Keller Weinbau im Zürcher Weinland: Erfolgreicher Spagat zwischen Tradition und Fortschritt.

Keller Weinbau, der Betrieb über den ich heute berichte, ist ein absoluter Lichtblick. In einem für Winzerinnen und Winzer sehr schwierigen wirtschaftlichen Umfeld schaffen es Kenny und Yvonne Keller, ihre Weine erfolgreich abzusetzen und die Zukunft positiv zu sehen. Das allein ist ja schon «alles ausser gewöhnlich», aber auch die Weine sind bemerkenswert – und die Art und Weise, wie der Betrieb hochgearbeitet wurde, verdient hohe Achtung. Und schliesslich hat ein erfolgreicher Generationenwechsel stattgefunden, der auch noch mit einem Qualitätssprung verbunden ist.


Für den Schnell-Leser:

Keller Weinbau in Waltalingen schafft es mit viel Einsatz und Gefühl für die Kundschaft, die Reben und den Wein, auch in der heutigen Zeit erfolgreich zu sein. Die rund 5 Hektar Reben in Waltalingen stellen eine Monopollage dar, auf der ein sehr breites Sortiment wächst. Daraus entstehen gute Tropfen für den breiten lokalen Geschmack genauso wie eininge Spitzenweine. Ein erfolgreicher Generationenwechsel hat dem Gut noch einen zusätzlichen Schub gegeben. Weine, die man aus meiner Sicht unbedingt probieren muss sind z.B. der handgerüttelte Vin Mousseux, der Herzstück – ein holzbetonter Spitzenpinot aus der Barrique – sowie ganz besonders der Merlot und auch der Marchéchal Foch, der alle Vorurteile gegen Piwi-Weine Lügen straft.
Degustationsnotizen finden Sie ganz unten – aber lesen Sie doch ohnehin den ganzen Beitrag!

Auch optisch ein Bijou: Die Südlagen in Waltalingen.

Der Schritt zur Selbstkelterung als Basis.

Der Weinbau auf dem Hof Keller geht auf den Urgrossvater des heutigen Besitzers Kenny Keller zurück, der an den voll nach Süden ausgerichteten Hängen von Waltalingen im Zürcher Weinland Reben pflegte, die Trauben aber verkaufte. 1983 übernahm Kenny’s Vater Karl den Betrieb und führte ihn bis 2021 zusammen mit seiner Frau Magdalena. Der eigentliche Grundstein für das erfolgreiche Unternehmen legten die Beiden im Jahr 1991, in welchem erstmals Wein selbst gekeltert und direkt vermarktet wurde. «Kari» bewies von Anfang an ein glückliches Händchen in der Vinifikation; ich erinnere mich, dass ich seine Weine schon im ersten Jahr richtig gut gefunden habe. Und ganz besonders blieb mir sein Chardonnay in Erinnerung; sein Erstling aus den 3-jährigen Reben war umwerfend gut!

Auch der Spagat zwischen bekannten Sorten und Piwi gelingt.

Vor- und umsichtig wurde Keller Weinbau in der Folge weiterentwickelt. Es kamen zu Blauburgunder und Müller Thurgau neue Rebsorten hinzu, nicht nur der erwähnte Chardonnay, sondern sehr früh auch die Piwi-Sorte Maréchal Foch. Später folgten auch Pinot Gris, Merlot und Cabernet, und in jüngerer Zeit wurden mit Muscaris und Cabaret Noir weitere Piwis gepflanzt, nicht zuletzt, um die Gewässerschutzvorschriften mit Sicherheit einzuhalten und unterhalb der Terrasse des Restaurant Schloss Schwandegg kein bzw. viel weniger Pfanzenschutzmittel ausbringen zu müssen.

Blick vom Weingut zum Schloss Schwandegg mit seinem Rebhang.

