Plant Robert ist eine jener Rebsorten, die beinahe ausgestorben wären. Sie kommt auch heute fast nur im Lavaux vor, inzwischen aber mit gesichertem Bestand. Es wäre jammerschade, wenn es anders gekommen wäre – der Wein von Blaise Duboux zeigt das wunderschön!
Es scheint, als wäre der Genfersee, und insbesondere das Waadtland, so etwas wie eine Wiedergeburtsstätte für beinahe ausgestorbene Rebsorten. Kürzlich habe ich hier über den Servagnin berichtet, einen Pinot-Klon, der sprichwörtlich dem Tod von der Baggerschaufel gesprungen ist (Link siehe unten). Etwas weniger dramatisch ist die Geschichte der Plant Robert. Aber auch diese Sorte (bzw. dieser Klon) stand kurz vor dem Verschwinden, da die letzte noch bestockte Parzelle der Autobahn weichen musste (da haben wir die Verbindung zur Baggerschaufel dann auch!). Zwei Winzer aus Epesses bzw. Cully nahmen das aber zum Anlass, die Sorte zu retten und in etwas grösserem Stil wieder anzubauen. Der Wein wurde zuerst nur offen im Restaurant du Raisin verkauft. (Quelle Wikipedia; ich gehe davon aus, dass es sich um die heute mit 14 Gault Millaut-Punkten bewertete, legendäre Auberge du Raisin in Cully handelt). Heute bauen wieder rund 20 Winzerinnen und Winzer die Sorte auf gegen 8 Hektar Fläche an und verpflichten sich in einer Vereinigung, klare Mindeststandards einzuhalten.

Ein Gamay mit 3R.
Es kann ganz schön verwirrlich sein, aber die gleiche Rebe hat auf kleinstem Raum drei verschiedene Namen. Sowohl Plant Robert, als auch Plant Robez und Plant Robaz sind gebräuchlich. Man spricht deshalb zuweilen auch von der „3R“. Auch wenn man es beim Geniessen dieser Weine kaum glaubt, es handelt sich dabei um einen ertragsarmen (und genau deshalb so wertvollen aber fast ausgestorbenen) Klon des Gamay, der im vorletzten Jahrhundert erstmals erwähnt und beschrieben wurde. Dass sich dieser ausgerechnet in der „Weissweinhochburg“ des Lavaux erhalten konnte, ist eine Geschichte für sich.
Blaise Duboux – 17 Winzergenerationen!
Wenn der Plant Robert dann noch von einem Ausnahmewinzer wie Blaise Duboux gekeltert wird, muss eigentlich schon fast sicher ein guter Wein entstehen. Der kürzlich degustierte Jahrgang 2020 hat aber sogar alle meine Erwartungen übertroffen – das ist schlicht ein grossartiger Charakterwein. Er heisst übrigens Plant Robez – der in Epesses gebräuchliche Name.
Biodynamisch aus Überzeugung.
Charaktervoll ist auch der Winzer selbst. Das liegt schon an der Familiengeschichte – Blaise stellt bereits die 17. Generation dar, welche das Familienweingut führt. Er studierte zwar zuerst Wirtschaft, entschied sich dann aber doch für die Übernahme des Betriebes und damit verbunden für ein Oenologiestudium. Wenn Blaise Duboux sagt, „die Philosophie der Domaine sei heute in erster Linie die des Respekts für das Produkt, sein Land und seine Umwelt“, sind das weit mehr als „grünwaschende“ Worte. Den Tatbeweis trat er schon 2016 an, als er den Betrieb auf Bio umstellte (nach biodynamischen Grundsätzen). Wenn man heute durch das Weltkulturerbe Lavaux spaziert und die – gefühlt – nach wie vor überproportional vielen totgespritzen Böden sieht, kann man vor so viel Weitsicht nur den Hut ziehen. Auf den rund 5 Hektar seines Betriebes spielt natürlich die Chasselas die wichtigste Rolle. Duboux – in Epesses ansässig – besitzt aber auch Land in den beiden Grand Cru-Lagen Calamin und Dézalay. Nebst der Chasselas werden auch Marsanne und Chardonnay gepflegt. Aber auch die roten Sorten sind gut vertreten. Zusätzlich zum Plant Robez werden Pinot noir, Divico, Syrah, Merlot und Cabernet Franc angepflanzt. (Quellen: Homepage von Blaise Duboux sowie www. amiata.ch).
Gamay – Entschuldigung, Plant Robez – ganz gross.
Der degustierte (und inzwischen nachgekaufte und auch nachdegustierte) Plant Robez von Blaise Duboux setzt Massstäbe. Eigentlich ist der Wein mit Nichts zu vergleichen. Im Wissen, dass es eigentlich ein Gamay ist, erkennt man zwar die fruchtige, fröhliche Seite. Daneben weist er aber auch Tiefe und Vielschichtigkeit auf, die ihn einzigartig machen.
Abgesehen davon, dass die Gamay eine ganz tolle und völlig unteschätzte Sorte ist: Wenn Sie das nächste Mal glauben, über Gamay lästern zu müssen, dann greifen Sie doch einfach zum Plant Robert/Robez/Robaz!

Plant Robez 2020, Blaise Duboux
Mittleres, glänzendes Rot, enorm vielschichtige Nase, Brombeeren, Johannisbeeren, Leder-Apfel, Aprikose, Leder, dazu auch würzige Düfte wie Pinie und Lorbeer; im Mund enorme Frische, fruchtig, erstaunlich viel und feines Tannin, schön angepasste Säure, druckvoll, aber gleichzeitig auch elegant, ganz leichter, schöner Bittertouch. Wunderbar trinkfreudiger, aber auch sehr komplexer Wein mit Reserven. 17,5 Punkte.
Und der Link zum erwähnten Artikel über den Servagnin:
Dem Tod von der Baggerschaufel gesprungen! – Victor’s Weinblog (victorswein.blog)
Interessennachweis: Der Wein wurde an der öffentlichen Degustation von Sutter Weine verkostet.