begonnen hatte, im Auto von St. Emilion mit zurück nach Bordeaux. Allerdings bestand er auf einem Umweg. Er hielt grosse Stücke auf einem Château in der Appellation Fronsac, und so lernte ich dieses damals völlig unbekannte Gut und seinen Besitzer Jean-Noel Hervé schon vor fast 30 Jahren kennen: Château Moulin Haut-Laroque!

Fronsac? Diese Appellation kannte ich gerade mal aus den Weinatlanten. Ich hatte keine Ahnung davon, dass das Gebiet nicht nur historisch bemerkenswert ist (Karl der Grosse liess um 770 n. Ch. hier eine Festung erbauen, welche die Strassen (und den Fluss Dordogne) nach Bordeaux und ins Périgord überwachen konnte). Vor allem aber wusste ich nicht, dass die Weine von Fronsac bis ins 18. Jahrhundert höher geschätzt wurden als jene aus St. Emilion.

Wo Fronsac liegt, lässt sich schön aus dieser Grafik, die auf der Homepage des Gutes heruntergeladen werden kann, herauslesen.

Das Gebiet von Fronsac, das nur durch das der Dordogne zustrebende Flüsschen L’Isle von Pomerol getrennt wird, ist landschaftlich sehr reizvoll. Hier erhebt sich eine für südwestfranzösische Verhältnisse schon fast erwähnenswerte Hügellandschaft gegen 100 Höhenmeter über das sonst eher flache Land. Diese Hügellandschaft wiederspiegelt sich auch im Untergrund: Die „Molasse du Fransadais“, ein weiches, fossiles Felsgestein aus Ton, Sand und Kalk (Quelle: Hachette Weinatlas Frankreich, 1989) bringt die Reben zu Höchstleistungen.

Den Weinen aus Fronsac wird deshalb eine besondere Finesse, Tiefgründigkeit und Langlebigkeit nachgesagt. Diese Aussagen tönen, als hätte man hier den Wein von Moulin Haut Laroque beschrieben! Zwar besteht der Wein, analog zu den benachbarten Gewächsen von Pomerol und St. Emilion, hauptsächlich aus Merlot (rund 2/3, daneben ca. 20 % Cabernet Franc, etwas Cabernet Sauvignon und wenig Malbec). Aber er hat nichts von dieser oft gespürten „Merlot-Üppigkeit“; der Moulin Haut-Laroque zeichnet sich vielmehr durch Finesse und Gradlinigkeit aus. Und zum Thema Langlebigkeit: Obwohl ich diesen Wein seit Jahren immer wieder kaufe – vermutlich habe ich von keinem Gut mehr Flaschen im Keller als von diesem – habe ich noch fast alle Weine bisher zu jung getrunken.

Max Gerstl, ein absoluter Bordeaux-Kenner, hat dazu auch mehrmals schöne Erlebnisse beschrieben – so von jüngst verkosteten Jahrängen 1925, 1900 und 1893, die allesamt nicht nur noch trinkbar gewesen seien, sondern ein absolut sinnliches Erlebnis.

Schon fast mit schlechtem Gewissen habe ich eben je eine Flasche der Jahrgänge 2010 und 2011 geöffnet. Während der 2011er den Erfahrungen gerecht blieb und noch völlig verschlossen und krautig wirkte (sich aber nach 2 Stunden in der Karaffe erstaunlich schön entwickelte, aber immer noch etwas spröde war) hat sich der 2010er ziemlich untypisch schnell geöffnet.
Dunkle Früchte, Leder, Vanille (ohne holzbetont zu wirken!), würzig; im Mund elegant und dennoch druckvoll, aber noch von sehr präsenten feinen Tanninen geprägt, gut eingebundene Säure; eine Traumwein für Freunde junger Bordeaux, und gleichzeitig ein Wein mit sehr viel Potential!

Diesen Wein konnte man seinerzeit für unter Fr. 20.– als Primeur kaufen. Parker gibt ihm 90+ Punkte, und eigentlich bin ich überzeugt, dass die Note höher liegen würde, wenn das Gut in Pomerol und nicht in Fronsac läge. So oder so: einen so genialen Wein zu diesem Preis anderswo zu finden, dürfte schwierig sein!

Besonders erfreulich ist, dass die Zukunft des Châteaux in gute Hände zu liegen kommt.

Jean-Noël Hervé und seine Frau Dominique dürfen sich freuen, dass ihr jüngerer Sohn Thomas in ihre Fussstapfen treten wird. (Bilder: Homepage des Châteaux)
Sohn Thomas bringt die gleiche Begeisterung für das Weingut mit, ist weltoffen und eloquent: ein perfekter Botschafter für das Gut und die Appellation Fronsac!

Ich habe Thomas kürzlich an einer Veranstaltung kennen gelernt. Er wirkt so, als würde er das Château qualitativ ganz im Sinne seines Vaters weiterführen (nicht zuletzt hatte er ältere, ausschliesslich von Jean-Noël gekelterte Jahrgänge dabei, von denen er – zurecht – total schwärmte, etwa vom 2001, der noch völlig jugendlich wirkt), aber mit seiner Art auch für eine behutsame Weiterentwicklung zu stehen scheint. Château Moulin-Haut-Laroque wird jedenfalls auch in den kommenden Jahren bei mir ganz weit oben auf der Liste der zu degustierenden, hervorragenden, aber bezahlbaren Bordeaux stehen!

http://www.moulinhautlaroque.com/


Ein Tag auf Erden nur – aber dafür in Cahors!

Da war im Jahr 2000 ein Paar mit abgeschlossenem Studium – er Architektur, sie Kunstgeschichte – aus dem Raum Paris, das beschloss, Weinbau im Südwesten Frankreichs zu betreiben. Sie übernahmen in der Appellation Cahors, die „Domaine du port“ (das Gut liegt im „lieu dit“ le Port) und tauften sie kurzerhand um in „Clos d’un jour“.

Die „Pont valentré“, die in Cahors den Lot überspannt. Sie stammt aus dem 14. Jahrhundert!

Der namensgebende Hauptort des Gebietes, Cahors, liegt im Osten der Appellation. Die Domaine „Le clos d’un jour“ hingegen befindet sich gefühlte 50 Flusswindungen abwärts, bei Duravel, im Westen des Gebietes. (Gezählt sind es übrigens 15 Schlaufen, aber der Verlauf des Lot ist hier ganz speziell, und weil die Windungen auch auf den Strassen nachvollziehbar sind, bekommt man das Gefühl, der Fluss schlängle sich fast ewig durch die Landschaft). Die ganze Gegend hier im Südwesten Frankreichs ist überhaupt eine Augenweide, es erstaunt daher nicht, dass sich das Winzerpaar Véronique & Stéphane Azémar hier niederliess, und es würde auch nicht verwundern, wenn man für einen einzigen Tag auf Erden diese Landschaft wählen würde!

Zum heute beschriebenen Wein bin ich freilich nicht bei einem Besuch vor Ort gestossen, obwohl ich einst nur etwa 2 Km vom Gut entfernt war und darüber auch schon einen Blog-Beitrag geschrieben habe:
https://victorswein.blog/2018/04/22/das-grosse-geheimnis-aus-cahors/

Den „Un jour sur terre“ habe ich von einem Kollegen, einem Weinkenner mit speziellem Bezug zum Süden Frankreichs, als Geschenk erhalten.
Siehe zu seinen Tipps auch:
https://victorswein.blog/2018/02/16/cest-bon-ta-gueule/

Und der Wein hat es in sich:

Angesichts der ursprünglichen Studien des Winzerpaars ist es nicht überraschend, dass (auch) die Etikette kunstvoll ist.

