Muscadet vom Feinsten – Loire sur Bourgogne!

Die Weine von der Loire haben es hierzulande schon grundsätzlich nicht einfach. Ja, sie sind, Sancerre einmal ausgenommen, so gut wie unbekannt. Wenn sie dann aber gar vom Unterlauf des Flusses stammen und „Muscadet“ heissen, dann wird es noch viel schwieriger. Zu Unrecht, wie zwei tolle Weine zeigen!

Nur schon der Name: Muscadet Sèvre et Maine AC. Sèvre und Maine sind Flüsschen, die linksufrig der Loire zusammenfliessen und schliesslich gemeinsam Mitten in der Stadt Nantes in den grossen Fluss münden. Sie durchfliessen in der Nähe der Stadt ein grosses, oft flaches Weinbaugebiet (knapp 9’000 ha), in dem die Muscadet vorherrscht. Aber eben, was heisst schon Muscadet? Mit der Muscat-Traube hat sie keine Gemeinsamkeit, es handelt sich vielmehr um die „Melon de Bourgogne“, die zwar dort kaum mehr angepflanzt wird, aber mit hoher Sicherheit im Burgund entstanden ist. DNA-Analysen haben ergeben, dass es sich um eine Kreuzung zwischen Pinot blanc und der „Ursorte“ Gouais handelt. Die Muscadet weist somit einen gleichen bzw. ähnlichen Entstehungsweg auf wie etwa Chardonnay, Gamay und Aligoté.
Mehr zur Gouais siehe hier: Faszination pur: Guter Wein aus der ältesten benannten Rebsorte der Welt! – Victor’s Weinblog (victorswein.blog)

Nun eilt dem Muscadet aus dem Nantais das Vorurteil voraus, dünn und nichtssagend auszufallen. So ganz falsch ist das nicht einmal, es gibt viele sehr einfache Zechweine. Aber es gibt eben Ausnahmen, und solche habe ich kürzlich bei einer kleinen Schweizer Weinhandlung entdeckt.

Die beiden degustierten Weine stammen von der Domaine Haut Févrie, die in Maisdon sur Sèvre, 20 Kilometer südöstlich von Nantes, rund 26 Hektar Reben bearbeitet. Das Gut zeichnet sich nicht nur durch eine in dieser flachen Gegend eher seltene Handernte aus, sondern auch durch einen schonenden Umgang mit der Natur – ein schöner Teil der Weine trägt bereits das Bio-Label (die beiden beschriebenen Weine allerdings nicht).

Austern-Geschmack liegt in der Luft – und sozusagen auch im Wein! Austernbänke am Atlantik nahe der Loiremündung.

Für die Region recht typisch ist indessen der Ausbau der Weine auf der Feinhefe (sur lie). Beide Weine lagerten monate- bzw. jahrlang auf der Hefe, was ihnen augenscheinlich zusätzliche Struktur verleiht. So darf ich hier zwei Muscadet’s vorstellen, die mehr als eine Entdeckung wert sind. Vielleicht war ich ja sozusagen ferienmässig beeinflusst, aber beim Trinken des „Gras Moutons“ fehlten mir plötzlich begleitende Austern – das wäre eine herrliche Kombination gewesen. Und der Monnières Saint Fiacre (er heisst so, weil er von einer besonders guten Parzelle mit alten Reben zwischen den zwei Dörfern mit diesen Namen stammt) ist so gehaltvoll, dass er ohne Weiteres auch helles Fleisch gut begleiten würde (Austern natürlich auch!). Beide Weine weisen übrigens eine leichte „Salznote“ auf, was in der Werbung gerne auf die Meeresnähe zurückgeführt wird. Es wäre natürlich spannend, dem nachzugehen, aber daran glauben mag ich nicht. Erstens liegt das Meer dann doch noch etwa 60 Kilometer entfernt und zweitens gibt es diese Erscheinung ja auch im Wallis, wo die Petit Arvine oft auch einen leicht salzig wirkenden Touch aufweist. Und mit der Logik der Meeresnähe müssten ja dann auch alle Bordeaux salzig ausfallen …

Gras Moutons 2018
Mittleres Gelb; zurückhaltender Duft nach Melonen und Mirabellen; erstaunlich dichter Körper, schöne, aber nicht übertriebene Säure, „salzig“, frisch, ganz leichter, auch erfrischender Bittertouch, im langen Abgang sehr fruchtbetont. 15,5 Punkte (= gut)

Monnières – Saint Fiacre 2016
Mittleres Strohgelb; fruchtbetonte Nase mit Zuckermelonen und Papaya; wirkt im Antrunk eher schlank, wird dann aber plötzlich sehr kraftvoll, gehaltvoll und schön rund ohne anzubiedern. Angepasste, schöne Säure, trotz tiefem Alkoholgehalt „feurig“ (nicht brandig!), enorm langer Abgang. Ausgesprochen schöner Muscadet! 16,5 Punkte (= sehr gut).

lahautefevrie.com

Bezugsquelle Schweiz:
Monnières-Saint Fiacre, Muscadet Sèvre et Maine AC, Haute Févrie, südhang AG, Zürich/Rüschlikon (suedhang.com)

Weine aus Zypern: weit mehr als ein Ferienflirt!

Eigentlich ist es verrückt: Zypern kann geschichtlich auf eine über 6’000 Jahre alte Weinbaugeschichte zurückblicken. Aber aktuell fristen die Weine von der Mittelmeer-Insel in Mitteleuropa immer noch ein Mauerblümchendasein. Völlig zu Unrecht!

Mara: Vielleicht hatten Sie ja in den Sommerferien auf Zypern gerade einen kleinen Flirt mit der Inselschönheit? Nun gut, Mara heisst eigentlich Maratheftiko und ist eine Rebsorte. So wie Xynisteri oder Yiannoudi und diverse weitere, autochthone Sorten.

Dass die Weine von der Ferieninsel bei uns kaum bekannt sind, ist geschichtlich gesehen allerdings kaum verwunderlich. Ein rundes Jahrhundert lang produzierte man hauptsächlich Massenwein für den englischen und zweitweise auch den französischen (!) Markt. Gemäss Wikipedia wurden in den 1960er-Jahren in England 13,6 Mio, Liter zyprischer Wein konsumiert, u.a. auch „Sherry“ von der Insel. Die Massenproduktion soll 1968 gar im Versuch gemündet haben, Wein wie Rohöl in einer Pipeline auf Schiffe zu verladen!

Die Zeiten sind vergangen, heute besinnt sich Zypern auf sein Wein-Kulturerbe und in den meisten Fällen auch auf Qualität. Und eben auf unikate Rebsorten wie die Inselschönheit Mara. Trotz allem haben es auch internationale Sorten auf die Insel geschafft, insbesondere Syrah, Cabernet Sauvignon, Carignan, Grenache und Viognier – was für das Mittelmeer-Klima ja nicht so verwunderlich ist.

Von wegen „die höchstelegenen Weinberge Europas liegen im Wallis“: In Zypern wird Weinbau bis in eine Höhe von 1’500 m.ü.M. betrieben! (Bild zvg)

Trotzdem, was die Weine aus Zypern so aussergewöhnlich macht, sind wirklich die autothonen Sorten. Damit wird eine enorme Eigenständigkeit erreicht. Gleichzeitig sind Mara und Co. in ihrem Aufteten aber auch nicht so abseits des europäischen Geschmacks, dass sie zu gewöhnungsbedürftig wären. Ich bin überzeugt, man darf den Weinen aus Zypern eine grosse Zukunft (wenn auch in einer Nische) des europäischen Weinmarktes voraussagen. Und wer als Weinfreund das nicht einmal – mit mehr als einem Flirt – probiert, hat eine Erfahrung verpasst.

Degustationsnotizen:

Parade toller Weine aus Zypern – eben, weit mehr als ein Ferienflirt!

