MW Fernando Mora – aus dem Nichts in Nirgendwo in Windeseile an die spanische Spitze!

Valdejalón? Nie gehört? Macht nichts, denn der Master of Wine Fernando Mora hat für uns entdeckt, welch herrliches Terroir sich hier versteckt hatte. Und mit seinem Enthusiasmus für nachhaltigen Weinbau und charaktervolle Weine hat er sich auch qualitativ an die Spitze gearbeitet! Dabei studierte er je eigentlich Windenergie-Ingenieur!

Immer mal wieder lasse ich mich von Weinhändlern dazu verlocken, Degustationskartons zu bestellen, denn es gibt keine bequemere Art, Neues zu entdecken. Allerdings sind die darin enthaltenen Weine zwar immer korrekt, aber nur selten so, dass ich sie als aussergewöhnlich bezeichnen würde. Für einmal war aber in einem Spanien-Karton eine Flasche versteckt, deren Inhalt mich total begeistert hat.

Freilich, überrascht hat mich das nicht. Ich hatte schon vor Jahren mehrmals die Gelegenheit, den Künstler hinter dem Wein, Fernando Mora, bei einer Gerstl-Degustation in Zürich zu erleben. Er sprühte vor Energie und Begeisterung und wirbelte herum wie die Windsbraut, man merkte förmlich, dass er im Wein seine Erfüllung gefunden hat.

Vom Windenergie-Ingenieur zum Master of Wine und Winzer.

Dabei hätte er auch in seinem angestammten Beruf sicher Erfolg gehabt und wäre ein gefragter Mann gewesen. Mora ist nämlich studierter Windenergie-Ingenieur. Angesichts der Schaffenskraft von Mora und der aktuellen Energiesituation könnte man fast etwas bedauern, dass er nicht in diesem Beruf gelieben ist. Aber seine Liebe zum Wein liess ihn einen anderen Weg einschlagen. In Windeseile – innert nur drei Jahren und immer im ersten Anlauf – schaffte er den Abschluss zum Master of Wine, und in kurzer Zeit hievte er sich zusammen mit seinem Partner Mario López auch in den Kreis der besten Weinproduzenten dieser Welt.

Dabei erinnere ich mich, dass mich seine Weine in den Anfangsjahren nicht immer vollumfänglich begeistert hatten. Neben schon damals grossartigen Gewächsen gab es auch Weine, die mich etwas ratlos gelassen hatten und bei denen ich mich fragte, ob Mora da nicht fast zuviel (auch an Naturblassenheit) wollte. Ich habe schon länger keine breitere Sortimentserfahrung mit seinen Weinen mehr, aber wenn man der Presse und Weinkritikern glaubt, sind inzwischen alle Weine sehr empfehlenswert.

Eigene Hefen und drei Tage „schutzlos“ mazeriert.

Der La Loma & Los Santos 2018, ein Blend aus Garnacha Blanca und Macabeo, hat mich jedenfalls überzeugt, ja restlos begeistert! Die 45-jährigen Reben gedeihen auf gesamthaft 1,3 Hektar in den beiden im Namen vorkommenden Lagen auf einer Höhe von 480 bis 600 Metern. Im Keller wurden die Trauben entrappt und während drei Tagen ohne SO2 mazeriert und dann in Holzfässern auf den eigenen Hefen vergoren, um danach während einem Jahr in 500- und 900-Literfässern ausgebaut zu werden.

Reben der Bodegas Frontonio in karger Umgebung (Bild zvg, ab Homepage des Gutes)

Landweine aus dem Niemandsland – ganz gross!

