Stellenbosch sur Rhône – genialer Syrah aus RSA!

Seit einer Südafrikareise um die Jahrtausendwende hat mich das „Afrikafieber“ gepackt. Und seit damals verfolge ich auch die Weine dieses Landes mit Interesse und mit ständig steigender Achtung. Ein ideales Beispiel für die hervorragende Qualität sind zwei Shiraz des Weingutes Saxenburg.

Ich hatte kürzlich die Gelegenheit, zwei Syrah-Weine von Saxenburg, einem Weingut in Schweizer Besitz in Stellenbosch, degustieren zu können. Nun liegt die Messlatte für Shiraz bei mir ziemlich hoch, war Syrah doch eine meiner ersten „Weinlieben“, und die Rhone so etwas wie mein Steckenpferd. Ich erinnere mich an ein Mittagessen mit Kunden (ja, damals trank man noch Wein dazu!). Es war das erste Mal, dass ich als kleiner Angestellter überhaupt mitgehen durfte. Und dann bestellte mein Chef eine reife Flasche Côte Rôtie von Guigal! Das war eines meiner prägendsten Weinerlebnisse!

Herrliche Landschaft, tolle Weine: Saxenburg bei Stellenbosch.

Wie ein Syrah aus dem nördlichen Rhonetal!
Die beiden südafrikanischen Weine begeisterten mich als Syrah-Fan, jeder auf seine Weise. Das „Flaggschiff“ des Gutes, der Saxenburg Shiraz Select, (SSS) würde in einer Degustation der besten Weine der nördlichen Rhone auf jeden Fall eine sehr gute Figur machen. Deshalb auch der Titel zu diesem Beitrag: „Französischer“ kann man einen Syrah fast nicht produzieren!

Saxenburg Shiraz Select 2007
Dunkles, dichtes Rot; Duft nach Lorbeer und getrockneten Früchten, vor allem Rosinen, leichte, aber schöne animalische Anflüge („Pferdestall“); im Mund präsente, aber schon milde Tannine, gut stützende Säure, sehr dicht, aber mit schöner Eleganz, enorm langer Abgang – fast unendlich nachhallend. Grossartiger, reifer Syrah, der aber auch noch ein paar Jahre Potential hat.

Allerdings bewegt sich der SSS auch preislich in der Grössenordnung sehr guter Rhoneweine. Deutlich preiswerter, ebenfalls sehr gut, aber völlig anders zeigt sich der „Private Selection Syrah“.

Private Selection Syrah 2016
Jugendliches, strahlendes, helles Purpur; in der Nase gewürzbetont (Thymian) und fruchtig (vor allem helle Beeren, aber auch mit einem Anflug von Brombeeren); im Mund mit prägnanter Säure, eher filigran, mit sehr feinen Tanninen; sehr fruchtbetonte Retrofaktion. Eleganter, moderner aber keinesfalls langweiliger Wein.

Es handelt sich um eine sehr spannende Interpretation der Syrah: In der Nase sehr fruchtbetont und „modern“; im Mund dann aber mit sehr viel Eleganz und auch Potential, druck- und charaktervoll – ganz anders, als es die Nase vermuten liesse. Hier zeigt sich dann eben doch auf schöne Art, dass es sich um einen Wein aus „Stellenbosch upon two oceans“ handelt!

Rebbau seit 1707 – höchste Qualität seit 1989
Upon two oceans: Saxenburg befindet sich etwa 8 Km östlich der Stadt Stellenbosch oberhalb des Ortes Kuilsriver – mit Aussichten sowohl auf den indischen Ozean als auch den Atlantik. Die Geschichte des Weingutes geht zurück auf das Jahr 1693 bzw. 1707, als hier erstmals Reben gepflanzt wurden. 1989 wurde das Gut vom Schweizer Ehepaar Birgit und Adrian Bührer gekauft und aus einem Dornröschenschlaf geweckt. Mit einem Kellerneubau sowie Neupflanzungen von Reben wurde der Grundstock für Qualität und Erfolg gelegt. Das Gut ist 200 ha gross, wobei 70 ha mit Reben bestockt sind. Heute bzw. seit 2011 ist mit den Geschwistern Fiona und Vincent bereits die nächste Generation Bührer am Werk, aber das Qualitätsstreben und die Kontinuität blieben mehr als nur erhalten. So hatte Saxenburg von 1991 bis 2017 den gleichen Kellermeister, und dieser wurde altershalber von seinem Stellvertreter abgelöst, welcher auch schon 12 Jahre im Betrieb arbeitete.

https://saxenburg.co.za/
https://www.nauer-weine.ch/de/shop/artikelsuche?search_ProdID=167

Radio Lazarus verstummt

Traurig, aber wahr: Einer der besten Chenin blanc – wenn nicht gar der beste – den ich je trinken durfte, wird es nie mehr geben!