Alátes 2019
Vlassides Winery, Rebsorte Xynisteri
Helles Gelb; zurückhaltende Nase mit feinen Nuancen von Zitrus, Rebenblüten und Mandeln; knackige, erfrischende Säure, knochentrocken, im Mund fruchtbetont-saftig, mittlerer Abgang. Süffiger Ferienwein der schönen Art. 15,5 Punkte (gut).

Petritis 2019
Kyperounda Vinery, Rebsorte Xynisteri, gewachsen auf 1’400 m
Helle Gelb; frischer Duft nach Apfel, Zitrus, weissen Pfirsich und Aprikose, wirkt, als wäre etwas Holz im Einsatz gewesen; im Mund sehr frisch, wirkt leicht tanninhaltig (?), schöne Säure gepaart mit einem leichten, erfrischenden Bitterton, mittlerer Abgang, von Aprikosenaroma geprägt. Schöner, eigenständiger, erfrischender Wein. 16 Punkte (am oberen Ende der Skala gut).

Xynisteri 2020
Zambartas Wineries, Rebsorte Xynisteri
Helles Gelb, Duft nach grünem Apfel und Stachelbeeren, auch Anflüge von Holunderblättern; sehr frisch, fruchtbetont, leichter, schöner Bittertouch, erstaunlich dichter Körper, sehr mineralischer Abgang. Süffig, aber keineswegs harmlos. Sehr spannender Wein, der mehr als nur eine Abwechslung im mitteleuropäischen Weisswein-Eintopf. (16,5 Punkte = sehr gut).

Omiros 2015
Aes Ambelis Winery, Rebsorte Maratheftiko
Mittleres Rot, mit leichten Brauntönen; Boskoop-Apfel (leicht oxydativ), etwas medizinal, Rosinen; stark adstringierend und leicht trocknend im Mund, schöne Säure, kräftig und druckvoll opulent. Wein mit schönen Ansätzen, aber vielleicht hat man hier fast zuviel gewollt.
Ist quasi ein „Flaggschiff“, was auch mit einer Flasche ausgedrückt wird, die auch leer noch schwerer wirkt als andere voll. Wird viele Liebhaber gewinnen, mir persönlich ist er zu rustikal und „gemacht“. Bin gespannt auf andere Jahrgänge. 15 Punkte (knapp gut)

Shiraz – Lefkada 2018
Zambartas Wineries
Mittleres bis dunkles Purpur; würzig und fruchtig, Thymian, Wacholder, Dörrpflaumen, Brombeeren, etwas Lakritze; im Mund ausgewogen, „saftig“, viele feine Tannine, gute Säure, kraftvoll, im Abgang mit leicht süsslichem Fruchttouch, gelungener Wein. Blind würde ich auf Südafrika tippen. 16,5 Punkte (sehr gut).

Yiannoudi 2016
Vouni Panayia Winery, Rebsorte Yiannoudi, gewachsen auf 1’000 m
Mittlere Rubin, Duft nach Rosinen und Lorbeer; kräftige Tannine, schöne Säure, leichter Bittertouch, strotzt vor Kraft, hat aber trotzdem eine gewisse Elegant und wirklich nicht breit, fast unendlich langer Abgang. Eigenständiger, spannender Wein. 16,5 Punkte (sehr gut).

Maratheftiko 2019
Zambartas Wineries
Mittleres Purpur; intensiver, sinnlicher Duft nach dunklen Kirschen, Brombeeren und Thymian, leichter Anflug von Tabak und Zedernholz (dabei lagerte er in Eiche ….); sehr feine Tannine, gut stützende Säure, bei aller Kraft eher auf der eleganten Seite, sehr langer Abgang. Noch sehr jugendlich, dürfte sich in 1-2 Jahren noch schöner zeigen. 16,5 Punkte (sehr gut).

Oroman 2017
Vlassides Winery, Rebsorte Yiannoudi mit kleinem Anteil Shiraz
Dunkles Purpur; Brombeer, Heidelbeer, Kirschen, Zimt, Vanille; schöne Säure, vollgepackt mit feinen Tanninen, kraftvoll und doch auch elegant, spürbares, gut eingebundenes Holz, im langen Abgang Alkohol etwas spürbar. 17 Punkte (sehr gut).


Genialer Süsswein!

Eine Geschichte für sich: Die Commandarias

Die Commandarias aus Zypern sind wahrscheinlich die ältesten Süssweine der Welt und sollen bereits in der Antike, 700 Jahre vor Christi, hergestellt worden sein. Wie auch immer, die Commandaria, die ich probieren konnte, ist schlicht umwerfend! Diese Spannung im Wein, diese unglaublich elegante Balance zwischen einer schönen, aber nicht überladenen Süsse und einer stützenden Säure und viel Frische! Umwerfend!

Ich gehe heute nur mit dieser Degustationsnotiz darauf ein und werde später einen separaten Artikel dazu schreiben. Aber dafür muss ich mir zuerst die besten Malagas, Madeiras und Marsalas zum Vergleich besorgen. Ich bin überzeugt, dass diese Commandaria mit allen mithalten kann!

Commandaria St. Nicholas 2017
Etko Ltd., Rebsorten Mavro und Xynisteri
Mittleres Malaga-braun; ein ganzer Duftladen in der Nase: Rosinen, Zimt, Nelken, aber auch exotische Früchte und sehr dezent Anflüge von Caramel; im Mund dezente Süsse bei gleichzeitig schöner Säure, wirkt dadurch sehr ausgewogen, frisch und rund, Alkohol ist in Form einer „Feurigkeit“ merkbar, keine Spur von Brandigkeit. Fast nicht endend wollender Abgang, in dem sich wiederum Süsse und Säure wunderbar die Waage halten. Von A-Z reintönig und umwerfend gut. 18 Punkte (mindestens!).

Bezugsquelle Schweiz:

Startseite – Paphos-Weine GmbH (paphosweine.ch)

Und die Links zu den Weingütern:
Vlassides Winery
Αρχική – Kyperounda Winery
Zambartas Wineries – Zambartas Wineries
Home – Aes Ambelis
Home | Vouni Panayias Winery (vounipanayiawinery.com)
Welcome to : ETKO WINES


Maximilian Greiner – wer sich diesen Namen nicht merkt, ist selber schuld!

A BLACK FOREST LANDWEIN. MADE WITH LOVE“. Was auf jeder Flasche des Weingutes Greiner steht, kann man sehr gut als Programm nehmen. Was Jungwinzer Maximilian Greiner abfüllt, hat Charakter und zeugt von viel Hinwendung. Diesen Namen muss man sich einfach merken, der wird ganz schnell ganz stark im Gerede sein, da bin ich mir sicher!

Greiner ist gelernter Tonnelier und liess sich später auch in Geisenheim ausbilden. Inzwischen ist er nicht nur Winzer (seit Jahrgang 2017), sondern auch schon als Berater für andere Weingüter tätig. Seine Gut befindet sich in Obereggenen, je rund 40 Autominuten von Freiburg im Breisgau und von Basel entfernt. Und Schwarzwald, wenn auch am Rand, stimmt durchaus und ist nicht nur ein Marketing-Gag.

Den Tipp zu diesem Winzer verdanke ich Otto Hintermeister, „Vinotti“ (siehe unten, Bezugsquelle). Bei einem Besuch in seinem Laden schwärmte er von Greiner, und er liess sich auch erweichen, mir von einer kleinen Vorauslieferung je eine Flasche zu verkaufen. Auf dem Weingut selbst war ich leider noch nicht, das werde ich aber mit Sicherheit nachholen – da wächst nicht nur etwas heran – da ist schon etwas Grossartiges da!

Und so ganz am Rand, aber einmal mehr bemerkenswert: Greiner pflegt einen nachhaltigen Umgang mit der Natur und arbeitet nach bio-dynamischen Grundsätzen (gemäss Vinotti demnächst auch zertifiziert). Ich mache keine Religion daraus und berichte auch über konventionell hergestellte Weine, aber es ist schon auffällig, wie oft bei wirklich grossen und vor allem eigenständigen Weinen auch ein entsprechender Umgang mit der Natur, und oft eine bio-dynamische Bewirtschaftung, dahinter stehen! Dem werde ich, sobald ich Zeit habe, einmal noch näher nachgehen.