Stichwort Schloss Schwandegg: Das trutzige, burgähnliche Schloss thront über dem Dorf Waltalingen und auch direkt über dem Betrieb der Kellers. Es gehört, mitsamt dem Rebland am Südhang, dem Kanton Zürich. Und diese 70 Aren sind denn auch die einzige Rebfläche in Waltalingen, die sich nicht in Besitz der Kellers befindet. Früher wurden viele Parzellen von anderen Besitzern bewirtschaftet, einer um der andere gab aber auf und veräusserte sofort oder mit Verzögerung dann auch das Land an Keller. So hat der Betrieb heute eine Monopollage in Waltalingen, der ganze langgezogene Rebhang mit rund 5,3 Hektar wird von Kellers bewirtschaftet. Dazu werden noch Trauben aus rund einer Hektar Reben von Vertragswinzern, zumeist aus dem nahen Thurgau, zugekauft, weshalb einige Weine auch «nur» VDP Suisse und nicht AOC Zürich genannt werden dürfen.

Zu Recht nervt sich Kenny Keller übrigens über diese Kleinkariertheit des Schweizer AOC-Systems. Die Trauben aus dem thurgauischen Neunforn wachsen nur etwa 2 Kilometer entfernt. Weshalb gelingt es in der Schweiz nicht, eine grössere und damit auch besser zu vermarktende AOC zu schaffen?

Segen und Fluch der Monopollage.

Zurück in den Kanton Zürich: Eine Monopollage kann auch grosse Nachteile haben. Dies war 2017 der Fall, als ein Gewittersturm, eine sogenannte Superzelle, mit Orkangeschwindigkeit und starkem Hagel über den Ort hinwegfegte. Aber auch damals verharrten Kellers nicht im Jammern über den Totalausfall. Kenny, der schon seit 2015 im Betrieb mitarbeitete, hing schon am anderen Morgen ans Telefon und kaufte bei anderen Winzern Trauben, um trotzdem Wein produzieren zu können. (Hierzu ein Einschub: Der finanzielle Verlust durch Hagel ist das Eine und meist auch versichert, aber keinen Wein mehr liefern zu können, ist viel schlimmer, weil sich dann die Kunden andere Quellen suchen und teilweise dann auch gleich dort bleiben).

Praktisch, aber auch ein Risiko: alle Reben am gleichen Ort (vorne links ein Teil der eigenen Parzellen von Keller, hinten das Schloss Schwandegg mit seinem Rebberg, Schloss und Land in Besitz des Kantons Zürich. Die Reben werden aber ebenfalls von Kellers bewirtschaftet.

Etwas Gutes hatte der Hagelsturm aber auch langfristig: Damals wurden aus der Not heraus sowohl eine weisse und eine rote Assemblage mit den verfügbaren Traubensorten produziert; und diese Weine, «Création» genannt, blieben dann auch als sehr beliebte Variante im Sortiment.

Ehepaar Keller: zweimal Weinbautechniker(in) HF.

Zurück zum Generationenwechsel. Fragt man Kenny Keller, seit wann er auf dem Betrieb mitarbeite, sagt er lachend: seit 1992. Damit kennt man dann seinen Jahrgang. Er absolvierte aber zuerst eine Ausbildung als Landmaschinenmechaniker, was angesichts des grossen Maschinenparks, den ein Winzer inzwischen besitzen muss, sicher vorteilhaft ist. Es folgte eine Lehre als Winzer bei Stamm in Thayngen, wo er insbesondere vom damaligen Kellermeister Fabio Montalbano (heute Leiter Oenologie und Analytik am Weinbauzentrum Wädenswil) ein sehr gutes Rüstzeug in der Vinifikation mitbekommen hat. Nach einem Ausland-Praxisjahr in Australien («Coonawarra – 6000 Hektar Reben und 20 Einwohner») bei einem «kleinen» Betrieb, der 500’000 Liter Wein produziert, arbeitete Kenny seit 2015 bereits im elterlichen Hof mit und übernahm bald die Verantwortung für die Vinifikation. Parallel dazu bildet er sich zum Weinbautechniker HF weiter. Diese höhere Berufsbildung funktionierte gleichzeitig als Heiratsinstitut, lernten sich doch Yvonne und Kenny Keller dort kennen. Heute führen sie den Betrieb gemeinsam und können dabei nicht nur aufgrund des gleichen HF-Abschlusses gut fachsimpeln, auch Yvonne ist nämlich gelernte Winzerin.

