Der portugiesische Önologe Luís Lopes berät nicht nur einige absolute Spitzenweingüter, sondern produziert auch eine eigene Weinlinie. Und die heisst Moreish, was sinngemäss übersetzt bedeutet, «trinken und nach mehr verlangen»! Oder eben «süchtig werden». Die Weine tragen diesen Namen zurecht!
Von Luis Lopes war in meinem Blog schon zweimal die Rede. Er ist Chefönologe auf dem Weingut Domínio do Açor, einem Spitzengut, dessen Weine grandios ausfallen. Der zweite Beitrag betrifft Palacio Quemado, ein Gut aus der Extremadura, welches sich von Luís Lopes beraten lässt und tolle Weine präsentiert, obwohl sie preiswert sind. (Links zu den zwei Beiträgen siehe ganz unten)
Luís Lopes stammt aus einer portugiesischen Winzerfamilie und hat nach seiner Ausbildung zum Oenologen Erfahrungen im Burgund bei Comtes Lafon, in Neuseeland bei Martinborough Vineyards sowie in Deutschland bei Gunderloch gesammelt. Seit seiner Rückkehr nach Portugal verantwortete bzw. verantwortet er die Weinproduktion bei so renommierten Projekten wie Quinta da Pellada, António Madeira – und eben als Chefönologe bei Domínio de Açor.
Eigentlich ein „Wein-Nomadenprojekt“
Im Jahr 2013 lancierte er seine private Weinlinie Moreish. Er verarbeitet kleine Mengen ausgewählter Trauben aus verschiedenen portugiesischen Lagen (und einer spanischen). Dabei arbeitet Luís Lopes eng mit befreundeten Winzern zusammen und wählt jedes Jahr sorgfältig Parzellen aus, die ihn qualitativ überzeugen.
Im Mittelpunkt stehen charaktervolle Weinberge mit alten Rebstöcken und niedrigen Erträgen. Seine Weine sollen nicht einem festen Stil folgen, sondern den jeweiligen Jahrgang, die Rebsorte und das Terroir möglichst unverfälscht widerspiegeln. Da seine Weine also nicht immer aus den gleichen Lagen stammen, kann man im positiven Sinn sozusagen von einem «Nomaden-Weinprojekt» sprechen.
Luís Lopez: gefühlvoller Perfektionist

Bei der Vinifikation lässt sich Luís Lopes von den gleichen Grundsätzen leiten wie beim Weingut Domínio de Açor. Dazu hatte ich im entsprechenden Beitrag geschrieben:
«Wenn man Luís Lopes Ausführungen lauscht ist das nicht nur eine spannende Lehrstunde in Oenologie, sondern auch die Erkenntnis, dass hier ein absoluter Perfektionist am Werk ist – aber kein Technokrat, sondern ein Weinmacher mit Forschergeist und Gefühl. Und einer, der die Natur grundsätzlich selbst machen lässt. So wird auf den Wildhefen vergoren und Schwefel sieht der Wein erstmals am Ende des Hefelagers. Zudem wird nicht filtriert – zwei Winter im Keller stabilisieren den Wein genügend. Trotzdem ist sein Credo, dass Weinmachen nicht einfach den Wein machen lassen, sondern im richtigen Zeitpunkt intervenieren heisst. Wobei intervenieren bei Luís Lopes nicht den Einsatz von Hilfsmitteln bedeutet, sondern den Wein beobachten und ihn etwa im richtigen Zeitpunkt von der Maische zu nehmen oder umzuziehen. Kein Jahr ist wie das andere, und kein Wein entwickelt sich immer gleich.»

