Natürlich kann man das Elsass, wie ich früher auch, auf der Route des Vins im Schnellzugstempo abfahren und bloss die Hotspots besuchen. Aber nur wenig abseits der bekannten Pfade gibt es Dörfer wie Hunawihr mit Winzerinnen und Winzern wie Jérôme und Nelly Mader, die eine Reise ins Gebiet erst richtig spannend machen!
Das Elsass ist nach wie vor ein Tourismus-Hotspot. Aber nach Hunawihr verschlägt es kaum jemanden, oder dann jedenfalls nur an den Rand des Dorfes zu den Attraktionen Naturoparc oder Jardin des Papillons. Im Dorf selbst herrscht beschauliche Ruhe – was den sehr authentischen und gepflegten Flecken aus meiner Sicht aber gerade besuchenswert macht.
Mitten im Zentrum findet man auch das Weingut Mader, das durchaus so etwas wie eine Blaupause des Ortes Hunawihr darstellt: pittoresk, gepflegt, bescheiden, massiv unterschätzt.

Trockene Weine – mein Kriterium für den ersten Besuch vor rund 30 Jahren.
Ich kenne und schätze das Weingut seit Jahrzehnten. Am Anfang stand ein Weinbuch über das Elsass, das ich vor rund 30 Jahren in der Bibliothek entlehnte, und an dessen Autor ich mich nicht mehr erinnere. Jedenfalls wurden etwa 50 Weingüter vorgestellt, und bei Jean-Luc Mader imponierte mir nebst der Beschreibung der sehr guten Qualität vor allem der Umstand, dass das Gut als den trockenen Weinen verbunden beschrieben wurde. Die – aus meiner Sicht – Unsitte des übertrieben restsüssen Ausbaus stand damals im Elsass gerade am Anfang (und ebbt heute erstaunlicherweise etwas ab).

Alles ist wie bisher – nur anders!
Ich habe das Gut mehrmals besucht und eingekauft, später aber, wie das ganze Elsass, für viele Jahre etwas aus den Augen verloren. Ein kürzlicher Kurztrip in die Vogesen und ins Elsass ergab die Möglichkeit, wieder einmal vorbeizuschauen. Alles ist neu, nichts ist anders! Oder etwa doch? Geblieben ist der Stil des Hauses mit charaktervollen und trockenen Weine. Aber Jean-Luc und Anne Mader, welche 1981 den erfolgreichen Schritt weg von der Genossenschaft in die Selbstvermarktung gewagt hatten, haben sich inzwischen ins zweite Glied zurückgezogen und das Gut an Sohn Jérôme übergeben, der Mader Vins nun zusammen mit seiner Frau Nelly führt.
Seit 2007 überzeugt biologisch.
Neu ist auch, dass die Domaine Mader seit 2007 biologisch bewirtschaftet wird. Jérôme Mader sieht darin, und vor allem einer ganzheitlich ökologischen Ausrichtung, eine eigentliche Verpflichtung; sein entsprechender Text auf der – sonst eher bescheidenen – Homepage ist ergreifend (Link unten).
Heute werden rund 11 Hektar Reben bewirtschaftet. Nebst den Lagen rund um Hunawihr wurde ein verlassener Rebberg in Ribeauvillé neu bestockt. Der Burgweg, direkt unterhalb der drei Schlösser des Ortes, ergibt einen interessanten Gegensatz zu den bisherigen Lagen und zeigt, wie spannend es sein kann, wenn das Terroir von einem Winzer herausgearbeitet wird. Wer das erleben will, sollte unbedingt bei Mader’s vorbeigehen und die Weine nebeneinander probieren – es ist eindrücklich! (Der Riesling aus dem Burgweg ist deutlich mineralischer und puristischer als jener aus Mühlforst – beides sind aber grosse Weine).
Rosacker? Nie gehört? Aber der wohl berühmteste Wein des Elsass kommt von hier!
Die Paradestücke von Mader sind aber die Grand Cru-Lagen im Rosacker. Auch wenn dieser Name bei Weinfreunden wohl eher wenig Bekanntheit hat, ist sie doch die vermutlich berühmteste, denn der sagenhafte „Clos Sainte Hune“ von Trimbach wächst genau hier! Der Clos ist vollständig von der GG-Lage Rosacker umschlossen, juristisch aber kein GG, weil das nie beantragt wurde (Quelle: Falstaff). Ist das nicht spannend? Der vielleicht berühmteste Wein des Elsass stammt aus einem Ort, den kaum jemand kennt!

Jérôme Mader indessen stellt auch aus anderen, weniger berühmten Lagen ganz tolle Weine her. Nebst dem bereits erwähnten, eher puristischen, aber extrem spannenden Burgweg zählt vor allem die Lage Mühlforst zu seinen besten Weinen. Der Riesling aus dieser Lage steht dem Grand Cru Rosacker nur wenig nach, er verfügt über etwas weniger Struktur, ist aber ein grandioser Riesling zu einem sehr fairen Preis (wie der Rosacker übrigens auch).
Sehr überzeugendes Sortiment und ein Rotwein für Freunde feiner, filigraner Pinot Noir.
Aber letztlich überzeugt das gesamte Sortiment des Gutes vollkommen. Die Basisweine sind in Bezug auf Preis-/Leistung kaum zu überbieten, der im Holz gereifte Pinot Blanc Helfant überzeugt mit seinem Volumen und trotz Holz sehr typischen Art und der Pinot Noir Mühlforst begeistert Pinot-Fans zumindest dann, wenn sie einen eher feingliedrigen Stil mit dezentem Holzeinsatz zu schätzen wissen. Diesen – übrigens für seine Qualität ebenfalls preiswerten Wein – hätte ich gekauft, wenn nicht in meinem Keller sehr viele Pinots aus meiner eigenen Produktion lagern würden. Aber wir haben uns seit unserer Rückkehr dafür schon mehrmals sehr an den Rieslingen Mühlforst und Rosacker erfreut!

Degustationsnotizen:

Riesling Mühlforst, 2021
Helles Gelb; sehr fruchtbetont (Mirabelle, Aprikose, etwas Zitrus) mit mineralischen Noten; schöne Struktur, sehr frisch, mineralisch, knackige, aber saftige und nicht übertriebene Säure, leichter, schöner Bittertouch, äusserst fruchtbetont im langen Abgang. Sehr vielschichtiger, dichter und doch eleganter, „lebendiger“ Wein. 17 Punkte.
Riesling Rosacker, 2022 GG
Helles Gelb; sehr feine, breit gefächerte Frucht (weisser Pfirsich, Aprikose, Mirabelle, Feige, sehr dezente exotische Note nach Papaya, auch Töne von frischem Gras; im Mund sehr elegant und frisch, dichter Körper, saftige, rund wirkende Säure, sehr langer Abgang. Toller Wein, ein Charakterkopf! 18 Punkte
Wie schon erwähnt, könnte die Homepage eine Auffrischung ertragen, interessant ist sie trotzdem. Sehr aktuell ist dafür der Facebook-Account „Domaine Mader“.
Und der direkte Link zum erwähnten Text zum Thema Ökologie:
Mader Weine
(Tipp für nicht so Frankophile: Rechtsklick im Text und „übersetzen“)
Interessennachweis:
Die Weine wurden bei einem Besuch auf der Domaine degustiert (und bezüglich Mühlforst und Rosacker gekauft und zuhause nachdegustiert)