Schön, wie die Jungen den Betrieb weiterentwickeln.“

2021 übernahm dann Kenny den Betrieb von seinen Eltern formell, wobei diese weiterhin mitarbeiten. Bei Kellers gab es schon immer guten, reellen Wein, aber mit der Hofübernahme haben sie meines Erachtens nochmals einen qualitativen Sprung gemacht. Spricht man Vater Kari darauf an, ist er nicht etwa beleidigt, sondern glücklich: «Es ist einfach schön zu sehen, wie die Jungen das Weingut weiterentwickeln». Was er nicht anspricht, aber für den Erfolg des Betriebes von grosser Wichtigkeit ist: Die Jungen haben überhaupt nicht vor, das Gut umzukrempeln. Kenny meint dazu, er kenne einen Betrieb, wo der Sohn alles habe anders machen wollen, worauf der Absatz auf die Hälfte eingebrochen sei.

Der Kunde ist König – und die Halbliterflasche Trumpf.

Fragt man Kenny nach seinem Weinstil, dann könnte die Antwort auch vom Vater stammen: Wir befinden uns auf dem Land in einem bodenständigen Gebiet, und wir passen uns diesem Publikum und seinen Wünschen an. Fast alle unserer Weine kommen deshalb trinkreif auf den Markt, sind fruchtbetont mit nicht zu hoher Säure und, wo es passt, auch mit einer leichten, animierenden Restsüsse. Ebenfalls auf das Kundenbedürfnis geht man bei den Flaschengrössen ein: Mehr als die Hälfte des Absatzes erfolgt in Halbliterflaschen, ein Mass, das immer höher im Kurs steht, was angesichts der geänderten Konsumverhaltens ja auch nicht verwunderlich ist. Einen qualitativen Unterschied zu den grossen Flaschen gibt es aber nicht; es wird der gleiche Wein einfach in zwei Grössen abgefüllt.

Wertschöpfung wie aus dem Lehrbuch: 80 % Direktverkauf.

Der Erfolg gibt Kellers recht: Die rund 50’000 produzierten Flaschen gehen immer rasch weg. Dabei ist besonders bemerkenswert, dass rund 80 % im Direktverkauf abgesetzt werden, und vom Rest geht der Hauptteil in die regionale Gastronomie, wo Kenny feststellt, dass Weine aus der Region erfreulicherweise eine immer grössere Bedeutung erlangen. Für den Direktverkauf ist die Lage des Weinguts direkt an der Hauptstrasse sicher kein Nachteil, man tut aber auch alles Notwendige dazu, die Tafel «Weinverkauf offen» steht praktisch jederzeit vor dem Haus. Und dass die Weine nach wie vor preislich moderat angeboten werden, ist sicher auch ein Erfolgsgarant.

Verzicht auf Glyphosat zahlt sich aus – bloss nicht finanziell.

So ist man bei Kellers für die Zukunft bestens gerüstet. Die junge Generation legt auch grossen Wert auf die Ökologie. Auf den Einsatz von Glyphosat wird schon seit einiger Zeit verzichtet und Kenny berichtet dazu, er habe festgestellt, dass die Reben seither einfach besser gedeihen und kräftiger sind. Dieses Argument habe ich in dieser Klarheit noch nie gehört, aber er liefert auch gleich eine Erklärung mit: „Unkrautvertilger sind Eiweisshemmer, und die Rebe braucht Eiweiss, um gut zu gedeihen“. Die Kehrseite der Medaille darf man als Konsument aber auch einmal zur Kenntnis nehmen: Der Verzicht auf Herbizid bedeutet, dass der Maschinenpark ausgebaut werden muss, um das Gras um die Pflanzen zu richtigen Zeitpunkt niedrig halten zu können. Das führt zu erheblichen Mehrkosten. Gleiches gilt auch für die Düngung der Pflanzen, wozu bei Kellers kein Kunstdünger verwendet wird, sondern rein organische Hühnermistpellets.

