Wenn ein Nebbiolo del Langhe mehr Freude macht als …

Das Piemont hat abseits von Barolo und Barbaresco immer wieder wunderschöne Entdeckungen bereit. Ein tolles Beispiel ist der Nebbiolo del Langhe Roccardo von Rocche Costamagna, ein Wein, der zwar nicht zu den Grossen zählt, aber in seiner unkapriziösen Art ungemein gefällt.

Klar, man kann wie ich kürzlich, auch mal im Supermarkt dem Irrtum verfallen, ein grosser Produzenten-Name und die Aufschrift „Barolo“ garantiere für ein schönes Trinkerlebnis, auch wenn der Preis mit knapp über CHF 30.00 „tief“ erscheint. Oder man kann, wie ebenfalls ich kürzlich, sich von einem seriösen Weinhändler beraten lassen und mit einem einfachen Nebbiolo für CHF 22.00 aus dem Piemont nach Hause kommen.

Das erste erwähnte Weingut, das wir hier aber gleich wieder vergessen, hat ein grosses Renommée und steht mit Baroli’s aus der Lage Bussia oder mit einem Barbaresco Bric Turot recht weit oben auf der Hitliste der besten Weine aus der Langhe. Leider ist aber der einfache Barolo doch wirklich nur einfach und enttäuschend und wohl eher ein Marketing-Produkt.

Ebenfalls „einfach“, aber alles andere als enttäuschend ist demgegenüber der 2017 Rocche Costamagna Langhe Nebbiolo Roccardo. Der Wein will nichts Grosses sein, aber er ist ein ehrlicher Kumpel, ein Freund mit Ecken und Kanten, aber ein mehr als nur gefälliger Begleiter für eine ganze Mahlzeit und einen ganzen Abend.

Mittleres Purpur; Sandelholz, weisse Sultaninen, rote Jahannisbeeren, Brombeeren, leichter Rauchton; prägnante, aber sehr feine Tannine, gut eingebundene Säure, eher schlanker Körper, mittlerer Abgang, in dem sich erstmals auch der moderate Alkohol etwas bemerkbar macht. „Burgundisch“-eleganter, schöner Nebbiolo.

Das Weingut selbst befindet sich mitten in La Morra. Die Trauben für diesen Wein stammen aus zusammen rund 1,5 Hektar Reben (das Gut verfügt gesamthaft über rund 14 Hektar), hauptsächlich aus Verduno, teils auch aus La Morra selbst – beides also eigentlich Barolo-Lagen. Nach einer relativ kurzen Maischestandzeit von 8 Tagen ruhen sie danach zu einem kleinen Teil in Barriques, vor allem aber in Fudern aus slowenischer Eiche.

Alessandro Locatelli, der das Gut leitet und entwickelt.

Auch wenn das Gut von der internationalen Presse nicht gerade zu den „In-Weingütern“ des Piemont gezählt wird, erzielt das Flaggschiff des Gutes, der Barolo Roche dell’Annunziata doch regelmässig 2,5 von 3 möglichen Punkten im Gambero Rosso. Aber eigentlich spielt das gar keine Rolle, der Nebbiolo Roccardo will auch gar keinen bestbenoteten Barolo konkurrenzieren, sondern einfach ein einfacher Piemonteser sein, der nie langweilig, aber doch unendlich trinkfreudig ist, der kein Ausbund an Konzentration und Dichte, aber doch nicht oberflächlich sein will. Kurzum: Ein Nebbiolo, der den ganzen Abend Freude macht! (Sofern denn eine Flasche für den ganzen Abend genügt, denn verleiden tut einem der Wein nicht).

Das ist ein Wein in der Art, die ich mag: Genussvoll und, trotz Einfachheit, mit einer gewissen Komplexität und Ausstrahlung. Und – Entschuldigung, das muss jetzt sein – besser als gewisse Baroli aus gutem Hause! Damit steht der Roccardo vor allem auch als Beispiel dafür, dass es sich auch im Piemont lohnt, nach Weinen abseits der grossen Namen zu suchen!

http://www.rocchecostamagna.it/RoccheCostamagna/index.asp
Man kann auf dem Gut auch übernachten, ich kenne es nicht, aber die Zimmer machen einen sehr guten Eindruck.

Bezugsquelle in der CH: http://www.vinotti.ch (zu diesem Wein einfach nachfragen, vielleicht hat es noch ein paar Flaschen, er ist nicht im Shop aufgeschaltet).
Vinotti führt aktuell auch noch den Barolo Rocche dell’Annunziata, den Barolo Bricco Francesco und den Barbera d’Alba Superiore Rocche delle Rocche.

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