Man könnte ohne zu übertreiben auch sagen: Die Weine von La Brande sind sensationell gut! Die Familie Todeschini hat nicht nur Château Mangot an die Spitze von Saint-Emilion gebracht, sondern zeigt auch, dass in einem unbekannteren Gebiet grossartige Weine kreiert werden können! Hut ab vor dieser Familie!
Vor etwas über zwei Jahren hatte ich in einem Beitrag über Château Mangot, den neuen Star am Weinhimmel von Saint-Emilion berichtet (Link ganz unten) und dabei versprochen, mich auch mit dem zweiten Weingut der Besitzerfamilie Todeschini zu beschäftigen, Château La Brande.
Wenig bekannte Appellation – grosser Wein!
Wie schon damals vermutet, hat es sich gelohnt! Ich habe vier Jahrgänge des Gutes degustiert (und danach genossen!), und alle überzeugten sehr. Dabei stammen sie nicht aus einer der grossen und bekannten Gegenden von Bordeaux, sondern aus der Appellation Castillon Côtes de Bordeaux. Und das tönt bei den meisten Bordeaux-Freaks natürlich nicht so nobel wie beispielsweise Saint-Emilion.

Dabei liegt Château La Brande nur rund 6 Kilometer Luftlinie von Château Mangot entfernt, also sehr nahe an der Grenze zur Appellation Saint-Emilion. Natürlich sind solche Hinweise oft vor allem Verkaufsargumente des Weinhandels. Und tatsächlich unterscheiden sich die Böden der beiden Güter der Familie Todeschini deutlich. Während Mangot von den gleichen kalkhaltigen Böden, wie sie an den Hängen bei der Ortschaft Saint-Emilion vorkommen profitiert, enthalten jene von La Brande zwar auch Kalk, sind aber tonhaltiger und von Silex durchzogen (Quelle: Homepage des Gutes).

Biodynamisch – und doppelt bio zertifiziert.
La Brande ist 21 Hektar gross, davon sind 16 Hektar mit Reben bepflanzt, ein Grossteil davon ist von Wald umgeben, siehe Bild oben. Der Sortenspiegel zeigt ein Schwergewicht auf Merlot (ca. 60 %), und wie in dieser Region üblich, Cabernet Franc (ca. 30 %). Ergänzend werden Cabernet Sauvignon, Petit Verdot und Malbec (und etwas weisse Trauben) angepflanzt, wobei sich der Sortenspiegel im fertigen Wein von Jahr zu Jahr natgurgemäss etwas unterscheidet.
Wie Château Mangot wird auch Château La Brande von den Brüdern Karl und Yann Todeschini geführt, und wie bei Mangot lassen sie sich bei der Weinherstellung vom Oenologen Thomas Duclot beraten, welcher zu den angesehensten in Bordeaux gehört und der für einen frischen und eleganten Weinstil steht (vgl. dazu auch den schon erwähnten Beitrag über Château Mangot). Ebenso wichtig dürfte der Umstand sein, dass La Brande nach biodynamischen Grundsätzen bewirtschaftet wird. Die Flaschen tragen übrigens gleich zwei Labels, einerseits das Bio-Zeichen AB – Agriculture biologique, andererseits das Biodyvin-Zeichen (ab Jahrgang 2023, vorher „in Umstellung“)

