Bàrbara Forés, Terra alta. Grandiose, enkeltaugliche Weine – dank der Urgrossmutter!

Kaum 50 Kilometer von der weltberühmten Weingegend Priorat entfernt, gibt es in Katalonien mit der Terra alta ein Anbaugebiet, das hierzulande wenig bekannt ist, das aber tolle Weine hervorbringt. Und das mit Bàrbara Forés qualitativ und ökologisch einen Vorzeigebetrieb aufweist, der als Leuchtturm dienen kann.

Terra alta – der Name ist Programm, denn die Reben wachsen hier auf einer Höhe von 350 – 600 m.ü.M., und die höchste Erhebung im Gebiet bringt es auf fast 1000 Meter. Rebbau hat Tradition, verbriefte Quellen über Planzungen gehen auf das 11. Jahrhundert zurück. Aktuell werden in der vergleichsweise trockenen Gegend rund 6’500 Hektar angebaut (pro Jahr fallen kaum je mehr als 450 mm Regen, etwa die Hälfte der Menge, die in Mitteleuropa gemessen wird). Das nahe Mittelmeer hat zwar einen mässigenden Einfluss auf das Klima, aber kontinentale Einflüsse spielen ebenfalls eine Rolle. Seit 1985 besitzt Terra alta die DO, welche ein Jahrzehnt später in Bezug auf die anfangs sehr eingeschränkte Sortenzulassung etwas liberalisiert wurde. Dennoch sind weiterhin die Garanacha’s (blanca und tinto) sowie Macabeo und Manzuela (hier Samso genannt) die wichtigsten Sorten.

Der Ebro bei Miravet, (fast) die Grenze zwischen den Weinbaubegieten Piorat und Terra alta.

Während es das etwas nördlicher gelegene Gebiet des Priorat inzwischen zu Weltruhm gebracht hat, blieb die Terra alta sehr unbekannt. Dabei werden die Gebiete nur durch den Ebro getrennt (für Puristen: das stimmt nicht ganz, es liegen noch kleine Flächen der DO Tarragona und Montsant dazwischen). Vielleicht fehlt Terra alta einfach ein Zugpferd, wie es Alvaro Palacios beispielsweise für das Priorat darstellt.

Blick aus dem Gebiet Piorat (hier ganz korrekt Montsant) nach Süden. Man hat Blickkontakt mit der Terra alta, welche sich unterhalb des Hügelzuges im Hintergrund befindet.

Bàrbara Forés – zurecht im Parador empfohlen!

Mit Bàrbara Forés besitzt die Terra alta indessen einen Betrieb, der befähigt scheint, ein solches Zugpferd zu werden. Aufmerksam auf die Bodega bin ich im Restaurant des Parador von Tortosa geworden, wo mir der Kellner den „Blanc“ von Bàrbara Forés empfahl, den Basiswein des Gutes aus Garnacha blanca. Für einen Wein in der Preisklasse von 18 Euro (im Restaurant) war er hervorragend.

Leider reichte die Zeit nicht für einen Besuch auf dem Gut, aber zuhause begann ich mich näher damit zu beschäftigen. Und nicht nur die Weine, sondern auch die Geschichte des Gutes ist spannend und begeisternd. Das beginnt schon beim Namen: Bàrbara Forés werden Sie bei einem Besuch nämlich nicht persönlich antreffen, sie hatte den Jahrgang 1828. Aber sie muss eine faszinierende und kraftvolle Persönlichkeit gewesen sein. Sie hatte – mit einem Weinhändler als Vater und einer Bäuerin als Mutter – auch einen grossen Einfluss auf den Betrieb, so dass ihr Sohn Rafael Ferrer Forés ein Weingut gründete und schon Ende des 19. Jahrhunderts selbst Wein abfüllte.

Der Name der Bodega – Tribut an eine starke Frau.

Als ein Jahrhundert später Carmen Ferrer zusammen mit ihrem Mann Manuel Sanmartín die Bodega übernahmen, änderten sie die Namen des Gutes auf Bàrbara Forés – als Tribut an die Urgrossmutter von Carmen. Allein diese Geste lässt aufhorchen. Während andere Winzer und Winzerinnen bei einer Betriebsübernahme oft ihren eigenen Namen in den Vordergrund stellen, wurde hier einer starken Frau aus der Vergangenheit gedacht! Einen ähnlichen Respekt kann man auch auf der Homepage feststellen. Hier werden nämlich die Mitarbeitenden auf dem Betrieb namentlich vorgestellt und in dem Sinne gewürdigt, dass die Arbeit ohne sie gar nicht möglich wäre.