Sehr dunkle Farbe, intensive würzige und beerige Noten, und eine unglaubliche Dichte – aber trotzdem ungemein elegant mit sehr langem Abgang.

Das Spezielle an diesem zu 100 % aus Malbec (örtlich auch Auxerrois oder Côt genannt) bestehendem Wein: Er wird nicht nur nach biologischen Grundsätzen produziert, sondern auch zum Hauptteil in 140-Liter-Tongefässen ausgebaut. Dieses Prinzip lässt den Wein sanft und langsam „schnaufen“ (ich benutze bewusst nicht das Wort „oxydieren“, weil es negativ besetzt ist), ohne ihm Holztöne mit auf den Weg zu geben. Ein absolut gelungenes „Experiment“, das freilich wohl auch deshalb einen so tollen Wein ergibt, als auch der Ertrag schon sehr früh mittels „grüner Ernte“ auf 5-6 Trauben pro Stock, entsprechend ca. 25 hl/ha, reduziert wird.

Ein spannender, und im vorliegenden Fall extrem gut gelungener Ansatz eines neuen-alten Ausbauprinzips! Ich mag diesen Wein sehr! Die „Revue du vin de France“ gibt dem 2015 er übrigens auch 16,5 – 17 Punkte.


http://www.leclosdunjour.fr/

Erhältlich in der Schweiz bei:
https://www.vogel-vins.ch/
(Keine Bezugsquelle in D/A gefunden; vielleicht sind Sie besser im „Googlen“ als ich)

100 Jahre – und kein bisschen müde

Vermutlich der Schweizer Wein schlechthin: 100 Jahre „Aigle les Murailles“.

Gerade noch rechtzeitig publiziert: 2018 feiert der „Schweizer Nationalwein“ seinen 100-jährigen Geburtstag

Eigentlich bin ich sicher: Es gibt keinen bekannteren Schweizer Wein als den „Aigle des Murailles“. Und der Wein, ein Chasselas, ist ein Phänomen – marketingmässig war er es schon in einer Zeit, als der Ausdruck hierzulande noch gar nicht bekannt war, und qualitativ haben es die Produzenten immer wieder geschafft, den Wein an der Spitze und am Puls der Zeit zu halten. Es ist zu hoffen, dass sie das auch im zweiten Jahrhundert weiterhin tun und sich auch nicht verzetteln.

1908 wurde die Firma Badoux Vins in Aigle gegründet, und 10 Jahre später – eben vor 100 Jahren – kam erstmals der Wein mit dem Namen „Clos les Murailles“ auf den Markt. Dieser Clos ist eine terrassierte, steile Südlage in Aigle. Schon der zweite Jahrgang, 1919, trug dann das von einem ortsansässigen Künstler geschaffene „Eidechsly“ auf der Etikette, und das ist bis heute so geblieben. Der Legende nach soll der Maler im Rebberg auf eine Eidechse gestossen sein, und so soll die Idee mit dieser Etikette entstanden sein. Aus dem Rebberg sind diese Tiere leider verschwunden, aber das soll sich wieder ändern:
https://www.coopzeitung.ch/themen/essen-trinken/wein/2018/wanted-gruenes-reptil-im-rebberg-99062/

Geändert hat mit der Zeit allerdings der Name des Weines, aus dem „Clos les Murailles“ wurde der „Aigle les Murailles“. Diese Anpassung dürfte dem Erfolg des Weines geschuldet, und damit juristisch zwingend gewesen sein, denn der eigentliche Clos ergibt nur rund 30’000 Flaschen pro Jahr – der heutige Absatz liegt aber bei rund einer Million Flaschen; die Trauben kommen also längst nicht mehr zur Hauptsache aus dem Clos! Quelle:
http://www.leregional.ch/N117217/100-ans-et-des-millions-de-bouteilles.html

Aber genau diese Anpassung machte es möglich, dass der „Eidechslywein“, so nannten ihn Generationen von Schweizerinnen und Schweizern, so erfolgreich wurde. Es gibt wohl keinen Weintrinker in einem gewissen Alter, der nicht die eine oder andere Anekdote erzählen könnte, welche mit diesem Wein verbunden ist. Ich selbst denke immer wieder daran, wie wir während des Militärdienstes in Genf jeweils im Ausgang im „St. Pauli“ gleich hinter dem Hauptbahnhof „Eidechslywy“ tranken und versuchten, mit Deutschweizer Mädchen anzubandeln (ich war da freilich erfolgloser als im Weintrinken…).

Perfekt muss auch über all die Jahre das Marketing gewesen sein – bis heute: Wie anders wäre zu erklären, dass der „Aigle les Murailles“ den Spagat schafft, sowohl in renommierten Weinhandlungen als auch im Supermarkt präsent zu sein. Und wie, dass die Marke offenbar keinen Schaden daran nimmt, dass der Wein immer wieder zu Aktionspreisen zu haben ist. Und ganz am Rand gelang es den Verkaufsstrategen von Badoux auch, den Eidechsliwy exportieren zu können – auch da könnten andere lernen. Umgekehrt hat die Firma erst in jüngerer Zeit begonnen, die Marke als Basis für andere Weine zu nutzen, erst seit wenigen Jahren gibt es auch einen Rotwein, einen Rosé und neuerdings gar einen Schaumwein namens „les Murailles“. Ob das gut geht, wird die Zukunft zeigen – angesichts des immer „guten Händchens“ im vergangenen Jahrhundert würde es niemanden wundern.

Der „Aigle les Murailles“ hat auch in qualitativer Hinsicht immer wieder gut abgeschnitten, so war er mit dem Jahrgang 2013 in einer Vinum-Probe mit 16.5 Punkten nur einen halben Punkt hinter dem Siegerwein (ein Calamin von Louis Bovard; vgl. später) ganz weit vorne platziert.
http://www.chandrakurt.com/fileadmin/user_upload/News/VINUM_1506_Chasselas.pdf
Ganz offensichtlich müssen sich, wenn gut gearbeitet wird, Quantität und Qualität nicht zwingend widersprechen!

Allerdings hätte dieser Beitrag auch ganz anders ausfallen können. Ich hatte ihn scnon im Sommer aufgrund des runden Geburtstages des Weines geplant und vorbereitet. Ich hatte den Wein auch in jüngerer Zeit immer gut und reell empfunden, war freilich beim 2015er etwas enttäuscht, da der Wein sehr breit und caramel-süsslich daher kam. Ich hatte das dem speziellen Jahrgang zugeschrieben, war dann aber wirklich vor den Kopf gestossen, dass der 2017er wieder ähnlich war – fast oxidiert erschien er mir. Ich hatte damals einen preislich ähnlich gelagerten Wein von Louis Bovard, einer wirklichen Referenz in der Westschweiz (siehe oben), als Vergleich gekauft, einen Epesses Chatally, und die Degustation war für den Aigle geradezu ernüchternd. Und in meinem Kopf hiess die Überschrift dieses Beitrages schon “ 100 Jahre und ziemlich müde“.

Weil ich nur selten über Enttäuschungen berichte und lieber über tolle Weinerlebnisse schreibe,
Ausnahme siehe hier: https://victorswein.blog/2018/02/03/wein-oder-sugus/
liess ich es sein, einen Beitrag zum Millenium zu schreiben, und darüber bin ich heute sehr froh. Denn offensichtlich handelte es sich im Sommer um eine schlechte Flasche. Weil das Thema aber weiter, und nur noch kurz, aktuell war, habe ich vorgestern nochmals zwei Flaschen gekauft – und welch‘ Unterschied: Der Aigle „Les Murailles“ 2017 war überhaupt nicht caramellastig oder mit oxydativen Anflügen versehen, sondern frisch und süffig:

„helles Gelb, glänzend; intensiv in der Nase, Bergamotte, Lindenblüte, Kamille; im Mund erfrischend und süffig, eher tiefe Säure, schlank, mittlerer Abgang. Alles in allem ein schöner, typischer und süffiger Chasselas“.

