Fremder Wein und fremde Reben im Wallis – geht auch ganz legal und erst noch faszinierend gut!

Das Alpental Wallis ist – ich weiss, ich wiederhole mich – eines der am meisten unterschätzten Weinbaugebiete überhaupt. Es bringt grossartige Weine für praktisch jede Gelegenheit hervor. Kürzlich kam das Wallis ins Gerede, weil ein Winzer und Weinhändler ausländischen und ausserkantonalen Wein als AOC Wallis verkaufte. Fremde Einflüsse einbinden geht aber auch ganz legal und qualitativ hervorragend.

„Diese Walliser Winzer …“ stand, man sah den Smiley richtiggehend zwischen den Zeilen, auf einer Karte, in deren Begleitung mir Sandra und Olivier Mounir von der Cave du Rhodan in Salgesch zwei Flaschen zusandten. Und weiter „wir holen Wein bei Michi (Burkhart) in Weinfelden und pflanzen südafrikanische Setzlinge, die bei Andreas Meier gedeihen, bei uns in Varen auf 900 m“.

„Diese Walliser“, dachte ich mir, „Humor haben sie“! Das Paket war nämlich ein sympathischer und humorvoller Dank für meinen Artikel, in dem ich nach dem Bekanntwerden des Weinbetruges des Cédric Flaction eine Lanze für den Walliser Weinbau brach:

Ein Hoch auf die ehrlichen Walliser Weine! – Victor’s Weinblog (victorswein.blog)
(Flaction wurde übrigens inzwischen erstinstanzlich zu 3,5 Jahren Haft und zur Abgabe von knapp 2 Millionen Franken Gewinn verurteilt).

Welche Schönheit: Reblandschaft mit Bergkulisse bei Salgesch.

Die beiden Weine hätten von „diesen Wallisern“ nicht besser ausgesucht sein können. Da ist einmal der Pinotage, eine Kreuzung zwischen Pinot noir und Cinsault, die vor ziemlich genau hundert Jahren an der Universität von Stellenbosch entstand (Quelle: Wikipedia). Sie wird auch heute noch fast ausschliesslich in Südafrika angebaut, gilt allerdings trotz ihrer grossen Bekanntschaft in der Breite nicht als Spitzensorte, kann aber, am richtigen Ort gepflanzt und gut gepflegt, auch absolute Spitzenweine hervorbringen.

Varen bei Salgesch als gallisches Pinotage-Dorf.

Ausschliesslich in Südafrika? Nein, es gibt da dieses Walliser Dorf, wo das Winzerpaar Mounir schon 2012 die Idee hatte, diese Sorte zu pflanzen – fast zum ersten Mal in der Schweiz (im Fricktal stehen noch etwas ältere Reben) . Im Jahr 2021 waren nach offizieller Statistik in der Schweiz erst rund 2,7 Hektar mit Pinotage bepflanzt. Wohl weil die Sorte relativ früh reift und ein hohes Mostgewicht erreichen kann, wurde sie in einer auch für Walliser Verhältnisse sehr hoch gelegenen Parzelle der Cave du Rhodan auf rund 900 m im Nachbardorf Varen angebaut, und das ganz offensichtlich sehr erfolgreich.

Ausgesprochen sortentypisch und als Essenbegleiter ein Allrounder.

Im Gegensatz zu einem Weinjournalisten der NZZ, welcher den Wein sehr lobte, aber nicht unbedingt „südafrikanisch“ fand (es war aber wohl ein anderer Jahrgang), halte ich diesen Walliser Pinotage für ausgesprochen sortentypisch, er würde wohl in einer Blinddegustation mit Weinen aus dem Herkunftsland der Sorte nicht als Fremdling auffallen (dafür als hochstehend). Besonders erwähnenswert scheint mir, dass dieser Pinotage ein perfekter Begleiter zu einem sehr grossen Spektrum an Speisen ist. Ich habe ihn zu hellem Fleisch genossen, man kann ihn sich dank seiner Fruchtigkeit auch gut zu grilliertem Fisch vorstellen. Und ich persönlich würde ihn – sorry, liebe Italiener – ohne Weiteres auch zu einer Pizza trinken.

