„La Première“ von Carsten Saalwächter: Ein junger Mann macht Furore!

Der Mann ist noch keine 30 Jahre jung. Und wollte eigentlich gar nicht wirklich Winzer werden – bis ihn lange Degustationsabende als Praktikant bei Hanspeter und Edeltraud Ziereisen so faszinierten, dass es kein Halten mehr gab. Den Namen muss man sich merken, seine Weine sind offenbar schon jetzt genial – und auch schon gesucht. Ich habe bisher nur einen verkostet – und der hat mich fasziniert, wohl fast so, wie Saalwächter bei Ziereisens verzaubert wurde!

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Der Ausspruch stimmt wohl, aber es geht auch anders: Wer lange genug wartet, der hat es einfacher. Diese Aussage trifft nicht auf Carsten Saalwächter zu, aber auch mich. Ich hatte von Weinfreund Florian Bechtold
vgl. hier: Ausnahmewinzer Ziereisen: hier ruht nur der Wein! – Victor’s Weinblog
als „Beilage“ zu einer damals bestellten Weinlieferung eine Musterflasche von Saalwächters „Assmannshauser Spätburgunder La Première 2018“ erhalten. Der Wein hat mich total fasziniert, die Degunotiz war erstellt, mein Bildarchiv erfolgreich nach Assmannshausen durchforstet, und ein Text im Kopf bereit gelegt. Tja, und dann kommt Blogger- und Weinfreund Adrian van Velsen und schreibt soeben über den gleichen Wein! Zufall ist das natürlich nicht, wir waren zusammen mit Florian Bechtold bei Ziereisen, und auch er hat eine Musterflasche zur Weinbestellung dazu erhalten.

Ich kann es mir deshalb ziemlich einfach machen und bloss einen Link setzen (siehe unten). Dies um so mehr, als mir Adrian mit seinem Text so richtig aus dem Herzen spricht. Viel mehr gibt es zum Wein gar nicht mehr zu sagen. Wer spät kommt, den belohnt das Leben ….

Carsten Saalwächter (Bild ab Website des Gutes)

Kein verglimmendes Sternchen!
Trotzdem noch dies: Carsten gilt schon als „shooting star“ – bei Vinum war er „Entdeckung des Jahres“. „Shooting star“ steht für eine Person, die plötzlich Erfolge verzeichnet und Aufmerksamkeit geniesst. Der Begriff ist insofern für Carsten Saalwächter also richtig, denn er hat schon hohe Aufmerksamkeit und seine Weine sind bereits sehr gesucht. Dem Ausdruck hängt aber auch ein wenig das Kurzfristige, Vergängliche an. Die Mehrheit der Stars verblasst bekanntlich sehr schnell. Nach allem, was ich über Carsten Saalwächter gelesen (und dem wenigen, das ich getrunken habe) wage ich aber die Prognose, dass uns dieser Name in den kommenden Jahrzehnten als Leuchtstern der deutschen Weinwirtschaft begleiten wird. Dies um so mehr, als er sich einem naturnahen Weinbau verschrieben hat.
„Mehr davon“ überschrieb Adrian van Velsen seinen Blogbeitrag. Für Weinfreunde heisst das vor allem: Mehr davon im eigenen Keller!

Spitzenlage Höllenberg in der deutschen „Rotweinhauptstadt“ Assmannshausen im Rheingau. Das Weingut Saalwächter liegt zwar auf der anderen Rheinseite in Ingelheim und damit in Rheinhessen, verfügt aber auch hier über Reben – der La Première stammt aus hoch gelegenen Lagen in Assmannshausen. Und einer der absoluten Spitzenweine des Gutes gedeiht hier am abgebildeten Höllenberg.

Degustationsnotiz: Spätburgunder Assmannshausen La Première, 2018
Mittleres Purpur; Duft nach roten Johannisbeeren und Walderdbeeren, grüne Töne (Grüntee!), etwas Zitrus, etwas Kaffee. Im Mund spürbare, sehr feine Tannine, schöne, aber dezente Fruchtsüsse in sehr harmonischem Spiel mit einer guten Säure, saftig, langer Abgang. Vielschichtiger, toller Wein! 18 Punkte.

Adrian van Velsen hat recht: Technisch betrachtet gibt er dem La Première 89 Punkte, „gefühlt“ aber 93. Mich hat dieser Wein an einen Ausdruck erinnert, den ich in letzter Zeit immer wieder lese, mir aber eigentlich nichts darunter vorerstellen kann: „vibrierender Wein“! Tatsächlich hat der La Première so etwas Lebendiges, Unergründliches an sich. Vielleicht ist ja das „vibrieren“? Wie auch immer, ich bin hin und weg von diesem Wein! Mehr davon!

