Wer Maremma hört, denkt automatisch an teure Weine mit Bordeaux-Blend. Ganz im Süden des Gebietes zeigt die Tenuta Monteti, dass es auch anders geht. Das Gut produziert grossartige Weine, die sich vom Rest völlig abheben. Eigenständig, mit viel Frische – und bezahlbar!
Kurzfassung für eilige Leserinnen und Leser
Die Tenuta Monteti wurde im Jahr 1998 von einem Ehepaar gegründet, das keinerlei Erfahrung im Weinbau hatte; man könnte es auch etwas verrückt nennen. Es befindet sich ganz im Süden der Maremma, wo zuvor fast kein Rebbau betrieben wurde.
Bereits bei der Sortenwahl setzte man nicht nur auf die üblichen Reben der Maremma, sondern vor allem auch auf Petit Verdot und Alicante Bouschet. Deshalb fallen die Weine des Gutes heute so eigenständig aus.
Dank grossem Einsatz und auch dank der Beratung durch Carlo Ferrini werden heute grosse, sehr frische und lagerfähige Weine produziert und zu Preisen angeboten, die noch bezahlbar sind. Degustationsnotizen siehe ganz unten.
Verrückt: Aus einem Ingenieur und Minister sowie einer Künstlerin wird ein Winzerpaar
Es gibt im Weinbusiness viele spezielle Storys, jene der Tenuta Monteti gehört zu den erzählenswertesten. Die Geschichte beginnt im Jahr 1998 mit der Gründung des Weingutes, die ein bisschen an Verrücktheit grenzte. Denn ganz im Süden der Maremma, nahe der mittelalterlichen Stadt Capalbio, gab es damals nur sehr wenig Weinbau und gerade mal eine lokale Genossenschaft. Und das Gut, auf dem die Tenuta Monteti entstehen sollte, lag in einem unerschlossenen Tal und wies ein baufälliges Haus auf. Was lag da näher, als das Gut zu kaufen und einen Weinbetrieb zu gründen, zumal das Paar, das sich an diese Aufgabe wagte, beruflich keine Ahnung von Weinbau hatte …
Paolo Baratta verfügt über Universitätsabschlüsse in Ingenieurwesen und in Wirtschaftswissenschaft (letzterer in Cambridge). Er war in drei Regierungen Italiens Minister, aber auch im kulturellen Leben aktiv, u.a. als Präsident der Biennale in Venedig. Kulturell tätig ist auch seine Ehefrau Gemma Bracco, welche italienische Literatur studierte und sich danach international einen Namen als Dichterin und Malerin machte.
Gute Beratung von Beginn an
Das kulturell-technisch-wirtschaftlich-politische Paar war indessen schlau genug, sich von Beginn weg die Dienste eines der bekanntesten italienischen Oenologen zu sichern: Carlo Ferrini. Und mit ihm zusammen analysierte man Böden und Klima und traf die nächste verrückt erscheinende Entscheidung. Man pflanzte gar keine Sangiovese und grenzte sich in der Sortenwahl auch von den bekannten Crus in der Maremma ab. Zwar wurden auch Cabernet Sauvignon und -Franc sowie Merlot gesetzt, dazu gesellen sich aber grosse Flächen an Petit Verdot sowie Alicante Bouschet und Mourvèdre! Es war auch nie das Ziel, Bordeaux oder den daran angelehnten Stil vieler Weine aus der Maremma nachzuahmen; vielmehr suchte man von Beginn an nach Eigenständigkeit, welche sich durch Frische, Mineralität und Eleganz statt reiner Kraft äusserte und äussert. Ebenso wurde von Anfang an darauf geachtet, dass das Holz dem Wein dient und nicht umgekehrt.
Erfolgreicher Quereinstieg wird zur Familientradition
Nicht weniger aussergewöhnlich ist der Werdegang des aktuellen Besitzerpaars von Monteti. Eva, die Tochter des Gründerpaars, engagierte sich zwar für das Gut an Veranstaltungen und Messen. Sie hatte aber Philosophie studiert und arbeitete in der Filmbranche. In Rom wollte es der Zufall, dass sie im gleichen Haus wohnte wie Javier Pedrazzini. Javier ist Argentinier und arbeitete als Diplomat in der Botschaft seines Heimatlandes. Die beiden verliebten sich, heirateten und verbrachten Jahre in Argentinien und England – wohin halt die diplomatische Karriere Javier verschlug. Im Jahr 2010 beschlossen die Beiden aber, ihre Tätigkeiten aufzugeben und die Tenuta Monteti zu führen.

