Mathias Jalits, Eisenberg: Blaufränkisch vom Feinsten!

Eisenberg, dieses kleine und unbekannte Weinbaugebiet im südlichen Burgenland, hält noch manche Entdeckung bereit. Die Sorte Blaufränkisch fühlt sich hier besonders wohl und bringt Spitzenweine.

Der Eisenberg, schöne Landschaft, tolle Weine! (Bild: EisenbergDAC ┬® Manfred Klimek)

Viele meiner Blog-Beiträge trage ich jeweils schon jahre- oder monatelang im Kopf mit herum, etwa weil ich einen Wein oder Winzer schon lange schätze oder endlich genauer kennenlernen wollte. Weil ich in Sachen Wein sehr neugierig bin, versuche ich aber auch immer, Neues zu entdecken, am liebsten aus unbekannten Gebieten und Sorten – oder von aufstrebenden Winzerinnen und Winzern. Wahrscheinlich seufzen einige Weinhändler zuweilen über mich, weil ich oft einfach Einzelflaschen bestelle. Der einfachste Weg zu Entdeckungen sind aber natürlich Degustationen, und auf eine solche geht mein heutiger Beitrag zurück. Ich hatte kürzlich schon darüber, bzw. über die DAC Eisenberg geschrieben:
https://victorswein.blog/2020/01/18/blaufrankisch-aus-eisenberg-zur-entdeckung-warmstens-empfohlen/
Von einem Schweizer Importeur, Daniel Ruoss von „Weinzeit“, erhielt ich einen Dank per Mail, mit der augenzwinkernen Bemerkung, ich hätte aber in meiner Aufzählung empfehlenswerter Güter jenes von Mathias Jalits vergessen. Diese Reaktion veranlasste mich, einen Querschnitt durch das Sortiment von Jalits zu kaufen und zu probieren. Denn vergessen hatte ich das Gut nicht, in der „Masterclass-Degustation“ des Anlasses hatte ich dem Blaufränkisch von Jalits 2017 vom Ried Szapary nämlich sogar die höchste Note aller sechs degustierten Weine vergeben. Leider aber waren die Österreicher beim Ende der Veranstaltung so schweizerisch pünktlich, dass ich es nicht mehr schaffte, die Weine aller Aussteller degustieren zu können, unter anderem auch jene von Jalits. Und nur aufgrund eines einzigen Beispiels mochte ich keine Empfehlung für ein ganzes Gut abgeben.

Das hole ich aber hiermit sehr gerne und mit Überzeugung nach. Während die beiden Basisweine, ein Welschriesling 2018 und der Blaufränkisch Eisenberg DAC 2017 zwar einfache Weine, aber solche mit hohem Spassfaktor sind, glänzt bereits die Rarität, ein Pinot noir aus dem Jahr 2016, mit einer eigenständigen Auslegung dieser Traubensorte: sehr filigran und „puristisch“, aber doch sortentypisch und vor allem bis zum letzten Schluck spannend und anregend – das absolute Gegenteil eines „Bluffers“. Definitiv grossartig wird das Sortiment aber mit den drei degustierten Lagen-Blaufränkisch, alle Eisenberg DAC Reserve, jene aus den Rieden (= Lagen) Fasching und Szapary sowie der „Diabas“, das Flaggschiff des Gutes mit Trauben aus drei verschiedenen Lagen.

Szapary? Das tönt so ungarisch, und tatsächlich liegt dieser steilste Teil des Eisenbergs nur einige hundert Meter von der ungarischen Grenze entfernt (die direkt an Szapary anschliessende Lage Saybritz erstreckt sich bis zur Grenze).

Begnadeter Winzer und Weinmacher: Mathias Jalits in seinem Weinkeller (Bild: Homepage Jalits)

Zurück zu den drei Weinen. Das ist Blaufränkisch in Vollendung! So unterschiedlich sie ausfallen, so sehr zeigen sie eine verbindende Handschrift: unglaublich kraftvoll, aber trotzdem von tänzerischer Eleganz und enormer mineralischer Frische. Ganz einfach drei tolle Spitzenweine – jetzt trinkbar, aber mit viel Alterungspotential!

Ried Fasching 2016:
Dunkles Rubin; Cassis, Brombeeren, dunkle Kirschen, leichter Holzton. Kräftig, spürbare, feine Tannine, gut eingebundene Säure, langer Abgang.

