Marc Kreydenweiss: Elsässer Weine der anderen Art. Gross-Artig!

Die Weine des Marc Kreydenweiss verfolge ich jetzt schon seit 30 Jahren. Während sie damals schon hervorragend waren, habe sie mit den Jahren noch eine Dimension dazu gewonnen: sie sind heute einzigartig! Nicht für jedermann, aber wer diese Art von Weinen (von Riesling) mag, wird im siebten Himmel schweben!

Völlig zu Unrecht sind die Weine des Elsass – auch bei mir – etwas aus dem Fokus geraten. Dabei gibt es immer mehr zu entdecken. Und dazu gibt es die Evergreens, wobei sich diese ebenfalls weiterentwickeln. So wie Marc Kredenweiss aus Andlau.

Als er 1989 auf biodynamischen Weinbau umstellte, war er einer der Pioniere. Und er wurde von der Weinwelt und seinen Winzerkollegen schlichtweg für verrückt erklärt. Dabei schaffte er es von Anfang an, wundervolle Weine herzustellen. Allerdings waren das anfangs der 1990-er Jahre noch Weine, die sich stylistisch kaum von anderen Rieslingen unterschieden. Ich war damals bei Divo tätig, und wir nahmen Kredenweiss ins Sortiment auf, weil er einfach hervorragende Weine herstellte, weit über dem damaligen Standard im Elsass.

Kreydenweiss hat sich aber über die Jahre weiter entwickelt. Und inzwischen ist sein Sohn Antoine für die Domaine verantwortlich, und auch er hat nochmals einen Schub in das Weingut gebracht. Angesichts der beiden nachfolgend beschriebenen Weinen scheint mir sein Statement auf der Website des Gutes geradezu Programm:

„Ma vision est de produire des vins d’expression singulière, des vins de lieux et de terroirs sans concession et artifice, sans dogme et sans limite. Je laisse fermenter les vins naturellement, ils sont élevés sur lies, (parfois jusqu’à 3 ans) avec un minimum de sulfites. J’aime les vins vibrants avec des bouches texturées, des vins qui ne rendent pas indifférents mais qui ne plaisent pas à tout le monde, des vins qui me ressemblent„.

Die beiden Weine, di3 ich hier beschreibe, legen Zeugnis davon ab. Wer sich mit der üblichen „Riesling-Erwartung“ diesen Weinen nähert, wird wohl enttäuscht sein. Da ist nichts von frisch-fruchtigen Noten, vielmehr wirken die Weine in der Nase fast etwas exotisch. Natürlich nicht typisch Riesling, aber mitreissend, spannend, einzigartig. Wer hatte denn schon einen Wein im Glas, der in der Nase wie ein Sauternes (oder eine Riesling-TBA) duftet, dabei aber knochentrocken ist? Und dann im Mund: Auch da nicht das Gewohnte, aber dennoch schon viel mehr der klassische Riesling: kraftvoll und dennoch elegant, enorm frisch, mit sehr langem Abgang.

Zwei Andlauer Grand Crus: Klare Handschrift, deutliche Unterschiede. Gemeinsamkeit? Beide grossartig?

Kastelberg Grand Cru, Riesling, 2015
Mittleres Strohgelb mit orangen Reflexen; „süssliche“ Düfte nach Aprikosen, Mango, Lederapfel (ich weiss, das kennt kaum mehr jemand – eine wundervolle alte Sorte), Waldhonig, dazu Lindenblüten. Erinnert fast ein wenig an einen Sauternes (wobei Botrytis fehlt). Im Mund enorm dicht, extrem frisch, schöne Säure, elegant, fast unendlich langer Abgang, in welchem das einzige Mal der hohe Alkoholgehalt (nicht negativ) spürbar wird. Ein Wahnsinn von einem Wein, wirkt optisch und in der Nase schon sehr gereift, ist aber erst am Anfang seiner Entwicklung. Atypischer Riesling, der nicht allen gefallen wird. Ich finde ihn schlicht grossartig! 18,5 Punkte (= herausragend).
NB: Ich verteilte erst seit einigen Monaten in meinem Blog Noten. So hoch habe ich bisher noch nie bewertet.

Moenchberg Grand Cru, Pinot gris 2016
Helles bis mittleres Strohgelb; exotische Düfte, ohne exotisch zu wirken: Papaya, Passionsfrucht, Honig, Stachelbeere, Holunderblüte; im Mund frisch, druckvoll und gleichzeitig ungemein „tänzerisch“, langer Abgang. Weniger ausladend als der Kastelberg, dafür filigraner und feingliedriger. Toller Wein! 18 Punkte (= ausgezeichnet).

Wie es Antoine Kreydenweiss beschrieb: Die Weine werden nicht jedermann gefallen (es wird ausdrücklich vor grösseren Blindkäufen gewarnt!). Aber wem sich diese Weine erschlossen haben, der wird sich in sie verlieben und eine neue Dimension von Wein – und von Riesling – erleben!

Der Clou zum Schluss: Wo habe ich diese Weine wohl gekauft? Bei einem spezialierten Händler? Bei einem Anbieter, der biodynamische Weine führt? Weit gefehlt: bei Coop! Das lässt ja darauf hoffen, dass solche Weine dereinst mehrheitsfähig werden. (Aktuell ist „nur“ der einfache Riesling 2017 im Angebot).

The Domain (kreydenweiss.com)

Südliche Rhône in Bio und Subskription: La Bastide Saint Dominique überzeugt in rot und weiss!

Einen Steinwurf ausserhalb der Appellation Châteauneuf-du-Pape gelegen, überzeugt ein Bio-Weingut seit einiger Zeit mit hervorragender Qualität – gerade auch beim Châteuneuf. Und trotzdem kennt es hierzulande kaum jemand. Noch wenige Tage gibt es die Weine bei einer kleinen Weinhandlung in „Subskription“ zu spannenden Preisen.

Ich hatte in meinem Blog schon einmal zur Bastide Saint-Dominique berichtet: über den hervorragenden „Pignan“, den es – weil es eine Lagebezeichnung ist – eben nicht nur von Château Rayas gibt.
Pignan ≠ Pignan – in jedem Fall aber eine Spitzenlage in Châteauneuf-du-Pape! – Victor’s Weinblog

In der Zwischenzeit habe ich auch den 2017-er gekauft und verkostet, und für mindestens ebenso begeisternd empfunden. Da gibt es – wenn auch nicht mehr „billig“ – ein echtes, unbekanntes Bijou in Châteauneuf! Gleiches gilt, eine Qualitäts-, aber drei Preisklassen darunter, auch wieder für den tollen roten Cairanne!

