Brandneuer Wein aus uralten Reben: Grossartige Neuheiten aus Zyperns höchsten Lagen!

Zypern ist ein völlig unterschätztes Weinland, hier entstehen tolle Tropfen aus wurzelechten Reben. Und wenn diese dann noch sehr alt sind und auf über 1000 Höhenmetern wachsen, dann können sie grossartig werden!

Uralter Bergwein: 100- bis 150-jährige Reben auf Steillagen in mehr als 1000 Metern. (Alle Bilder zvg, Bernhard Furler).

Junges Weingut mit noch jüngerem Projekt – und extrem alten Reben

Spannend, wenn man den ersten Jahrgang eines neuen Weingutes probieren kann! „Vinea Ardua“ hat mit dem Jahrgang 2020 seine ersten Weine auf dem Markt gebracht – grossartige Qualität aus uralten Reben, die in Höhen von 900 bis zu 1300 Metern wachsen. Immerhin muss die Aussage des neuen Weingutes ein wenig zu „neuem Projekt“ relativiert werden. Der Sitz von Vinea Ardua befindet sich nämlich an der gleichen Adresse wie die Santa Irene Winery in Farmakas, einem Bergdorf etwa auf halbem Weg zwischen Nikosia und Limassol, und der Wein wird auch dort vinifiziert. Freilich ist auch dieses Weingut selbst noch jung, denn Santa Irene wurde erst im Jahr 2015 vom Geschäftsmann Daniel Anastasis gegründet, der sein im südafrikanischen Lebensmittelsektor verdientes Geld in dieses Herzensprojekt gesteckt hat. Das Gut umfasst rund 200 Hektar, mit Reben bepflanzt sind aber nur deren 20.

Steil, mühsam, aber mehr als lohnenswert

Der Mann hinter den tollen Weinen: Der Winzer und Oenologe Evangelos Bakalexis. Er war früher beim bekannten Gut Tsiakkas tätig, wollte aber etwas Neues anpacken. Und er posiert vor den uralten Reben des Gutes.

Zusammen mit seinem um 40 Jahre jüngeren Winzer und Önologen Evangelos Bakalexis fand Daniel Anastasis nach einem erfolgreichen Start gerade auch die bisher nicht mehr gepflegten, alten Reben an Steilhängen spannend. Die Hänge und Reben wurden deshalb wieder gepflegt und brachten im Jahr 2020 erstmals (wieder) nutzbaren Ertrag. Bestockt sind diese alten/neuen Flächen hauptsächlich mit der roten Mavro (oder Kypreiko). Daneben gibt es auch etwas weisse Trauben aus der autochthonen Sorte Xynisteri, womit zwei der typischen Reben Zyperns vertreten sind. Die Rebstöcke sind allesamt sehr alt, über 100- und teils bis 150-jährig, und wachsen an nicht terrassierten Hängen mit einer Neigung von bis zu 60 Grad. Der Name Vinea Ardua steht denn auch für „steil“ oder auch „mühsam“.

So gebirgig und spannend kann Zypern sein, wenn man die Strände verlässt.

Erhalt der Kulturlandschaft

Die Mühen der Crew des Weingutes haben sich aber sehr gelohnt! Einerseits sind die Weine von hervorragender Qualität, andererseits wird durch die Arbeit des Gutes auch eine uralte Kulturlandschaft erhalten bzw. wieder hergestellt. In Zypern wird schliesslich schon seit rund 5000 Jahren Rebbau betrieben!

Die auch sehr alten Amphoren, in welchen der Wein vergärt. Ebenfalls ein Kulturgut. Und auf der Wand dahinter Bilder der Reben in dieser tollen Kulturlandschaft.