Weinparade aus dem Schwarzwald: Maximilian Greiners tolle Gewächse!

Chasselas (Gutedel) 2020
Helles, grünliches Gelb; Stachelbeere, weisser Pfirsich, Zitrus, Anflug von Nüssen, leichter Hefeton; eher tiefe Säure, aber enorme Frische, fein strukturiert, geschmacklich dezenter, aber sehr langer Abgang. Vielschichtiger, irgendwie etwas „wilder“ Wein, sehr ausdruckvoll, eine eigene Spielart des Chasselas/Gutedel, erinnert ein wenig an den Stil von Ziereisen. Für mich ein grossartiger Wein, der für Schweizer Chasselas-Trinker aber vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig ist, Preis/Leistung unglaublich. 16,5 Punkte (= sehr gut)

Chardonnay 2018
Mittleres bis helles Strohgelb; dezent exotische Note nach Papaya und Banane, starker Duft nach Apfel („Tobiässler“, falls das noch jemand kennt), süsslicher Anklang von Honig, die ganze Nase aber eher dezent und nobel, auch mit etwas krautigen und hefigen Anklängen; im Mund dichte Struktur, mittlere, gut stützende Säure, fruchtbetont, Holz nur dezent spürbar, dafür merkbare, „neckische“ Fruchtsüsse, leicher Bitterton im langen Abgang. Toller Wein, 17,5 Punkte (= sehr gut)

Rosé Saignée 2019
Glänzendes lachsrot; Enormes, sehr schönes Fruchtbuquet mit Pfirsich, Himbeer, Zwetschen und einem leichten Nuss-Touch; im Mund frisch mit schöner Säure, erstaunliche Struktur mit leicht spürbaren, sehr feinen Tanninen, wunderbar elegant mit sehr langem Abgang. Ein Traumwein, der selbst mich zum Rosé-Fan machen könnte! Süffig und gleichzeitig so gut strukturiert, dass er auch als Essensbegleiter zu vielen Gerichten passt. (17 Punkte = sehr gut – wenn ich mich richtig erinnere, habe ich mein ganzes Leben lang noch nie einem Rosé eine so hohe Note vergeben).

Spätburgunder 2018
Helles, glänzendes Rot; zuerst etwas muffig wirkend, sogar leichter Lackton, nach etwas Belüftung dann reintönig, sehr fruchtig und sortentypisch, Himbeere, Johannisbeere, aber auch etwas Tabak und Lorbeer; im Mund spürbare, gut eingebundene Säure, strenge, leicht trocknende, aber feine Tannine, tolle Struktur, „feurig“, trotz einer gewissen Rustikalität sehr elegant, sehr langer Abgang. Zwingend dekantieren! 16 Punkte (= gut am oberen Ende der Skala).

Pinot Noir „Vulkan“ 2018
Mittleres Rot, das schon wir leicht gereift wirkt; wunderbare, vielschichtige Pinot-Nase, Johannisbeere, Himbeere, Walderdbeere, minimaler Holz-Touch; enorm frisch, sehr gehaltvoll und dicht, vollgepackt mit sehr feinen Tanninen, spürbare Säure, gesamthaft sehr ausgewogen. Im Abgang, „burgundisches Feuer“, ohne akoholisch zu wirken. Grosser Wein! 18 Punkte (= hervorragend)

Weissburgunder und Sekt 2018
Nicht beschreiben kann ich leider den Weissburgunder 2018, diese Flasche hatte leider einen Korkfehler. Soweit beurteilbar, ist das aber ebenfalls ein grandioser Wein; seine Struktur ist aussergewöhnlich. Auch den Sekt 2018 beschreibe ich nicht. Aus diesem Jahrgang lässt sich aufgrund der Fein- und Reinheit des Weines ableiten, dass auch der Schaumwein dereinst Furore machen könnte. Mir persönlich war dieser Jahrgang, obwohl ich Säure sehr mag, aber schlicht und einfach zu säurebetont.

Weingut GREINER (weingut-greiner.com)

Und die erwähnte Bezugsquelle in der Schweiz, bis zum 22.8.2021 noch zum Subskiptionspreis:
Weingut Greiner – VINOTTI

Schliesslich noch ein Verweis auf eine andere Homepage, welche die Einstellung von Greiner schön wiedergibt:

Badischer Weinbahnhof (badischer-weinbahnhof.ch)

Der Wolf als positives Wappentier: Loire-Weine gegen alle Vorurteile!

Cabernet Franc und Chénin – die beiden wichtigsten Rebsorten der mittleren Loire bringen herausragende Weine hervor, was leider hierzulande viel zu unbekannt ist. Hier ein Beispiel eines herrlich gereiften Weines der zeigt, dass die Loire-Weine mehr als nur eine Entdeckung wert sind!

Nerleux bedeutet im alten Französich Schwarzwolf. Da ist es logisch, dass die gleichnamige Domaine (de Nerleux) im Anbaugebiet Saumur-Champigny den Wolf im Wappen trägt und einen Teil ihrer Weine auch unter dem Namen des Wolfes vermarktet. Zumindet bei gewissen Leuten müsste das Gut in der Schweiz wohl gleich gegen zwei Vorurteile ankämpfen – die Unbekanntheit der Loire-Weine und die Furcht vor Wölfen.

Saumur – Sinnbild für die Schönheiten an der Loire. Und die Weine stehen dem in nichts nach!

Auf die Domaine aufmerksam geworden bin ich im Jahr 2013 auf einer Loire-Reise. Wir machten in Saumur Station und uns wurden im Bistro de la Place nicht nur die besten Pommes-Frites unseres Lebens serviert, sondern auch tolle Weine empfohlen. Der Weisse war ein Chénin mit dem Namen „Les Loups blancs“ und war so gehaltvoll und sortentypisch, dass wir anderntags gleich bei der Domaine de Nerleux vorbeifuhren und Wein kauften. Das Gut befindet sich in Saint-Cyr-en-Bourg, etwa 5 Kilometer von Saumur entfernt. Es lohnt den Besuch nicht nur der Weine wegen, sondern auch aufgrund der schönen und sehr gut unterhaltenen Bauten der Domaine.

Eine Flasche des „Les Loups noirs“ hatte ich auf die Seite gelegt, um sein Alterungspotential zu ergründen. Nach 10 Jahren war es nun an der Zeit, den Wein zu öffnen. Und siehe da: Er ist noch jugendlich frisch und gerade auf dem Höhepunkt, aber wohl auch noch jahrelang nicht müde. Der Wein war ein absoluter Genuss!

Es darf aber eigentlich nicht erstaunen, dass Cabernet Franc grossartige Weine hervorbringt. Er ist einer der Elternteile sowohl des Cabernet Sauvignon als auch des Merlot und der Carménère! Und dass die Sorte ein riesiges Potential hat zeigen die beiden Spitzenweingüter in St.-Emilion, Château Ausone und Cheval blanc, wo jeweils rund die Hälfte der ganzen Rebfläche mit Cabernet Franc bepflanzt ist.

Domaine de Nerleux, Les Loups noirs 2011
Mittleres, jugendliches Rubin; Pfeffer, Johannisbeeren, Pflaumen, leichter Anflug von Teer; äusserst harmonisch im Mund, mit stützender Säure, feinen, leicht trocknenden Tanninen und kaum spürbarem Alkohol. Sehr gehaltvoller, aber auch filigraner, tänzerischer Wein, der nach 10 Jahren schön trinkreif ist, aber durchaus auch noch gelagert werden kann. Beeindruckend, was an der Loire möglich ist! 17 Punkte (= sehr gut).

Domaine de Nerleux – Vins et Crémants du Val de Loire – Amélie Neau

Importeure habe ich leider weder für die Schweiz noch für Deutschland gefunden. Das wäre wohl noch eine Chance für ein Weinhaus, das eine Entdeckung in jeder Hinsicht anbieten will.

