Hermitage Les Miaux von Ferraton Père et Fils. Biodynamie vom Feinsten!

Gute Syrah von der nördlichen Rhône sind unbezahlbar? Meistens, aber hin und wieder findet man noch eine etwas weniger teure Stecknadel im Weinfass. Man muss einfach den Mut haben, ein noch nicht ganz so bekanntes Gut zu testen – und vor allem einen Jahrgang zu wählen, dem ein schlechtes Image anhaftet.

Das nördliche Rhônetal in Frankreich ist mit höchster Wahrscheinlichkeit die Wiege der Rebsorte Syrah, welche hier aus einer Kreuzung von Mondeuse Blanche und Dureza entstand (Quelle: Wikipedia). Noch vor wenigen Jahrzehnten gab es ziemlich abenteuerliche Vermutungen, so etwa, sie stamme aus Persien, genauer aus Schiras.

Hermitage: Teure bis unbezahlbare Grossartigkeit!

Obwohl die Syrah inzwischen weltweit verbreitet ist, kommen (von wenigen australischen Ikonen abgesehen) die teuersten und auch besten Weine weiterhin aus den Rhône-Appellationen Hermitage, Côte Rôtie und Cornas. Und hier einen sehr guten und gleichzeitig noch bezahlbaren Wein zu finden, ist inzwischen sehr schwierig geworden. Die Spitzenweine kosten schnell mehrere hundert Euro bzw. Franken.

Mir persönlich sind diese Syrahs von Chave (wenn man denn überhaupt eine Flasche ergattern kann; ich meine die Domaine-Weine), Chapoutier, Jaboulet Aîné, Guigal oder Tardieu ganz einfach zu teuer geworden. Allerdings war meine Suche nach Alternativen bisher auch nicht gerade von viel Erfolg gekrönt, obwohl ich auf gut Glück immer mal wieder einige Einzelflaschen unbekannterer Winzer gekauft habe. Es wäre zur Recherche wohl endlich wieder einmal eine Reise in die Region angesagt!

Blick von Tournon über die Rhône auf den Hermitage-Hügel (Foto aus 1991)

Kleiner Jahrgang, keine Einzellage, sehr guter Produzent – grosser Wein!

Nun freilich bin ich auf einen Wein gestossen, der gerade noch knapp bezahlbar ist und der mich absolut begeistert hat: Ein Hermitage les Miaux 2021 von Ferraton Père et Fils. Dieser Wein enthält Trauben aus den Lagen Les Dionnieres und Le Méal (Quelle: ferraton.fr), darf aber nicht mit dem teureren Ermitage (kein Scheibfehler!) Le Méal aus der „Parcellaire-Linie“ des gleichen Hauses verwechselt werden. Der Miaux ist, wohl auch jahrgangsbedingt, kein typischer Hermitage, eher würde man ihn als Côte Rôtie durchgehen lassen. Er ist eher filigran, elegant, hat aber eine Fruchtigkeit, Reintönigkeit und dahinter auch eine verborgene Kraft; für mich ist das ein grosser Wein!

1991 war ich bei Michel Ferraton, dem damaligen Besitzer, zu Besuch. Er war gerade etwas niedergeschlagen, hatte es doch ein paar Tage zuvor ein Jungspund namens Bettane (gleichen Vornamens wie Ferraton) gewagt, die Weine des Gutes schlecht zu bewerten. Für mich waren die Weine schon zu jener Zeit durchaus gut, wobei – von der Spitze abgesehen – damals die qualitative Latte auch noch nicht so hoch lag.

Die zweite biodynamische Erfolgsstory des Michel Chapoutier!

Inzwischen ist viel passiert mit dem Unternehmen, welches 1946 mit gerade mal 0,3 Hektar Reben gegründet worden war. 1998 war schon wieder ein Michel im Spiel: Michel Chapoutier, welcher das tradtionsreiche Unternehmen Chapoutier seit 1990 leitet und inzwischen an die absolute Spitze gebracht hat, ging mit Ferraton eine Zusammenarbeit ein. Als logische Konsequenz wurden auch die Reben von Ferraton Père et Fils auf biodynamischen Rebbau umgestellt. Im Jahr 2004 ging schliesslich der ganze Betrieb in den Besitz von Chapoutier über (Quelle: Revue du Vin de France). Er wird aber weiterhin als eigenständiges Unternehmen mit eigenen Kellerräumen geführt. Verantwortlich ist Damien Brisset, der sich zuvor seine Sporen auf den Châteaux Cheval Blanc und Latour abverdient hatte.