Mehr als einfach „nur“ bio!

Aber auch sonst gingen Carmen Ferrer und Manuel Sanmartín eigene bzw. neue Wege und wurden so etwas wie Pioniere im Gebiet. So wurde das Potential der Garnacha blanca erkannt und diese Sorte in den Mittelpunkt des Betriebes gestellt. Darüber hinaus werden auch autochthone Sorten gepflegt (vgl. Degustationsnotizen zur Morenillo, die praktisch ausgestorben war). Vor allem aber pflegen die Eigentümer auch eine gesamtheitlich ökologische Linie. Bàrbara Forés ist nicht nur biologisch zertifiziert, sondern verfolgt darüber hinaus auch eine Land- und Pflanzenpflege, welche die Fruchtbarkeit des Bodens und die Biodiversität langfristig sicherstellt. Enkeltauglich kann man dem wohl sagen – die Urgrossmutter wäre sicher stolz!

Und die Tochter geht noch einen Schritt weiter.

Inzwischen kann man übrigens schon von der Ur-Urgrossmutter sprechen. Seit 2014 ist nämlich auch die Tochter Pili Sanmartín Ferrer auf dem Betrieb tätig. Sie verfolgt augenscheinlich die gleiche Philosophie, bringt aber auch neue, noch weiter gehende Impulse ein. So schuf sie die Linie „En Moviment“ („in Bewegung“, aber auch „navigieren“ oder „verschieben“), nach eigener Beschreibung „agro-ökologische Weine mit minimaler Intervention“. Bàrbara Forés wäre mit Sicherheit auch auf ihre Ur-Urenkelin stolz! Leider konnte ich diese Weine in Mitteleuropa nicht auftreiben, und das Gut selbst versendet nur innerhalb Spaniens. Bàrbara Forés ist aber für die nächste Katalonienreise mehr als vorgemerkt! Vielleicht ja jetzt auch bei Ihnen?

Degustationsnotizen:

Blanc 2021, Terra alta DO (100 % Garnacha blanca)
(Nachträgliche Notiz aus dem Gedächtnis): Helles Gelb; ausgeprägt fruchtig (Birne, weisser Pfirsich, etwas Zitrus), leicht grüne Töne, ganz leichte, sehr schöne Hefenote; im Mund ausgeprägt frisch, erstaunliche Dichte, passende Säure, langer Abgang. Süffiger, aber keinesfalls harmloser Wein. 16 Punkte.

El Quinta 2020, Terra alta DO (100 % Garnacha blanca)
Eher dunkles Strohgelb; verhaltene Nase mit mineralischem Touch, florale und grüne Noten; Im Mund sehr frisch, mit straffer Säure, mineralisch, aber auch Frucht“süsse“ (Papaya, Aprikose), dabei aber knochentrocken, kraftvoll mit vielleicht etwas viel Alkohol (der aber nicht brandig wirkt), sehr langer, fruchtbetoner Abgang. Mineralisches und auch fruchtiges „Monster“, schöner Wein. 17,5 Punkte.

El Templari 2020, Terra alta DO (100 % Morenillo)
Mittleres Rot mit minimer Trübung; leicher Hefeton, Thymian und etwas rote Frucht, geht in der Nase in Richtung „Naturwein“; im Mund mineralischer Auftakt, mittlere Säure, viel feines Tannin, mittellanger Abgang. Sehr spannender, aber auch fordernder Wein weit abseits des Mainstreams. Mir gefällt der Wein sehr. Ein Beispiel mehr, dass es sich lohnt, sich mit unbekannten Rebsorten zu beschäftigen! 16,5 Punkte.

Coma d’en pou, 2019, Terra alta DO (100 % Garnacha tinto, „field blend“ verschiedener Klone)
Mittleres, glänzendes Rubin, sehr feine Frucht mit Bogen von roten Johannisbeeren bis zu Trockenpflaumen, würzig, leichter Anflug von Tabak, etwas Vanille; im Mund sehr druckvoll und „feurig“, viel enorm feines Tannin (das aber überhaupt nicht „trocknet“), bei aller Kraft auch tolle Eleganz, frisch, schöne Säure und „Saftigkeit“, sehr langer Abgang. Grandioser, eindrücklicher Wein, der noch Reserven hat. 18 Punkte.

🍷 Celler Bàrbara Forés – Vins amb tradició – Gandesa, Terra Alta (cellerbarbarafores.com)

Diverse Bezugsquellen, mit einfacher Suche auffindbar.


Interessennachweis:
Die Weine wurden im Restaurant bzw. im Weinhandel erworben.

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