Ich weise aber heute, getreu meinem Motto „alles ausser gewöhnlich“, speziell auf die Weissen des Gutes hin. Ich mag den Ausdruck „Preis-/Leistungsverhältnis“ für Wein eigentlich überhaupt nicht, aber wenn ein Wein so speziell gut und gleichzeitig preiswert ist wie der weisse Côtes du Rhône 2019 von Bastide Saint Dominique, dann darf man diese Formulierung mit gutem Gewissen einmal verwenden:

Côtes-du-Rhône blanc, 2019 (Viognier mit Grenache blanc und Clairette)
Mittleres Gelb mit leicht rötlichen Reflexen; intensive, spannende, aber nicht aufdringliche Fruchtnoten nach Quitten, Bananen, MIrabellen und Aprikosen; im Mund kräftig und dicht, gleichzeitig aber mit schöner Säure und leichtem Bittertouch sehr ausgewogen, sehr mineralisch. langer Abgang; kräftiger, feuriger Wein, der aber auch eine für einen südlichen Wein unglaubliche Frische mitbringt. 16,5 Punkte (und das bei CHF 12.50!). (= sehr gut)

Châteauneuf-du-Pape blanc 2019 (Grenache blanc, Clairette, Roussanne)
Ziemlich blasses Gelb; Quitten, grüner Apfel, Lindenblüte, sehr würzige Töne; voluminös, spürbarer Alkohol, aber absolut nicht brandig, eher mässige Säure, aber mit ausgeprägter mineralischer Frische. Sehr langer Abgang. Braucht noch etwas Reifezeit. 17 Punkte (= sehr gut).

Stimmungsbild aus der südlichen Rhône. Reben im Winter, „nostalgische“ Aufnahme aus dem Jahr 1989.

Diverse Wein, auch die beschriebenen, sind aktuell, aber nur noch bis am 6. April 2021, in Subskription erhätlich bei:
Suchergebnisse für „vorverkauf“ – VINOTTI

La Bastide Saint Dominique (bastide-st-dominique.com)

Anmerkung zum Thema „Bio“: Die Weine sind ab Jahrgang 2019 nicht mehr mit dem Label versehen. Grund dafür ist, dass der Winzer im „Pilzjahr“ 2018 zusehen musste, wie die Trauben und Reben leiden. Er möchte sich deshalb für solche Jahre vorerst eine Hintertüre offen halten. Somit sind die Weine vorerst zwar weiterhin naturnah und in normalen Jahren auch nach den Bio-Prinzipien produziert, nicht aber zertifiziert.

Domaine Léandre-Chevalier: Die letzten Weine von der Insel. Und ein herrlicher Weisswein voller Rätsel.

Kürzlich durfte ich einen Weisswein der Domaine Léandre-Chevalier geniessen, von dem ich behaupte, dass ein Weingenie ist wer errät, aus welcher Traubensorte er gekeltert wurde (und blind, woher er kommt). Der Wein ist noch erhältlich, genau wie die letzten Rotweine des „Insel-Abenteuers“ des Dominique Léandre-Chevalier!

Das Gut liegt mir, seit ich vor ein paar Jahren die ersten Weine probiert und „Pferdemann“ Dominique kennengelernt habe, am Herzen. Mehrfach habe ich in meinem Blog schon über die Domaine Léandre-Chevalier geschrieben, zuletzt über die wundersame Wiederauferstehung dank des Kaufs durch den Schweizer „Pferdemann“ Reto Erdin:
Domaine Léandre Chevalier: Die märchenhafte Rettung eines Ausnahmegutes in Bordeaux! – Victor’s Weinblog

Aus der „Vor-Konkurs-Phase“ gibt es auf dem Markt noch einige Weine, u.a. bei der Weinhandlung Gerstl. Der neue Besitzer des Gutes, Reto Erdin, hat aber mit dem Kauf auch noch einige spannende Weine übernehmen können, die nun auf der Website des Gutes angeboten werden. Zwei davon wird es leider nie mehr geben, denn auf die Herstellung der „Insel-Weine“ (vgl. Infos unter dem Link oben) muss aufgrund des ungewöhnlichen Aufwandes künftig verzichtet werden. Es gibt aber noch ein paar Flaschen aus den Jahrgängen 2014 und 2016, die als echte Raritäten jetzt erhältlich sind. Beide Weine, sowohl die im Holz ausgebaute Variante „Bois flotté“ als auch der im Stahltank produzierte „Equinoxe“ sind zwar keine wirklich grossen Bordeaux. Aber beide sind auf ihre Art aussergewöhnlich, vielschichtig und spannend, und angesichts des bescheidenen Preises auf jeden Fall eine Empfehlung wert. Beide sind trinkreif, werden sich aver noch lange halten, und während der „Bois flotté“ eher auf der filigranen Seite punktet, überrascht der „Equinoxe“ mit mit seiner druckvollen, an einen Rhônewein erinnernden Art:

Das schwarze Schaf des Bordelais. Diese Rücketikette der „Inselweine“ brachte DCL nicht nur Freunde ein – und sogar eine juristische Auseinandersetzung … (mit wem auch immer 🙂 )

Bois flotté, AOC Bordeaux, 2014 (angebaut auf der Gironde-Insel Patiras)
Dunkles, fast ins Violett kippendes Rot; dunkle Früchte (Heidelbeer, Brombeer), würzig, etwas Kaffee. Im Mund schöne Säure, feine, aber zurückhaltende Tannine, kaum spürbarer Alkohol, eher schlanker, filigraner Wein, mittlerer Abgang. 16 Punkte (= am oberen Ende gut).

Equinoxe, AOC Bordeaux, 2016, (angebaut auf der Gironde-Insel Patiras)
Dunkles Rubin; Duft nach Casssis und Brombeeren, aber auch helle Fruchtnoten, würzig mit Thymian und Oregano; im Mund rund und „saftig“, spürbare Säure und Tannine, enorme Frische, im mittleren Abgang etwas Alkohol merkbar. Spannender Wein, den ich blind für einen gelungenen Grenache aus Gigondas gehalten hätte (dabei besteht er aus 90 % Merlot)! 16 Punkte, und je länger ich den Wein genossen habe, wohl sogar mehr. Unglaublich viel Wein für nicht einmal CHF 15.00.

Ein Weisswein zum Rätseln
Nebst den „Inselweinen“ finden sich auch noch einige wenige weitere Tropfen von der eigentlichen, und nun erfreulicherweise geretteten Domaine Léandre Chevalier aus den Côtes de Blaye selbst im Angebot. Dabei ein rätselhafter Weisswein, der nur die Herkunft „Vin de France“ tragen darf. Was denken Sie, wenn Sie die nachfolgende Degustationsnotiz lesen? Um welche Traubensorte handelt es sich?

Parole à mon père, („Vin de France“), 2015
Mittleres Gelb, dezenter Duft nach Birne, weissem Pfirsich und Quitte, leichter Holzton mit Vanille-Touch; im Mund äusserst elegant und gleichzeit sehr dicht, Alkohol kaum spürbar, dafür ein wenig Tannin, eher tiefe Säure, aber trotzdem sehr frisch wirkend, sehr langer Abgang. Toller, spannungsvoller Wein, der entfernt an einen weissen Burgunder erinnert. 17 Punkte (= sehr gut).

Sauvignon blanc kann es nicht sein, dafür hat er zu wenig Säure und die „falschen“ Düfte. Semillon erst recht nicht, da sind die Düfte und Aromen viel zu weit weg. Was dann? Hat ja jemand im Bordelais Chardonnay angepflanzt? Oder vielleicht gar Marsanne? Oder? Oder?

Reto Erdin hatte mir bei unserem Treffen den Wein zur Begrüssung gereicht. Ich hatte absolut keine Ahnung, auf was ich tippen soll, ich wusste nur, dass das ein toller Wein ist. Und die Auflösung ist schon sehr aussergewöhnlich, ja – mit etwas Enthusiasmus – sogar sensationell: Es handelt sich um einen weiss gekelterten Cabernet-Sauvignon, der den biologischen Säureabbau gemacht hat!