Aber zurück zum Anbaugebiet Valdejalón: Das Gebiet ist „nur“ als Landweinregion klassiert und liegt in Aragonien, rund um das Dort Alpartir, etwa auf halbem Weg zwischen Calatayud (wo es ein DO-Gebiet gibt) und Zaragossa – aus mitteleuropäischer Sicht im Nirgendwo (wobei das natürlich nicht stimmt, man ist beispielsweise in einer Autostunde in der Rioja und in drei in Madrid). Das Gebiet weist zwar kontinentales, sehr trockenes Klima auf, profitiert aber zuweilen auch von mediterranem Einfluss. Vor allem aber reichen die mit Reben bepflanzten Hänge bis in eine Höhe von 1000 Metern und sind häufig zwar etwas verwahrlost, aber mit sehr alten Reben bepflanzt. Zusammen mit einem kargen Boden und einheimischen Rebsorten wie Garnacha, Granacha Blanca und Macebeo bestehen damit hervorragende Voraussetzungen für hochklassige Weine – wenn man den Aufwand nicht scheut und besessen genug ist wie Fernando Mora!

Ein Partner, der manchmal bremsen muss – aber nicht bei der Bio-Umstellung.

Nicht selbstverständlich, aber angesichts der Qualitätsbessenheit des Master of Wine (und des trockenen Klimas) doch logisch ist die Umstellung auf biologischen und regenerativen Weinbau, der 2021 mit dem Bio-Zertifikat offiziell wurde. Weiter erwähnenswert ist, dass Fernando Mora das Projekt nicht geschafft hätte, wäre da mit Mario López nicht ein Partner und anfangs auch Lehrer, aus dessen Familie viele Rebparzellen von Frontonio stammen. Cool ist eine Aussage von López auf der Homepage, wonach eine seiner Aufgaben sei, Mora manchmal etwas zu bremsen!

Die Geschichte mit der Badewanne. Nur halb wahr, aber cool und nicht lauwarm!

Ferner stimmt eine von der Presse gerne verbreitete Legende, wonach Mora seinen ersten eigenen Wein in der Badewanne gekeltert habe, nur bedingt. Die Wanne diente unter Verwendung von Eiswasser lediglich zum Kühlen des vergärenden Saftes! Hingegen trifft es zu, dass die Trauben noch heute mit den Füssen gestampft werden, denn nur auf diese schonende Weise wird verhindert, dass zu viele Bitterstoffe in den Wein gelangen.

Zusammengefasst haben es zwei Newcomer geschafft, mit Frontonio innert kürzester Zeit (Windeseile!) ein mehr als nur ernsthafter Player in der spanischen Weinlandschaft zu werden. Das Beispiel zeigt auch, dass althergebrachte Vorstellungen davon, welche Gebiete und Produzenten grossartige Weine hervorbringen, überholt sind. Man könnte noch Wetten auf den Zeitpunkt abschliessen, in welchem Valdejalón zur DO wird!

Degustationsnotiz:

Frontonio, La Loma & Los Santos, 2018, I.G.P. Valdejalón
Mittleres, glänzendes und frisches Gelb; sehr vielschichtig fruchtig, Mirabellen, weisser Pfirsich, Birnen, knackiger Apfel, etwas Holz, auch blumige Töne; im Mund extrem frisch, mineralischer Touch, tolle Säure, wirkt „saftig“, fast nicht endend wollender, gleichzeitig mineralischer, aber auch fruchtiger Abgang. Wunderschöner Wein, der es mit vielen hochkarätigen Weissen problemlos aufnimmt! 18 Punkte.

Link auf die Bodega:
Bodegas Frontonio

Und ein spannendes Interview:
Der Berg ruft. Ein Interview mit Fernando Mora MW | Spaniens Weinwelten (spaniens-weinwelten.com)

Bezugsquellen:
Gerstl (CH) bzw. Lobenberg (D), jeweils mit neueren Jahrgängen.

Selbst probieren?

Es passt terminlich gerade sehr gut. Wer nicht zu weit weg wohnt, kann am 21. Oktober 2024 in Zürich u.a. die Weine von Fontonio selbst probieren: Degustation «Spanien & Portugal» in Zürich | Gerstl


Interessennachweis:
Der Wein wurde im Rahmen eines Degustationspaketes im Handel erworben.

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