Ungerberg 2012 von Paul Achs: Blaufränkisch vom Feinsten!

Eigentlich ist es erstaunlich, dass die wunderbare Sorte Blaufränkisch nicht viel weiter verbreitet ist. Der Vergleich mag gewagt sein, aber diese Rebsorte vereint die Eleganz eines Pinot noir mit der Tiefe eines Cabernet Sauvignon. Und wenn der Wein vom Ungerberg kommt und vom bio-dynamisch arbeitenden Winzer Paul Achs stammt, dann wird er fast unwiderstehlich!

Der Ungerberg, wobei „Berg“ eigentlich masslos übertrieben ist. Aber aufgrund der Bodenbeschaffenheit ist es eine der besten Lagen am Neusiedlersee (im Hintergrund). Foto: Download ab Homepage von Paul Achs.

Paul Achs leitet sein Weingut seit fast 30 Jahren, und er hat es in dieser Zeit geschafft, den Familienbetrieb zu einem der besten in ganz Oesterreich zu wandeln. Zweifellos spielt dabei eine wichtige Rolle, dass er seit 2006 (zertifiziert) nach bio-dynamischen Grundsätzen arbeitet. „Leben und leben lassen“ steht dazu auf seiner Homepage, und besser kann man das Prinzip in ein paar wenigen Worten wohl kaum ausdrücken.

Auf rund 25 Hektar Land rund um Gols im Burgenland produziert Paul Achs eine Vielzahl von Weinen – auch einfache Alltagsweine, wobei ich noch nie einen im Glas hatte, der nicht auf seine Art fasziniert hätte. Die allerbesten Weine für mich sind aber seine Lagen-Blaufränkisch, und hier als „primus inter pares“ der Ungerberg. Wie auf der Foto ersichtlich, handelt es sich eher um eine leicht nach Süd-Südwest geneigte, perfekte Lage mit sanfter Steigung, die mit Kalk und im Untergrund einer Eisenschicht den idealen Boden bietet.

Eigentlich kann man diesen Wein schon in der Jugend genussvoll trinken, aber er ist dann noch recht ungehobelt tanninbetont und auch ein bisschen unausgewogen stürmisch. Nun habe ich einen 8-jährigen Wein (2012) aus dem Keller geholt. Dieser befindet sich in der ersten wirklich genussvollen Trinkreife, dürfte aber in 3-4 Jahren sogar noch ausgewogener sein:

Dunkles Rubin mit violetten Tönen, noch sehr jugendlich wirkend. In der Nase dunkle Beerenfrucht, Pflaumen, Sultaninen, Thymian. Im Mund saftig, enorm viele, äusserst feine Tannine, spürbare, aber gut integrierte Säure, Alkohol trotz 13,5 % kaum spürbar, enorme Finesse und Eleganz, langer Abgang, wirkt noch jugendlich und hat Potential für die nächsten Jahre. Klassewein!

Ich habe Paul Achs nun schon an mehreren Anlässen persönlich angetroffen. Was auffällt: Er ist eher zurückhaltend, bescheiden, aber wenn man mit ihm spricht ist er enorm präsent und überzeugend. Und fast immer hat er dieses sympathische, positive Lachen auf dem Gesicht. Es gibt auf seiner Homepage diverse Bilder von ihm zum Herunterladen, aber dieses hier scheint mir Paul Achs am besten zu zeigen:

Paul Achs: Dieses ansteckende, fröhliche und offene Lachen! (Foto Roland Unger, Download ab Homepage von Paul Achs.

http://www.paul-achs.com

Bezugsquellen jüngerer Weine:
http://www.gerstl.ch
http://www.ritter-weine.li
Weitere Bezugsquellen, insbesondere auch in Deutschland, siehe auf der Homepage von Paul Achs


Weinlese – „Wümmet“ – am 19.9.2020: Noch nie so früh im Jahr. Aber so schön, trotz Wespen.

Für einmal vor lauter Freude in eigener Sache: Seit 33 Jahren pflege ich nun meinen eigenen kleinen Rebberg. In den ersten Jahren war es üblich, die Trauben ab dem 20. Oktober lesen zu können, der späteste Termin unseres Wümmet war der 1. November bei 4°. Und nun kommt 2020 ein neuer Rekord nach vorne: Weinlese am 19. September bei 27°!

2020 war wirklich ein spezielles Jahr, und wer noch nicht an den Klimawandel glaubt, könnte sich so langsam mit dem Gedanken befassen! Dabei war der Austrieb der Reben nicht einmal so früh, und es war auch kein aussergewöhnliches Hitzejahr. Aber es war einfach immer warm, und, obwohl es sehr trocken war, auch immer im für die Reben gerade richtigen Moment doch wieder mal mit Regen gesegnet. Einzig nicht so passend war die Blüte, da regnete es oft, was zu einem leichten „Verrieseln“ der Trauben führte.

Es war auch das erste Jahr, in dem ich allein für die 4 Aaren Reben verantwortlich war. Ich schätzte die neue Freiheit sehr und nutzte sie, um eine seit Langem erwünschte rigorose Ertragsbeschränkung vorzunehmen. In fünf Durchgängen von Ende Juni bis Ende August entfernte ich zurückgebliebene Trauben, und schliesslich konnte ich einen Ertrag ernten, der nicht einmal halb so gross war wie früher – obwohl wir auch zuvor nach gängigen Massstäben nie hohe Mengen einfuhren.

Massiv reduzierter Ertrag für hohe Qualität.
Ich erntete 60 Kg auf 400 m2 bzw. ca. 330 g pro Stock.

Ich gehe davon aus und hoffe, dass sich dies auch in der Qualität des Weins niederschlagen wird, auch wenn ich in diesem Jahr aus den Blauburgunder-Trauben „nur“ einen Blanc de Noirs herstellen lasse. Eigenen Rotwein habe ich noch zur Genüge (man will ja nicht immer nur den gleichen Wein trinken ….)

Die Ernte war auch deshalb speziell, weil es an diesem 19. September 2020 27° warm wurde. Erstmals überhaupt begann ich deshalb schon am frühen Morgen mit der Ernte (normalerweise muss man die Sonne abwarten, damit sie die Feuchtigkeit des Nebels trocknet). Diesmal war es anders, denn zu hohe Temperaturen tun dem Traubengut nicht gut. Das Timing war perfekt, kurz nach Mittag war die Ernte beendet, und genau da schaffte es die Sonne durch den Hochnebel.

Das wunderbare Herbstwetter der letzten Wochen erlaubte es aber auch, absolut gesunde Trauben ohne jegliche Fäulnis zu ernten – ein Traum für unsere Breitengrade! Trotzdem war die Lese herausfordernd: Die Wespen hatten auch Freude am guten Wetter und leider auch an den Traubenbeeren. Es gab fast keine Traube, die nicht ein oder mehrere angefressene Beere(n) aufwies. Und so war die Lesearbeit doppelt sinnlich: Jede Traube musste begutachtet und angefressene Beeren entfernt werden, weil sonst unerwünsche Essig-Bakterien in den Wein gelangten könnten. Dabei spielt natürlich das Auge eine wichtige Rolle, aber ebenso die Finger, welche mit einem Abtasten der Trauben so manche ausgehöhlte Beere spüren, die von blossem Auge unentdeckt bliebe.

Ganze Arbeit der Wespen: Eine Beere ist völlig ausgehöhlt!

Kurzum: Die Ernte 2020: Friedlich, stresslos, sinnlich! Einfach ein tolles Erlebnis. Wenn da nur nicht die Frage wäre, was mit dem Klima und uns passiert.

Chasse-Spleen: weiss vor rot? Zumindest spannender!

Château Chasse-Spleen, ein bekannter Cru Bourgeois, stellt auch einen weissen Bordeaux her, der sehr gefällt und der durchaus mehr als nur rund 3 % der Produktionsmenge ausmachen dürfte.

