Rueda – die autochthone Verdejo-Traube als echter Trumpf.

Die Verdejo soll schon seit dem 11. Jahrhundert in Rueda angebaut worden sein, war aber im letzten Jahrhundert beinahe ausgestorben. Heute belegt sie den überwiegenden Teil der Rebfläche und bringt wunderschöne und abwechslungsreiche Weine hervor. Ein Gebiet und ein Wein zum Entdecken!

Wer meinen Blog schon länger abonniert hat weiss, dass mich Unbekanntes immer wieder besonders reizt. Genau da liegt für mich einer der Schlüssel zu schönen Weinerlebnissen: Weine, Rebsorten und Anbaugebiete kennenlernen, die bisher wenig bis nicht bekannt waren. Nun ist die spanische DO Rueda zwar nicht gerade unbekannt, aber hierzulande sind die Weine kaum um die Ecke zu finden. Eine grobe Suche ergab, dass wohl nur 30-40 Händler Weine aus Rueda im Angebot führen (Quelle: ChatGPT).

Masterclass von Vinum

Ich selbst hatte zwar immer mal wieder Verdejos aus dem Gebiet im Glas und auch schon gekauft. Aber ich bin weit weg davon, das Gebiet und seine Tropfen zu kennen. So gab es kein Zögern, der Einladung von Vinum zu einer Masterclass «Rueda – Charakter und Reife entdecken» zu folgen.

Kenner der Gegend als Präsentator: Vinum-Redaktor Miguel Zamorano

Der Anlass war tatsächlich spannend. Vinum-Redaktor Miguel Zamorano, der eben erst einen Beitrag über Rueda-Weine publiziert hatte und augenscheinlich einen guten Überblick hat, führte professionell durch eine Degustation von zehn Weissweinen, davon acht aus der autochthonen Sorte Verdejo.

Kontinentalklima mitten in Spanien

Zuerst aber zum Anbaugebiet: Rueda liegt nordwestlich von Madrid in der Region Castilla y León, weit gehend südlich des Duero in den Provinzen Valladolid und Segovia (und ganz wenig in Ávila). Seit 1980 verfügt Rueda über die DO für Weissweine, aber erst seit 2008 auch für Rosé- und Rotweine. Schon daran ist erkennbar, dass Rueda ein Weissweinparadies ist.

Das Klima ist trotz der breitengradmässig eigentlich mediterranen Lage kontinental mit heissen, trockenen Sommern, kalten Wintern und grossen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht. Diese Bedingungen werden u.A. durch die Höhenlage von 700 bis 870 Meter über Meer geschaffen.

Die Böden bestehen überwiegend aus Kies, Sand und Kalkstein mit lehmigen Unterböden. Sie sind nährstoffarm und gut durchlässig, wodurch die Reben tief wurzeln, was bei einer jährlichen Regenmenge von nur 300 bis 500 Litern und 2600 Sonnenstunden auch notwendig ist. (Quelle: Broschüre der DO Rueda).

Verdejo Superstar – schon rund 1000 Jahre alt, aber vor 80 Jahren fast ausgestorben.

Die wichtigste Rebsorte ist die Verdejo, die praktisch nur im Rueda angebaut wird, bei der man davon ausgeht, dass sie hier schon im 11. Jahrhundert kultiviert wurde. Diese autochthone Sorte wäre im vorigen Jahrhundert beinahe ausgestorben, hätte nicht der Winzer Ángel Rodríguez Vidal von der Bodega Martinsancho an deren Qualität geglaubt und die Sorte erhalten (Quelle: Wikipedia). Heute stellt sie den grössten Trumpf von Rueda dar. Sie liefert sehr gute Qualität und ist in der Vinifikation auch sehr wandelbar.

Zwar spielen auch einige andere Rebsorten eine gewisse Rolle, aber von den rund 20’700 Hektar Rebfläche sind deren 17’500 mit Verdejo bestockt. 1500 Hektar gehören der Sauvignon Blanc, zusammen 1000 der Viura und Palomino und nur gerade 700 sind mit roten Trauben bepflanzt.

Gehaltvoll erfrischend, vor allem, wenn man auf die heissen Strassen von Zürich blickt!

Hohes Qualitätsniveau auch bei preiswerten Weinen.