Hier geht es zum Blog von Adrian van Velsen, unbedingt lesenswert v.a. auch seine präzise Degunotiz:
https://vvwine.ch/2021/01/bitte-mehr-davon/

Hier die Website des Gutes:
Weingut Saalwächter – Weingut in Familientradition seit 1872 (saalwaechter.de)

Und hier ein Kontakt zu Florian Bechtold, grossartiger Kenner der „vibrierendsten“ 🙂 Weinadressen in Deutschland. Vielleicht hat er noch Saalwächter – und sonst sicher ganz viele Alternativen:
florian.bechtold@bechtold-partner.de


Toujours le Gamay! Château Thivin lässt das „jamais“ alt aussehen!

„Toujours“ reimt sich nicht, ich weiss. Aber „jamais“ sollte man beim Gamay in der heutigen Zeit nicht mehr sagen. Man würde Tolles verpassen! Das gilt ganz generell, gerade auch für viele Schweizer Weine. Aber heute ist die Rede von Château Thivin am Bouilly-Hügel, der schönsten Gegend im Beaujolais, dessen Weine jeden Gamay-Verachter zum Schweigen bringen müssen.

Im Jahr 1877 kauften Zaccharie und Marguerite Geoffray Château Thivin zusammen mit den damals 2 Hektar Reben gleich beim Gut. Seither entstand eine Familientradition, heute sind die fünfte und die sechste Generation am Werk – und wie! Die sechste Generation hat wichtige Verbindungen in die Schweiz. Claude-Eduard studierte zuerst in Beaune, beendete sein Studium aber schliesslich in Changins. Nebst Stages bei der Domaine Chaves in Mauves (Hermitage) und der Fromm Winery in Neuseeland sowie dem Geyerhof im Kremstal war er auch in der Schweiz tätig, so bei der Domaine La Colombe in Féchy und den Fils de Charles Favre in Sion. Und eben auch bei der Domaine Diroso von Hanspeter Baumann in Turtmann. Dessen Tochter Sonja ist heute Frau Geoffray und spielt auf Château Thivin eine wichtige Rolle im Rebberg, aber auch im Marketing und Verkauf. Auch sie studierte in Changins und weist – nebst vielen anderen – Erfahrungen in der Fromm Winery auf (in Neuseeland und Graubünden). Noch heute steht sie ihren Brüdern im Wallis, welche die Domaine Diroso nach naturnahen Grundsätzen führen, bei Bedarf beratend zur Seite.

Aber zurück ins Beaujolais: Auch auf Château Thivin arbeitet man sehr naturnah, ein Teil der Reben befindet sich in der Umstellung auf biologischen Rebbau (u.a. jene, die für den unten beschriebenen „les sept vignes“ verwendet werden) oder trägt schon das Bio-Label. Und auf einer Parzelle, sinnigerweise „Utopia“ genannt, baut man auch Piwi-Sorten an.

Alles Weitere kann auf der Website des Gutes nachgelesen werden. Besonders fasziniert hat mich die vorbildliche Information über Herkunft und Vinifikation jedes Weines, aber auch eine Lokalisation der Parzellen. So macht sich informieren Spass!
(Alle Angaben in diesem Beitrag, ausser den Degunotizen natürlich, sind auch ausschliesslich online recherchiert).

Vorbildliche Konsumenteninformation, hier als Beispiel zur Lage Godefroy, welche einen Teil der Trauben zur hervorragenden Cuvéee Zaccharie liefert. (Bilder ab Website des Gutes)

Château Thivin, Cuvée Zaccharie, Côte de Brouilly, 2018
Mittleres Rubin; verhaltener Duft nach Brombeer und Weichselkirsche, Rosenblüten, leicht spürbares neues Holz; im Mund enorm ausgewogen, Säure, Alkohol und Tannine in schönem Gleichgewicht (letztere mit ganz wenig grünem Touch), wunderbare Eleganz, vor allem im langen Abgang druckvoll. Toller Wein. Wer hier blind auf Gamay tippt, ist Klasse. Ich bin nicht einmal sicher, ob dieser Wein in einer Degustation von Gemeinde-Pinots aus der Côte d’Or auf- bzw. abfallen würde! Schöner, berührender Wein, der dem Gründer der Familiendynastie, Zaccharie, alle Ehre macht! 17,5 Punkte.
(Gleichberechtigung: Es gibt auch einen Weisswein – ein Chardonnay – der den Namen Marguerite trägt).

Château Thivin, Les sept vignes, Côte de Brouilly, 2019
Mittleres Rubin; fruchtige Aromen von roten und dunklen Früchten (Himbeer, Brombeer, schwarze Johannisbeeren), leicht pfeffrig; gute Säure, feines, aber eher zurückhaltendes Tannin, filigran, saftig und süffig, mitterer Abgang mit leichtem, schönem Bittertouch. Schöner, fröhlicher, aber doch gehaltvoller Gamay. 16 Punkte.

L’amour du vignoble et son terroir – Château Thivin (chateau-thivin.com)

Schweiz:
Kaufen Cuvée Zaccharie | Côte de Brouilly AOC – Château Thivin | 2018 | DIVO.

Deutschland, diverse, siehe:
https://www.chateau-thivin.com/point-vente/export.php