Ried Szapary 2016:
Mittleres Rot; noch sehr primäre Aromen, fast, als hätte er eben erst die „Malo“ hinter sich, daneben Kaffee und helle Beeren; im Mund druckvoll, im Antrunk zwar eher filigran wirkend, dann aber dicht und wuchtig, schöne Säure, fast nicht endender Abgang. Trotz viel Kraft ein feingliedriger, eleganter Wein.

„Diabas“ 2015 (aus den Lagen Saybritz, Fasching und Reihburg)
Dichtes, glänzendes Purpur; Duft nach Cassis, Leder, Tabak und Thymian; enorm viele, aber sehr feine Tannine, schöne Säure, gut eingebundener Alkohol, wirkt aber trotzdem auf positive Art „feurig“, mittlerer Abgang.

Der „Diabas“ ist sicher der grösste der drei Weine und dürfte sehr lange altern können. Trotzdem, jetzt und wohl auch bis auf Weiteres, macht der „Szapary“ am meisten Spass: So viel hochklassigen Trinkgenuss zu einem solchen Preis (Fr. 20.00) muss man weit suchen!

http://www.jalits.at
http://www.weinzeit.ch
Weitere Bezugsquellen auch für andere Länder sind auf der Homepage von Jalits ersichtlich.

Blaufränkisch aus Eisenberg – zur Entdeckung wärmstens empfohlen!

Eisenberg DAC – der Name ist sozusagen Programm, denn in dieser „Appellation“ gibt es nicht nur rekordverdächtige Eisengehalte in den Böden, es ist auch nur eine Rebsorte zugelassen, die Blaufränkisch. Und das unbekannte Gebiet lohnt eine Entdeckung!

Hoher Eisenanteil: die meisten Böden im Gebiet Eisenberg (Foto EisenbergDAC/ Steve Haider)

Wo liegt dieses Eisenberg? Genauer Eisenberg an der Pinka? Oder noch besser Deutsch-Schützen-Eisenberg, wie die knapp 1’200 Einwohner zählende Gemeinde nach einer Fusion heisst? Der Ort befindet sich im südöstlichsten Zipfel Österreichs im südlichen Burgenland, direkt an der ungarischen Grenze. Charakteristisch ist aber weniger der Ortsname als der gleichnamige „Berg“, der sich zwar nur 420 m über Meer erhebt, damit aber den Ort um rund 200 m überragt und an dessen steilen Hängen die besten Lagen des Gebietes liegen.

Blick vom Eisenberg (Foto EisenbergDAC/ Steve Haider)

Eisenberg? Wenn das Gebiet wenig bekannt ist, dann liegt das sicher an der peripheren Lage, aber vor allem auch daran, dass es mit knapp 200 ha die kleinste Appellation von ganz Österreich ist (seit dem Jahrgang 2008 als DAC). Nur rund 500 ha Reben stehen im ganzen Südburgendland, davon sind eben diese 200 ha mit Blaufränkisch bestockt – und nur reine Blaufränkisch können die DAC tragen. Zudem darf der Wein erst seit 2008 wieder Eisenberg heissen, zuvor wurde er während einem Vierteljahrhundert unter dem Namen „Südburgenland“ vermarktet.

Idyllische Reb- und Waldlandschaft (Foto EisenbergDAC/ Steve Haider)

Dabei ist nicht nur die Landschaft wunderschön, auch die Weine von hier sind äusserst bemerkenswert. Schon die Tatsache, dass nur Blaufränkisch die DAC tragen darf sagt aus, dass diese Traube hier den Ton angibt. Und wie!

Im letzten Herbst gastierten 13 Weinbaubetriebe mit ihren Blaufränkisch in Zürich zu einer faszinierenden Degustation. Aus diesem Gebiet kommen Weine, die zum Besten (und Langlebigsten) zählen, was diese edle Traubensorte hergibt. Nebst den aussergewöhnlichen Böden trägt auch das Klima dazu bei: Es ist hier generell kühler als im restlichen Burgenland. Zwar ist auch hier der Einfluss warmer Luftströme aus der ungarischen Tiefebene spürbar, aber die Hänge sorgen dafür, dass die Luft abkühlt und dadurch wieder absinkt – eine ständige Luftbewegung, warm am Tag, kühl in der Nacht, sorgt für ein ausgeprägte Aromenbildung.