Hommage an den viel zu früh gestorbenen Vater: DLC lässt ihn durch einen genialen und ganz speziellen Weisswein nochmals sprechen!

Dominique Léandre-Chevalier nannte diesen weissen Cabernet „Parole à mon père“. Dazu muss man wissen, dass sein Vater 1986 im Weinkeller aufgrund einer Kohlendioxid-Vergiftung ums Leben gekommen ist, was Dominique damals zwang, in jungen Jahren das Weingut zu übernehmen. Wenn er nun einen Wein so benannt hat, dann muss dieser ja etwas Spezielles sein. Kommt dazu, dass Léandre-Chevalier ein Bewunderer der Weine aus dem Burgund ist. Da ist es auch nicht erstaunlich, dass er einen Wein keltert, der blind durchaus für einen solchen gehalten werden könnte!

Der „Parole à mon père“ zeigt aber vor allem eines: Der Schöpfergeist und der Drang, Neues und Spannendes auszuprobieren, liegt sozusagen in den Genen von Dominique Léandre-Chevalier. Wir dürfen uns auf die Weine freuen, die in den nächsten Jahren entstehen werden!

Die Weine können hier bestellt werden:
Unsere Weine – Hommecheval

Ferner sind einige andere ältere Weine der DCL auch noch bei der Weinhandlung Gerstl und in Deutschland bei Lobenberg vorrätig:
Domaine Léandre-Chevalier – Weingüter (gerstl.ch)
Le Queyroux Dominique Leandre-Chevalier – Lobenbergs Gute Weine (gute-weine.de)

Toujours le Gamay! Château Thivin lässt das „jamais“ alt aussehen!

„Toujours“ reimt sich nicht, ich weiss. Aber „jamais“ sollte man beim Gamay in der heutigen Zeit nicht mehr sagen. Man würde Tolles verpassen! Das gilt ganz generell, gerade auch für viele Schweizer Weine. Aber heute ist die Rede von Château Thivin am Bouilly-Hügel, der schönsten Gegend im Beaujolais, dessen Weine jeden Gamay-Verachter zum Schweigen bringen müssen.

Im Jahr 1877 kauften Zaccharie und Marguerite Geoffray Château Thivin zusammen mit den damals 2 Hektar Reben gleich beim Gut. Seither entstand eine Familientradition, heute sind die fünfte und die sechste Generation am Werk – und wie! Die sechste Generation hat wichtige Verbindungen in die Schweiz. Claude-Eduard studierte zuerst in Beaune, beendete sein Studium aber schliesslich in Changins. Nebst Stages bei der Domaine Chaves in Mauves (Hermitage) und der Fromm Winery in Neuseeland sowie dem Geyerhof im Kremstal war er auch in der Schweiz tätig, so bei der Domaine La Colombe in Féchy und den Fils de Charles Favre in Sion. Und eben auch bei der Domaine Diroso von Hanspeter Baumann in Turtmann. Dessen Tochter Sonja ist heute Frau Geoffray und spielt auf Château Thivin eine wichtige Rolle im Rebberg, aber auch im Marketing und Verkauf. Auch sie studierte in Changins und weist – nebst vielen anderen – Erfahrungen in der Fromm Winery auf (in Neuseeland und Graubünden). Noch heute steht sie ihren Brüdern im Wallis, welche die Domaine Diroso nach naturnahen Grundsätzen führen, bei Bedarf beratend zur Seite.

Aber zurück ins Beaujolais: Auch auf Château Thivin arbeitet man sehr naturnah, ein Teil der Reben befindet sich in der Umstellung auf biologischen Rebbau (u.a. jene, die für den unten beschriebenen „les sept vignes“ verwendet werden) oder trägt schon das Bio-Label. Und auf einer Parzelle, sinnigerweise „Utopia“ genannt, baut man auch Piwi-Sorten an.

Alles Weitere kann auf der Website des Gutes nachgelesen werden. Besonders fasziniert hat mich die vorbildliche Information über Herkunft und Vinifikation jedes Weines, aber auch eine Lokalisation der Parzellen. So macht sich informieren Spass!
(Alle Angaben in diesem Beitrag, ausser den Degunotizen natürlich, sind auch ausschliesslich online recherchiert).

Vorbildliche Konsumenteninformation, hier als Beispiel zur Lage Godefroy, welche einen Teil der Trauben zur hervorragenden Cuvéee Zaccharie liefert. (Bilder ab Website des Gutes)

Château Thivin, Cuvée Zaccharie, Côte de Brouilly, 2018
Mittleres Rubin; verhaltener Duft nach Brombeer und Weichselkirsche, Rosenblüten, leicht spürbares neues Holz; im Mund enorm ausgewogen, Säure, Alkohol und Tannine in schönem Gleichgewicht (letztere mit ganz wenig grünem Touch), wunderbare Eleganz, vor allem im langen Abgang druckvoll. Toller Wein. Wer hier blind auf Gamay tippt, ist Klasse. Ich bin nicht einmal sicher, ob dieser Wein in einer Degustation von Gemeinde-Pinots aus der Côte d’Or auf- bzw. abfallen würde! Schöner, berührender Wein, der dem Gründer der Familiendynastie, Zaccharie, alle Ehre macht! 17,5 Punkte.
(Gleichberechtigung: Es gibt auch einen Weisswein – ein Chardonnay – der den Namen Marguerite trägt).

Château Thivin, Les sept vignes, Côte de Brouilly, 2019
Mittleres Rubin; fruchtige Aromen von roten und dunklen Früchten (Himbeer, Brombeer, schwarze Johannisbeeren), leicht pfeffrig; gute Säure, feines, aber eher zurückhaltendes Tannin, filigran, saftig und süffig, mitterer Abgang mit leichtem, schönem Bittertouch. Schöner, fröhlicher, aber doch gehaltvoller Gamay. 16 Punkte.

L’amour du vignoble et son terroir – Château Thivin (chateau-thivin.com)

Schweiz:
Kaufen Cuvée Zaccharie | Côte de Brouilly AOC – Château Thivin | 2018 | DIVO.

Deutschland, diverse, siehe:
https://www.chateau-thivin.com/point-vente/export.php

Domaine Léandre Chevalier: Die märchenhafte Rettung eines Ausnahmegutes in Bordeaux!

Traumhafte Weine hatte er uns geschenkt, Dominique Léandre-Chevalier. Wie ein böser Traum kam dann die Nachricht, dass er das Gut aus finanziellen Gründen aufgeben musste. Und nun wirkt es wie ein Märchen, dass die Domaine neu aufersteht! Hier die unglaubliche Geschichte dazu – halt nicht passend an Ostern, aber ein bisschen wie Weihnachten ist sie jedenfalls auch!

„Pferdemann rettet Pferdemann“, hätte man auch titeln können. Dominique setzte für die Bewirtschaftung seiner Reben auch Pferde ein, und nannte sich deshalb „l’homme cheval“. Nun hat ein anderer Pferdemann aus der Schweiz das Weingut gekauft und Léandre Chevalier als Betriebsleiter eingesetzt. Wir dürfen uns freuen!

Er ist wieder da: „l’homme cheval“, Dominique Léandre Chevalier – neu als Betriebsleiter der Domaine.

