Wenn eine bekannte Wein-Familie (Alvear) mit einem begnadeten Oenologen (Luís Lopez) zusammenarbeitet, dann entsteht selbst in unbekannten Regionen Grossartiges. Palacio Quemado in der Ribera del Guadiana zeigt, dass tolle Weine nicht an berühmte Weinbaugebiete gebunden sind!
Seit einer Reise nach Andalusien im Jahr 2018 steht ein Beitrag über die Bodegas Alvear aus Montilla-Moriles auf meiner To-do-Liste, weil ich im nahe zu dieser Weinregion gelegenen Córdoba einen wunderbaren Palo Cortado dieser Bodega – der ältesten Andaluisiens – genossen hatte.
Wenn Alvear, die älteste Bodega Andalusiens, …
Nun bin ich auf ganz anderem Weg wieder auf Alvear gestossen. Vor einigen Wochen hatte ich die Gelegenheit, an einer Degustation der grandiosen Weine von Dominio de Açor teilzunehmen. Den Bericht finden Sie hier:
Domínio do Açor: in vier Jahren von 0 auf 100. Absolut grossartige neue Weine aus Portugal! – Victor’s Weinblog

Der Winemaker dieses Gutes, Luís Lopez, hat mich an dieser Vorstellung fasziniert, wie auch dem vorstehenden Link zu entnehmen ist. Er ist augenscheinlich ein grossartiger, immer nach noch höherer Qualität suchender Fachmann, der dabei überaus bescheiden auftritt und auch seine Kenntnisse auf sehr anschauliche Art weitergeben kann.
Wie auch dem Artikel über Domínio do Açor zu entnehmen ist, definiert er seine Aufgabe weit breiter als einfach aus den abgelieferten Trauben den bestmöglichen Wein zu keltern. Als moderner Oenologe weiss er natürlich, dass gute Weine im Rebberg entstehen, und deshalb tritt er auch dort beratend in Erscheinung.
… sich mit dem genialen Oenologen Luís Lopez zusammentut …
Im Nachgang zu jener Veranstaltung habe ich etwas recherchiert. Das war gar nicht so einfach, weil Luís in seinen Online-Auftritten sehr bescheiden und zurückhaltend ist. Immerhin konnte ich via Social Media einen Kontakt zu ihm herstellen und lernen, dass er – nebst den im verlinkten Artikel schon erwähnten renommierten Betrieben in Portugal – auch im Weingut Palacio Quemado in Spanien als Head-Winemaker tätig ist. Ich habe mir deshalb ein paar Flaschen dieses Gutes besorgt – und dabei eine tolle Entdeckung gemacht!
… dann entstehen in der Extremadura grossartige Weine!
Mit Palacio Quemado schliesst sich der Kreis zur eingangs erwähnten Bodega Alvear. Diese gründete nämlich den Betrieb in der Extremadura im Jahr 1999. Das ist insofern „naheliegend“, als eine Distanz von nur rund 200 Kilometer zwischen den beiden Betrieben liegt.