Die Highlights: Thom Wachter, Wachter-Wiesler, Kopfensteiner, Krutzler, StephanO
Keiner der ausstellenden Betriebe fiel ab, man könnte schon fast blind kaufen (die 13 Betriebe repräsentieren immerhin rund einen Viertel aller Winzer des Gebietes, und einer der besten, Uwe Schiefer, war nicht einmal dabei). Trotzdem fielen einige Betriebe speziell auf:
Thom Wachter, Burg: Ausdrucksvolle, frische und dichte Weine. Genial der Ried Königsberg 2017 mit Frische und Eleganz.
Wachter-Wiesler, Deutsch-Schützen: Weine auf der fruchtigen Seite, speziell der Ried Weinberg 2017, ein Ausbund an Frische und Frucht.
Kopfensteiner, Deutsch-Schützen: Runde, geschliffene aber nicht langweilige Weine, mit dem Ried Saybritz 2017 als Quintessenz.
Krutzler, Deutsch-Schützen: Der wohl bekannteste Betrieb aus Eisenberg bestätigt sein Renommee: Faszinierend, wie sich der (tolle, frische) Stil des Hauses in sämtlichen Weinen spiegelt. Sehr gut der Ried Weinberg 2017 und umwerfend fruchtig und dicht der (allerdings vergleichsweise sehr teure) Perwolff 2017.
StephanO, Deutsch-Schützen: Mineralische, frische und vermutlich sehr langlebige Weine mit dem Flaggschiff Ried Fasching 2016.

Es geht auch weiss! Rainer Stubits als Welschriesling-Künstler!
Wahrscheinlich weist Eisenberg das qualitativ homogenste und mit höchste Niveau beim Blaufränkisch auf. Dennoch lohnt sich auch ein Blick auf die Weissen, selbst wenn diese weiterhin unter dem Etikett „Südburgendland“ firmieren müssen. Rainer Stubits aus Harmisch etwa zeigte mit den zwei Weissen Selection Ried Csaterberg und Weisser Opal, welch grosses Potential in der Sorte Welschriesling steckt. Ersterer wurde mit Spontangärung 4 Tage an der Maische vergoren und gefällt durch seine dichte Struktur und Frische. Letzterer zeigt sich mineralisch, frisch und mit einem fast unendlichen Abgang.
Und schliesslich, aber damit verlassen wir das Gebiet Eisenberg und reden von Leithaberg, einem ebenfalls eher unbekannten und bemerkenswerten Gebiet etwas weiter nördlich: Der oben schon erwähnte StephanO lässt einen auf weissem Schiefer gewachsenen Grünen Veltliner spontan vergären und baut ihn in einem Betonei aus – ohne schweflige Säure bis zur Abfüllung. Eine Wucht von einem Weisswein, unglaublich dicht, mit sortentypischer Frucht und einem sehr langen Abgang!

http://www.eisenberg-dac.at
https://www.oesterreichwein.at/unser-wein/weinbaugebiete/burgenland/eisenberg

http://www.thomwachter.at
http://www.wachter-wiesler.at
http://www.kopfensteiner.at
http://www.krutzler.at
http://www.stephano.at
http://www.stubits.at

Bezugsquellen CH (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
Thom Wachter: https://www.divo.ch/de/thom-wachter-einer-der-spuren-hinterlaesst
Wachter-Wiesler: https://www.smithandsmith.ch/de/wachter-wiesler/prod!537/
Kopfensteiner: https://www.weinheld.ch/d/wein/3577/blaufraenkisch-saybritz-eisenberg-dac-reserve-2017.htm
Krutzler: https://www.vinothek-brancaia.ch/manufacturer/krutzler.html
StephanO: https://www.avinum.ch/
Rainer Stubits: http://weinzeit.ch/

Ein Bild gewordener Slogan des Gebietes: 100 % Heimat, 100 % Charakter, 100 % Blaufränkisch (Foto EisenbergDAC/ Steve Haider)

Die Mitte zwischen der Loire und dem Libournais liegt … in Österreich!