Auch dieses Mal schwang der „Epesses Chatally“ von Bovard für mich persönlich zwar knapp obenauf („verhaltene Nase, Quitten, Veilchen; sehr mineralisch, gute Säure, schlank, recht langer Abgang), aber mit Punkten bewertet wären beide wohl nahe beisammen.

So endet also auch meine ganz persönliche Geschichte im hundersten Jahr „Aigle les Murailles“ positiv. Es wäre auch zu schade gewesen, wenn ein Flaggschiff des Schweizer Weins plötzlich Schlagseite erhalten hätte! So aber freuen wir uns auf die nächsten 100 Jahre „Eidechsly“ – vielleicht gar wieder mich echten Tieren im ursprünglichen Clos!

https://www.badoux-vins.ch/de/
http://www.domainebovard.com/de/home.php


Extrem lehrreich: „single variedad Rioja“

Spannendes Degustationspaket mit drei sortenreinen Weinen

3 x Rioja, 3 x 2016, 3 x total verschieden und untypisch! (Man beachte die Etiketten, welche nicht identisch sind, sondern den Blättern der Traubensorte entsprechen!)

Mit der Rioja verbindet man automatisch – und oft nur – die Traubensorte Tempranillo. Dabei sind auch weitere Sorten zugelassen, allein für die Rotweine sind es deren fünf, zur Tempranillo gesellen sich Garnacha, Graciano, Mazuelo und Matruana Tinta (für den Weisswein sind sogar neun Sorten zulässig).
Reinsortige Tempranillos sind aber immer noch häufig. Aber wer hat schon jemals einen Wein aus der Rioja versucht, der ausschliesslich aus einer der anderen Sorten gekeltert wurde?
Delinat bietet nun ein Degustationspaket an, welches genau das möglich macht – und es ist extrem spannend! Enthalte sind je 2 Flaschen der Sorten Maturana, Graciano und Garnacha.

Eine Degustation zeigte, wie unglaublich unterschiedlich die möglichen Sorten der Rioja sind, und damit natürlich auch, wie vielfältig die Möglichkeiten der Weinproduzenten (ich schreibe in der Rioja bewusst nicht „Winzer“) sind, den Stil ihrer Weine zu kreieren (einmal ganz abgesehen von der Holzwahl):

Maturana:
Kräftiges, Purpurrot; würzige Nase, Heu, Wacholder, Rosinen, Datteln; spürbare Säure, leicht trocknende, aber schöne Tannine, elegant, eher kurzer Abgang. Eigenständiger, fruchbetonter, eher „leichter“ Wein, der aber gefällt.

Graciano:
Dunkles Rot; Vanille, dunkle, getrocknete Frucht, dunkle Kirschen, Heidelbeeren (erinnert irgendwie an einen Blaufränkisch!); ausgewogen, eher tiefe Säure, etwas grobe Tannine, helle Töne im Mund, langer Abgang. Feiner, trinkfreudiger Wein, wäre mit etwas mehr Säure noch besser.

Garnacha:
Sehr dunkles, fast undurchdringliches Rot; Tabak, Rauch, dunkle Beeren; im Mund extrem dicht, fast zum „Abbeissen“, gute Säure, adstingierend, relativ kurzer, säurebetonter Abgang. Komplexer, kraftvoller Wein.

Fazit der Degustation: Jeder Wein für sich ist toll, auch wenn wohl keiner die Finesse und Eleganz eines ganz grossen Riojas aufweist. Allerdings sei erwähnt, dass die Weine nach einer ganzen Woche im Kühlschrank noch praktisch gleich mundeten, wie nach der Flaschenöffnung; sie haben also Potential!

Absolut spannend ist aber, wie unterschiedlich die in diesem Weinbaugebiet zugelassenen Rebsorten sind. Schade ist eigentlich nur, dass zum Vergleich nicht auch ein reinsortiger Tempranillo in diesem Paket enthalten ist.

Interessant war freilich auch, wie sich die Weine danach zum Essen verhielten. Es gab einen Rindsbraten, und wir bevorzugten dazu ganz eindeutig den Graciano! Keine Spur von fehlender Säure, dafür eine kongeniale Symbiose zwischen einem tiefgründigen Wein und dem Essen! Einmal mehr zeigt dieses Erlebnis, dass eine „klinische“ Degustation und das Geniessen zu einem Essen nicht unbedingt das gleiche Resulat bringen müssen!

https://www.delinat.com/weine/9149.42.html

Wenige Informationen zum Weingut
Zum Weingut selbst ist mir leider, ausser, dass es in Logrono, dem eigentlichen Zentrum der Rioja, beheimatet ist und biologisch arbeitet (logisch bei Weinen von Delinat), nichts bekannt, was nicht im Internet jedermann selbst recherchieren kann. Sollte ich es je wieder in die Rioja schaffen (mein einziger Besuch in dieser wundervollen Landschaft datiert aus dem Jahr 1990) wäre dieses Gut sicher auf meiner Besuchsliste:
https://www.delinat.com/weinlese-blog/zwei-winzerbrueder-rocken-die-rioja/
https://www.lascepasriojawine.com

Zu den drei Sorten:
Die Sorte Graciano (Monastrell Menudo) soll möglicherweise mit der Monastrell/Mourvèdre die gleichen Eltern teilen
https://glossar.wein-plus.eu/monastrell
was mir degustativ nicht so falsch erscheint. Dass die Garnacha = Grenache ist, dürfte bekannt sein, weniger hingegen, dass die Matuarna eines ihrer Pendants sehr nördlich findet, nämlich im französischen Jura mit der Trousseau noir.
http://www.vivc.de/index.php?r=passport%2Fview&id=12668


Weine von der „bösen Frau“ – eindrückliche Chablis!

Das Weinbaugebiet von Chablis – so toll wie die Weine von hier!


Wenig erfreuliche persönliche Begegnung – aber geniale Weine!

Kürzlich sagte ein Kollege zu mir: „Der einzige Chardonnay, den ich trinke ist der, bei dem Chablis darauf steht“. Das mag, angesichts wundervoller Chardonnays aus dem südöstlicheren Burgund und teils auch aus anderen Weltgegenden, etwas gar puritisch sein – so ganz falsch liegt er nicht!

Nirgends auf der Welt ist Chardonnay so frisch, so tänzerisch finessenreich, so elegant, so mineralisch wie in Chablis. Und nirgends wird das Holz, wenn überhaupt, so dezent eingesetzt wie hier. Mir scheint fast, als wäre Chardonnay aus Chablis etwas anderes als von überall sonst!

Natürlich waren mir Namen wie Raveneau, Moreau-Nodet, William Fèvre oder Alain Geoffroy geläufig, und gerade Fèvre ist auch in der Schweiz gut und zu bezahlbaren Preisen erhältlich. Aber wenn ich schon mal in der Gegend bin, dass möchte ich lieber Neues kennen lernen.

