Markus Ruch: zum Glück Winzer und nicht Banker

Den Tipp verdanke ich Michael Broger. Er machte mich auf den Newcomer Markus Ruch aufmerksam, der im Klettgau eben erst mit Weinbau begonnen hatte. Wenn jemand, der so geniale Weine herstellen kann, wie Michael Broger – siehe :
https://victorswein.blog/2018/01/01/michael-broger-der-pinot-magier/
einen Winzer empfiehlt, dann muss er ja gut sein. Und deshalb bestellte ich blind den Jahrgang 2009 der „Hallauer Chölle“ von Ruch, und der wurde erst noch frei Haus geliefert – vom Winzer selbst. Eines Abends stand ein grossgewachsener, sympathischer junger Mann von der Türe und lieferte einen Karton seines Weines ab. Dank Michael Broger habe ich also das Privileg, einen Wein aus den Anfängen des Markus Ruch verkosten zu können.

Ein herrlicher Pinot der speziellen Art aus dem Kanton Schaffhausen. Ruch’s „Chölle“.

Eine dieser Flaschen habe ich heute getrunken, und eigentlich war es immer noch zu früh. Aber was für ein toller Wein! Ein Pinot fern des „Mainstreams“ zwar, und vermutlich deshalb auch nicht jedermann’s Sache – aber eben einer jener Weine, die Persönlichkeit und Charakter aufweisen, und die mir deshalb so sehr gefallen:

Für Pinot erstaunlich dunkles Rot mit ersten Reifetönen; Dörrzwetschgen, Thymian und ein leichter Cognac-Ton; im Mund mit Ecken und Kanten, aber ungemein spannend und auch ausgewogen zwischen Säure, Tannin und Alkohol, leichter Anflug von Vanille als einziger Hinweis auf den Holzeinsatz, langer Abgang. Eigenständiger, toller Charakterwein!

tMarkus Ruch war auf bestem Weg, eine Bank-Karriere einzuschlagen. Nach einer kaufmännischen Lehre arbeitete er noch einige Jahre im Bankwesen. Eigentlich bin ich sicher, er hätte auch dort Karriere gemacht. Aber ein Weinbaupraktikum am Strickhof in Wülflingen begeistere ihn so sehr, dass er nicht mehr vom Wein wegkam. Nach diversen Lernaufenhalten bei so renommierten Winzern und Winzerinnen wie Christian Zündel, Marie-Thères Chappaz und Hans-Ulrich Kesselring, aber auch im Burgund bei der Domain Derain, begann er 2007 in Hallau, im „Chlättgi“ (Klettgau, Schaffhausen), selbst Wein zu produzieren.

Seit der Lieferung des Jahrgangs 2009 verfolge ich das Wirken von Markus Ruch praktisch jährlich am traditionellen „Tag der offenen Weinkeller“ am 1. Mai. Allein das Hinuntersteigen in den antiken Keller in der „Zehntenscheune“ zu Hallau und der Keller selbst sind einen Besuch wert.
Sein Sortiment wurde breiter, und die Qualität nimmt von Jahr zu Jahr noch zu. Ruch arbeitet bio-dynamisch, und vielleicht deshalb sind seine Weine auch über all die Zeit eigenständig, aber ausdrucksstark und herzerwärmend geblieben.

Der einzige Wermuthstropfen: Ruch’s Weine sind nicht billig, und überhaupt welche zu erhalten, ist schwierig; sie sind immer schnell ausverkauft. Ich scheine nicht der einzige Weinfreund zu sein, der sie mag!

http://www.weinbauruch.ch/

Ein Tag auf Erden nur – aber dafür in Cahors!

Da war im Jahr 2000 ein Paar mit abgeschlossenem Studium – er Architektur, sie Kunstgeschichte – aus dem Raum Paris, das beschloss, Weinbau im Südwesten Frankreichs zu betreiben. Sie übernahmen in der Appellation Cahors, die „Domaine du port“ (das Gut liegt im „lieu dit“ le Port) und tauften sie kurzerhand um in „Clos d’un jour“.

Die „Pont valentré“, die in Cahors den Lot überspannt. Sie stammt aus dem 14. Jahrhundert!

Der namensgebende Hauptort des Gebietes, Cahors, liegt im Osten der Appellation. Die Domaine „Le clos d’un jour“ hingegen befindet sich gefühlte 50 Flusswindungen abwärts, bei Duravel, im Westen des Gebietes. (Gezählt sind es übrigens 15 Schlaufen, aber der Verlauf des Lot ist hier ganz speziell, und weil die Windungen auch auf den Strassen nachvollziehbar sind, bekommt man das Gefühl, der Fluss schlängle sich fast ewig durch die Landschaft). Die ganze Gegend hier im Südwesten Frankreichs ist überhaupt eine Augenweide, es erstaunt daher nicht, dass sich das Winzerpaar Véronique & Stéphane Azémar hier niederliess, und es würde auch nicht verwundern, wenn man für einen einzigen Tag auf Erden diese Landschaft wählen würde!

