Casanova: etwas vom Allerbesten!

Marco Casanova Wein Pur in Walenstadt – berührend gut!

Eine Entdeckung ist es ja nicht mehr, denn Marco Casanova war letztes Jahr bereits von Vinum als „Biowinzer des Jahres“ geadelt worden. Und seine Stationen vor der Selbständigkeit – Mas Soleilla und Mattmann – hatten es ja auch schon in sich. Und trotzdem, der Besuch in Walenstadt war eine Offenbarung!

casanova
Marco Casanova – ein Name, der einem eigentlich schon geläufig sein müsste, den man sich aber ganz sicher merken muss!

Herausforderungen scheinen das Ding von Marco Casanova zu sein, und Aufbauen eines Weingutes dazu: Er hat als Kellermeister mitgeholfen, Mas Soleilla gross zu machen. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz hatte er die gleiche Rolle im Weingut Mattmann (Cicero) in Zizers. Nach dem tragischen Tod von Thomas Mattmann führte er zuerst jenen Betrieb weiter, um sich ab 2013 dem Aufbau seines eigenen Rebgutes in Walenstadt zu widmen. (Mit Reben dort und in Zizers).

Und dieses Rebgut – CasaNova Wein Pur – muss man sich merken! Und die Weinbaugemeinde Walenstadt damit. Wir besuchten Casanova am Tag der offenen Weinkeller, es war der Abschluss eines spannenden Tages, und es war, trotz der Hochklassigkeit einiger davor besuchter Güter (u.a. von Tscharner und Möhr-Niggli, die uneingeschränkt hervorragend sind), das Glanzlicht des Tages! Kein einziger Wein im Sortiment, der nicht völlig überzeugt – und alles Weine mit Tiefgang und „Seele“.

Dabei ist das Sortiment schon im „Normalzustand“ heterogen: Von den herkömmlichen Sorten wie Müller Thurgau, Chardonnay und Pinot noir über Sauvignon blanc und Riesling, hin zu den Piwi-Sorten Cabernet Jura, Gamaret und der ganz besonderen Sauvignon Soyhières (gewöhnungsbedürftig, aber total spannend und mit einer völlig ungewohnten, exotischen Fruchtigkeit versehen; gefällt sehr gut, es ist eher die Frage, wie dieser Wein kulinarisch einzusetzen ist).

Herausforderungen scheinen das Ding von Marco Casanova zu sein: 2017 zerstörte der Frost fast seine gesamten Rebberge. Zwar schlugen die Reben nochmals aus, aber es gab massiv weniger Ertrag, in einigen Parzellen war sogar nichts zu ernten. Casanova, wie uns sein sympathischer Mitarbeiter erklärte, ein Organisationsgenie, zog darauf alle Register und besorgte sich Trauben oder Saft aus der ganzen Schweiz und aus halb Europa. Deshalb ist sein Sortiment zur Zeit noch viel breiter; statt Müller Thurgau gibt es Chasselas, statt dem „Alltagspinot“ wird Sangiovese angeboten. Und dank seiner alten Beziehung zu Mas Soleilla gibt es auch einen Wein im südfranzösichen Stil. Auch hier gilt: Das sind Weine auf extrem hohen Niveau, keiner fällt ab!

Trotzdem sind auch in kleineren Mengen als üblich noch die eigentlichen Gutsweine erhältlich, teils natürlich auch noch aus früheren Jahren, insbesondere bei den Roten. Bei letzteren lässt Casanova die einzelnen Terroirs spielen; trotzdem ist sein Stil über alle Weine unverkennbar. Es sind wundervolle, elegante und ausdrucksstarke Gewächse. Bei allen wird das Holz sehr dezent eingesetzt (resp. ist nur dezent spürbar), die typische Pinotfrucht kommt hervorragend zum Tragen. Und den „Cabernet“ (Cabernet Jura und Gamaret) muss man einfach probiert haben, das ist ein toller, dichter, ausdrucksvoller Wein.