Ich habe deshalb auch eine Entdeckung gemacht – und damit eine mehr oder weniger lustige Geschichte erlebt. Im Herbst 2012 war ich zum ersten Mal überhaupt in Chablis, und natürlich wollte ich auch einige Weingüter kennen lernen und Wein kaufen. „Bewaffnet“ war ich damals mit dem „Guide Hachette 2011“, einem, sofern man die Beschreibungen und nicht nur die Bewertungen liest, sehr verlässlichen Führer, der mir auch andernorts in Frankreich immer wieder gute Dienste geleistet hat und leistet. Ein „coup de coeur“ war in diesem Buch einer der Weine der Gebrüder Jean-Paul et Benoît Droin. Also stattete ich diesem Gut einen Besuch ab, und ich wurde von einem der Brüder sehr herzlich empfangen, freilich mit den Worten „il n’y a plus grand chose“. Plus grand chose hiess aber immerhin, dass zwei Grands Crus (Vaudésir und Valmur), zwei Prèmiers Crus (Fourchaume und Montmains) sowie ein Chablis verfügbar waren. Es war eine wunderbare Degustation, in der mich alle Weine, jeder auf seine Art, überzeugten. Entsprechend beladen war dann auch mein Auto, und in meinem Keller glänzten plötzlich ganz viele der chatakteristischen orange-gelbe Flaschenhälse von Droin.

Oft wohl zu jung getrunken, überzeugten mich die Weine auch daheim, und so besuchte ich das Gut zwei Jahre später wieder. Aber welche Enttäuschung: Ich wurde von einer Frau empfangen, wobei dieser Ausdruck falsch ist, willkommen war ich nämlich nicht. „Avez vous reçu notre courrier?“, wurde ich gefragt; und auf die Antwort „non“, wurde mir barsch beschieden „on ne prends pas de nouveaux clients“! „Mais Madame“, versuchte ich zu erklären; und ich erzählte ihr von meinem erst zwei Jahre zurückliegenden Besuch, dem herzlichen Empfang und den vielen gelb-orangen Kapseln in meinem Keller. Es nützte nichts, „on ne prends pas de nouveaux clients“!

Mais Madame, versuchte ich es erneut, „j’ai achêté une quarantaine de bouteilles chez vous il n’y a que deux ans“. „On ne prends pas de nouveaux clients!“ war die einzige, gebetsmühlenartige Antwort, die ich auf alle Argumente erhielt!

Alle vernünftigen Begründungen wie „wir sind leider ausverkauft“ oder „wir verkaufen aufgrund grosser Nachfrage nur noch an langjährige Kunden“ hätte ich verstanden und akzeptiert. Aber, „wir nehmen keine neuen Kunden mehr“, nachdem ich sehr ausführlich von meinem letzten Besuch und Kauf erzählt hatte und sogar ein Foto aus meinem Weinkeller mit den orange-gelben Kapseln hätte zeigen wollen, das war schon etwas schwer verständlich. Nun gut, ich zog leicht frustriert von dannen, und jedes Mal, wenn wir danach einen Droin-Wein aus dem Keller holten sagten wir spassig und nicht ganz ernst gemeint: „Das ist jetzt der Wein von der bösen Frau“.

Verrückt ist nur, dass die „Weine von der bösen Frau“ so unglaublich gut sind! Wir haben kürzlich die letzte Flasche 2009 des Grand Crus Valmur getrunken – ein schlichtweg umwerfender, genialer Wein:
„Immer noch helles Gelb; feine, zitrusbetonte Nase, Mandeln und Mirabellen; im Mund mit einer präsenten, erfrischenden, tollen Säure, körperreich und mineralisch, mit einem „salzigen“ Anflug; klar wirkend wie Quellwasser, unendlich langer Abgang. Einfach ein fantastischer Wein!

Grand Cru-Lage Valmur mit Blick auf Chablis

Jean-Marc Brocard – viel mehr als ein Lückenbüsser

Einen guten Effekt hatte das Erlebnis bei der „bösen Frau“ immerhin auch: Ich zitierte den – immer noch gleichen 2011er  – Guide Hachette und entschied mich für einen alternativen Besuch auf der Domaine Brocard in Préhy, ein paar Kilometer ausserhalb von Chablis. Dieses Gut ist deutlich grösser als Droin  – und war deshalb auch bereit, einem „Neukunden“ Wein zu verkaufen 🙂 – es stellt aber Weine von ähnliche Güte her. Das einzige, was man kritisieren könnte ist, dass der Stil noch etwas uneinheitlich ausfällt, degustieren lohnt sich also. Auch hier sind die Grands Crus – gekauft Le Clos und Valmur – grossartig, und die Prémiers nur wenig nachstehend (gekauft Fourchaume und Montée de Tonnerre). Absolut empfehlenswert und in Sachen Preis-/Leistung unschlagbar ist aber der „Vielles Vignes“, ein hochkonzentrierter und trotzdem eleganter, erfrischender Wein – in allem auf der Höhe eines Prèmiers ausser dem Preis! Und das Schönste an Brocard: er arbeitet bereits auf einem grossen Teil der Domaine nach biologischen Grundsätzen!

Wer braucht da noch die Weine einer „bösen Frau“? Ernsthaft, es lohnt sich allemal, und ich habe deshalb auch Bezugsquellen für Droin in der Schweiz und in Deutschland recherchiert. Hoffentlich nehmen die noch neue Kunden …

Links zu Droin:
https://www.jeanpaulbenoit-droin.fr/fr/
https://ruli-vins.com/weine/?filter_produzent=domaine-jean-paul-droin
https://shop.weinhandlung-drexler.de/

Und Links zu Brocard:
http://brocard.fr/
https://de.millesima.ch/produzent-jean-marc-brocard.html
https://www.belvini.de/jean-marc-brocard

Analysewerte oder Gefühle? Am besten beides!

Nachlese und Replik zu meinem Artikel zur vorbildlichen Weinpreisliste von Knipser

In meinem letzten Beitrag habe ich dafür plädiert, dass Winzer und Weinhändler uns die messbaren Werte eines Weines offen legen:
https://victorswein.blog/2018/11/25/vorbildlich-klare-information-auf-wein-preisliste/
Dass es nebst den messbaren auch „innere, nur erfühlbare Werte“ eines Weines gibt, zeigt die Reaktion, die ich von Dirk Rosinski vom Weingut Knipser selbst erhalten habe. Seine Zeilen sind total lesens- und bedenkenswert, so dass ich sie hier gerne wiedergebe (mit seinem Einverständnis):

Wir veröffentlichen die Analysedaten eigentlich schon seit über 30 Jahren in unseren Preislisten. Es kann aber immer nur eine technische Zusatzinformation sein und niemals die Probe ersetzen.
Gestatten Sie mir einige Gedanken zu diesem Thema – nicht als Vertreter des Weinguts Knipser, sondern als Weinliebhaber:
Meine vier Jahrzehnte währende Beschäftigung mit Wein hat mich gelehrt den Analyswerten zu mißtrauen. Oft empfand ich Weine, die ich den Analysewerten nach nie probiert hätte, als verblüffend ausgewogen und harmonisch.
Beim in Ihrem Beitrag beschriebenen Riesling Kapellenberg ist die Süße kaum schmeckbar und für mich ist er ein großartiger Essensbegleiter. Hier führt die Analyse ein wenig in die Irre.
Oder ein anderes Beispiel: Vor einigen Jahren verweigerte ein Weißburgunder, der eigentlich durchgären sollte, den Dienst und beendete eigenmächtig die Gärung im halbtrockenen Bereich. Werner Knipser mit seinergroßen Erfahrung entschied, diesen Wein aber genau so, also halbtrocken, abzufüllen. Dieser Wein stand etwa ein Jahr auf unserer Preisliste und niemand wollte ihn haben – auch in unserer Vinothek verlangte keiner danach.
Dann entdeckte ihn der Sommelier eines mit drei Michelinsternen dekorierten Restaurants und setzte ihn zur Weinbegleitung im Menü ein. Innerhalb weniger Monate wurde der gesamte Bestand an begeisterte Gäste dieses Restaurants verkauft, die ihn auch privat gerne trinken wollten. Der Wein hat eine unglaubliche Harmonie und Strahlkraft entwickelt, die keiner für möglich gehalten hatte. Der Kommentar von Werner Knipser: „Oft sind die Einzeller klüger als der beste Kellermeister.“ Gemeint waren die Hefen, die einfach den Dienst verweigerten und uns so diesen „kuriosen“ halbtrockenen Weißburgunder bescherten.
Das ist ein extremes Beispiel, aber gerade beim Riesling sind ein paar Gramm Restzucker, die durch natürlichen Gärstop entstanden sind, meistens sehr stimmig und attraktiv. Deshalb belassen wir diesen stets ihren „natürlichen“ Restsüßegehalt und versuchen nicht die Weine durch die Gärung zu quälen. Dadurch ginge viel an Finesse und Charakter verloren.
Grundsätzlich bevorzuge ich persönlich aber bei Silvaner und den weißen Burgundersorten möglichst weit durchgegorene Weine.

