In Grossheubach am Main gab es auf dem Weingut Kremer in den letzten Wochen ordentlich zu feiern. Beim Wettbewerb „Best of Franken“ wurde ein Wein des Gutes zum Sieger in der Kategorie rote Burgunder gekürt und die Tochter Mia konnte sich die Krone als Weinprinzessin aufsetzen lassen. Aber auch alle Weinfreunde haben zu feiern: Die Weine des Gutes sind grossartig!

Gerechnet hatte Ulrich Kremer mit dem Erfolg am Wettbewerb offensichtlich nicht. Er hatte am fraglichen Nachmittag des 7. Juli 2025 nämlich mit dem Blogger und Podcaster Ulrich van Stipriaan von „STIPvisiten“ (unbedingt empfehlenswert, Link siehe unten) abgemacht. Mitten in den Aufnahmen läutete das Handy. Nach zweimal Wegdrücken fand Uli beim dritten Versuch der gleichen Nummer, er müsse jetzt abnehmen, es könnte dringend sein.
30 Minuten, um sich für die Siegesfeier umzuziehen!
Und es war dringend: Die Jury übermittelte ihm die Botschaft vom Gewinn am Wettbewerb „Best of Franken 2025“ mit dem gleichzeitigen Aufgebot, sich spätestens in zwei Stunden im rund 80 Autominuten entfernten Iphofen zur Siegesfeier einzufinden! Der Anlass ist deutschlandweit einzigartig. Es werden durch eine professionelle Jury am gleichen Tag in elf Kategorien aus rund 400 Weinen die Sieger erkoren; am Morgen in der Vorausscheidung, am Nachmittag im Final – mit einem grossen Fest am Abend. Fotos und weitere Informationen dazu siehe Link unten.

Grossartige Weinqualität – vernünftige Preise.
Zwei Tage später hatte ich bei einem Besuch auf dem Gut die Gelegenheit, diesen und weitere Weine vor Ort zu verkosten. Und ja, man kann die Jury mehr als verstehen, der Pinot Noir Réserve 2022 ist schlicht grossartig. Er ist auf den Steillagen des Grossheubacher Bischofsberg mit Reben eines französischen Pinot-Klons gewachsen und wurde bereits am 5. September jenes Jahres geernet. Aber auch alle anderen degustierten Weine des Gutes haben uneingeschränkt überzeugt. Das ist alles grosse Klasse – und das Schönste daran ist, dass die Weine auch noch bezahlbar sind. Wo sonst bekommt man noch einen Spitzenwein aus Pinot Noir für 25 Euro und einen Chardonnay für 19.50? Oder einen tollen Spätburgunder für 9.50?

Die ersten drei Plätze? Alle aus Churfranken!
Ein tolles Detail zur Siegerehrung hier noch am Rand: Bei jeder Kategorie amtet ein im Voraus bestimmtes Jurymitglied als Pate bzw. Patin des jeweiligen Siegerweins. Für die roten Burgunder war dies die Sommelière Niki Restel, die zusammen mit ihrem Mann das sehr empfehlenswerte Feinschmeckerlokal Krone in Grossheubach führt – nur einen Steinwurf vom Weingut Kremer entfernt. Die Siegerehrung wurde also fast zu einer Lokalveranstaltung – dies umso mehr, als alle drei Weine, die es in den Final schafften, aus Churfranken stammen. Und der Lokalkolorit geht noch weiter: Gabriel Restel, Sohn des Krone-Wirtepaars, arbeitet auf dem Betrieb der Kremers mit. Er stellt übrigens auch zwei eigene Weine her, und Sie werden hier zu einem späteren Zeitpunkt im Rahmen einer Müller-Thurgau-Würdigung nochmals von ihm lesen.

Ein echter Familienbetrieb.
Das Weingut Kremer gibt es zwar schon seit rund 50 Jahren, so richtig weinbasiert auf 3 Hektar aufgebaut wurde es aber erst von Vater Stefan, der auch heute noch auf dem Familienbetrieb mitarbeitet. Sohn Uli verdiente erst seine Sporen auf verschiedenen anderen Weingütern ab und ist seit 2014 im Betrieb tätig. Seit 2023 ist er formell der Besitzer des Weinguts, das inzwischen 14 Hektar Rebfläche umfasst. Die Familie ist sehr wichtig auf diesem Hof, Mutter Christine und Ehefrau Sabrina arbeiten tatkräftig mit, vor allem im Vertrieb und in der Heckenwirtschaft.

Geduldig gewartet – und jetzt ist Mia Weinprinzessin.
Zur Familie gehören auch die beiden Kinder Mia und Vincent – und Tochter Mia ist eine Prinzessin! Auf der Homepage der Kremers wird sie als geschätzt etwa 12-jährige portraitiert und unter ihren Aufgaben steht „geduldig auf meine Zeit als Weinprinzessin warten“ (liebe Kremers, die Homepage sollte aktualisiert werden …). Heute ist sie 17 Jahre alt, Gymnasiastin – und seit Mai tatsächlich Grossheubacher Weinprinzessin! Als solche wird ihr die Aufgabe zukommen, den Ort und seine Weine an regionalen und überregionalen Anlässen würdig zu vertreten. Und wer könnte das besser als die Tochter einen Spitzenweingutes.

Spitzenweingut – und da kommt wohl noch mehr!
Ein solches ist Kremer Weingut zweifellos schon heute. Uli sagt allerdings, dass er sich immer noch in der Findungsphase befinde. Angesichts der heutigen Qualität ist das sehr tief gestapelt. Trotzdem kann man gespannt sein, wohin ihn die qualitative Reise noch führt. Ich bin mir sicher, dass man von diesem Weingut noch sehr viel hören wird!
Und zumindest in einem Punkt ist man bei Kremer anderen Betrieben schon weit voraus: Auf der Etikette werden die Inhaltsstoffe bereits aufgeführt, und die haben auf einer einzigen Zeile Platz: „Zutaten: Trauben, Antioxydantien: Sulfite“. Uli Kremer sagt dazu: „Ich will dem Wein nichts zugeben, ein Jahrgang soll sich zeigen, wie er ist, manchmal mit mehr, manchmal mit weniger Säure“. Bemerkenswert und vorbildlich!

