Bemerkenswertes Weinland Luxemburg, aber das Bierland Belgien trinkt alles weg.

Luxemburg und Wein? Suchen Sie mal im deutschsprachigen Raum im Weinhandel oder im Restaurant einen Wein aus dem Grossherzogtum! Fehlanzeige! Dabei hat das Land auch mit Wein einiges zu bieten – und wer die Landkarte studiert, sieht auch warum.

Zugegeben, im Grenzgebiet zu Luxemburg findet man in Deutschland zuweilen einen luxemburgischen Wein im Angebot. Aber selbst dort ist das nicht die Regel, man hat ja selbst genug. Dabei sind die Dimensionen des luxemburgischen Rebgebietes erstaunlich gross. Die bepflanzte Fläche beträgt 1300 Hektar, was mehr als doppelt soviel ist, wie beispielsweise die Ahr oder der Kanton Zürich aufweist!

Gewitterwolken an der Mosel – aber nicht über dem luxemburgischen Rebbau. (Blick von der deutschen Seite nach Luxemburg).

Von den Römern bis zum Vertrag von Schengen

Das Anbaugebiet hat zudem eine sehr lange Geschichte, schon die Römer pflanzten hier vor 1’900 Jahren Reben. Und auf den zweiten Blick ist ein qualitativ hochstehender Weinbau ohnehin nicht erstaunlich, denn die Rebberge erheben sich über der Mosel, welche hier – zwischen Wasserbillig an der deutschen und Schengen (ja, genau dieses Schengen, wo der gleichnamige Vertrag abgeschlossen wurde!) an der französischen Grenze auf rund 40 Kilometern die Landesgrenze bildet. Der Fluss ist auch hier noch von erstaunlicher Breite und schiffbar.

Die Belgier trinken alles weg!

Produziert werden jährlich etwas über 100’000 Hektoliter Wein. Und knapp die Hälfte davon wird auch exportiert. Weshalb bloss kennt man denn diese Weine bei uns kaum? Die Antwort findet sich im benachbarten Belgien: Mehr als ein Drittel des luxemburgischen Moselweins wird dort konsumiert. Zum Vergleich: Nach Belgien werden rund 37’000 Hektoliter exportiert, nach Deutschland gerade mal rund 5’000 und in alle anderen Länder zusammen etwa 6’000.

Die Mosel bei Grevenmacher schon als stolzer Fluss – links (südlich) Deutschland, rechts (nördlich) Luxemburg mit seinen Reblagen.

Mosel bleibt Mosel, nur der Schiefer fehlt

Nun, die Belgier mögen Biertrinker sein, aber von Wein verstehen sie offenbar auch etwas, denn die luxemburgischen Tropfen sind qualitativ durchaus spannend. Erstaunlich ist das ja aber eigentlich nicht, denn das Weinbaugebiet bildet ja einfach die Fortsetzung des deutschen Moselgebietes (und auf der südlichen Flussseite, wo ebenfalls Reben kultiviert werden, wird deutscher Moselwein hergestellt). Einen wichtigen Unterschied gibt es freilich: In Luxemburg fehlen die moseltypischen Schieferböden, dafür herrschen Muschelkalk und Keuper vor. Aus diesem Grund spielt in Luxemburg auch der Riesling keine so dominante Rolle, er bedeckt „nur“ rund 15 % der Fläche. Die häufgste Sorte ist die Müller-Thurgau, gefolgt von Pinot gris, Auxerrois, Riesling, Pinot blanc und Elbling. Das Gebiet ist damit klar weissweinlastig, wobei der Rotweinanbau zunimmt und mit dem Pinot noir inzwischen rund 10 % der Fläche bedeckt.

