Domaine Léandre-Chevalier: Die letzten Weine von der Insel. Und ein herrlicher Weisswein voller Rätsel.

Kürzlich durfte ich einen Weisswein der Domaine Léandre-Chevalier geniessen, von dem ich behaupte, dass ein Weingenie ist wer errät, aus welcher Traubensorte er gekeltert wurde (und blind, woher er kommt). Der Wein ist noch erhältlich, genau wie die letzten Rotweine des „Insel-Abenteuers“ des Dominique Léandre-Chevalier!

Das Gut liegt mir, seit ich vor ein paar Jahren die ersten Weine probiert und „Pferdemann“ Dominique kennengelernt habe, am Herzen. Mehrfach habe ich in meinem Blog schon über die Domaine Léandre-Chevalier geschrieben, zuletzt über die wundersame Wiederauferstehung dank des Kaufs durch den Schweizer „Pferdemann“ Reto Erdin:
Domaine Léandre Chevalier: Die märchenhafte Rettung eines Ausnahmegutes in Bordeaux! – Victor’s Weinblog

Aus der „Vor-Konkurs-Phase“ gibt es auf dem Markt noch einige Weine, u.a. bei der Weinhandlung Gerstl. Der neue Besitzer des Gutes, Reto Erdin, hat aber mit dem Kauf auch noch einige spannende Weine übernehmen können, die nun auf der Website des Gutes angeboten werden. Zwei davon wird es leider nie mehr geben, denn auf die Herstellung der „Insel-Weine“ (vgl. Infos unter dem Link oben) muss aufgrund des ungewöhnlichen Aufwandes künftig verzichtet werden. Es gibt aber noch ein paar Flaschen aus den Jahrgängen 2014 und 2016, die als echte Raritäten jetzt erhältlich sind. Beide Weine, sowohl die im Holz ausgebaute Variante „Bois flotté“ als auch der im Stahltank produzierte „Equinoxe“ sind zwar keine wirklich grossen Bordeaux. Aber beide sind auf ihre Art aussergewöhnlich, vielschichtig und spannend, und angesichts des bescheidenen Preises auf jeden Fall eine Empfehlung wert. Beide sind trinkreif, werden sich aver noch lange halten, und während der „Bois flotté“ eher auf der filigranen Seite punktet, überrascht der „Equinoxe“ mit mit seiner druckvollen, an einen Rhônewein erinnernden Art:

Das schwarze Schaf des Bordelais. Diese Rücketikette der „Inselweine“ brachte DCL nicht nur Freunde ein – und sogar eine juristische Auseinandersetzung … (mit wem auch immer 🙂 )

Bois flotté, AOC Bordeaux, 2014 (angebaut auf der Gironde-Insel Patiras)
Dunkles, fast ins Violett kippendes Rot; dunkle Früchte (Heidelbeer, Brombeer), würzig, etwas Kaffee. Im Mund schöne Säure, feine, aber zurückhaltende Tannine, kaum spürbarer Alkohol, eher schlanker, filigraner Wein, mittlerer Abgang. 16 Punkte (= am oberen Ende gut).

Equinoxe, AOC Bordeaux, 2016, (angebaut auf der Gironde-Insel Patiras)
Dunkles Rubin; Duft nach Casssis und Brombeeren, aber auch helle Fruchtnoten, würzig mit Thymian und Oregano; im Mund rund und „saftig“, spürbare Säure und Tannine, enorme Frische, im mittleren Abgang etwas Alkohol merkbar. Spannender Wein, den ich blind für einen gelungenen Grenache aus Gigondas gehalten hätte (dabei besteht er aus 90 % Merlot)! 16 Punkte, und je länger ich den Wein genossen habe, wohl sogar mehr. Unglaublich viel Wein für nicht einmal CHF 15.00.

Ein Weisswein zum Rätseln
Nebst den „Inselweinen“ finden sich auch noch einige wenige weitere Tropfen von der eigentlichen, und nun erfreulicherweise geretteten Domaine Léandre Chevalier aus den Côtes de Blaye selbst im Angebot. Dabei ein rätselhafter Weisswein, der nur die Herkunft „Vin de France“ tragen darf. Was denken Sie, wenn Sie die nachfolgende Degustationsnotiz lesen? Um welche Traubensorte handelt es sich?

Parole à mon père, („Vin de France“), 2015
Mittleres Gelb, dezenter Duft nach Birne, weissem Pfirsich und Quitte, leichter Holzton mit Vanille-Touch; im Mund äusserst elegant und gleichzeit sehr dicht, Alkohol kaum spürbar, dafür ein wenig Tannin, eher tiefe Säure, aber trotzdem sehr frisch wirkend, sehr langer Abgang. Toller, spannungsvoller Wein, der entfernt an einen weissen Burgunder erinnert. 17 Punkte (= sehr gut).

Sauvignon blanc kann es nicht sein, dafür hat er zu wenig Säure und die „falschen“ Düfte. Semillon erst recht nicht, da sind die Düfte und Aromen viel zu weit weg. Was dann? Hat ja jemand im Bordelais Chardonnay angepflanzt? Oder vielleicht gar Marsanne? Oder? Oder?

Reto Erdin hatte mir bei unserem Treffen den Wein zur Begrüssung gereicht. Ich hatte absolut keine Ahnung, auf was ich tippen soll, ich wusste nur, dass das ein toller Wein ist. Und die Auflösung ist schon sehr aussergewöhnlich, ja – mit etwas Enthusiasmus – sogar sensationell: Es handelt sich um einen weiss gekelterten Cabernet-Sauvignon, der den biologischen Säureabbau gemacht hat!

Hommage an den viel zu früh gestorbenen Vater: DLC lässt ihn durch einen genialen und ganz speziellen Weisswein nochmals sprechen!

Dominique Léandre-Chevalier nannte diesen weissen Cabernet „Parole à mon père“. Dazu muss man wissen, dass sein Vater 1986 im Weinkeller aufgrund einer Kohlendioxid-Vergiftung ums Leben gekommen ist, was Dominique damals zwang, in jungen Jahren das Weingut zu übernehmen. Wenn er nun einen Wein so benannt hat, dann muss dieser ja etwas Spezielles sein. Kommt dazu, dass Léandre-Chevalier ein Bewunderer der Weine aus dem Burgund ist. Da ist es auch nicht erstaunlich, dass er einen Wein keltert, der blind durchaus für einen solchen gehalten werden könnte!

Der „Parole à mon père“ zeigt aber vor allem eines: Der Schöpfergeist und der Drang, Neues und Spannendes auszuprobieren, liegt sozusagen in den Genen von Dominique Léandre-Chevalier. Wir dürfen uns auf die Weine freuen, die in den nächsten Jahren entstehen werden!

Die Weine können hier bestellt werden:
Unsere Weine – Hommecheval

Ferner sind einige andere ältere Weine der DCL auch noch bei der Weinhandlung Gerstl und in Deutschland bei Lobenberg vorrätig:
Domaine Léandre-Chevalier – Weingüter (gerstl.ch)
Le Queyroux Dominique Leandre-Chevalier – Lobenbergs Gute Weine (gute-weine.de)

Domaine Léandre Chevalier: Die märchenhafte Rettung eines Ausnahmegutes in Bordeaux!

