Die „alte Rebe“ 2016 von Michael Broger: umwerfend gut! Vielleicht ist es das, was andere mit „vibrierendem Wein“ meinen?

Michael Broger kreiert am Ottenberg bei Weinfelden seit bald zwei Jahrzehnten Weine, die zu den allerbesten und sicher den eigenständigsten in der Schweiz gehören. Sein Spitzen-Pinot „alte Rebe“ des Jahrgangs 2016 ist nun in der ersten Trinkreife und begeistert enorm!

Den Lesern meines Blogs, die von Anfang an dabei waren, ist Michael Broger natürlich schon ein Begriff (für alle anderen: siehe Links am Schluss des Beitrages). Und unbekannt ist er in der Schweizer Weinszene ja ohnehin nicht mehr. Aber irgendwie scheint er mit seiner bescheidenen, nie marktschreierischen Art doch nicht ganz das Renommée zu erreichen, das er aufgrund der Qualität seiner Weine verdient hätte.

Der Ottenberg zwischen Ottoberg und Weinfelden, hoch über dem Thurtal. Ein hervorragendes Terroir. Bloss der Fotograf war etwas ungeschickt, denn der Hof von Michael Broger versteckt sich ausgerechnet hinter dem grossen Baum in der Bildmitte. Aber vielleicht ist das fast ein wenig sinnbildlich für Broger: Lieber im Stillen Hervorragendes schaffen als sich gross in den Vordergrund stellen.

Eigentlich hatte ich jetzt gar keinen Blogeintrag über Broger geplant, es gab ja schon diverse Beiträge über ihn. Aber dann habe ich gestern die zweite Flasche seines Pinots „Alte Rebe“ aus dem Jahr 2016 geöffnet. Schon vor rund einem Jahr zeigte er sich sehr schön, aber noch zu jung. Jetzt hat er seine erste Trinkreife erreicht – und ich bin so begeistert, dass ich gar nicht anders kann als darüber berichten. Seit einigen Jahren lese ich bei Schreiber-Kollegen und -kolleginnen immer mal wieder von „vibrierenden“ Weinen. Ich habe das nie richtig verstanden, aber dieser Broger-Wein gibt vielleicht einen kleinen Eindruck davon, was damit gemeint sein kann: Ein Wein, der nicht einfach stromlinienförmig über den Gaumen rollt aber – mag er noch so gut und meinetwegen 20 bzw. 100 Punkte wert sein – den Trinkenden letztlich nicht „herausfordert“. Nicht so bei Broger, ganz allgemein, aber sehr pointiert bei der „alten Rebe“ 2016 im aktuellen Stadium: Dieser hervorragende Wein wandelt sich im Mund, wirkt im Antrunk ganz anders als im Abgang, scheint sich ständig einer Metamorphose zu unterziehen, fordert Achtsamkeit und will keinesfalls einfach so beiläufig getrunken werden. Kurz: Ein lebendiger, extrem vielschichtiger Wein, über den man den ganzen Abend philosophieren kann. Oder soll ich jetzt einfach schreiben „ein vibrierender Wein“? Vielleicht ist es wirklich ein Paradebeispiel dafür!

Michael Broger, „alte Rebe“ 2016, Pinot noir
Mittleres Rubin; feine, vielschichtige Frucht (Brombeer, Johannisbeer, Zwetschge), leichter Anflug von Teer, Waldboden und etwas Grüntee; im Mund vorab unglaublich „saftig“ und „lebendig“, extreme Frische, passende, eher „weich“ wirkende Säure, viele, aber sehr feine Tannine, enorm fruchtig. Im Abgang zuerst ein kleines Loch von 1-2 Sekunden, dann aber plötzlich ein fein-feuriger, fruchtiger und fast nicht endend wollender Abgang. Ein Wurf von einem Wein, zum Ausflippen schön! 18,5 Punkte.

Weingut – Michael Broger – Weinbau (broger-weinbau.ch)

Und hier noch die versprochenen Links auf bereits publizierte Beiträge in diesem Blog:

Michael Broger – der Pinot-Magier – Victor’s Weinblog (victorswein.blog)
Der Pinot-Magier zaubert auch ganz ohne Schwefel! – Victor’s Weinblog (victorswein.blog)
Wildwest am Ottenberg: Broger’s PetNat-Abenteuer. Spannend wie die Weine selbst! – Victor’s Weinblog (victorswein.blog)

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