Wunderbar, diese Zeilen! Schöner kann man wohl kaum ausdrücken, um welch‘ wunderbares Kultur- und gleichzeitig Naturgut es sich beim Wein handelt. Und wie sehr das menschliche Gefühl – beim Vinifizieren und später beim Probieren – entscheidend ist. Oder eben, wie sehr die „Einzeller“ besser als der gescheiteste Mensch zu wissen scheinen, was gerade richtig ist!

Vielleicht, so zeigen die Ausführungen von Rosinksi, muss man auch eine Unterscheidung zwischen natürlich restsüssen Weinen und solchen, denen die Süsse aufgezwungen wurde, machen? Ein spannender Gedanke zum Weiterverfolgen.

Mein ursprünglicher Artikel und die schöne Replik von Rosinski widersprechen sich aber auch nicht! Es gilt, das eine tun und das andere nicht lassen! Tatsächlich würde auch ich nie einen Wein nur aufgrund seiner Analysewerte kaufen (umgekehrt, also nicht kaufen, aber schon, auch wenn ich Rosinski in diesem Einzelfall glaube, dass der „Kappellenberg“ mit 6,6 g Restsüsse kaum süss wirkt. Ich persönlich habe einfach zu oft schon die Erfahrung gemacht, dass mir Weine mit über 4 g auf die Länge eines Essens einfach nicht gefallen.)
Bei einem Winzer wie Knipser, dessen Weine und vor allem dessen Stil ich doch einigermassen kenne, geben mir die Analysewerte aber trotzdem entscheidende Hinweise, um auch blind kaufen zu können – selbst den HPB, den man allein aufgrund der Analysewerte ja als „Säurebombe“ kaum kaufen würde.

Fazit:
Liebe Winzer und Weinhändler: Gebt uns die rationalen Informationen zu einem Wein, das ist ein wichtiges Hilfsmittel zu einer ersten Einschätzung.
Liebe Weinfreunde: Lasst uns einen Wein trotzdem unvereingenommen probieren – erlaubt ist, was gefällt!

PS:
Zur Feier der spannenden Unterhaltung habe ich diese Woche einen 2012er HPB aus dem Keller geholt: Rational kann ich verstehen, dass ein Grossteil der Weinfreunde ihn als viel zu säurebetont und entsprechend zu trocken empfindet. Ich persönlich war einmal mehr hell begeistert – vor allem auch davon, dass er auch nach 6 Jahren noch eine unglaubliche Frische und Jugendlichkeit ausstrahlt. Keine Ahnung, wie lange dieser Wein haltbar ist. Anfangs dachte ich, so bis 2022 – heute habe ich das Gefühl, er halte ewig!

Und wenn ich es mir jetzt gerade so überlege, dann ist dieser HPB ein Klassebeispiel für Rosinski’s Ausführungen: Welcher normale Mensch würde einen Wein mit 10,3 g Säure und 0,3 g Restsüsse blind kaufen? Dabei ist der Wein einfach genial!

http://www.weingut-knipser.de/
Und beim Recherchieren bin ich noch auf eine andere Aussage von Dirk Rosinksi gestossen, die sehr gut zu diesem Artikel passt:
http://einfachwein.eu/2017/02/09/grosses-gewaechs-ein-erlebnis/






Vorbildlich: klare Information auf Wein-Preisliste

Liebe Winzer und Weinhändler: gebt uns rationale Beschreibungen, wie es bei Knipser der Fall ist!

Wein ist Geschmackssache, dieser Allgemeinplatz stimmt selbstverständlich. Aber wie oft ist es möglich, einen Wein vor dem Kauf zu probieren? (Kleiner Einschub: ich selbst kaufe oft Einzelflaschen blind, aber kaum je eine grössere Menge; es sei denn, ich kenne den Produzenten seit längerer Zeit als verlässlich – zu oft wurde ich enttäuscht!)

Händler und Winzer geben sich ja alle Mühe, ihre Produkte verbal zu beschreiben. Aber was fangen wir Weinfreunde beispielsweise an mit dieser Beschreibung auf einer Preisliste, wie ich sie eben von einem von mir sehr geschätzten Produzenten erhalten habe:
„komplexer, rassiger, trockener, lang anhaltender Weisswein von über 40-jährigen Reben“.

Was bedeutet das nun im Klartext? Rassig: Viel Säure? Oder gar Kohlensäure? Trocken: Heisst das, keine Restsüsse merkbar oder doch mit etwa 4 g Süssse befrachtet, was sehr wohl spürbar ist?

Praktisch gleichzeitig mit dem erwähnten Aussand habe ich die Preisliste von Knipser erhalten. Und die ist so vorbildlich, dass ich daraus einen Beitrag mache:

Natürlich, allein die verbale Beschreibung beim HPB, „durchgegoren und knochentrocken“ lässt mich wissen, was ich hier erwarten kann. Aber erst die technischen Daten, 0,3 g Restsüsse und 10.3 g Säure, zeigen unmissverständlich an, dass es sich hier um einen trockenen und säurebetonten Riesling handelt. (Damit der Leser meine Bewertungen einstufen kann: das ist beim Riesling einer meiner Lieblinge, zumindest als Essensbegleiter).

Wenn ich umgekehrt beim Laumersheimer Kapellenberg die Information erhalte, dass er 6,6 g Restsüsse aufweist und gleichzeitig 8,6 g Säure, dann ist mit klar, dass es sich hier um einen immer noch mit schöner Säure unterlegten, aber mit sehr spürbarer Restüsse versehenen Wein handelt. Und in meiner Vorstellung spüre ich einen wunderbar fruchtigen Wein, der mir persönlich in der Nase gefällt, und den ich rational auch gut bewerten würde, der mir aber aufgrund der „hohen“ Restsüsse sicher nicht wirklich schmecken wird – oder höchstens zum Apéro, aber sicher nicht als Essensbegleiter (asiatische Gerichte aufgenommen).

Und wenn ich umgekehrt den 2007-er Riesling Alte Reben mit 12,6 % Alkohol, 1,2 g Restüsse und vergleichsweise bescheidenen 6,8 g Säure sehe, – und  gleichzeitig die Qualität des Herstellers einbeziehe – dann bin ich schon fast sicher, dass dieser Wein mir ungemein schmecken würde und ich ihn auch blind kaufen könnte!