Trotz absolut überzeugendem Rotweinsortiment hat mich ein Weisser am meisten beeindruckt: Der Sauvignon blanc „Seemühle“ aus Walenstadt, der ganz einfach umwerfend gut und Schauder erzeugend berührend ist. Welche Klarheit, welche Frucht, welche Finesse, welche Dichte, welch unglaublicher Abgang.
Sauvignon-Winzer der Welt: Hier seht ihr den Massstab für einen genialen Wein aus dieser Sorte. (Und das aus dem Problemjahrgang 2017!) Ich bin rundum begeistert!

seemühle

 

Sauvignon blanc, Seemühle, 2017
Mittleres, glänzendes Gelb. Duft nach Holunderblüten, Quitten, Anflüge von Limetten und von Williams-Brand. Dichter Körper, dezente Säure und trotzdem eine unglaubliche Frische, leichte, aber nur bereichernde Bitternoten, fast nicht endender Abgang. Absoluter Spitzenwein – sorry – einfach Weltklasse aus der Schweiz. Und sinnlich und berührend dazu.

 

 

Und bei allem, ich hab’s noch gar nicht erwähnt: Das Weingut arbeitet biologisch (einige Weine aus gekauften Trauben ausgenommen) und ist seit Kurzem auch Demeter-zertifiziert. Ein Beispiel mehr, dass gerade solche Betriebe die berührendsten Weine herstellen!


Und zum Schluss, Entwicklungshilfe in Sachen Chasselas:

Wie erwähnt, bietet Casanova als Ersatz für den ausfallenden Müller-Thurgau in diesem Jahr einen Chasselas aus gekauften (aber mit der eigenen Equipe geernteten) Trauben an. Und als ob der Probleme nicht schon genug gewesen wären, hatte dieser Wein auch noch die Frechheit, schon während der Gärung auch den biologischen Säureabbau zu beginnen. Abstoppen, wie eigentlich geplant, war deshalb nicht möglich.
Aber das Verrückte daran: Herausgekommen ist ein absolut toller Chasselas mit einer guten Säure und schöner Struktur. Süffig und trotzdem charaktervoll. Und das von einem Winzer, der zum ersten Mal im Leben diese Traubensorte keltert!
Chasselas-Winzer der Welt (resp. der Westschweiz): So geht Chasselas!

http://www.casanova-weinpur.ch/index.html

 

 

 

Auf zu den Deutschschweizer Winzern – second (and last) call!

Tage der offenen Weinkeller – noch am 5. und 6. Mai 2018

Wer den Tag der offenen Weinkeller am 1. Mai verpasst hat (und der hat etwas verpasst!), hat vielenorts noch eine zweite Chance! Am 5. und/oder 6. Mai öffnen viele Winzer ihre Keller nochmals. Nichts wie auf zu einer Entdeckungsreise!

eingang-casanova
Ein ganz persönlicher Tipp: CasaNova in Walenstadt. Rundum fantastisch! Und ja – ein Bio-Betrieb mit Demeter-Zertifizierung. Hat am Samstag, 5.5. noch offen. Und wird bald hier im Blog noch genauer vorgestellt. (Bild vl)

Die Entwicklung des Schweizer, und namentlich des Deutschschweizer Weinbaus in den letzten zwei Jahrzehnten ist qualitativ eine einzige Erfolgsstory! Wer noch nicht gemerkt hat, welch tolle Weine heutzutage produziert werden, der muss am kommenden Wochenende unbedingt einige Winzer besuchen! Und wer es schon gemerkt hat, erst recht, denn es gibt von Jahr zu Jahr tolle Entwicklungen.

