Südliche Rhône in Bio und Subskription: La Bastide Saint Dominique überzeugt in rot und weiss!

Einen Steinwurf ausserhalb der Appellation Châteauneuf-du-Pape gelegen, überzeugt ein Bio-Weingut seit einiger Zeit mit hervorragender Qualität – gerade auch beim Châteuneuf. Und trotzdem kennt es hierzulande kaum jemand. Noch wenige Tage gibt es die Weine bei einer kleinen Weinhandlung in „Subskription“ zu spannenden Preisen.

Ich hatte in meinem Blog schon einmal zur Bastide Saint-Dominique berichtet: über den hervorragenden „Pignan“, den es – weil es eine Lagebezeichnung ist – eben nicht nur von Château Rayas gibt.
Pignan ≠ Pignan – in jedem Fall aber eine Spitzenlage in Châteauneuf-du-Pape! – Victor’s Weinblog

In der Zwischenzeit habe ich auch den 2017-er gekauft und verkostet, und für mindestens ebenso begeisternd empfunden. Da gibt es – wenn auch nicht mehr „billig“ – ein echtes, unbekanntes Bijou in Châteauneuf! Gleiches gilt, eine Qualitäts-, aber drei Preisklassen darunter, auch wieder für den tollen roten Cairanne!

Ich weise aber heute, getreu meinem Motto „alles ausser gewöhnlich“, speziell auf die Weissen des Gutes hin. Ich mag den Ausdruck „Preis-/Leistungsverhältnis“ für Wein eigentlich überhaupt nicht, aber wenn ein Wein so speziell gut und gleichzeitig preiswert ist wie der weisse Côtes du Rhône 2019 von Bastide Saint Dominique, dann darf man diese Formulierung mit gutem Gewissen einmal verwenden:

Côtes-du-Rhône blanc, 2019 (Viognier mit Grenache blanc und Clairette)
Mittleres Gelb mit leicht rötlichen Reflexen; intensive, spannende, aber nicht aufdringliche Fruchtnoten nach Quitten, Bananen, MIrabellen und Aprikosen; im Mund kräftig und dicht, gleichzeitig aber mit schöner Säure und leichtem Bittertouch sehr ausgewogen, sehr mineralisch. langer Abgang; kräftiger, feuriger Wein, der aber auch eine für einen südlichen Wein unglaubliche Frische mitbringt. 16,5 Punkte (und das bei CHF 12.50!). (= sehr gut)

Châteauneuf-du-Pape blanc 2019 (Grenache blanc, Clairette, Roussanne)
Ziemlich blasses Gelb; Quitten, grüner Apfel, Lindenblüte, sehr würzige Töne; voluminös, spürbarer Alkohol, aber absolut nicht brandig, eher mässige Säure, aber mit ausgeprägter mineralischer Frische. Sehr langer Abgang. Braucht noch etwas Reifezeit. 17 Punkte (= sehr gut).

Stimmungsbild aus der südlichen Rhône. Reben im Winter, „nostalgische“ Aufnahme aus dem Jahr 1989.

Diverse Wein, auch die beschriebenen, sind aktuell, aber nur noch bis am 6. April 2021, in Subskription erhätlich bei:
Suchergebnisse für „vorverkauf“ – VINOTTI

La Bastide Saint Dominique (bastide-st-dominique.com)

Anmerkung zum Thema „Bio“: Die Weine sind ab Jahrgang 2019 nicht mehr mit dem Label versehen. Grund dafür ist, dass der Winzer im „Pilzjahr“ 2018 zusehen musste, wie die Trauben und Reben leiden. Er möchte sich deshalb für solche Jahre vorerst eine Hintertüre offen halten. Somit sind die Weine vorerst zwar weiterhin naturnah und in normalen Jahren auch nach den Bio-Prinzipien produziert, nicht aber zertifiziert.

Wenn ein Nebbiolo del Langhe mehr Freude macht als …

Das Piemont hat abseits von Barolo und Barbaresco immer wieder wunderschöne Entdeckungen bereit. Ein tolles Beispiel ist der Nebbiolo del Langhe Roccardo von Rocche Costamagna, ein Wein, der zwar nicht zu den Grossen zählt, aber in seiner unkapriziösen Art ungemein gefällt.