Traumhafte Weine hatte er uns geschenkt, Dominique Léandre-Chevalier. Wie ein böser Traum kam dann die Nachricht, dass er das Gut aus finanziellen Gründen aufgeben musste. Und nun wirkt es wie ein Märchen, dass die Domaine neu aufersteht! Hier die unglaubliche Geschichte dazu – halt nicht passend an Ostern, aber ein bisschen wie Weihnachten ist sie jedenfalls auch!

„Pferdemann rettet Pferdemann“, hätte man auch titeln können. Dominique setzte für die Bewirtschaftung seiner Reben auch Pferde ein, und nannte sich deshalb „l’homme cheval“. Nun hat ein anderer Pferdemann aus der Schweiz das Weingut gekauft und Léandre Chevalier als Betriebsleiter eingesetzt. Wir dürfen uns freuen!

Er ist wieder da: „l’homme cheval“, Dominique Léandre Chevalier – neu als Betriebsleiter der Domaine.

Aber der Reihe nach: Die Domaine Léandre-Chavalier (DLC) liegt in einem der wenig beachteten Gebiete von Bordeaux an den Côtes de Blaye. Luftlinie liegt das Gut zwar nur etwa sieben Kilometer von Pauillac entfernt – aber eben auf der „falschen“ Seite der Gironde. Trotzdem erweckte die Domaine immer mehr Aufsehen mit aussergewöhnlichen und aussergewöhnlich guten Weinen. An den jährlichen Arrivage-Degustationen für Bordeaux aus dem Sortiment von Gerstl war Dominique Léandre Chevalier fast immer persönlich anwesend. Plötzlich fehlte er, mir fiel das zwar auf, aber ich dachte mir nichts dabei. Bordeaux-Freund Reto Erdin hingegen fragte bei Max Gerstl nach und erfuhr die traurige Nachricht vom Konkurs schon sehr früh. Gleichzeitig teilte ihm Gerstl mit, dass es für eine Rettung leider schon zu spät sei, das Gut sei bereits im Konkurs.

Reto Erdin – der neue Besitzer der DLC: „Pferdemann rettet Pferdemann“!

Reto Erdin hatte sich kurz vorher einen Traum verwirklicht und ein Weingut in Bordeaux gekauft. Er hatte zuvor rund 50 bezahlbare Güter angesehen und sich schliesslich für dieses Gut – Château Monichot – an den Côtes de Bourg entschieden. Es wird seit 2001 biologisch bewirtschaftet und ist zur Zeit noch verpachtet. Der heute produzierte Wein begeistert Erdin nicht wirklich, aber er konnte Tropfen aus den 1980er-, 1990er- und 2000er-Jahren probieren und ist deshalb vom Potential der Böden überzeugt. Er suchte eigentlich nach einem künftigen Betriebsleiter für dieses Weingut, und weil ihm die Weine und auch die Bewirtschaftung der DLC immer so gut gefallen hatten, wollte er Kontakt mit Dominique Léandre Chevalier herstellen.

Mit viel Mühe gelang ihm dies schliesslich. Dominique nahm zu jener Zeit kaum noch Anrufe entgegen – meine, mit denen ich mehr über die Situation erfahren wollte, auch nicht. Aber weil Reto Erdin nicht locker liess, fragte DLC schliesslich doch zurück, was er denn wolle. Damit war das Eis gebrochen, und die beiden lernten sich kennen. Dabei erfuhr Erdin auch, dass das Gut noch nicht verkauft sei. Sein Interesse war geweckt, aber auf Nachfrage beim Konkursamt sagte man auch ihm, die Domaine sei nicht mehr zu haben. Alle Umstände, etwa, dass verschiedene Personen die Reben mehr schlecht als recht pflegten, oder dass die Trauben im Herbst verkauft wurden (auch jene aus der Parzelle mit 33’333 Stöcken/ha – und das zum Weltmarktpreis von 50 Cent pro Kilogramm!) wiesen aber darauf hin, dass hier noch kein neuer Besitzer am Werk war.

Starke Nerven gegen französichen Beamten-Schlendrian
Schliesslich stellte sich heraus, dass das Konkursamt zwei Dossiers verwechselt hatte, und somit die DLC tatsächlich noch zu kaufen war. Es sollte nicht das einzige Problem mit den staatlichen Behörden bleiben – die diesbezüglichen Schilderungen von Reto Erdin sind absolut haarsträubend. Ich erzähle sie hier nicht, ich möchte ja irgendwann wieder nach Frankreich einreisen dürfen 🙂
Immerhin aber dies: Erdin hatte ein Angebot für den ganzen Betrieb eingereicht. Beim Vollzug der Überschreibung gingen dann aber einige Parzellen „vergessen“. Es handelte sich zwar nur um Wiesen und Hecken, aber auch die sind Erdin wichtig, weil er das Gut dereinst CO2-neutral betreiben möchte, sodass ökologischen Ausgleichsflächen notwendig sind. Zum Glück ist er selbst Notar und wusste sich zu wehren – aber auf seine Intervention hin forderte man ihn vorerst auf, er müsse halt nochmals eine Offerte für diese Parzellen einreichen.

Nichts für schwache Nerven war dann auch der Umgang mit dem Weinjahrgang 2020. Eigentlich war zwar alles für einen Kauf anfangs Jahr abgemacht, aber die Eigentumsübertragung verzögerte sich immer wieder. Und dann kam Corona, und es ging gar nichts mehr. Erdin musste also entscheiden, ob er – vom Amt so diktiert – auf eigenes Risiko und ohne jede Entschädigung, falls der Kauf nicht zustande kommt, die Reben zusammen mit Dominique Léandre-Chevalier und seinem Team pflegen oder ob er noch einen Jahrgang verkommen sehen will. Schliesslich entschied er sich für das Risiko. Dieses hat sich gelohnt, aber die ersten Trauben waren schon geerntet, als im September der Kauf endlich vollzogen werden konnte!
Wie Räubergeschichten tönen freilich auch Erlebnisse aus dem Betriebsjahr 2020. So kaufte Erdin zwar den ganzen Betrieb mitsamt Inventar und Fahrhabe. Allerdings zeigte sich dann, dass Maschinen verschwunden waren, und auch ein Teil des noch vorhandenen Flaschenlagers war gestohlen worden. Und einzelne Maschinen, die zwar nach Papier Erdin gehört hätten, sich aber noch in einer Werkstatt befanden, wurden nicht herausgegeben, weil noch Schulden von früher bestanden. Rechtlich wäre der Fall ja klar gewesen, aber wenn man eine Maschine dringend braucht, geht man auch mal einen „Kompromiss“ ein ….

