Rudolf Knoll und Armin Faber: Zwei Altmeister publizieren ein fabelhaftes Buch zur Wein-Pfalz!

Weinbücher sind nicht mehr in Mode? Von wegen – was der Weinjournalist Rudolf Knoll und der Weinfotograf Armin Faber über 50 Weingüter in der Pfalz vorlegen ist zeitlos klassisch, aber hochaktuell. Für Freunde des deutschen Weins ein Muss!

Die Pfalz ist immer eine Reise wert (und ein Buch auch!)

Rudolf Knoll: Der dienstälteste Vinum-Mitarbeiter, immer kritisch, immer fair.

Wenn es ein noch immer aktives Urgestein bei der Weinzeitschrift Vinum gibt, dann ist es Rudolf Knoll. Fast von Beginn weg (genau seit 1984) ist er für Vinum tätig. Auch heute noch arbeitet er, obwohl inzwischen schon 75-jährig, als freier Mitarbeiter weiterhin für das Weinmagazin. Von Beginn weg war er der Spezialist für Deutschland, was für eine damals hauptsächlich in der Schweiz erscheinende Zeitschrift nicht nur einfach war. Aber Rudolf Knoll hat viel dazu beigetragen, dass der Ruf des deutschen Weins auch in Helvetien wieder gut wurde. Darüber hinaus war er für Österreich und Osteuropa zuständig – auch das war damals kein Zuckerschlecken (vor allem, wenn nicht Zucker sondern Glykol im Spiel war …). Aber Rudolf Knoll liess sich nicht beirren, und er wurde dank seiner kritischen, aber immer positiven Art zum wohl ernsthaftesten Weinjournalisten zu Deutschland und Österreich.

Die zwei Urgesteine des deutschen Weinjournalismus: Fotograf Armin Faber (links) und Redakteur Rudolf Knoll (rechts), Bild zvg

Ebenfalls ein Urgestein – in der Weinfotografie – ist Armin Faber. Der Autodidakt begann sich früh intensiv mit Wein und Food auseinanderzusetzen und wurde in der Weinszene für seine einfühlsamen Fotos bekannt. Er hat viele Bücher bebildert, das nun vorliegende scheint mir ganz besonders gut gelungen.

Fabelhafte Weingüter Pfalz: ein moderner Klassiker.

Das Buch heisst „Fabelhafte Weingüter Pfalz“ und ist auf den ersten Blick altmodisch. Herrlich altmodisch sogar! Altmodisch in einer extrem positiven, klassischen – und gerade deshalb erfrischenden Art und Weise. Für diesen Eindruck ist primär das Layout verantwortlich. Das beginnt schon beim Umschlag: da ist nichts als weisse Schrift auf anthrazitfarbenem Hintergrund. Und das setzt sich insofern im Innern fort, als die ganze Gestaltung ruhig und übersichtlich daherkommt. Da stören keine Panels, keine Sterne oder schräge Schriften. Statt einer „Jupidu-Grafik“ besticht das Buch durch eine klassische, aber keineswegs langweilige Gestaltung. Und dieser Eindruck bestätigt sich dann auch in Text und Bild. Das Konzept gibt jedem der 50 portraitierten Weingüter vier Seiten, wovon eine für eine Foto der jeweiligen Eigentümer oder Betreiber reserviert ist und eine für jeweils drei Weinbeschreibungen und Facts zum Betrieb. Fotografisch wird das Ganze abgerundet durch ausserordentlich feinfühlige Aufnahmen aus dem Betrieb, das können Auschnitte aus dem Keller sein, ein besonderes architektonisches Detail oder auch mal die Hauskatze. Armin Faber beweist mit seinen Bildern einen hervorragenden und einfühlsamen Blick für spannende Details.

Der Blick von Armin Faber für schöne Details (ab Buch fotografiert)

Professionelle, spannende, konzentrierte Informationen mit einem feinen Mass an Schalk.

Trotz allem bleiben aber natürlich die Texte von Rudolf Knoll das Wichtigste. Und hier beweist der Altmeister einmal mehr seinen hohen Sachverstand, sowohl beim Beschrieb der Weine als auch des jeweiligen Betriebes. Auch die, wie üblich bei Knoll, gepflegte Sprache, gehört in den klassischen Bereich, er schafft es aber auch, zuweilen mit Schalk und immer wieder mit interessanten Details, erfrischend modern zu berichten. So erfährt man, um bei den Katzen zu bleiben, dass diese „Riesling“ und „Schorle“ heissen, aber im gleichen Text schafft es Rudolf Knoll auch, die Geschichte, die Philosopie und die Struktur des Betriebes der Leserin und dem Leser perfekt zu vermitteln. Und wer, wie ich, selbst nicht ständig in der Pfalz unterwegs ist, erfährt auch viel Neues zu Winzerinnen und Winzern und lernt sogar solche kennen, die bisher unter dem eigenen Radar liefen.

Wenn es eine Kritik am Buch gibt, dann zur Auswahl der vorgestellten Güter. Zwar kann ich die Wahl der 50 Betriebe mit einer einzigen Ausnahme (und bei der ist immerhin die Geschichte spannend) sehr gut nachvollziehen. Und irgendwo musste ja auch eine Selektion erfolgen, sonst wäre das Buch zu einer Bibel geworden. So kann man ja darüber hinwegsehen, dass Namen wie Messmer, Jülg, Kranz, Wehrheim oder Wind nicht vertreten sind. Aber das Fehlen von Christmann, Rebholz und Zeter empfinde ich persönlich dann doch als etwas schwer erklärbar.

Allerdings weist sich der Autor in dieser Hinsicht mit dem Titel des Buches über Cleverness aus. Während andere (modern und umsatzfördernd) „die 50 besten Weingüter der Pfalz“ getitelt hätten, schreibt Rudolf Knoll (klassisch und bescheiden) „fabelhafte Weingüter Pfalz, 50 legendäre Weingüter und ihre Spitzenweine“. Und somit läuft auch meine vorherige Kritik ins Leere …

Prädikat: Sehr empfehlenswert und dazu bezahlbar

Alles in Allem: Wer deutschen Wein, und insbesondere jenen aus der Pfalz liebt, und wer auf lesenswerte (und sehenswerte, was die Fotos betrifft) Art etwas mehr über hervorragende Produzentinnen und Produzenten der Pfalz erfahren will, für den ist dieses Buch ein absolute Empfehlung. Und für 29.90 Euro/CHF inkl. Versand (für Vinum-Abonnenten gar nur 15 Euro/CHF) ist es geradezu ein Muss.

Rudolf Knoll/Armin Faber, „Fabelhafte Weingüter Pfalz“, Vinum-Verlag, ISBN 978-3-033-10298-9 DE

Buch „Fabelhafte Weingüter Pfalz“ (vinum.eu) (Deutschland)
Buch „Fabelhafte Weingüter Pfalz“ (vinum.eu) (Schweiz)


Interessennachweis:
Das Buch wurde mir auf Nachfrage von Vinum als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus sei offen gelegt, dass ich vor vielen Jahren bei Vinum mit Rudolf Knoll zusammengearbeitet habe und ihn nicht nur als sehr zuverlässigen Kollegen und fundierten Weinfachmann, sondern auch als feinen Menschen sehr geschätzt habe. Die vorliegende Rezension ist aber kein Gefallen an Rudi, sondern echte Überzeugung!

Ein bisschen Klischee fehlt nicht; eines der Einstiegsbilder in das Buch, welches aber ansonsten nicht von Landschaftsbildern, sondern von Betriebsprotraits lebt (ab Buch abfotografiert).

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