Chasse-Spleen – Verteiber der Schwermut*! In meinem Fall könnte man auch sagen, „der Weisse von Chasse-Spleen, Vertreiber des Vorurteils“. Früher, und das heisst in meinem Fall vor 30 Jahren, gehörte das damals von Bernadette Villars geführte Gut zu meinen Lieblingsweinen, von den ganz Grossen einmal abgesehen. Irgendwann fand ich aber, das Château sei im Vergleich mit anderen ein wenig stehen geblieben, und der Wein fand seit dem Jahrgang 2004 keinen Eingang mehr in meinen Keller.

Kürzlich habe ich – einfach aus Neugierde, weil ich den Wein nicht kannte – nun den Weisswein des Châteaux probiert – und ich war begeistert!

Mittleres Gelb, Duft nach weissem Pfirsich, Quitten und Verveine, frisch gemähtes Gras, dezenter, feiner Holzton. Im Mund sehr ausgeglichen, gut eingebundene Säure, frisch, leicher Bitter- und Holzton, kaum spürbarer Alkohol. Sehr langer Abgang. Toller Wein, der auch noch gut reifen dürfte.

Weisswein wird auf Chasse-Spleen schon seit anfangs der 1990-er Jahren produziert, damals wurden rund 2 Hektar mit 65 % Semillon und 35 % Sauvignon blanc bepflanzt. Das Château schreibt selbst auf der Homepage, dass keine Erfahrung mit Weisswein vorhanden war, und dass es Mut brauchte, auf einem „roten“ Terroir, das roter gar nicht sein könnte, auch Weisswein anzubauen. Noch heute sind im Médoc die Weissen äusserst rar (aber fast immer sehr gut, ich denke da nicht nur an Pavillon blanc oder Cos, sondern auch an bezahlbare Gewächse wie etwa Cygne de Fonréaux, vgl. hier:
https://victorswein.blog/2020/02/22/mein-lieber-schwan-le-cygne-weisser-bordeaux-vom-feinsten/
oder du Retout).
Anfangs wurde der Wein nicht vermarktet, sondern auschliesslich in der Familie und von Angestellten genossen. 1995 wurde er erstmals kommerzialisiert, aber noch heute stehen 15’000 produzierte Flaschen rund 500’000 rotem Chasse-Spleen gegenüber. Bloss: Der Weisse kann wirklich überzeugen, das Gut schreibt dazu selbst:
Puis, notre travail et la signature Chasse-Spleen persuadèrent, peu à peu, un nombre croissant d’aficionados. Aujourd’hui, nous affirmons nos techniques, nos aptitudes à la dégustation le long du processus de la plante au vin, et Blanc de Chasse-Spleen tutoie de plus en plus les meilleurs vins blancs bordelais.
Dem ist nichts beizufügen!

Blanc ou rouge? Der Weisse hebt sich zumindest mehr von allen anderen ab!

Das schöne Erlebnis mit dem Weissen hat mich dazu bewogen, noch am gleichen Abend eine der letzten Flaschen an rotem Chasse-Spleen aus dem Keller zu holen, die mir noch bleiben. 2004 war kein Ausnahmejahr, aber der Wein gefiel mir auch, ja, ich war positiv überrascht:

Gereiftes, aber noch präsentes Purpur mit leichten Braunreflexen; in der Nase Leder, Tabak und Dörrpflaumen sowie immer noch etwas Brombeer; im Mund an sich ausgeglichen und rund, allerdings mit einigen Grüntönen und ein klein wenig spröd wirkend. Trotzdem, ein schöner Wein und ein echter Trinkgenuss!

Rot oder Weiss? Die Frage ist aufgrund der beiden verkosteten Jahrgänge natürlich nicht seriös zu beantworten. Trotzdem: Der Weisse von Chasse-Spleen steht bei mir in Zukunft definitiv auf der Einkaufsliste, den Roten werde ich wieder besser verfolgen.

http://www.chasse-spleen.com/#!/home
Der weisse Chasse-Spleen ist trotz kleiner Produktion bei diversen Händlern erhältlich, ich selbst habe ihn ausgerechnet beim „Italiener“ als Einzelflasche zu einer „italienischen“ Bestellung dazu gekauft: https://www.bindella.ch/de/p/weissweine/france/bordeaux/blanc-de-chasse-spleen-16840.html

* nach „Hubrecht Duijker, die guten Weine von Bordeaux“, Müller Verlag, 1980, erhielt das Gut demnach seinen Namen von Lord Byron, der den Aufenthalt 1821 so angenehm fand, dass seine Schwermut vertrieben wurde.
Se non e vero, e ben trovato.

Wenn ein Nebbiolo del Langhe mehr Freude macht als …

Das Piemont hat abseits von Barolo und Barbaresco immer wieder wunderschöne Entdeckungen bereit. Ein tolles Beispiel ist der Nebbiolo del Langhe Roccardo von Rocche Costamagna, ein Wein, der zwar nicht zu den Grossen zählt, aber in seiner unkapriziösen Art ungemein gefällt.

Klar, man kann wie ich kürzlich, auch mal im Supermarkt dem Irrtum verfallen, ein grosser Produzenten-Name und die Aufschrift „Barolo“ garantiere für ein schönes Trinkerlebnis, auch wenn der Preis mit knapp über CHF 30.00 „tief“ erscheint. Oder man kann, wie ebenfalls ich kürzlich, sich von einem seriösen Weinhändler beraten lassen und mit einem einfachen Nebbiolo für CHF 22.00 aus dem Piemont nach Hause kommen.

Das erste erwähnte Weingut, das wir hier aber gleich wieder vergessen, hat ein grosses Renommée und steht mit Baroli’s aus der Lage Bussia oder mit einem Barbaresco Bric Turot recht weit oben auf der Hitliste der besten Weine aus der Langhe. Leider ist aber der einfache Barolo doch wirklich nur einfach und enttäuschend und wohl eher ein Marketing-Produkt.

Ebenfalls „einfach“, aber alles andere als enttäuschend ist demgegenüber der 2017 Rocche Costamagna Langhe Nebbiolo Roccardo. Der Wein will nichts Grosses sein, aber er ist ein ehrlicher Kumpel, ein Freund mit Ecken und Kanten, aber ein mehr als nur gefälliger Begleiter für eine ganze Mahlzeit und einen ganzen Abend.

Mittleres Purpur; Sandelholz, weisse Sultaninen, rote Jahannisbeeren, Brombeeren, leichter Rauchton; prägnante, aber sehr feine Tannine, gut eingebundene Säure, eher schlanker Körper, mittlerer Abgang, in dem sich erstmals auch der moderate Alkohol etwas bemerkbar macht. „Burgundisch“-eleganter, schöner Nebbiolo.

Das Weingut selbst befindet sich mitten in La Morra. Die Trauben für diesen Wein stammen aus zusammen rund 1,5 Hektar Reben (das Gut verfügt gesamthaft über rund 14 Hektar), hauptsächlich aus Verduno, teils auch aus La Morra selbst – beides also eigentlich Barolo-Lagen. Nach einer relativ kurzen Maischestandzeit von 8 Tagen ruhen sie danach zu einem kleinen Teil in Barriques, vor allem aber in Fudern aus slowenischer Eiche.

Alessandro Locatelli, der das Gut leitet und entwickelt.

