Mauro Molino – Barolo und Barbera mit grossartiger Eleganz und Finesse.

Ein ganz grosser Name des Piemont ist Mauro Molino hierzulande noch nicht. Aber das dürfte und sollte sich ändern, die Weine sind nämlich hervorragend und tragen eine eigene, ganz auf Finesse ausgelegte Handschrift der Winzerfamilie Molino.

Wenn man KI befragt, ob Mauro Molino ein bekannter Barolo-Produzent sei, wird diese Frage ohne Zögern bejaht, es handle sich um ein bekanntes und anerkanntes Gut mit weltweiter Berühmtheit. In der Realität freilich handelt es sich meiner Wahrnehmung nach – zumindest in Mitteleuropa – um einen Produzenten aus dem Piemont, der in Sachen Bekanntschaft sicher weit hinter den berühmten Namen wie Giacomo Conterno, Bartolo Mascarello, Giuseppe Mascarello, Bruno Giacosa, Pio Cesare, Luciano Sandrone, Paolo Scavino, G.D. Vajra, Elio Altare und natürlich auch Gaja zurücksteht.  

Dafür sind in Sachen Preis die Weine von Mauro Molino noch halbwegs auf dem Boden geblieben – für Piemonteser Verhältnisse jedenfalls. 3-stellige Preise gibt es bei diesem Weingut auch für die Spitzenweine nicht, und etwa der „Basis“-Barolo, den ich grossartig finde, ist noch um die 40.00 bis 45.00 Euro/CHF zu haben.

Das Piemont wie aus dem Bilderbuch (Foto: zvg, Download Mauro Molino)

Finessenreich, fruchtig, reintönig – und elegante Kraft.

Dafür sind die Weine von Mauro Molino in Sachen Qualität wirklich gross. Das Weingut hat einen sehr eigenständigen Weinstil gefunden, bei allen degustierten Weinen stehen Finesse und Eleganz im Vordergrund, gleichzeitig schafft man es aber auch, eine subtile Kraft herauszuarbeiten. So wirken die meisten Crus im ersten Antrunk filigran, bloss um dann nach kurzer Zeit im Mund eine elegante, aber zupackende Kraft zu entwickeln. Das Paradebeispiel ist der Spitzenbarolo La Serra, den ich umwerfend gut finde. Und nebst den beiden Baroli zeichnet sich auch der Barbera durch diese Kombination von Eleganz und Kraft aus – etwas vom Besten, was man sich aus dieser Rebsorte vorstellen kann, dabei hatte ich nicht einmal den Lagen-Barbera im Glas. Einzig der Nebbiolo Langhe wird vielleicht ein wenig „Opfer“ des feinen Weinstil des Hauses, ihm fehlt es etwas an Kraft und er wirkt deshalb gar filigran. Allerdings handelt es sich auch hier um einen schönen Wein, der gerade jungen Weinfreunden den Zugang zu Nebbiolo leicht macht.

Matteo, Mauro und Martina Molino: „A real family affair“ (Bild zvg, Download Mauro Molino)

Familiensache: Vater Mauro, Sohn Matteo und Tochter Martina als Team.

Dabei ist das Weingut noch gar nicht so alt. Mauro Molino gründete es in La Morra im Jahr 1978 und brachte 1982 seinen ersten Barolo Vigna Conca auf den Markt. Der Betrieb wurde sukzessive ausgebaut. Heute umfasst er rund 20 Hektar (je nach Quelle auch „nur“ 13), die meisten davon in allerbesten Lagen. 2003 stieg Sohn Matteo in die Weinproduktion ein, 2008 folgte Tochter Martina, beide ausgebildete Oenologen. Martina kümmert sich hauptsächlich um Vertrieb und Organisation, Matteo vor allem um die Weinherstellung. Speziell ist, dass die meisten Weine des Gutes in Barriques reifen – trotzdem spürt man das Holz im Wein praktisch nicht. Moderner Stil im Piemont geht auch ohne Holzmarkierung und ergibt klassischen Wein!