Fast 60 % der Trauben werden durch Genossenschaften verarbeitet. Qualitativ den Ton geben aber offensichtlich einige unabhängige Winzer an. Vinum nennt im Weinguide Deutschland (!) 2021 etwa Alice Hartmann in Wormeldange, Pauqué in Grevenmacher, Aly-Duhr und Schmidt-Fohl in Ahn, Krier-Welbes in Ellage-Gare sowie Ruppert in Schengen. Ich selbst hatte die Gelegenheit, auf einer nicht dem Wein gewidmeten Reise Weine von Schmidt-Fohl und von Desom zu probieren, und beide überzeugten, obwohl sie noch nicht einmal die Spitzenklasse der jeweiligen Weingüter darstellen.

Herkunftsbezeichnung – gekreuzt mit staatlicher Qualitätsprüfung

Auf den ersten Blick etwas verwirrend ist die Klassifizierung der luxemburgischen Weine. Als Herkunftsbezeichnung im Rahmen der AOP Moselle gibt es die Varianten „lieu dit“ (klar definiertes Terroir der besten Lagen), „Coteau de“ („Premiumweine“) sowie „Côtes du“ (Einstiegsweine). Zusätzlich müssen die Weine aber auch noch eine staatliche Prüfung bestehen, welche durch ein entsprechendes Etikett dokumentiert wird und auch als separate Klassierung angegeben werden kann. So richtig kompliziert wird es deshalb erst jetzt: Mit 14 Punkten erreicht ein Wein die Bezeichnung „vin classé“, mit 16 Punkten darf man den Wein „Premier Cru“ nennen und ab 18 Punkten gar „Grand Premier Cru“. Dieses Qualitätsmerkmal kann also für einen Wein von Jahr zu Jahr anders ausfallen!

Mit dem Segen und der Qualitätsbeurteilung des Staates: luxemburgischer Wein.

Luxemburgischer Wein hierzulande? Eine Chance, sich abzuheben!

Ein „Grand Premier Cru“ mit dem Segen von Väterchen Staat also. Aber der kapitalistische Finanzplatz Luxemburg wartet auch sonst mit Überraschungen auf, so ist etwa der öffentliche Verkehr weit gehend gratis! Eine Reise nach Luxemburg ist spannend, und die Entdeckung des Weinbaugebietes erst recht! Wer weiss, vielleicht finden ja dann ein paar Tropfen auch mal den Weg in unsere Breiten- bzw. Längengrade? Insbesondere einer Sommelière/einem Sommelier oder auch einer Weinhändlerin/einem Weinhändler, der/die das Spezielle sucht, wäre ein entsprechender Posten auf der Karte jedenfalls zu empfehlen, bevor andere zuvorkommen! Und den Belgiern bleibt ja immer noch ihr Bier …

Degustationsnotizen

Desdom, Caves St. Rémy, Pinot gris Coteau de Schengen, Grand Premier Cru 2021

Mittleres Gelb mit leichten Rotreflexen; Duft nach Mirabellen, Aprikosen und etwas Mango, würzige Note und Anflüge von Honig; im Mund rund, mit schönem Süsse-Säure-Spiel (ist aber nur sehr dezent süss), recht langer Abgang, gehaltvoller, süffiger Pinot gris. 16 Punkte (bei mir wäre es also „nur“ ein Premier Cru, aber gut ist er).

Schmidt-Fohl, Pinot blanc Ahn Vogelsang 2021

Helles Gelb; sehr feine Frucht mit Noten von weissem Pfirsich und weissen Johannisbeeren, etwas Bergamotte, auch dezente florale Noten; im Mund mit viel Frische, passende, schön stützende Säure, auch im Mund fruchtbetont, mittlerer Abgang. Feiner, filigraner Wein. 16,5 Punkte.

https://www.desom.lu/de-DE

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Informationsquellen: Die Seiten des Staates Luxemburg, inkl. Export- und Anbaustatistiken, sowie Wikipedia.

Interessennachweis: Die Weine wurden in Restaurants der Region (bzw. in Belgien!) auf Empfehlung des Servierpersonals bestellt und genossen.

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