Nur drei Weine – und was qualitativ nicht genügt, wird offen verkauft
Als die junge Generation die Leitung übernommen hatte, änderte sich … nichts! Man zählte weiter auf den Rat von Carlo Ferrini, pflanzte keine neuen Rebsorten und blieb beim Prinzip, nur zwei Weine anzubieten, was nichts anders bedeutet, als dass kein Basiswein im Sortiment ist, sondern, dass die Lots, die als qualitativ nicht ganz genügend angesehen werden, als Offenwein an Händler verkauft werden.
Die einzige Ausweitung betrifft den Rosé. Seit 2014 gibt es drei Weine des Gutes. Der Rosé wurde damit weit vor dem neuen Hype um diese Weine angeboten, und mit ihm war auch eine Lernphase verbunden. Für den ersten Jahrgang wurde ausschliesslich „Saignée-Saft“ verwendet. Eva und Javier merkten aber, dass damit nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft waren. Also presste man in den Folgejahren die Maische auch ab – bloss, um festzustellen, dass die zweite Pressung einen völlig anderen, weniger guten Wein ergibt als die erste. Die gefundene Lösung ist ganz banal: Man presst heute die Maische ab und beobachtet genau die Farbe des auslaufenden Saftes. Sobald diese intensiver wird, stellt man die Presse ab.
Klimawandel als Herausforderung
Auch bei den Rotweinen lernt man weiterhin dazu, was vor allem auch mit der Klimaerwärmung zu tun hat. Vorausschauend wurde schon bei der Gründung der Tenuta darauf geachtet, die verschiedenen Sorten in unterschiedlichen Plots zu setzen. Deshalb kann man auch je nach Jahr anders reagieren. Ganz spannend war, dass im mässigen Jahr 2014 Lagen perfekte Trauben lieferten, die in heissen Jahren eher mit unterdurchschnittlicher Qualität auffallen. Dank dieser Vielfalt hat man die Möglichkeit, irgendwo auf dem Gut immer sehr gutes Traubengut zu ernten.

Man erntet die gleiche Sorte je nach Lage nicht einfach nur zu unterschiedlichen Zeitpunkten, man vinifiziert und baut sie auch separat aus. Die für den Monteti in Frage kommenden Jungweine werden in bis zu rund 70 % neuen Barriques ausgebaut, wobei das Ziel weiterhin ist, dass das Holz nicht oder kaum spürbar sein soll, die Barrique soll keine Aromen bringen, sondern den Wein unterstüzten. Dank einer sehr engen Beziehung zur Tonnellerie in Frankreich bekommt man auch immer die passenden Hölzer mit der richtigen (augenscheinlich zurückhaltenden) Toastung.
Erst nach 14 (Caburnio) bzw. rund 22 Monaten (Monteti) in der Barrique folgt dann der definitive Blend. Bevor die besten Fässer für rund 6 Monate im Zementtank zusammengeführt werden und sich dort verbinden können, wird sehr ausgiebig degustiert und nach dem idealen Verhältnis der Rebsorten und auch der verwendeten Fässer gesucht. Auch heute noch gilt, dass die Weine, die als nicht genügend betrachtet werden, offen an Händler verkauft werden.
Geblieben ist auch die Tradition, dass die beiden Rotweine nach der Abfüllung noch rund zwei Jahre in der Flasche lagern. Aktuell liegen auf dem Gut die fertigen Jahrgänge 2020, 21 und 22. Der 2020 kommt eben erst in den Verkauf. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass die Weine harmonisch und in erster Trinkreife zum Konsumenten gelangen.
Lieber Caburnio oder Monteti? Beide!
Tatsächlich gelingt es der Crew der Tenuta, zwei sehr unterschiedliche Weine zu produzieren. Während der Monteti eher in Richtung „international“ geht und gemäss dem Besitzerehepaar „die Wälder und die Felsen“ darstellen soll, ist der Caburnio die mediterrane Variante und soll die Mittelmeer-Vegetation widerspiegeln.
Erreicht wird dieser unterschiedliche Weinstil insbesondere durch die Sortenwahl. Während der Monteti als Haupttraube die Petit Verdot enthält (je nach Jahr 40-60 %) und mit Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon ergänzt wird, ist beim Caburnio die Cabernet Sauvignon die Hauptsorte, ergänzt durch Alicante Bouschet und Merlot.