Also, liebe Winzer und Weinhändler – sagt uns, was Sache ist! Gerne dürft Ihr eure blumigen Beschreibungen beibehalten, die sind manchmal richtig schön und zuweilen gar ergreifend zu lesen, – aber bitte gebt uns auch die technischen Informationen, die uns eine rationale Vorstellung eines Weines vermitteln!

Nehmt euch ein Vorbild an:

Knipser, Laumersheim in der Pfalz.

http://www.weingut-knipser.de/



Pircher – Pinot-Klasse am „Hochrhein“

„Home of Pircher“, der Eglisauer Stadtberg – eine auch landschaftlich sehr reizvolle Spitzenlage am oberen Rhein, Kanton Zürich, Schweiz. (Bild ab Homepage Urs Pircher).

Wir reden – zurecht – immer wieder über Newcomer. Dabei gehen die Klassiker nur zu oft vergessen. Einer dieser – nach Schweizer Verhältnissen – schon fast „ewig Etablierten“ ist Urs Picher aus Eglisau. Während andere noch netten Blauburgunder herstellten, vinifizierte Pircher schon einen hochklassigen Pinot noir aus der Barrique, der sich das Burgund als Vorbild genommen hatte. Seit 20 oder mehr Jahren, und bis heute, sind seine Pinots ein Inbegriff von Feinheit, Eleganz und Finesse !

Burgundische Pinots, als andere noch schliefen

Schon im Jahr 2000 – damals hatten viele von uns noch nicht einmal einen Internetanschluss – und eigentlich schon Jahre zuvor, kelterte Pircher Weine, die zu jener Zeit nicht in dieses Weinbaugebiet passten. Immerhin ist elektronisch ein schöner Artikel erhalten, der aufzeigt, was Pircher ausmacht(e):
https://folio.nzz.ch/2000/oktober/urs-pircher-selbstkelterer

All die tollen Newcomers, über die wir heute so gerne und zurecht schreiben, gab es damals noch gar nicht; und mehrere, wie Peter Gehring aus Freienstein, lernten gar ihr „Handwerk“ bei Pircher. (So ganz nebenbei: auch in neuerer Zeit machte sich Pircher als „Lehrmeister“ für führende Winzer verdient, so arbeitete auch Matthias Bechtel, ein neuer Stern am Schweizer Weinhimmel, seine Sporen bei Pircher ab).

Ich hatte soeben die Gelegenheit, an einer von Urs Pircher selbst geleiteten Degustation einiger seiner Weine teilzunehmen. Neu war das zwar nicht, denn ich hatte das Weingut schon seit Jahren immer wieder besucht. Erstmals aber durfte ich Urs Pircher selbst als Leiter der Veranstaltung erleben. Was vorerst auffällt: Eigentlich möchte Urs Pircher wohl lieber einfach in den Reben oder im Keller arbeiten, als vor Leute hinzustehen und reden. Aber: er kann auch das, und zwar deshalb, weil er einfach sich selbst bleibt. Seine Ausführungen waren für Weinfreunde ein tolles, authentisches Erlebnis.

Pinot forever: ein „gris“ vom Feinsten

Von wegen Erlebnis: Die degustierten Weine begeisterten. Vorab sein – nur bis und mit vergärtem Most auf dem Weingut hergestellter – Schaumwein ist sehr gut. Gar Spitzenklasse ist sein Pinot gris (2017): leichter Holzeinsatz, längere Lagerzeit auf der Hefe; ein lagerfähiger, ungemein sortentypischer, mit guter Säure versehener und dichter Pinot gris, der mit zunehmender Reife sogar noch gewinnen wird. Gleiches (ausser dem Alterungspotential) gilt für den Räuschling, den ich bei anderer Gelegenheit verkosten konnte; auch hier war ein Meister der Weinbereitung am Werk, und der teilweise Ausbau im grossen Holzfass tut dem Wein erstaunlicherweise sehr gut.

Etwas weniger begeistert war ich persönlich vom Riesling, der erst im dritten Jahrgang hergestellt wird. Mir war die Restsüsse, wenn auch nicht übertrieben, zu hoch, und so richtig „rieslingartig“ wollte mir der Wein auch nicht erscheinen. Er ist sehr gut und reintönig gemacht, liegt marketingmässig vermutlich total im Trend und wird sicher zu recht seine Freunde finden – aber braucht es das in der Schweiz wirklich? (Man zeige mir den Riesling aus der Schweiz, der in Sachen Preis-Leistung auch nur annähernd an einen guten deutschen herankommt!).

Wirklich spannend indessen eine rote Cuvée aus Regent, Zweigelt und Pinot noir. Der 2016-er ist recht „hart“ gekeltert, aber dennoch schon jetzt genussvoll zu trinken. Auch wenn ich persönlich bisher solche Cuvées eher skeptisch sehe: Hier wird es spannend sein, die Entwicklung in den nächsten Jahren zu verfolgen. Persönlich bin ich überzeugt, dass dieser Wein sich noch mehr öffnen wird. Es könnte eine jener Cuvées mit einer Piwi-Sorte sein, die mich meine Vorurteile vergessen  macht.

Urs Pircher, Schweizer Pinot-Pionier der ersten Stunde (er öffnet gerade seinen exzellenten Pinot noir 2016).

Der Höhepunkt aber war der Pinot noir 2016! Wie eingangs erwähnt, Pircher „konnte“ schon Pinots auf die burgundische Art, als der Rest der Ostschweizer Winzer noch ihre innert Jahresfrist zu trinkenden kuranten Blauburgunder herstellte.

Der 2006-er von Pircher landete bei einer von mir 2012 durchgeführten Degustation mit führenden Pinots aus der Schweiz und aus dem Burgund (Level 1er Cru) damals an dritter Stelle – vor jedem Franzosen. Der Jahrgang 2016 nun besticht durch eine fruchtige, schon fast explosiv pinot-typische (Himbeeren, Johannisbeeren, Nelken) und mit dezentem Holzton unterlegten Nase und einen druckvollen, feurigen und doch filigranen, eleganten Auftritt im Gaumen! Ein absoluter Spitzen-Pinot, der sich höchstens vor den Allergrössten dieser Pinot-Welt verstecken müsste!

http://www.weingut-pircher.ch/data/index.php/de/

Und andere erwähnte Winzer:
https://weingut-gehring.ch/
http://www.bechtel-weine.ch/

Am Ende des Regenbogens: Loire oder Südafrika?

rainbows

Östlich von Stellenbosch, richtig auf dem Land, auf 540 m über Meer an der Grenze zum Jonkershoek Nature Reserve, einem langgezogenen, naturbelassenen Tal mit Wasserfällen gelegen, finden wir das Ende des Regenbogens! Oder, wenn man das Bild anschaut, beide Ende des Bogens! Vielleicht liegt aber ein Ende des Bogens auch in Südafrika und das andere an der Loire!

Das Weingut hier heisst denn auch „Rainbows‘ End“, ist seit 1978 in Besitz der Familie Malan, aber erst seit 2002 mit dem ersten eigenen Wein auf dem Markt. Jacques Malan, eigentlich Ingenieur, eignete sich sein Weinwissen zuvor in Frankreich (auf einem Gut in Montage St. Emilion) an, und erfüllte sich danach seinen Traum!

Den reinsortigen Cabernet Franc des Jahrgangs 2016 habe ich nur deshalb entdeckt, weil ich eines mittags in der Weinhandlung „Kap Weine“ in Wädenswil erschien und mich inspirieren liess. Oder besser gesagt, beraten. Dem Berater Sascha Hofmann stellte ich die Aufgabe, mir ein paar Rotweine unter oder um 30 Franken zu empfehlen. Weine, welche die Seele berühren.

