Ein Hoch auf die ehrlichen Walliser Weine!

Es ist zum Haare raufen! Da soll ein Weinhändler und Winzer aus dem Wallis in ganz grossem Stil betrogen haben und über 700’000 Liter Wein aus Spanien als „Valais AOC“ verkauft haben. Das ist zum Heulen, soll aber bitte nicht davon ablenken, dass unzählige ehrliche Walliser Winzer grossartige und authentische (!) Weine herstellen.

Die Walliser Zeitung „Nouvelliste“ berichtet gestern als erste darüber, heute wurde die Meldung bereits schweizweit im „Blick“ verbreitet. Da soll ein bekannter Weinhändler, nennen wir ihn mal Fédric Claction, über Jahre mithilfe von gefälschten Rechnungen und Buchungen Wein aus Spanien (und dazu rund 100’000 Liter aus dem Kanton Schaffhausen) als AOC-Wein aus dem Wallis verkauft haben. Bis zur Verhandlung Ende August gilt aber natürlich die Unschuldvermutung.

Ein Schatten fällt auf den Walliser Weinbau – und die unzähligen ehrlichen Winzer sind die Leidtragenden.

2,5 Millionen Gewinn und Ferrari, Porsche und Aston Martin in der Garage

Wenn die von der Staatsanwaltschaft angeklagte Sachlage stimmt, dann ist das ein Skandal erster Güte. Denn obwohl die fraglichen Weine zu Preisen zwischen nur vier und neun Franken verkauft wurden, soll dabei ein Gewinn von rund CHF 2,5 Mio. erzielt worden sein.

Dabei stört mich persönlich nicht einmal der Gewinn, der – wie beide der erwähnten Zeitungen berichten – möglicherweise auch in Luxusautos gesteckt wurde, welche sichergestellt worden seien. Mich stört die Unverschämtheit, wie eine zwielichtige Figur aus lauter Gier nach Geld eine ganze Branche und einen ganzen Kanton ins Zwielicht bringt. Ich höre schon die Diskussionen an Stammtischen, wo sicher zu hören sein wird: „Ist ja kein Wunder, dass die Walliser Weine schon so gut schmeckten wie Spanier – alles nur Betrug“!

Bösartiger Betrug auch an den Berufskolleginnen und Kollegen

Der vermutliche Betrug ist ein Schlag ins Gesicht all jener vielen arbeitsamen, kreativen und vor allem ehrlichen Walliser Winzerinnen und Winzern, die in einem wirtschaftlich ohnehin schon schwierigen Umfeld nun noch mit einem Imageverlust der Walliser Weine leben müssen.

Die ganze Sache ist aber auch ein ganz direkter Betrug an den Winzerinnen und Winzern. Während zwar absolute Spitzengüter inzwischen anständige Preise erzielen, kämpft der „Mittelstand“ und kämpfen Winzer, die nicht selbst keltern, mit Preisen am Limit des wirtschaftlich Erträglichen. Wenn nun vermutlich ein Unternehmen jahrelang gefälschten „Walliser“ Wein zu Dumpingpreisen verkauft hat, dann wurde damit auch der Preis der ganzen Branche gedrückt – die einheimischen Winzer mussten also sozusagen zu Schweizer Lebenshaltungskosten gegen ihre Berufskollegen aus Spanien ankämpfen.

Noch mehr Bürokratie?

Dazu kommt nun noch, dass bereits Rufe nach genaueren Kontrollen laut werden. Meines Erachtens sind die Hintergründe aktuell noch viel zu wenig bekannt – betrügen kann man mit genügend krimineller Energie in fast jedem System, und immerhin kam ja der Fall nun irgendwie ans Licht. Aber es ist wohl zu befürchten, dass sich all die ehrlichen Produzentinnen und Produzenten in Zukunft aufgrund dieses Falls mit noch mehr Bürokratie und Kontrollen herumschlagen müssen. Es ist alles einfach nur widerlich!

Walliser Wein – jetzt erst recht!

Liebe Weinfreunde, lasst uns nun die Walliser Winzer erst recht unterstützen! Ich halte, wie schon mehrmals geschrieben, das Qualitätsniveau der guten Weine aus dem Kanton für aussergewöhnlich (allerdings kosten die Weine dann halt auch etwas mehr als vier bis neun Franken). Und welche Weingegend der Welt weist eine solche Sortenvielfalt auf, mit so vielen Spezialitäten bzw. autochthonen Sorten noch dazu, so dass man für jede denkbare Speise eine Weinbegleitung aus dem Kanton findet? Und ich kenne viele sympathische und bescheidene Winzerinnen und Winzer aus dem Alpental, für die ich die Hand ins Feuer legen würde. Und ganz nebenbei: Ich habe noch nirgends einen Ferrari in der Garage gesehen!

L’encaveur Cédric Flaction mis en accusation pour une fraude massive à l’AOC Valais (lenouvelliste.ch)
(Grossteils leider hinter der Paywall, dafür nennt die Zeitung, wie schon der Link zeigt, auch den richtigen Namen des Beschuldigten)

Walliser Weinskandal: 2,5 Mio. Franken Gewinn durch gefälschte AOC-Weine (blick.ch)

Ein Gedanke zu “Ein Hoch auf die ehrlichen Walliser Weine!

  1. Pingback: Fremder Wein und fremde Reben im Wallis – geht auch ganz legal und erst noch faszinierend gut! – Victor's Weinblog

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