Auch wenn das Gut von der internationalen Presse nicht gerade zu den „In-Weingütern“ des Piemont gezählt wird, erzielt das Flaggschiff des Gutes, der Barolo Roche dell’Annunziata doch regelmässig 2,5 von 3 möglichen Punkten im Gambero Rosso. Aber eigentlich spielt das gar keine Rolle, der Nebbiolo Roccardo will auch gar keinen bestbenoteten Barolo konkurrenzieren, sondern einfach ein einfacher Piemonteser sein, der nie langweilig, aber doch unendlich trinkfreudig ist, der kein Ausbund an Konzentration und Dichte, aber doch nicht oberflächlich sein will. Kurzum: Ein Nebbiolo, der den ganzen Abend Freude macht! (Sofern denn eine Flasche für den ganzen Abend genügt, denn verleiden tut einem der Wein nicht).

Das ist ein Wein in der Art, die ich mag: Genussvoll und, trotz Einfachheit, mit einer gewissen Komplexität und Ausstrahlung. Und – Entschuldigung, das muss jetzt sein – besser als gewisse Baroli aus gutem Hause! Damit steht der Roccardo vor allem auch als Beispiel dafür, dass es sich auch im Piemont lohnt, nach Weinen abseits der grossen Namen zu suchen!

http://www.rocchecostamagna.it/RoccheCostamagna/index.asp
Man kann auf dem Gut auch übernachten, ich kenne es nicht, aber die Zimmer machen einen sehr guten Eindruck.

Bezugsquelle in der CH: http://www.vinotti.ch (zu diesem Wein einfach nachfragen, vielleicht hat es noch ein paar Flaschen, er ist nicht im Shop aufgeschaltet).
Vinotti führt aktuell auch noch den Barolo Rocche dell’Annunziata, den Barolo Bricco Francesco und den Barbera d’Alba Superiore Rocche delle Rocche.

Ziereisen bei vvwine: Adrians unbestechliche Degustationsnotizen.

Mein letzter Bericht über die genialen Weine von Ziereisen wird mit einem neuen Beitrag von Adrian van Velsen bei vvwine hervorragend bereichtert und ergänzt.

Ein Generationenproblem? Adrian mit dem Tablet, ich mit dem Notizbuch. Wie auch immer, wenn wir an der gleichen Veranstaltung sind, fallen seine Degustationsnotizen einfach ausführlicher und aussagekräftiger aus.

Allen Lesern, denen mein Beitrag über Zierseien :
https://victorswein.blog/2020/08/30/ausnahmewinzer-ziereisen-hier-ruht-nur-der-wein/

gefallen hat: Hier finden Sie noch die unbestechlich-präzisen Notizen von Adrian zu jedem Wein. Ich kann mich jedem Kommentar und jeder Note uneingeschränkt anschliessen. Immerhin hier „ticken“ wir gleich …

Absolut lesenswert:
https://vvwine.ch/2020/09/besuch-auf-dem-weingut-ziereisen/#comment-550

Und als kleiner Nachtrag: Ziereisen’s auf alte Stämme aufgepropften Jungreben.

Ausnahmewinzer Ziereisen: hier ruht nur der Wein!

Regio Basel. Markgräflerland. Spitzenwein? Ja, das passt zusammen! Rund 10 Kilometer nördlich von Basel herrschen Bodenverhältnisse ähnlich wie im Burgund. Und wenn hier ein Winzerpaar wie die Ziereisen’s tätig ist, dann resultieren eigenständige, grossartige Traumweine.

Blick von der Rebbergen auf Efringen-Kirchen (vorne) und Basel (Hintergund).

Rund 30 Jahre sind es her, seit Hanspeter Ziereisen seinen erlernten Beruf als Schreiner aufgab, um sich dem elterlichen Hof in Efringen-Kirchen zu widmen, einem Mischbetrieb (u.a. Spargel!), der auch etwas Reben besass. Hanspeter war überzeugt, dass man an den Hängen über dem Dorf, welche aufgrund einer geologischen Überwerfung schwergewichtig Jurakalk als Untergrund aufweisen, hervorragenden Wein herstellen könnte, der ganz anders sein müsste, als es die damaligen Tropfen der Region waren.

Der „Kalkfelsen“ zwischen Efringen und Istein: aussergewöhnliches Terroir (die Reben gehören nicht zu Ziereisen, das Bild zeigt aber schön die geologischen Verhältnisse)

Allerdings war die erste Hälfte von Ziereinsen’s Wirken nicht einfach. Zwar sagt seine Gattin Edeltraud (kurz: Edel) mit einem Augenzwinkern, sie selbst sei seit 1996 auf dem Hof, und seit 1997 werde hier guter Wein gemacht. Aber so richtig gesucht waren die den Beschriebungen nach schon damals authentischen, aber filigranen und vielleicht nicht auf den ersten Schluck verständlichen Weine nicht. Es war die Zeit, in welcher die Weinfreunde vor allem die Frucht-, Extrakt- und Alkoholbomben aus Australien, Spanien und Süditalien als Mass der Dinge sahen – und wenn ein einheimisches Gewächs, dann musste es wenigstens rund und fruchtig sein. Als Tribut an den Zeitgeist wurde deshalb in den Jahren 2000 – 2004 auch bei Ziereisen chaptalisiert, d.h. der Wein durch das Zufügen von Zucker während der Gärung alkoholreicher und runder gemacht.

Interessanterweise verdanken wir zum Teil gerade dieser damaligen Durststrecke im Absatz der Weine die heutige Aussergewöhnlichkeit von Ziereisen’s Sortiment: Das Weingut hinkt in der Vermarktung immer ein bis zwei Jahre hinterher, aktuell sind schwergewichtig noch die 2017er im Verkauf, die 2018er sind oder werden erst gerade abgefüllt. Der Wein darf also bei Ziereisen ruhen und reifen.

Der Wein braucht einfach seine Ruhe
Überhaupt: Der Wein bekommt bei Ziereisen viel Ruhe und darf sich sozusagen selbst entwickeln. Einen „flying winemaker“, wie ihn einige andere Winzer für Tagesgagen von bis zu 3’000 Euro verpflichten, braucht Ziereisen nicht. Und dass Weinlehranstalten heutzutage vor allem zum Vermeiden von Fehlern und nicht zum Kreieren grosser Weine ausbilden, möchte er lieber ausblenden. Ihm genügt seine Erfahrung und sein Gefühl – und der Wein macht das schon selbst richtig, wenn man ihn denn lässt und schonend begleitet. Vergoren wird auf der Wildhefe, und fast alle Weine bleiben danach im kleinen oder grossen Holzfass (Inox sucht man im Ausbau-Keller vergebens) eineinhalb bis zwei Jahre auf der Feinhefe liegen. Die grösseren Gewächse werden sogar unfiltiert abgefüllt. Böse Zungen sagen zwar, der Wein erhalte nur deshalb diese Ruhe, weil Hanspeter noch lieber im Rebberg als im Keller arbeite – aber wer ihn selbst über seine Weine reden hört, spürt seine Überzeugung zu seiner Kellerarbeit. „Slow wine“ sozusagen!

Holz, soweit das Auge reicht: Hier ruhen sich Ziereisen’s Weine aus, bevor sie abgefüllt werden.

Aber Arbeit haben Ziereisens ohnehin genug. Aus einem kleinen Rebgut ist inzwischen ein Betrieb mit 21 Hektar Rebfläche entstanden. Ein Blick auf die Besitzverhältnisse am Efringer Hang zeigt, dass heute rund die Hälfte des Rebberges Ziereisens gehört, darunter Land in den allerbesten Lagen. So viel Ruhe der Wein bekommt, so sehr ist das Ehepaar Ziereisen immer auf Achse. Bei unserem Besuch auf dem Hof zeigte sich Edel als nimmermüde Gastgeberin mit einem wachen Auge auf die Anliegen aller Besucher (man kann vor Ort Wein kaufen), während Hanspeter noch am späten Samstagabend eine defekte Maschine selbst reparierte, bevor er sich auch in unsere Runde gesellte. Ruhe scheint für Ziereisen’s ein Fremdwort zu sein, und man hat den Eindruck, es wäre ihnen auch nicht wohl, wenn sie nicht arbeiten könnten.