Ein Genie soll man nicht bremsen!
Nun aber zu Erfreulicherem, zur Zukunft: Reto Erdin hat sich das Ziel gesteckt, die Weine in gewohnter Qualität oder noch besser herauszubringen. Und Dominique Léandre-Chevalier, der jetzt die Domaine nicht mehr als Besitzer, aber als Betriebsleiter führt, war und ist voller Tatendrang, so, als wolle er es allen zeigen! Die Zusammenarbeit zwischen Reto Erdin und Dominique Léandre-Chavalier hat sehr gut funktioniert. Natürlich hatte im Vorfeld auch Erdin davon gehört, dass DLC zwar ein genialer Weinbauer und ein liebenswürdiger Mensch sei, aber administrativ und finanziell eigentlich überfordert – und auch schnell frustriert, wenn er seine Ideen nicht umsetzen kann. Reto Erdin meint dazu: „Genies kann man nicht bremsen, man kann sie auch nicht an die Leine nehmen, sonst verlieren sie ihre Motivation und damit auch die Genialität“. Seine Aufgabe sei nur zu schauen, dass die Finanzen im Lot bleiben – und deshalb halt auch mal „nein“ zu sagen.

Zum Vormerken: Der erste Jahrgang nach dem Neustart wird vielversprechend
Die Fassproben des Jahrgangs 2020 sind gemäss Erdin äusserst vielversprechend! Und es gibt auch schon neue Pläne für weitere Weine. So soll eine zusätzliche Parzelle mit 33’333 Stöcken/ha bepflanzt werden – mit einer Rebsorte, die eigentlich nicht ins Bordelais passt! Welche? Alles muss ja nicht gleich verraten werden! Kein Geheimnis ist hingegen, dass es auf der Domaine noch eine Parzelle mit wurzelechten Petit Verdot-Reben gibt. Diese stehen im Sand und wurden deshalb nicht Opfer der Reblaus. Daraus wird es künftig als absolute Rarität ein Fass geben, also etwa 300 Flaschen.

Nicht mehr geben wird es auf finanziellen Gründen künftig aber den „Inselwein“. DLC hatte seit einigen Jahren auch auf einer Insel in der Gironde vor Pauillac (oder eben vor Anglade auf der anderen Seite, wo sich die DLC befindet) – der Ile de Patiras – Weine produziert. Das war aber so ressourcenraubend (die Pferde mussten beispielsweise verschifft werden, und wenn man die Ebbe nicht sauber einplante, konnte man gar nicht übersetzen), dass Erdin davon absehen wird. Überhaupt, die Kosten. Reto Erdin hat nachgerechnet und festgestellt, dass DLC am Schluss mit jeder Flasche seines Hauptweines 10 bis 15 Euro verloren hat. Trotzdem ist Erdin nicht der Meinung, dass auf dem Gut Geld aus dem Fenster geworfen wurde. Er hat im Jahr 2020 jede Rechnung geprüft und keine gefunden, die nicht sinnvoll erschien. Das Gut weist 3,2 Hektar Reben auf, und deshalb braucht es Helfer, welche die Laubarbeit und die Ernte sicherstellen. Aus Qualitätsgründen will das Gut hier immer die gleichen, verlässlichen und geschulten Leute, die auch weiterarbeiten, wenn man ihnen mal den Rücken kehrt. Und dafür wird dann eben auch der 2,5-fache Mindestlohn bezahlt. Und diese Stunden summieren sich, weil auf diesem Gut sehr Vieles in Handarbeit erledigt wird – erledigt werden muss. Auf der Parzelle mit den 33’333 Stöcken sind sogar sämtliche Arbeiten einfach nur von Hand möglich.

Qualität über alles! Und konsequent ökologisch.
Und Handarbeit hat auch eine sehr ökologische Seite: Man kann heutzutage die Reben – wenn sie nicht gerade so eng stehen wie in der 33’333-Parzelle – maschinell aufbinden. Bloss wird dann in aller Regel Kunststoff verwendet (Plastik-Klammern bzw. -Schnüre). Und genau das – Mikroplastic im Boden – passt natürlich nicht ins Konzept der Domaine DLC. Also werden die Reben von Hand und mit Bast aufgebunden. Billig ist das natürlich nicht zu haben!

Zudem man gibt sich auch nicht mit Holzfässern von der Stange zufrieden. DLC will ganz bewusst, dass man das Holz in seinen Weinen kaum spürt. Er bestand und besteht deshalb darauf, dass seine Fässer natürlich getrocknet und nach einem ganz bestimmten „Rezept“ ausgebrannt – „getoastet“ werden. Hohe Qualität lebt von Details!

Die Preise müssen etwas steigen – werden aber fair bleiben.
Erdin will deshalb ganz bewusst nicht die Sparschraube drehen. Gleichzeitig will er aber auch den langfristigen Bestand der Domaine sichern. Das heisst im Klartext, die Weine werden teurer! Allerdings, schiebt Erdin nach, mit dem Kauf der zwei Güter in Bordeaux habe er sich einen Traum verwirklicht, und er wolle damit nicht reich werden. Will heissen, die Preise werden moderat steigen, aber es müsse einfach gelingen, einen fairen kostendeckenden Preis zu erzielen, sonst funktioniere alles nicht – und schon gar nicht die hohe Qualität.

Ganz einfach wird es kaum werden, und es ist vielleicht ein Glück, dass die Spitzenweine des Jahrgangs 2020 erst im übernächsten Jahr auf den Markt kommen. Erdin setzt zwar darauf, dass die wichtigsten der bisherigen Weinhändler seine Weine weiterhin im Sortiment behalten und die treuen Stammkunden bei der Stange bleiben, eben auch zu etwas höheren Preisen (aber vielleicht auch nochmals höherer Qualität). Aber in Frankreich selbst sieht es aktuell traurig aus. Zwar wären die alten Kontakte noch vorhanden – sofern es denn die Firmen und Restaurants überhaupt noch gibt. Corona hat auch da eine tiefe Kerbe geschlagen, und wer nicht schon pleite ist, kauft kurzfristig jedenfalls kaum ein. Aber wer den Kampf mit den französischen Behörden erfolgreich hinter sich gebracht hat, wird hoffentlich auch jenen um die Kunden gewinnen.

Eines ist für Reto Erdin allerdings klar: Ein zweites Mal wird die Domaine nicht in Konkurs gehen, dafür kann er viel zu gut rechnen. Falls es nicht gelänge, für die herausragenden Weine einen fairen Preis zu erzielen, dann würde das Experiment „DLC II“ scheitern, bevor alles Geld „verbrannt“ wäre. Es ist also auch an uns Weinfreunden, die Wiedergeburt der Domaine langfristig am Leben zu erhalten.

Aus rein finanziellen Gründen wird die Domaine zur Zeit auch nicht als Bio-Betrieb zertifiziert werden. Reto Erdin wurde zwar an einem Bio-Weinbaukurs am FIBL geschult und überzeugt, und man arbeitet auf der Domaine auch sehr weit gehend nach den Bio-Prinzipien. Eine Zertifizerung würde aber sehr viel Geld kosten: Zusammen mit den baulichen Anpassungen einen siebenstelligen Betrag, den sich das Weingut nicht leisten kann. Denn während man in den Rebparzellen die Vorschriften problemlos einhalten könnte, müsste man baulich zu Vieles ändern.

Le deuxième „homme cheval“
Ach ja, und das mit dem „Pferdemann“: Reto Erdin ist Pferden mindestens so verbunden wie Dominique Léandre Chevalier! Und sehr talentiert ist er dazu: 2015 gewann er Gold an der „Quarter Horse EM im Amateur Reining“ – einer speziellen Ausprägung des Dressurreitens! Zudem war er selbst erfolgreicher Züchter.