Zum heute beschriebenen Wein bin ich freilich nicht bei einem Besuch vor Ort gestossen, obwohl ich einst nur etwa 2 Km vom Gut entfernt war und darüber auch schon einen Blog-Beitrag geschrieben habe:
https://victorswein.blog/2018/04/22/das-grosse-geheimnis-aus-cahors/

Den „Un jour sur terre“ habe ich von einem Kollegen, einem Weinkenner mit speziellem Bezug zum Süden Frankreichs, als Geschenk erhalten.
Siehe zu seinen Tipps auch:
https://victorswein.blog/2018/02/16/cest-bon-ta-gueule/

Und der Wein hat es in sich:

Angesichts der ursprünglichen Studien des Winzerpaars ist es nicht überraschend, dass (auch) die Etikette kunstvoll ist.

Sehr dunkle Farbe, intensive würzige und beerige Noten, und eine unglaubliche Dichte – aber trotzdem ungemein elegant mit sehr langem Abgang.

Das Spezielle an diesem zu 100 % aus Malbec (örtlich auch Auxerrois oder Côt genannt) bestehendem Wein: Er wird nicht nur nach biologischen Grundsätzen produziert, sondern auch zum Hauptteil in 140-Liter-Tongefässen ausgebaut. Dieses Prinzip lässt den Wein sanft und langsam „schnaufen“ (ich benutze bewusst nicht das Wort „oxydieren“, weil es negativ besetzt ist), ohne ihm Holztöne mit auf den Weg zu geben. Ein absolut gelungenes „Experiment“, das freilich wohl auch deshalb einen so tollen Wein ergibt, als auch der Ertrag schon sehr früh mittels „grüner Ernte“ auf 5-6 Trauben pro Stock, entsprechend ca. 25 hl/ha, reduziert wird.

Ein spannender, und im vorliegenden Fall extrem gut gelungener Ansatz eines neuen-alten Ausbauprinzips! Ich mag diesen Wein sehr! Die „Revue du vin de France“ gibt dem 2015 er übrigens auch 16,5 – 17 Punkte.


http://www.leclosdunjour.fr/

Erhältlich in der Schweiz bei:
https://www.vogel-vins.ch/
(Keine Bezugsquelle in D/A gefunden; vielleicht sind Sie besser im „Googlen“ als ich)

Extrem lehrreich: „single variedad Rioja“

Spannendes Degustationspaket mit drei sortenreinen Weinen

3 x Rioja, 3 x 2016, 3 x total verschieden und untypisch! (Man beachte die Etiketten, welche nicht identisch sind, sondern den Blättern der Traubensorte entsprechen!)

Mit der Rioja verbindet man automatisch – und oft nur – die Traubensorte Tempranillo. Dabei sind auch weitere Sorten zugelassen, allein für die Rotweine sind es deren fünf, zur Tempranillo gesellen sich Garnacha, Graciano, Mazuelo und Matruana Tinta (für den Weisswein sind sogar neun Sorten zulässig).
Reinsortige Tempranillos sind aber immer noch häufig. Aber wer hat schon jemals einen Wein aus der Rioja versucht, der ausschliesslich aus einer der anderen Sorten gekeltert wurde?
Delinat bietet nun ein Degustationspaket an, welches genau das möglich macht – und es ist extrem spannend! Enthalte sind je 2 Flaschen der Sorten Maturana, Graciano und Garnacha.

Eine Degustation zeigte, wie unglaublich unterschiedlich die möglichen Sorten der Rioja sind, und damit natürlich auch, wie vielfältig die Möglichkeiten der Weinproduzenten (ich schreibe in der Rioja bewusst nicht „Winzer“) sind, den Stil ihrer Weine zu kreieren (einmal ganz abgesehen von der Holzwahl):

Maturana:
Kräftiges, Purpurrot; würzige Nase, Heu, Wacholder, Rosinen, Datteln; spürbare Säure, leicht trocknende, aber schöne Tannine, elegant, eher kurzer Abgang. Eigenständiger, fruchbetonter, eher „leichter“ Wein, der aber gefällt.

Graciano:
Dunkles Rot; Vanille, dunkle, getrocknete Frucht, dunkle Kirschen, Heidelbeeren (erinnert irgendwie an einen Blaufränkisch!); ausgewogen, eher tiefe Säure, etwas grobe Tannine, helle Töne im Mund, langer Abgang. Feiner, trinkfreudiger Wein, wäre mit etwas mehr Säure noch besser.

Garnacha:
Sehr dunkles, fast undurchdringliches Rot; Tabak, Rauch, dunkle Beeren; im Mund extrem dicht, fast zum „Abbeissen“, gute Säure, adstingierend, relativ kurzer, säurebetonter Abgang. Komplexer, kraftvoller Wein.

Fazit der Degustation: Jeder Wein für sich ist toll, auch wenn wohl keiner die Finesse und Eleganz eines ganz grossen Riojas aufweist. Allerdings sei erwähnt, dass die Weine nach einer ganzen Woche im Kühlschrank noch praktisch gleich mundeten, wie nach der Flaschenöffnung; sie haben also Potential!

Absolut spannend ist aber, wie unterschiedlich die in diesem Weinbaugebiet zugelassenen Rebsorten sind. Schade ist eigentlich nur, dass zum Vergleich nicht auch ein reinsortiger Tempranillo in diesem Paket enthalten ist.