Freundschaft mit Tiefgang.

Ebenso spannend ist der „Duett“, ein Wein, der aus Pinot noir aus dem Thurgau und Diolinoir aus dem Wallis besteht. Wenn man es nicht wüsste, würde man ganz sicher nicht darauf kommen, dass das Traubenmaterial aus zwei verschiedenen Kantonen und 250 Km Entfernung stammt – und man würde einfach auf eine sehr gelungene Assemblage schliessen. Dass der Ottenberg bei Weinfelden auch eine Qualitätshochburg ist (nebst Burkhart auch Broger, Wolfer und Bachtobel) hat sich langsam herumgesprochen. Auch die hohe Qualität der Rhodan-Weine ist inzwischen bekannt (Weingut des Jahres am Grand Prix des Vins Suisses 2022). Und dass die Diolinoir (eine Züchtung aus dem Jahr 1970 als Kreuzung zwischen Rouge de Diolly und … Pinot noir) hervorragende Weine hervorbringen kann, habe ich auch schon mehrmals beschrieben. Dass alles zusammen passt, beweist dieses Wein-Duett.

1 + 1 = 17!

Zwischen der Familie Mounir und Michi Burkhart besteht eine Freundschaft, die sich sehr schön in der Cuvée widerspiegelt! Ein toller, tiefgründiger Wein, der vielleicht von vielen Weinfreunden eher unterschätzt wird, weil solche Gemeinschafts-Projekte andernorts nicht immer nur gelingen. Aber in diesem Fall lohnt es sich, den Wein zu kosten, 1 + 1 ergibt hier auf jeden Fall 17 (Punkte)!

Der Beweis: Mehrwert dank fremden Einflüssen geht ganz legal.

So zeigt diese Geschichte, dass man im Wallis mit legalen Mitteln (beide Weine sind dann halt „nur“ Vin de Pays Suisse) auch fremde Einflüsse zulassen kann und damit einen Mehrwert schafft. Und um nochmals auf die einleitende Bemerkung zum unglaublich vielfältigen Sortiment und der hohen Qualität des Walliser Weinbaus zurückzukommen: Insbesondere mit dem Pinotage wird hier gleich nochmals einen spannenden Akzent gesetzt. Passend zu meinem Blog: Alles ausser gewöhnlich!

Degustationsnotizen

Einmal mit der klassischen Rhodan-Etikette (rechts), und einmal im Duett mit Michi Burkhart (mit Fingerabdrücken, links).

Pinotage 2023, VdP, Cave du Rhodan
Mittleres, glänzendes Purpur; intensive, fruchtige Nase (Cassis, Brombeere, dunkle Kirsche), würzige Töne (Wacholder, Garrique); kräftige aber mürbe Tannine, rund und saftig, schöne Säure, eher auf der filigran-eleganten Seite, auch im Mund sehr fruchtbetont, mittlerer Abgang. Ungemein süffiger, frischer, aber auch hochstehender Wein, sehr sortentypisch. 16,5 Punkte.

Duett rot 2022 (Diolinoir/Pinot noir), VdP, Cave du Rhodan/Michael Burkhart
Mittleres bis dunkles Purpur; breit gefächerte, dunkle Frucht, aber auch etwas Heidelbeere, dazu würzige Anflüge und leichter Kaffeeton; sehr dichter Körper, schöne Säure, „geschliffene“ Tannine, sehr ausgewogen, auch im Mund fruchtig, Holz sehr gut eingebunden und nur marginal spürbar, leichter, aber schöner Bitterton im langen Abgang. Sehr gelungene Cuvée, 17 Punkte.

Walliser Weine aus Salgesch direkt beim Winzer kaufen | Cave du Rhodan

Weingut Burkhart – Thurgauer Erlebnisweingut


Interessennachweis:
Die Weine wurden, wie oben beschrieben, vom Weingut zu Degustationszwecken zur Verfügung gestellt.

Ein Gedanke zu “Fremder Wein und fremde Reben im Wallis – geht auch ganz legal und erst noch faszinierend gut!

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