DLC nannte und nennt sich „l’homme cheval“. Reto Erdin wiederum ist auf dem Handy seiner Partnerin als „Pferdemann“ gespeichert! Wenn das keine Symbiose ist!

Hoffen wir, dass das moderne Märchen des Pferdemanns, der einen anderen Pferdemann rettet und mit ihm zusammen Grosses aufbaut, zu einem guten Ende kommt. Wie sagte doch Reto Erdin zum Abschied zu mir: „Märchen enden fast immer mit einem Happy-End“! Man würde es diesem sympathischen, zwar selbstsicheren, aber gleichzeitig bescheidenen und nie überheblichen Pferdemann gönnen – und uns Weinfreunden erst recht!


Reto Erdin: tausche Porsche gegen Cheval-blanc-Inventar!

Reto Erdin, Europameister im „Quarter Horse Amateur Reining“ – und qualitätsbesessener Weingutsbesitzer.

Ein Wirtschaftsstudium an der HSG und ein Doktortitel stehen am Anfang der beruflichen Laufbahn von Reto Erdin. Er machte Karriere im Bankwesen und war CEO, wobei er betont, er sei nie im „Millionen-Salär-Club“ gewesen, und deshalb könne er heute auch nicht einfach aus dem Vollen schöpfen, wenn es um den Aufbau der DLC gehe. Um einen neuen Sortiertisch für die Triage der angelieferten Trauben zu kaufen, hat er kürzlich seinen Porsche verkauft. Immerhin erfuhr er dann, dass das gleiche Produkt auch auf Cheval blanc im Einsatz ist.

Nach einem extrem intensiven Jahr mit drei Bank-Jobs parallel nahm er sich eine Auszeit – um dabei festzustellen, dass er nicht mehr in die Bankenwelt zurück will. Er widmete sich danach der Reiterei, besuchte Bio-Rebbaukurse – und erlangte das Notaren-Patent. Heute arbeitet er als Notar – und natürlich auch als Weingutsbesitzer!

http://www.hommecheval.com

Hier noch einige Links auf meine früheren Beiträge über die DLC:
Je savais que c’était impossible … alors je l’ai fait! – Victor’s Weinblog
Provokation gelungen! Zu 100 %. Mit Petit Verdot. – Victor’s Weinblog

Und der inzwischen „überholte“ Beitrag zum vermeintlichen Ende der Domaine – zum Glück kam alles anders:
C’était impossible: Der „Pferdemann“ ist konkurs! – Victor’s Weinblog

Einfach nur wundervoll: Dominque Léandre-Chavalier ist zurück!

Es wirkt fast wie eine vorgezogene Weihnachtsgeschichte, die Max Gerstl eben auf Instragram gepostet hat: Das Weingut von Dominique Léandre-Chevalier wurde vom Schweizer Reto Erdin erworben – und Dominique produziert auf „seiner“ Domaine wieder Weine!

„l’homme cheval“ – Dominique Léandre-Chevalier ist zurück!

Welche Freude! Und welche Vorfreude auf kommende Weine!

Aber lesen Sie selbst direkt auf der Homepage von Gerstl:
https://www.gerstl.ch/de/news.html

Und für alle, die etwas in Vorfreude über kommende Weine schwelgen möchten, hier die Verweise zu Beiträgen, die ich über Dominique Léandre-Chavalier geschrieben hatte:
https://victorswein.blog/2018/01/06/je-savais-que-cetait-impossible-alors-je-lai-fait/
https://victorswein.blog/2018/06/07/provokation-gelungen-zu-100-mit-petit-verdot/

Und hier der damals betrübliche Artikel über das – vermeintliche – Ende:
https://victorswein.blog/2019/04/27/cetait-impossible-der-pferdemann-ist-konkurs/

Wie schön, dass es einen Neubeginn gibt! Freude herrscht!

Chasse-Spleen: weiss vor rot? Zumindest spannender!

Château Chasse-Spleen, ein bekannter Cru Bourgeois, stellt auch einen weissen Bordeaux her, der sehr gefällt und der durchaus mehr als nur rund 3 % der Produktionsmenge ausmachen dürfte.

Chasse-Spleen – Verteiber der Schwermut*! In meinem Fall könnte man auch sagen, „der Weisse von Chasse-Spleen, Vertreiber des Vorurteils“. Früher, und das heisst in meinem Fall vor 30 Jahren, gehörte das damals von Bernadette Villars geführte Gut zu meinen Lieblingsweinen, von den ganz Grossen einmal abgesehen. Irgendwann fand ich aber, das Château sei im Vergleich mit anderen ein wenig stehen geblieben, und der Wein fand seit dem Jahrgang 2004 keinen Eingang mehr in meinen Keller.

Kürzlich habe ich – einfach aus Neugierde, weil ich den Wein nicht kannte – nun den Weisswein des Châteaux probiert – und ich war begeistert!

Mittleres Gelb, Duft nach weissem Pfirsich, Quitten und Verveine, frisch gemähtes Gras, dezenter, feiner Holzton. Im Mund sehr ausgeglichen, gut eingebundene Säure, frisch, leicher Bitter- und Holzton, kaum spürbarer Alkohol. Sehr langer Abgang. Toller Wein, der auch noch gut reifen dürfte.

Weisswein wird auf Chasse-Spleen schon seit anfangs der 1990-er Jahren produziert, damals wurden rund 2 Hektar mit 65 % Semillon und 35 % Sauvignon blanc bepflanzt. Das Château schreibt selbst auf der Homepage, dass keine Erfahrung mit Weisswein vorhanden war, und dass es Mut brauchte, auf einem „roten“ Terroir, das roter gar nicht sein könnte, auch Weisswein anzubauen. Noch heute sind im Médoc die Weissen äusserst rar (aber fast immer sehr gut, ich denke da nicht nur an Pavillon blanc oder Cos, sondern auch an bezahlbare Gewächse wie etwa Cygne de Fonréaux, vgl. hier:
https://victorswein.blog/2020/02/22/mein-lieber-schwan-le-cygne-weisser-bordeaux-vom-feinsten/
oder du Retout).
Anfangs wurde der Wein nicht vermarktet, sondern auschliesslich in der Familie und von Angestellten genossen. 1995 wurde er erstmals kommerzialisiert, aber noch heute stehen 15’000 produzierte Flaschen rund 500’000 rotem Chasse-Spleen gegenüber. Bloss: Der Weisse kann wirklich überzeugen, das Gut schreibt dazu selbst:
Puis, notre travail et la signature Chasse-Spleen persuadèrent, peu à peu, un nombre croissant d’aficionados. Aujourd’hui, nous affirmons nos techniques, nos aptitudes à la dégustation le long du processus de la plante au vin, et Blanc de Chasse-Spleen tutoie de plus en plus les meilleurs vins blancs bordelais.
Dem ist nichts beizufügen!

Blanc ou rouge? Der Weisse hebt sich zumindest mehr von allen anderen ab!