Gefühl und Kreativität im Rebberg
Zurück zum Rebberg: So, wie im Keller vor allem mit Erfahrung und Gefühl gearbeitet wird, so sehr ist Beobachtung und Erfahrung – und eben wieder Gefühl – der Schlüssel zu einer idealen Pflege der Reben. Die Unterschiede der Lagen, die Art der Erziehung, der ideale Zeitpunkt zur Lese, aber zuvor auch zur Entlaubung, die Menge der Blattmasse – alles ist bei Ziereisen durchdacht und mit Erfahrungen hinterlegt, die man doch in jedem Jahr wieder den Gegebenheiten anpassen muss – mit dem Gefühl für das Richtige halt!

Seit einigen Jahren bewirtschaften Ziereisen’s zusätzlich noch Reben in der Schweiz, direkt an der Grenze in Riehen (mit schönem Blick auf die Fondation Beyeler). Auch diese Weine gelingen bereits hervorragend, aber Hanspeter Ziereisen gibt offen zu, dass er überzeugt ist, die Qualität mit den Jahren noch steigern zu können, weil er – zusammen mit dem dort eingesetzten Betriebsleiter – mit jedem Jahr den Rebberg noch besser zu verstehen lerne. Die Reben in Riehen liegen nur rund 10 Kilometer entfernt und in ähnlicher Ausrichtung. Aber das Kleinklima ist völlig anders, hier ist es wärmer, da die kühlen Nachtwinde vom Schwarzwald weniger gut bis in diese Lage ziehen können und wohl auch, weil die nahe Stadt einfach wärmer ist.

Der Rebhang von Efringen-Kirchen: Idealer Boden, beste Ausrichtung und ideales Mikroklima. Rund die Hälfte davon wird von Ziereisen’s bewirtschaftet.

Die Rebberge der Ziereisen’s können auch schon fast als Lehrbuch dafür genutzt werden, wie man mit perfekter Arbeit und mit dem Mut zu Experimenten den Wein immer noch eine Nuance besser macht. Ein paar Beispiele: Eine Neupflanzung wurde in extrem hoher Stockdichte gesetzt, womit der Ertrag pro Stock reduziert werden kann, was die Reben auch zwingt, tiefer zu wurzeln. In Zeiten des Klimawandels ein unersetzlicher Vorteil. Oder die Laubarbeit: Um die Trauben trocken zu halten und damit der Fäulnis vorzubeugen, sollte man die Blätter in der Traubenzone möglichst entfernen. Umgekehrt bieten die Blätter den Beeren Schutz gegen zu viel Sonne, welche sie nicht nur „verbrennen“ kann, sondern den Trauben auch Frische entzieht. Ziereisen löst das Problem, indem die Blätter auf der sonnenabgewandten Ostseite entfernt, während sie auf der anderen Seite der Reihe am Stock belassen werden. Oder das Eingehen auf die Traubensorte: Während die Burgundersorten mit relativ wenig Blattmasse auskommen, muss die Syrah mit ihrer Wuchskraft sich „austoben“ können. Die Lösung: Die Triebe der Rhonetraube werden um den obersten Draht gewickelt und können somit länger belassen werden und mehr Blätter bilden. Oder Pinot-Stöcke, die im Zapfenschnitt erzogen werden? Ziereisen’s probieren das aus, weil dieser Schnitt ertragsregulierend und alkoholmindernd wirken soll. Und noch ein Unikum: In einer Parzelle wurden statt einer Neupflanzung von Reben die neuen Schösslinge auf das bestehende Holz aufgepfropft, womit die tief wurzenden Stöcke erhalten bleiben – und nebenbei erst noch im ersten Pflanzjahr schon ein Ertrag erzielt werden kann!

Neubestockung: Extreme Dichte für höchste Qualität!

Das ist Ziereisen: Immer aktiv, immer mit dem Ziel auf das noch etwas Bessere, immer beobachtend, immer suchend – immer auf Achse! Mit diesem Engagement, diesem Enthusiasums, dieser Begeisterung für die (Hand-)arbeit kann es nicht überraschen, dass das Weinsortiment der Ziereisen’s von aussergewöhnlicher Qualität ist.

Ich hatte das Vernügen, einen ganzen Nachmittag lang das ganze, grosse Sortiment degustieren zu dürfen, inkl. der Weine aus Riehen. Eingeladen hatte Florian Bechtold, und er erwies sich als Glücksfall. Einerseits bestach er – angehender Sommeliermeister – mit einem enorm breiten und tiefen Weinwissen, andererseits, und in diesem Fall vor allem, dadurch, dass er im Rahmen seiner Ausbildung als Praktikant bei Ziereisen gearbeitet hatte. Seine Erläuterungen zu den einzelnen Weinen waren deshalb unbezahlbar.

Die klare Handschrift durch das ganze Sortiment
Das Ziereisen-Sortiment umfasst 28 verschiedene Weine, vom „Heugumber“, dem Basis-Gutedel zu Euro 6.50, bis zum Jaspis Gutedel 104 zu Euro 125.00. Davon konnten wir 25 Weine verkosten – zusammen mit vier Weinen vom Weingut Riehen also 29 Proben. Und es gibt, vielleicht mit Ausnahme des duftmässig gewöhnungsbedürftigen trockenen Gewürztraminers, in jeder Preis- und Weinkategorie nur ein Prädikat: aussergewöhnlich. Nein, es gibt ein zweites: grossartig!

Allen Weinen, einfach oder Weltklasse, ist gemein, dass sie eine grosse mineralische Frische ausstrahlen, und das die Fruchtigkeit nicht vordergründig, sondern dezent spürbar eingebunden im Gesamtbild wirkt. Zudem ist kein einziger Wein, obwohl alle in Holz ausgebaut sind, jemals stark holzbetont. Zudem sind bzw. wirken alle Weine trocken, da gibt es nichts von „billiger Süsse-Fruchtigkeit“.
Wo nicht anders erwähnt, handelt es sich immer um den Jahrgang 2017:

Schon die Basisweine – „Rebsorten-Weine“ – sind allesamt alles andere als einfach, auch wenn sie natürlich mit den grossen Weinen nicht mithalten können. Die meisten davon werden – im Gegensatz zu den höherklassigen – filtriert abgefüllt. Ganz speziell gefallen hat mir hier der dichte, „fadengerade“ und zudem recht fruchtige Grauburgunder – für 9.80 Euro ein unglaublicher Gegenwert. Und auch der „Heugumber“ 2018, ein Gutedel für 6.50 Euro, steht mit seiner zwar noch etwas reduktiven, aber dichten und mineralischen Art weit über vielen teureren Chasselas aus der Schweiz.

Die nächste Qualitätsstufe, die „Premium-Weine“ spielen dann aber doch in einer anderen Liga. Bei den Weissen mag man sich fast nicht festlegen, ob man nun der Gutedel „Steingrüble“, den ich übrigens in einem anderen Jahrgang hier schon einmal fasziniert beschrieben hatte:
https://victorswein.blog/2018/02/03/gut-und-edel/,
den Weissburgunder „Lügle“, den Grauburgunder „Moosbrugger“ oder gar den Chardonnay „Hard“ bevorzugt.
Etwas einfacher wird die Wertung bei den Roten, vier verschiedene Blauburgunder und ein Syrah. Schon der „Tschuppen“ besticht durch seine eigenständige, würzige und florale Art. Der Talrain (17.80 Euro), der sechs Wochen an der Maische gelegen hat, weist im Moment noch etwas trocknende Tannine auf, hat aber eine tolle Struktur, duftet schon sehr typisch nach Pinot – und dürfte in 3-4 Jahren ganz toll sein. Das Highlight in dieser Kategorie ist aber der Rhini. In dieser Lage überdeckt eine dicke Löss-Lehmschicht den Kalkboden, und der Wein wirkt tatsächlich anders: fruchtbetont (aber nicht aufdringlich), sehr dicht, prägende Tannine, gleichzeitig sehr „saftig“. 34.00 Euro – aber jeden Cent wert!

