Ah – ça lui plaît. Grosse Weine von der Loire!

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Château de Villeneuve bei Saumur. Grossartige Loire-Weine! (Bild vl)

Es gibt Weingebiete, die ungerechterweise ein Schattendasein fristen. Dazu gehören leider die Rebbaugebiete der mittleren und unteren Loire. Dabei sind viele der hier produzierten Weine grossartig. Für meinen Geschmack gilt dies vor allem für Weissweine aus der Chénin Blanc-Traube. Auch diese ist absolut zu Unrecht verkannt und kann absolute Weltspitze sein. Mich erinnert sie in vielem an Riesling, schon im Geschmack, aber auch darin, dass sie trocken, mit dezenter Restsüsse und auch mit Edelsüsse wundervoll sein kann. Chardonnay hin, Sauvignon Blanc her, ich halte Riesling und Chénin Blanc für die tollsten weissen Rebsorten. Vielleicht muss ja die Chénin Blanc zuerst den Umweg über Südafrika, wo immer tollere Weine aus dieser Sorte gedeihen, nehmen, um in Europa ernst genommen zu werden?

Heute aber geht es um einen Rotwein, und hier ist an der Loire die Hauptsorte Cabernet. Aber eben nicht Cabernet-Sauvignon, sondern Cabernet Franc. Und auch diese Rebsorte hat es in sich. Auf guten Terroir gewachsen und sorgfältig gekeltert bringt sie charaktervolle, elegante und fruchtige Weine hervor, die in der Jugend fruchtig-erfrischend sind und im Alter wie Samt und Seide die Kehle herunterrinnen.

Ich erinnere mich an ein Nachtessen im „Bistrot de la Place“ in Saumur. Ich wählte einen 12-jährigen Saumur-Champigny und fragte beim Kellner bewusst nach, ob der Wein wirklich noch trinkbar sei. Und wie er trinkbar war! Voller Jugend, voller Finesse – ein Cabernet Franc vom Besten! Und meine Erfahrung inzwischen ist: Gute Cabernet Franc von der Loire muss man entweder jung trinken, dann machen sie mit viel Frucht und Frische Freude, oder dann erst wieder nach 8 und mehr Jahren. (Sofern sie dieses Potential haben, natürlich).

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Saumur an der Loire, Ausgangspunkt für Touren in der Appellation „Saumur Champigny“. (Bild vl)

Die besten Cabernet Franc stammen aus den beiden vergleichsweise bekannten Appellationen Chinon und Bourgeuil, eigentlich das gleiche Gebiet, nur das erste südlich, das zweite nördlich der Loire. Oder eben, Saumur-Champigny, rund um die Stadt Saumur gelegen und, vor allem in Sachen Rotwein, in einem unterschätzten Grossgebiet ein unterschätztes Teilgebiet.

Der Wein, von dem ich heute schreibe, ist der Saumur-Champigny von Château de Villeneuve, wenige Kilometer östlich von Saumur hoch über der Loire. Heute Abend geöffnet haben wir den „Vieilles Vignes“ 2009:

Dunkles, etwas gereiftes Rot, in der Nase ein Feuerwerk von Blaubeeren, Cassis, Nelken, Vanille und Oregano; im Mund noch gute Säure, extrem feine, zurückhaltende Tannine, elegant. Im Abgang interessanterweise im ersten Moment eher kurz, und dann plötzlich ganz weit hinten im Gaumen unendlich lang. Ein wunderbar gereifter, aber noch voll präsenter Wein. Grossartig!

Die Basisweine des Gutes sind übrigens allesamt auch empfehlenswert. Ein besonderer Tipp aber schon hier, obwohl ich auf weisse Loire-Weine sicher später noch zurückkomme: der weisse „les Cormiers“ des Schlosses ist grossartig und lohnt eine Entdeckung. Wie meinte die Seniorchefin des Schlosses, als ich ihn degustierte: „ah, ça lui plaît“. Ja, die alte Madame konnte mein Gesicht lesen.

http://www.chateau-de-villeneuve.com/le-chateau/fr

Bezugsquelle Schweiz:
www.divo.ch

Nachtrag: Zum Thema „running gag“: Ja, das Gut hat inzwischen auf Bio umgestellt!

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