Das schöne Erlebnis mit dem Weissen hat mich dazu bewogen, noch am gleichen Abend eine der letzten Flaschen an rotem Chasse-Spleen aus dem Keller zu holen, die mir noch bleiben. 2004 war kein Ausnahmejahr, aber der Wein gefiel mir auch, ja, ich war positiv überrascht:

Gereiftes, aber noch präsentes Purpur mit leichten Braunreflexen; in der Nase Leder, Tabak und Dörrpflaumen sowie immer noch etwas Brombeer; im Mund an sich ausgeglichen und rund, allerdings mit einigen Grüntönen und ein klein wenig spröd wirkend. Trotzdem, ein schöner Wein und ein echter Trinkgenuss!

Rot oder Weiss? Die Frage ist aufgrund der beiden verkosteten Jahrgänge natürlich nicht seriös zu beantworten. Trotzdem: Der Weisse von Chasse-Spleen steht bei mir in Zukunft definitiv auf der Einkaufsliste, den Roten werde ich wieder besser verfolgen.

http://www.chasse-spleen.com/#!/home
Der weisse Chasse-Spleen ist trotz kleiner Produktion bei diversen Händlern erhältlich, ich selbst habe ihn ausgerechnet beim „Italiener“ als Einzelflasche zu einer „italienischen“ Bestellung dazu gekauft: https://www.bindella.ch/de/p/weissweine/france/bordeaux/blanc-de-chasse-spleen-16840.html

* nach „Hubrecht Duijker, die guten Weine von Bordeaux“, Müller Verlag, 1980, erhielt das Gut demnach seinen Namen von Lord Byron, der den Aufenthalt 1821 so angenehm fand, dass seine Schwermut vertrieben wurde.
Se non e vero, e ben trovato.

Mein lieber Schwan! „Le Cygne“, weisser Bordeaux vom Feinsten!

Weisse Bordeaux sind entweder gut und sündhaft teuer oder dünn und nichtssagend! Diese bösartige Aussage eines Freundes hat etwas für sich – aber es gibt Ausnahmen, welche die Regel bestätigen. Eine besonders schöne: „Le Cygne“ von Château Fonréaud!

Natürlich war mir Château Fonréaud ein Begriff. Dieses Gut, ein Cru Bourgeois aus Listrac, etwas im Landesinnern und abseits der berühmten Châteaux des Bordelais in Listrac gelegen, kannte ich als verlässliches, aber auch selten grosses Gut für rote Bordeaux (was sich übrigens in den letzten Jahren auch geändert hat, die Roten von Fonréaud haben enorm zugelegt!).

Was mir aber vor bald einem Jahrzehnt im „Relais de Margaux“, einem sehr guten Hotel-Restaurant mit Blick auf Château Margaux empfohlen wurde, war ein bezahlbarer weisser Wein von Fonréaud, genannt „Le Cygne“. Es war sozusagen Liebe auf den ersten Blick, und seither kaufe ich diesen Wein regelmässig. Es ist ein begeisternd frischer, fruchtiger und dichter weisser Bordeaux zu einem vernünftigen Preis. Als Unterschied zu den ganz grossen Weinen war ich immer überzeugt, dass der „Cygne“ früh getrunken werden sollte, weil er vor allem von seiner Frische lebt.

Heute nun habe ich die letzte Flasche des Jahrgangs 2015 geöffnet: Und plötzlich bin ich nicht mehr sicher, ob dieser tolle Wein nicht auch ganz viel Alterungspotential hat. Zu früh getrunken habe ich die anderen Flaschen auf jeden Fall!

Toller weisser Bordeaux zu bezahlbarem Preis (ca. Fr. 25.00): eine wirkliche Trouvaille!

Helles Gelb mit Grünreflexen; in der Nase frisch geschnittenes Gras, Gewürznelken und Korianderkörner, dezenter Anflug von Ananas, Mango und Limetten, ohne exotisch zu wirken, ebenso dezenter Anflug von Holz in Form von Vanille; enorme Frische, spürbarer Süsskomplex (nicht zu verwechseln mit süss!) ohne jede Opulenz, enorm langer Abgang! Grandioser Wein!

Der weisse Schwan – sorry, der weisse Fonréaud – wird aus 60 % Sauvignon blanc, 25 % Semillon und 15 % Muscadelle komponiert. Immerhin 3 Hektar des Gutes sind mit diesen weissen Sorten bepflanzt. Eine echte Trouvaille aus dem Bordelais!

vignobles-chanfreau.com

Die Mitte zwischen der Loire und dem Libournais liegt … in Österreich!

Auch an Feiertagen muss man nicht zwingend sündhaft teure Weine trinken, um so richtig geniessen zu können: Aus dem Weinbaugebiet Leithaberg im Burgenland kommt ein grossartiger reinsortiger Cabernet Franc von Stefan Zehetbauer, der wie ein Symbiose zwischen einem Wein von der Loire und einem aus dem nördlichen Bordelais auftritt!

Das burgenländische Weinbaugebiet Leithaberg liegt auf der östlichen Seite des Leithagebirges und westlich des Neusiedlersees. Wenn Ihnen dieses „Gebirge“ nicht geläufig ist, so mag das daran liegen, dass der höchste Punkt nur auf 484 m.ü.M. liegt. Trotzdem spielt dieser Hügelzug für den Wein eine grosse Rolle, bringen doch die kühlen Winde aus den bewaldeten Höhen nachts einen willkommen Ausgleich zum warmen pannonischen Klima rund um den Neusiedlersee. Das Weinbaugebiet weist rund 3000 ha Anbaufläche auf und trägt seit 2010 die DAC. Im Spätherbst 2019 gastierten 15 führende Winzer mit ihren Weinen in Zürich und legten Zeugnis vom grossen Potential dieses Gebietes ab (mehr dazu folgt später).

Die Weingärten von Zehetbauer im Gebiet Leithaberg (Bild Christoph Wagner, ab Presseservice Zehetbauer)

Das Gebiet steht beim Rotwein überwiegend für Blaufränkisch. Deshalb ist es schon fast etwas frevelhaft, wenn ich zuerst über einen Wein aus einer nicht ortstypischen Sorte schreibe, der deshalb auch die DAC nicht tragen darf. Aber der Cabernet Franc 2016 vom Ried Steinberg hat mich sehr überzeugt und ist deshalb eine Notiz mehr als wert.

Dunkles, fast violettes Rubin; Duft nach Brombeeren, dunklen Kirschen, auch etwas Weichselkirschen, würzig, dezent spürbarer Holzton; im Mund saftig, sehr ausgewogene, elegante Balance zwischen Alkohol, Säure und sehr feinen Tanninen; mineralische Frische, dicht und lang im Abgang.

Der Steinberg zeigt sich sehr sortentyisch. Für Sefan Zehetbauer stellt er stilistisch so etwas wie die Mitte zwischen einem Loire-CF und einem CF-lastigen Wein aus dem Libournais dar. Da kann man ihm nur zustimmen, seine österreichische Variante weist die fruchtige Frische eines grossen Loire-Weines auf, bringt aber auch die Wärme und Rundheit eines Bordeaux mit. Und nebenbei gesagt: das Ganze für 18.50 Euro!