Die Degustation und die anschliessende freie Verkostung weiterer Weine hat ein sehr hohes Qualitätsniveau gezeigt und in der Form des Montepedroso Enoteca 2020 auch den Beweis erbracht, dass Verdejo sehr gut altern kann. Diesen Wein muss man allerdings auch schon als recht teuer bezeichnen, neuere Jahrgänge kosten knapp 40 Euro ab Gut. Die anderen nachstehend beschriebenen Verdejos sind dafür auch preislich sehr angenehm, der Biowein der Viñedos Shaya ist mit CHF 11.50 Verkaufspreis in der Schweiz geradezu ein Schnäppchen.

Noch ein kleines Wort zu den Sauvignon Blanc: Auch da gab es durchaus schöne Exemplare, nebst dem unten beschriebenen von Vinos Sanz konnte auch jener von Marqués de Cáceres mit 16 Punkten (und einem Verkaufspreis von CHF 11.50) durchaus gefallen. Bloss: Sauvignons in dieser Qualitätsstufe und zu diesem Preis gibt es aus der ganzen Welt zuhauf. Was Rueda wirklich einzigartig und sehr bemerkenswert macht, sind die Verdejos, und die sind mehr als eine Entdeckung wert.

Kurznotizen der Weine, die mich am meisten überzeugt haben:

Dazu ist anzumerken, dass alle Weine ein wirklich gutes Niveau erreichten. Im Anschluss an die Masterclass standen auch noch viele zusätzliche Weine zur Degustation bereit, welche das sehr gute Bild bestätigten – auch hier wieder die Verdejos jeder Machart ganz besonders. Aufgrund eines Nachfolgetermins fehlte mir leider die Zeit für ausführliche Notizen. Hier deshalb nur drei Namen, die mir besonders aufgefallen sind: José Pariente, Finca La Comas 2022; Viñas Murillo, Chapirete Pre-Philoxerico 2024 und Bodegas Pandora, Pandra 2023 (bio).

Fruchtig, süffig, aber auch gehaltvoll: In Preis-/Leistung nicht zu schlagen. Der Verdejo von Viñedos Shaya.

Verdejo

Bodegas Finca Montepedroso, Montepedrosa Enoteca 2020 (14 Monate im Betonei)
Feine, vielschichtige, zitrusbetonte Frucht, schöner Trinkfluss, recht füllig, feine, saftige Säure, leichter, passender Bittertouch. Schöner Wein. 17 Punkte

Bodega Valdecuevas, Valdecuevas Verdejo 2024 (3 Monate Hefelager)
Schöne Zitrusfrucht, unterlegt durch etwas Fenchel; im Mund „salzig“, frisch und mineralisch, schöne Dichte, im langen Abgang fruchtbetont. 17 Punkte.

José Pariente, José Pariente Verdejo 2024 (15 Monat Hefelager)
Feine Frucht mit Schwergewicht weisse Steinfrüchte, etwas Steinmehl, auch florale und grüne Töne; dichter Körper, mineralisch, saftig, gut eingebundene Säure, langer Abgang. 17 Punkte.

Bodegas y Viñedos Shaya, Shaya Verdejo ecologico 2023
Sehr fruchtbetont (Zitrus, weisser Pfirsich und Aprikose), schöne, saftige Säure, viel Trinkfluss, fruchtbetont, macht Spass. 17 Punkte.

Sauvignon Blanc

Vinos Sanz, Finca la Collina, Sauvignon Blanc 2025 (4 Monate Hefelager mit Bãtonnage)
Typischer Sauvignon-Duft (Stachelbeere, etwas exotische Früchte); Im Mund frisch, eher schlank, saftige Säure, feinfruchtiger Abgang. 16,5 Punkte.

Links

Weine mit Degustationsnotiz:
Finca Montepedroso | Familia Martínez Bujanda
Valdecuevas – Bodega familiar con viñedo propio
Bodegas José Pariente | D.O. Rueda. | Pasión por el vino
Gil Family Estates (Shaya)
Vinos – Vinos Sanz

Weine, die nur im Text erwähnt sind (José Pariente siehe vorstehend)
Blancos de variedad verdejo con D.O. Rueda | Vinos Chapirete
Wines – Pandora

Und zum erwähnten Artikel (Advertorial) in Vinum:
Rueda in 24 Weinen | Advertorial | VINUM


Interessennachweis:
Die Degustation erfolgt im Juni 2026 auf Einladung von Vinum in Zürich.

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