Tement macht „Terroir“ spürbar: drei Mal gleich, drei Mal ganz anders!

Welcher Winzer wirbt nicht damit, „Terroirweine“ anzubieten? Nur zu oft freilich ist das vor allem eine Marktingmassnahme. Tement aus Berghausen in der Südsteiermark hingegen lebt es und macht das auch direkt erlebbar. Ein spannendes Probierpaket!

Mit einem Paket von drei Sauvignon blancs aus verschiedenen Orten mit jeweils sehr variierenden Böden bietet sich die Chance, Weine mit der gleichen Tement-Handschrift, aber mit den unterschiedlichen Charakteren ihrer Herkunft nebeneinander zu probieren. Schmeckt Wein vom Schiefer wirklich anders als solcher vom Korallenkalk oder vom Sandstein? Ja, und wie! Wer immer noch glaubt, dass Wein im Keller gemacht wird, kann sich mit drei preiswerten, aber feinen Flaschen eines Besseren belehren lassen. Und für alle anderen lohnt sich der Vergleich natürlich erst recht!

Kitzeck-Sausal 2018 (Ortswein, Schiefergestein)
Mittleres Gelb; in der Nase mineralisch nach Steinmehl duftend, dazu verhaltene Frucht von Quitte und Mirabelle; im Mund eher schlank, sehr mineralisch, schön eingebundene Säure, kaum spürbarer Alkohol, erstaunlich langer Abgang. Der „ausgewogenste“ Wein der Drei.

Ehrenhausen 2018 (Ortswein, Korallenkalk)
Eher helles Gelb; verhalten, Steinmehl, grüner Apfel, Orange; ausgeprägte aber nicht störende Säure, knochentrocken, aber mit spürbarer Frucht“süsse“, filigran und fein gewoben, leichter mineralischer Touch, langer Abgang. Der „knackigste“ und eleganteste aus dem Trio.

Gamlitz 2018 (Ortswein, Sandstein)
Mittleres Gelb; mineralische Düfte, erinnert fast ein wenig an die vulkanischen, leicht schwefligen (hier nicht negativ gemeint) Düfte auf der Insel Vulcano, verhaltender Duft von Aprikose; im Mund recht üppig, trocken, sehr ausgewogen mit guter Balance zwischen Säure und Alkohol, mittlerer Abgang. Vielleicht der spannendste Wein von allen – aber auch der rustikalste.

Es handelt sich um drei sehr interessante Weine, die sich hervorragend dazu eignen, den Unterschied von Lagen und Böden zu demonstrieren. Sie stellen aber freilich noch längst nicht die Spitze des südsteirischen Weinbaus dar. Da spielt, nebst einigen anderen, auch Tement mit seinen „Rieden“ – Spitzenlagen wie Zieregg, Grassnitzberg und Sulz – in der ersten Liga. Und das weltweit.

Dreimal mineralisches Terroir pur!

Obwohl es sich „nur“ um Ortsweine, und damit die zweite Stufe in der Qualitätspyramide der Südsteiermark handelt, sind die drei hier vorgestellten Sauvignons aber auch weit mehr als einfache Weine. Mit ihrer eigenständigen, mineralischen Art können sie durchaus höhere Ansprüche erfüllen. Nur nicht solche von Sauvignon-Trinkern, die nach üppiger, exotischer Frucht suchen. Da sind denn die Weine von Tement (wie fast alle aus der Steiermark) doch aus besserem Holz geschnitzt.

Und so ganz nebenbei: Es verblieb noch ziemlich viel Wein in den Flaschen, den ich später immer mal wieder probierte. Nach einer Woche, ja nach 10 Tagen präsentierten sich alle drei Sauvignons noch in bester Form und absoluter Frische. Und selbst nach 2 Wochen war der kleine Rest Gamlitz noch trinkbar, er hatte nur etwas Spannung verloren.