Fast wäre nun der Syrah Gestad aus dieser Linie vergessen gegangen. Spannend, was aus dieser Sorte im Markgräflerland gemacht werden kann!

Bei anderen Winzern wäre das Sortiment damit abgeschlossen, bei Ziereisen beginnt es qualitativ hier erst so richtig (eine Aussage, die allerdings die bisher beschriebenen Weine ungerechtfertigt abwertet)! Jaspis heisst die Linie, die „Premium“ noch toppt. Jaspis ist ein Edelstein auf Quarz-Basis, der Name passt somit sehr gut zum überaus mineralischen und edlen Sortiment.
Der Grauburgunder hat viel reife Frucht, duftet nach Honig und ist, bei schöner Säure, dicht, und der Abgang fast unendlich. Ein unsüsses Elixier!
Im Gegensatz dazu ist der Chardonnay mit feiner Frucht unterlegt, feingliedrig und überaus elegant. Ein Wurf!
Aber die Krone – nach meiner Meinung im ganzen Sortiment – gehört einem Gutedel, dem 104: Unglaublich feine, zwar intensive, aber doch nicht aufdringliche Fruchtnote mit einem ganzen Bündel an Düften, im Mund zuerst filigran wirkend, dann enorm viel Druck aufbauend, total ausbalanciert, enorme Länge. Ein Traumwein – und ein Horror für alle Chasselas-Verächter. Aus dieser Rebsorte kann man ganz offensichtlich Weine herstellen, die man blind ins gehobene Burgund denken würde!

Gutedel (Chasselas) der unglaublichen Art: Ein feingliedriges, tiefgründiges Monument, das man locker gegen einen guten Burgunder stellen kann!


Bleiben die Roten der Jaspis-Linie, und auch da bleibt vor allem das Staunen: Schon der Blauburgunder mit seinem dunklen Kirschenduft und einer enormen Eleganz und Frische ist – auch im noch nicht reifen Zustand – ein genialer Wein. Schade nur für ihn, wenn danach der (2015-er) „alte Rebe“ serviert wird. Bereits etwas gereifte Frucht von Himbeere und Johannisbeere, etwas Pilz und Leder, im Mund ein Feuerwerk, dicht, „burgundisches Feuer“ ohne jede Brandigkeit, bereits etwas gereifte Tannine, wunderschön stützende Säure – ein Traumwein zum Meditieren!
Der Syrah hatte es nach diesem Wein etwas schwer, dabei ist er aber absolut überzeugend. Er ist in 50 % neuem Holz ausgebaut, aber Holz spürt man nur sehr dezent, es herrschen typische Sarah-Noten vor. Ein Syrah, der sich vor jenen aus der Rhone nicht verstecken muss.

Und dann wäre da ganz zum Schluss der Degustation noch dieser andere, überirdisch gute Wein, „Jaspis Unterirdisch“ 2016, ein in der vergrabenen Amphore vergärter und ausgebauter Gutedel ohne Schwefel – ein Naturwein: Orange Farbe, spürbare Hefenote, erstaunlich fruchtig (Johannisbeeren und Stachelbeeren), spürbare, etwas trocknende Tannine, langer Abgang. Gelungener, spannender Wein, der alle Vorurteile gegen Naturwein widerlegt.

Einmalig grossartig
Es verwundert natürlich nicht, dass auch die Grossen der Weinkritik das Gut längst entdeckt haben. Nur zwei Beispiele: Diverse Parker-Punkte von Stephan Reinhardt machen das Gut interessant und einige Weine noch rarer, und Gault Millau führt den Betrieb mit 5 Sternen = Weltklasse und gibt dem Jaspis Gutedel 104 die vollen 100 Punkte!

Und trotzdem sind Ziereisen’s bescheiden geblieben und nicht abgehoben (Na gut, sieht man einmal vom Preis des 104 ab, zu dem die FAZ schrieb, nicht einmal Hanspeter selbst glaube, dass das gerechtfertigt sei. Allerdings sind dann die Weinpreise vieler anderer Produzenten genau so wenig begründet).
Ziereisen – das ist die vermutlich fast einmalige Kombination zwischen Bescheidenheit, handwerklicher Bodenständigkeit und genialer Kreativität und Gefühlsbetontheit. Grossartig und einmalig!

http://www.weingut-ziereisen.de


Das Weingut in der Schweiz: Ullrich + Ziereisen, Weingut Riehen
Nur am Rand erwähnt habe ich die Weine (Le Petit und Le Grand, jeweils in weiss und rot) des „Weingutes Riehen“, das Ziereisens zusammen mit der Weinhandlung Paul Ullrich unter der Betriebsleitung des jungen, offenbar begnadeten Silas Weiss bewirtschaftet. Alle Weine des Gutes sind empfehlenswert, der Ziereisen-Stil zeigt sich auch hier. Besonders angetan bin ich von einem momumentalen Sauvignon blanc, der allerdings sehr sortenuntypisch daherkommt. Und ein Wermuthstropfen: Die Weine sind mit rund CHF 35.00 (Petit) und CHF 70.00 (Grand) auf der gehobenen Seite.
http://www.weingutriehen.ch


Florian Bechtold, begnadeter Weininsider mit Praktika bei Ziereisen’s
Der Organisator des Tages, Florian Bechtold, ist aktuell an einem äusserst spannenden Weinprojekt, das ich hier sicher noch verstellen werde, sobald die Zeit dafür reif ist. Vorerst kann ich Florian bestens empfehlen als sehr kompetenten Fachmann für Weinberatungen aller Art, Weinreisen, Weinabende oder als Sommelier:
http://www.facebook.com/flobechtold

Löwengang – faszinierender Chardonnay aus dem Südtirol.

Der Name Lageder steht bekannterweise für herausragende Weinqualität aus dem Südtirol. Der Chardonnay aus dem Ansitz „Löwengang“ wird inzwischen seit 36 Jahren angebaut, und man spürt die lange Erfahrung: Der Jahrgang 2016 ist ein bewegender, vibrierender, begeisternder Wein. Vielleicht auch, weil der bio-dynamisch produziert wird.

Eigentlich steht der weisse Löwengang (es gibt auch den roten Cabernet) für fast alles, was ich in meinem Blog normalerweise nicht beschreibe: Er ist teuer (rund CHF 50.00), er ist keine Entdeckung (welcher Weinfreund kennt Lageder nicht), er ist nicht rar (es werden rund 38’000 Liter hergestellt) und es handelt sich auch nicht um einen Wein aus einer unbekannten Rebsorte (hier erübrigt sich der Klammertext). Aber er hat etwas Besonderes an sich, und er hat mich mit seiner zurückhaltend-edlen Art fasziniert – sozusagen meine Seele berührt! Ich habe schon noch edlere Chardonnays im Glas gehabt, aber eher selten einen, bei dem einfach alles in einem perfekten Gleichgewicht ist: löwengang flasche

Er ist fruchtig, sogar etwas exotisch fruchtig, aber nicht zu sehr, er verfügt über eine perfekt eingebundene und stützende Säure, er wirkt frisch wie Quellwasser und ist trotzdem dicht und „füllig“, das Holz ist spürbar, aber nur dezent begleitend, sein Abgang will nicht enden. Ein Ausbund an Frucht, Eleganz, Finesse und Harmonie und ein Wein, der diese Spannung bis zum letzten Schluck beibehält!