Toller Cabernet Franc (Bild Herbert Lehmann ab Presseservice Zehentbauer)

Stefan Zehetbauer führt mit dem Cabernet Franc fort, was schon unter seinem Vater begonnen und heute im Betrieb bereits Tradition hat. Inzwischen sind 2,5 ha Reben mit Cabernet Franc bestockt! Aber auch sonst scheint der Generationenwechsel auf diesem Weingut harmonisch abgelaufen zu sein. 2005 stieg Stefan jun. (der Vater heisst auch Stefan) in den Betrieb ein und übernahm ihn 2009. Doch auch heute noch arbeitet Stefan sen. auf dem Betrieb mit und gibt vor allem im Rebberg sein wertvolles Wissen weiter.

Stefan Zehetbauer vor seinem Keller (Bild Christoph Wagner, ab Presseservice Zehetbauer)

Stefan Zehetbauer wirkt auch im persönlichen Gespräch sehr sympathisch und auf eine ansteckend enthusiastische Art fokussiert auf seine Weine und seine Philosophie, Weinbau zu betreiben und Wein gedeihen zu lassen. Der Ausdruck ist bewusst gewählt, denn Zehetbauer betont immer wieder, dass er so wenig Eingriffe wie nur möglich vornimmt – der Wein soll eben gedeihen können und nicht in eine Schablone gepasst werden. Bei seinem ganzen Sortiment ist das hervorragend gelungen, nicht nur beim Cabernet Franc. Aber hier sprengt er sozusagen geografische Grenzen dazu!

https://zehetbauerwein.at/de/home/

Beugsquelle CH (Teilsortiment mit einem älteren CF):
https://www.avinum.ch/

Die letzten Weine des „Pferdemanns“

Marketingaktionen von Weinhändlern sind ja nicht meine Sache und wurden hier bisher auch nie abgehandelt. Für einmal mache ich nun eine Ausnahme: Gerstl verkauft einen ersten Teil der genialen Weine aus der Konkursmasse von Dominique Léandre-Chevallier.

Es ist traurig aber wahr: Der „homme cheval“, dessen Weine ich so sehr geschätzt habe, und der aus Nostalgie noch immer auf meiner Startseite erwähnt wird, ist pleite.
Vgl. hier: https://victorswein.blog/2019/04/27/cetait-impossible-der-pferdemann-ist-konkurs/

Ein Bild aus vergangenen Tagen: Der Aufwand, den Dominque Léandre-Chevallier trieb, war betriebswirtschaftlich einfach zu gross! Und leider war er diesbezüglich offenbar „beratungsresistent“.

Die Weinhandlung Gerstl hat einen Grossteil der Weine aus der Konkursmasse erstanden. Nun wird eine erste Tranche angeboten:
https://www.gerstl.ch/de/search.html?searchtext=+l%C3%A9andre-chevalier+

Während die Basisweine und weiterhin auch der „Joyau“ zu moderaten Preisen verkauft werden, haben die Raritäten wie der 100% Provocateur – Vgl. hier:
https://victorswein.blog/2018/06/07/provokation-gelungen-zu-100-mit-petit-verdot/
– und der 33’333 leider einen preislichen Quantensprung gemacht. Qualitativ wert sind sie auch die neuen Preisschilder – was man davon hält, und ob man das mitmachen will, ist jedermann selbst überlassen. Aber vielleicht haben alle von uns das Geld ja auch schon dümmer ausgegeben …

Ein Gütesiegel für Weinblogs? Und ein Gratis-Tipp.

„Und jeder schreibt über Wein“, so lautete im letzten Jahr der Titel unter „Klartext“ in Vinum. Was letztlich eine Seite Eigenwerbung war, hat doch einen wahren Kern.

Als ich den Text von Redaktorin Nicole Harreisser damals las, kam es mir vor, als würde jemand verzweifelt nach Gründen suchen, ein in stürmischem Wasser treibendes Print-Schiff gegen den Online-Sturm zu verteidigen. Bemerkungen wie „wir bei Vinum, wo Verkostungen für den Vinum-Weinguide verdeckt stattfinden, wissen, wie unterschiedlich Noten ausfallen können, wenn den Verkostern der vielleicht prominente Name des Produzenten bekannt ist oder eben nicht“ wirkten auf mich schon fast ein wenig verzweifelt.

Vorgeworfen wurde uns Bloggern und Online-Kommentatoren weiter, es fehle oft an Transparenz und Objektivität. Und vorgeschlagen wurde zu guter Letzt ein Gütesiegel für Weinakteure im Netz.

Nun hat Vinum ja nicht unrecht, tatsächlich ist es eine Herausforderung, ehrliche und transparente Information von clever verkappter Werbung zu unterscheiden. Natürlich nehme ich eine Degustationsnotiz in Vinum ernster als ein beliebiger Instagram-Eintrag. Dies vor allem auch, weil die Weinzeitschrift seit dem Besitzer- und Chefredaktionswechsel vor ein paar Jahren wieder richtig gut geworden ist.
(Wobei, am Rande vermerkt, gerade auch Vinum selbst mit dem „Club les Domaines“ eine nicht ganz koschere Strategie fährt).

Dass beides, Vinum-Degustationsnotizen und Blog-Beiträge, ihren Platz haben können und sollen – ja, sich vielleicht sogar gegenseitig helfen – zeigt das Beispiel eines Weinblogs aus der Schweiz. Niemals möchte ich auf die Beurteilungen von Rolf Bichsel in Vinum verzichten, zumal ich persönlich fast immer die gleiche Wahrnehmung habe. Aber das, was Adrian van Velsen in seinem Blog über die Primeurs 2018 aus Bordeaux schreibt, scheint mir ebenso seriös. Und wer möchte sich nicht aus verschiedenen Quellen informieren?
http://www.vvwine.ch/

Den Blog von Adrian van Velsen und seinen Kollegen, einer der ältesten in der Schweiz, halte ich auch sonst für sehr empfehlenswert, und er wäre ein sicherer Kandidat für ein „Blog-Gütesiegel“.

Und zurück zu Vinum: Warum führt ihr ein solches Qualitätssiegel nicht ein (wer, wenn nicht Vinum, wäre dazu prädestiniert)? Warum nutzt ihr nicht sogar die Chance, externe, aber von euch geprüfte Blogs, oder zumindest ausgewählte Beiträge, in euer Netzwerk einzuspannen? Das Spektrum von Vinum würde breiter, die Informationsdichte besser, der qualitative „Wettstreit“ unter den Korrespondenten befruchtend!

Das wäre doch eine Antwort auf den sich nur noch verstärkenden Online-Sturm im Weinglas! Mein Tipp ist, wie vieles in der Online-Welt, gratis, aber transparent und objektiv!

Ach ja: Auch Vinum ist online 🙂
http://www.vinum.eu

C’était impossible: Der „Pferdemann“ ist konkurs!

Der wohl „verrückteste“, konsequenteste und geniale Winzer Dominique Léandre-Chevalier ist – finanziell – gescheitert. Offenbar war sein riesiger Aufwand für Spitzenweine mit den erzielbaren Weinpreisen nicht zu decken.

