Raúl Pérez – der Winzer hinter dem Aufschwung von Bierzo. Und der Tüftler, der Wein im Meer verschwinden lässt.

Wenn es eine Weingegend in Spanien gibt, die so richtig im Aufschwung ist, dann wohl Bierzo. Raúl Pérez ist einer der Winzer, die am meisten dazu beigetragen haben. Er glaubte früh daran, dass alte Reben, kleine Rebberge in hohen Lagen, geeignete Böden und lange Reifezeiten die lokale Sorte Mencía zu Höchstleistungen bringen. So traditionell diese Philosophie ist – Pérez ist auch für Neues offen, selbst wenn das Experiment 15 Jahre dauert und im Meer stattfindet.

Manchmal gibt es spannende Zufälle. Bei einer Reise nach Galizien empfahl uns eine Hotelbesitzerin (siehe unten), einen Rotwein aus Bierzo zu probieren, der hervorragend, aber bezahlbar sei. Raúl Pérez sei der Winzer, ein Leuchtturm in der spanischen Weinwelt, der eben erst auch mit einem Wein für Furore gesorgt habe, der 15 Jahre im Meer gelagert wurde. Zurück in der Schweiz lag dann die aktuelle Ausgabe von Vinum im Briefkasten – mit einem vierseitigen Portrait von … Raúl Pérez!

Typische Landschaft in Bierzo, hier nahe der Bodega von Raúl Pérez in Valtuille de Abajo, unweit von Villafranca del Bierzo.

Es ist zweifellos eine meiner Bildungs- bzw. Degustationslücken, dass ich noch nie einen Wein von Raúl Pérez im Glas hatte. Ich wusste nur, dass seine Weine bemerkenswert, aber sehr teuer sein sollen. Ich liess mich deshalb gerne auf den Tipp mit dem preiswerten Wein dieses Winzers ein.

18 bzw. 94 Punkte für 17 Euro? Gibt es von Raúl Pérez!

Der Wein, ein Ultreia Saint Jacques 2022, hat mich tatsächlich begeistert! Er ist fruchtig und frisch, hat viel Kraft, dabei aber eine unglaubliche Finesse und Eleganz. Und der Wein ist angesichts seiner Qualität tatsächlich mehr als nur preiswert – in Mitteleuropa ist er für rund 17 Euro erhältlich! Ich habe den Wein im Hotel mit 18 Punkten bewertet. Vinum gibt ihm (allerdings dem Nachfolgejahrgang 2023) 94 Punkte, was in etwa gleichzusetzen ist. Da sieht man gerne darüber hinweg, dass von diesem Wein rund 240’000 Flaschen aus mehrheitlich gekaufen Trauben hergestellt wurden (Quelle: Parker).

In Beton gegossenes Kunstwerk: Hier wird der beschriebene Wein vinifiziert.

Wenn schon der „Basiswein“ so gut ist, wie müssen dann erst die Spitzenweine schmecken? Das werde ich in nächster Zeit herausfinden und berichten!

Ein Weisswein 15 Jahre im Meer – dafür lernte Raúl Pérez sogar das Tauchen!

Eine spannende Geschichte, über die – sofern meine Recherche richtig ist – hierzulande noch nicht berichtet wurde, haben mir ebenfalls die Hotelbesitzer erzählt, und die gebe ich schon jetzt gerne weiter:

Raúl Pérez begann vor rund 20 Jahren zusammen mit dem Winzer Rodrigo Méndez in Rias Baixas auch Albariño zu poduzieren, u.a. den heute berühmten und teuren Sketch. Vom Jahrgang 2011 versenkte er 600 Flaschen in Metallkäfigen unter einer Muschelplattform rund 20 m tief in der Ría de Arousa (eine Ria ist eine schmale Meeresbucht, die ins Landesinnere von Galizien ragt). Pérez soll übrigens extra dafür das Tauchen gelernt haben, um ab und zu eine Flasche holen zu können, damit er die Entwicklung verfolgen konnte.