Selbst auf dem Korken sind die Wappentiere vorhanden!

Marc Kreydenweiss: Elsässer Weine der anderen Art. Gross-Artig!

Die Weine des Marc Kreydenweiss verfolge ich jetzt schon seit 30 Jahren. Während sie damals schon hervorragend waren, habe sie mit den Jahren noch eine Dimension dazu gewonnen: sie sind heute einzigartig! Nicht für jedermann, aber wer diese Art von Weinen (von Riesling) mag, wird im siebten Himmel schweben!

Völlig zu Unrecht sind die Weine des Elsass – auch bei mir – etwas aus dem Fokus geraten. Dabei gibt es immer mehr zu entdecken. Und dazu gibt es die Evergreens, wobei sich diese ebenfalls weiterentwickeln. So wie Marc Kredenweiss aus Andlau.

Als er 1989 auf biodynamischen Weinbau umstellte, war er einer der Pioniere. Und er wurde von der Weinwelt und seinen Winzerkollegen schlichtweg für verrückt erklärt. Dabei schaffte er es von Anfang an, wundervolle Weine herzustellen. Allerdings waren das anfangs der 1990-er Jahre noch Weine, die sich stylistisch kaum von anderen Rieslingen unterschieden. Ich war damals bei Divo tätig, und wir nahmen Kredenweiss ins Sortiment auf, weil er einfach hervorragende Weine herstellte, weit über dem damaligen Standard im Elsass.

Kreydenweiss hat sich aber über die Jahre weiter entwickelt. Und inzwischen ist sein Sohn Antoine für die Domaine verantwortlich, und auch er hat nochmals einen Schub in das Weingut gebracht. Angesichts der beiden nachfolgend beschriebenen Weinen scheint mir sein Statement auf der Website des Gutes geradezu Programm:

„Ma vision est de produire des vins d’expression singulière, des vins de lieux et de terroirs sans concession et artifice, sans dogme et sans limite. Je laisse fermenter les vins naturellement, ils sont élevés sur lies, (parfois jusqu’à 3 ans) avec un minimum de sulfites. J’aime les vins vibrants avec des bouches texturées, des vins qui ne rendent pas indifférents mais qui ne plaisent pas à tout le monde, des vins qui me ressemblent„.

Die beiden Weine, di3 ich hier beschreibe, legen Zeugnis davon ab. Wer sich mit der üblichen „Riesling-Erwartung“ diesen Weinen nähert, wird wohl enttäuscht sein. Da ist nichts von frisch-fruchtigen Noten, vielmehr wirken die Weine in der Nase fast etwas exotisch. Natürlich nicht typisch Riesling, aber mitreissend, spannend, einzigartig. Wer hatte denn schon einen Wein im Glas, der in der Nase wie ein Sauternes (oder eine Riesling-TBA) duftet, dabei aber knochentrocken ist? Und dann im Mund: Auch da nicht das Gewohnte, aber dennoch schon viel mehr der klassische Riesling: kraftvoll und dennoch elegant, enorm frisch, mit sehr langem Abgang.

Zwei Andlauer Grand Crus: Klare Handschrift, deutliche Unterschiede. Gemeinsamkeit? Beide grossartig?

Kastelberg Grand Cru, Riesling, 2015
Mittleres Strohgelb mit orangen Reflexen; „süssliche“ Düfte nach Aprikosen, Mango, Lederapfel (ich weiss, das kennt kaum mehr jemand – eine wundervolle alte Sorte), Waldhonig, dazu Lindenblüten. Erinnert fast ein wenig an einen Sauternes (wobei Botrytis fehlt). Im Mund enorm dicht, extrem frisch, schöne Säure, elegant, fast unendlich langer Abgang, in welchem das einzige Mal der hohe Alkoholgehalt (nicht negativ) spürbar wird. Ein Wahnsinn von einem Wein, wirkt optisch und in der Nase schon sehr gereift, ist aber erst am Anfang seiner Entwicklung. Atypischer Riesling, der nicht allen gefallen wird. Ich finde ihn schlicht grossartig! 18,5 Punkte (= herausragend).
NB: Ich verteilte erst seit einigen Monaten in meinem Blog Noten. So hoch habe ich bisher noch nie bewertet.

Moenchberg Grand Cru, Pinot gris 2016
Helles bis mittleres Strohgelb; exotische Düfte, ohne exotisch zu wirken: Papaya, Passionsfrucht, Honig, Stachelbeere, Holunderblüte; im Mund frisch, druckvoll und gleichzeitig ungemein „tänzerisch“, langer Abgang. Weniger ausladend als der Kastelberg, dafür filigraner und feingliedriger. Toller Wein! 18 Punkte (= ausgezeichnet).

Wie es Antoine Kreydenweiss beschrieb: Die Weine werden nicht jedermann gefallen (es wird ausdrücklich vor grösseren Blindkäufen gewarnt!). Aber wem sich diese Weine erschlossen haben, der wird sich in sie verlieben und eine neue Dimension von Wein – und von Riesling – erleben!

Der Clou zum Schluss: Wo habe ich diese Weine wohl gekauft? Bei einem spezialierten Händler? Bei einem Anbieter, der biodynamische Weine führt? Weit gefehlt: bei Coop! Das lässt ja darauf hoffen, dass solche Weine dereinst mehrheitsfähig werden. (Aktuell ist „nur“ der einfache Riesling 2017 im Angebot).

The Domain (kreydenweiss.com)

Weinwunderland Nord-Mazedonien: Grossartige Weine!

Haben Sie schon einmal einen Wein aus Nordmazedonien getrunken? Offen gesagt, ich bis zur wenigen Tagen nicht. Um so schöner die Entdeckung, dass hier grossartige Gewächse gedeihen, die nach mehr rufen!

Nordmazedonien war mir bisher nur als südlichster Teil von Ex-Jugoslawien bekannt, und als landschaftlich sehr reizvolle Gegend gemäss Schilderungen von Bekannten. Aber Wein? Nie gehört, nie getrunken – und viel verpasst!

Manchmal braucht es einfach Glück, um zu einer Neuentdeckung zu kommen. In der Schweizer FB-Weingruppe „Weinfreunde Schweiz“ (die ich sehr schätze, weil auf hohem Niveau diskutiert wird – qualitativ und bezüglich Anstand), wurden in einem Post drei Personen gesucht, welche zwei Weine aus Nordmazedonien probieren möchten. Ich habe mich spontan gemeldet und mir später auch noch drei weitere Weine dazu empfehlen lassen.

Inzwischen habe ich alle Weine probiert und genossen, und das Fazit: völlig unerwartet umwerfend gut!

Temjanika, Special select 2020, Tikveŝ Winery (Temjanika = Muscat blanc)
Helles Gelb; Zitrus- und Muskatdüfte; erfrischende Säure, schöne Substanz, auch im Mund sehr fruchtbetont, leichter Bittertouch im mittleren Abgang. Wirkt wie eine schöne Assemblage aus Sauvignon blanc und Müller Thurgau. Erfrischender, erfreulicher Wein, der Spass macht. 16 Punkte (= gut am oberen Ende der Skala).

Domaine Bela Voda white, 2019, Tikveŝ Winery (Grenache blanc und Chardonnay)
Helles Gelb; Duft nach weissem Pfirsich, weissen Johannisbeeren und Aprikosen, spürbare Holznote, aber ohne das geringste Toast-Aroma; im Mund sehr elegant, sehr dicht, aber nicht breit, schöne Säure, mit „feurigem“, sehr langem Abgang, trotz hohem Alkoholgehalt ist dieser kaum spürbar. Toller Wein im burgundischen Stil. 18 Punkte (= ausgezeichnet).

