„Biowein ist untrinkbar“! Wirklich?

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Begrünte Parzelle im Rheingau (ob Bio oder nicht ist nicht bekannt). Bild vl.

Die Episode liegt einige Jahre zurück, und sie ist verbrieft, resp. kann in Vinum nachgelesen werden (online wurde ich leider nicht fündig):

Ein deutscher Spitzenkoch äusserte sich in einem Interview abschätzig über Bioweine, „die könne man einfach nicht trinken, und so etwas komme ihm sicher nie auf die Weinkarte“. In der nächsten Vinum-Ausgabe wurde er dann genüsslich der Ignoranz und Lüge überführt. Die Vinum-Redaktion hatte seine Weinkarte analysiert und klärte ihn auf, dass er schon diverse Bioweine im Sortiment habe, darunter so unbekannte Gewächse wie Weine der Domaine de la Romanée-Conti und der Domaine Leflaive. Beide Güter arbeiteten damals schon biologisch, ohne es an die grosse Glocke oder gar auf die Etikette zu hängen resp. drucken. Koch, bleib bei deinen Töpfen, möchte man da sagen.

Vermutlich war der Gastronom aber einfach nur in der Zeit etwas stehen geblieben. Denn nochmals 20 Jahre früher hätte ich diese Aussage auch unterschrieben. Die schrecklichste Degustation meines Lebens war tatsächlich eine mit Bioweinen. Wir hatten etwa 20 Weine besorgt, und wirklich gut war keiner. Dafür war so ziemlich alles des „who is who der Weinfehler“ vertreten. Besonders oft waren die Weine, vermutlich infolge fehlenden Schwefels, oxydiert. Auch ich war damals ziemlich „geheilt“ von Bioweinen.

Es ist erstaunlich, was sich in einem guten Vierteljahrhundert alles verändert hat. Heute scheint es manchmal schon fast, als arbeite die halbe Elite der Winzer biologisch, häufig gar bio-dynamisch. Nebst den schon genannten aus dem Burgund einfach nur beispielhaft: Château Pontet-Canet, Château de Beaucastel, Nicolas Joly (Coulée de Serrant), Chapoutier, Alois Lageder, Paul Achs, Bürklin-Wolf, Marie-Thérèse Chappaz – die Liste liesse sich fast endlos verlängern. Besonders interessant daran ist aber auch, dass viele der Spitzengüter Bio gar nicht deklarieren. Es ist sozusagen zur Selbstverständlichkeit geworden.

Natürlich lässt sich trefflich streiten, ob Bioweine pe se besser sind. Ein reales Experiment auf vergleichbaren Parzellen wäre spannend! Mir fällt persönlich einfach auf, dass inzwischen auch viele Weinjournalisten und -händler die These aufstellen, Bioweine seien faszinierender und tiefgründiger. Und wenn ich mir überlege, welche Weine mich in den letzten Jahren am meisten berührt haben, dann sind es überproportional häufig Bioweine. Und das durchaus auch dann, wenn ich es gar nicht wusste, dass ich Bio trank.

Mein nächster Beitrag hier wird genau von einem solchen Wein erzählen.

 

 

Ein Gedanke zu “„Biowein ist untrinkbar“! Wirklich?

  1. Pingback: bio logisch – jetzt auch Irene Grünenfelder! – Victor's Weinblog

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