Interessant war freilich auch, wie sich die Weine danach zum Essen verhielten. Es gab einen Rindsbraten, und wir bevorzugten dazu ganz eindeutig den Graciano! Keine Spur von fehlender Säure, dafür eine kongeniale Symbiose zwischen einem tiefgründigen Wein und dem Essen! Einmal mehr zeigt dieses Erlebnis, dass eine „klinische“ Degustation und das Geniessen zu einem Essen nicht unbedingt das gleiche Resulat bringen müssen!

https://www.delinat.com/weine/9149.42.html

Wenige Informationen zum Weingut
Zum Weingut selbst ist mir leider, ausser, dass es in Logrono, dem eigentlichen Zentrum der Rioja, beheimatet ist und biologisch arbeitet (logisch bei Weinen von Delinat), nichts bekannt, was nicht im Internet jedermann selbst recherchieren kann. Sollte ich es je wieder in die Rioja schaffen (mein einziger Besuch in dieser wundervollen Landschaft datiert aus dem Jahr 1990) wäre dieses Gut sicher auf meiner Besuchsliste:
https://www.delinat.com/weinlese-blog/zwei-winzerbrueder-rocken-die-rioja/
https://www.lascepasriojawine.com

Zu den drei Sorten:
Die Sorte Graciano (Monastrell Menudo) soll möglicherweise mit der Monastrell/Mourvèdre die gleichen Eltern teilen
https://glossar.wein-plus.eu/monastrell
was mir degustativ nicht so falsch erscheint. Dass die Garnacha = Grenache ist, dürfte bekannt sein, weniger hingegen, dass die Matuarna eines ihrer Pendants sehr nördlich findet, nämlich im französischen Jura mit der Trousseau noir.
http://www.vivc.de/index.php?r=passport%2Fview&id=12668


„Gewimmelt“, aber nicht abgewimmelt!

Peter Wegelin in Malans – resp. sein „Gehilfe“ Harri Kunz: perfekte Gastgeber, toller Winzer!

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„Wimmeln“ (Weinlese) im Scadena-Rebberg. Er liegt im Dorf Malans und ist von Mauern umgeben – „Clos Scadena“ sozusagen.

Gewisse Geschichten entstehen zufällig, sind dafür dann aber um so sympathischer. Ich war mit Freunden auf einer Mountainbiketour, und nach 600 rasanten Höhenmetern Abfahrt auf einem Trail waren wir in Malans. Zum Glück insistierte einer der Kollegen, dass sich hier eine Ortsbesichtigung geradezu aufdränge. So umrundeten wir auch den „Wingert“ des Scadenagutes von Peter Wegelin und kurvten auf dem Vorplatz des geradlinigen, architektonisch überzeugenden Kellergerbäudes herum (ein Hoch auf jene, die diesen modernen Bau trotz demkmalgeschütztem Umfeld erlaubt haben!).

Eigentlich wollten wir gar keinen Wein probieren, nur von Aussen etwas „schnuppern“, schliesslich hat sich Wegelin seit einigen Jahren an der Spitze der Bündern Weinbauern etabliert. Aber als wir schon wegfahren wollten, da griff Harri Kunz ein: Er war noch in der Küche beschäftigt (die oberste Etage des Gebäudes dient als Degustations- und Veranstaltungsraum). „Ob er uns etwas zeigen könne“? Wir fanden „nein“, da wir ja noch weiterfahren wollten. Aber nach einer kurzen Pause fand Kunz: „Kommt, einen Wein mindestens müsst ihr probieren“.

Eine extreme Überzeugungskraft brauchte er nicht, also fanden wir uns bald auf der Terrasse mit wunderschönem Blick auf den Scadena-Wingert und einem Glas Weissburgunder in der Hand wieder. Und dazu, als wäre es so bestellt gewesen, war auch gerade noch der Winzer Peter Wegelin selbst anwesend – er machte gerade eine kurze Pause vom „Wimmlen“ – so heisst in der Bündner Mundart die Weinlese. Eigentlich war Wegelin gerade am Aufbrechen, um wieder zu arbeiten – aber auch er liess es sich nicht nehmen, uns zu begrüssen.

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Winzer Peter Weglin (links), vor dem Scadena-Wingert, und Gastgeber Harri Kunz (rechts)

Mit Harri Kunz hatten wir danach vergnügliche Minuten, und er bestand darauf, uns auch noch den eindrücklichen Keller zu zeigen, wo wir mitten durch Traubenanlieferungen und Pumpschläuche hindurch einen authentischen Einblick in den Weinbetrieb erhielten.

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Zweites Untergeschoss des modernen Gebäudes: Die Barrique-Kunst-„Kathedrale“ von Wegelin

Fazit: Statt Abwimmeln beim „Wimmeln“ wurden wir empfangen, resp. sogar zu einem Besuch eingeladen. Verkauft haben Wegelin resp. Kunz kurzfristig nichts, das war auch kaum zu erwarten, wir waren ja per Moutainbike und mit kleinen Rucksäcken unterwegs (und ganz abgesehen davon ist bei Wegelin im Moment auch fast alles ausverkauft). Gewonnen haben sie extrem viel Goodwill von vier Weinfreunden, die – auch angesichts des tollen servierten Pinot blancs – sicher nicht zum letzten Mal in diesem Gebäude verkehrt haben.

Marketing ist manchmal ganz unvermittelt persönlich – und wirkt so wohl am Besten.