Am 9. September 2026 erfolgte nun die definitive Bergung des Weins. Das Experiment sei, so berichten spanische Zeitungen (Links unten), vollauf geglückt. Der Wein soll trotz 15 Jahren unter Wasser noch eine erstaunlich helle Farbe sowie florale und weisse Fruchtaromen zeigen. Beschrieben werden ausserdem eine grössere Dichte und eine ausgeprägtere salzige Note. Pérez selbst vermutet bei einigen Flaschen eine leichte Beeinflussung durch den Korken.

Natürlich kann man von solchen Experimenten halten, was man will. Ein Marketing-Gag ist es jedenfalls nicht, denn der Wein wird nicht verkauft. Im Gegensatz zu einem kürzlich in der Presse erwähnten Barolo, der in der Arktis reifte, bleibt bei Raúl Pérez zumindest quasi das Terroir erhalten. Die Ria de Arousa befindet sich nämlich direkt vor dem Hauptanbaugebiet der Weine von Rias Baixas. Die Geschichte zeigt aber, wie augenscheinlich der Winzer, bei aller Erdverbundenheit und Tradition, offen für Neues ist.

Links auf die Meerlagerung:
https://www.elespanol.com/viajes/cocinillas-gastro/reportajes-gastronomicos/20260910/albarino-paso-anos-mar-raul-perez-rescata-ria-arousa-vino-unico/1003744378446_0.html?utm_source=chatgpt.com

https://www.lavozdegalicia.es/noticia/somosagro/agricultura/2008/07/24/enologo-raul-perez-experimenta-influencia-mar-albarino-sumergiendo-600-botellas-bajo-batea/0003_7009077.htm?utm_source=chatgpt.com

Degustationsnotiz:


Ultreia Saint Jacques 2022, Raúl Pérez
Mittleres Rubin; sehr fruchtbetont mit Johannisbeere und Kirsche, Heidelbeere und etwas geriebener Grapefruitschale, dazu sehr würzig. Im Mund mit sehr saftiger Säure, sehr viel Frische, recht viel, aber äusserst feinen Tanninen, mineralisch, sehr finessenreich und elegant, dabei aber auch mit einem fast burgundisch anmutenden „Feuer“. Jeder Schluck macht Lust auf mehr! 18 Punkte.


Und ein Hoteltipp: O Camiño Fala, an der Verlängerung des Jakobsweges
Wenn Sie je nach Galizien fahren, und insbesondere wenn Sie Santiago de Compostela und/oder Cap Fisterra besuchen, dabei aber Ruhe wollen – und eine tolle Weinauswahl und vorzüglichs Essen, dann buchen Sie im O Camiño Fala in Mazaricos. Dort erhielt ich, nicht nur zu Raúl Pérez, tolle Weintipps und eine perfekte Essensbegleitung glasweise. Das feine Hotel liegt sehr ruhig, etwa 30 Autominuten ab Santiago. Und das Gastgeberpaar (Fabian und Lara, daher „Fala“) ist grossartig. Das Hotel liegt übrigens auch an der Fortsetzung des Jakobswegs (viele Pilger ziehen von Santiago noch weiter bis nach Fisterra).
O Camiño fala | A Coruña, España | Official Website


Weitere Links:
Raúl Pérez (Homepage ist aktuell noch im Aufbau)
Rául Pérez Bodegas y Viñedos

Vinum-Artikel (hinter der Bezahlschranke, aber der sehr schöne von André Dominé lohnt sich)
Raúl Pérez Valtuille de Abajo, Bierzo | Winzerlegende | VINUM

Bezugsquellen:
CH:
Ultreia SAINT JACQUES Mencia 2023 – Raúl Pérez | TERRAVIGNA
D:
Raul Perez: Ultreia Saint Jacques Mencia 2022 – Lobenbergs

Und übrigens: Falls Sie einmal auf den Jakobsweg gehen – dieser führt keine 500 m von der Bodega von Raúl Pérez entfernt durch. Da müsste doch noch ein kleiner Abstecher drinliegen!

Interessennachweis:
Der beschriebene Wein wurde im erwähnten Hotel käuflich erworben.

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