Das goldene Händchen im Pflanzenschutz – die Waltalinger Wetterschmöcker.

Dass den jungen Kellers die Ökologie wichtig ist, hat mir Kenny bereits im letzten Jahr bewiesen. Er sorgt in meinem Hobby-Rebberg für den Pflanzenschutz meiner Pinot Noir, und als ich ihm Ende des letzten Jahres ein Kompliment dafür machte, wie gut er den Schutz auch im klimatisch sehr problematischen 2024 im Griff hatte, informierte er mich zu meinem Erstaunen, dass er ab der Blüte im Juni nur noch «biologisch» gespritzt habe. Für was an Zauberei grenzt, hat er eine «einfache» Erklärung: «Man muss das Wetter lesen, das Gefühl bringt manchmal immer noch mehr als alle Messwerte, und gerade da bin ich so froh, dass ich auch noch auf die Erfahrung meines Vaters zählen darf». Dazu kommt aber auch Fleiss: «In Momenten, in denen man mit grossen Fahrzeugen aufgrund der Nässe nicht fahren kann, muss man halt den Aufwand auf sich nehmen, mit kleineren Geräten länger unterwegs zu sein». Und immerhin gibt es auch noch einen Standortvorteil: Die Böden an den Waltalinger Moränehügeln sind grundsätzlich trocken und so kann man schon einen halben Tag nach 20 mm Niederschlag wieder handeln.

Trockene Südhänge erleichtern den Pflanzenschutz – und trotzdem ist das Gefühl für das Wetter wichtig.

Das Weinsortiment wurde in den letzten Jahren zusehends ausgebaut, schon seit 10 Jahren gibt es einen auf dem Hof selbst produzierten und von Hand gerüttelten Schaumwein, die beiden Assemblagen «Création» wurden schon erwähnt, zudem wird zusammen mit einem Winzer aus dem direkt benachbarten Thurgau ein Rosé mit dem passenden Namen Grenzgänger erzeugt.

Vom Premium-Pinot bis zur Traubenschorle – neuer Wind der jungen Generation.

2018 wird auch ein Premium-Pinot namens Herzstück produziert, für den nicht eine bestimmte Lage, sondern immer die allerschönsten Pinots eines Jahrgangs verwendet werden. Weiter geht man auf die veränderten Kundenbedürfnisse neu auch mit dem Muscaris Perlwein und dem Sturmfrei ein, ersterer ein alkoholarmer, leicht süsser und vor allem spritziger, kohlensäurehaltiger Wein mit ausgeprägtem, schönem Muskataroma, der bei Jungen ganz sicher ankommt; letzterer eine Trauben-Schorle, also ganz alkoholfrei, der aber viel moderner und «trinkiger» daherkommt als der übliche Traubensaft.

Die Handschrift der Jungen: Mit einer coolen Trauben-Schorle wird der Zeitgeist aufgenommen.

Das ganze Sortiment ist überzeugend. Und trotz des von Kenny Keller bewusst angestrebten regional akzeptieren, runden Weinstils gibt es im Angebot auch ein paar Ikonen, die auch bei höheren Massstäben absolut mithalten.

Kenny Keller mit einem grossen Teil des Sortimentes.

Da ist vorab der Schaumwein (Vin Mousseux), auf dem eigenen Hof produziert und deshalb nach altem Vorbild handgerüttelt, ein überzeugender Wein, für den man jeden Basis-Champagner aus dem Supermarkt stehen lässt. Da ist der Chardonnay, der dank etwas zurückhaltenderem Holzeinsatz als früher sehr an Klasse gewonnen hat, da ist der Herzstück, ein Pinot Noir mit 18 Monaten Barriqueausbau, schöner Pinot-Frucht und toller Struktur. Diesen Wein kann man problemlos neben grosse Pinots aus der Schweiz stellen, er würde höchstens durch den recht intensiven Holzeinsatz etwas aus der Reihe tanzen.