 

Die Familie Lageder kaufte den Ansitz Löwengang in Margreid im Süden des Südtirols, nahe an der Sprachgrenze, im Jahr 1934. Schon damals wurden hier „internationale Sorten“ angepflanzt, so auch Chardonnay. Trotzdem galt Lageder im Jahr 1984 als Exot, als er den ersten Jahrgang des „Löwengang Chardonnay“ produzierte und auch noch in Barriques ausbaute. Dabei hatte er dafür einen berühmten Mentor: Alois Lageder sagt dazu selbst, dass Robert Mondavi 1981 den Impuls gab, indem er anregte, traditionelle Wege zu verlassen und Neues zu wagen – und unter anderem auch, den Wein auf der Hefe zu lagern. Mit dem Einsatz von Eichenholz und noch dazu unter Reduktion des Ertrages machte Lageder damals so ziemlich das, was zu jener Zeit als verrückt galt!

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Der Eingang ins „Weinparadies“ Löwengang. (Bild: Download Lageder, Foto Gianni Bodini)

Neue Wege verfolgt Lageder auch in der Bewirtschaftung der Reben. Seit 2004 wird der Familienbetrieb nach biodynamischen Grundsätzen geführt – Demeter-zertifiziert. Es ist immer wieder faszinierend, dass diese Methode ganz spezielle, faszinierende und irgendwie „vibrierende“ Weine hervorbringt.

Es lohnt sich übrigens, den Instragram-Account von Lageder zu abonnieren. Hier werden immer wieder tolle Bilder gezeigt, etwa, wie Kühe und Schafe im Rebberg weiden oder wie sich ein Fasan zwischen den Rebzeilen wohl fühlt!

https://aloislageder.eu/
https://www.instagram.com/alois.lageder/

In der CH u.a. erhältlich bei Bindella, http://www.bindella.ch

 

 

 

Weedenborn – Weltklasse-Sauvignon blanc aus Rheinhessen!

Sauvignon blanc-Queen! Wer über Gesine Roll vom Weingut Weedenborn recherchiert, stösst sehr schnell auf diesen „Titel“. Und wer ihre Weine probiert spürt schnell, dass er auch verdient ist. Besser kann man Sauvignon blanc – nicht nur in Deutschland – kaum produzieren.

Rheinhessen ist zwar flächenmässig das grösste Weinbaugebiet Deutschlands, galt aber lange Zeit nicht gerade als Qualitätsleader des deutschen Weins, wobei wohl vor allem die unselige „Liebfrauenmilch“ ein schlechtes Image geprägt hat. Diese Zeiten sind längst vorbei. Winzer wie Keller und Wittmann stehen ganz an der Spitze der deutschen Elite, und in Nierstein gibt es herausragende Weinbetriebe gleich im „Multipack“.

Es gibt da aber auch noch das Weingut Weedenborn im rheinhessischen Bergland. Aus Schweizer Sicht löst dieser Ausdruck zwar zuerst eher ein Lächeln aus, liegen doch die höchsten Lagen auf etwas über 300 m über Meer. Und doch liegt dieses Gebiet um 100 bis 200 m höher aus der Rest, was nicht nur eine tolle Weitsicht, sondern auch ein etwas kühleres Klima ergibt. Dass genau diese zusätzliche Frische einer Sorte wie der Sauvignon blanc gut bekommt, veranlasste schon den Vater von Gesine Roll dazu, diese Sorte anzupflanzen, kaum war sie offiziell zugelassen. Zum offensichtlich grossen Talent der heutigen Leiterin des Familienbetriebes kommt also auch Traubenmaterial von Reben in gutem Alter.

Viel mehr über den Betrieb brauche ich hier nicht zu schreiben, das können Sie gerne bei meiner geschätzten Blogger-Kollegin Nicole Korzonnek (Bottled Grapes) nachlesen, es lohnt sich! Den Link finden Sie unten.

Gerne unterstreiche ich bloss noch, dass eine Reduktion des Talentes von Gesine Roll auf den Sauvignon blanc ein Fehler wäre. Ich konnte aus einem Degustationspaket auch einen Chardonnay, einen Weiss- und einen Grauburgunder probieren. Alle drei überzeugen sehr – der Chardonnay (Westhofen 2018) für knapp 13 Euro würde z.B. in jeder Degustation der besten Weine aus dem Mâconnais locker ganz vorne mithalten. Es gäbe noch viel zu entdecken, u.a. Riesling und auch Rotweine – bei meiner nächsten Reise in die Gegend werde ich mich um einen Besuch auf dem Gut bemühen – wetten, dass daraus ein zweiter Beitrag entstehen wird!

Die Weine der „Sauvignon blanc-Queen“:

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Puristische Etiketten, aber mit einer Aussage: Die Linien zeigen das Gelände!

Sauvignon blanc 2019
Helles gelb mit leicht orangen Reflexen; typische Sauvignon-Nase auf der mineralischen Seite, etwas Stachelbeere, Holunderblüte, Feuerstein und sehr dezent tropische Früchte; im Mund sehr fruchtig, schöne, aber nicht übertriebene Säure, aufgrund der Mineralität dicht wirkend. Süffiger, frischer, aber alles andere als harmloser Sauvignon blanc. Ein Gutswein, der andernorts die Spitze darstellte.

Sauvignon blanc Terra Rossa 2018
Mittleres Gelb mit grünem Einschlag; in der Nase elegant-verhalten, Mirabelle, weisser Pfirsich, Steinmehl; im Mund enorm dicht, Mineralität ohne Ende, frisch, Säure und Alkohol in perfektem Gleichgewicht, sehr langer Abgang. Toller, eigenständiger Sauvignon blanc!

Sauvignon blanc Réserve 2017
Mittleres Gelb; in der Nase zwar eher dezent, aber enorm vielschichtig mit Duft nach Aprikosen, Mandeln, Orangen, frischem Bergheu, leichter Holzton; im Mund sehr mineralisch und trotzdem fruchtig, enorme Dichte, elegant, ausgewogen mit fast nicht endendem Abgang. Umwerfend schöner Wein – fast habe ich das Gefühl, eine gelungene Mischung zwischen einem grossen weissen Bordeaux und einem Burgunder im Glas zu haben!

Zum erwähnten Beitrag bei „Bottled Grapes“:

Weingut Weedenborn: Winzerin Gesine Roll aus Monzernheim

Zum Weingut, bestellen kann man hier „nur“ zwei Degustationspakete:
https://www.weedenborn.de/

Dafür sind viele der Weine hier erhältlich (Lieferung nur in Deutschland):
https://wirwinzer.de/weinregionen/rheinhessen/weingut-weedenborn

Griechischer Wein – das rockt!

Mit Divo und Gerstl haben jüngst gleich zwei Weinhandlungen griechischen Wein ins Sortiment aufgenommen. Verkostungen zeigen, dass aus diesem Land mit uralter Weinbautradition tolle, teils sogar grossartige Weine importiert werden die „rocken“ – weit ab vom billigen Schlager-Gesöff, wie es der älteren Generation wohl noch in Erinnerung oder zumindest in den Ohren ist.

Santorini – allein der Name lässt in den Sommerferien träumen, auch wenn die pittoreske Insel umständehalber gerade weit weg zu liegen scheint. Auf der mit rund 80 km2 vergleichsweise kleinen Ferieninsel stehen immerhin rund 1’200 Hektar Reben, das entspricht ziemlich genau der Rebfläche des Tessins.