PS: Und so ganz am Rand: Ich verfolge das Wirken von Peter Wegelin schon seit vielen Jahren, und er machte schon immer gute Weine, hat sich aber in dieser Zeit mit seinem Schaffen mit an die absolute Spitze der Bündner Herrschaft gehievt. Insbesondere die jüngsten Jahrgänge sind, sowohl Rot als auch Weiss, sehr überzeugend – wohl kein Zufall, denn seit einigen Jahren arbeitet das Gut biologisch, ohne viel Aufhebens darum zu machen.

https://www.malanser-weine.ch/

PS. Und auch Harri Kunz ist kein Unbekannter. Als Freund des Hauses Wegelin war er vor Ort, um beim „Wimmeln“ zu helfen (oder aber, um weinaffine Biker zu empfangen; vielleicht hat er uns das ja angesehen… ) eigentlich ist er aber Eventmanager – bei Bedarf hilft „googeln“.

Roches d’Aric: reinste biologische Medizin!

Ein Arzt und ein Zahnarzt präsentieren einen Wein wie Samt und Seide

Was passiert, wenn der Dorfarzt und ein Zahnarzt einen eigenen Wein machen? Meistens würde das wohl wie Medizin schmecken; bittere, wohlverstanden. Im Roches d’Aric hingegen könnte höchstens der dezente Thymianduft auf einen Hustensirup hinweisen. Aber weit gefehlt, der Wein ist wundervoll, reinste Medizin – vor allem für die Seele!

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Samt und Seide aus Stein von den bio-dynamischen Medizinmännern: Roches d’Aric (Bild vl)

Die Assemblage aus Carignan, Grenache, Syrah und Mourvèdre des Jahrgangs 2011 war freilich in der Jugend ziemlich wild und fast ein bisschen unnahbar, wobei ich persönlich solche Weine auch in dieser Phase liebe. Nun aber, im Alter von 7 Jahren, wirkt er sanft wie Samt und Seide. Dabei sind aber noch keine der klassischen Alterstöne zu spüren, im Gegenteil, in Nase und Mund sind dunkle Früchte, kombiniert mit Gewürznoten, vorherrschend. Einfach ein toller, sinnlicher Wein!

Leider lässt sich im Internet nicht viel mehr recherchieren als der Leser mit zwei Klicks selber entdecken kann (siehe unten). Hier immerhin soviel:

Seit 2002 arbeitet das Gut des Arztes Jean und des Zahnarztes Paul Lignères mit dem italienischen (!) Weinberater Stefan Chioccoli zusammen, und seit dem gleichen Jahr wird das Gut biologisch bewirtschaftet. Inzwischen arbeitet die Domaine sogar bio-dynamisch. Vor zwei Jahren wurde die Domaine Lignères von Delinat gar als „Biodiversitätswinzer des Jahres“ ausgezeichnet, ein Prädikat, das ohne sehr ernsthafte Bemühungen für die natürliche Umgebung als Ganzes nicht zu erhalten ist. Mediziner wissen wohl einfach, was für die Menschen gut ist: Samt und Seide, natürlich verpackt!

http://www.familleligneres.com/index.html

https://www.delinat.com/ligneres.html

 

Casanova: etwas vom Allerbesten!

Marco Casanova Wein Pur in Walenstadt – berührend gut!

Eine Entdeckung ist es ja nicht mehr, denn Marco Casanova war letztes Jahr bereits von Vinum als „Biowinzer des Jahres“ geadelt worden. Und seine Stationen vor der Selbständigkeit – Mas Soleilla und Mattmann – hatten es ja auch schon in sich. Und trotzdem, der Besuch in Walenstadt war eine Offenbarung!

casanova
Marco Casanova – ein Name, der einem eigentlich schon geläufig sein müsste, den man sich aber ganz sicher merken muss!

Herausforderungen scheinen das Ding von Marco Casanova zu sein, und Aufbauen eines Weingutes dazu: Er hat als Kellermeister mitgeholfen, Mas Soleilla gross zu machen. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz hatte er die gleiche Rolle im Weingut Mattmann (Cicero) in Zizers. Nach dem tragischen Tod von Thomas Mattmann führte er zuerst jenen Betrieb weiter, um sich ab 2013 dem Aufbau seines eigenen Rebgutes in Walenstadt zu widmen. (Mit Reben dort und in Zizers).

Und dieses Rebgut – CasaNova Wein Pur – muss man sich merken! Und die Weinbaugemeinde Walenstadt damit. Wir besuchten Casanova am Tag der offenen Weinkeller, es war der Abschluss eines spannenden Tages, und es war, trotz der Hochklassigkeit einiger davor besuchter Güter (u.a. von Tscharner und Möhr-Niggli, die uneingeschränkt hervorragend sind), das Glanzlicht des Tages! Kein einziger Wein im Sortiment, der nicht völlig überzeugt – und alles Weine mit Tiefgang und „Seele“.

Dabei ist das Sortiment schon im „Normalzustand“ heterogen: Von den herkömmlichen Sorten wie Müller Thurgau, Chardonnay und Pinot noir über Sauvignon blanc und Riesling, hin zu den Piwi-Sorten Cabernet Jura, Gamaret und der ganz besonderen Sauvignon Soyhières (gewöhnungsbedürftig, aber total spannend und mit einer völlig ungewohnten, exotischen Fruchtigkeit versehen; gefällt sehr gut, es ist eher die Frage, wie dieser Wein kulinarisch einzusetzen ist).

