Alles andere als ein Banause. Feinster Winzer-Champagner vom Kenner und Tausendsassa in Sachen Wein!

Wer erlesene Winzerchampagner sucht, der ist bei „champagne.zuerich“ an einer tollen Adresse. Deren Inhaber ist aber auch sonst in Sachen Wein sehr beschlagen und breit aufgestellt, fast könnte man sagen „Philipp Uehlinger für alles, was Wein ist“.

Philipp Uehlinger, Gründer der FB-Gruppe Weinfreunde Schweiz, produnder Weinkenner mit einem besonders grossen Herz für Champagner. Wie das Bild zeigt, ist er aber auch stillem Wein nicht abgeneigt …(Bild zvg).

Mindestens 1322 Weinfreunden ist Philipp Uehlinger ganz sicher bestens bekannt. Er ist nämlich der Gründer der Facebook-Gruppe „Weinfreunde Schweiz“, die inzwischen die erwähnte Zahl an Mitgliedern zählt und damit in Sachen Wein die wohl bedeutendste interaktive Community in der Schweiz ist, die sich nicht nur durch tolle Informationen, sondern auch durch einen jederzeit anständigen Umgang untereinander auszeichnet.

Den guten Geschmack erlernt.

Dabei war Philipp‘s Weg in die Weinwelt nicht unbedingt vorgezeichnet – oder vielleicht eben doch, denn in seinem ursprünglich erlernten Beruf als Innendekorateur war der Blick für alles Schöne wichtig. Nach der Grundausbildung verschlug es ihn dann in die Gastronomie, wo er sein Faible und sein Wissen für Wein entwickeln konnte.

Seine unternehmerische Ader und sein Wesen als Tausendsassa (nach Oxford-Lexikon: vielseitig begabter Mensch, dem man Bewunderung zollt) liess ihn dann aber vorerst einen eigenen Bier-Brand schaffen und vermarkten. Aufgrund eines Unfalls mit einer mehrmonatigen Rekonvaleszenz musste er dann aber dieses Unternehmen abbrechen. Mit einem Lächeln sagt er heute, das sei gut gewesen, „denn für den gleichen Umsatz muss man mit Wein weniger Flaschen schleppen“.

Weinlager – eine Marktlücke (oder … Wein auf Bier, das rat‘ ich dir!).

Auf sein erstes neues Standbein kam Philipp dann aus eigener Not. Bei einem Weinfreund droht der eigene Keller, soweit er sich überhaupt eignet, bald einmal aus allen Nähten zu platzen. Also suchte er nach einer externen Lagermöglichkeit – vergebens. Dafür war die Geschäftsidee geboren: Unter dem Namen „Weinkeller Schweiz“ eröffnete er ein perfekt klimatisiertes Lager, das er an Dritte vermietet. Der Erfolg stellte sich schnell ein, was angesichts der heutigen Neubauten eigentlich ja nicht verwunderlich ist. Inzwischen gibt es bereits drei Standorte in Zürich (inkl. Zollikon) und zudem in Aarau, Basel und neuerdings auch St. Gallen.

Betreutes Trinken – für Weinbanausen und solche, die es nicht sind.

Dazu bietet Philipp sein Wissen aber auch unter dem frechen Label „Weinbanause“ an. Nebst vielen Erklärungen und Angeboten auf der Homepage führt er vor allem auch Weinkurse durch: „Betreutes Trinken für Weinbanausen“ heissen diese, wo Philipp den Menschen, welche die Selbsterkenntnis hatten, Weinbanausen zu sein, spielerisch und mit viel Humor die praktischen Grundlagen zum Thema Wein vorführt.

Erlesene Winzer-Champagner vom Kenner.

Und dass er selbst kein Banause ist, wissen alle, die ihn kennen, zeigt sich aber ganz besonders auch in seiner Weinauswahl für ein weiteres Projekt: champagne.zuerich. Im Angebot sind ausgesuchte Schaumweine, aber der Schwerpunkt liegt eindeutig auf hervorragenden Winzer-Champagner. Es ist eine Herzensangelegenheit von Philipp, den Menschen den Champagner näher zu bringen, was man an dem sorgfältig kuratierten Angebot erkennen kann. Das Schöne am Sortiment ist, dass sich nebst berühmten Produzenten wie etwa Egly-Ouriet oder Larmandier-Bernier auch ganz viele noch eher unbekannte Namen finden, die eine Entdeckung mehr als wert sind.

Auch landschaftlich schön: die Champagne (Symbolbild, hier im Marne-Tal bei Aÿ).

Mein persönlicher Wunsch bei der Zusammenstellung von Champagner war, dass es sich um preiswerte „Basisqualitäten“ handelt. Das entspricht dem Prinzip meines Blogs, in der Regel nur über erschwingliche Weine zu berichten. Vor allem aber zeigt sich auch in der Champagne das Muster, dass ein Winzer, der eine gute Basisqualität erzeugt, so gut wie sicher auch bei den Spitzenqualitäten hervorragenden Wein macht.

Wunderbare Basis-Champagner.

Die Probe auf’s Exempel ist vollauf geglückt! Alle probierten Weine überzeugten, ja begeisterten, insbesondere, wenn man den Preis in Relation setzt. Und bei allen, ganz besonders aber beim von mir am höchsten bewerteten „ô ma vallé» von Maurice Grumier, stellt sich schon fast die Frage, warum denn mehr Geld ausgeben, wenn ich für CHF 37.00 ein so tolles Gewächs erhalte, das garantiert allen Gästen Freude macht! (Was ja nicht heissen muss, dass man sich nicht auch mal etwas noch Grösseres gönnen kann).