Ein Wein für das „Piwi-Lehrbuch“.

Da ist erstaunlicherweise auch der Marchéchal Foch, ein Wein für das Lehrbuch, wie man tollen roten Piwi herstellt und damit Vorurteile beseitigt. Und schliesslich ist da vor allem auch der Merlot, den Kenny grandios hinbringt: sehr sortentypisch zwar, aber auch äusserst eigenständig und sich weder im Tessin noch in St. Emilion anbiedernd – ein bisschen «cool climat-Stil», aber doch kräftig und rund.

Der Grund für den Erfolg? Viel Fleiss und das gute Gefühl.

Zusammengefasst ist Keller Weinbau ein Lichtblick der zeigt, dass man auch in schwierigen Zeiten erfolgreich sein kann und dabei durchaus den Spagat zwischen preiswerten, dem «Massengeschmack» angepassten Weinen und einer gehobeneren Klasse schaffen kann. «Schaffen» ist ein gutes Stichwort: Hinter dem Erfolg steht die ganze Familie mit jahrzehntelangem grossem Einsatz und Beharrlichkeit, mit dem Gefühl nicht nur für das Wetter sondern auch für die Kundschaft – und natürlich vor allem auch für die Reben und die Weinbereitung.

Degustationsnotizen

Hinweis: Ab 14 Punkten gilt ein Wein als gut, ab 16 als sehr gut.

Vin Mousseux 2022 (Pinot Noir, Chardonnay und Pinot Gris, traditionelle Flaschengärung auf dem Betrieb)
Mittleres Gelb mit leichtem Rot; sehr fruchtbetonte Nase (Erdbeere, Himbeere, Heidelbeere, aber auch Zitrus und frischer Apfel); im Mund anfangs mit etwas viel Mousse, danach sehr „weinig“, fruchtig, spürbare, aber nicht übertriebene Dosage, leichter, aber schöner Bittertouch, mittlerer, fruchtbetonter Abgang. Sehr gelungen, eignet sich sowohl zum Apéro als auch zur Essensbegleitung, angesichts des für einen solchen Wein günstigen Preises eine echte Trouvaille! 16,5 Punkte.

Müller-Thurgau 2023
Sehr helles Gelb; schöne, intensive, aber doch nicht aufdringliche Muskat-Note, dazu etwas Zitrus und grüner Apfel; im Mund sehr rund fliessend, schöne, saftige Säure, abgepuffert durch eine kleine, neckische Restsüsse, mittlerer Abgang. Der Prototyp eines modernen, süffigen und schönen „Müller“. (Kleiner Hinweis am Rand: Ich hatte kürzlich den Siegerwein des Grand Prix des Vins Suisse aus dem letzten Jahr im Glas. Ich bevorzuge eindeutig jenen von Kellers). 16 Punkte.

Chardonnay 2023
Mittleres Gelb; intensiver Durft nach Birne und grünem Apfel, etwas Zitrus, leichter Anflug von Caramel; im Mund gehaltvoll, mittlere Säure, leichter, aber erfrischender Bittertouch, Holz auf der eher laktosen Seite spürbar, aber schön eingebunden, mittlerer, feuriger Abgang. 17 Punkte.

Grenzgänger (Roséwein als Gemeinschaftsprojekt mit Schneiter Weinbau, Niederneunforn)
Helles Lachsrot; feine, rote Frucht (Himbeeren, rote Johannisbeeren), im Mund bei schöner Säure mit ausgeprägter Restsüsse, fruchtbetonter, eher kurzer Abgang. Süffig, den süssen Touch muss man halt mögen. Dieser Wein ist das treffendste Beispiel dafür, wie das Eingehen auf den Konsumentengeschmack bei einigen Weinen umgesetzt wird. 14,5 Punkte.