Und nicht ganz nebenbei: Tement arbeitet seit längerer Zeit biologisch, seit 2018 auch zertifiziert. Ein Beispiel mehr dafür, dass die Produktion von Spitzenweinen und Bio sich nicht ausschliessen, sondern sich im Gegenteil wohl gar bedingen!

https://www.tement.at/de/weinshop/ortsweinpaket-sauvignon-blanc-klein-3x075lt.html
(Dieses Angebot betrifft den Jahrgang 2019, oben beschrieben sind die 2018er)

Ein Wein wie Quellwasser!

Würden Sie einen Wein kaufen, von dem der Weinhändler schreibt „glasklar und frisch am Gaumen – wie Quellwasser“? Predigt hier etwa jemand Wein und dreht Ihnen dabei Wasser an? Oder zumindest ein dünnes Wässerchen?

Ich habe den entsprechenden Sauvignon blanc im Verkaufslokal degustiert und war tatsächlich beim Schnuppern eher enttäuscht: sehr verhalten und fast keine Fruchtaromen, nicht gerade das, was man von einem Sauvignon erwarten würde! Aber dann im Mund: wie ein Schluck bestes frisches Quellwasser aus den Alpen! Wobei dieses „Wasser“ von wundervollen, wenn auch dezenten Aromen unterlegt, enorm mineralisch und im Abgang dann entgegen aller Erwartung sehr lang war!

Auch wenn es mir natürlich niemand glaubt: Ich hatte die Weinbeschreibung zuvor nicht gelesen, dieser Eindruck von Quellwasser, den ich noch nie zuvor in einem Wein gefunden hatte, war einfach unwiderstehlich klar da! Und das Aha-Erlebnis beim späteren Lesen der Verkaufsbroschüre genauso.

Beim Weinhändler, der es wagte, den Wein so zu beschreiben, handelt es sich um den ersten Schweizer Master of Wine, Philipp Schwander. Und beim Sauvignon blanc um den 2016er der Domaine Ciringa – ein Wein aus Slowenien. Bekannter ist der Produzent des Weines, das Weingut Tement aus der Steiermark. Der Ciringa wächst halt einfach knapp ennet der Landesgrenze.

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Die Lage Ciringa und ein Fossil von dem Ort (Bilder: Pressedoku Weingut Tement)

Mein erstes Erlebnis mit einem Tement-Wein liegt viele Jahre zurück. Ich hatte damals keine Ahnung von steirischen Weinen, aber als ich einen von Tement auf einer Weinkarte fand, wusste ich immerhin, dass „Morillon“ der örtliche Ausdruck für Chardonnay ist. Der Wein, schon 8-jährig, war überwältigend! Seither fasziniert mich die Steiermark, und es gibt eine ganze Reihe von hervorragenden Produzenten, wobei Tement sicher der bekannteste geblieben ist. Total spannend, auch als Mensch, finde ich den Charaktertypen Ewald Zweytick, aber auch das wird dereinst eine eigene Geschichte.

Zurück zum quellwasserfrischen Sauvignon blanc der Domaine Ciringa: So etwas Aussergewöhnliches! Ich liebe diesen Wein! Es ist vielleicht eher eine Liebe auf den zweiten Blick, denn wer Sauvignon blanc vor Augen hat, erwartet nicht einen so zurückhaltenden Wein. Aber gerade das macht die Faszination aus: die dezenten, aber noblen Noten in Nase und Mund, verbunden mit einer selten gesehenen Mineralik und dem „Fehlen“ jeglicher Restsüsse! Ein Wein auch, der nie langweilig wird und von dem man auch nach dem Essen immer wieder nachschenkt! Klasse – wie Quellwasser eben.

Und unter uns: Noch viel besser als Quellwasser!

https://www.selection-schwander.ch/online-shop/weine-aus-ungarn-bulgarien-slovenien/domaine-ciringa-sauvignon-blanc-weiss-2016.html