Herausforderungen scheinen das Ding von Marco Casanova zu sein: 2017 zerstörte der Frost fast seine gesamten Rebberge. Zwar schlugen die Reben nochmals aus, aber es gab massiv weniger Ertrag, in einigen Parzellen war sogar nichts zu ernten. Casanova, wie uns sein sympathischer Mitarbeiter erklärte, ein Organisationsgenie, zog darauf alle Register und besorgte sich Trauben oder Saft aus der ganzen Schweiz und aus halb Europa. Deshalb ist sein Sortiment zur Zeit noch viel breiter; statt Müller Thurgau gibt es Chasselas, statt dem „Alltagspinot“ wird Sangiovese angeboten. Und dank seiner alten Beziehung zu Mas Soleilla gibt es auch einen Wein im südfranzösichen Stil. Auch hier gilt: Das sind Weine auf extrem hohen Niveau, keiner fällt ab!

Trotzdem sind auch in kleineren Mengen als üblich noch die eigentlichen Gutsweine erhältlich, teils natürlich auch noch aus früheren Jahren, insbesondere bei den Roten. Bei letzteren lässt Casanova die einzelnen Terroirs spielen; trotzdem ist sein Stil über alle Weine unverkennbar. Es sind wundervolle, elegante und ausdrucksstarke Gewächse. Bei allen wird das Holz sehr dezent eingesetzt (resp. ist nur dezent spürbar), die typische Pinotfrucht kommt hervorragend zum Tragen. Und den „Cabernet“ (Cabernet Jura und Gamaret) muss man einfach probiert haben, das ist ein toller, dichter, ausdrucksvoller Wein.

Trotz absolut überzeugendem Rotweinsortiment hat mich ein Weisser am meisten beeindruckt: Der Sauvignon blanc „Seemühle“ aus Walenstadt, der ganz einfach umwerfend gut und Schauder erzeugend berührend ist. Welche Klarheit, welche Frucht, welche Finesse, welche Dichte, welch unglaublicher Abgang.
Sauvignon-Winzer der Welt: Hier seht ihr den Massstab für einen genialen Wein aus dieser Sorte. (Und das aus dem Problemjahrgang 2017!) Ich bin rundum begeistert!

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Sauvignon blanc, Seemühle, 2017
Mittleres, glänzendes Gelb. Duft nach Holunderblüten, Quitten, Anflüge von Limetten und von Williams-Brand. Dichter Körper, dezente Säure und trotzdem eine unglaubliche Frische, leichte, aber nur bereichernde Bitternoten, fast nicht endender Abgang. Absoluter Spitzenwein – sorry – einfach Weltklasse aus der Schweiz. Und sinnlich und berührend dazu.

 

 

Und bei allem, ich hab’s noch gar nicht erwähnt: Das Weingut arbeitet biologisch (einige Weine aus gekauften Trauben ausgenommen) und ist seit Kurzem auch Demeter-zertifiziert. Ein Beispiel mehr, dass gerade solche Betriebe die berührendsten Weine herstellen!


Und zum Schluss, Entwicklungshilfe in Sachen Chasselas:

Wie erwähnt, bietet Casanova als Ersatz für den ausfallenden Müller-Thurgau in diesem Jahr einen Chasselas aus gekauften (aber mit der eigenen Equipe geernteten) Trauben an. Und als ob der Probleme nicht schon genug gewesen wären, hatte dieser Wein auch noch die Frechheit, schon während der Gärung auch den biologischen Säureabbau zu beginnen. Abstoppen, wie eigentlich geplant, war deshalb nicht möglich.
Aber das Verrückte daran: Herausgekommen ist ein absolut toller Chasselas mit einer guten Säure und schöner Struktur. Süffig und trotzdem charaktervoll. Und das von einem Winzer, der zum ersten Mal im Leben diese Traubensorte keltert!
Chasselas-Winzer der Welt (resp. der Westschweiz): So geht Chasselas!

http://www.casanova-weinpur.ch/index.html

 

 

 

Bordeaux 2015 – trau, schau, wem. (Vor allem dir selbst!)

Diese Woche hatte ich Gelegenheit, an der spannenden Arrivage-Degustation der Bordeaux des Jahrgangs 2015 bei Gerstl (www. gerstl.ch) teilzunehmen. Was zuerst auffiel: Es hatte viel mehr Teilnehmer als ein Jahr zuvor bei der Ankunft des Jahrgangs 2014. Auch Weinfreunde sind offenbar Herdentiere; wenn einige rufen, „Jahrhundertjahrgang“, dann, und nur dann, rennen sie. Schade, denn es gab sogar einige Güter, bei denen mir der unterschätzte 14er besser gefallen hatte!

Obwohl die ganz „Grossen“ nicht vertreten waren (keine Premiers und fast keine Super-Seconds) gab die Degustation einen sehr guten Überblick. Ganz generell halte ich den Hype um das Jahr 2015 für übertrieben. Zwar ist es sicher ein grosser Jahrgang, aber bekanntlich sind ja immer die noch nicht verkauften Jahre die allerbesten!

Es gibt sie aber durchaus, die Weine aus dem Jahr 2015, die bewegen und die das Zeug haben, zu Legenden zu werden. Das trifft durchwegs auf Güter zu, die trotz der Kraft des Jahrgangs auf Eleganz und Finesse Wert legten. Ein Musterbeispiel für solche herausragende Gewächse ist Pichon-Lalande: das ist ganz grosses Kino, was hier in die Flasche gebracht wurde (wobei gerade hier anzumerken ist, dass ich den 14er fast ebenso hoch einstufe).

pichon
Schon immer gut und speziell, in den letzten Jahren ganz an der Spitze: Pichon-Lalande (Pichon-Longueville Comtesse de Lalande).