Domaine Barovo red, 2017, Tikveŝ Winery (Vranec und Kratosija)
Mittleres bis dunkles Purpur; intensive dunkle Frucht (Pflaumen, Dörrzwetschen, Brombeer), Anflug von Tabak; enorme Frische im Mund, viel Tannin und gute Säure, „feurig“ aber nicht brandig, mittlerer Abgang. Trotz enormem Power mit viel Eleganz und Finesse ausgestattet, würde sich neben fast allen Châteauneuf-du-Pape sehr gut machen. 17,5 Punkte (= ausgezeichnet).

Dioniz, 2016, Dalvina Winery, Vranec Barrique (autochthone Sorte)
Dichtes Purpur; Duft nach Dörrpflaumen, getrockneten Aprikosen und schwarzen Kirschen, Wacholder und Heidelbeeren; im Mund dichter Körper, saftig-fruchtig, vollgepackt mit feinen Tanninen, langer, eleganter Abgang. Hat 15,2 % Alkohol, was man aber kaum merkt! Toller Wein, der auch an die Rhône erinnert, aber mit seiner elegant-kühlen Seite auch einen Touch eines Loire-Cabernets aufweist. Toller Wein, 17,5 Punkte (=ausgezeichnet)

Die überzeugenden Weine aus Nord-Mazedonien. Viermal von Tikveŝ, einmal von Dalvina. Den roten Bela Voda (Vranec und Plavec) in der Mitte habe ich nicht beschrieben, er hatte leider einen Korkschmecker. Aufgrund seiner enormen Substanz im Mund ist er aber ohne Zweifel genau so empfehlenswert.

Auch wenn hierzulande Weine aus Nordmazedonien kaum bekannt sind, so haben sie doch eine sehr lange Geschichte. Rebbau wird hier schon rund 3’000 Jahren betrieben, und das Land kann in Sachen Weinkultur mit dem benachbarten Griechenland durchaus mithalten. Aus der jüngeren Zeit mit der Zugehörigkeit zu Jugoslawien freilich lässt sich nicht viel berichten, ausser, dass der damalige Gliedstaat Mazedonien rund 65 % allen Weins von ganz Jugoslawien lieferte, wenn offenbar auch nur als Massenware.

Inzwischen sind auch weintechnisch wieder bessere Zeiten angebrochen. Auf heute rund 30’000 Hektar (noch 2010 wurden nur 22’000 ha angegeben) wird heute Wein produziert. Und wenn ich auch nicht für die Masse reden kann – an der Spitze, wie hier degustiert, sind die Nordmazedonier tatsächlich – eben, Spitze! Zudem verfügt das Land mit diversen autochthonen Sorten über einen richtigen Schatz an Varietäten. Am bekanntesten ist die Vranec, welche im Land als spontane Kreuzung aus der Kratosija hervorgegangen ist, welche wiederum mit der Zinfandel bzw. Primitivo identisch ist. Mir will allerdings aufgrund der drei probierten, ganz oder teilweise aus Vranec vinifizierten Weine scheinen, dass die Kreuzung einen qualitativen Sprung noch oben ermöglichte. Wenn es denn stimmt, soll Vranec übrigens „wilder Hengst“ bedeuten – passen würde es!

Gemäss Wikipedia gibt es inzwischen wieder rund 40 private Kellereien im Land. Die grösste davon ist jene, die hier vier Weine zur Degustation beisteuerte: Tikveŝ. Sie besitzt selbst rund 1’000 Hektar Reben und hat für weitere 5’000 Hektar Verträge mit den Winzern. Somit wird rund ein Fünftel des Weines aus Nordmazedonien von diesem Betrieb hergestellt. Tikveŝ scheint mir einer der besten Beweise dafür, dass sich Grösse und Qualität nicht ausschliessen müssen. Mit Bela Voda und Barovo sowie Lepovo werden Spitzenweine im Domaine-Prinzip produziert.

Das Weinbaugebiet der Domaine Barovo: auf 800 m Höhe und von Bergen geschützt. (Bild zvg)

Tikveŝ hat sich aber auch den Rat des französichen Spitzen-Oenologen Philippe Cambie (2010 Oenologe des Jahres bei Parker) gesichert, und Cambie wird heute zu Tikveŝ mit den Worten zitiert; „we explore the old vineyards to discover wines that cannot be created anywhere else in the world“. Aber auch Marko Stojakovic, der Chef-Oenologe vor Ort, ist, obwohl noch jung, mit vielen Wassern (sorry, Weinen) gewaschen. So arbeitete er etwa auf Château Palmer in Margaux und Vieux Télégraphe in Châteauneuf-du-Pape. Aber ihn reizte schliesslich die Herausforderung in Nordmazedonien mehr als eine Karriere auf international schon bekannten Weingütern.

Dalvina wiederum ist ein sehr junges, erst 2007 gegründetes Unternehmen, das aber auch schon etwa 800 Hektar Reben sein eigen nennt. Die Winery ist top-modern ausgerüstet, und angesichts des Textes auf der Website „bei jedem Vinifikations-Schritt verfügen wir über die modernsten Ausrüstungen“ könnte man fast Angst vor „Technokraten-Weinen“ erhalten. Aber zumindest der hier probierte wilde Hengst (Vranec) Dionys wirkt überhaupt nicht so. Der Wein hat Persönlichkeit und Charakter.

Für den Moment bleibt eine sehr grosse Freude darüber, aus einem unbekannten Land wirkliche Klasseweine kennengelernt zu haben. Für die Zukunft macht diese Entdeckung Lust auf mehr – und ein Verlangen, das Land dereinst auch mal zu bereisen und die Betriebe zu besuchen!

http://www.tikves.com.mk

https://www.dalvina.com.mk/

Bezugsquelle Schweiz:
https://www.fino-vino.ch/


Die beiden „Bela Voda“ wurden dem Autor gratis, aber ohne jede Verpflichtung zur Verfügung gestellt (vgl. Einstiegstext). Die anderen Weine wurden anschliessend auf ordentlichem Weg käuflich erworben.

Rot zum 1. Mai: Noch eine rote Trouvaille aus der Weissweinhochburg Lavaux.

Auch wenn der Anteil steigt, Rotweine aus dem Lavaux sind nach wie vor rar. Dass sich das Terroir aber für die Produktion grosser Rotweine eignet, zeigt eine spannende Assemblage aus der wenig bekannten Lage Chardonne.

Chardonne – der kleine Ort gibt der Appellation mit einer Fläche von rund 100 Hektar den Namen. Andere Lagen im Lavaux wie Dézalay, St.-Saphorin oder Epesses sind sicher bekannter und deren Rebberge sind teils auch spektakulärer. Aber man tut den Weinen von Chardonne und der auch hier grossartigen Landschaft definitiv Unrecht, wenn man sie nicht beachtet. Und von wegen Bekanntheit: Charonne überblickt das Städtchen Vevey mit dem Hauptsitz von Nestlé. Aber wir reden ja hier von Wein und nicht Mineralwasser oder Kaffee!

Grandios: Blick vom östlichen Rand der Appellation Chardonne über die Reben auf Vevey, den Genfersee und die Dents du Midi.

Wir waren kürzlich für ein paar Tage in einem Hotel der Region (Ausblick siehe oben). Die Weinkarte wies diverse lokale Gewächse auf, die wir natürlich probierten. Auch wenn wir den Wein des ersten Tages hauptsächlich des Wortspiels wegen bestellten – Chardonnay aus Chardonne – konnte schon dieser durchaus gefallen. Es gibt leider keine Degustationsnotiz, weil ich nicht davon ausging, darüber zu berichten, aber es war ein frischer, fruchtiger, nicht im Holz ausgebauter Chardonnay mit schöner Struktur und mineralischem Touch. Irgendwo bei 15,5 oder 16 Punkten, also wirklicht gut. (Von Fabrice Neyroud, La Bacchanale).

Neue rote Assemblagen braucht das Land

Anderntags war Rotwein angesagt: „Cardona“, eine Assemblage aus Gamaret, Garanoir, Gamay und Diolinoir von Jean-François Neyroud-Fonjallaz. Es handelt sich um einen Famlienbetrieb in Chardonne, der nicht nur vor Ort Reben bestitzt, sondern auch in Dézalay, Calamin und St. Saphorin. Die bekanntern Namen sind also auch hier vertreten.

