Pignan ≠ Pignan – in jedem Fall aber eine Spitzenlage in Châteauneuf-du-Pape!

Wer als Weinfreund „Pignan“ hört, stellt wohl automatisch eine Verbindung mit Château Rayas her – Pignan ist der hervorragende „Zweitwein“ des Gutes. Dabei ist Pignan eine Lage (lieu dit) im Osten der Appellation Châteauneuf-du-Pape, und es gibt eine ganze Reihe weitere Weine mit diesem Namen.

Ich selbst habe mir kürzlich in einem Artikel wie selbstverständlich einen Vergleich mit dem Pignan gewünscht und dabei an jenen von Rayas gedacht vgl. hier:
https://victorswein.blog/2019/02/02/master-of-winemaking/
Ein Freund machte mich dann auf einen Pignan aufmerksam, der aussergewöhnlich gut sei – übrigens eben mit 97 Parker-Punkten geadelt. Die Rede ist vom „Les Secrets de Pignan 2016“ von La Bastide Saint-Dominique. Aufgrund der Empfehlung meines Freundes habe ich, ausnahmsweise blind, ein paar Flaschen von diesem Wein bestellt – und ich habe es nicht bereut:

Dunkles, dichtes Rot; Duft nach Brombeeren, Cassis und Thymian; im Mund sehr dicht aber auch elegant, spürbare, sehr feine Tannine, erstaunlich präsente und sehr gut eingebundene Säure, langer Abgang. Harmonischer, tiefgründiger und toller Châteauneuf, der jetzt schon Freude macht, aber sicher noch zulegen wird!

Die Bastide Saint-Dominique befindet sich bereits auf dem Gemeindegebiet von Courthézon. Sie liegt aber nur einen Kilometer von Château Rayas entfernt – während Rayas im Osten der Gemarkung „Pignan“ liegt, grenzt die Bastide Saint Dominique im Osten an dieses lieu dit. Offensichtlich spielen die Lagen auch hier in Südfrankreich eine erhebliche Rolle für die Qualität der Weine, was aber noch viel zu selten auch wirklich zum Ausdruck kommt. Einen Plan der vielen „lieu dits“ können Sie hier einsehen:
http://www.chateauneuf.dk/lieuxstor.htm

Ganz generell sind im Osten der Appellation Châteauneuf nicht die für die Appellation so bekannten Kieselsteinböden vorherrschend, sondern sandige Oberflächen, die häufig lehmigen und kalkigen Untergrund aufweisen. Das gilt für Pignan, aber auch für das benachbarte Le Rayas. Ganz offensichtlich gedeiht hier die Grenache besonders gut, und so überrascht es nicht, dass der „Secrets de Pignan“ der Bastide Saint Dominique zu 100 % aus dieser Traubensorte besteht – wie der Hauptwein von Château Rayas!

100 % Grenache, einer der seltenen Châteauneuf aus einer einzigen Traubensorte – wo doch 13 verschiedene zugelassen sind und fast alle Weine als Assemblagen auf den Markt kommen..

Das Gut „Bastide Saint Dominique“ weist gesamthaft eine Fläche von rund 50 Hektaren auf und produziert fünf verschiedene Châteauneuf’s (darunter auch ein sehr bemerkenswerter Weisser), aber es werden zudem Côtes-du-Rhône-du-Rhône-Villages, Côtes-du-Rhône aber auch einfachere IGP-Weine hergestellt. Das Gut arbeitet seit 2011 biologisch und ist seit 2014 auch zertifiziert. Mehr dazu erfahren Sie hier:

http://bastide-st-dominique.com/?lang=de

Bezugsquellen (ohne Gewähr):
Schweiz:
http://vinotti.ch/?product=la-bastide-saint-dominique-chateauneuf-du-pape-les-secrets-de-pignan-2016
(Für alle aus der Region Winterthur: Der coole Laden an der Wartstrasse ist ohnehin einen Besuch wert, hier wird nicht nur Wein verkauft, sondern auch ausgewählte Delikatessen und toller Käse vom unvergleichlichen Willi Schmid aus Lichtensteig)
Deutschland
https://weinmarkt-mattheis.de/la-bastide-saint-dominique/schland:

…. und ein absolut begeisternder Cairanne:

PS: In meiner „Bestell-Euphorie“ habe ich blind nicht nur den „Secrets de Pignan“ bestellt, sondern auch den Gigondas und den Cairanne 2016 des Gutes. Während der Gigondas rational betrachtet sehr gut ist – üppig und rund, wie man das von einem Südfranzosen erwartet – aber nicht unbedingt meinem bevorzugten Geschmack entspricht, begeistert mich der Cairanne absolut: Auch er ist kräftig, gleichzeit aber mit guter Säure versehen und überaus elegant – etwas vom Besten, was ich aus einer „Village-Gemeinde“ je versucht habe!

Ein 28-jähriger Hermitage: chamäleonal!