Weitere tolle Beispiele sind Grand Puy Lacoste (zum Ausflippen schön, filigran und kraftvoll zugleich, und ich bin nicht sicher, ob er nicht sogar auf der gleichen Stufe wie Pichon-Lalande steht), Malartic-Lagravière, Clos Dubreuil, Beauregard, Léoville-Poyferré, du Tertre, Lagrange, Calon-Ségur, oder auch, etwas üppiger, Giscours. Auch bei den etwas günstigeren Gewächsen gibt es sehr positive Erwähnungen; Monbrison (wobei: sind 36 Franken noch günstig?), Moulin Haut-Laroque, Léandre-Chevalier, Meney, Le Bosque, Gaillard und Cambon La Pelouse, letzterer in Sachen Preis-/Leistung wohl der Allerbeste (wunderbar, wie sich dieses früher unbekannte, schon fast in den Vororten von Bordeaux gelegene Gut entwickelt hat)!

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Pontet-Canet: Mit Bio-Dynamie zum grossen Erfolg!

„Outstandig“ in jeder Hinsicht ist Pontet-Canet. Die Entwicklung dieses Gutes ist unglaublich. Ich habe in meinen Notizen von der Primeurverkostung des Jahrgangs 1989 in Bordeaux nachgesehen. Damals lag das Gut bei mir von allen verkosteten Weinen am Schluss, Freude machte der Wein keine, ich notierte „peinlich, dass ein klassiertes Gut so schlechten Wein machen kann“. Und heute (wie schon seit einigen Jahren), unter anderen Besitzern und nach der Umstellung auf bio-dynamischen Weinbau im Jahr 2004: Was für ein Wein! Welche Wucht, welche Üppigkeit – und, auch wenn es paradox tönt – gleichzeitig welche Weichheit, Eleganz und Finesse! Pontet-Canet hat seinen ganz eigenen Bordeaux-Stil gefunden und ist zwar teuer geworden, in Relation gesetzt, aber noch preiswert geblieben!

Negativ aufgefallen ist hingegen, dass zu viele Weine auf „Fruchtbombe“ gemacht sind. Da stellt sich ernsthaft die Frage, ob man nicht besser gleich das (meist billigere) „Original“ aus Australien, Spanien, Süditalien oder den USA kaufen soll. Und bei einigen dieser für mich untypischen Bordeaux kommt noch dazu, dass die Säure tief liegt. Auffällig ist, dass dieser Weintyp im Libournais häufiger vorkommt als im Médoc. Vollreifer Merlot war 2015 vielleicht kein Vorteil. Es wird spannend sein, die Entwicklung dieser Weine zu beobachten und in 10 oder 20 Jahren abschliessend zu urteilen.

Vertreter dieser Fruchtbomben-Weine, die mir persönlich nicht gefallen haben sind u.a. Pape-Clément (für mich auch sonst  enttäuschend), Troplong-Mondot, Faugères und Lascombes.

Auf allerdings sehr hohem Niveau eher enttäuschend fand ich zudem Cos, dem es an Säure mangelt, Haut-Bailly, der vielleicht gross wird, mich aber im Moment ratlos lässt, de Chevalier, und auf tieferem Niveau Sociando-Mallet, der ein Schatten frühere Jahre ist.

Trau, schau – dir

Es gilt also auch im „Jahrhundertjahrgang“ 2015, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Ich komme ohnehin je länger je mehr dazu, dass ich nur noch kaufe, was ich selbst probiert und für gut befunden habe. Denn letztlich zählt nur der eigene Geschmack, und dass der unterschiedlich sein kann, wurde mir beim Lesen eines Facebook-Eintrags eines anderen Teilnehmers an der Degustation bewusst: Dieser lobte nämlich ausgerechnet Cos und Troplong-Mondot. Immerhin: Pichon-Lalande war auch auf seiner Favoritenliste!

 

Das grosse Geheimnis aus Cahors.

Nach einem langen, spannenden Tag am Lot, dem Fluss, der das ganze Weinbaugebiet von Cahors in vielen Schlaufen durchzieht, wollten wir, ausgerüstet mit einem Tipp aus dem „Guide Hachette“, noch etwas Wein kaufen. Wir fuhren also mit unserem Kleinstwagen auf Chateau La Gineste vor und klingelten. Zu unserem Erstaunen wurden wir an einen Herrn verwiesen, der gerade in kurzen Hosen und mit Gras in den Haaren auf einem fahrbaren Rasenmäher tätig war, und den wir eigentlich als Gärtner identifiziert hatten.

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Blick auf die Reben und – im Hintergrund – das Schloss von La Gineste im Gebiet von Cahors. Das Gut arbeitet biologisch – aber eigentlich sieht man das ja schon fast anhand des Bildes! (Foto vl)

Trotz der Störung wurden wir sehr herzlich vom rasenmähenden Schlossbesitzer, Gérard Dega, empfangen. Unser Wagen sah ja sicher nicht nach grossem Volumen und damit Verkaufschancen aus (man kann nicht ahnen, dass das Auto nebst Koffern locker noch 120 Flaschen aufnimmt; mehrfach belegt …). Eigentlich wollten wir ja nur degustieren, wenn positiv, kaufen und gehen. Geblieben sind wir schliesslich 90 Minuten, inklusive einer Führung, vielen Erklärungen und einer Degustation mit allen verfügbaren Weinen, und das waren viele, weil von jedem Typ verschiedene Jahrgänge zur Verfügung standen. Um es vorweg zu nehmen: Unser Kleinwagen war nach dem Besuch ziemlich beladen.