Aber der Reihe nach: Die Domaine Léandre-Chavalier (DLC) liegt in einem der wenig beachteten Gebiete von Bordeaux an den Côtes de Blaye. Luftlinie liegt das Gut zwar nur etwa sieben Kilometer von Pauillac entfernt – aber eben auf der „falschen“ Seite der Gironde. Trotzdem erweckte die Domaine immer mehr Aufsehen mit aussergewöhnlichen und aussergewöhnlich guten Weinen. An den jährlichen Arrivage-Degustationen für Bordeaux aus dem Sortiment von Gerstl war Dominique Léandre Chevalier fast immer persönlich anwesend. Plötzlich fehlte er, mir fiel das zwar auf, aber ich dachte mir nichts dabei. Bordeaux-Freund Reto Erdin hingegen fragte bei Max Gerstl nach und erfuhr die traurige Nachricht vom Konkurs schon sehr früh. Gleichzeitig teilte ihm Gerstl mit, dass es für eine Rettung leider schon zu spät sei, das Gut sei bereits im Konkurs.

Reto Erdin – der neue Besitzer der DLC: „Pferdemann rettet Pferdemann“!

Reto Erdin hatte sich kurz vorher einen Traum verwirklicht und ein Weingut in Bordeaux gekauft. Er hatte zuvor rund 50 bezahlbare Güter angesehen und sich schliesslich für dieses Gut – Château Monichot – an den Côtes de Bourg entschieden. Es wird seit 2001 biologisch bewirtschaftet und ist zur Zeit noch verpachtet. Der heute produzierte Wein begeistert Erdin nicht wirklich, aber er konnte Tropfen aus den 1980er-, 1990er- und 2000er-Jahren probieren und ist deshalb vom Potential der Böden überzeugt. Er suchte eigentlich nach einem künftigen Betriebsleiter für dieses Weingut, und weil ihm die Weine und auch die Bewirtschaftung der DLC immer so gut gefallen hatten, wollte er Kontakt mit Dominique Léandre Chevalier herstellen.

Mit viel Mühe gelang ihm dies schliesslich. Dominique nahm zu jener Zeit kaum noch Anrufe entgegen – meine, mit denen ich mehr über die Situation erfahren wollte, auch nicht. Aber weil Reto Erdin nicht locker liess, fragte DLC schliesslich doch zurück, was er denn wolle. Damit war das Eis gebrochen, und die beiden lernten sich kennen. Dabei erfuhr Erdin auch, dass das Gut noch nicht verkauft sei. Sein Interesse war geweckt, aber auf Nachfrage beim Konkursamt sagte man auch ihm, die Domaine sei nicht mehr zu haben. Alle Umstände, etwa, dass verschiedene Personen die Reben mehr schlecht als recht pflegten, oder dass die Trauben im Herbst verkauft wurden (auch jene aus der Parzelle mit 33’333 Stöcken/ha – und das zum Weltmarktpreis von 50 Cent pro Kilogramm!) wiesen aber darauf hin, dass hier noch kein neuer Besitzer am Werk war.

Starke Nerven gegen französichen Beamten-Schlendrian
Schliesslich stellte sich heraus, dass das Konkursamt zwei Dossiers verwechselt hatte, und somit die DLC tatsächlich noch zu kaufen war. Es sollte nicht das einzige Problem mit den staatlichen Behörden bleiben – die diesbezüglichen Schilderungen von Reto Erdin sind absolut haarsträubend. Ich erzähle sie hier nicht, ich möchte ja irgendwann wieder nach Frankreich einreisen dürfen 🙂
Immerhin aber dies: Erdin hatte ein Angebot für den ganzen Betrieb eingereicht. Beim Vollzug der Überschreibung gingen dann aber einige Parzellen „vergessen“. Es handelte sich zwar nur um Wiesen und Hecken, aber auch die sind Erdin wichtig, weil er das Gut dereinst CO2-neutral betreiben möchte, sodass ökologischen Ausgleichsflächen notwendig sind. Zum Glück ist er selbst Notar und wusste sich zu wehren – aber auf seine Intervention hin forderte man ihn vorerst auf, er müsse halt nochmals eine Offerte für diese Parzellen einreichen.

Nichts für schwache Nerven war dann auch der Umgang mit dem Weinjahrgang 2020. Eigentlich war zwar alles für einen Kauf anfangs Jahr abgemacht, aber die Eigentumsübertragung verzögerte sich immer wieder. Und dann kam Corona, und es ging gar nichts mehr. Erdin musste also entscheiden, ob er – vom Amt so diktiert – auf eigenes Risiko und ohne jede Entschädigung, falls der Kauf nicht zustande kommt, die Reben zusammen mit Dominique Léandre-Chevalier und seinem Team pflegen oder ob er noch einen Jahrgang verkommen sehen will. Schliesslich entschied er sich für das Risiko. Dieses hat sich gelohnt, aber die ersten Trauben waren schon geerntet, als im September der Kauf endlich vollzogen werden konnte!
Wie Räubergeschichten tönen freilich auch Erlebnisse aus dem Betriebsjahr 2020. So kaufte Erdin zwar den ganzen Betrieb mitsamt Inventar und Fahrhabe. Allerdings zeigte sich dann, dass Maschinen verschwunden waren, und auch ein Teil des noch vorhandenen Flaschenlagers war gestohlen worden. Und einzelne Maschinen, die zwar nach Papier Erdin gehört hätten, sich aber noch in einer Werkstatt befanden, wurden nicht herausgegeben, weil noch Schulden von früher bestanden. Rechtlich wäre der Fall ja klar gewesen, aber wenn man eine Maschine dringend braucht, geht man auch mal einen „Kompromiss“ ein ….

Ein Genie soll man nicht bremsen!
Nun aber zu Erfreulicherem, zur Zukunft: Reto Erdin hat sich das Ziel gesteckt, die Weine in gewohnter Qualität oder noch besser herauszubringen. Und Dominique Léandre-Chevalier, der jetzt die Domaine nicht mehr als Besitzer, aber als Betriebsleiter führt, war und ist voller Tatendrang, so, als wolle er es allen zeigen! Die Zusammenarbeit zwischen Reto Erdin und Dominique Léandre-Chavalier hat sehr gut funktioniert. Natürlich hatte im Vorfeld auch Erdin davon gehört, dass DLC zwar ein genialer Weinbauer und ein liebenswürdiger Mensch sei, aber administrativ und finanziell eigentlich überfordert – und auch schnell frustriert, wenn er seine Ideen nicht umsetzen kann. Reto Erdin meint dazu: „Genies kann man nicht bremsen, man kann sie auch nicht an die Leine nehmen, sonst verlieren sie ihre Motivation und damit auch die Genialität“. Seine Aufgabe sei nur zu schauen, dass die Finanzen im Lot bleiben – und deshalb halt auch mal „nein“ zu sagen.

Zum Vormerken: Der erste Jahrgang nach dem Neustart wird vielversprechend
Die Fassproben des Jahrgangs 2020 sind gemäss Erdin äusserst vielversprechend! Und es gibt auch schon neue Pläne für weitere Weine. So soll eine zusätzliche Parzelle mit 33’333 Stöcken/ha bepflanzt werden – mit einer Rebsorte, die eigentlich nicht ins Bordelais passt! Welche? Alles muss ja nicht gleich verraten werden! Kein Geheimnis ist hingegen, dass es auf der Domaine noch eine Parzelle mit wurzelechten Petit Verdot-Reben gibt. Diese stehen im Sand und wurden deshalb nicht Opfer der Reblaus. Daraus wird es künftig als absolute Rarität ein Fass geben, also etwa 300 Flaschen.