Auf der Titelseite meines Blogs erwähne ich drei vorbildliche Winzer, deren Schaffen mich, stellvertretend, überhaupt zum Schreiben animiert – darunter der „homme cheval“, Dominique Léandre-Chavalier (DLC), welcher mit natürlicher Arbeitsweise auch ausserhalb der bekannten Terroirs wegweisende Bordeaux herstellt(e). Von einer Leserin wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass die Homepage der Domaine Léandre-Chevalier ausser Betrieb sei. Die Recherchen waren absolut frustrierend und traurig, es lässt sich aber leider offiziell nachlesen. Die Domaine ist konkurs! Wer es sich selbst antun will:
https://www.procedurecollective.fr/fr/liquidation-judiciaire/1392955/domaine-leandre-chevalier.asp

Traurig: „l’homme cheval“, Dominique Léandre-Chevalier – das gibt es so leider nicht mehr (Bild aus früherem Beitrag und ab seinerzeitiger Homepage)

Wie habe ich diese Domaine und diese Weine geschätzt! Der Joyau de Queyroux war ein wundervoller Bordeaux, der keinen Vergleich auch mit den Grossen zu scheuen brauchte. Den „Provocateur“ habe ich hier völlig fasziniert beschrieben, und auch sein Experiment mit 33’333 Stöcken pro Hektar suchte seinesgleichen!
https://victorswein.blog/2018/01/06/je-savais-que-cetait-impossible-alors-je-lai-fait/
https://victorswein.blog/2018/06/07/provokation-gelungen-zu-100-mit-petit-verdot/

Wie konnte es nur so weit kommen, dass ein so genialer Winzer, der wundervolle Weine herstellte, „faillierte“? DLC selbst konnte ich, trotz noch funktionierender Telefonnummer, leider nicht erreichen. Aber wen immer man fragt, wo immer man nachliest – es zeichnet sich das Bild eines Mannes, der, fast wie ein Künstler (wahrscheinlich ist er auch genau das), wusste, was er wollte, wusste, was richtig und wichtig ist, dabei aber nur zu oft die Finanzen ausblendete. Und der es letztlich auch nicht schaffte, auf dem Markt jene Preise durchzusetzen, die er für ein solches Projekt benötigt hätte.

Es finden sich, abgesehen von Leuten, die DLC schon immer für einen „Spinner“ hielten, nur Voten des Bedauerns – freilich auch eines Bedauerns über die vermutlich vorhandene „Beratungsresistenz“ von DLC. Es soll durchaus Leute gegeben haben, die ihn schon frühzeitig warnten.

Warum bloss musste eine spezielle Maschine entwickelt werden, welche den Boden noch weniger verdichtete, wenn sie eigentlich nicht zu bezahlen war? Warum mussten nach einem von DLC je nach Jahrgang selbst ausgeklügelten Muster jährlich viele neue Barriques angeschafft werden? Warum musste die Ernte akribisch und fast beerengenau handerlesen erfolgen? Und warum brauchte DLC eine engagierte Arbeitskraft pro Hektar – wo doch das Konkursamt einen Arbeiter pro 15 Hektar für genügend hält?
Dieser Absatz ist sinngemäss folgendem Artikel entnommen:
https://www.chassezlenaturel.net/rendezvous/2018/9/30/dominique-landre-chevalier-x-lhomme-cheval-la-fin

Warum – das ist einem Weinfreund schnell klar. Aber diese Beispiele scheinen eines zu zeigen: Dominique Léandre-Chavallier war ein Qualitätsfanatiker, was sich in seinen Weinen auch eindrücklich zeigte. Offenbar war er aber auch ein Besessener, der die Realitäten dieser finanzgesteuerten Welt ausser Acht liess.

Mein Frust über „Etikettensäufer“ und Nobeljournalisten
Was bleibt? Die Hoffnung, dass ein genialer Winzer wie DLC in irgend einer Form einen Neuanfang schafft (ich würde mich freuen, dereinst genau darüber berichten zu können).
Es bleibt aber auch eine gewisse Frustration über uns „Weinfreunde“. Warum sind wir (oder sind viele von uns) bereit, für „Etikettenweine“ ein Vielfaches dessen hinzublättern, was die allerbesten Weine von DLC gekostet haben?

Ich weiss, das ist jetzt polemisch, aber trotzdem: So bearbeitete Weine werden zu fast jedem Preis gekauft – wenn nur die Etikette stimmt. (Das Bild wurde im Médoc aufgenommen).

Warum gab es keine Bereitschaft auf dem Markt, seinen Weinen den Wert zuzugestehen, den sie im Vergleich qualitativ – und auch in Sachen Umwelt – doch offensichtich hatten? Und warum rennen die meisten Journalisten immer nur diesen bekannten Cru’s nach und schreiben nicht viel mehr über „Verrückte“ wie DLC?

Und von wegen „verrückt“: Im Nachhinein wirkt der oft zitierte Wahlspruch von DLC fast prophetisch: „Je savais que c’était impossible. Alors je l’ai fait“. Es ist himmeltraurig – aber offenbar blieb es eben doch unmöglich!


Auf Nachfrage teilte mir der wichtigste Schweizer Importeur Gerstl mit, dass die subskribierten Weine des Jahrgangs 2016 wie bestellt ausgeliefert werden. Zudem verfüge das Weinhaus über ein grosses Lager an Weinen von DLC, entsprechende Angebote werden in nächster Zeit folgen.
http://www.gerstl.ch

Napa vs. Bordeaux Vol. 6: wieder gewinnt Napa!

Die Degustation im Jahr 1976 in Paris war eine Sensation, welche die Weinhierarchie neu aufmischte: Sowohl bei den Weissweinen (Chardonnay) als auch den Rotweinen (Cabernet) obsiegten in einer Blindprobe die Gewächse aus Kalifornien über die Franzosen! Die Resultate sind hier nachzulesen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Weinjury_von_Paris

Das Resultat wurde damals in Frankreich für schlicht unseriös und nicht zutreffend beurteilt oder dann totgeschwiegen, aber inzwischen wurden solche Proben mehrfach wiederholt, und jedes Mal schlugen sich die Weine aus Napa hervorragend. Zu einer Neuauflage lud vor einer Woche die NapaWine AG in Zürich. Zwar waren die ganz grossen Gewächse nicht dabei, Bordeaux stellte 6 klassierte Crus aus Pauillac und Napa war hauptsächlich mit Zweitweinen vertreten. Letzteres vor allem aus Gründen der Fairness, wurden doch preislich vergleichbare Weine gegenübergestellt. (Das allein spricht schon Bände, die Preise der USA-Weine sind ebenfalls sehr in die Höhe geschossen, so dass heute finanziell ein Zweitwein aus Napa einem Pontet Canet gleichgestellt ist).


2 x 6 Weine aus Pauillac und Napa: spannend und lehrreich.

Das Resultat war mehr als spannend. Massgebend waren die Bewertungen aller der rund 100 Teilnehmer – es handelte sich also um eine Publikumsbewertung.
Vorab: Die Napa-Weine belegen nicht nur das „Podest“, sie schwingen auch gesamthaft obenauf. Allerdings muss das Resultat auch gleich sehr relativiert werden, denn alle Weine liegen in der Bewertung zwischen 93 und 96 Punkten! Klar wird damit aber auf jeden Fall, das die Cabernets aus Kalifornien jenen aus Frankreich auf diesem Niveau ebenbürtig sind – und es sich bestimmt lohnt, sich näher damit zu befassen!