Auch an Feiertagen muss man nicht zwingend sündhaft teure Weine trinken, um so richtig geniessen zu können: Aus dem Weinbaugebiet Leithaberg im Burgenland kommt ein grossartiger reinsortiger Cabernet Franc von Stefan Zehetbauer, der wie ein Symbiose zwischen einem Wein von der Loire und einem aus dem nördlichen Bordelais auftritt!

Das burgenländische Weinbaugebiet Leithaberg liegt auf der östlichen Seite des Leithagebirges und westlich des Neusiedlersees. Wenn Ihnen dieses „Gebirge“ nicht geläufig ist, so mag das daran liegen, dass der höchste Punkt nur auf 484 m.ü.M. liegt. Trotzdem spielt dieser Hügelzug für den Wein eine grosse Rolle, bringen doch die kühlen Winde aus den bewaldeten Höhen nachts einen willkommen Ausgleich zum warmen pannonischen Klima rund um den Neusiedlersee. Das Weinbaugebiet weist rund 3000 ha Anbaufläche auf und trägt seit 2010 die DAC. Im Spätherbst 2019 gastierten 15 führende Winzer mit ihren Weinen in Zürich und legten Zeugnis vom grossen Potential dieses Gebietes ab (mehr dazu folgt später).

Die Weingärten von Zehetbauer im Gebiet Leithaberg (Bild Christoph Wagner, ab Presseservice Zehetbauer)

Das Gebiet steht beim Rotwein überwiegend für Blaufränkisch. Deshalb ist es schon fast etwas frevelhaft, wenn ich zuerst über einen Wein aus einer nicht ortstypischen Sorte schreibe, der deshalb auch die DAC nicht tragen darf. Aber der Cabernet Franc 2016 vom Ried Steinberg hat mich sehr überzeugt und ist deshalb eine Notiz mehr als wert.

Dunkles, fast violettes Rubin; Duft nach Brombeeren, dunklen Kirschen, auch etwas Weichselkirschen, würzig, dezent spürbarer Holzton; im Mund saftig, sehr ausgewogene, elegante Balance zwischen Alkohol, Säure und sehr feinen Tanninen; mineralische Frische, dicht und lang im Abgang.

Der Steinberg zeigt sich sehr sortentyisch. Für Sefan Zehetbauer stellt er stilistisch so etwas wie die Mitte zwischen einem Loire-CF und einem CF-lastigen Wein aus dem Libournais dar. Da kann man ihm nur zustimmen, seine österreichische Variante weist die fruchtige Frische eines grossen Loire-Weines auf, bringt aber auch die Wärme und Rundheit eines Bordeaux mit. Und nebenbei gesagt: das Ganze für 18.50 Euro!

Toller Cabernet Franc (Bild Herbert Lehmann ab Presseservice Zehentbauer)

Stefan Zehetbauer führt mit dem Cabernet Franc fort, was schon unter seinem Vater begonnen und heute im Betrieb bereits Tradition hat. Inzwischen sind 2,5 ha Reben mit Cabernet Franc bestockt! Aber auch sonst scheint der Generationenwechsel auf diesem Weingut harmonisch abgelaufen zu sein. 2005 stieg Stefan jun. (der Vater heisst auch Stefan) in den Betrieb ein und übernahm ihn 2009. Doch auch heute noch arbeitet Stefan sen. auf dem Betrieb mit und gibt vor allem im Rebberg sein wertvolles Wissen weiter.

Stefan Zehetbauer vor seinem Keller (Bild Christoph Wagner, ab Presseservice Zehetbauer)

Stefan Zehetbauer wirkt auch im persönlichen Gespräch sehr sympathisch und auf eine ansteckend enthusiastische Art fokussiert auf seine Weine und seine Philosophie, Weinbau zu betreiben und Wein gedeihen zu lassen. Der Ausdruck ist bewusst gewählt, denn Zehetbauer betont immer wieder, dass er so wenig Eingriffe wie nur möglich vornimmt – der Wein soll eben gedeihen können und nicht in eine Schablone gepasst werden. Bei seinem ganzen Sortiment ist das hervorragend gelungen, nicht nur beim Cabernet Franc. Aber hier sprengt er sozusagen geografische Grenzen dazu!

https://zehetbauerwein.at/de/home/

Beugsquelle CH (Teilsortiment mit einem älteren CF):
https://www.avinum.ch/