Das Gut ist etikettenmässig voller Geheimnisse: Nebst einem Rosé, dem Basiswein „La Gineste“ und einem „black wine“, gibt es die Linien „Petits Secrets“, „Secrets“ und vor allem den „Grand Secret“. Dass letzterer in der Einzahl geschrieben ist, kommt nicht von ungefähr, er ist nämlich der wirklich begeisternde Wein dieses Gutes. Die anderen Gewächse werden in einem Mischsatz hergestellt (Mehrheit Malbec, Minderheit Merlot) und sind schöne und preiswerte Weine (nur beim Petits Secrets störte mich bei einigen Jahrgängen ein spürbares altes Holz).

Der Grand Secret hingegen ist aus 100 % Malbec hergestellt und 2 Jahre in neuen Barriques ausgebaut. Es gibt auch nur etwa 3000 Flaschen jährlich, bei einer Gutsgrösse von 9 Hektar also eine wirkliche Rarität.

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Was für ein begeisternder Wein von enormer Länge und gleichzeitig grosser Finesse! Das ist Cahors von der allerbesten Seite, und das ist Cahors, wie es von keinem argentinischen Malbec „kopiert“ werden kann. Dieser Wein hat Charakter und ja, ich wage den Ausdruck, Seele!

Degustationsnotiz Jahrgang 2011:

Dichte, dunkle Farbe, noch jugendlich, fast violett; Aromen von dunklen Kirschen, Nelken, Zedernholz, Anflug von Armagnac; gute, stützende Säure in perfekter Harmonie mit feinen Tanninen, dicht und fast zum Abbeissen, dabei druckvoll aber auch elegant. Ein Klassewein!

(Bemerkung am Rand: Wir haben ihn neben einem preislich ähnlichen, durchaus guten Cru Bourgeois 2006 aus dem Haut-Médoc probiert. Der Cahors wurde einhellig und sehr klar vorgezogen).

Nachstehend ein Link auf die Homepage des Gutes. Man möchte Herrn Dega wünschen, etwas weniger Zeit auf dem Rasenmäher zu verbringen, um Zeit zu haben, seine Site auf Vordermann zu bringen. Aber am besten arbeitet er ohnehin in den Reben und im Keller, auf dass es noch viele Jahrgänge des Grand Secret gibt!

http://chateaulagineste.free.fr/

Korrigenda: Ich bin darauf aufmerksam gemacht worden, dass das Gut durchaus eine aktuelle Homepage hat:

http://chateaulagineste.fr/accueil/

siehe zudem:

http://www.vigneron-independant-lot.com/vignerons/chateau-la-gineste/


Cahors – zurück zu altem Glanz?

Das Weinbaugebiet von Cahors zählte einmal zu den bekanntesten von ganz Frankreich; die Weine wurden bis nach England verschifft und namen dabei den Weg über das rund 200 Km westlich liegende Bordeaux. Im 14. Jh. stammte rund die Hälfte des dort verschifften Weins aus Cahors. Danach verblasst die Reputation.

Heute hat das Weinbaugebiet seinen Ruf wieder verbessert, trotzdem wird auch jetzt noch vergleichsweise wenig exportiert, 80 % des Weines wird in Frankreich abgesetzt. Das ist schade, denn hier werden teils wunderbare Gewächse angebaut. Malbec ist die Hauptsorte (vor Ort eher Côt oder gar Auxerrois genannt), und was „Cahors“ heissen will, muss mindestens 70 % dieser Rebsorte enthalten. Ergänzend werden Merlot und Tannat verwendet.

Das Hauptanbaugebiet befindet sich westlich der Stadt Cahors, in einem Bereich, in dem der Lot, ein Nebenfluss der Garonne, richtig mäandert. Die Gegend ist sehr reizvoll – nicht nur für Weinfreunde!

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Auch landschaftlich reizvoll, das Tal des Lot, etwas oberhalb von Cahors.

Mehr zum Anbaugebiet von Cahors:

https://www.inao.gouv.fr/produit/8230

Mein Freund, der Baum …

baum
Hochstammbaum der den grossen Sturm überlebt hatte – nun rücksichtlos gefällt

Man sehe mir nach, wenn ich – österlich gestimmt -, für einmal eher philosophisch denn önologisch schreibe.