Heute besitzt das Gut in Hermitage, Crozes-Hermitage und St.-Joseph zusammen rund 20 Hektar Reben, die mit nur drei Sorten bestockt sind: Syrah für die Roten, Marsanne und ein wenig Roussanne für die Weissen. Im Angebot sind aber auch Weine aus anderen Appellationen der Rhône. Ferraton ist damit inzwischen nicht nur ein grosser Betrieb geworden, sondern auch ein qualitativ sehr bemerkenswerter Anbieter, der nun übrigens auch von Bettane geschätzt wird.

Degustationsnotiz:

Hermitage AOP, Les Miaux, 2021, Ferraton Père et Fils
Mittleres Rot; enorm reintönige, vielschichtige, intensive aber nicht aufdringliche Fruchtigkeit, dunkle Töne nach Pflaume und Heidelbeeren, aber in der Tendenz eher mehr rote Fruchtdüfe nach Johannisbeeren und Walderdbeeren, daneben auch würzige Anflüge; im Mund von enormer Frische bei eher mittlerer Säure, sehr feine Tannine, die fast wie Seide wirken, sehr elegant, wirkt im Antrunk filigran, wandelt sich dann aber im Mund und vor allem im langen Abgang zu einem Wein, der auch Kraft entwickelt. Ich mag diesen Wein, und jeder Schluck verlangt nach dem nächsten – nur die Vernunft hat mich davon abgehalten, die ganze Flasche auszutrinken. 18 Punkte.

Den beschriebenen Wein gibt es aktuell in der Schweiz bei Gerstl in Aktion für CHF 44.50. Das ist immer noch viel Geld, aber für einen Hermitage dieser Klasse dann eben doch wieder „preiswert“. Ich kenne die Gründe für diese Aktion nicht, aber vielleicht ist das Unternehmen Ferraton Père et Fils hierzulande halt doch noch zu wenig bekannt? Vor allem aber nehme ich an, dass es auch am nicht sehr hoch gelobten Jahrgang 2021 liegt – womit aber nur wieder einmal bewiesen wäre, dass zu einem totalen Trinkvergnügen nicht immer die grossen Jahrgänge notwendig sind!

Links:

Ferraton wines Hermitage Saint-Joseph Crozes Hermitage biodynamics

Bezugsquelle CH:
https://www.gerstl.ch/2021-ferraton-pere-fils-hermitage-aoc-fra-260563-2021/p


Interessennachweis:
Der Wein wurde im Weinhandel käuflich erworben.

2 Gedanken zu “Hermitage Les Miaux von Ferraton Père et Fils. Biodynamie vom Feinsten!

  1. Walter Meier

    Wenn einem ein Wein doch so mundet, sollte man die Vernunft beiseite lassen und die ganze Flasche geniessen.
    Ich finde rund CHF 45.— für einen Wein, dem Max Gerstl sicher mindestens 19/20 gibt, nicht viel Geld, sondern sicher angemessen.

    1. Na ja, meine Frau trank nicht mit, und dann ist mir eine Flasche allein wirklich zu viel. Und zum Preis: Aus einer Steillage wie in Hermitage mit geringem Ertrag ist das sicher „angemessen“. Umgekehrt gibt es Berechnungen, dass (fast) kein Wein dieser Welt in der Herstellung mehr als CHF 40.00 kostet. Und meine diesbezügliche Bemerkung brachte ich auch deshalb an, weil ich festegestellt habe, dass viele meiner Leser Weine in dieser Preiskategorie nicht kaufen wollen oder können. Meine persönliche Schmerzgrenze liegt auch etwa in dieser Grössenordnung, wobei mich ein genialer Wein diese Schmerzgrenze zuweilen durchaus überschreiten lässt …

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