Was mit dem roten Cardona aus Chardonne ins Glas kam, war ganz erstaunlich:

Dunkles Purpur; Duft nach schwarzen Kirschen und Brombeeren, würzige Note, leicht spürbarer Holzton; im Mund ausgewogen, gut bepackt mit sehr feinen Tanninen, gut stützende Säure, schöne Fülle, Holzeinsatz im Mund kaum wahrnehmbar, mittlerer Abgang. Schöner, überzeugender Wein! 16,5 Punkte (= sehr gut).

Hier ist es einem Winzer hervorragend gelungen, eine sortenmässig aussergewöhnliche Assemblage perfekt zusammenzustellen und mit einem gekonnten Holzeinsatz noch eine zusätzliche Ebene einzuflechten. Diese Erfahrung zeigt, dass im Weinbau neue Wege erfolgversprechend sind. Und, dass Rotwein aus dem Lavaux eine grosse Zukunft haben. Zudem: Auch das Wortspiel „Cardona aus Chardonne“ tönt doch gut!

Jean-François Neyroud Fonjallaz-Vigneron-Encaveur-Rte du Vignoble 13 CH-1803 Chardonne/Switzerland Phone+41(21) 921 7173


Ich hatte erst kürzlich einen anderen tollen Rotwein aus dem Lavaux beschrieben. Hier wird ein anderer Ansatz der Assemblage gewählt – beide Wege sind spannend und vielversprechend:

Merlot, Syrah, Cabernet Sauvignon = Dézaley? (!) – Victor’s Weinblog (victorswein.blog)

Und weil es da eben so schön ist, hier noch ein Bild:

Blick über den untersten Teil von Dézalay auf den Genfersee. Das gelbe Haus rechts ist der Sitz der Domaine Antoine Bovard, über die ich im oben verlinkten Artikel berichtete. Auffallend sind die begrünten Rebflächen – was noch längst nicht im ganzen Lavaux üblich ist.

Da tut sich was … die Bündner Herrschaft wird grün!

Zwei Neuigkeiten aus der Bündner Herrschaft haben mich in diesen Tagen erreicht: Das Weingut Luzi Jenny stellt auf biologischen Rebbau um und Möhr-Niggli wurde Fair’n Green zertifiziert. Zwei verschiedene Wege mit dem Ziel, den Weinbau nachhaltiger zu gestalten.

Die Liste der Betriebe, die in der Herrschaft inzwischen biologisch oder bio-dynamisch arbeiten, wird immer länger: Georg Fromm, Jan Luzi, Francisca + Christian Obrecht, Markus und Karin Stäger und seit Kurzem auch Irene Grünenfelder mit Sohn Johannes Hunger. Und schon viel länger gibt es Winzer wie Anti Boner (heute Luzi Boner und Anna Rasi), Gody Clavadetscher (heute Roman Clavadetscher und Valérie Cavin), Louis Liesch und Heiri Müller (dessen Trauben heute von Marco Casanova verarbeitet werden), die auf Bio setzten. Für ein vergleichsweise kleines Weinbaugebiet ist das eine imposante und vielleicht sogar rekordverdächtige Liste, von der ich nicht einmal sicher bin, ob sie vollständig ist (Wegelin z.B. hatte zumindest mal mit Bio experimentiert).

Luzi Jenny – da tut sich was

Nun kommt mit Luzi Jenny aus Jenins ein weiterer Winzer dazu. Der Familienbetrieb von Vater und Sohn Luzi sowie Tilli und Amanda hat in ihrem jüngsten Aussand mit der meinem Artikel titelgebenden Überschrift „da tut sich was …“ über die Zertifizierung als Bio-Betrieb informiert. Mensch und Natur ins Gleichgewicht bringen und auch zu erhalten, lautet das Credo.

Die Weine von Luzi Jenny haben mich schon in den letzten Jahren immer überzeugt, auch wenn mir persönlich die Weissen zuweilen eine Spur zu viel Restsüsse aufwiesen. Ich habe mich oft gefragt, warum dieser Betrieb nicht bekannter ist. Aber vielleicht ändert das ja nun nach der Umstellung auf Bio? Jedenfalls habe ich den Aussand zum Anlass genommen, meine letzte Flasche Zweigelt aus dem Jahr 2013 aus dem Keller zu holen. Der junge Wein hatte mich echt begeistert, aber nun nahm ich an, dass er wohl zu alt sei und nicht mehr viel Freude machen würde. Ich hatte diese eine Flasche nur liegen gelassen, weil mich das Alterungspotential interessierte. Aber siehe da, dieser Zweigelt ist auch nach 8 Jahren von voll im Schuss:

Zweigelt 2013, Luzi Jenny, Jenins
Mittleres Rubin ohne jeden Alterston in der Farbe; leicht reduktiv, zuerst sehr verhalten, mit etwas Luft dann Johannisbeeren und Waldpilze; im Mund „feurig“, schöne Säure und feine, gereifte Tannine, wirkt noch sehr „saftig“ und frisch. Im mittleren Abgang leicht trocknend. Rundum schön gereifter Wein, der noch voll in Form ist. 16,5 Punkte (= sehr gut).

Möhr-Niggli: Fair’n Green

Einen anderen, interessanten Weg gehen Matthias und Sina Gubler-Möhr mit dem Weingut Möhr-Niggli in Maienfeld. Die beiden, die sich in den letzten Jahren zu Recht zu so etwas wie den „Shooting-Stars“ der Herrschaft entwickelten, teilen in ihrem aktuellen Aussand mit, dass sie neu das Zertifikat „Fair’n Green“ erlangt haben. Dieses Label steht in seinen Richtlinen in Bezug auf Pflanzenschutz und Düngung zwar deutlich hinter jenen eines Bio-Betriebes, berücksichtigt aber dafür auch wirtschaftliche und soziale Themen (z.B. Umgang mit Personal und saisonalen Arbeitskräften), enthält Zielsetzungen zum CO2-Ausstoss und zur Biodiversität und umfasst die gesamte Wertschöpfungskette.

Ich kannte das Label bisher nicht, aber ein Blick auf die Homepage und in die Richtlinien macht einen seriösen Eindruck. Auch der Umstand, dass Betriebe wie etwa Georg Breuer und Clemens Busch, oder in der Schweiz das Weingut zum Sternen von Andreas Meier mit dabei sind, wirkt vertrauenserweckend. Die umfangreichen Richtlinien wirken zwar eher wie ein Leitbild denn wie eine verbindliche Vorschrift. Aber wer sich solche Gedanken macht und sich auf ein solches Label einlässt, hat mich Sicherheit einen weiten Horizont und ist auf einem vorbildlichen Weg.

Auch die Broschüre von Möhr-Niggli habe ich zum Anlass genommen, eine Flasche alten Weins hervorzuholen, den „normalen“ Pinot noir aus dem Jahr 2010. Auch dieser Wein erwies sich, engegen meiner Annahme, noch als absolut trinkbar, wobei er aber schon sehr gereift ist:


Pinot noir 2010, Möhr-Niggli (6 Monate Barrique)
Gereiftes, helles Rot mit bräunlichen Reflexen; in der Nase noch erstaunlich fruchtig (Himbeeren und Mango!), leichter Anflug von Champignons; im Mund eher schlank, ziemlich mürbe und deshalb nicht mehr so präsente Tannine, aufgrund der Entwicklung des Weins etwas „spitz“ wirkende Säure, hat gesamthaft aber noch eine schöne Frische. Mittlerer Abgang.