Hier das Resultat der Gesamtbewertungen (bei gleicher Durschnittspunktzahl ergaben die Gesamtpunkte aller Teilnehmer die Rangliste):

WeinPunkteRang
2015 Bulgheroni Lithology Cabernet Sauvignon 961
2015 Brand Napa Valley Brio 962
2015 Sinegal Estate Winery Estate 963
2015 Barbour St. Helena Cabernet Sauvignon 964
2015 Château Pichon-Baron-Longueville, Pauillac 965
2015 Arkenstone Wines Estate Red Wine 956
2015 Kelly Fleming Estate Cabernet Sauvignon 957
2015 Château Pichon-Comtesse-de-Lalande 958
2015 Château Pontet-Canet, Pauillac 959
2015 Château Lynch-Bages, Pauillac 9410
2015 Château Grand-Puy-Lacoste, Pauillac 9411
2015 Château Clerc-Milon, Pauillac 9312

Meine persönliche Rangliste sah völlig anders aus. Gesamthaft hatte Bordeaux, wenn auch nur mit einem einzigen Punkt, die Nase vorne. Doch auch bei mir steht ein Napa-Wein zuoberst. Bloss der Sieger beim Gesamtpublikum liegt bei mir erst an neunter Stelle, dafür kommt der „Verlierer“ schon auf Rang 3.

1) Barbour St. Helena Cabernet Sauvignon
2) Château Pichon-Baron-Longueville, Pauillac
3) Château Clerc-Milon, Pauillac
4) Sinegal Estate Winery Estate
5) Château Lynch-Bages, Pauillac
6) Brand Napa Valley Brio
7) Château Pontet-Canet, Pauillac
8) Château Grand-Puy-Lacoste, Pauillac
9) Bulgheroni Lithology Cabernet Sauvignon
10) Kelly Fleming Estate Cabernet Sauvignon
11) Château Pichon-Comtesse-de-Lalande
12) Arkenstone Wines Estate Red Wine

So spannend dieser Anlass war, so sehr hat er mir auch die eigene Unzulänglichkeit aufgezeigt. Zwar war ich beim Ratespiel „was ist Bordeaux, was ist Napa“ mit 10 Treffern bei 12 Weinen nicht so schlecht. (Ein rundes Dutzend der Teilnehmer lag immer richtig – châpeau!). Aber ich hätte schon erwartet, dass ich wenigstens die doch so eigenständigen Pontet Canet, Pichon-Comtesse und Grandy-Puy-Lacoste blind erkennen würde – leider Fehlanzeige. Allerdings zeigten sich auch alle drei in totaler Unterform. Bei der Arrivage vor einem Jahr waren sie noch offen und fruchtig,
Vgl. hier: https://victorswein.blog/2018/04/26/bordeaux-2015-trau-schau-wem-vor-allem-dir-selbst/
jetzt unzugänglich und teils gar spröd und fast dünn wirkend. Trotzdem hätte es durchaus Hinweise gegeben, sie zu erkennen, und im Nachhinein ist man ja immer klüger. So notierte ich beim GPL, den ich für einen Napawein hielt, u.a. „sehr verhalten, adstingierende Tannine; bin etwas ratlos, aber vielleicht wird er gross“ und beim Pichon-Comtesse schrieb ich gar „total zurückhaltend, spröde; enttäuschend – aber vielleicht ist es ein Langstreckenläufer“. Und definitv erkennbar wäre Pontet-Canet gewesen: „dunkle Töne, würzig, mit etwas Boskoop-Apfel fast etwas oxydativ wirkend, hat Potential“.

Das generelle Niveau der Weine ist, nicht nur, wenn man das Potential der drei beschriebenen Bordeaux „hochrechnet“, indessen grossartig – beidseits des Ozeans. Persönlich eher weniger gefallen hat mir der Arkenstone. Mit seinen Noten von grünen Peperoni und Schokolade und seiner eher tiefen Säure wirkte er für mich etwas „bluffig“, aber das ist natürlich Geschmacksache. Umgekehrt fand ich den von den Profis eher tiefer eingeschätzten Barbour St. Helena dank seiner Eleganz und Länge, verbunden mit einem spürbaren, aber nicht übertriebenen Süsskomplex, einfach grossartig. Und schliesslich breche ich gerne auch eine Lanze für den beim Gesamtpublikum letztplatzierten Clerc-Milon: Mir hat er mit seiner eleganten, filigranen Art und seinen feinen Tanninen mit guter Säure sehr behagt, auch wenn ich ihn – da noch in einer „fruchtigen Phase“ – vielleicht etwas zu generös beuteilt habe. Das Fazit ist aber: Auch der „Verlierer“ (ich hüte mich, „der schlechteste Wein“ zu schreiben), war noch ausseroderdentlich gut

Die Weine für die Degustation wurden von zwei ausgewiesenen „Profis“ ausgewählt, René Gabriel, der „Bordeaux-Papst“ war für die Europäer verantwortlich, während Baschi Schwander die USA-Fraktion bestimmte. Die Auswahl war hervorragend; schade nur, dass die beiden – in Tat und Wahrheit befreundet – in ihren Kommentaren vor allem kompetitiv auftraten, denn beide hätten fachlich viel mehr Interessantes zu sagen gehabt.

Zwei Koryphäen unter sich: René Gabriel, links (bxtotal.com) und Baschi Schwander (mybestwine.ch)

Anlässe dieser Art sind, selbst wenn sie etwas am eigenen Ego kratzen, extrem spannend. Ich würde mir wünschen, und mich heute gegen Vorzahlung schon anmelden, dass die gleiche Degustation in 10 Jahren wiederholt würde. Und ich werde mich jetzt hüten zu behaupten, dass dann Bordeaux die Nase vorne hätte. Selbst dann, wenn man das heute nicht ausgeschöpfte Potetial der Spitzen-Pauillacs berücksichtigt: Die Napa-Weine waren so gut, und scheinen so langlebig, dass ich keine Wetten über das Resultat in 10 Jahren abgeben würde.

Mindestens ebenso spannend, und hier würde ich schon fast auf einen Boredaux-Sieg wetten, wäre ein Vergleich von Weinen im Bereich von 15 – 25 Franken. Wenn ich da an Bordeaux wie Moulin Haut-Laroque oder Cambon-La-Pelouse denke …
Aber vielleicht irre ich mich auch da, vielleicht würde Napa auch in diesem Preissegment mithalten? Affaire à suivre!

Und wenn Sie jetzt Lust bekommen haben, die Berichte des Bordeaux- resp. Napa-Profis zu lesen, voilà:
Sebastion Schwander:
http://mybestwine.ch/napa-vs-pauillac-2015-blind-tasting-battle/
Und René Gabriel:
https://www.napawine.ch/wp-content/uploads/2019/04/Napa-Versus-Pauillac-.pdf

Und wenn Sie – wie ich – Lust auf Napa erhalten haben (die Bordeaux gibt’s ja „überall“):
https://www.napawine.ch/