Quintessenz: Ich bin von den degustierten Basis-Winzer-Champagner begeistert. Wenn ich mit den meisten Basisweinen der grossen Marken vergleiche, dann muss ich keine Sekunde zögern, was ich bevorzuge. Die meisten der bekannten Labels würde ich jedenfalls kaum höher als mit 15 Punkten bewerten (ich weiss, es gibt schöne Ausnahmen, den Laurent-Perrier mag ich zum Beispiel immer sehr). Und das Schönste daran: Die hier erwähnten Winzerweine sind auch im Preis mehr als konkurrenzfähig, die Preise liegen zwischen CHF 35.50 und 42.00.

Nicht nur nach Punkten kaufen, sondern nach Einsatzgebiet!

Und schliesslich, aber das gilt eigentlich immer: Lassen Sie sich nicht zu sehr von den Punkten beeinflussen. Es kommt immer auf die Situation an, als Essensbegleiter würde ich persönlich jedenfalls die Weine von Geoffroy und Demière einsetzen. Und eine hohe Note (16 ist schon gut bis sehr gut) haben sich ohnehin alle verdient!

Degustationsnotizen:

Einer schöner als der andere: die Parade der tollen Basis-Winzer-Champagner.

Maurice Grumier, Blanc de Noirs, „ô ma vallé“ extra brut
(78 % Pinot meunier, 22 % Pinot noir, 54 % 2021 und 46 % Reserve aus den Jahren 2016 bis 2020, abgefüllt 4/2022, degorgiert 10/2023, Dosage 4 g.
Relativ dunkles Gelb mit roten Reflexen; in der Nase geich nach dem Einschenken ein Schwall von Kohlensäure, dann zuerst etwas hefebetont, mit etwas Luft frischer Apfel, Birnen, schöner Nusston; im Mund ausserordentlich frisch, fruchtig, entgegen der Erwartung (aufgrund des ersten Eindrucks in der Nase) sehr feine und schön angepasste Perlage, schöne, gut eingebundene Säure, wirkt elegant, fruchtiger, langer Abgang. Toller Wein, der geradezu nach dem zweiten Glas ruft! 17 Punkte.

Bonnaire, Brut nature Grand Cru Blanc de Blancs
(100 % Chardonnay, Jahrgänge 2016 und 2017, 0 g Dosage, dégorgiert 06/2022)
Eher helles Gelb; fruchtig mit einem Spektrum von Walderdbeere bis Apfel und Birne, etwas Eau-de-vie, leiser Anflug von Brioche; im Mund auf der filigranen und eleganten Seite, zurückhaltende, feine Perlage, mineralischer Touch, aber auch schöne Fruchtigkeit, sehr langer Abgang. Auch so ein Wein, bei dem man mit Geniessen gar nicht aufhören will. 16,5 Punkte.

Crété Chamberlin, Cuvée 1683 Origine, extra brut
70% Pinot meunier, 30 % Chardonnay, 5,5 g Dosage, eingekellert 2019, dégorgiert 11/2021
Helles Gelb; verhaltene, aber vielschichtige Frucht, etwas Brotrinde, auch leise florale Töne; im Mund sehr ausgewogen, zurückhaltende, feine Perlage, schöne Säure, mittlerer Körper, elegant, im Abgang sehr fruchtig mit leichtem Brioche. Schöner, süffiger aber nicht anspruchsloser Wein! 16,5 Punkte.

Geoffroy, Expression, Brut, Premier Cru, brut, sans année
35 % Pinot noir, 35 % Pinot meunier, 30 % Chardonnay, 50 % Jahrgang 2018, 50 % Reservewein, Dosage 3 g, dègorgiert 12/2022
Mittleres Gelb; Brioche, dazu dezentes, aber feines Zitrus, auch florale Töne; im Mund spannender Haselnuss-Ton, eher auf der rustikalen Seite, angepasste Säure, dezente Perlage, wirkt trocken aber rund, minimaler, schöner Bittertouch, sehr schöner, fruchtiger Abgang. Charaktervoller, schöner Wein, den ich eher nicht als Apéro aber dafür um so mehr als Essenbegleiter für sehr viele Gerichte sehe. 16 Punkte.

Demière, Dixxin collection, Blanc de Noirs nature, „Fleury La Rivière“
(Pinot meunier und Pinot noir, ohne biologischen Säureabbau, Basiswein 2016, dégorgiert 04/2021, Dosage Brut nature)
Mittleres Gelb; fruchtbetont, mit Schwergewicht auf Apfel (sowohl knackig frisch und „grün“ als auch in Richtung Boskoop), dezent etwas Glyzinie; im Mund knackige, schöne Säure, spürbare, relativ starke Perlage, fruchtbetont, ganz leise Anflüge von Brotrinde und Brioche, lang anhaltend. Auch dies ein schöner, gastronomisch breit einsetzbarer Wein. 16 Punkte.

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Interessennachweis:
Die Champagner wurden bei „champagne.zuerich“ (mit einem zuvor nicht thematisierten) Freundschaftsrabatt käuflich erworben. Ich kenne und schätze Philipp, es bestehen indessen keinerlei kommerzielle Verbindungen.

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