Nahe unseres Wohnortes standen bis letzten Sommer zwei Hochstamm-Apfelbäume, die nicht nur landschaftlich schön waren, sondern auch der Natur dienten und jährlich schönen Ertrag erbrachten. Der eine fiel einem „Superzellen-Sturm“ zum Opfer, der andere nur Monate später einem Landwirt. Und dies in einem Moment, wo die Gemeinden und weitere Organisationen nach dem grossen Sturm vom letzten Jahr versuchen, mit einer Aktion und finanzieller Beteiligung zur Neupflanzung von Hochstammbäumen beizutragen:

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Pressebericht im „Landbote“ über Neupflanz-Aktion.  https://www.landbote.ch/front/die-arbeit-nach-dem-sturm-fuer-generationen/story/25141299

Solidarität ist keine Einbahnstrasse

Sensibilität und Solidarität sehen anders aus: Während die Behörden des Tals versuchen, Neupflanzungen anzuregen, fällt ein anderer gnadenlos einen Baum im besten Alter. Eine solche Aktion ist sicher nicht imagefördernd für die Landwirtschaft; das können auch zehn blumenprächtige Brachen mit tollen Imagetafeln nicht wettmachen! Dabei dürften die Bauern in nächster Zeit den Goodwill der Bevölkerung brauchen, etwa bei möglichen Abstimmungen über Freihandelsabkommen.

Klug ist die Baumfällung überdies auch deshalb kaum, als damit das natürliche Gleichgewicht weiter gestört wird, wenn auch in diesem Einzelfall kaum direkt spürbar. Es gibt ja inzwischen längst Beispiele dafür, dass sich das Gegenteil, eine Förderung der Artenvielfalt, auf mittlere und lange Frist auch ökonomisch lohnt. Aber dazu muss man gewillt sein, ausgetretene Pfade zu verlassen. * (siehe z.B. Link unten)

Ich habe mich mit dem baumfällenden Bauer unterhalten, und böse sein kann man ihm, trotz Vorwurf der mangender Sensibilität, eigentlich nicht. Aus seiner Sicht macht er alles richtig: Die Landwirte sind finanziell unter Druck, die Produktion muss effizienter werden, sonst geht man als Bauer unter. Und da stört ein Baum eben diese Effizienz, „ich muss zufahren können“, war seine Begründung. Und nachgeschoben, dass „man weder Most noch Äpfel mehr kostendeckend verkaufen kann“.

Unsere Landwirtschaftspolitik und unser Konsumverhalten sind ver-rückt! Wir Steuerzahler unterstützen die Schweizer Landwirte mit Subventionen von jährlich 2,3 Milliarden Franken. Aber wir schaffen es nicht, damit zu verhindern, dass die Bauern die Äste (resp. in diesem Fall Bäume), auf denen sie sitzen, umhauen, ja aus ihrer Optik umhauen müssen! Mich erinnert das Ganze an gewisse Gebiete in Indien, in denen die Einwohner ihre Lebensgrundlagen – Bäume und Wälder – zerstören, um kochen zu können.

Und unsere Grossverteiler mischen fröhlich mit: Aktuell sind Spargeln aus Mexiko und den USA sowie Erdbeeren aus Marokko nicht nur erhältlich, sondern in Aktion! Damit sind die Konsumenten dann schon gesättigt, wenn Schweizer oder wenigstens europäische Ware auf den Markt kommt. Eben: ver-rückt!

Solidarität ist wirklich keine Einbahnstrasse

Nur wenn wir Konsumenten wieder bereit sind, solche Aktionen auszulassen und überdies für ein naturnah produziertes, gesundes Lebensmittel einen anständigen Preis zu bezahlen, kann der ganze Teufelskreis durchbrochen werden. Dann wird es sich auch für einen Landwirt wieder lohnen, Äpfel anzupflanzen und den Mehraufwand bei der Bewirtschaftung der umgebenden Fläche auf sich zu nehmen.

In diesem Sinne liegt es wirklich auch an uns Konsumenten: Solidarität ist auch von dieser Seite betrachtet keine Einbahnstrasse. Solange wir aber – und damit finde ich den Bogen zum Wein jetzt doch noch – Weine im Supermarkt für Fr. 2.79 kaufen und uns dabei nicht bewusst sind, damit eine menschen- und naturverachtende Industrie zu unterstützen, so lange dürfen wir uns nicht mit gutem Gewissen über baumfällende Bauern aufhalten.

 

Link auf Artikel von Markus Brupbacher im Landbote:
https://www.landbote.ch/front/die-arbeit-nach-dem-sturm-fuer-generationen/story/25141299

‚* ein willkürlich gewähltes Beispiel:
https://www.delinat.com/biodiversitaet.html

 

 

bio logisch – jetzt auch Irene Grünenfelder!

Mein Blog bezweckt nun wirklich nicht, zu einem „Bio-Sprachrohr“ zu werden, auch wenn ich Sympathien für diesen Weg habe. Siehe dazu auch mein früherer Beitrag:
https://victorswein.blog/2018/01/20/biowein-ist-untrinkbar-wirklich/

Es hat mich aber selbst immer wieder verwundert, wie oft ich eben genau solche Weine aussergewöhnlich fand, auch wenn ich gar nicht wusste, dass da „bio“ drin ist (mein nächster Beitrag wird wieder von einem solchen Erlebnis handeln).

Vor fünf Minuten habe ich nun den Newsletter von Irene Grünenfelder aus Jenins erhalten. Ihre Weine faszinieren mich seit Jahren, und ihr Pinot noir „Eichholz“ hat schon in mehreren privaten Jahrgangsdegustationen alle (alle!) anderen aus der Region auf die Ränge verwiesen.

Und nun das: Ein Spitzenweingut mehr, das sich „Bio“ verschreibt! Das sollte langsam allen anderen zu denken geben!

Hier noch die kopierte Orginalnachricht von Irene Grünenfelder (und der Link auf  Homepage)

https://www.eichholz-weine.ch/

grünenfelder