Klar, man kann wie ich kürzlich, auch mal im Supermarkt dem Irrtum verfallen, ein grosser Produzenten-Name und die Aufschrift „Barolo“ garantiere für ein schönes Trinkerlebnis, auch wenn der Preis mit knapp über CHF 30.00 „tief“ erscheint. Oder man kann, wie ebenfalls ich kürzlich, sich von einem seriösen Weinhändler beraten lassen und mit einem einfachen Nebbiolo für CHF 22.00 aus dem Piemont nach Hause kommen.

Das erste erwähnte Weingut, das wir hier aber gleich wieder vergessen, hat ein grosses Renommée und steht mit Baroli’s aus der Lage Bussia oder mit einem Barbaresco Bric Turot recht weit oben auf der Hitliste der besten Weine aus der Langhe. Leider ist aber der einfache Barolo doch wirklich nur einfach und enttäuschend und wohl eher ein Marketing-Produkt.

Ebenfalls „einfach“, aber alles andere als enttäuschend ist demgegenüber der 2017 Rocche Costamagna Langhe Nebbiolo Roccardo. Der Wein will nichts Grosses sein, aber er ist ein ehrlicher Kumpel, ein Freund mit Ecken und Kanten, aber ein mehr als nur gefälliger Begleiter für eine ganze Mahlzeit und einen ganzen Abend.

Mittleres Purpur; Sandelholz, weisse Sultaninen, rote Jahannisbeeren, Brombeeren, leichter Rauchton; prägnante, aber sehr feine Tannine, gut eingebundene Säure, eher schlanker Körper, mittlerer Abgang, in dem sich erstmals auch der moderate Alkohol etwas bemerkbar macht. „Burgundisch“-eleganter, schöner Nebbiolo.

Das Weingut selbst befindet sich mitten in La Morra. Die Trauben für diesen Wein stammen aus zusammen rund 1,5 Hektar Reben (das Gut verfügt gesamthaft über rund 14 Hektar), hauptsächlich aus Verduno, teils auch aus La Morra selbst – beides also eigentlich Barolo-Lagen. Nach einer relativ kurzen Maischestandzeit von 8 Tagen ruhen sie danach zu einem kleinen Teil in Barriques, vor allem aber in Fudern aus slowenischer Eiche.

Alessandro Locatelli, der das Gut leitet und entwickelt.

Auch wenn das Gut von der internationalen Presse nicht gerade zu den „In-Weingütern“ des Piemont gezählt wird, erzielt das Flaggschiff des Gutes, der Barolo Roche dell’Annunziata doch regelmässig 2,5 von 3 möglichen Punkten im Gambero Rosso. Aber eigentlich spielt das gar keine Rolle, der Nebbiolo Roccardo will auch gar keinen bestbenoteten Barolo konkurrenzieren, sondern einfach ein einfacher Piemonteser sein, der nie langweilig, aber doch unendlich trinkfreudig ist, der kein Ausbund an Konzentration und Dichte, aber doch nicht oberflächlich sein will. Kurzum: Ein Nebbiolo, der den ganzen Abend Freude macht! (Sofern denn eine Flasche für den ganzen Abend genügt, denn verleiden tut einem der Wein nicht).

Das ist ein Wein in der Art, die ich mag: Genussvoll und, trotz Einfachheit, mit einer gewissen Komplexität und Ausstrahlung. Und – Entschuldigung, das muss jetzt sein – besser als gewisse Baroli aus gutem Hause! Damit steht der Roccardo vor allem auch als Beispiel dafür, dass es sich auch im Piemont lohnt, nach Weinen abseits der grossen Namen zu suchen!

http://www.rocchecostamagna.it/RoccheCostamagna/index.asp
Man kann auf dem Gut auch übernachten, ich kenne es nicht, aber die Zimmer machen einen sehr guten Eindruck.

Bezugsquelle in der CH: http://www.vinotti.ch (zu diesem Wein einfach nachfragen, vielleicht hat es noch ein paar Flaschen, er ist nicht im Shop aufgeschaltet).
Vinotti führt aktuell auch noch den Barolo Rocche dell’Annunziata, den Barolo Bricco Francesco und den Barbera d’Alba Superiore Rocche delle Rocche.

Pignan ≠ Pignan – in jedem Fall aber eine Spitzenlage in Châteauneuf-du-Pape!

Wer als Weinfreund „Pignan“ hört, stellt wohl automatisch eine Verbindung mit Château Rayas her – Pignan ist der hervorragende „Zweitwein“ des Gutes. Dabei ist Pignan eine Lage (lieu dit) im Osten der Appellation Châteauneuf-du-Pape, und es gibt eine ganze Reihe weitere Weine mit diesem Namen.