Erst seit 2012 produziert, ist 2017 leider schon der letzte Jahrgang: Eine Jahrhunderttrockenheit am Kap hat die alten Reben zuerstört.

Es ist schon sehr speziell, was Suzaan und Chris Alheit erreicht haben. Erst seit 2010 führen sie ihr Weingut in der kühlen Region Hermanus in Südafrika, und in wenigen Jahren haben sie sich an der absoluten Wein-Spitze des Landes etabliert. Der „Cartologie“ beispielsweise hat innert kürzester Zeit Kultstatus erlangt. Das selbst deklarierte „Rezept“ der Alheit’s: 99 % der Qualität eines Weines wird im Rebberg erarbeitet; 1 % im Keller!

Radio Lazarus – einzigartig
Tatsächlich überzeugt das ganze (zumindest das von mir probierte) Sortiment sehr. Absolut begeistert war ich aber vom „Radio Lazarus 2017“, der mich – auch wenn kein direkter Vergleich möglich war – so sehr berührte, dass ich ihn einem Coulée de Serrant oder einem Wein von Huet wohl noch vorziehe würde, weil er nicht nur viel Fülle und Kraft, sondern vor allem eine unglaubliche, unnachahmliche Finesse aufweist.

Radio Lazarus wird, oder vielmehr wurde, aus zwei verschiedenen (2012 war es erst eine) Einzellagen in für Südafrika mit 450 m sehr grosser Höhe liegenden Parzellen mit wurzelechten Chenin blanc produziert. Es gehört zu Alheit’s Absicht, herausragende Lagen zu gewinnen, um ebensolchen Wein produzieren zu können. Mit den etwas verwilderten Lagen Ribbokop (1978 gepflanzt) und Bottelaryberg (1971) konnten sie zwei unübertreffliche Parzellen, beide je knapp 20 Km vom warmen Indischen Ozean und vom kalten Altantik entfernt, übernehmen. Der Legende (resp. meiner Internet-Recherche) nach erhielt der Wein aufgrund eines Radio-Sendemasts überhalb der Ribbokop, und der Tatsache, dass die Reben zur Rodung vorgesehen waren, sich die Alheit’s aber ihrer erbarmten, den Namen „Radio Lazarus“. Ganz speziell war auch seine Herstellung, wurde doch ein Teil des Weines in Tongefässen ausgebaut.

Der Trockenheit und den Wildtieren zum Opfer gefallen
2018 war ein extremes Trockenjahr am Kap. Vielleicht erinnern Sie sich ja an die Nachrichten aus dem letzten Jahr, wonach in Kapstadt kaum mehr Wasser verfügbar war. Die Reben in den beiden Parzellen litten auch an fehlendem Wasser, aber den Todesstoss versetzten ihnen Wildtiere wie Antilopen, welche aufgrund der Trockenheit hungerten und deshalb die Triebe der Reben abfrassen. 2018 gab es so gut wie keinen Ertrag – und noch viel schlimmer, die Rebstöcke überlebten diesen Stress nicht.

So habe ich also einen der allerbesten Chenin blanc, und damit einen der besten Weine dieser Welt entdeckt – nur um feststellen zu müssen, dass es diesen Wein nie mehr geben wird! Das ist berührend.
Tröstlich daran ist einzig, dass die übrigen Weine der Alheit’s ebenfalls hervorragend sind und man hoffen darf, dass das Winzerpaar dank Pionier- und Entdeckergeist weitere herausragende Lagen finden wird.

