Blaufränkisch aus Eisenberg – zur Entdeckung wärmstens empfohlen!

Eisenberg DAC – der Name ist sozusagen Programm, denn in dieser „Appellation“ gibt es nicht nur rekordverdächtige Eisengehalte in den Böden, es ist auch nur eine Rebsorte zugelassen, die Blaufränkisch. Und das unbekannte Gebiet lohnt eine Entdeckung!

Hoher Eisenanteil: die meisten Böden im Gebiet Eisenberg (Foto EisenbergDAC/ Steve Haider)

Wo liegt dieses Eisenberg? Genauer Eisenberg an der Pinka? Oder noch besser Deutsch-Schützen-Eisenberg, wie die knapp 1’200 Einwohner zählende Gemeinde nach einer Fusion heisst? Der Ort befindet sich im südöstlichsten Zipfel Österreichs im südlichen Burgenland, direkt an der ungarischen Grenze. Charakteristisch ist aber weniger der Ortsname als der gleichnamige „Berg“, der sich zwar nur 420 m über Meer erhebt, damit aber den Ort um rund 200 m überragt und an dessen steilen Hängen die besten Lagen des Gebietes liegen.

Blick vom Eisenberg (Foto EisenbergDAC/ Steve Haider)

Eisenberg? Wenn das Gebiet wenig bekannt ist, dann liegt das sicher an der peripheren Lage, aber vor allem auch daran, dass es mit knapp 200 ha die kleinste Appellation von ganz Österreich ist (seit dem Jahrgang 2008 als DAC). Nur rund 500 ha Reben stehen im ganzen Südburgendland, davon sind eben diese 200 ha mit Blaufränkisch bestockt – und nur reine Blaufränkisch können die DAC tragen. Zudem darf der Wein erst seit 2008 wieder Eisenberg heissen, zuvor wurde er während einem Vierteljahrhundert unter dem Namen „Südburgenland“ vermarktet.

Idyllische Reb- und Waldlandschaft (Foto EisenbergDAC/ Steve Haider)

Dabei ist nicht nur die Landschaft wunderschön, auch die Weine von hier sind äusserst bemerkenswert. Schon die Tatsache, dass nur Blaufränkisch die DAC tragen darf sagt aus, dass diese Traube hier den Ton angibt. Und wie!

Im letzten Herbst gastierten 13 Weinbaubetriebe mit ihren Blaufränkisch in Zürich zu einer faszinierenden Degustation. Aus diesem Gebiet kommen Weine, die zum Besten (und Langlebigsten) zählen, was diese edle Traubensorte hergibt. Nebst den aussergewöhnlichen Böden trägt auch das Klima dazu bei: Es ist hier generell kühler als im restlichen Burgenland. Zwar ist auch hier der Einfluss warmer Luftströme aus der ungarischen Tiefebene spürbar, aber die Hänge sorgen dafür, dass die Luft abkühlt und dadurch wieder absinkt – eine ständige Luftbewegung, warm am Tag, kühl in der Nacht, sorgt für ein ausgeprägte Aromenbildung.

Die Highlights: Thom Wachter, Wachter-Wiesler, Kopfensteiner, Krutzler, StephanO
Keiner der ausstellenden Betriebe fiel ab, man könnte schon fast blind kaufen (die 13 Betriebe repräsentieren immerhin rund einen Viertel aller Winzer des Gebietes, und einer der besten, Uwe Schiefer, war nicht einmal dabei). Trotzdem fielen einige Betriebe speziell auf:
Thom Wachter, Burg: Ausdrucksvolle, frische und dichte Weine. Genial der Ried Königsberg 2017 mit Frische und Eleganz.
Wachter-Wiesler, Deutsch-Schützen: Weine auf der fruchtigen Seite, speziell der Ried Weinberg 2017, ein Ausbund an Frische und Frucht.
Kopfensteiner, Deutsch-Schützen: Runde, geschliffene aber nicht langweilige Weine, mit dem Ried Saybritz 2017 als Quintessenz.
Krutzler, Deutsch-Schützen: Der wohl bekannteste Betrieb aus Eisenberg bestätigt sein Renommee: Faszinierend, wie sich der (tolle, frische) Stil des Hauses in sämtlichen Weinen spiegelt. Sehr gut der Ried Weinberg 2017 und umwerfend fruchtig und dicht der (allerdings vergleichsweise sehr teure) Perwolff 2017.
StephanO, Deutsch-Schützen: Mineralische, frische und vermutlich sehr langlebige Weine mit dem Flaggschiff Ried Fasching 2016.

