Eine frische Brise im Glas und den Säntis im Blick.

Aus dem Kanton Thurgau kommen hervorragende Weine, vor allem vom Ottenberg bei Weinfelden. Aber auch das Bio-Weingut Lenz auf dem Iselisberg macht von sich reden. Das benachbarte Neunforn kennt man aber kaum – was sich nun dank zwei Freunden ändern könnte.

Nur schon die Etikette ist cool. Sie zeigt die Alpenkette, die vom Rebberg in Niederneunforn aus zu sehen ist – allerdings nicht als Panorama, sondern in neu Teilstücken übereinandergeschichtet. Zuoberst thront der Säntis, was zwar höhenmässig nicht stimmt, aber gefühlt von Neunforn aus betrachtet durchaus richtig ist.

Die Etikette zeigt die Alpenkette, wie sie vom Rebberg aus zu sehen ist.

Mit diesem Panorama vor Augen pflegen also Conrad Fischer und Philipp Sutter in Niederneunforn auf kalkhaltigem, kargem Boden siebenjährige Sauvignon blanc-Reben.

Der Jahrang 2022 wurde bereits am 4. September (!) gelesen, und trotzdem wurden bereits 90° Oechsle gemessen. Die Vergärung wurde mittels Reinzuchthefen eingeleitet; ein biologischer Säureabbau erfolgte nicht.

Das Resultat ist ein Wein, der begeistert, sehr typisch Sauvignon blanc – aber doch ganz anders. Da ist keine Spur von Holunder oder exotischen Noten, dafür mit knackigen, floralen, grünen und grünapfelbetonten Düften. Kurz, ein knackiger, trotz einer schönen Dichte eher puristischer Wein – so richtig für die kalte (oder asiatische) Küche an warmen Sommertagen.

Und hier real die beiden obersten Ebenen des Panoramas, mit dem optisch alles überragenden Säntis auf der ersten Ebene der Etikette und rechts davon den Churfirsten auf der zweiten Ebene. Der Blick von hier geht – rechts ausserhalb der Foto – über die Glarner- und Innerschweizer Alpen bis hin ins Berner Oberland.

Ich habe den Wein an einem ebenso sonnigen und warmen Sommertag oberhalb des Rebberges an einer Degustation kennengelernt und auf Anhieb geschätzt. Meine Degustationsnotiz findet sich nachstehend. Ein paar Flaschen habe ich darauf auch gekauft und eine davon zuhause nachdegustiert – mit dem gleichen tollen Ergebnis. Dem Weinkarton wurde auch eine „fiche technique“ beigelegt, auf der u.a. eine Degunotiz von Vinum vermerkt ist. Die Weinzeitschrift verteilte die genau gleiche Note, wie ich sie notiert hatte!

Philipp Sutter ist in der Schweizer Weinszene kein Unbekannter. Er führt seit vielen Jahren im Nebenamt eine kleine Weinhandlung, welche sich ausschliesslich Schweizer Spitzenweinen verschrieben hat. Somit ist er einer jener Weinkenner, die schon sehr früh das Potential des Schweizer Weinbaus erkannt hatten (Link siehe unten). In seinem Sortiment führt er auch Weine von Markus Ruch, über den ich auch schon berichtet hatte (Link ebenfalls unten). Angesichts der hervorragenden Qualität des Sauvignon blanc erstaunte es deshalb nicht, dass im Gespräch zu erfahren war, dass ebendieser Markus Ruch für die Vinifikation verantwortlich zeichnet. Qualität bleibt Qualität!

Obwohl mich dieser Wein wirklich begeistert, stelle ich mir trotzdem gerne vor, wie er munden würde, wenn er noch etwas reifer gelesen worden wäre. Statt eines – tollen – Weines, der an „cool climat“ erinnert (er hat auch nur sympathische 12 % Alkohol), könnte es dann ein „Neunforn climat“ geworden sein, etwas fülliger, und trotzdem noch frisch und fruchtbetont. Wer weiss, was aus diesem Wein in den nächsten Jahren noch wird – ihn zu verfolgen, lohnt sich auch jeden Fall!

Sauvignon blanc, AOC Thurgau, Weinbau Fischer/Sutter, Niederneunforn, 2022

Helles Gelb, frische, eher grüne Frucht (grüner Apfel, Stachelbeeren), erinnert in der Nase fast mehr an einen modernen Müller-Thurgau denn an Sauvignon blanc, was sich auch im „Fehlen“ jeglicher exotischer Noten zeigt; im Mund ungemein elegant, schöne, knackige Säure, recht dichter Körper, „süffig“, sehr langer, fruchtiger Abgang. Schöner, in der Nase eher untypischer Sauvignon blanc – aber gerade deshalb so faszinierend! 16,5 Punkte.

Sutter Weine: Onlineshop – Sauvignon Blanc, Weisswein, 2022, 75cl . Sutter Weine Shop

Markus Ruch: zum Glück Winzer und nicht Banker – Victor’s Weinblog (victorswein.blog)


Interessennachweis:
Der Wein wurde an einer öffentlichen Degustation entdeckt und danach käuflich erworben und mit dem gleichen Resulat nachdegustiert.

Ein Gedanke zu “Eine frische Brise im Glas und den Säntis im Blick.

  1. markusfeer

    Bin gespannt und freu mich bereits auf die Halluzination des Säntispanoramas, das ich aus dieser Position schon häufig genossen habe… 😊

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