Ich gebe hier keine Note, und ich kannte den Wein auch nicht in einem jungen Stadium (ich habe ihn erst kürzlich auf Ricardo erworben). Zweifellos hat er aber in seinen ersten Jahren enormen Trinkpass gemacht, Dass dieser Pinot nach 10 Jahren nicht mehr in Höchstform ist, überrascht ja nicht. Die besten Weine von Möhr-Niggli können indessen sehr gut altern. Das beweist der seit 2013 hergestellte „Pilgrim“, der sich mit Sicherheit nach 10 Jahren erst so richtig dem Höhepunkt nähern wird. Ich kann aber auch auf den 2009-er Clos Martha aus Baselland verweisen, der mir an einer Degustation zum 10-Jahr-Jubiläum von 15 Spitzenpinots aus der Schweiz am besten gefallen hat! Siehe hier:
Le vin suisse existe – même après dix ans! – Victor’s Weinblog (victorswein.blog)

Domaine Schwandegg – ein bisschen Natur 😉

Und weil es so gut zum Thema Natur passt, zum Schluss noch ein kleiner Blick in meinen eigenen Hobby-Rebberg. Ich bewirtschafte seit 33 Jahren 4 Aaren Pinot noir (Klon Mariafeld) am Fusse des Schloss Schwandegg in Waltalingen ZH. Der Rebberg ist in Sachen Umwelt und Biodiversität nicht vorbildlich, aber ich arbeite seit zwei Jahren an Verbesserungen. Ein kleiner Lichtblick war schon im letzten Jahr die erstmalige Beobachtung von Zauneidechsen. Und gestern nun konnte ich eine sogar fotographieren. Einfach nur berührend schön!

Eine Freude: Zauneidechse im eigenen Rebberg!

Die Degunotiz meines heute geöffneten 2010-ers erspare ich Ihnen. Aber auch dieser Wein ist noch trinkbar. Freude macht er aber nicht mehr gross.


Biologischer Weinbau aus Liebe zur Natur – Luzi Jenny
MÖHR-NIGGLI Weingut Maienfeld (moehr-niggli.ch)

FAIR’N GREEN | Standard für Nachhaltigkeit (fairandgreen.de)


Die Weine des Thierry Constantin: ein Gesamtkunstwerk!

Das Wallis ist für mich das am meisten unterschätze Weinbaugebiet Europas! Allein mit Weinen aus diesem Alpental könnte man problemlos jedes Essen begleiten, da über 50 verschiedene Rebsorten angebaut und auch in verschiedenen Stylen ausgebaut werden. Nebst den international bekannten Sorten sind vor allem auch die vielen Spezialitäten, teils autochthon, eine Entdeckung wert. Und das alles in generell sehr hoher Qualität zu meist noch vernünftigen Preisen! Einen der allerbesten Produzenten stelle ich hier näher vor: Thierry Constantin, „the marathon man“.

Ohne gross nachzudenken kommen mir mindestens 30 Winzerinnen und Winzer in den Sinn, denen ich im Wallis das Prädikat hervorragend erteilen würde. Mit etwas Nachdenken und -blättern wären es sicher noch weit mehr! Entsprechend mag es etwas unfair sein, wenn ich mit Thierry Constantin nur einen Produzenten herauspicke. So ganz zufällig ist die Auswahl freilich nicht. Schon bei mehreren Besuchen im Wallis bzw. bei Degustationen haben mich seine Weine immer voll überzeugt – ganz besonders, dass er durch das ganze Sortiment hindurch ein extrem hohes Niveau mit klarer Handschrift hält.
Ein früherer Bericht zum Wallis siehe hier: Walliser Weine: Spitzenklasse! – Victor’s Weinblog

Leider sind aktuell solche Degustationstage wie damals nicht möglich. Deshalb habe ich einige Flaschen von Thierry Constantin gekauft, um mir ein Urteil über den letzten Jahrgang (noch 2018 rot und 2019 weiss) bilden zu können. Die Einstufung vorab: Die Weine sind grandios!

Die Flaschen: innen und aussen ein Kunstwerk!

Der Betrieb von Thierry Constantin befindet sich in Pont-de-la-Morge, einen Steinwurf vom Wildbach Morge entfernt, welcher sich, zuweilen heftig, vom Sanetschpass hinunter in die Rhone ergiesst. Der Ort gehört zu Sion, und Thierry Constantin wohnt damit eigentlich in einer Stadt. Auf diese Idee käme aber keiner, denn gleich ennet der Hauptstrasse erhebt sich sehr ländlich der Hügelzug des Mont d’Orge, auf dessen Südseite sich allerbeste Weinlagen befinden. Die berühmte Domaine du Mont d’Or hat diesen Hang mit den charakteristischen gelben Häuschen marketingmässig herausgeputzt, aber hier besitzt eben auch Thierry Constantin Reben, auch in der Paradelage Corbassières. Nebst Parzellen auf dem Gebiet von Sion bewirtschaftet Constantin auch solche in der Nachbargemeinde Vétroz, gesamthaft umfasst der Betrieb 6,5 Hektar.

Das Gefühl und das Wissen für die richtigen Bepflanzungen
Die besten Lagen nützen aber nichts, wenn sie nicht richtig bepflanzt werden. Und da wurde Thierry sozusagen ein Geschenk in die Wiege gelegt. Seine Eltern waren schon Winzer, produzierten aber keinen eigenen Wein. Dafür betrieben sie aber eine Rebschule, und dieses schon als Kind erworbene Wissen hilft Constantin nun, die besten Reben mit den angepassten Unterlagen am richtigen Ort zu pflanzen. Für ihn steht der Entscheid, was wo gepflanzt wird, ganz am Anfang einer ökologisch sinnvollen Bewirtschaftung: Nur Reben die sich wohl fühlen, gedeihen von Natur aus problemlos und liefern bestes Traubengut.

Dass Reben, die kämpfen müssen, die besten Trauben liefern, ist eine alte Weisheit. Im Falle von Thierry Constantin zwingen die grösstenteils sehr trockenen Lagen die Reben zu Höchstleistungen. Allein schon die geringe Regenmenge in Sion (rund 600 mm p.a., Vergleich Zürich; 1100 mm), und die kargen Südhänge sowie hohe Sommertemperaturen tragen zu einem „Stressklima“ bei. Zusätzlich pflanzt Thierry Constantin aber auch eine enorme Rebendichte von 12’500 Stöcken pro Hektar.

Steil, steiler, Wallis! Der Mont d’Orge direkt vis à vis des Betriebes von Thierry Constantin.

Ein feines Händchen beweist Thierry aber auch bei der Ernte und im Keller. In bester Reife zu ernten, aber niemals zu spät, um die Frische, die Fruchtigkeit und die Säure zu erhalten, ist das erklärte Ziel. Tatsächlich fällt bei allen Weinen aus dem Haus Constantin eine enorme Frische auf – etwas, das man ja im Wallis nicht unbedingt erwarten darf, was aber seine Weine eben gerade so aussergewöhnlich macht.

Thierry ist nicht nur Winzer, sondern auch selbst Kellermeister. Und das Feingefühl setzt sich offensichtlich auch im Keller fort. Die Weissen machen – eben, um die Frische zu bewahren – keinen biologischen Säureabbau, und bei den Roten wird auf eine lange Extraktion und auf frische Frucht gesetzt, und ausser dem Gamay und dem klassischen Pinot werden alle Rotweine lange in Barriques ausgebaut (und es sei schon hier erwähnt: ohne, dass das Holz jemals dominant wird – ja teilweise kaum direkt spürbar ist).

Viel Holz, mit Feingefühl eingewoben und deshalb kaum spürbar. (Foto Sedrik Nemeth, zvg)

Die Degustationsnotizen – leider nur ein Teil des Gesamtkunstwerks
Diesmal habe ich nur fünf Weine probiert, möge Corona bald wieder Degustationen des Gesamtsortimentes ermöglichen!

Sauvignon blanc 2019
Helles Gelb; Stachelbeeren, Holunderblüten und -blätter, Passionsfrucht. Wirkt frisch geöffnet fast etwas „parfümiert“, nach etwas Lüften (und erst recht nach einigen Tagen) wird der Duft aber viel dezenter; im Mund sehr mineralisch, frisch, Säure und Süsskomplex im perfekten Gleichgewicht. Typischer, aber etwas exotischer Sauvignon, 16 Punkte (= gut im obersten Bereich)
PS: Es gab einen kleinen Rest, und nach 4 Tagen war der Wein zurückhaltender, nicht mehr exotisch und letztlich noch „besser“!