Barriques statt grosses Fass – und trotzdem überhaupt nicht holzlastig! (Bild zvg, Download Mauro Molino)

95 Parker-Punkte für den Basis-Barolo!

Mich haben die Weine von Mauro Molina begeistert. Auch wenn ich sie nicht direkt neben anderen verglichen habe: Da muss sich manch ein bekannter Produzent warm anziehen, wenn man eine Blinddegustation durchführt. Bleibt zu hoffen, dass die Preise auf einer vernünftigen Höhe bleiben, auch wenn das Gut noch bekannter wird. Zumindest Parker hat es jedenfalls schon geadelt; der Barolo 2021 bekommt bei ihm 95 Punkte!

Degustionsnotizen:

Nebbiolo Langhe DOC, 2023, Mauro Molino
Helles, glänzendes Rubin; verhaltene, aber sehr feine Nase, Düfte nach Walderdbeeren und Pflaumen, dazu sehr blumige Töne nach Veilchen und Glyzinie; im Mund filigran, rund fliessend, feine, eher zurückhaltende Tannine, schöne, angepasste Säure, eine gewisse Feurigkeit (nicht Alkoholigkeit) im erstaunlich langen Abgang. Mehr Finesse als Kraft. Wirkte nach zwei Tagen gehaltvoller als am ersten. 16 Punkte.

Barbera d’Alba DOC, 2024. Mauro Molino
Mittleres, glänzendes Rubin; eher verhaltene, aber breit gefächerte Nase, dunkle Früchte wie Pflaumen und Zwetschgen, würzige Töne nach Lorbeer und Thymian, etwas Veilchen, alles sehr schön verwoben; im Mund im ersten Moment schlank wirkend, je länger der Wein im Mund bleibt, desto mehr kommt auch eine gewisse Fülle und viel Kraft zum Vorschein, dabei aber sehr elegant, sehr viel Frische, eher wenig, aber sehr feine Tannine, langer, fruchtbetonter Abgang, dort auch mit spürbarem, aber nicht störendem Alkohol. Ein Traumzänzer, gefällt mir mit seiner feinen Art sehr. 17,5 Punkte.

Barolo DOCG, 2021, Mauro Molino
Mittleres, glänzendes Rubin; sehr vielschichtige, aber nicht aufdringliche Nase, fruchtig, vor allem in Richtung rote Früchte, daneben Leder, Teer, Lorbeer, Veilchen und etwas Cognac; im Mund frisch, an sich filigraner Körper aber dabei auch etwas „mollig“ (nicht negativ gemeint), sehr feine, aber präsente Tannine, schöne Säure, die nur im Abgang etwas prägnant auftritt, langer Abgang, in welchem der Cognac-Ton aus der Nase nochmals zum Vorschein kommt. Toller Barolo! 18 Punkte.

Barolo DOCG, La Serra, 2021, Mauro Molino
(zu einem Essen genossen und Notiz im Nachhinein aufgrund der Erinnerung geschrieben)
Mittleres bis dunkles Rubin; ungemein tiefe, fruchtige Nase, dazu Anflüge von Leder, dunkle Schokolade und Thymian, sehr dezent neues, aber schön eingebundenes Holz; im Mund mit grosser Dichte und gleichzeitig sehr elegant, äusserst feine Tannine, schön stützende, angepasste Säure, im Mund ist das Holz kaum spürbar; äusserst feinfruchtiger, langer Abgang. Grosser Barolo! 19 Punkte.

Links:

Homepage des Gutes:
Mauro Molino

Bezugsquelle CH:
Mauro Molino


Interessennachweis:
Der Barolo 2021 wurde von der Weinhandlung Baur au Lac zu Degustationszwecken zur Verfügung gestellt. Die übrigen Weine wurden, zusammen mit 6 Flaschen des Barolo für meinen privaten Keller, nach der Degustation des Barolos käuflich erworben.

Ein Gedanke zu “Mauro Molino – Barolo und Barbera mit grossartiger Eleganz und Finesse.

  1. Walter Meier

    So unbekannt scheint Mauro Molino aber nicht zu sein. Bei VINUM war er auf Platz sieben der Top 100 des Jahres Italien.

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