„Bleibt minutenlang im Gaumen und ewig im Gedächtnis – ein Gänsehautmoment“. 10 hoch 4 von Ziereisen – ein Gutedel!

Der Titel ist bei Vinum geklaut, wo der Jaspis Gutedel 104 beschrieben wird, welcher in der Weinzeitschrift im Jahr 2024 den ersten Platz der Top-100-Weissweine Deutschlands belegte! Ein Gutedel als bester Weisswein Deutschlands – eine Sensation! Ich habe kürzlich den 2017er genossen, und schöner als Vinum kann man dieses Weinerlebnis nicht beschreiben! Leider ist der Wein auch teuer – aber für alle, die den Beitrag bis zum Schluss lesen, habe ich auch noch Tipps für sehr gute und preiswerte Weine aus der gleichen Sorte bereit.

Die Reben über Efringen-Kirchen, an der „Burgunderpforte“ Deutschlands, und mit ähnlichen Böden wie das Burgund gesegnet.

Ziereisen – bescheidener, bodenständiger Wein-Magier.

Ziereisen! Das ist der Name des Wein-Zauberers, der hinter dem hoch dekorierten Wein steht. Für Kenner ist es deshalb eigentlich keine Sensation, sondern einfach eine Bestätigung. Ich hatte das Privileg, das Weingut im Corona-Jahr 2020 einen Tag (und eine halbe Nacht) lang besuchen und sämtliche Weine degustieren zu dürfen. Deshalb war auch für mich der Vinum-Titel des besten deutschen Weissweins im Jahr 2024 absolut keine Überraschung. Der Vinum-Ritterschlag betrifft den Jaspis 104 aus dem Jahr 2021, ein Gutedel/Chasselas! Ich konnte damals auf dem Gut in Efringen-Kirchen im Markgräflerland, etwa 15 Kilometer nördlich von Basel, den Jahrgang 2017 verkosten und war hin und weg. Wer mehr über die Familie Ziereisen lesen will, hier der Link auf meinen damaligen Artikel:

Ausnahmewinzer Ziereisen: hier ruht nur der Wein! – Victor’s Weinblog

Absolut positive und liebenswürdige Charaktermenschen: Edel(traud) beim Erklären in den Reben und Hanspeter im Hof des Gutes, am Samstagabend spät direkt zurückgekommen vom Reparieren einer Maschine.

Ein Sicherheitsfanatiker könnte nie einen solchen Wein kreieren!

Was wie Zauberei erscheint, hat beim Phänomen Ziereisen ganz handfeste Hintergründe. Die Gutedel stehen auf Kalkböden und sind sehr alt (teils 1968, teils 2006 gepflanzt). Vor allem aber stehen die Reben mit rund 10’000 Stöcken pro Hektar sehr dicht. Der Wein wird spontan vergoren und bleibt etwas an der Maische, der Ausbau erfolgt für rund 1 1/2 Jahre auf der Hefe im 600-Liter-Holzfass. Abgefüllt wird ungeschönt und unfiltriert. Und was sich nun für Sicherheitsfanatiker wie ein Rezept für einen fehlerhaften Wein liest, ergibt bei Ziereisen einen Weltklassewein mit „Gäsehautmoment“!

Ich war seinerzeit so begeistert, dass ich gegen alle meine Vorsätze verstiess und von diesem für meine Begriffe sündhaft teuren Wein (der aktuelle Jahrgang liegt bei ca. Euro 130.00) gleich sechs Flaschen gekauft habe.

Holz soweit das Auge reicht – aber eben nicht nur neu und auch grosse Fässer. Der Keller von Ziereisen, klar und eigenständig wie die Weine des Gutes.

Fünf Jahre später: lebendig, frisch, eindrücklich, faszinierend. Und für ewig im Gedächtnis!

Nun habe ich, fast fünf Jahre später, die erste Flasche geöffnet, ein bisschen skeptisch, ob sich der Wein wirklich so entwickelt habe, wie ich damals annahm. Aber nichts da, dieser unglaubliche Wow-Effekt war sofort wieder da! Der inzwischen immerhin acht Jahre alte Wein ist noch frisch und voller Kraft, als wäre er eben erst abgefüllt worden. Faszinierend!

Degustationsnotizen zum Jaspis Gutedel 104 des Jahrgangs 2017 von Ziereisen

Mai 2025, zuhause:
Helles Gelb; sehr feine, vielschichtige Frucht (ganzes Spektrum von hellem Steinobst und etwas Zitrus), mineralische Komponente, dazu sehr dezenter Holzton; im Mund vom Antrunk bis zum Abgang umwerfend, mundfüllend, straffe, aber sehr schöne Säure, enorme Frische, mineralisch, schön fruchtig, fast unendlicher, „feuriger“ aber keinesfalls alkoholischer Abgang. Grandios! 19 Punkte.