Nicht mehr geben wird es auf finanziellen Gründen künftig aber den „Inselwein“. DLC hatte seit einigen Jahren auch auf einer Insel in der Gironde vor Pauillac (oder eben vor Anglade auf der anderen Seite, wo sich die DLC befindet) – der Ile de Patiras – Weine produziert. Das war aber so ressourcenraubend (die Pferde mussten beispielsweise verschifft werden, und wenn man die Ebbe nicht sauber einplante, konnte man gar nicht übersetzen), dass Erdin davon absehen wird. Überhaupt, die Kosten. Reto Erdin hat nachgerechnet und festgestellt, dass DLC am Schluss mit jeder Flasche seines Hauptweines 10 bis 15 Euro verloren hat. Trotzdem ist Erdin nicht der Meinung, dass auf dem Gut Geld aus dem Fenster geworfen wurde. Er hat im Jahr 2020 jede Rechnung geprüft und keine gefunden, die nicht sinnvoll erschien. Das Gut weist 3,2 Hektar Reben auf, und deshalb braucht es Helfer, welche die Laubarbeit und die Ernte sicherstellen. Aus Qualitätsgründen will das Gut hier immer die gleichen, verlässlichen und geschulten Leute, die auch weiterarbeiten, wenn man ihnen mal den Rücken kehrt. Und dafür wird dann eben auch der 2,5-fache Mindestlohn bezahlt. Und diese Stunden summieren sich, weil auf diesem Gut sehr Vieles in Handarbeit erledigt wird – erledigt werden muss. Auf der Parzelle mit den 33’333 Stöcken sind sogar sämtliche Arbeiten einfach nur von Hand möglich.

Qualität über alles! Und konsequent ökologisch.
Und Handarbeit hat auch eine sehr ökologische Seite: Man kann heutzutage die Reben – wenn sie nicht gerade so eng stehen wie in der 33’333-Parzelle – maschinell aufbinden. Bloss wird dann in aller Regel Kunststoff verwendet (Plastik-Klammern bzw. -Schnüre). Und genau das – Mikroplastic im Boden – passt natürlich nicht ins Konzept der Domaine DLC. Also werden die Reben von Hand und mit Bast aufgebunden. Billig ist das natürlich nicht zu haben!

Zudem man gibt sich auch nicht mit Holzfässern von der Stange zufrieden. DLC will ganz bewusst, dass man das Holz in seinen Weinen kaum spürt. Er bestand und besteht deshalb darauf, dass seine Fässer natürlich getrocknet und nach einem ganz bestimmten „Rezept“ ausgebrannt – „getoastet“ werden. Hohe Qualität lebt von Details!

Die Preise müssen etwas steigen – werden aber fair bleiben.
Erdin will deshalb ganz bewusst nicht die Sparschraube drehen. Gleichzeitig will er aber auch den langfristigen Bestand der Domaine sichern. Das heisst im Klartext, die Weine werden teurer! Allerdings, schiebt Erdin nach, mit dem Kauf der zwei Güter in Bordeaux habe er sich einen Traum verwirklicht, und er wolle damit nicht reich werden. Will heissen, die Preise werden moderat steigen, aber es müsse einfach gelingen, einen fairen kostendeckenden Preis zu erzielen, sonst funktioniere alles nicht – und schon gar nicht die hohe Qualität.

Ganz einfach wird es kaum werden, und es ist vielleicht ein Glück, dass die Spitzenweine des Jahrgangs 2020 erst im übernächsten Jahr auf den Markt kommen. Erdin setzt zwar darauf, dass die wichtigsten der bisherigen Weinhändler seine Weine weiterhin im Sortiment behalten und die treuen Stammkunden bei der Stange bleiben, eben auch zu etwas höheren Preisen (aber vielleicht auch nochmals höherer Qualität). Aber in Frankreich selbst sieht es aktuell traurig aus. Zwar wären die alten Kontakte noch vorhanden – sofern es denn die Firmen und Restaurants überhaupt noch gibt. Corona hat auch da eine tiefe Kerbe geschlagen, und wer nicht schon pleite ist, kauft kurzfristig jedenfalls kaum ein. Aber wer den Kampf mit den französischen Behörden erfolgreich hinter sich gebracht hat, wird hoffentlich auch jenen um die Kunden gewinnen.

Eines ist für Reto Erdin allerdings klar: Ein zweites Mal wird die Domaine nicht in Konkurs gehen, dafür kann er viel zu gut rechnen. Falls es nicht gelänge, für die herausragenden Weine einen fairen Preis zu erzielen, dann würde das Experiment „DLC II“ scheitern, bevor alles Geld „verbrannt“ wäre. Es ist also auch an uns Weinfreunden, die Wiedergeburt der Domaine langfristig am Leben zu erhalten.

Aus rein finanziellen Gründen wird die Domaine zur Zeit auch nicht als Bio-Betrieb zertifiziert werden. Reto Erdin wurde zwar an einem Bio-Weinbaukurs am FIBL geschult und überzeugt, und man arbeitet auf der Domaine auch sehr weit gehend nach den Bio-Prinzipien. Eine Zertifizerung würde aber sehr viel Geld kosten: Zusammen mit den baulichen Anpassungen einen siebenstelligen Betrag, den sich das Weingut nicht leisten kann. Denn während man in den Rebparzellen die Vorschriften problemlos einhalten könnte, müsste man baulich zu Vieles ändern.

Le deuxième „homme cheval“
Ach ja, und das mit dem „Pferdemann“: Reto Erdin ist Pferden mindestens so verbunden wie Dominique Léandre Chevalier! Und sehr talentiert ist er dazu: 2015 gewann er Gold an der „Quarter Horse EM im Amateur Reining“ – einer speziellen Ausprägung des Dressurreitens! Zudem war er selbst erfolgreicher Züchter.

DLC nannte und nennt sich „l’homme cheval“. Reto Erdin wiederum ist auf dem Handy seiner Partnerin als „Pferdemann“ gespeichert! Wenn das keine Symbiose ist!

Hoffen wir, dass das moderne Märchen des Pferdemanns, der einen anderen Pferdemann rettet und mit ihm zusammen Grosses aufbaut, zu einem guten Ende kommt. Wie sagte doch Reto Erdin zum Abschied zu mir: „Märchen enden fast immer mit einem Happy-End“! Man würde es diesem sympathischen, zwar selbstsicheren, aber gleichzeitig bescheidenen und nie überheblichen Pferdemann gönnen – und uns Weinfreunden erst recht!


Reto Erdin: tausche Porsche gegen Cheval-blanc-Inventar!

Reto Erdin, Europameister im „Quarter Horse Amateur Reining“ – und qualitätsbesessener Weingutsbesitzer.

Ein Wirtschaftsstudium an der HSG und ein Doktortitel stehen am Anfang der beruflichen Laufbahn von Reto Erdin. Er machte Karriere im Bankwesen und war CEO, wobei er betont, er sei nie im „Millionen-Salär-Club“ gewesen, und deshalb könne er heute auch nicht einfach aus dem Vollen schöpfen, wenn es um den Aufbau der DLC gehe. Um einen neuen Sortiertisch für die Triage der angelieferten Trauben zu kaufen, hat er kürzlich seinen Porsche verkauft. Immerhin erfuhr er dann, dass das gleiche Produkt auch auf Cheval blanc im Einsatz ist.