Es geht auch weiss! Rainer Stubits als Welschriesling-Künstler!
Wahrscheinlich weist Eisenberg das qualitativ homogenste und mit höchste Niveau beim Blaufränkisch auf. Dennoch lohnt sich auch ein Blick auf die Weissen, selbst wenn diese weiterhin unter dem Etikett „Südburgendland“ firmieren müssen. Rainer Stubits aus Harmisch etwa zeigte mit den zwei Weissen Selection Ried Csaterberg und Weisser Opal, welch grosses Potential in der Sorte Welschriesling steckt. Ersterer wurde mit Spontangärung 4 Tage an der Maische vergoren und gefällt durch seine dichte Struktur und Frische. Letzterer zeigt sich mineralisch, frisch und mit einem fast unendlichen Abgang.
Und schliesslich, aber damit verlassen wir das Gebiet Eisenberg und reden von Leithaberg, einem ebenfalls eher unbekannten und bemerkenswerten Gebiet etwas weiter nördlich: Der oben schon erwähnte StephanO lässt einen auf weissem Schiefer gewachsenen Grünen Veltliner spontan vergären und baut ihn in einem Betonei aus – ohne schweflige Säure bis zur Abfüllung. Eine Wucht von einem Weisswein, unglaublich dicht, mit sortentypischer Frucht und einem sehr langen Abgang!

http://www.eisenberg-dac.at
https://www.oesterreichwein.at/unser-wein/weinbaugebiete/burgenland/eisenberg

http://www.thomwachter.at
http://www.wachter-wiesler.at
http://www.kopfensteiner.at
http://www.krutzler.at
http://www.stephano.at
http://www.stubits.at

Bezugsquellen CH (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
Thom Wachter: https://www.divo.ch/de/thom-wachter-einer-der-spuren-hinterlaesst
Wachter-Wiesler: https://www.smithandsmith.ch/de/wachter-wiesler/prod!537/
Kopfensteiner: https://www.weinheld.ch/d/wein/3577/blaufraenkisch-saybritz-eisenberg-dac-reserve-2017.htm
Krutzler: https://www.vinothek-brancaia.ch/manufacturer/krutzler.html
StephanO: https://www.avinum.ch/
Rainer Stubits: http://weinzeit.ch/

Ein Bild gewordener Slogan des Gebietes: 100 % Heimat, 100 % Charakter, 100 % Blaufränkisch (Foto EisenbergDAC/ Steve Haider)

Wein oder Sugus?

Leute sagt’s wenigstens, wenn eure Weine süss wie Sugus sind!

chardonnay
Aufnahme vl

Ich denke, nach zehn netten Artikeln darf ich auch mal etwas frech sein. Aussergewöhnliches gibt es ja auch auf der negativen Seite.

Dass Weissweine mit Restsüsse wieder hoch in Mode sind, ist eine Tatsache, die mir persönlich freilich keine Freude macht. Ich mag das, mit einigen Ausnahmen beim Riesling oder Chénin blanc, einfach nicht. Nachvollziehen, dass es Leute gibt, die etwa ein Riesling mit einer dezenten Restsüsse mögen, kann ich aber durchaus, und auch in einer Degustation strafe ich solche Weine nicht, wenn sonst alles stimmt.

Kürzlich aber habe ich eine Einzelflasche Chardonnay aus der Barrique eines sehr renommierten Produzenten gekauft. Der Wein zeigt in der Nase ein Feuerwerk von Ananas und Mango, etwas exotisch, aber durchaus spannend und vielversprechend. Und dann das: Im Mund süss wie ein Sugus (Fruchtbonbon)! Sorry, aber einfach scheusslich und für mich untrinkbar! Süsser Chardonnay, nein danke! Immerhin, zum Kochen einer leicht süsslichen Sauce hat er sich hervorragend geeignet! Und fast sicher wäre es ein sehr guter Wein geworden, wenn er hätte durchgären dürfen.

Ehrlicherweise muss ich nun anfügen, dass ich beim Recherchieren festgestellt habe, dass es „nur“ 5,1 Gramm an Süsse waren. Aber das passt für meinen Geschmack einfach nicht zusammen: Chardonnay, noch dazu aus der Barrique, und Süsse! Dann lieber gleich Sugus!

Schön wäre es, wenn die Süsse wie der Alkoholgehalt auf der Flasche aufgedruckt würde. Oder wenn die Weinhändler diese Information wenigstens in ihren Verkaufsbroschüren vermitteln würden. Ohne diese Information kaufe ich fast keinen Wein mehr blind, zum Schaden des Weinhandels und zur Schonung meines Kontos. Vorbildlich ist da übrigens die Homepage von Delinat. Hier kann man, etwas versteckt zwar, sogar nach dem Kriterium Restzucker filtrieren; so kann ich alles über 4 g jeweils gleich ausschliessen.

Das Beispiel zeigt aber auch, dass die Geschmäcker verschieden sind. Der Weinhändler „scorte“ ihn mit 18/20 Punkten, und Falstaff verteilt 91 von 100 Punkten. Der Wein heisst auch ganz unbescheiden „the chardonnay“, und auch die Aufmachung ist extravagant.

Unbescheiden ist auch das übrige Auftreten der Scheiblhofer’s aus Andau im Burgenland. Auf der Homepage wird man empfangen mit „we are the wine“ und das Verkostungslokal ist mehr als trendig.

scheiblhofer
Scheiblhofers Verkostungslokal (Bild ab Pressedownload der Homepage)

Aber vielleicht gilt hier die Weisheit: „Überlegenheit wirkt nur von unten wie Arroganz“. Denn Wein machen können Scheiblhofer’s zweifellos, und dass sie zur absouten Spitze der österreichischen Winzer gehören, ist unbestritten. Umso mehr verstehe ich nicht, dass sie nebst Wein nun auch Sugus herstellen. Aber vermutlich werden sie auch damit erfolgreich sein!

https://www.scheiblhofer.at/

(Eine Bezugsquelle gebe ich nicht an, ich würde den Wein nicht wieder kaufen …)