Gerstl hat mit Weinen der Estate Argyros aus Santorini erstmals Gewächse aus Griechenland angeboten. Dieses biologisch arbeitende, mehr als 100-jährige Familiengut verfügt über rund 10 % der Rebfläche der Insel, mit Schwergewicht auf Weissweinen (und Süssweinen) – rote Gewächse spielen eine untergeordnete Rolle. Die Weine überzeugen bzw. begeistern teilweise sogar, und man fragt sich eher, warum Schweizer Weinhändler nicht schon länger auf Griechenland setzten:

Estate Argyris, Cuvée Monsignori 2018 (weiss)
100 % Assyrtiko, Biowein
Dieser Weisswein soll von über 200 Jahre alten und damit logischerweise wurzelechten Reben stammen. Wenn man ihn trinkt, kann man das glauben: Zurückhaltende Nase mit Zitrusaromen und Anflügen von Hefe; im Mund enorme Mineralität und Frische, herrliche Extrakt“süsse“, die einen schönen Schmelz ergibt, wirkt enorm dicht und filigran gleichzeitig, fast nicht endender Abgang. Ein grossartiger, begeisternder Wein mit Alterungspotential. Blind hätte ich wohl auf einen der besten Grand Crus aus Chablis getippt. (CHF 36.00).

Estate Argyris, Assyrtiko Santorini, 2019 (weiss)
100 % Assyrtiko, Biowein, laut Etikette aus über 100-jährigen, wurzelechten Reben
Helles Gelb, verhaltene, leicht salzig wirkende Nase, Anflug von Mandarine und Nelken; im Mund ebenfalls mineralisch und enorm frisch, leichte Bitternote, Alkohol trotz 14 % kaum spürbar, toller Wein.
Dieser Wein so etwas wie die kleinere, schlankere und weniger intensive Ausgabe der Cuvée Monsignori, aber damit tut man ihm eigentlich Unrecht.  (CHF 26.00).

Estate Argyris, Atlantis white 2019 (weiss)
90 % Assyrtiko, 10 % Athiri und Aidani, Biowein
Helles Gelb, fruchtig, nach Bergamotte, Zitrone und Apfel duftend; im Mund überaus erfrischend, mineralisch, ausgewogen, erstaunlich langer Abgang. Ein gehobener Ferienwein, ohne hohe Ansprüche, aber frisch, süffig und erfreulich. (CHF 16.00)

 

gerstl-griechenland
Drei der von Gerstl angebotenen Weine aus Santorini. In der Mitte die geniale Cuvée Monsignori.

Bei Divo ist seit dem Eintritt den Rebforschers und Buchautors José Vouillamoz
(vgl. hier: https://victorswein.blog/2018/09/04/schweizer-weinbuch-des-jahres-schweizer-rebsorten-von-jose-vouillamoz/
ins Unternehmen in Bezug auf unbekannte Weine frischer Wind eingezogen. Freilich war ich in der Vergangenheit nicht immer überzeugt von seinen Selektionen. Als er noch als freier Berater für Coop arbeitete habe ich beispielsweise von ihm vorgeschlagene Naturweine aus dem Kaukausus gekauft – und ausser dem Umstand, mit einem georgischen Wein so etwas wie den „Urwein“ im Glas gehabt zu haben, blieb nur Frust, denn ich haben den teuren Wein als interessant aber untrinkbar weggekippt. Nun arbeitet Vouillamoz also für Divo und bot ein Probierpaket aus Griechenland an. Begonnen hat meine Probe schlecht, dem ersten Wein erging es nicht anders als jenem aus Georgien. Dann allerdings stellte sich die Vouillamoz-Selektion auch als äusserst spannend und qualitativ überzeugend heraus:

Divo-Griechenland
Und zwei der Divo-Weine. Auf dem Bild fehlt der Chiririotiko 2016 – da war ich leider zu schnell beim Altglasentsorgen.

Monemvasia Vinery, Peleponnes, Laconia IGP, 2009 (rot)
50 % Mavroudi, 50 % Agiorgitiko
Mittleres Rot ohne Alterstöne; fruchtig-würzig, fast ein wenig an Pinot erinnernd, Himbeeren, Johannisbeeren, Waldpilze, Anflug von  Gewürznelken, dezenter Holzton; im Mund erstaunlich jugendlich, feine, prägnante Tannine, elegant und ausgewogen, feiner Wein! (CHF 20.00).

Methymnaeos Wines, Lesbos, Chidiriotiko 2016 (rot)
100 % Chidiriotiko, Biowein
Helles, ins Ocker tendierendes Rot; verhalten, Duft von Veilchen und Himbeeren; spürbare, leicht trocknende Tannine, schöne Säure, entwickelt sich im langen Abgang sehr intensiv. Spannender Wein, weit ab der Norm; eine Entdeckung wert. (CHF 21.00).

divo-best-of-balcansMonemvasia Vinery, Peleponnes, Tsimbido 2018 (weiss)
100 % Kydonitsa
Sehr helles, glänzendes Strohgelb; Flieder, Orange, Quitte; wirkt im Mund erstaunlich tanninhaltig, schöne, stützende Säure, erstaunlich dicht und langer Abgang. Vor allem auch angesichts des Preises (rund CHF 16.00) toller Wein!
Griechenland hat eine uralte Weinbautradition, der weltweit zweitälteste bekannte Fund, der auf die Verarbeitung von Trauben zu Wein schliessen lässt, soll in der Nähe von Philippi liegen. Lange Zeit stagnierte aber der Weinbau, und erst mit dem Ende der Militärdiktatur 1974 begann ein qualitativer Aufschwung (Quelle Wikipedia). Zumindest wer die hier erwähnten Weine probiert hat, wird sich in Zukunft sicher mehr mit griechischen Wein beschäftigen wollen, das rockt. Und gute Weine könnten ja auch zu einem Schlager werden!

https://www.gerstl.ch/de/sortiment/italien-griechenland/griechenland-rubric-5616.html
(Vor allem die absoluten Spitzenweine sind schon ausverkauft, u.a. der beschriebene „Monsignori“)
https://estateargyros.com/

http://divo.ch/de/weinauswahl?f%5B0%5D=provenance%3A26199
http://www.malvasiawines.gr/default.aspx
https://www.methymnaeos.com/

 

 

 

 

Lacrima di Morro d’Alba. Würzig-fruchtige Unikate abseits des Mainstreams!

Mainstream – also Cabernet, Merlot und Chardonnay aus irgendwo – war gestern! Gefragt sind authentische, einzigartige Weine, die es nicht an jeder Ecke zu kaufen gibt und welche die Geschichte eines Fleckens Erde zu erzählen haben. So wie der Lacrima di Morro d’Alba, der in den Marken, unweit der Hafenstadt Ancona wächst.

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Blick über einen Teil des Weinbaugebietes auf Morro d’Alba.

Lacrima? Alba? Nein, die Rede ist weder von Kampanien (Lacrimea Christi) noch vom Piemont. Morro d’Alba ist eine kleine Gemeinde in den Marken, wenige Kilometer von der umtriebigen Hafenstadt Ancona entfernt  – mit freiem Blick aufs Mittelmeer. Hier gedeiht auf nur rund 400 Hektar Fläche die Traubensorte Lacrima – was den Lacrima di Morro d’Alba (oder Lacrima di Morro) ergibt.

Wenn Ihnen das jetzt gerade nichts sagt, dann bin ich beruhigt. Ich kannte den Wein nämlich bis vor einem Jahr auch nicht. Im Juni 2019 – das war damals, als man noch unbeschwert reisen konnte – haben wir unbekannte Gebiete der Emilia-Romagna und der Marken bereist. Noch in der Emilia empfahl uns ein Hotelier auf meine Bitte, mir einen unbekannten Wein aus der Gegend zu servieren, eine Flasche von der er behauptete, das hätte ich sicher noch nie getrunken. Er sollte recht behalten, und ich machte die erste schöne Bekanntschaft mit der Lacrima di Morro d’Alba. (Zum Hotel siehe ganz am Schluss).