Nach einem extrem intensiven Jahr mit drei Bank-Jobs parallel nahm er sich eine Auszeit – um dabei festzustellen, dass er nicht mehr in die Bankenwelt zurück will. Er widmete sich danach der Reiterei, besuchte Bio-Rebbaukurse – und erlangte das Notaren-Patent. Heute arbeitet er als Notar – und natürlich auch als Weingutsbesitzer!

http://www.hommecheval.com

Hier noch einige Links auf meine früheren Beiträge über die DLC:
Je savais que c’était impossible … alors je l’ai fait! – Victor’s Weinblog
Provokation gelungen! Zu 100 %. Mit Petit Verdot. – Victor’s Weinblog

Und der inzwischen „überholte“ Beitrag zum vermeintlichen Ende der Domaine – zum Glück kam alles anders:
C’était impossible: Der „Pferdemann“ ist konkurs! – Victor’s Weinblog

Einfach nur wundervoll: Dominque Léandre-Chavalier ist zurück!

Es wirkt fast wie eine vorgezogene Weihnachtsgeschichte, die Max Gerstl eben auf Instragram gepostet hat: Das Weingut von Dominique Léandre-Chevalier wurde vom Schweizer Reto Erdin erworben – und Dominique produziert auf „seiner“ Domaine wieder Weine!

„l’homme cheval“ – Dominique Léandre-Chevalier ist zurück!

Welche Freude! Und welche Vorfreude auf kommende Weine!

Aber lesen Sie selbst direkt auf der Homepage von Gerstl:
https://www.gerstl.ch/de/news.html

Und für alle, die etwas in Vorfreude über kommende Weine schwelgen möchten, hier die Verweise zu Beiträgen, die ich über Dominique Léandre-Chavalier geschrieben hatte:
https://victorswein.blog/2018/01/06/je-savais-que-cetait-impossible-alors-je-lai-fait/
https://victorswein.blog/2018/06/07/provokation-gelungen-zu-100-mit-petit-verdot/

Und hier der damals betrübliche Artikel über das – vermeintliche – Ende:
https://victorswein.blog/2019/04/27/cetait-impossible-der-pferdemann-ist-konkurs/

Wie schön, dass es einen Neubeginn gibt! Freude herrscht!

Chasse-Spleen: weiss vor rot? Zumindest spannender!

Château Chasse-Spleen, ein bekannter Cru Bourgeois, stellt auch einen weissen Bordeaux her, der sehr gefällt und der durchaus mehr als nur rund 3 % der Produktionsmenge ausmachen dürfte.

Chasse-Spleen – Verteiber der Schwermut*! In meinem Fall könnte man auch sagen, „der Weisse von Chasse-Spleen, Vertreiber des Vorurteils“. Früher, und das heisst in meinem Fall vor 30 Jahren, gehörte das damals von Bernadette Villars geführte Gut zu meinen Lieblingsweinen, von den ganz Grossen einmal abgesehen. Irgendwann fand ich aber, das Château sei im Vergleich mit anderen ein wenig stehen geblieben, und der Wein fand seit dem Jahrgang 2004 keinen Eingang mehr in meinen Keller.

Kürzlich habe ich – einfach aus Neugierde, weil ich den Wein nicht kannte – nun den Weisswein des Châteaux probiert – und ich war begeistert!

Mittleres Gelb, Duft nach weissem Pfirsich, Quitten und Verveine, frisch gemähtes Gras, dezenter, feiner Holzton. Im Mund sehr ausgeglichen, gut eingebundene Säure, frisch, leicher Bitter- und Holzton, kaum spürbarer Alkohol. Sehr langer Abgang. Toller Wein, der auch noch gut reifen dürfte.

Weisswein wird auf Chasse-Spleen schon seit anfangs der 1990-er Jahren produziert, damals wurden rund 2 Hektar mit 65 % Semillon und 35 % Sauvignon blanc bepflanzt. Das Château schreibt selbst auf der Homepage, dass keine Erfahrung mit Weisswein vorhanden war, und dass es Mut brauchte, auf einem „roten“ Terroir, das roter gar nicht sein könnte, auch Weisswein anzubauen. Noch heute sind im Médoc die Weissen äusserst rar (aber fast immer sehr gut, ich denke da nicht nur an Pavillon blanc oder Cos, sondern auch an bezahlbare Gewächse wie etwa Cygne de Fonréaux, vgl. hier:
https://victorswein.blog/2020/02/22/mein-lieber-schwan-le-cygne-weisser-bordeaux-vom-feinsten/
oder du Retout).
Anfangs wurde der Wein nicht vermarktet, sondern auschliesslich in der Familie und von Angestellten genossen. 1995 wurde er erstmals kommerzialisiert, aber noch heute stehen 15’000 produzierte Flaschen rund 500’000 rotem Chasse-Spleen gegenüber. Bloss: Der Weisse kann wirklich überzeugen, das Gut schreibt dazu selbst:
Puis, notre travail et la signature Chasse-Spleen persuadèrent, peu à peu, un nombre croissant d’aficionados. Aujourd’hui, nous affirmons nos techniques, nos aptitudes à la dégustation le long du processus de la plante au vin, et Blanc de Chasse-Spleen tutoie de plus en plus les meilleurs vins blancs bordelais.
Dem ist nichts beizufügen!

Blanc ou rouge? Der Weisse hebt sich zumindest mehr von allen anderen ab!

Das schöne Erlebnis mit dem Weissen hat mich dazu bewogen, noch am gleichen Abend eine der letzten Flaschen an rotem Chasse-Spleen aus dem Keller zu holen, die mir noch bleiben. 2004 war kein Ausnahmejahr, aber der Wein gefiel mir auch, ja, ich war positiv überrascht:

Gereiftes, aber noch präsentes Purpur mit leichten Braunreflexen; in der Nase Leder, Tabak und Dörrpflaumen sowie immer noch etwas Brombeer; im Mund an sich ausgeglichen und rund, allerdings mit einigen Grüntönen und ein klein wenig spröd wirkend. Trotzdem, ein schöner Wein und ein echter Trinkgenuss!

Rot oder Weiss? Die Frage ist aufgrund der beiden verkosteten Jahrgänge natürlich nicht seriös zu beantworten. Trotzdem: Der Weisse von Chasse-Spleen steht bei mir in Zukunft definitiv auf der Einkaufsliste, den Roten werde ich wieder besser verfolgen.

http://www.chasse-spleen.com/#!/home
Der weisse Chasse-Spleen ist trotz kleiner Produktion bei diversen Händlern erhältlich, ich selbst habe ihn ausgerechnet beim „Italiener“ als Einzelflasche zu einer „italienischen“ Bestellung dazu gekauft: https://www.bindella.ch/de/p/weissweine/france/bordeaux/blanc-de-chasse-spleen-16840.html

* nach „Hubrecht Duijker, die guten Weine von Bordeaux“, Müller Verlag, 1980, erhielt das Gut demnach seinen Namen von Lord Byron, der den Aufenthalt 1821 so angenehm fand, dass seine Schwermut vertrieben wurde.
Se non e vero, e ben trovato.

Alter Name – neue Dynamik: Ferraton in Tain l’Hermitage.