Sowohl mit der Petit Verdot als auch der Alicante Bouschet ging die Tenuta Monteti von Anfang an einen Sonderweg in der Maremma. Beide Sorten bewähren sich aber sehr. Die Petit Verdot ist spätreifend und bringt deshalb kaum je Überreife, reift aber – anders als oft in Bordeaux – doch genügend aus. Und die Alicante Bouschet ist im Rebbau eine sehr problemlose Sorte, die viel Säure und eher wenig Zucker liefert – wandelt sich allerdings zur Diva, kaum ist sie im Keller. Es braucht viel Erfahrung, um diese Weine nicht zu lange zu mazerieren und auch nicht zu viel neues Holz zu verwenden, auch wenn man angesichts der anfänglich gezeigten Kraft dazu neigen würde.
Vorteil durch Klimawandel? Gibt es schlicht nicht!
Die entsprechende Frage wurde von einem der Teilnehmer an der Degustation gestellt: „Gibt es denn nicht auch Vorteile durch den Klimawandel“? Die Antwort von Eva Baretta war glasklar: „Nein, ich sehe absolut keinen“! 2013 konnte letzmals erst im Oktober geerntet werden und die Lese zog sich über einen Monat hin. Heute muss alles viel schneller gehen, zu unreif oder überreif ist zuweilen die Frage eines einzigen Tages! Und 2016 war gemäss Eva der letzte „normale“ Jahrgang. Seither ist es entweder zu trocken, zu heiss oder auch mal zu nass. Und heftige Unwetter im Sommer, die man vorher nicht kannte, wurden schon fast zur Regel.
Immerhin ist das Weingut mit seinen rund 150 Hektar Fläche, wovon allerdings nur knapp 30 mit Reben bestockt sind, noch in einer vergleichweise guten Situation. Die abgeschiedene, komplett von Wald umgebene Lage und der Einfluss des nur acht Kilometer entfernten Meeres sorgen für ein vorteilhaftes Mikroklima. Die Sortenwahl wurde bereits erwähnt, und da bei der seinerzeitigen Bepflanzung schon darauf geachtet wurde, welche Böden für welche Sorte am besten geeignet sind, profitiert man heute auch davon.
Endlich wieder einmal eine Online-Degustation!

Die Degustation der Weine von Monteti fand online statt, d.h. die acht Weine wurden vorgängig zugestellt, und alle Teilnehmenden wurden dann zur Probe online zugeschaltet. Dieses Modell wurde während der Coronazeit erfunden, ist aber inzwischen schon wieder weitgehend verschwunden. Für mich ist das unverständlich, denn das Online-Format hat grosse Vorteile. Die Degustatorinnen und Degustatoren müssen nicht irgendwohin anreisen und können zudem die Weine später nochmals in aller Ruhe nachdegustieren (und geniessen!), auch die Winzerinnen und Winzer müssen nicht reisen und das Ganze ist sicher nicht teurer, als wenn irgendwo ein Lokal gemietet werden muss. Bitte mehr davon!
Eigenständig und hervorragend
Und nun, vor den Degustationsnotizen, noch ein paar Worte zu den Weinen. Tatsächlich gelingt es Eva und Yavier, völlig eigenständige und auch unterschiedliche Tropfen zu produzieren. Allen Weinen eigen ist eine enorme Frische, und beiden Roten augenscheinlich auch eine sehr gute Lagerfähigkeit. Es wurden Weine bis zurück ins Jahr 2011 gezeigt, und alle waren noch voll in Form. Besonders verdienstvoll ist, dass man uns auch den Caburnio aus dem Jahr 2014 gereicht hat, einem sehr schwierigen Jahr – und auch dieser zeigte sich noch sehr genussvoll, auch wenn ich ihn persönlich lieber jünger getrunken hätte.
Ein besuchbares Weingut – und der Fantasiegarten der Niki de Saint Phalle ganz in der Nähe

Das Weingut befindet sich in der Maremma, aber ganz im Süden, direkt an der Grenze zum Latium, wo durchschnittliche Touristen eher weniger hinkommen. Die Tenuta Monteti kann man indessen besuchen und sogar hier übernachten (vgl. Website), und das Städtchen Capalbio ist ebenfalls mindestens einen Abstecher wert. Und ein Geheimtipp für Fans moderner Kunst: Bei Capalbio befindet sich auch der „Giardino dei Tarocchi“, der von Niki de Saint Phalle entworfen und gemeinsam mit Jean Tinguely realisiert wurde. Dieser „Phantasiegarten“ ist im Sommerhalbjahr geöffnet – die Gestaltung ist inspiriert vom Park Güell von Gaudi in Barcelona, aber auch von Friedensreich Hundertwasser.
