Ribera del Duero – die sanfte Revolution hin zur Vielfalt.

Es scheint, dass Regulatorien im Weinbau sich immer weniger mit Innovationen der Winzerinnen und Winzern vertragen. In der spanischen Vorzeigeregion Ribera del Duero ist es aber möglich, sich innerhalb der Vorschriften neu zu erfinden.

Zauberhaft: Ribera del Duero im Herbst (Bild zvg Ribera del Duero, © José I. Berdon)

Im Weinbau gibt es zur Zeit gerade eine Revolution. Vielleicht ist es auch nur ein sanfter Wandel, aber durchaus mit revolutionärem Gedankengut. Immer mehr Betriebe sind nicht mehr bereit, sich den strengen Regeln einer strikten Ursprungsbezeichnung zu unterziehen.

Die Freiheit liegt im Landwein oder im Vin de France!

So sagte mir kürzlich ein Winzer aus Deutschland, er vermarkte seinen Wein jetzt als Landwein: „Man muss mir doch nicht sagen, welcher Wein meinen Kunden schmeckt“. Der jüngste und revolutionärste Paukenschlag betrifft Château Lafleur, welches seinen berühmten Wein künftig nicht mehr als Pomerol AOC, sondern nur noch als Vin de France vermarkten wird. Der Grund für diese freiwillige Abklassierung liegt in den als zu stur empfundenen Regeln für die AOC. Insbesondere will man auf Lafleur offenbar – auch aufgrund des Klimawandels – freier werden in der Sortenwahl und in der Weinbereitung.

In Ribera del Duero: Cosecha – von der tiefsten Stufe nach ganz oben.

Demgegenüber nimmt sich die kleine Revolution in Ribera del Duero geradezu harmlos aus. Vielen Winzern im vergleichsweise sehr jungen Weinbaugebiet (die heutigen Vorschriften gehen auf das Jahr 1982 zurück, und damals waren nur gerade neun Weinbaubetriebe beteiligt) erscheinen die starren Vorschriften für eine Crianza, eine Reserva oder eine Gran Reserva nicht mehr qualitätsfördernd. Insbesondere die vorgeschriebene Dauer der Holzlagerung passt teilweise nicht mehr zu den Qualitätsvorstellungen innovativer Betriebe (wobei viele die herkömmlichen Weine weiterhin auch anbieten).

Ribera del Duero – frei übersetzt „an den Ufern des Duero“, dem drittlängsten Fluss der iberischen Halbinsel (Bild zvg Ribera del Duero, © José I. Berdon)

Revolution in Grenzen.

Die Rebellion der Winzer kann aber in Ribera del Duero im Rahmen bestehender Vorschriften erfolgen. Denn es gibt auch die – ursprünglich als tiefste Qualitätsstufe gedachte – Bezeichnung „Cosecha“, was Ernte bzw. Weinlese bedeutet und im vorliegenden Kontext auch Jahrgang. Bei Cosechas dürfen die Winzer die Ernte und den Ausbau weit gehend so gestalten, wie sie es selbst für gut finden; die wichtigste einzuhaltende Vorschrift betrifft – natürlich nebst der Herkunft der Trauben – den Mindestanteil von 75 % für Tempranillo, der auch für die Cosechas gilt. Eine Cosecha kann ein junger, fruchtiger Wein sein, der nur im Stahl ausgebaut wurde, aber eben auch einer, der Holz gesehen hat; und beispielsweise auch ein grosses Holzfass, was bei Crianzas und Reservas nicht zulässig ist.

Hoch lebe die Vielfalt! Cosecha als Chance für Kreativität und Entdeckungen.

Die Vielfalt der Cosechas lädt zu Entdeckungen.

Diese Ausgangslage führt zwar dazu, dass der Konsument sich nicht sicher sein kann, welche Weinart er sich mit einer Cosecha einkauft. Allerdings weiss er ja auch bei einer Crianza oder Reserva nicht, wie genau der Wein ausfällt und ob er ihm gefällt. Probieren geht noch immer über Studieren. Das nachstehende Foto zeigt eindrücklich, wie unterschiedlich die Cosechas ausfallen können: tatsächlich vom Rosé bis zum tanninreichen und alterungsbedürften Spitzenwein (wobei der Rosé auch köstlich ist).

So unterschiedlich die Cosechas, so different fallen die Preise aus, gerade auch bei den hier beschriebenen Mustern. Der Rosé von Viña Sastre kostet ca. CHF 18.00 (in Deutschland nur Euro 13.00 …), der Selección der Finca Rodma rund 29.00 und der Cruz del Pendón der Dominio de Cair um die 80.00.

Gruppenbild mit Rose(´). Die Vielfalt der Cosechas.

Degustationsnotizen

Viña Sastre, Marcelina Gómez, Ribera del Duero DO, Cosecha, 2023 (Vino Rosado), 100 % Tempranillo.
Helles Erdbeerrot; recht säurebetonte Nase mit Duft nach Johannisbeeren, Kiwi und einem Anflug vn Himbeeren; kräftiger Körper für einen Rosé, schöne, aber nicht übertriebene Säure im Mund, ein wenig feines Tannin, langer, sehr fruchtbetonter Abgang, in welchem auch ein bisschen Hefeton mitschwingt. Süffiger, aber ernst zu nehmender Rosé mit Tiefgang, der kulinarisch fast umfassend einsetzbar ist. 16,5 Punkte (von einem, der mit Rosé sonst eher nicht so befreundet ist)!

Finca Rodma, Selección, Ribera del Duero DO, Cosecha, 2021
(100 % Tempranillo; vinifiziert mit Wildhefen, mit Kaltmazeration und 12 Monaten Ausbau in französischer [90%] und amerikanischer [10%] Eiche.)
Dunkles, fast undurchdringliches Purpur; balsamisch-würzig, dahinter schöne Frucht (Brombeer, Cassis und sehr reife, dunkle Kirschen); schöne, saftige Säure, frisch, sehr viele, aber auch ausserordentlich feine Tannine, dadurch adstringierend, aber nicht trocknend, von A-Z toller Trinkfluss, wuchtig, aber auch samtig, im langen Abgang sehr fruchtbetont. Toll. 18 Punkte.

Dominio de Cair, Cruz del Pendón, Ribera del Duero DO, Cosecha, 2022
(100 % Tempranillo; Reben aus den 1940er-Jahren; vinifiziert mit Kaltmazeration und ausgebaut in französicher Eiche [500 lt] in zweiter Belegung.)
Dunkles, dichtes Purpur; dunkle Frucht vorherrschend, aber auch hinterlegt mit roten und – nicht aufdringlich – exotischen Früchten, balsamische Töne; im Mund ungemein frisch und sehr „saftig“, sehr viel, aber feines Tannin, schön stützende Säure, kräftig und druckvoll, aber auch mit einer gewissen Eleganz. Langer, aktuell fruchttebonter (Brombeere) Abgang. Ich persönlich mag ihn in dieser Phase, man sollte ihm aber eigentlich noch Zeit lassen. Sehr schöner Wein mit viel Potential zur Reifung. 18,5 Punkte.

Links:

https://riberadelduero.es/la-do-ribera-del-duero

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Interessennachweis: Je eine Flasche der Weine wurde vom Informationsbüro Ribera del Duero zu Degustationszwecken zur Verfügung gestellt.

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