Ich selbst habe mir kürzlich in einem Artikel wie selbstverständlich einen Vergleich mit dem Pignan gewünscht und dabei an jenen von Rayas gedacht vgl. hier:
https://victorswein.blog/2019/02/02/master-of-winemaking/
Ein Freund machte mich dann auf einen Pignan aufmerksam, der aussergewöhnlich gut sei – übrigens eben mit 97 Parker-Punkten geadelt. Die Rede ist vom „Les Secrets de Pignan 2016“ von La Bastide Saint-Dominique. Aufgrund der Empfehlung meines Freundes habe ich, ausnahmsweise blind, ein paar Flaschen von diesem Wein bestellt – und ich habe es nicht bereut:

Dunkles, dichtes Rot; Duft nach Brombeeren, Cassis und Thymian; im Mund sehr dicht aber auch elegant, spürbare, sehr feine Tannine, erstaunlich präsente und sehr gut eingebundene Säure, langer Abgang. Harmonischer, tiefgründiger und toller Châteauneuf, der jetzt schon Freude macht, aber sicher noch zulegen wird!

Die Bastide Saint-Dominique befindet sich bereits auf dem Gemeindegebiet von Courthézon. Sie liegt aber nur einen Kilometer von Château Rayas entfernt – während Rayas im Osten der Gemarkung „Pignan“ liegt, grenzt die Bastide Saint Dominique im Osten an dieses lieu dit. Offensichtlich spielen die Lagen auch hier in Südfrankreich eine erhebliche Rolle für die Qualität der Weine, was aber noch viel zu selten auch wirklich zum Ausdruck kommt. Einen Plan der vielen „lieu dits“ können Sie hier einsehen:
http://www.chateauneuf.dk/lieuxstor.htm

Ganz generell sind im Osten der Appellation Châteauneuf nicht die für die Appellation so bekannten Kieselsteinböden vorherrschend, sondern sandige Oberflächen, die häufig lehmigen und kalkigen Untergrund aufweisen. Das gilt für Pignan, aber auch für das benachbarte Le Rayas. Ganz offensichtlich gedeiht hier die Grenache besonders gut, und so überrascht es nicht, dass der „Secrets de Pignan“ der Bastide Saint Dominique zu 100 % aus dieser Traubensorte besteht – wie der Hauptwein von Château Rayas!

100 % Grenache, einer der seltenen Châteauneuf aus einer einzigen Traubensorte – wo doch 13 verschiedene zugelassen sind und fast alle Weine als Assemblagen auf den Markt kommen..

Das Gut „Bastide Saint Dominique“ weist gesamthaft eine Fläche von rund 50 Hektaren auf und produziert fünf verschiedene Châteauneuf’s (darunter auch ein sehr bemerkenswerter Weisser), aber es werden zudem Côtes-du-Rhône-du-Rhône-Villages, Côtes-du-Rhône aber auch einfachere IGP-Weine hergestellt. Das Gut arbeitet seit 2011 biologisch und ist seit 2014 auch zertifiziert. Mehr dazu erfahren Sie hier:

http://bastide-st-dominique.com/?lang=de

Bezugsquellen (ohne Gewähr):
Schweiz:
http://vinotti.ch/?product=la-bastide-saint-dominique-chateauneuf-du-pape-les-secrets-de-pignan-2016
(Für alle aus der Region Winterthur: Der coole Laden an der Wartstrasse ist ohnehin einen Besuch wert, hier wird nicht nur Wein verkauft, sondern auch ausgewählte Delikatessen und toller Käse vom unvergleichlichen Willi Schmid aus Lichtensteig)
Deutschland
https://weinmarkt-mattheis.de/la-bastide-saint-dominique/schland:

…. und ein absolut begeisternder Cairanne:

PS: In meiner „Bestell-Euphorie“ habe ich blind nicht nur den „Secrets de Pignan“ bestellt, sondern auch den Gigondas und den Cairanne 2016 des Gutes. Während der Gigondas rational betrachtet sehr gut ist – üppig und rund, wie man das von einem Südfranzosen erwartet – aber nicht unbedingt meinem bevorzugten Geschmack entspricht, begeistert mich der Cairanne absolut: Auch er ist kräftig, gleichzeit aber mit guter Säure versehen und überaus elegant – etwas vom Besten, was ich aus einer „Village-Gemeinde“ je versucht habe!