Trotz Vorurteilen: „Monier de la Sizeranne“ 1990 phänomenal gut

Hermitage anfangs der 1990er-Jahre, das waren Jean-Louis Chave und die beiden Handelshäuser Jaboulet Aîné und Chapoutier. Vielleicht noch Sorrel und Faurie, aber die waren damals etwas unregelmässig. Und Ferraton, heute hoch gelobt, war im besten Fall Mittelmass. Allerdings hatte in jener Zeit auch das Haus Chapoutier nicht den allerbesten Ruf.

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Am Hügel von Hermitage vor dreissig Jahren wie ein Sinnbild: Chapoutier damals weit unter Jaboulet Aîné. (Bild vl, 1991)

Ein bisschen zeigte sich das schon bei Besuchen der beiden Häuser: Bei Chapoutier in einem dunklen, alten Kontor – bei Jaboulet etwas ausserhalb von Tain in einem hellen, stolzen und modernen Neubau.

Die damalige Wertschätzung zeigte sich auch später: Frustriert davon, dass Weine, die ich für rund Fr. 30.– eingekauft hatte, plötzlich mehr als den zehnfachen Wert aufwiesen, und neue Jahrgänge weit über meinen finanziellen Möglickeiten kosteten, wollte ich vor etwa 10 Jahren einige Flaschen verkaufen. Während für den 90er „La Chapelle“ von Jaboulet ein Phantasiepreis bezahlt wurde, wollte der renommierte Ankäufer von Chapoutiers „Monier de la Sizeranne“ des gleichen Jahres schon gar nichts wissen. So lagerte diese Flasche eben weiterhin in meinem Keller, und jedes Mal, wenn ich mit dem Gedanken spielte ihn zu öffnen, verwarf ich die Idee, weil ich eine Enttäuschung erwartete.

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Wunderschöne Landschaft, herrlicher Wein: Der Hermitagehügel über der Rhone, von unten und von oben. (Bilder vl, 1991)

Die qualitative Wiedergeburt des Hauses Chapoutier

Gerade im Jahr 1990 sollte aber auch in der langen Geschichte des Hauses Chapoutier (es wurde schon 1808 gegründet) ein neues, erfolgreiches Kapitel aufgeschlagen werden. Michel Chapoutier übernahm die Leitung von seinem Vater Max, und der Sohn war sich bewusst, dass sein Unternehmen nur mit Qualitätsarbeit eine Zukunft hat. Vor allem aber stellte er nach und nach auf biodynamische Produktion um. Heute geniesst das Haus Chapoutier zu recht wieder einen hervorragenden Ruf, und ich bin sicher, dass ein Raritätenhändler in 15 Jahren noch so gerne einen „Monier de la Sizeranne“ aus der aktuellen Zeit aufkaufen würde.

Und trotzdem: auch der 1990er war phänomenal gut

hermitag-chapoutirKürzlich obsiegte dann doch die Neugierde in Bezug auf den Zustand des Jahrgangs 1990. Schon die ersten Aromen in der Nase zeigten, dass der Wein sicher noch trinkbar war. Vorherrschend waren Liebstöckel und Thymian. Auch ein erster Schluck überzeugte, ein zwar eher filigraner Wein, aber noch jung wirkend, mit präsenten Tanninen und vor allem auch Säure. Auch die Farbe war noch erstaunlich jugendlich.

Nach etwa einer Stunde Luftkontakt hatte sich der Wein verändert, als wäre er ein Chamäleon. Nun duftete er auch wie ein junger Wein, und zwar eher wie ein Pinot als wie ein Syrah: helle Beeren und Anflug von Waldpilzen. Das Trinken des Weines war ein Hochgenuss, auch im Mund war er runder und ausgewogener geworden – einfach phänomenal gut! Und der Beweis, dass Chapoutier auch in den eher mageren Jahren sehr guten Wein machen konnte.

Das Finale folgte aber erst noch: Ich liess ganz bewusst etwas von dem Wein stehen und probierte ihn andertags nochmals: Erneut hatte er sich total verändert, jetzt überwogen dunkle Beerenaromen, Cassis und Lakritze. Vor allem aber war der Wein noch immer voll präsent und genussvoll zu trinken. Ich bin überzeugt, dass er auch in nochmals 10 Jahren noch Freude machen würde.

Also, liebe Raritätenhändler, wenn euch jemand eine solche Flasche anbietet: zugreifen! (Oder vielleicht auch besser nicht – der verhinderte Verkäufer soll ihn ruhig selber trinken, das macht richtig Spass!)

https://www.chapoutier.com/

https://www.delinat.com/chapoutier.html

http://www.jaboulet.com/Website/site/fra_prehome.htm

http://hermite.fr/domaine-jean-louis-chave/

http://www.marcsorrel.fr/

http://www.ferraton.fr/

Und hier noch der erwähnte Händler, ihn habe ich als sehr offen und fair erlebt:

http://www.cavebb.ch/de/