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Reben, Oliven, Korn: Wunderschöne Landschaft bei Morro d’Alba

Zwei Tage, und zwei Flaschen Lacrima di Morro d’Alba später besuchten wir dann das Herkunftsgebiet dieses Weines. Morro d’Alba ist ein für italienische Verhältnisse kleines, typisches Städtchen, schön auf einer kleinen Anhöhe gelegten und von sanften, reben- oliven- und kornbewachsenen Hügelzügen umgeben – mit herrlichem Blick auf die azurblaue Adria.

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Sanfte Hügel, markante Kirche von Morro d’Alba in der Bildmitte – und freier Blick aufs Mittelmeer!

Seit 1985 geniesst Lacrima di Morro d’Alba den DOC-Status, wobei dem Vernehmen nach damals nicht nur die Qualität zu diesem Status beigetragen haben soll, sondern auch die Absicht, diese Rebsorte vor dem Aussterben zu bewahren. Heute werden in der DOC rund 400 Hektar angepflanzt, was etwa 85 % der welt- oder besser italienweiten Anbaufläche entspricht.

Die Herkunft der Traube scheint noch weit gehend unerforscht, immerhin wird eine Verwandtschaft mit der Aleatico-Traube (vermutlich eine Mutation des Gelben Muskatellers) angenommen, aus der hauptsächlich Passito-Weine hergestellt werden, und die dafür auf Elba sogar eine DOCG besitzt. Diese These würde gut dazu passen, dass auch aus der Lacrima in Morro d’Alba Passito’s hergestellt werden, und auch die würzig-florale Art der Lacrima würde passen. Zum Namen gibt es zwei Theorien: Die eine nimmt die tränenartige Form der Trauben als Basis, die andere die Tatsache, dass die Traube in vollreifem Zustand gerne aufplatzt und „tränt“.

Wie schmeckt denn ein Lacrima? Würzig-floral ist das Schlüsselwort. Fast alle Lacrima sind in der Nase auffällig intensiv, ein ganzer Gewürzschwall kombiniert mit einem Früchtekorb kommt einem entgegen. Diese Eigenschaft wirkt aber in keinem der degustierten Weine aufgesetzt, sondern immer harmonisch und trotz Intensität nicht übertrieben. Im Mund sind die Weine eher leicht, in der Art durchaus vergleichbar mit einem Beaujolais, aber für die südliche Herkunft erstaunlich frisch. Ein Lacrima ist deshalb auch kulinarisch breit einsetzbar, vom kräftigen Fisch bis hin zu hellerem Fleisch oder einfach zu Gemüse, und selbst zu exotischen Speisen würden viele passen.

Es sind zwar keine grossen Weine, aber es sind Gewächse mit Charakter und mit einer spannenden Eigenständigkeit, die ich einem banalen Wein aus einer der eingangs erwähnten Weltsorten jederzeit vorziehe. Eine Entdeckung waren und sind die Lacrima di Morro d’Alba auf jeden Fall wert!

Degustationsnotizen (und ausnahmsweise auch Punkte, es geht ja um einen Vergleich):

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Die Flaschen in der Reihenfolge meiner Wertungen (von rechts nach links)

Orgioli, Lacrima superiore 2016, Marotti Campi, Morro d’Alba
Intensives, dichtes Rubin; dunkle Kirschen, Brombeeren, Gewürznelken, kleiner Anflug von altem Holz; im Mund sehr rund und ausgewogen, Säure, Tannine und Alkohol in gutem Gleichgewicht, im erstaunlich langen Abgang leicht „trocknende“ Tannine. Schöner, fruchtiger Wein, der aber auch ersstaunlich viel Tiefgang hat. 17 Punkte.

Paucca, Lacrima superiore, 2017, F.lli Badiali, Morro d’Alba
Mittleres bis dunkles Rubin; fruchtig (Himbeeren, Brombeeren), würzig, Noten von Tabak und Garrique; frische Säure, hoher, aber gut eingebundener Alkoholgehalt, leicht trocknende Tannine, druckvoll und erstaunlich dicht. Süffiger, fruchtiger aber nicht harmloser Wein, der mit etwas weniger Alkohol noch besser gefallen würde. 16,5 Punkte.

Lacrima superiore 2015, Stefano Mancinelli, Morro d’Alba
Mittleres Purpur mit leichten orangen Reflexen; würzig-pfeffrig, Maiglöckchen, Brombeeren, Pflaumen; Im Mund viel Tannin, schöne Struktur mit guter Säure, leichter, für mich schöner Bitterton, erstaunlich langer Abgang. 16,5 Punkte.

Lacrima 2018, F.lli Badiali, Morro d’Alba
Mittleres, glänzendes Rot, Durf nach Pflaumen und Johannisbeeren; sehr harmomische Säure, Tannin und Alkohol gut eingebunden, recht dicht, fruchtbetont. Mach Spass. 16 Punkte.

„Querci Antica“, 2015, Velenosi s.r.l., Ascoli Piceno
Mittleres Purpur; Duft nach frischem Tabak, Trüffel, Gewürznelken, Brombeeren; spürbare Tannine, mittlere Säure, mittlerer Körper, marginal spürbare Süsse im Abgang. Süffiger, sympathischer Wein. 15,5 Punkte.

„Le Cantarelle“, Lacrima 2014, Podere Santa Lucia, Monte San Vito
Dunkles Rot; Rauchton, Weichselkirschen, Brombeeren; knackige Säure, spürbarer Alkohol, schlank. Süffiger, fruchtiger Wein, der aber auch etwas harmlos ist. Wäre vermutlich jünger genussvoller zu geniessen gewesen. 15 Punkte.

Lacrima 2016, Luigi Giusti, Piersio Vanni, Montignano
Mittleres Rot; Himbeeren, Johannisbeeren, Waldpilze; markante, etwas „spitzige“ Säure, wenig Tannin, spürbarer Alkohol, schlank. Fruchtig-harmloser Wein. 15 Punkte.

Lacrima 2017, Stefano Mancinelli, Morro d’Alba
Dunkles Violett-Rot; Fehlton in der Nase (Lack), daneben fruchtig mit Tönen von dunklen Kirschen und Weichselkirschen, Anflug von Lebkuchen; im Mund bestätigt sich der Fehlton, ansonsten fruchtbetont mit schöner Struktur, Säure, Tannin und Alkohol in schönem Gleichgewicht. Schade für den Fehler, wäre sonst bei den Allerbesten. 14 Punkte.

http://www.marotticampi.it/
http://www.comune.morrodalba.an.it/index.php?option=com_contact&view=contact&id=50:az-agricola-fratelli-badiali&catid=32&Itemid=143
http://mancinellivini.it/
https://www.velenosivini.com/querciantica-lacrima-doc-superiore/
http://www.poderesantalucia.com/
https://www.lacrimagiusti.it/scheda.php?idpagina=11

Und falls sich jemand für die genauen DOC-Vorschriften interessiert:
http://www.ismeamercati.it/flex/AppData/Redational/pdf/Lacrima%20di%20Morro%20o%20Lacrima%20di%20Morro%20dAlba.pdf


Das Hotel mit dem guten Weintipp: Auch sonst einen Aufenthalt wert!
Hier ausnahmsweise wieder einmal ein touristischer Tipp: In diesem Hotel empfahl mir der deutsche Hotelier, der den Betrieb schon seit einem Vierteljahrhundert führt und der es geschafft hat, dass auch sehr viele Einheimische sein Restaurant besuchen, den ersten Lacrima. Übrigens jenen, den ich in der Degustation am besten bewertet habe. Das Hotel liegt sehr ruhig in freier Natur in den „Bergen“, rund 45 Fahrminuten ab Rimini. Es ist als Ausgangslage für Wanderungen, Biketouren und Ausflügen nach San Marino, San Leo, Urbania und eben Rimini ideal gelegen. Die Anfahrt ist kurvig, was gerade auch für Motorradfahrer spannend ist. Wenn Sie in der Gegend sind, ein Besuch lohnt sich!
http://www.piandelbosco.com/de/index.html