Ferraton Père et Fils, ein alt eingesessenes Gut in Hermitage, hat sich in den letzten Jahren gewandelt – von gut zu aussergewöhnlich. Syrah und Marsanne zum Wiederentdecken, auch in den kleineren Appellationen! Und alles bio-dynamisch.

Hermitagehügel
Der berühmte Hügel von Hermitage von Tournon aus gesehen (Aufnahme aus 1991)

Ich erinnere mich gut an einen Besuch bei Ferraton Père et Fils in der Altstadt von Tain l’Hermitage im Jahr 1991. Michel Ferraton empfing mich sehr zurückhaltend und taute erst etwas auf, nachdem ich seine Weine positiv kommentiert hatte. Er erzählte mir danach von seiner Frustration über eine in der Woche zuvor erschienene Publikation von Michel Bettane, in der die Weine vor Ferraton geradezu verrissen worden waren. Ich konnte das nicht nachvollziehen, auch wenn Ferratons Weine nicht wirklich Spitze waren, so hatten sie doch Charakter und waren sauber – im Gegensatz zu einigen anderen Weinen aus der nördlichen Rhone zu jener Zeit. Und selbst Parker himself benotete die Cuvée des Miaux der 80er-Jahre regelmässig mit 90 Punkten.

Allerdings war es damals auch nicht ganz so schwierig, beim Hermitage weit vorne im Ranking zu stehen. Chave war outstanding (ich habe allerdings im Parker-Buch „The Wines of the Rhône Valley“ nachgesehen, auch er schaffte in jenen Jahren nur 3 Parker-Punkte mehr), Paul Jaboulet Aîné war gerade daran, mit seiner „La Chapelle“ auf ein ähliches Niveau aufzusteigen und Guigal sowie Delas brachten schöne Hermitage in die Flasche. Aber sonst? Châpoutier, heute absolute Spitze, war qualitativ in einer tiefen Baisse und Sorrel pendelte zwischen genial und schwierig. Und Faurie, Grippat und Fayolle brachten jedenfalls keine besseren Weine hervor als Ferraton.

Genug der Erinnerungen: Bei Ferraton übernahm schon bald Sohn Samuel das Ruder, und heute gehören die Weine zum Allerbesten, was die nördliche Rhone zu bieten hat. Die Entwicklung hängt eng zusammen mit der Metamorphose, welche das Haus Châpoutier erlebt hat. Dort entschied sich der junge Michel Châpoutier voll für Qualität und bio-dynamischen Rebbau und setzte (und setzt) damit Qualitätsmassstäbe. Den Ferratons freundschaftlich verbunden, übernahm er den Betrieb um die Jahrtausendwende (je nach Quelle beteiligte er sich auch „nur“ finanziell), und auch die Reben von Ferraton wurden fortan bio-dynamisch bewirtschaftet. Das Gut blieb aber eigenständig und verstärkte sich in den Folgejahren auch zusätzlich mit hervorragenden Oenologen. Mit grossem Erfolg, das Haus gehört heute zu den angesehensten Betrieben der nördlichen Rhone – und erzielt leider auch entsprechende Preise für die Spitzenweine. Diese liegen in einer Grössenordnung, welche nicht zum Konzept meines Blogs passen und welche ich auch ganz privat nur in wenigen Ausnahmefällen zu bezahlen bereit bin.

Es war deshalb naheliegend, die „kleineren“ Weine des Betriebes zu probieren. Die Chance dazu bot sich, weil Gerstl neu einige Weine von Ferraton im Angebot hat. Also bestellte ich bei passender Gelegenheit je einen Syrah aus Crozes-Hermitage und einen Marsanne aus St. Joseph dazu. Beide Weine überzeugten vollauf:

crozes-hermitageCrozes-Hermitage Les Pichères 2015
Dunkles, sehr dichtes Purpur; Pfeffer, Cassis, Heidelbeeren; satte, leicht trocknende Tannine, prägnante, schön stützende Säure, „feurig“, gesamthaft sehr kraftvoll und doch mit schöner Eleganz und Harmonie, mittlerer Abgang. Toller Syrah, der jetzt schon grosse Freude macht, dem aber ein paar Jahre Langerung noch gut tun.

St. Joseph La Source 2016 (weiss)
Mittleres Strohgelb; Mirabellen, weisse Pflaumen, grüne Töne; sehr dicht im Mund, spürbarer Süsskomplex bei eher tiefer Säure, dafür sehr mineralisch, mundfüllend und rund, sehr langer Abgang. Schöner, sehr typischer Marsanne, der mit einer Nuance mehr Säure noch spannender wäre. (Im Gegensatz zu Gerstl, der ihn als idealen Sommerwein sieht, würde ich ihn an kühlen Herbsttagen hervorholen. Dafür gibt ihm Gerstl auch „nur“ 17,5 Punkte. Ich würde 16,5 Punkte verteilen, was dann relativ gesehen aufgrund der Notenskala von Gerstl aber eigentlich höher liegt – schön, wenn ein Weinhändler nicht übertreibt!).

Rundum: Zwei sehr gelungene, empfehlenswerte Weine aus kleineren Appellationen der nördlichen Rhone, welche noch bezahlbar sind (rund CHF 30.00). Sie machen Lust auf die grossen Weine von Ferraton – wären da nur nicht die Preise um CHF 100.00 (was ja immerhin, verglichen mit einigen anderen, immer noch „günstig“ ist).

Und Michel Bettane? Er scheint Ferraton auch wieder zu mögen. Er gibt, bzw. Bettane + Desseauve geben, dem Pichères 2015 auf den ersten Blick bescheidene 15 Punkte. Das ist aber eine wirklich gute Note; die beiden französischen Weinkritiker haben sich nie der „Punkteinflation“ angeschlossen. Zum Vergleich: Die Domaine de Thalabert 2014, eine Referenz für die Appellation Crozes-Hermitage von Jaboulet Aîné, bekommt 14,5 Punkte – Parker gibt dem gleichen Wein 91!

http://www.ferraton.fr/
https://www.gerstl.ch/de/sortiment/weisswein/frankreich/rhone/rhone-nord/ferraton-pere-fils-la-source-product-15528.html (der Syrah ist nicht mehr im Angebot)
https://www.gute-weine.de/frankreich/rhone/nordrhone/ferraton-pere-et-fils/

https://www.chapoutier.com/fr/


Infos zu den Weinbaugebieten:

Crozes-Hermitage: Diese Appellation liegt am linken Ufer der Rhone und ist das grösste Gebiet der nördlichen Rhone mit rund 1’400 Hektar Reben, wobei mehr als 90 % der Produktion auf Rotwein aus Syrah entfällt. Für Weisswein sind Marsanne und Roussanne zugelassen. Das Zentrum des Gebietes ist eigentlich Tain l’Hermitage, das Anbaugebiet befindet sich nördlich, südlich und östlich des Städtchens. Je teurer und gefragter die Weine vom Hermitagehügel werden, desto mehr verlangert sich das Interesse auf dieses Gebiet, das in den beiden letzten Jahrzehnten auch enorme qualitative Fortschritte gemacht hat.