Vor drei Jahren beispielsweise besuchte ich das Weingut Möhr-Niggli in Maienfeld, damals nicht sehr bekannt – heute hochgejubelter „Shooting-Star“. Wer weiss, vielleicht macht ein Betrieb gleich um die Ecke, Ralf Komminoth, bald auch einen Bekanntheitssprung (die Pinots haben jedenfalls Potential).

Ganz generell: Von neun besuchten Betrieben haben drei mit dem gesamten Sortiment geglänzt, fünf waren sehr gut und zeigten einzelne Perlen im Sortiment – nur einer fiel wirklich ab und ist keine Empfehlung wert. Und dabei besuchten wir bewusst sieben uns noch nicht bekannte Winzer! Mehr Datails folgen auch hier – aber machen Sie sich doch irgendwo in der Deutschschweiz vor allem ein eigenes – mit Sicherheit gutes – Bild!

https://www.offeneweinkeller.ch/home/

http://www.casanova-weinpur.ch/
http://www.moehr-niggli.ch/
https://www.ralfkomminoth.ch/

 

 

 

bio logisch – jetzt auch Irene Grünenfelder!

Mein Blog bezweckt nun wirklich nicht, zu einem „Bio-Sprachrohr“ zu werden, auch wenn ich Sympathien für diesen Weg habe. Siehe dazu auch mein früherer Beitrag:
https://victorswein.blog/2018/01/20/biowein-ist-untrinkbar-wirklich/

Es hat mich aber selbst immer wieder verwundert, wie oft ich eben genau solche Weine aussergewöhnlich fand, auch wenn ich gar nicht wusste, dass da „bio“ drin ist (mein nächster Beitrag wird wieder von einem solchen Erlebnis handeln).

Vor fünf Minuten habe ich nun den Newsletter von Irene Grünenfelder aus Jenins erhalten. Ihre Weine faszinieren mich seit Jahren, und ihr Pinot noir „Eichholz“ hat schon in mehreren privaten Jahrgangsdegustationen alle (alle!) anderen aus der Region auf die Ränge verwiesen.

Und nun das: Ein Spitzenweingut mehr, das sich „Bio“ verschreibt! Das sollte langsam allen anderen zu denken geben!

Hier noch die kopierte Orginalnachricht von Irene Grünenfelder (und der Link auf  Homepage)

https://www.eichholz-weine.ch/

grünenfelder

Die Online-Sofahändler

Mit dem Weinhandel bei Ricardo oder ebay ist es so eine Sache. Ich beginne zu verstehen und zu akzeptieren, warum die Weine der grossen Bündner Produzenten ab Hof immer teurer werden. Was muss etwa Gantenbein denken, wenn sein 2015er Pinot noir auf einer Plattform für 149 Euro angeboten und auch verkauft wird. Im Handel war dieser Wein vor einem Jahr für knapp unter 90 Franken erhältlich (wobei erhältlich das falsche Wort ist; dieser Wein wird zugeteilt). Also dürfte der Preis ab Weingut um 70 Franken gelegen haben, mehr Marge liegt für den Händler bei Schweizer Weinen kaum drin.

Gantenbein’s schuften also ein ganzes Jahr, bezahlen ihre Angestellten und Helfer und amortisieren ihre Investitionen zum gleichen Ertrag, den ein „Weinfreund“ mit dem Kauf (oder eben der Zuteilung) und sofortigem Weiterverkauf verdient. Früher gab es im Schweizer Weinhandel die sogenannten „Sofahändler“, das waren solche, die über ein Importkontingent verfügten und vom Weiterverkauf dieser Rechte gut lebten. Die heutigen Sofahändler verkehren online!

Als Weinfreund ohne Anführungszeichen könnte man sich schon fast sozialistische Verhältnisse im Weinbereich herbeiwünschen. Oder Weinhändler, die nur gegen ein striktes Weiterverkaufsverbot zuteilen (beide Ideen sind unsinnig, ich weiss).

Mein nächster Beitrag wird übrigens von einem Weinkauf bei Ricardo handeln 🙂