Eine der Emfehlungen war der reinsortige Cabernet Franc von Rainbow’s End mit Jahrgang 2016. Und das ist wirklich eine ganz hervorragende Empfehlung. Dieser im Holz ausgebaute Wein bringt einfach alles mit, was einen gelungenen Cabernet Franc so grossartig macht.

„Dichtes Purpur; reife Peperoni, Vanille, dunkle Kirschen, Jostabeeren; sehr feine, elegante, noch leicht trocknende Tannine, prägnante aber nicht störende Säure, druckvoll und doch filigran. Ausgewogen, lang. Toller Wein“.

Ich kenne nur wenige Cabernet Franc’s von der Loire, die ich diesem Wein vorziehen würde. Allerdings ist er, so sortentypisch er daherkommt, doch irgendwie anders (es wäre spannend gewesen, diesen Wein blind in der Loire-Degu zu haben). Was aber wohl auch stimmt: es gibt viele Loire-Weine, die besser altern können. Der „Rainbow’s End“ wirkt nach zwei Jahren schon reif, dürfte zwar in den nächsten zwei bis drei Jahren noch dazugewinnen, aber lange lagerfähig, wie ein Spitzenwein von der Loire, dürfte er kaum sein (es sei denn, ich täusche mich, was bei diesem Wein möglich wäre).

Trotzdem: Der „Regenbogen-Cabernet-Franc“ ist ein traumhafter Wein der wunderbar  zeigt, was das Weinland Südafrika zu bieten hat!

PS: Den ersten Wein, den mir Sascha Hofmann vorgeschlagen hatte, habe ich schon vor einer Woche probiert, mit einem ähnlich positiven Ergebnis: „Savage Red“, ein „südfranzösischer“ Blend mit Syrah-Dominanz – hervorragend!

Fazit: Wenn eine Weinhandlung echte Weinkenner beschäftigt, lohnt es sich immer, sich vor Ort beraten zu lassen!

http://kapweine.ch/

http://rainbowsend.co.za/

Finca Torremilanos, Ribera del Duero: lange Vergangenheit – grosse Zukunft

Ricardo Peñalba: welt- und wortgewandt, aber tiefgründig erdverbunden – repräsentiert Vergangenheit und Zukunft des Anbaubebietes

ricardo

Man muss ihn einfach mögen, diesen Ricardo Peñalba, Leiter der Finca Torremilanos. Bescheiden und umgänglich, fast introvertiert wirkend, lernt man ihn kennen. Aber wenn er zu erzählen beginnt, ist er der von Energie sprühende, extravertierte Mann, der mit tiefer Ueberzeugung erklärt, warum er so sehr an seiner heimischen Erde hängt. Und hängen tut man auch als Zuhörer – zwei Stunden lang fasziniert an seinen Lippen, so mitreissend vermittelt er seine Botschaften.

Aber der Reihe nach: Das Weingut wurde bereits 1903 in Aranda del Duero gegründet und 1975 von Ricardos Vater gekauft. Dieser Kauf hatte Folgen: Er war zuvor der zweitwichtigste Traubenlieferant der örtlichen Genossenschaft, und weil diese fürchtete, Vater Peñalba Lopez würde mit der neuen Finca zur Konkurrenz heranwachsen, wurde er aus der Genossenschaft geschmissen. Die Finca Torremilanos entwickelte sich aber in der Folge zu einem eigentlichen Flaggschiff der Region. Nebst Vega Sizila hat kaum eine Bodega so viel für den Ruf von Ribera del Duero beigetragen wie Torremilanos.

Dazu muss man wissen, dass dieses Weinbaugebiet – obwohl wahrscheinlich eines der ältestes des Landes – damals in einem Dornröschenschlaf lag. Kaum jemand kannte die Region, was auch nicht verwundert, denn es gab auch kaum Wein von dort zu kaufen. Im Jahr 1982, als die „Denominacion de Origen“ (DO) eingeführt wurde, waren die Kellereien noch an zwei Händen abzuzählen. Heute sollen es um die 250 sein.

robleviejo
Dieser Ausschnitt aus der Etikette des „el roble viejo“ symbolisiert einen der fast hundertjährigen Rebstöcke der Lage.

Torremilanos hat also als eines der wenigen Güter der Region eine lange Geschichte. Und diese ist Ricardo Peñalba auch sehr wichtig. Immer wieder fällt das Wort „heritage“, dessen Bedeutung mit „Erbe“ nur ungenügend übersetzbar ist. Ricardo fühlt sich sichtbar verpflichtet, die bestehenden Banden der Geschichte zu wahren und weiterzutragen. Der beste Wein des Gutes, der „el roble viejo“, stammt denn als „single vineyard“ auch aus einer Lage, deren Rebstöcke noch vom Bodega-Gründer im Jahr 1923 gepflanzt wurden, und die nur deshalb heute noch bestehen, weil deren Erhalt eine der Bedingungen für Ricardos Eintritt in das Familienunternehmen war.

Vom Zweifler zum Überzeugten

Dass er je die Finca übernehmen würde (wobei er selbst sagt, seine vitale 76-jährige Mutter sei noch „der Boss“), war nicht vorgezeichnet. Gerade, weil er auf dem Rebgut aufwuchs, hatte er Zweifel. Nur zu gut kannte er die harte Arbeit und die langen Tage. Seine Aussage dazu: „sick of having land“ (und das kann so richtig wohl nur verstehen wer, wie der Schreibende, selbst Bauernsohn ist).

So studierte er zuerst in Bordeaux – aber eben gerade nicht Weinwissenschaft, arbeitete in anderen Branchen und lernte die Welt kennen. Später absolvierte er „Stages“, unter anderem war er 3 Monate in der Schweiz, weshalb man von ihm auch auf Deutsch empfangen wird. Die entscheidende Begegnung trug sich aber im französischsprechenden Landesteil zu. In der Waadt lernte er die Philosopie des bio-dynamischen Rebbaus kennen und war beeindruckt.

Beinahe hätte Ricardo Peñalba sich übrigens die theoretischen Weinbaukenntnisse in Changins (Weinfachhochschule nahe Lausanne) angeeignet. Schliesslich entschied er sich dann aber doch für Madrid, weil er, wie er lachend anfügte „ahnte, dass er dort die Frau seines Lebens kennenlernen würde“.

Die Idee liess ihn nicht mehr los, und als er wieder in die Finca eintrat war für ihn klar, dass dies der Weg sein müsste. Tatsächlich wurde Torremilanos im Jahr 2005 auf biologischen Rebbau umgestellt, seit 2011 auch offiziell anerkannt. Und ab dem Jahrgang 2015 dürfen sämtliche Weine der Finca stolz auch das Demeter-Logo, den Ausdruck für eine zerzifizierte bio-dynamische Arbeitsweise, tragen. Das Demeter-Label ist inzwischen übrigens nicht mehr „nur“ ein Ausweis für eine nachhaltige Bearbeitung der Reben, sondern auch ein Verkaufsargument – etwa in New York, so erzählt Ricardo, sei das sogar umsatzfördernd. Ricardo ist überzeugt, dass Bioweinbau die Zukunft darstellt; begeistert erwähnt er etwa das „organic-village“ Panzano in der Toscana oder das „Biodorf“ Correns in Südfrankreich (dort wo Angelina Jolie auch auf ihrem Weingut Miraval biologisch wirtschaften lässt) als erfolgreiche Vorreiter einer Weinzukunft in Einklang mit der Natur. Die Zahl der Biobetriebe nimmt überigens auch in Ribera del Duero zu, geschätzt seien es inzwischen 20 – 30 %. Und besonders gefreut hat Ricardo, dass am kürzlichen öffentlichen Produktionstag seiner bio-dynamischen Präparate (siehe anschliessend) auch mehrere Vertreter anderer Bodegas vorbeischauten.