Begeisternde Weine – und 18 Punkte für den Jahrgang 2023!
Der Stil von La Brande lässt die „Verwandtschaft“ mit Mangot durchblicken, ist aber doch auch eigenständig. Die Jahrgänge 2020 und 2022 fallen vergleichsweise „üppig“ aus (sind aber trotzdem elegant nach dem Todeschini- bzw. Duclot-Muster). 2021, das überrascht natürlich nicht, ist deutlich filigraner und „kühler“, begeistert mich persönlich aber mit seiner Finesse und Feinheit. Alle sind sehr empfehlenswert, welcher Jahrgang gewählt wird, hängt auch von den persönlichen Präferenzen ab.
Und dann 2023: Das ist schlicht und einfach ein grandioser Wein, sozusagen die Quintessenz aus den Jahrgängen 2020 bis 2022. Diese Tiefe, diese „Lebendigkeit“, diese Frische und auch diese Kraft – das ist ganz grosses Kino, und da dürfte manch ein Saint-Emilion hinten anstehen müssen! Für mich sind das 18 Punkte!
Ich bin mir bewusst, dass ich den La Brande 2023 damit gleich hoch bewerte wie seinerzeit Château Mangot 2019. Der La Brande 2023 ist einfach ein Wurf! Anzufügen ist lediglich, dass ich Mangot 2019 etwa ein Jahr später ebenfalls blind mit 18,5 bewertet hatte. So gesehen bleiben die Relationen gewahrt, zumal die Kritiker die jüngeren Jahrgänge von Mangot auch noch höher bewerten (Yves Beck etwa gibt dem Mangot 2025 96-98 Punkte, Adrian van Velsen 95-97!). Ich hatte übrigens den 2019er von Mangot neben den La Brande geöffnet. Tatsächlich weist er noch etwas mehr Finesse und Tiefe auf – aber die La Brande fallen überhaupt nicht ab.
Etwas für Schnäppchenjäger – und natürlich für Kenner!
Und nun bleibt noch das Finale: Die Weine sind gemessen an der Qualität geradezu ein Schnäppchen. Sie kosten, je nach Jahrgang, für Privatkunden ab Gut zwischen 15 und 16 Euro (der 2023 ist direkt ab Gut noch nicht auf dem Markt).
Weinhändler (Vertretung) in der Schweiz gesucht
Die Familie Todeschini sucht übrigens noch eine offizielle Vertretung für dieses Gut in der Schweiz. Wer sich als Händler diese Chance entgehen lässt, ist wirklich selbst schuld (Kontakt einfach via Homepage aufnehmen – oder Anfrage an mich, ich gebe gerne die direkte E-Mail-Adresse von Yann bekannt).
Nachtrag: Yann Todeschini hat mich eben darauf aufmerksam gemacht, dass der Jahrgang 2022 inzwischen in der Schweiz erhältlich ist:
https://www.daniel-vins.ch/fr/chateau-la-brande-by-ch-mangot-2022-14663.html
Deugstationsnotizen:

Château La Brande, 2020
Dunkles, fast undurchdringliches Purpur, üppige Fruchtdüfte, vor allem auf der dunklen Seite (Brombeeren, Cassis, Jostabeere, Dörrpflaume, aber auch frische Noten nach roten Johannisbeeren), würzige Anflüge, etwas Leder; im Mund sehr füllig, dicht und rund, recht viel, feines, aber leicht trocknendes Tannin, schöne Säure, frisch, fruchtbetont, langer, fruchtiger Abgang. 17 Punkte.
Château La Brande, 2021
Mittleres Rubin; eher zurückhaltende, aber sehr feine Nase mit floralem Touch, auch Frucht in Richtung Waldhimbeeren und Aprikose; sehr elegant, obwohl im Antrunk eher filigran wirkend, entfaltet der Wein im Mund sehr viel Druck, feines, vielleicht etwas „grünliches“ Tannin, viel Frische und sehr saftige, recht prägende Säure, äussert fruchtig, viel Finesse. Langer, filigraner Abgang. 17 Punkte.
Château La Brande, 2022
Mittleres Purpur; kräftiger Duft nach dunklen Beeren (Brombeere, dunkle Pflaume), dazu würzig (u.a. Lorbeer und Nelken); im Mund sehr kräftig und zupackend, recht viel mittelfeines, nicht trocknendes Tannin, spürbare, den Wein sehr gut stützende Säure, trotz aller Kraft auch mit einer gewissen Eleganz, langer Abgang. 17 Punkte.
Château La Brande, 2023
Mittleres Rot-Purpur; sehr feine Nase mit sowohl heller (Johannisbeere, Himbeere) als auch dunkler (Cassis, Blaubeere) Frucht, dazu balsamische Noten, etwas Zedernduft, Anflug von Tabak; im Mund mit unglaublicher Frische von A-Z, sehr elegant, dabei aber auch dicht und kraftvoll, sehr feine Tannine, gut stützende, saftige Säure, fruchtige Komponente auch im Mund, langer Abgang. Ein grosser Wurf! 18 Punkte!
Links:
Château Mangot Saint Emilion Grand Cru Classé – Château La Brande
Mein früherer, oben erwähnter Beitrag über Châteu Mangot:
Château Mangot, Saint-Émilion: Ganz rational zu einem emotional berührenden Weinerlebnis! – Victor’s Weinblog
Interessennachweis: Die Weine wurden käuflich erworben.