Stabiles Azorenhoch: Grossartige Raritäten vom bekannt-unbekannten Archipel.

Azoren stand für mich bisher eher für den Wetterbericht, denn schon in der Kindheit verhiess ein stabiles Azorenhoch im Sommer lang anhaltend schönes Wetter. Zwei kürzlich degustierte Weine zeigen indessen, dass die Iselgruppe auch önologisch sehr beachtenswert ist.

Dabei ist der Ausdruck „beachtenswert“ eigentlich noch untertrieben. Was ich da aus einem Degustationspaket „Portugal“ ins Glas erhielt, ist schlicht grossartig. Und grandios ist auch die Kulturlandschaft, welche durch den Weinbau insbesondere auf der Insel Pico geschaffen wurde. Das Gebiet wurde deshalb auch von der Unesco als Weltkulturerbe aufgenommen.

Unesco Weltkulturerbe: Reblandschaft auf der Insel Pico, Azoren (Bild: Pixabay.com)

Bis in die 1980er-Jahre wurden auf den Azoren freilich vorwiegend Hybridreben angepflanzt, eine Folge der Reblausplage im 19. Jahrhundert. Erst ein Aufbauplan der Regierung, und darauf gestützt private Initiativen, brachten den Weinbau qualitativ wieder auf Vordermann. Heute sind rund 400 Hektar mit Reben bepflanzt.

Die Azores Wine Company
Eine der Triebfedern hinter der Wiederauferstehung qualitativ hochstehender und seltener Rebsorten ist António Maçanita, begnadeter Wein-Tausendsassa, der auch auf dem Festland von Portugal spannende Weinprojekte begonnen hat. Mit den Azoren verbunden ist er seit seiner Jugendzeit, da er oft Ferien auf den Inseln verbrachte. Und schon als ganz junger Mann versuchte er sich erstmals als Winzer auf Pico.

2010 begann er im Rahmen des Aufbauplans mit der Pflanzung der praktisch verschwundenen Sorte Terrantez do Pico. Wie es der Name sagt, dürfte die Sorte auf Pico entstanden sein, gemäss Rücketikette auf der Flasche soll es aber nur noch rund 100 Stöcke auf der Insel gegeben haben, als das Wiederanbauprojekt begann (es finden sich zudem Hinweise, dass es auf dem Festland in der Region Beira noch eine Pflanzung von rund einer Hektar geben soll. Hingegen gibt es nach heutigem Wissen keine Verwandtschaft mit der Terrantez-Traube, die auf Madeira vorkommt).

Rar und hervorragend: die „Rare Grapes Collection“.

Im Jahr 2014 gründete António Maçanita schliesslich zusammen mit Filipe Rocha und Paulo Machad die Azores Wine Company. Während im Gründungsjahr noch rund 10’000 Flaschen pro Jahr hergestellt wurden, sind es inzwischen, auch dank der Zusammenarbeit mit rund 20 Vertragswinzern, über 150’000 – auf der Homepage des Gutes zur Zeit übrigens alle ausverkauft! Ein besonderes Augenmerk wird aber mit der „Rare Grapes Collection“ immer noch auf rare Rebsorten gelegt, so auch auf die Arinto dos Açores, eine autochthone Sorte, die nach neueren Erkenntnissen von der Verdelho-Traube abstammen soll.

Und hier die ganzen Etiketten, inkl. Angaben zur Anzahl produzierter Flaschen

Terrantez do Pico, Antonio Maçanita, 2019
Relativ dunkles Gelb mit roten Reflexen; dezenter, unaufdringlicher Duft nach Aprikose, Papaya und Stachelbeere sowie Steinmehl; im Mund mineralisch, sehr dicht (fast wie zum Abbeissen), schöne Säure, wirkt leicht „salzig“, knochentrocken, aber fruchtbetont-süsslich im fast unendlich langen Abgang. Vielleicht nicht jedermann’s Sache, für mich ganz einfach ein grandioser Wein! 18 Punkte.

Arinto dos Açores, Antonio Maçanita, 2018
Mittleres Strohgelb; mineralisch-vulkanische Töne, Steinmehl, aber auch fruchtige Note, dezent nach Ananas und Apfel, grüne Töne nach nassem Gras; im Mund trocken mit spürbarer, schöner Säure, mineralisch, fruchtbetont und etwas „mostig“ im langen Abgang. Eigenwilliger, aber sehr schöner Wein. 16,5 Punkte.

Leider sind die Weine allerdings nicht gerade billig. Während sich der Arinto mit rund CHF 30.00 noch in einem Bereich befindet, im dem ich mich mit meinem Blog üblicherweise höchstens bewege (in der Regel unter CHF 40.00), liegt der Terrantez mit gegen CHF 60.00 schon in höheren Sphären. Aber man kann ja auch mal eine Ausnahme machen, und dieser hervorragende Wein ist auf jeden Fall eine Entdeckung wert.

Und von wegen Entdeckung: Eigentlich wollte ich seit den Wetterprognosen aus Kindertagen einmal die Azoren besuchen. Nun habe ich einen Grund mehr!

Empresa Azores Wine Company | Azores Wine Company – Vinhos dos Açores (antoniomacanita.com)

Landscape of the Pico Island Vineyard Culture – UNESCO World Heritage Centre

Weine der Azores Wine Company sind erhätlich in der Schweiz bei Gerstl,
http://www.gerstl.ch
und in Deutschland bei Lobenberg,
http://www.gute-weine.de
und, soweit nicht ausverkauft, auch beim Gut selbst oder bei Portugal Wineyard
http://www.portugalvineyards.com

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s