Der Jahr des Winzers (11): Das Spritzen, unromantisch, aber notwendig.

spritzen
Der Autor beim Spritzen seiner Reben. (Die Situation ist authentisch, aber insofern „gefaked“, als seit rund 10 Jahren unser Rebnachbar für den Pflanzenschutz sorgt und hier deshalb auch nur Wasser verspritzt wird)

Wieso nur findet man in keinem Hochglanzprospekt und auf keiner Homepage von Winzern solche Bilder? Für das Image scheint das Spritzen jedenfalls nicht förderlich zu sein.

Dabei würden wir in den meisten Jahren keinen Schluck Pinot noir, Chardonnay oder Riesling aus Mitteleuropa trinken können, wenn keine Pflanzenschutzmittel versprüht würden. Seit in der zweiten Hälfe des vorletzten Jahrhunderts die Pilzkrankheiten Peronospora und Oidium (falscher und echter Mehltau) aus Amerika eingeschleppt wurden, gedeihen die klassischen, europäischen Rebsorten nur noch dank Pflanzenschutz.

Was freilich versprüht wird, ist eine andere Sache. Es gibt Mittel, die „systemisch“ wirken, also von der Pflanze aufgenommen und darin transportiert werden, allenfalls sogar mit Depotwirkung. Das nennt sich dann heute „konventioneller Rebbau“….
Es gibt „halbsystemische“ Mittel und es gibt solche, die nur als „Kontaktmittel“ wirken, d.h. auf der Pflanze aufgetragen, aber beim nächsten Regen abgewaschen werden. Besser als ich wissen da Wikipedia oder auch Agroscope Bescheid:
https://de.wikipedia.org/wiki/Fungizid#Systemische_Xylem-Verteilung_in_der_Pflanze
https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/themen/pflanzenbau/weinbau/pflanzenschutz-rebbau/recommandations-pv-viticulture.html

Ich enthalte mich hier einer Wertung, weil es ja in meiner Serie „nur“ um die Arbeiten im Weinjahr geht. Immerhin soviel: Klar ist, dass bei der Anwendung von systemischem Mitteln weniger oft gespritzt werden muss als beim Einsatz von reinen „Kontaktmitteln“. Dass von letzteren weniger Rückstände im Wein nachweisbar sind, erscheint aber auch logisch. Je nach Wahl der Mittel muss ein Winzer in unseren Breitengraden aber sicher 6 bis 10 mal pro Rebbjahr mit der Spritze ausrücken. Unromantisch, aufwändig, aber unabdingbar.

(Es sei denn, ein Winzer setzt auf pilzresistente Sorten, aber das ist wieder ein anderes Thema, auf das ich hier sicher auch noch zurückkommen werde, genau wie auf die Problematik des Einsatzes von Fungiziden, Akaraziden und vor allem Herbiziden.)

Zur frühen, und vermutlich den Rebbau in Europa rettenden Entdeckung von Pflanzenschutzmitteln siehe auch hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Bordeauxbrühe

 

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