Pinot Noir 2023
Mittleres Rubin; sehr fruchtig Nase, typisch Pinot mit sowohl roten Früchten wie Himbeere und Erdbeere als auch dunkleren Töne nach Pflaume und Blaubeere; im Mund mit dichtem Körper, sehr weichen Tanninen, angepasste Säure, sehr rund fliessend. Langer und äusserst fruchtbetonter Abgang. Toller Basis-Pinot. 16 Punkte.

Merlino 2022
Mittleres Rot; ziemlich üppiger Duft nach dunklen Beeren (Jostabeere, Brombeere), würzige Anflüge (u.a. Lorbeer), auch florale Noten; im Mund äusserst süffig, sehr „saftige“ Säure, etwas Restsüsse, welche den Wein sehr rund erscheinen lässt, mittlerer, sehr fruchtbetonter Abgang. Gelungene „Heirat von Merlot und Pinot Noir“, einzig die leichte Süsse dürfte nicht jedermann’s Sache sein. 15,5 Punkte.

Maréchal Foch 2023
Recht dunkles Purpur; relativ verhaltene Frucht (Cassis, Pflaume), etwas grünliche Düfte nach Holunderblätter, etwas Vanille; recht druckvoll und gleichzeitig elegant im Mund, sehr sanfte, feine Tannine, angepasste Säure, Holz kaum spürbar, mittlerer, druckvoller Abgang. Der beste Maréchal, den ich je im Glas hatte, und einer der besten roten Piwis dazu, wobei man das eigentlich gar nicht merkt. So geht Piwi vinifizieren bzw. Vorurteile dagegen abbauen! 17 Punkte.

Herzstück 2022 (Pinot Barrique)
Mittleres Rubin; recht stark geprägt von neuem Holz, dahinter schöne fruchtige Noten von sowohl roten als auch dunkler Früchten, etwas Pfeffer und generell würzige Anklänge; im Mund sehr elegant und fruchtig, sehr feine, samtene Tannine, angepasste Säure, Holz spürbar, aber weit weniger als die Nase vermuten lässt, sehr langer, intensiv fruchtbetonter Abgang. Ein toller, intensiver Pinot, der das Doppelte kosten würde, wenn er aus einer anderen Weltgegend stammen würde. Wer einen holzbetonten Pinot mag, findet hier eine Trouvaille. 17,5 Punkte.

Merlot 2021
Mittleres Rot; Weichselkrischen, wilde Heidelbeeren, dunkle Pflaume, etwas grüne Tabakblätter, Anflug von Vanille, im Mund eher filigran, aber ohne kraftlos zu wirken, schöne, saftige Säure, äusserst feine Tannine, langer Abgang. Feiner, eleganter Merlot, jetzt wunderschön, dieser Jahrgang ist m.E. nicht für eine lange Lagerung geeignet. 2021 ist rational etwas weniger „gut“ als der 2022er, ich persönlich schätze ihn aufgrund seiner feingliedrigen Art aber fast mehr. 17 Punkte

Merlot 2022
Mitteres bis dunkles Purpur; sowohl dunkle (Dörrpflaume, Brombeere) als auch helle (rote Johannisbeere) Frucht, würzig, Holz etwas spürbar; im Mund rund, mundfüllend, sehr feine Tannine, zurückhaltende, aber doch gut stützende Säure, intensive Fruchtsüsse, langer, fruchtbetonter Abgang. Toller, eigenständiger Merlot! 17,5 Punkte.

Diese Degustationsnotizen umfassen nicht das ganze Sortiment, das wäre zu umfangreich geworden. Probieren Sie selbst, empfehlenswerte Stichworte sind etwa Création, Schloss Schwandegg oder der trendige Muscaris.

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Interessennachweis:
Die Weine wurden an einer öffentlichen Degustation des Betriebes probiert und danach für ausgewählte Weine in Einzelflaschen käuflich erworben und zuhause in Ruhe nachdegustiert.

2 Gedanken zu “Keller Weinbau im Zürcher Weinland: Erfolgreicher Spagat zwischen Tradition und Fortschritt.

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