Petit Arvine 2019
Mittleres Strohgelb; Duft nach Grapefuits und Orangenschalen, florale Noten (an Flieder erinnernd); im Mund mineralisch, enorm frisch, dichte Struktur, schön eingebundene Säure, leichter, erfrischender Bitterton im langen Abgang. Grossartiger, typischer Arvine. Zusammen mit dem 2017er der Cave du Rhodan das Beste, was ich aus dieser Sorte je im Glas hatte! 18 Punkte (= hervorragend)

Humagne rouge, 2018
Mittleres Purpur; Johannisbeeren, rote Pflaumen, Dürrzwetschen; im Mund sehr „rund und fliessend“, schöne Frische, spürbare, gut stützende Säure, eher zurückhaltende, leicht trocknende Tannine, Alkohol erst im mittleren Abgang als feurig (nicht brandig!) spürbar. Humagne auf der eleganten, aber nicht dünnen Seite, sehr gelungen. 16,5 Punkte (= sehr gut)

Syrah, 2018
Mittleres bis dunkles Rubin; in er Nase im ersten Anflug etwas „überreif“ wirkend (was sich aber danach absolut nicht bestätigt); erdig, dezent Dörpflaumen und -zwetschgen, Sultaninen, Pfeffer, Lorbeer und Thymian; im Mund sehr präsente, feine Tannine, wunderbar abgestimmte Säure, dicht aber auch elegant und fast „tänzerisch“, entgegen der ersten Vermutung in der Nase ist der Alkohol kaum spürbar. Ganz schöner, feiner Syrah! 17 Punkte (= sehr gut).

Cornalin 2019
Dunkles, fast violettes Rot; rote und schwarze Früchte (Johanninsbeeren, Brombeeren, Pflaumen), Anflug von Bergheu, etwas Vanille; im Mund enorm saftig, sehr dichte Struktur, viele und kräftige, aber sehr gut eingebundene Tannine, wirkt sehr elegant, hat aber auch einen leicht rustikalen Touch; sehr langer, überaus frischer und saftiger Abgang. Traumhafter Cornalin! 18 Punkte (= hervorragend).

Zweimal ganz nahe an der Weltspitze – oder eigentlich mittendrin!

Seit 27 Jahren führt Thierry nun seine Domaine. Für mich hat er sich in dieser Zeit zum einem der absolut führenden Produzenten des Wallis entwickelt. Die Versuchung wäre ja angesichts der Akribie und Ausdauer gross gewesen, meinen Artikel mit einem Titel wie „der Langstreckenläufer“ zum versehen. Und tatsächlich hätte sich das angeboten: Thierry Constantin war nämlich in seiner Jugend einer der besten Langstreckenläufer der Schweiz. Mit einer Zeit von 2 Stunden, 14 Minuten und 7 Sekunden wurde er 1993 Schweizermeister – eine Zeit, die übrigens immer noch die beste je an einer Schweizermeisterschaft gelaufene ist. Und er ist auch dreifacher Weltmeisterschaftsteilnehmer (Marathon, Halbmarathon und Cross-Country).

Thierry Constantin: Präzision, Gefühl, Ausdauer! Auch als Winzer Spitze! (Foto: Sedrik Nemeth, zvg)

Mit seiner Marathon-Bestzeit war er anfangs der 1990er Jahre ganz nahe an der Weltspitze, der Weltrekord lag damals nur rund 8 Minuten oder 6 % darunter. Mir scheint es nicht vermessen zu behaupten, dass Thierry in seiner zweiten Karriere als Winzer und Oenologe erneut zur Weltspitze gehört und der Abstand zum „Weltrekord“ nicht grösser ist!

Accueil – Thierry Constantin

Ach ja, und Übrigens: Solche Werbeaussände wie nachstehend erhält man manchmal von Thierry Constantin! Eben, ein Winzer wie ein Künstler – ein Gesamtkunstwerk. Nur schon deshalb lohnt es sich, auf seiner Kundenkartei zu stehen 🙂

Foto Sedrik Nemeth, zvg

Südliche Rhône in Bio und Subskription: La Bastide Saint Dominique überzeugt in rot und weiss!

Einen Steinwurf ausserhalb der Appellation Châteauneuf-du-Pape gelegen, überzeugt ein Bio-Weingut seit einiger Zeit mit hervorragender Qualität – gerade auch beim Châteuneuf. Und trotzdem kennt es hierzulande kaum jemand. Noch wenige Tage gibt es die Weine bei einer kleinen Weinhandlung in „Subskription“ zu spannenden Preisen.

Ich hatte in meinem Blog schon einmal zur Bastide Saint-Dominique berichtet: über den hervorragenden „Pignan“, den es – weil es eine Lagebezeichnung ist – eben nicht nur von Château Rayas gibt.
Pignan ≠ Pignan – in jedem Fall aber eine Spitzenlage in Châteauneuf-du-Pape! – Victor’s Weinblog

In der Zwischenzeit habe ich auch den 2017-er gekauft und verkostet, und für mindestens ebenso begeisternd empfunden. Da gibt es – wenn auch nicht mehr „billig“ – ein echtes, unbekanntes Bijou in Châteauneuf! Gleiches gilt, eine Qualitäts-, aber drei Preisklassen darunter, auch wieder für den tollen roten Cairanne!

Ich weise aber heute, getreu meinem Motto „alles ausser gewöhnlich“, speziell auf die Weissen des Gutes hin. Ich mag den Ausdruck „Preis-/Leistungsverhältnis“ für Wein eigentlich überhaupt nicht, aber wenn ein Wein so speziell gut und gleichzeitig preiswert ist wie der weisse Côtes du Rhône 2019 von Bastide Saint Dominique, dann darf man diese Formulierung mit gutem Gewissen einmal verwenden:

Côtes-du-Rhône blanc, 2019 (Viognier mit Grenache blanc und Clairette)
Mittleres Gelb mit leicht rötlichen Reflexen; intensive, spannende, aber nicht aufdringliche Fruchtnoten nach Quitten, Bananen, MIrabellen und Aprikosen; im Mund kräftig und dicht, gleichzeitig aber mit schöner Säure und leichtem Bittertouch sehr ausgewogen, sehr mineralisch. langer Abgang; kräftiger, feuriger Wein, der aber auch eine für einen südlichen Wein unglaubliche Frische mitbringt. 16,5 Punkte (und das bei CHF 12.50!). (= sehr gut)

Châteauneuf-du-Pape blanc 2019 (Grenache blanc, Clairette, Roussanne)
Ziemlich blasses Gelb; Quitten, grüner Apfel, Lindenblüte, sehr würzige Töne; voluminös, spürbarer Alkohol, aber absolut nicht brandig, eher mässige Säure, aber mit ausgeprägter mineralischer Frische. Sehr langer Abgang. Braucht noch etwas Reifezeit. 17 Punkte (= sehr gut).

Stimmungsbild aus der südlichen Rhône. Reben im Winter, „nostalgische“ Aufnahme aus dem Jahr 1989.

Diverse Wein, auch die beschriebenen, sind aktuell, aber nur noch bis am 6. April 2021, in Subskription erhätlich bei:
Suchergebnisse für „vorverkauf“ – VINOTTI

La Bastide Saint Dominique (bastide-st-dominique.com)

Anmerkung zum Thema „Bio“: Die Weine sind ab Jahrgang 2019 nicht mehr mit dem Label versehen. Grund dafür ist, dass der Winzer im „Pilzjahr“ 2018 zusehen musste, wie die Trauben und Reben leiden. Er möchte sich deshalb für solche Jahre vorerst eine Hintertüre offen halten. Somit sind die Weine vorerst zwar weiterhin naturnah und in normalen Jahren auch nach den Bio-Prinzipien produziert, nicht aber zertifiziert.