Hermitage: Direkt überhalb von Tain l’Hermitage liegt der Hermitage-Hügel (siehe Bild), der je nach Lage von Granit, Lehm, Sand oder Sandstein geprägt ist. Auf diese Appellation entfallen nur 136 Hektar Rebfläche, und entsprechend rar sind die Weine. Hermitage gilt in der nördlichen Rhone, etwas konkurrenziert durch die nördlich am anderen Rhoneufer gelegene Appellation Côte Rôtie, als die Paradelage für Weltklasse-Syrah (und ein wenig Weisswein aus den gleichen Sorten wie in Crozes-Hermitage).

Hermitge-chapelle
Blick von ganz oben. Die „Chapelle“ auf dem Hermitagehügel. Unten Tain l’Hermitage und auf der anderen Seite der Rhone Tournon (und ein Teil des Anbaugebietes von St. Joseph).

St. Joseph: Diese Appellation befindet sich auf der rechten Seite der Rhone und erstreckt sich über rund 50 Kilometer Länge – teils direkt gegenüber von Hermitage bzw. Crozes Hermitage. Es sind rund 1’100 Hektar bepflanzt, und die Traubensorten sind die gleichen wie auf der anderen Rhoneseite. Praktisch gleich wie Crozes-Hermitage hat sich auch St. Joseph zu einem ernst zu nehmenden Gebiet entwickelt.

 

Goisot, Côtes d’Auxerre: Liebe auf den zweiten Schluck. Dafür anhaltend!

Côtes quoi? Dass es auch in einem unbekannten Gebiet tolle Entdeckungen gibt, zeigt ein bio-dynamisch hergestellter Chardonnay von Guilhem und Jean-Hugues Goisot, der direkt vor den Toren der Stadt Auxerre wächst.

auxerre
Auxerre, nur wenige Kilometer von der Domaine Giosot entfernt: unbedingt besuchenswert!

Beim Weineinkauf probiere ich immer wieder unbekannte Einzelflaschen aus, vorzugsweise von Produzenten oder aus Gegenden, die ich noch nicht kenne. So liess ich mich kürzlich verführen, den Chardonnay „Corps de Garde“ 2015 von Goisot zu kaufen. Dabei erinnerte ich mich vage an einen lange zurückliegenden Bericht in der Revue du Vin de France, in dem der Produzent als „Institution“ im bio-dynamischen Weinbau Frankreichs vorgestellt wurde.

Trotzdem fragte ich mich vor dem Degustieren bloss, ob der Stil des Weines wohl eher in Richtung Chablis neigt (das nur rund 20 Km nördlich liegt) oder ob die Côte d’Or als Vorbild diente. Dass der Wein auch ganz anders vinifiziert sein könnte, kam mir, trotz des Hintergrundes der Biodynamie, naiverweise nicht in den Sinn. Ich war deshalb fast ein wenig vor den Kopf gestossen, als ich den den Wein probierte. Die Düfte der frisch geöffneten Flasche wirkten krautig, würzig und hefig, ich hätte auf einen Savagnin getippt; und im Mund fand ich weder die Finesse eines Chablis noch die rundere, holzbetonte Ausprägung eines klassischen Burgunders.

goisotBloss: Nach einigen Minuten im Glas präsentierte sich ein völlig anderer Wein: Anflug von Mirabellen, aber vor allem nussige und weiterhin grüne Düfte. Und im Mund eine enorme Dichte und ein Anflug von runder Fülle, gepaart mit aussergewöhnlicher Frische. Danach ein fast nicht enden wollender Abgang. Ein grossartiger Wein, in den man sich auf den zweiten Blick (oder mit weniger Erwartungshaltung auch auf den ersten) verliebt. Und das Schönste daran: Der Wein war am zweiten und am dritten Tag nach dem Öffnen noch viel aussagekrätiger und spannender. Unbedingt einige Stunden vor dem Genuss dekantieren!

Das Gut selbst und die Menschen, die dahinter stehen, kenne ich nicht. Offensichtlich sind gemäss meinen Online-Recherchen aber auch die roten Weine, ausschliesslich Pinot noir, von gleich aussergewöhnlicher Qualität.

Aber da Sie alle selbst lesen können, setze ich hier einfach zwei Links, statt abzuschreiben, was andernorts zu Goisot steht. Nebst der Homepage des Gutes ist auch sehr lesenswert, was der deutsche Importeur schreibt. Den Hinweis auf meine Schweizer Kaufquelle unterlasse ich; ich fühle mich angesichts des nun bekannten Euro-Preises abgezockt, aber das passt vermutlich ins Konzept des Käufers, der die Firma kürzlich erworben hat und sie auf Luxus trimmen will.

http://www.goisot.fr/le-domaine.html

https://www.weinhalle.de/goisot.html

Nachtrag: Soeben habe ich festgestellt, dass es in der Schweiz auch einen Importeur gibt, der anständige Preise hat:
http://www.cantinadelmulino.ch

Mein lieber Schwan! „Le Cygne“, weisser Bordeaux vom Feinsten!

Weisse Bordeaux sind entweder gut und sündhaft teuer oder dünn und nichtssagend! Diese bösartige Aussage eines Freundes hat etwas für sich – aber es gibt Ausnahmen, welche die Regel bestätigen. Eine besonders schöne: „Le Cygne“ von Château Fonréaud!

Natürlich war mir Château Fonréaud ein Begriff. Dieses Gut, ein Cru Bourgeois aus Listrac, etwas im Landesinnern und abseits der berühmten Châteaux des Bordelais in Listrac gelegen, kannte ich als verlässliches, aber auch selten grosses Gut für rote Bordeaux (was sich übrigens in den letzten Jahren auch geändert hat, die Roten von Fonréaud haben enorm zugelegt!).

Was mir aber vor bald einem Jahrzehnt im „Relais de Margaux“, einem sehr guten Hotel-Restaurant mit Blick auf Château Margaux empfohlen wurde, war ein bezahlbarer weisser Wein von Fonréaud, genannt „Le Cygne“. Es war sozusagen Liebe auf den ersten Blick, und seither kaufe ich diesen Wein regelmässig. Es ist ein begeisternd frischer, fruchtiger und dichter weisser Bordeaux zu einem vernünftigen Preis. Als Unterschied zu den ganz grossen Weinen war ich immer überzeugt, dass der „Cygne“ früh getrunken werden sollte, weil er vor allem von seiner Frische lebt.

Heute nun habe ich die letzte Flasche des Jahrgangs 2015 geöffnet: Und plötzlich bin ich nicht mehr sicher, ob dieser tolle Wein nicht auch ganz viel Alterungspotential hat. Zu früh getrunken habe ich die anderen Flaschen auf jeden Fall!

Toller weisser Bordeaux zu bezahlbarem Preis (ca. Fr. 25.00): eine wirkliche Trouvaille!

Helles Gelb mit Grünreflexen; in der Nase frisch geschnittenes Gras, Gewürznelken und Korianderkörner, dezenter Anflug von Ananas, Mango und Limetten, ohne exotisch zu wirken, ebenso dezenter Anflug von Holz in Form von Vanille; enorme Frische, spürbarer Süsskomplex (nicht zu verwechseln mit süss!) ohne jede Opulenz, enorm langer Abgang! Grandioser Wein!

Der weisse Schwan – sorry, der weisse Fonréaud – wird aus 60 % Sauvignon blanc, 25 % Semillon und 15 % Muscadelle komponiert. Immerhin 3 Hektar des Gutes sind mit diesen weissen Sorten bepflanzt. Eine echte Trouvaille aus dem Bordelais!

vignobles-chanfreau.com