August 2020, auf dem Gut:
Unglaublich feine Nase, intensiv aber dabei sehr nobel, feine, helle Frucht; im Mund eher filigran und elegant, aber gleichzeitig mit sehr viel Druck, schöne Säure, enorme Länge. Extrem schöner Wein! 19 Punkte.

Wenn sie bei Vinum emotional werden:

Vinum schreibt, siehe Titel des Beitrags, zum Jahrgang 2021 „was für ein Gänsehautmoment“ und „bleibt minutenlang am Gaumen und ewig im Gedächtnis“.

Dem ist nichts beizufügen – ausser vielleicht: Der 2017 hat nur 12 % Alkohol! Und: Wer diesen Wein nicht kennt, wird niemals auf Gutedel tippen und ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit ins Burgund verorten, und zwar in ein sehr gehobenes Segment.

Andere Gutedel aus Südwestdeutschland: Viel Wein für wenig Geld!

Auch hier zuerst: Ziereisen!

Wer nicht so viel Geld ausgeben kann oder will, der wird bei Ziereisen’s trotzdem fündig. Schon der Basiswein „Heugumber“ ist stilistisch durchaus mit dem Jaspis 104 verwandt und für rund 10 Euro schlicht ein Schnäppchen (vielleicht ist es der Wein mit dem besten „Preis/Parker-Verhältnis“, der 2022er erhielt nämlich 90 Punkte – ich habe dem anfangs etwas reduktiven 2017er damals 15,5/87 Punkte vergeben).

Abendstimmung in den Reben von Efringen-Kirchen mit Blick rheinaufwärts nach Basel.

Und in Sachen Preis-/Leistung mit knapp über 20 Euro ebenfalls herausragend, ja fast unschlagbar, ist der Premium-Gutedel ST (früher Steinkrügle und noch früher Steingrüble – die Namensänderungen haben nur bürokratische Gründe). Auch in ihm findet sich der gleiche Weinstil, verglichen mit dem Basiswein einfach mit mehr Fülle und Kraft. Den 2017er habe ich damals mit 17,5/93 Punkten versehen.

Aber auch andere Erzeuger aus dieser Ecke Deutschlands produzieren tolle Gutedel zu spannenden Preisen:

Chasselas von Maxmilian Greiner

Etwa der Chasselas von Greiner. Chasselas, die Westschweizer Bezeichnung für Gutedel, ausgerechnet! Ausgerechnet deshalb, weil der Weinstil so gar nicht in die Schweiz passt, sondern sich eher an Ziereisen orientiert. Ein toller Wein für rund 11 Euro, dem ich in einem früheren Jahrgang 16,5 Punkte vergeben habe.
Maximilian Greiner – wer sich diesen Namen nicht merkt, ist selber schuld! – Victor’s Weinblog

(Interessanterweise heisst der gehobenere Wein „Steinkreuz“ aus dieser Sorte bei Greiner dann Gutedel!

Und der Gutedel von Wassmer, der durchaus auch Chasselas heissen könnte:

Gutedel 2023 Fritz Wassmer
Helles Gelb; viel Apfel (sowohl grünlich wie auch Boskoop-artig), Anflug von Zitrus, dazu leichter Nusston; im Mund ausgewogen, mittlere, sehr saftige Säure, die leichte Restsüsse lässt ihn stoffiger wirken als er ist, mittlerer, fruchtiger Abgang. Schöner Gutedel, im Stil ziemlich nahe bei einem Wein aus dem Lavaux. 15,5 Punkte. Für rund 8 Euro ein Schnäppchen.

Links:
https://weingut-ziereisen.de/
Weingut GREINER
https://www.weingutfritzwassmer.de/

Bezugsquellen in CH (für D primär Weingut selbst, aber auch diverse Händler)
Ziereisen:
https://ullrich.ch/de/produzenten-p/ziereisen/
oder hier bei Philipp Uehlinger, da gibt es vom 2018er 104 noch genau eine Flasche:
Ziereisen Jaspis Gutedel Alte Reben 10 hoch 4 – 2018

Greiner, nach meiner Suche, wieder ohne Vertretung in der Schweiz.

Fritz Wassmer:
Fritz Wassmer – VINOTTI


Interessennachweis:
Alle beschriebenen Weine wurden beim Winzer oder im Weinhandel käuflich erworben.

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