Vernünftige Preise
Wer nicht so weit reisen mag oder kann und die Weine von Monteti im Mitteleuropa sucht, wird per Onlinesuche schnell fündig. Es lohnt sich aber, die Preise zu vergleichen. In der Schweiz liegen sie für den Rosé um CHF 17.00, den Caburnio 2019 um CHF 19.00 und den Monteti 2019 bei rund CHF 40.00, was angesichts der Qualität als sehr vernünftig bezeichnet werden kann. Noch nicht im Angebot ist der Jahrgang 2020, der mich sehr überzeugt hat. Der Caburnio ist vom Weingut aber schon auf den Markt gebracht worden, der Monteti folgt demnächst.
Degustationsnotizen:

TM Rosé 2024
Helles Altrosa; eher zurückhaltend, aber sehr fein in der Nase, dezenter Duft nach Melone und Zitrus, auch etwas florale Töne; im Mund ungemein frisch, etwas Mineralik, knackige, saftige und gut eingebundene Säure, dichter Körper, langer Abgang. Sehr erfrischend aber auch mit Klasse. Ein Rosé, mit dem man neue Rosé-Fans gewinnen kann. 16 Punkte.
Caburnio 2014
Recht dunkles Purpur mit nur wenig Alterstönen; Duft nach dunklen Früchten wie Brombeere und Pflaume, im Mund elegant, frisch, recht prägnante, saftige Säure, recht viel Tannin, das ganz leicht grünliche Noten aufweist, aber nicht trocknend wirkt, eher schlank mit mittlerem Abgang. Hat sich sehr gut gehalten! 16,5 Punkte.
Cabrunio 2017
Mittleres bis dunkles Purpur; Duft nach schwarzen Kirschen, sehr reifer Boskoop-Apfel, auch würzige Töne; im Mund sehr frisch, schöne, stützende Säure, viel feines Tannin, sehr elegant, im langen Abgang mit fruchtigen Tönen. 17 Punkte.
Caburnio 2020
Mittleres bis dunkles Rot mit etwas violettem Touch; etwas verhaltene, aber sehr vielschichtige Nase (dunkle Früchte, Garrique, etwas Leder), erinnert an einen Wein aus der südlichen Rhone; im Mund ausgesprochene Frische, sehr elegant, dabei aber auch druckvoll und „feurig“ (nicht alkoholisch!), saftige Säure und sehr feine Tannine, mittlerer Abgang. Sehr gelungen! 17,5 Punkte.
Monteti 2011
Dunkles, fast undruchdringliches Rot; angeschnittener Boskoop, dazu dunkle Frucht und etwas Nelken; im Mund mit viel Tannin, das etwas trocknet, sehr kraftvoll, gut stützende Säure, sehr langer Abgang. Der Wein ist noch voll in Form, allerdings merkt man ihm das Alter aufgrund einer marginal oxydativen Note schon etwas an. 16,5 Punkte.
Monteti 2013
Eher dunkles Purpur mit minimen Brauntönen; zuerst leicht reduktiv, mit etwas Luft mit viel dunkler Frucht, etwas Tabak und Leder, auch würzige Töne; im Mund mit enormer Frische, sehr dicht, fast zum „Abbeissen“, breit ausladende, dunkle Frucht, recht strenge Tannine, die aber gut eingebunden sind, angepasste Säure, kraftvoll, aber auch mit einer eleganten Seite, enorm langer Abgang. 17,5 Punkte.
Monteti 2016
Mittleres bis dunkles Purpur; viel und relativ üppige schwarze Frucht, leichter Anflug von Vanille, etwas Boskoop-Apfel, auch würzige Töne; im Mund frisch, fruchtig, saftig, mit viel feinem Tannin und schöner Säure, langer Abgang. Hält sich noch lange, ist jetzt aber grossartig zu trinken. 18 Punkte.
Monteti 2020
Dunkles, glänzendes Purpur; sehr feingliedrige Nase mit Frucht (sowohl dunkel nach Jostabeere und Kirsche als auch rot nach Johannisbeere), Thymian und etwas Vanille; im Mund äusserst kraftvoll, dabei aber auch voller Eleganz, enorme Frische, viel feines Tannin, mittlere Säure, fast nicht endender Abgang. Klasse! 18,5 Punkte.
Links
Tenuta Monteti | Capalbio Tuscany
Bezugsquellen CH (u.a.):
https://www.archetti.ch/produzent/monteti
Tenuta Monteti
Interessennachweis:
Die Weine wurden vom Weingut für die Onlinedegustation zur Verfügung gestellt.