Degustationsnotizen
(Die Weine wurden vor Ort im Weingut verkostet; der Chardonnay und der Pinot Noir Réserve zudem zuhause mit dem gleichen Ergebnis und praktisch identischer Beschreibung nochmals nachdegustiert).
Silvaner „alte Reben“, Grossheubacher Bischofsberg, Qualitätswein trocken, 2023 (über 80-jährige, wurzelechte Reben!)
Mittleres Gelb; sehr feine Nase mit Düften nach Birne und Aprikosen, etwas Pfeffer; im Mund mit sehr dichtem Körper. saftige Säure, ganz dezent spürbares Holz (grosses Fass, zweite Belegung), bei aller Dichte ungemein elegant mit mineralischem Touch, sehr langer Abgang. Genialer Silvaner! 18 Punkte.

Chardonnay, Grossheubacher Bischofsberg, Qualitätswein trocken, 2023
Helles Goldgelb; zurückhaltende, aber sehr feine und breit gefächerte Frucht (Zitrus, auch Organgenzeste, dezent Papaya, weisse Johannisbeeren), dazu auch florale Anflüge und kaum wahrnehmbar etwas neues Holz; im Mund saftig, spürbare, aber sehr schöne Säure, mineralisch mit kräftigem, aber elegantem Körper, glasklare Linie, auch im Mund feine, dezente Frucht und etwas Fruchtsüsse, sehr langer Abgang. Ein sehr feiner Chardonnay! 18 Punkte.
Weissburgunder, Grossheubacher Bischofsberg, Qualitätswein trocken, 2023
Helles Gelb; sehr typisch Weissburgunder, filigrane Düfte, feine, aber zurückhaltende Fruchtnoten (Birne, weisse Pflaume, ganz wenig auch exotische Früchte), leichte Note von neuem Holz; im Mund frisch und mineralisch, knackige, aber sehr gut eingebundene Säure, ausgewogen und rund, langer Abgang. Zeigt sehr schön, was aus dieser Sorte möglich ist! 17,5 Punkte.
Pinot Noir Réserve, Grossheubacher Bischofsberg, Qualitätswein trocken, 2022 (der Siegerwein bei „Best of Franken“)
Mittleres Rubin; tiefgründiges, fruchtbetontes Pinot-Bukett mit Duft nach Walderdbeeren, roten Johannisbeeren, aber auch etwas Zwetschge und Pflaume, Anflug von Leder; im Mund frisch mit knackiger, saftiger Säure, sehr feine Tannine, tänzerisch elegant und gleichzeitig konzentriert, druckvoll und feurig (nicht zu verwechseln mit alkoholisch!), langer, fruchtbetonter Abgang. Einfach toll! 18,5 Punkte.
Spätburgunder Churfranken, Grossheubacher Bischofsberg, Qualitätswein trocken, 2021
Mittleres Rot; eher verhaltene, aber feine Nase mit fruchtigen Anflügen von roten Johannisbeeren und schwarzen Kirschen; im Mund sehr elegant und fein, schöne Säure, sehr feine, auch ganz leicht „grünliche“ Tannine, brillant, langer, sanfter und zugleich auch „feuriger“ Abgang. Für unter 10 Euro eine Wucht! 16,5 Punkte.
Links:
Weingut:
Home – Weine Genussregion Churfranken – Weingut Kremer
Bericht über „Best of Franken“:
Best of Franken 2025: die Siegerweine sind gekürt – Franken – Silvanerheimat
Region Churfranken und Gasthof Krone in Grossheubach:
Willkommen in Churfranken
Gasthaus Krone – Gasthaus Krone
Erwähnter Blog von Ulrich van Stipriaan:
(Lebt eine ähnliche Philosophie wie ich; der Blog ist unabhängig und gratis abonnierbar, deckt zudem Reisen und Gastronomie ab)
Homepage | STIPvisiten
Interessennachweis:
Die Weine wurden auf dem Weingut im Rahmen einer Pressereise auf Einladung von Churfanken e.V. degustiert. Der Pinot Noir und der Chardonnay wurden im Anschluss an die Reise auf dem Weingut noch käuflich erworben und zuhause nochmals nachdegustiert.
War Fürst auch dabei ?
Nein, Fürst nimmt seit einigen Jahren nicht mehr teil; er hat es nicht nötig und könnte wohl nur verlieren. Aber zur Einordnung gerne dies: Tags darauf waren wir bei Fürsts und konnten u.a. den Pinot Noir Hundsrück GG 2020 probieren. Das ist ebenfalls grossartig, und ich habe diesen Wein (wie übrigens auch den Chardonnay R 2023) mit 19 Punkten bewertet, also einen halben Punkt höher aus den Siegerwein von Kremer. Max Gerstl würde dem sicher 20 Punkte geben. Und auch zum Vergleich: Zweitplatzierter bei Best of Franken rote Burgunder war das ebenfalls schon länger hoch bewertete Weingut Josef Walter mit dem Spätburgunder Centrafenberg 2020. Diesen Wein konnte ich nicht verkosten, aber dem sicher vergleichbaren Spätburgunder Hundsrück 2019 von Walter habe ich ebenfalls 18,5 Punkte gegeben, auch das ein richtig grosser Wein – wie eben auch der Pinot Noir Réserve 2022 von Kremer!
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