Tatsächlich scheint mir, dass er dieses Credo bei seinen eigenen Weinen noch konsequenter durchzieht. Die beiden weissen Weine, die ich probiert habe, zeigen sehr viel Frische und Mineralität, eine ungemein elegante Art mit dichter, aber feiner Textur. Die Frucht steht eher im Hintergrund, und die Weine mögen deshalb wohl nicht jedermanns Sache sein. Ich selbst finde sie grandios – vielleicht nicht ganz so hochklassig wie die Lagenweine, die Lopes bei Domínio de Açor hervorbringt, dafür auch eine Preisklasse tiefer.
Der Rayas der Extramedura!
Anders der Rotwein Común: Zwar steht auch hier Eleganz, Frische und Mineralität im Vordergrund, doch beim degustierten Común 2021 ist auch ganz viel feine Frucht von fast burgundischem Zuschnitt im Spiel. Und von wegen Frankreich: Craig Perman von Le Midi Wine nennt den Común in einem Artikel den «Rayas aus der Extremadura» (Link siehe unten). Ich halte diesen Vergleich für durchaus stichhaltig, zumal es sich beim Común ebenfalls um einen reinen Grenache (sorry: Garnacha) handelt, zu dem die Trauben übrigens vom bereits erwähnten Gut Palacio Quemado stammen.
Moreish: Der Name ist Programm – man könnte süchtig werden!
Den Namen seiner Weine erklärt Luís Lopes selbst mit der portugiesischen Redewendung „de beber e chorar por mais“ – sinngemäss „trinken und nach mehr verlangen“. Aber gleich süchtig werden – wenn man das Wort streng aus dem Englischen entnimmt – muss man ja trotzdem nicht, auch wenn die Weine so gut sind, dass man es verstehen könnte!
Eigenwerbung braucht Luís Lopes nicht.
Eine eigene Homepage betreibt Luís Lopes übrigens nicht, weder für sich selbst noch für seine Moreish-Weine. Seine Arbeit und seine Weine sprechen und werben ja auch für sich selbst. Immerhin hat Luís einen Facebook-Account: https://www.facebook.com/luismoreishlopes
Degustationsnotizen:
Moreish Monte 2022
Mittleres Zitronengelb; zuerst leicht reduktiv, dann dezente Düfte nach Agrumen, Stachelbeeren und Aprikosen, auch florale und erdige Anklänge; im Mund ausgesprochen frisch, mineralisch, schöne, sehr gut eingebundene Säure, mittlerer Körper, sehr langer, mineralischer und auch fruchtig-saftiger und ganz am Schluss schlanker Abgang. Schöner Wein, der sich mit jeder Minute im Glas noch mehr öffnet (dekantieren empfehlenswert). 17,5 Punkte.

Moreish Branco 2022
Mittleres Gelb, man sieht, dass der Wein nicht filtriert ist; direkt nach der Öffung der Flasche mit etwas „Naturwein-Touch“, mit etwas Luft dann unglaubliche Duftvielfalt: Orangenzeste, Aprikose, Rosenblüte, reife Korianderkörner, dabei schon in der Nase sehr frisch wirkend; im Mund sehr dicht, viel Frische und Mineralik, eher dezente, aber doch prägende Säure, sehr rund fliessend, enorm langer Abgang. Ein Wein, bei dem jeder Schluck nach dem nächsten ruft (Moreish eben!). Grossartig, aber aufgrund der Stilistk vielleicht nicht nach jedermanns Geschmack. 18 Punkte.

Moreish Común 2021
Mittleres, glänzendes Rubin; ausgeprägt und breitfächrig rot fruchtbetont, sehr intensiver Himbeerduft, der an Pinot erinnert, auch etwas mineralische Note; im Mund im Antrunk zuerst auch ausgesprochen, fast etwas verwirrend. mit Himbeertouch, dahinter mineralisch und ungemein elegant, sehr feine Tannine, schön saftige Säure, feurig im sehr langen Abgang. Ein ungemein feiner Wein mit Tiefgang. 17.5 Punkte.
Links
Bezugsquelle Deutschland:
https://www.maitrephilippe.de/search?q=moreish&options%5Bprefix%5D=last
Die erwähnten Beiträge in meinem Blog:
Quelle zur Aussage «Rayas der Extremadura»:
https://www.lemidiwine.com/wine-notes/wine-club-december-2024-4?utm_source=chatgpt.com
Interessennachweis:
Ich habe Luís Lopes bei einer Präsentation im Jahr 2025 in Zürich kennengelernt und bin seither begeistert von ihm. Die Weine wurden käuflich erworben.