Degustationsnotiz Jahrgang 2017:

Blasses Gelb; verhaltene Nase mit Anflug von Lindenblüten und Zitrusfrüchten, schon in der Nase mineralisch. Im Mund zuerst filigran und tänzersich, dann nach ein paar Sekunden auch kraftvoll, trotzdem voller Finesse, Harmonie und Eleganz, intensiv mineralisch; unendlich langer Abgang. Ein Gedicht von einem Wein! Jetzt schon wundervoll trinkbar, aber wohl jahrzentelang haltbar.

Viel mehr, als ich hier geschrieben habe, können Sie auf der Homepage der Alheit’s selbst zusätzlich lesen:

http://www.alheitvineyards.co.za/bottlings/radio-lazarus/

Kaufen kann man den Wein (vielleicht) noch an folgenden Orten:
https://www.gute-weine.de/produkt/35673h-radio-lazarus/
https://shop.weinamlimit.de/

https://shop.kapweine.ch/alheit-chenin-blanc-radio-lazarus-2015 (anderer Jahrgang)

Am Ende des Regenbogens: Loire oder Südafrika?

rainbows

Östlich von Stellenbosch, richtig auf dem Land, auf 540 m über Meer an der Grenze zum Jonkershoek Nature Reserve, einem langgezogenen, naturbelassenen Tal mit Wasserfällen gelegen, finden wir das Ende des Regenbogens! Oder, wenn man das Bild anschaut, beide Ende des Bogens! Vielleicht liegt aber ein Ende des Bogens auch in Südafrika und das andere an der Loire!

Das Weingut hier heisst denn auch „Rainbows‘ End“, ist seit 1978 in Besitz der Familie Malan, aber erst seit 2002 mit dem ersten eigenen Wein auf dem Markt. Jacques Malan, eigentlich Ingenieur, eignete sich sein Weinwissen zuvor in Frankreich (auf einem Gut in Montage St. Emilion) an, und erfüllte sich danach seinen Traum!

Den reinsortigen Cabernet Franc des Jahrgangs 2016 habe ich nur deshalb entdeckt, weil ich eines mittags in der Weinhandlung „Kap Weine“ in Wädenswil erschien und mich inspirieren liess. Oder besser gesagt, beraten. Dem Berater Sascha Hofmann stellte ich die Aufgabe, mir ein paar Rotweine unter oder um 30 Franken zu empfehlen. Weine, welche die Seele berühren.

Eine der Emfehlungen war der reinsortige Cabernet Franc von Rainbow’s End mit Jahrgang 2016. Und das ist wirklich eine ganz hervorragende Empfehlung. Dieser im Holz ausgebaute Wein bringt einfach alles mit, was einen gelungenen Cabernet Franc so grossartig macht.

„Dichtes Purpur; reife Peperoni, Vanille, dunkle Kirschen, Jostabeeren; sehr feine, elegante, noch leicht trocknende Tannine, prägnante aber nicht störende Säure, druckvoll und doch filigran. Ausgewogen, lang. Toller Wein“.

Ich kenne nur wenige Cabernet Franc’s von der Loire, die ich diesem Wein vorziehen würde. Allerdings ist er, so sortentypisch er daherkommt, doch irgendwie anders (es wäre spannend gewesen, diesen Wein blind in der Loire-Degu zu haben). Was aber wohl auch stimmt: es gibt viele Loire-Weine, die besser altern können. Der „Rainbow’s End“ wirkt nach zwei Jahren schon reif, dürfte zwar in den nächsten zwei bis drei Jahren noch dazugewinnen, aber lange lagerfähig, wie ein Spitzenwein von der Loire, dürfte er kaum sein (es sei denn, ich täusche mich, was bei diesem Wein möglich wäre).

Trotzdem: Der „Regenbogen-Cabernet-Franc“ ist ein traumhafter Wein der wunderbar  zeigt, was das Weinland Südafrika zu bieten hat!

PS: Den ersten Wein, den mir Sascha Hofmann vorgeschlagen hatte, habe ich schon vor einer Woche probiert, mit einem ähnlich positiven Ergebnis: „Savage Red“, ein „südfranzösischer“ Blend mit Syrah-Dominanz – hervorragend!

Fazit: Wenn eine Weinhandlung echte Weinkenner beschäftigt, lohnt es sich immer, sich vor Ort beraten zu lassen!

http://kapweine.ch/

http://rainbowsend.co.za/