Moderne Technik – alter Väter Sitte

Gemäss Rücketikette wachsen die Reben biologisch bzw. natürlich („organically“). Zertifiziert ist der Wein zwar nicht, aber man mag das gerne glauben, denn schliesslich überlebten die Reben ja bisher auch sich selbst überlassen. Speziell ist übrigens auch, dass die Rebstöcke, wie praktisch alle auf Zypern, wurzelecht sind, weil die Reblaus die Insel verschont hatte. (Link zu einem Blogbeitrag zu „wurzelecht“ siehe unten). Im Keller wird ebenfalls Wert auf möglichst wenig Eingriffe gelegt. Der Wein vergärt auf den Naturhefen, wird ganz (Aeòneo) bzw. teilweise (Eteòn) in alten Amphoren vergoren, sehr zurückhaltend geschwefelt und ungeschönt und unfiltriert (Aeòneo) bzw. leicht und schonend filtriert (Eteòn) abgefüllt.

16 unscheinbare Prozente

Wie den nachstehenden Degustationsnotizen zu entnehmen ist, ist der rote Aeòneo ein kräftiger, dichter, gleichzeitig aber auch eleganter, rundum gelungener Wein. Er liefert damit ein gewichtiges Argument gegen das „hoher Alkoholgehalt-Bashing“ (das ja oft auch nicht falsch ist). Der Wein weist nämlich 16 Volumenprozente auf, was offenbar auch die Naturhefe mitgemacht hat, denn er wirkt absolut trocken. Der Wein ist auch mit diesem Alkoholgehalt in keiner Art und Weise unangenehm oder gar brandig. Und bekömmlich ist er auch, ich kann es bezeugen (und dabei habe ich ziemlich oft nachgeschenkt)!

Degustationsnotizen

Vinea Ardua, Eteòn 2020 (100 % Xynisteri)
Recht fülliges Gelb; Düfte von Honig, Aprikosen, Flieder und nassem Gras, auch würzige Töne; im Mund knochentrocken mit enormer Frische, mineralisch, sehr dichter Körper, schöne, aber dezent eingebundene Säure, ein kleiner Touch von «Naturwein». Wirkt im Antrunk eher filigran, wird im Mund dann aber immer fülliger und runder, ausgesprochen langer Abgang. Ein rundum begeisternder Erstling! 17 Punkte
.

Vinea Ardua, Aeòneo 2020 (100 % Mavro)

Mittleres Rubin; rote und dunkle Frucht, reifer Apfel (Boskoop), sehr würzig und schon in der Nase mineralisch; im Mund ausgesprochene Frische, mineralisch, schöne Säure, enorm viel feines Tannin, fruchtig, dichter Körper; im langen Abgang im positiven Sinn «feurig». Ein elegantes Monument von Wein; trotz 16 % Alkohol wirkt er frisch und nicht alkoholbetont. 17,5 Punkte!

Bezugsquelle und weitere Infos zu Zypern:
Vinea Ardua Angebot – Paphos-Weine GmbH (paphosweine.ch)

Homepage des Projektes:
Premium Wine | Vinea Ardua Vineyards | Farmakas (vineaarduawines.com)
(Ganz am Rand: Eine wunderbar wohltuend ruhige Site, die „nur“ in s/w gehalten ist)

Und hier noch der Link auf einen anderen Artikel in meinem Blog, in dem von einem tollen Wein aus wurzelechten Reben die Rede ist:
Sind Weine aus wurzelechten Reben besser? Dieser Barbera regt zum Nachdenken an! – Victor’s Weinblog (victorswein.blog)


Interessennachweis: Die beiden Weine wurden als Einzelflaschen ohne Verpflichtungen von Paphos-Weine Gmbh zu Degustationszwecken zur Verfügung gestellt.

Ein Gedanke zu “Brandneuer Wein aus uralten Reben: Grossartige Neuheiten aus Zyperns höchsten Lagen!

  1. Der Blogartikel über das Weingut ist wirklich faszinierend, besonders die Fotos von den alten Reben auf über tausend Metern Höhe. Spannende Entdeckung und ein interessanter Einblick!

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