Palacio Quemado befindet sich in der Region Badajoz nahe der Stadt Mérida. Das Gut umfasst rund 93 Hektar und wird ohne den Einsatz von Pestiziden bewirtschaftet. Man ist auch Mitglied der Gruppe „Sustainable Wineries“. 50 % der Rebfläche sind mit Tempranillo bestockt, dazu gesellen sich Garnacha, Syrah, Petit Verdot und einige lokale Sorten. Und die Reben wurden bei der Gründung der Bodega gepflanzt, sind also inzwischen im besten Alter.
Die drei degustierten Weine haben mich begeistert. Ganz augenscheinlich wird hier tolles Traubenmaterial produziert, und der Winemaker Luís Lopez kreiert dann daraus ganz feine, frische, elegante, spannungsgeladene, aber auch sanfte Weine. Luís „kann“ augenscheinlich auch Spanien, hier aber mit einer ganz anderen Handschrift als bei den portugiesischen Weinen, was ja nur ein weiterer Beweis für sein grosses Können ist.
Und das Schönste dabei: Die Weine sind angesichts ihrer Qualität überaus preiswert – auch wenn ich den Ausdruck eigentlich nicht mag, hier muss man wirklich von einem tollen Preis-/Leistungsverhältnis reden. Die Crianza kostet ab Gut 11 Euro, die Reserva 14.60! Und beide halten mit sehr guten Weinen aus bekannteren Weinregionen Spaniens ohne Weiteres mit! Und der „PQ“, ein absolut überzeugender, fruchtiger Blend mit nur kurzer Holzlagerung, liegt preislich sogar noch tiefer und ist in Mitteleuropa für unter 10 Euro erhältlich. Kleiner Tipp an Gastronomen: Einen besseren und kulinarisch breiter einsetzbaren Wein für den Offenauschank kann man sich fast nicht vorstellen!
Ribera del Guadiana – die etwas andere Ribera mit guten Voraussetzungen.
Die Ribera del Guadiana gibt es als DO seit 1999, sie umfasst mehrere Regionen der Extremedura im Umfeld des Flusses Guadiana. Dieser ist immerhin rund 750 Kilometer lang, entspringt in Spanien und fliesst als Grenzfluss zwischen Spanien und Portugal in den Atlantik. Das Weinbaugbiet umfasst rund 27’000 Hektar. Das Gebiet ist übrigens auch anderweitig für den Wein wichtig, da hier viel Kork produziert wird.
Das an sich kontinentale Klima in der Extremadura wird auch durch den relativ nahe gelegenen Atlantik beeinflusst, was eine für den Rebbau gerade noch genügende Niederschlagsmenge von rund 500 mm/Jahr mit sich bringt (Quelle: Wikipedia). Die zugelassenen Rebsorten sind erstaunlich vielfältigt, wobei bei den roten Sorten Tempranillo und Garnacha die Hauptrolle spielen.
Degustationsnotizen:

PQ, Vendimia Seleccionada, Ribera del Guadiana DO, Tinto Roble, 2023 (Tempranillo und Garnacha)
Mittleres Purpur; sehr fruchtbetont, sowohl rote als auch schwarze Beeren, Leder, Tabak, etwas Würze. Im Mund viel Tannin und dadurch etwas adstingierend (was sich mit der Zeit noch legen dürfte), schöne Säure, bei aller Kraft auch mit Eleganz, sehr fruchtiger, langer Abgang. Sehr guter Wein, fast unschlagbar in Preis/Leistung! 16,5 Punkte.
Viñedos Propios, Ribera del Guadiana DO, Crianza, 2022 (Tempranillo und Petit Verdot)
Mittleres Rubin; üppige, an Südfrankreich erinnernde dunkle Frucht (dunkle Pflaumen, gedörrte Zwetschge, etwas Cassis), dahinter auch Anflüge von roten Johannisbeeren, dazu etwas Garrique und sehr dezente Noten von Holz; im Mund ungemein fruchtig, mineralische Komponente, viel, aber fein geschliffenes Tannin, saftige Säure, kräftig und doch mit Finesse, mittlerer Abgang. Sehr erfreuliche Alternative zu weit teureren Crianzas aus andern Gegenden! 17 Punkte.
Vinedos Propios, Ribera del Guadiana DO, Reserva, 2020 (Tempranillo, Cabernet Sauvignon und Syrah)
Mitteldunkles Purpur; sehr fruchtig mit einem breiten Spektrum von Himbeere über Brombeere bis Dörrpflaume, etwas Hagebutte, dezent Vanille, etwas Tabak; im Mund sehr frisch, äusserst feine Tannine, schöne Säure, auf der eleganten Seite, aber auch mit einer gewissen Kraft, samtig, sehr langer, feinfruchtiger Abgang. Spannend an diesem Wein ist, dass man im Antrunk glaubt, „nur“ einen fruchtig-leichten Tropfen im Glas zu haben – aber einen Sekundenbruchteil später entfaltet er eine elegante Tiefe, die beeindruckt. Toller Wein. 17,5 Punkte.
Palacio Quemado – Bodegas Alvear
Diverse Bezugsquellen in CH und D sind im Internet einfach zu finden.
Interessennachweis:
Die Weine wurden im Handel käuflich erworben.