Wenn Ricardo Peñalba von der Bio-Dynamie erzählt, verwendet es selbst, zwar ein bisschen augenzwinkernd, das Wort „Alchimie“. Wirklich erklärbar ist vieles nicht, aber dass es funktioniert, zeigt die Empirie. Selbst ein Verwandter, studierter Chemiker und Chemieunternehmer, liess sich davon überzeugen. Und natürlich erwähnt er auch noch renommiertere Vorzeigebetriebe, die erfolgreich bio-dynamisch arbeiten, etwa die Domaine de la Romanée Conti, Domaine Leflaive, Château Pontet Canet, Chapoutier oder Nicolas Joly auf der Coulée de Serrant.

Besonders wichtig sind die – auf der Finca selbst auf der Basis von Kompost hergestellten – Präparate zur Behandlung der Reben gegen Krankheiten, die unter diesem Link beschrieben sind:

https://www.torremilanos.com/en/biodynamic-vineyard-in-ribera-del-duero/

Dank dieser Präparate kann auf Torremilanos im Rebberg auf den Einsatz von Schwefel und Kupfer fast ganz verzichtet werden. Der Kupfereinsatz beschränkt sich auf die Hälfte der Fläche und beträgt nur 300 g/Hektar (zum Vergleich: erlaubt sind 3 Kg/ha). Hilfreich dabei ist freilich auch das Klima – tagsüber warm oder heiss, nachts kühl. Das mögen die Reben, nicht aber Pilzkrankheiten.

Überhaupt, das Klima: Aranda del Duero liegt auf rund 800 m Höhe, die Rebberge von Torremilanos erstrecken sich bis auf 900 m. Das fördert zwar die Qualität, hat aber auch seine Tücken. So sind immer mal wieder Frostschäden zu verzeichnen. Ricardo Peñalba sagt dazu: „wir sind das einzige Weinbaugebiet Europas, in dem man manchmal sogar im Juli Frost fürchten muss“.

Der Nimmermüde kann auch „vernünftig“ sein

Ricardo Peñalba sprüht vor Energie, und er hat, nicht nur für den eigenen Betrieb, viele Ideen oder schon fast Missionen. So ist er überzeugt, dass es der Gesellschaft als Ganzes besser ging, als noch mehr Wein getrunken wurde – ganz einfach deshalb, weil man das in geselliger Runde tat, während heute die Individualisierung zunimmt, was auch Vereinsamung heissen kann. Gerne möchte er, gerade in seinem Heimatland, mit dazu beitragen, den Weinkonsum wieder zu erhöhen. Trotz Rückgang des Konsums fürchtet er auch die Konkurrenz anderer Güter nicht – im Gegenteil, die tragen zur Pflege des Kulturgutes Wein bei.

Seine Frau, eine gelernte Apothekerin, scheint nicht weniger umtriebig zu sein, sie hat eine eigene Naturkosmetik-Linie geschaffen – „Cylco Viñaterapia“, auf der Basis von Reben und Trauben natürlich.

Der Ideen wären noch viele, die Familie Peñalba hat aber auch gemerkt, dass man nicht auf allen Hochzeiten tanzen kann, und dass die Familie (das Paar hat drei Kinder) nicht zu kurz kommen darf. Gewisse Ideen wurden deshalb auch verworfen oder zurückgestellt (etwa, auf der Finca wieder wie früher eigene Tiere zu halten).

Die Weine von Torremilanos

Wie aber schmecken sie nun, die Weine von Torremilanos? Ich beschreibe nachstehend die drei Weine, die Ricardo mitgebracht hatte. Auf der Finca werden freilich 17 verschiedene Typen hergestellt, darunter auch weisse und sogar ein Cava. Und gerade auf dem Heimmarkt sind auch süffige, preiswertere Tropfen gefragt. Denn natürlich ist Spanien selbst der wichtigste Absatzmarkt. Gleich dahinter kommt – nein, nicht die Schweiz (nur fast) – Sie würden es nie erraten: Mexiko!

Torremilanos Crianza, 2014

Aus 30-40-jährigen Reben, 95 % Tempranillo, 5 % Cabernet Sauvignon.

Dunkle Beeren, Wacholder, Vanille; gute Säure, feine Tannine, druckvoll, kräftig aber auch elegant.

Torre Albeniz, 2014 Reserva

Aus 60-jährigen Reben, hauptsächlich Tempranillo, dazu etwas Garnacha, Bobal und Tempranillo blanco. 29 Monate Holzreife.

Ebenfalls dunkle Beeren, prägnant Brombeere, etwas Schokolade, Thymian; Säure, feine Tannine und Süsskomplex in perfekter Ausgewogenheit – kräftig, fruchtig, aber kein „Dampfhammer“, sondern ein eleganter, sinnlicher, lang anhaltender Wein.

El roble viejo, 2014

Aus über 90-jährigen Reben in Einzellage, dem „Herzstück“ der Finca. Tempranillo und etwas Garnacha sowie Albillo major, 41 Monate Ausbau, nach der Crianza-Zeit teils weiter in Holz, teils in „Beton-Eiern“.

Extrem vielfältiges Bukett mit schwarzen Kirschen, Pflaumen, Gewürznelken, Schokolade; im Mund mit enormer Frische, feinen Tanninen, guter Säure. Auffallende Eleganz und unglaubliche Länge. Ein Traumwein (der allerdings auch seinen Preis hat …)

Echte Frische im Wein basiert nicht auf Säure, sondern auf Mineralität (Ricardo Peñalba)

Man hätte Ricardo noch lange zuhören mögen, zumal er auch auf Fragen immer sehr präzise antwortete. Nach dem Treffen ist mir nur eines aufgefallen: Er hat immer wieder von Boden und Terroir gesprochen, davon, dass er auf Qualität setzt und deshalb der Arbeit im Rebberg höchsten Wert beimisst. Bei der Umstellung auf Bio hat er selbst zuerst bei der Parzelle des „roble viejo“ begonnen, die Erde mit Pferden zu bearbeiten. Fast nie kam die Sprache auf die Kellerarbeit. Ich hätte nachfragen sollen, aber vermutlich ist das eben genau der Ausdruck dessen, dass guter Wein wirklich im Rebberg und nicht im Keller entsteht.

https://www.torremilanos.com/

https://www.moevenpick-wein.com/de/2014-torremilanos-crianza-ribera-del-duero-do-bio-finca-torremilanos-bodegas-penalba-lopez-bio.html

https://www.moevenpick-wein.com/de/2014-torre-albeniz-reserva-ribera-del-duero-do-bodegas-penalba-lopez-bio.html

https://www.moevenpick-wein.com/de/2014-el-roble-viejo-ribera-del-duero-do-finca-torremilanos-bodegas-penalba-lopez-bio.html


Hinweis:

Das Treffen mit Ricardo Peñalba fand auf Einladung von Mövenpick Weinkeller statt, vermutlich, weil ich schon früher über die Torremilanos-Crianza berichtet hatte.

https://victorswein.blog/2018/08/19/ribera-del-duero-auch-preiswert-kann-gut-sein/

Genau nach meinem Credo, „ich bin völlig unabhängig, schreibe nur zum Spass, und nur darüber, was  ich selbst gut finde“, vgl.

https://victorswein.blog/ueber/

wäre dieser Beitrag nicht entstanden, wenn mich Ricardo (und seine Weine) nicht so sehr begeistert hätte!